Wenn einer eine Reise tut …
5. März 2012
dann kann er was erzählen.
Oder auch nicht, denn wenn es bei der Reise nicht um die Entdeckung von großartigen Landschaften oder Städten ging, sondern um die Feier eines Geburtstages und das Wiedersehen mit schon viel zu lang nicht mehr gesehenen Menschen, dann kann man eigentlich nicht viel berichten. Viel zu viel Situationskomik und kleine Witzchen, die zwar bei den Dabeigewesenen für ein versonnenes “war so schön”-Lächeln sorgen, anderen aber eher ein ratloses Schulterzucken entlocken.
Die Ausbeute des Wochenendes war in diesen Taschen verpackt:

Die Gastgeberin wohnt nämlich beinahe in den Niederlanden und deshalb verbrachte ich das letzte Wochenende immer abwechselnd in zwei Ländern und schlief so wenig, wie schon lange nicht mehr.
Freitag morgen, 5.48 Uhr stieg ich in den Zug und kam mit Umsteigen und Verspätungen und Hoffen/Bangen/Zittern wegen Anschlusszügen fünf Stunden später an. Stieg rasch in ein Auto um, lud Gepäck ab und füllte Kaffee auf, stieg wieder ins Auto und fuhr über die Ex-Grenze zum Flughafen. Einen weiteren Gast abholen.
Und weil wir schon mal im Nachbarland waren und jeder nähbegeisterte Mensch weiß, dass es in Holland den besten Stoff gibt (friss das, Herr Gugel), machten wir einen Abstecher in einen wirklich großen Stoffladen. (Sogar einen Kaffee bekamen wir dort angeboten)
Vertraute Gesichter lachten uns entgegen und zu fünft hatten wir sehr schnell zwei Einkaufswagen randvoll beladen.

Dort an der Kasse machte ich mir zum ersten Mal Sorgen um zu wenig Platz im Koffer und zu viel Leere im Geldbeutel.
Zur Beruhigung gab´s echtes niederländisches Cholesterin in Form von sehr viel Frittiertem und abends Wein und Secco aus (meinen) heimischen Gefilden. Und um Mitternacht war die Enthemmung groß genug für ein gesungenes Geburtstagsständchen.
Erschreckend schnell und früh kam der nächste Morgen samt detailiert geplantem Tagesprogramm, denn jede Minute ist kostbar :)
Am Rhein entlang (mit Blick auf die Golden Gate Bridge) ging es ins Gummibärchenparadies. Ich kaufte für knapp 15 Euro den Jahresvorrat an Süßbappsch für die Familie. Dachte ich.

Denn Süßbappsch kriegt an doch nie genug, schon gar nicht, wenn mal einen Abstecher in einen niederländischen Supermarkt macht, in dem es fiese, süße Schweinereien gibt. Diese ganzen Schokostreusel und -flocken zum Beispiel. Oder Sirupwaffeln. Oder diese Kekse mit Marzipan. Oderoder.
Langsam schaute ich mich nach einem größeren Koffer um.
Am nachmittag flitzten wir wieder zurück, denn es galt die große Geburtstagsparty vorzubereiten. Das vorhandene Mobiliar war knapp, denn im Keller fanden sich nur anderhalb Beistelltische und die Anzahl der Stühle schrie geradezu nach der Reise nach Jerusalem. Aber wir alle wissen ja, dass Platz in der kleinsten Hütte ist. Und wenn wir schon bei den platten Spürchen sind: viele Köche verderben übrigens nicht den Brei. Wir arbeiteten höchst harmonisch neben- und miteinander in der Küche, brauten Lauch- und Porreesuppe, buken Focchachia (keine Schreibweisengarantie hier), schnippselten Gemüse zum Knabbern und dekorierten Wurstteller. Das Fockatschiabrot bestreuten wir übrigens mit dem Geburtstagsgeschenk der Gastgeberin:

Verschiedene Salzsorten, die Frau Schäfer und Frau Mutti nicht weniger entzückten als die beschenkte Klecksefrau. Wir möchten hiermit ganz offiziell Frau BuntistmeinGemüse darauf hinweisen, dass Ende November/Anfang Dezember zwei Geburtstage im Kalender zu vermerken wären. (Effektsalz ist toll :))
Die Geburtstagsfeier war ganz wundervoll. Tante Liesbet mit dem ehemaligen Verlobten, Little Mary-Jo mit Ludger, Uschis Frühstücksfrauen und Familie. Bunt gemischt und es wurde sehr spät. Oder früh.
Deshalb war es eher unschön, am nächsten morgen sehr früh aufstehen zu müssen. Mal rasch auf den Stoffmarkt fahren. Und zu Hema, einem niederländischen Hier-gibt´s-alles-was-ihr-auch-habt-aber-in-bunt-und-schön-ÄTSCH-Laden.
In weiser Voraussicht hatte ich eine große, leere Tasche eingepackt, denn als ich Schokostreuselzeugs und Gummisüßbappsch nebst einiger Meter Stoff in mein Köfferchen gestopft hatte, stand ich vor der Wahl, ob ich den Kulturbeutel oder die schmutzige Wäsche im Gastgeberhaus zurück lasse. So konnte ich sämtliche Habseligkeiten doch einigermaßen verstauen und hatte gleichzeitig eine mahnende Stimme im Hinterkopf die raunte: alles, was du heute einkaufst, musst du in Plastiktüten ZUSÄTZLICH zu den zwei Taschen und dem Köfferchen rumschleppen.
Aus diesem Grund fiel die Stoffmarktausbeute sehr gering aus, nur drei niedliche Meterchen und zehn D-Ringe. (die hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden und die gar nix Perverses oder so sind) Auch bei Hema und dem anderen Kruschtladen konnte ich mich beherrschen. Und jetzt trauere ich der tollen, riesigen weißen Blechschale für 15,- Euro hinterher. Naja.
Ein feines Frühstück gab´s in Venlo und einen Blick auf´s Rathaus. (“Da kann man toll heiraten!”, verriet mir Tante Liesbet) Und dann war´s auch schon vorbei. Taschen und Koffer wurden in ein anderes Auto umgeladen und der Abschied auf dem Parkplatz ging dann, weil öffentlich und so, schnell und tränenlos vonstatten. Ich hab nur zweimal geschluckt, ehrlich.
In Krefeld bekam ich noch einen Kaffee und wurde an den Bahnhof gebracht. Dort schluckte ich auch zweimal.
(jetzt könnte ich noch einen laaangen Teil über die Heimfahrt anfügen, über einen völlig überfüllten, verspäteten IC, in dem die Toiletten defekt waren, über ein eng an eng stehen von Köln bis Bonn und danach einem Sitznachbarn, der nach mit Schweiss getränktem Aschenbecher stank. Aber wer will das schon lesen)
Halb neun war ich daheim und um zehn schlief ich bereits.
Liebe Uschi (+Uschi-Mann und Kinder), allerherzlichsten Dank für dieses rundum wunderschöne Wochenende voller Urlaub!


5. März 2012 um 17:25
Liebe Frau äh Mutti,
würden Sie mir bitte bitte bitte verraten, wo ich diesen tollen Stoffladen (Bild 2) finden kann??
Liebe Grüße
Birgit
5. März 2012 um 17:34
Der Stoffladen ist in NIjmegen.
Oder online hier: http://www.karteris.nl/index.html
5. März 2012 um 17:35
Liebe Frau Mutti,
ich schließe mich Birgit an. Ich wohne zwar relativ grenznah zu Holland, aber ich scheine eindeutig nicht oft genug da zu sein um solche Schönigkeiten zu entdecken. Wo bitte ist dieser tolle Laden? *ganzliebmitdenaugenklimper*
LG
Tanja
5. März 2012 um 17:44
Hach…seufz…schluck (mind. zweimal!!!)…und Sie, liebe Frau Mutti, fehlten uns ganz arg zur herrlich angerichteten Salatschüssel am Sonntagabend!!!
LG Uschi
P.S.: Nochmals vielen, vielen Dank für den Besuch, den Kindelein viel Freude mit dem Streuselzeugs (dem Herrn Ringelfranz mit den zu Boden fallenden derselbigen) und dem Mann mit den köstlich süßen Marzipankeksen.
5. März 2012 um 18:21
Hach, ich wisch mir gerade die Tränen aus den Augen…aber die sind vom Lachen…ehrlich! Sie haben kein bisschen übertrieben!
Liebe Grüsse, Dorsi
5. März 2012 um 18:34
Da hab ich mich am Sonntag doch nicht verguckt. Auf dem Stoffmarkt fielen mir zwei – drei Gesichter auf, die ich irgendwo schon mal gesehe hatte – in den jeweiligen Blogs. Da selber bolglos fehlte der Mut zum Ansprechen. Schön, dass das Wochendende ein Erfolgt war. (Streuselzeug ist auch in unsere Tasche gewandert)
5. März 2012 um 18:48
HEMA gibt es auch in meiner deutschen Heimatstadt die an der niederländischen Grenze ist. Das ganze heißt dann HEMA Deutschland und verkauft den ganzen holländischen Süßkram und die tollen Bunten Sachen!! :D
Schön, dass es schön war!
Svenja
5. März 2012 um 19:23
Danke für den Link! Da mache ich mich demnächst mal auf den Weg!
Liebe Grüße
Birgit
5. März 2012 um 19:31
Oh man, mit Frau Mutti auf dem selben Stoffmarkt gewesen zu sein …ohoh….wenn ich das gewusst hätte….. nagut, ich hätt mich auch nicht getraut Sie anzusprechen, aber ich hätte meiner Freundin ganz hektisch ins Ohr flüstern können “kuck ma dahaaaaa, die Frau Mutti!!!!” :-)
So muss ich mich mit tollen Stoffen gegnügen. Das tröstet mich nur halb.
Allet Jute…
Anke
5. März 2012 um 19:38
Verehrte Frau Mutti,
wir wohnen zwar nicht in den Niederlanden, aber in unserer Kleinstadt NE am Rhein gibt es einen Hema…sollten Sie vor lauter Gram also nicht schlafen können, weil Ihnen das Blechdings fehlt, könnte ich gerne eine solche für Sie erwerben und Ihnen mit der Schneckenpost zukommen lassen.
Mich wiederum lässt der Gram nicht schlafen, dass ich wegen Superbazillus am vergangenen Sonntag nicht den Weltbesten Stoffmarkt besuchen konnte…wären Sie denn so freundlich, mir zu verraten, wo das besagte Stoffgeschäft sich befindet?
Schöne Grüße (das sagt man so im Rheinland)
Frau D. aus N. am R.
5. März 2012 um 19:57
Ich hatte ja mit viel gerechnet, aber nicht mit Tipps, wo’s in Holland den besten Stoff gibt. Vielen Dank für den Lacher :-)
6. März 2012 um 08:53
Hier auch mehrmaliges Schlucken, seufzen und hach-machen….und Lachtränen wegwischen…..schön war’s.
LG, Sabine
6. März 2012 um 13:59
Wenn eine eine Reise tut, so kann sie was erzählen.
Fast schlaflose Nächte, Tage voller Erlebnisse, die schöner kaum sein könnten.
Volle Koffer und Taschen, eine super Feier.
Ausgefüllte Tage, super!
6. März 2012 um 21:49
HEMA gibts auch in der Rheingalerie in Ludwigshafen. Vielleicht kommen Sie da mal entlang
8. März 2012 um 00:35
Ganze andere Ecke: In Berlin habe ich kürzlich einen tollen Laden entdeckt, der vielleicht was für Sie ist, wenn Sie mal wieder hinfahren: Volksfaden in Schöneberg, Crellestraße. Ich war kurz drin – so schöne Stoffe und Farben! Aber ich kann ja nicht nähen, sondern nur stricken …
Liebe Grüße
Herkimer