Quitterei

15. Oktober 2013

Dan Brown würde wahrscheinlich einen sechshundert Seiten starken mysteriösen Roman darüber schreiben, über die magische Bedeutung dieser gelben Dinger und der bedeutsamen Frage, ob Freimaurer oder Illuminaten das Geheimnis der Quittenschwemme kennen oder bewahren, nachgehen. Und irgendwann würde ein Hubschrauber abstürzen, vermutlich weil er überladen war mit Gläsern voller Quittengelee.

Es begann harmlos mit zwei Quitten auf meiner Fensterbank.

Quitten sind nämlich hübsch gelb und wenn man sie ab und zu reibt, duftet ein ganzer Raum nach süßem Herbst. Zwei Quitten liegen jeden Herbst in weißgepunkteten, orangefarbenen Tassen so lange auf der Fensterbank, bis sie faulig werden und nicht mehr süß duften.

Quittengelee mag ich auch gerne. Ab und zu. Denn eigentlich esse ich selten Marmelade, Konfitüre oder Gelee, weil ich nicht weiß wann. Ein Brot mit stinkigem Käse ziehe ich jedem Geleebrot vor. Trotzdem erstand ich irgendwann auf dem Niersteiner Weihnachtsmarkt am Stand der AWO ein Glas Quittengelee und verzehrte dessen Inhalt erstaunlich schnell.

In einem Anfall von Hausfraulichkeit kaufte ich im Herbst darauf ein Kilo Quitten und kochte daraus Quittengelee. Es ergab dreieinhalb Gläser. Zwei verschenkte ich, eines leerte ich und ein halbes verschimmelte, weil ich es im Schrank vergaß.

Im Jahr darauf wurde ich gefragt, ob ich Interesse an Quitten hätte, es gäbe so viele, man wisse gar nicht, wohin damit. Ich nahm drei Kilo, legte zwei Quitten auf die Küchenfensterbank und zwei ins Nähzimmer. Den Rest entsaftete ich, kochte sieben Gläser Quittengelee und versuchte Quittenbrot herzustellen und fror Saft für weiteres Gelee ein. (ich scheiterte am Quittenbrot, aber das Gelee war fein und ich verschenkte fünf Gläser und aß den Rest selbst.)

Wiederum ein Jahr später, dieses Jahr nämlich, kam Oma Eis mit einem Eimer voller Quitten. Der Nachbar der Nachbarin hat da einen Baum und das Fallobst nimmt überhand. Ein Eimer voller braungefleckter, eher unschöner Quitten, doch wer weiß, wie übermäßig groß meine Gier nach Quittengelee würde und so verkochte ich das Zeug, nachdem ich den Saft vom Vorjahr aufgetaut und dazugekippt hatte. Fünf Gläser Quittengelee und als ich das letzte zuschraubte (glücklich und zufrieden), klingelte meine Mutter und brachte zwei weitere Eimer Quitten. Wunderschöne Quitten, unbestritten. Weil ich Quitten ja so mag und dann hat man auch immer mal was zu verschenken. Also Quittengelee natürlich, denn unverarbeitete Quitten mag scheinbar niemand.

Heute kamen zwei weitere Eimer Quitten dazu, eine Spende vom Schwager einer Bekannten. Und wo die herkommen, gibt es noch mehr, ich muss nur Bescheid sagen.

Hiermit sage ich also ganz offiziell Bescheid: Danke, nein. Keine Quitten mehr. Wahrscheinlich brauche ich nie wieder Quitten. Auch wenn ich jetzt Geschenke für alle kommenden Geburtstage und Weihnachten habe, für alle die Quittengelee mögen. Oder auch nicht.

22 Kommentare zu “Quitterei”

  1. Frauke sagt:

    Moin, moin, Frau…äh…Mutti,
    das gute am sehr aufwändigem Quittengelee kochen ist, dass Frau bis zum nächsten Jahr vergessen hat, wie aufwändig es ist. Ist wie beim Kinderkriegen!
    Liebe Grüße aus dem hohen NordNorden – Frauke
    (die 12 Gläser Quittengelee im Vorratsschrank stehen hat, aber psssst, nicht weitersagen: Die hat Muddi gekocht!!)

  2. Cati Basmati sagt:

    Ich mag Quittengelee. Und ich habe am Samstag Geburtstag. Und ich würde sogar den Yoda-Löffel dazu nehmen… Nur so als Idee…

  3. Angelika sagt:

    Liebe Frau Mutti,
    ich liiiiebe Quittengelee und am liebsten auf einem Brot mit stinkigem Käse. Das sollten Sie unbedingt probieren :-)

    Liebe Grüße
    Angelika

  4. oma macht das schon sagt:

    Hallo zusammen,
    ich habe auch Quitten bekommen und mit 2 großen Einkochapparaten die Q. gekocht.
    Das gab dann ca. 30 Liter.
    Weil ich nicht soviel Gelee auf einmal kochen wollte, hab ich den sehr heißen Saft in Wasser- Saft- und andere Schraubflaschen gefüllt und in den Keller gestellt, genau wie letztes Jahr. Wenn dann in ein paar Wochen, so nach Weihnachten, nicht mehr soviel zu tun ist, koche ich dann den Saft zu Gelee. Übrigens streiche ich es auch gerne unter Obstkuchen oder zwischen Torten, schmeckt sehr leckkker.
    Liebe Grüße
    naehoma

  5. Maufeline sagt:

    Frau…äh…Mutti, sie wollten sagen: I quit!
    ;-)

  6. Annilu sagt:

    Wir lieben Quittengelee auch! Sehr! Deshalb kocht mein lieber Mann auch immer brav welches für die ganze Familie. Neuerdings haben wir sogar einen eigenen Baum im Garten, der dieses Jahr RICHTIG heftig viele Früchte trägt. Nur reif sind sie bei uns noch nicht ganz. Ist hier eben doch ’n Kittel (oder zwei) kälter, als bei Ihnen.
    Ausserdem hängt diesem Gelee eine kleine Kindergeschichte an. Als unsere noch recht klein waren und zum ersten Mal Quittengelee vorgesetzt bekamen, waren sie mit ihren sprachlichen Fähigkeiten noch nicht so weit gediehen und so wurde aus Quittengelee mal eben Quallengelee – das war wohl einfacher auszusprechen. Nun denn – ob Quitte oder Qualle… wir lieben es doch alle! Und Ihnen guten Appetit!

  7. Katharina sagt:

    Ich mache Quittenmarmelade draus, was anderes kann ich nicht.
    Einfach die Quitten mit dem Zauberstab bearbeiten, wenn sie gar sind. Lecker!! Ich muss die Quitten immer kaufen…

    Liebe Grüße,

    Katharina

  8. Frau_Mahlzahn sagt:

    Weil, dann rufe ich mal von der anderen Seite der Fahnenstange in den Raum hinein: warum denkt eigentlich jeder Quittengelee wär so toll zum Verschenken. Quittengelee ist überhaupt kein lustiges Geschenk! Wenn ich noch ein einziges Glas geschenkt bekomme, muß ich mal kurz auszucken….

    So long,
    Corinna

  9. gerlinde sagt:

    … und wenn Du Dir aus dem Quittengelee/-Saft ‚Fruechteleder‘ machst? Die gehen bei mir besser als jegliche Marmeladen o.ae.
    Ist im Prinzip ausgetrockneter Saft/Brei; lange haltbar, leichtgewichtig und hilft mir immer gut als Reisetabletten-Ersatz.
    Erklaerung hierzu: War in meinem Leben oefter mal per ‚Luft-Mobil‘ unterwegs – vertrage das aber leider nicht sehr gut (allerdings auch Autofahren nicht). Dabei kam mir eines Tages ein weibl. Cabin-Crew-Member hilfreich zur Seite in meiner ‚edlen Blaesse‘ von mich miserabel fuehlen und servierte mir: einfache Zitronen-Spalten!
    Gucke ich belaemmert, was ich mit den Dingern soll; kam die lachende Antwort „essen; was glauben Sie, dass wir vom Flugpersonal NIE Probleme mit Reisekrankheit haben? Nachdem uns die meisten Tbl. aber ausser Gefecht setzen wuerden, greifen wir zu ’sauren Saeften‘, welche den Magen irgenwie beruhigen oder beschaefftigen.“

    Habe das seither schon sehr oft in meinem Leben probiert – Bingo!
    … und es funktioniert sogar mit diesen getrockneten Fruechte-Lederstreifen/-Fladen!

    LG, Gerlinde

  10. Monika sagt:

    Wir haben 2 Quittenbäume, die sich dieses Jahr entschlossen haben, mehr als reichlich Früchte ( dicke Birnenquitten ) zu produzieren. D.h. die Quitten werden großzügig an alle Interessenten verteilt. Da ich auch nicht nur Gelee haben möchte, mache ich daraus auch Quittenlikör, Quittensenf ( Quittenmus und Senf pürieren – sehr lecker ) und Quittenkuchen (Rührteig, Quittenmus gezuckert und Streusel obendrauf) – nur so als Tipp !!
    LG
    Monika

  11. popi55 sagt:

    Schade, dass wir nicht in Nierstein wohnen. Ich hätte gerne einen Eimer Quitten abgenommen. Hier – in der Nähe von Darmstadt – ist es eher eine Sucherei, bis man jemanden findet, der Quitten abgibt. Es hat aber geklappt und nun glänzt mein Gelee – mit frischem Ingwer „geschärft“ – goldgelb in den Gläsern. Verschenken ist eher nicht, dazu essen wir ihn zu gerne.

  12. Seifenfrau sagt:

    …ja, ich kenne das Quittenfieber auch,
    und wenn ich ehrlich bin, sage ich immer:
    „Ich mag am liebsten Himeermarmelade“

  13. Evi sagt:

    wie schade, dass ich so weit weg bin – ich würde glatt den einen oder anderen Eimer Quitten nehmen.

  14. Graugrüngelb sagt:

    Ich mag Quittengelee, aber ich musste es noch nie selbst herstellen. Wahrscheinlich wäre es sonst schnell mit der Liebe vorbei. So freue ich mich, wenn ich mal ein bis zwei Gläser von meiner Tante bekomme, die einen Quittenbaum im Garten hat (und so weit entfernt wohnt, dass wir uns nur alle Jubeljahre sehen und das Gelee immer über einige Umwege zu mir findet).

  15. oma eis sagt:

    sorry, sorry, sorry

    ich kann nächste Woche Dienstag und Mittwoch helfen
    die vielen Quitten zu verarbeiten.(können ja sicher noch ein paar Tage lagern, da frisch vom Baum gepflückt)
    Ich kaufe auch Gelierzucker und bringe Gläser mit.

    Eine zerkrinschte Oma Eis

  16. Blogolade sagt:

    Also wenn Sie Abnehmer fürs Gelee brauchen, mein Gatte isst den sehr sehr gern, der sagt nicht Nein. :)

    Frau Mahlzahn: nicht ärgern lassen, einfach weiterverschenken!

  17. Frau Liebesluchs sagt:

    Wäre es eine Idee mit dem überzähligen Quittengelee, hübsch verziert, den nächsten Weihnachtsmarkt zu bereichern? Und falls etwas übrig bleiben sollte es dann in ihr Schaufenster zu stellen?

    Ich habe leider kein Quittengelee hier, würde glatt Angelikas Tipp mit dem stinkigen Käse ausprobieren. (denn Trauben oder Birnen bekommt man zu Käseplatten weswegen bei mir schon immer auch Marmelade zu Käse passt)

    Jedenfalls werd ich auf dem Wochenmarkt mal Ausschau halten um mir auch den süßen Herbstduft ins Zimmer zu zaubern. :)

  18. steffi sagt:

    ich wußte bis zum 40sten geburtstag meines mannes gar nicht, wie großartig quittengelee schmeckt. der hatte ein glas eines namhaften herstellers aus dem schwarzwald in einem geschenkkorb.

  19. TiNi sagt:

    Das beste an diesem ganzen Geleegekoche ist doch, dass man die Reste danach noch wunderbar in Rum oder Vodka oder so was anderes hochprozentiges nach Geschmack einlegen kann und daraus dann bis Weihnachten ein ganz wunderbarer Likör entsteht!!! Den lieben wir sehr und das Einkochen des Gelees übernimmt bei mir übrigens auch meine Mama ;)

  20. Birgit B. sagt:

    LOL
    So ging es mir heuer mit Äpfeln.
    Quitte hab ich noch nie gegessen, scheint hier nicht dso geläufig zu sein.
    LG Birgit

  21. antje sagt:

    Quittenlikör: lecker und mit der geringstmöglichen Arbeit verbunden!

  22. Sophie sagt:

    Bei unseren Gärnterfreunden, gibt es oft Quitten mit Vanilleeis. Dazu werden die Quitten halbiert und auf einem Blech gebacken, bis man sie heiß zum Eis löffeln kann.