Die spinnen, die Katzen

28. November 2008

Martin Silberblick zum Beispiel.

Etwas breit im Hüftbereich und wahrscheinlich auch mit Doppelkinn unter dem dicken Winterplüsch. Das Katergesicht immer noch so niedlich, das Kindchenschema voll ausgeschöpft, mit großen runden Augen und Ohren, die eigentlich zu einer größeren Katze, einem Puma vielleicht, gehören.
Martin schnurrt nicht, er gurrt wie ein Täubchen. Er hat entzückende Pfoten, die wirklich nur ganz selten schmutzig sind und beim Fangen der Hand, die ihn füttert, lässt er die Krallen drin. Obendrein hat er das weicheste Fell, das ich jemals gestreichelt habe.

Insgesamt also ein wahrer Traumkater.

Wäre da nicht diese Essstörung. Bulimie.

An der Futterstelle steht immer eine Schüssel mit Trockenfutter. Stets wohlgefüllt, denn es könnte ja sein, dass das Tigertatzikatzi Diego erfolglos bei der Jagd war und ausnahmsweise daheim fressen muss. Oder dass Matzekatze ein kleines Hüngerchen verspürt, zwischen den drei Hauptmahlzeiten, die er in Sekunden inhaliert. Und ausserdem wissen Katzen ganz genaau, wann sie satt sind (nicht so wie doofe Hunde) und dann hören sie auf zu fressen. Steht genau SO in meinem schlauen Katzenbuch.

Martin hat dieses Buch offenbar nicht gelesen. Sowie die Trockenfutterschüssel (Plastik, grün, schwedisch) gefüllt ist, rast er an die Futterstelle und knuspert die Schüssel leer. Egal, ob drei Bröckchen oder dreihundert darin sind. Ist die Schüssel glücklich leer, kugelt der Kater aus der Küche auf der Suche nach dem nächsten Teppich, den er dann umgehend vollkotzt. So ein süßer Kater.

Die erste Konsequenz war, dass ich sämtliche Flickenteppiche aus dem Haus geschmissen habe und die Türen zu Bad und Töchterleins Zimmer stets geschlossen bleiben, wenn sich keine aufpassenden Menschen darin befinden. (Töchterleins Teppich lässt sich hervorragend reinigen, doch ich muss das nicht jeden Tag machen, mir ist nicht langweilig). Martin war eventuell leicht irritiert, dass sein Mageninhalt nun auf kalte Fliesen oder nicht ganz so kaltes Parkett klatschte, doch er gewöhnte sich rasch daran und kotzte mit Wonne weiter. (voller Wut und Angenervtsein war ich in Versuchung, ihm sein Produkt als Nassfutter zu präsentieren)

Die zweite Konsequenz ist nun, dass die Trockenfutterschüssel nicht mehr da ist. Wenn das Tigertatzikatzi Diego jammernd um die Futterstelle streicht (er frisst sehr selten Nassfutter, der intelligente Kater), wird rasch ein Schüsselchen angereicht. Und danach wieder weggeräumt. Martin, nun mehr auf kaltem Entzug, beginnt vor Verzweiflung die Wasserschüssel zu leeren. Dies führt nur zu vermehrter Harnausscheidung, die er brav an dafür vorgesehenen Stellen erledigt.

Ganz im Gegenteil zu Matzekatze. Der spinnt nämlich auch. Aber das erzähle ich an einem anderen Tag. Muss jetzt das Katzenklo putzen.

15 Kommentare zu “Die spinnen, die Katzen”

  1. Gartenliesel sagt:

    Liebe Frau…äh…Mutti,
    das mit dem Trockenfuttererbrechen ist anscheinend ein weit verbreitetes Phänomen. Wir haben auch zwei Katzen, die eine frisst nur Nassfutter, die andere fast nur Trockenfutter. Wenn aber mal gerade kein Nassfutter im Angebot ist, vergreift sich die eine auch mal am Trockenfutter- so aus lauter Frust wahrscheinlich. Kurze Zeit später habe ich dann auch eine würgende (das Geräusch lässt sich auch gar nicht beschreiben, oder?) Katze vor mir, die immer, aber wirklich immer, auf dem Teppich sitzt. Wahrscheinlich ist es einfach unangenehm, beim Kotzen auch noch einen kalten Hintern zu kriegen. Du siehst – Du bist nicht allein!

  2. Alexandra sagt:

    Also das mit den doofen Hunden möchte ich doch überhört haben! Aber es stimmt leider, mein Labrador würde wirklich fressen bis er platzt! Er hat vor 2 Wochen, als wir unseren Wocheneinkauf aus dem Auto ausluden, eine Packung Doko ( Hundelekkerli) blitzschnell geöffnet und innerhalb von 20 Sekunden ( mehr Zeit hatte er wirklich nicht) 1 KILO!!!! Doko inhaliert! Nachts hat er uns dann mehrfach geweckt, weil alles wieder ´raus musste.

  3. Morphetetis sagt:

    Ich hab gleich 2 so Gierkater, aber erbrochen haben sie erst einmal, als sie die Leckerlidose geknackt haben.
    Ich würde dir das Buch von Dr. Scholl „Miez Miez na komm“ empfehlen. Denn Trockenfutter ist gar nicht gut für Katzen. Mehr sag ich aber nicht dazu, denn ich will gar niemanden belehren, aber ich bin halt einer Gehirnwäsche in punkto Trockenfutter unterzogen worden :)
    PS: lese dein Blog schon ziemlich lang, bloß war noch nie eine Wortmeldung meinerseits nötig ;)

  4. Frau Haase sagt:

    Das Argument von Gartenliesel klingt logisch, Teppich ist doch viel gemütlicher :D Als ich noch Katzen hatte, haben die auch grundsätzlich auf den Teppich gekotzt :( Außer ich habe das Würgen rechtzeitig gehört und war schnell genug bei ihnen, dann hab ich sie teilweise einfach schnell umgesetzt ;) Ist zwar vielleicht fies, die armen Viecher beim Kotzen zu stören, aber ständig Teppich putzen ist auch fies!

  5. zaraffel sagt:

    oh dieses „katzenbuch“ könnte ich mal gebrauchen….nur ums meinem kater mal vorzulesen..vllt. merkt er dann das er ne katze und kein hund ist. der inhaliert den inhalt einer ganzen tagesration nämlich auf einmal :D

  6. Lakritz und Schokolade sagt:

    Und ich habe mich schon gewundert, dass Pippilotta frisst, bis die Schüssel leer ist, nicht, bis sie satt ist. Sie ist rund und kugelig… miaut nicht, sondern gurrt… hat niediche Pausbacken und ein Kinderknutschgesicht… nur kotzen tut sie nicht. Dafür schafft sie es nach dem Kacken nicht, den Haufen zuzuscharren, sondern scharrt eifrig und blind instinktgesteuert am Rand des Katzenklos herum… *seufz* Ach ja: Fell wie Samt und Seide… fällt was auf? :cool:

  7. Ellen sagt:

    zur Ehrenrettung der Hunde: meiner konnte sehr wohl nur so viel fressen, wie er Hunger hatte. Er hatte immer Trockenfutter zur Verfügung und hat öfters am Tag einfach ne Handvoll weggemümmelt. Wenns mehr Leckerlie aufgrund von Training gab, hat er entsprechend weniger Trockenfutter gefressen. Kluges, idealgewichtiges Kerlchen. ;)

  8. EvilEnte sagt:

    daszu hat ein netter und lustiger Mensch ein ganzes Buch verfasst. Was das kotzen angeht. Hier klicken (unten mitte malmit dem coursor auf „anhören“ gehen und dann kommt da was :D) das buch kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Besonders wenn man katzen hat :cool:

  9. frechdachs sagt:

    Hmmm, da ist meiner wohl falsch gepohlt, der ko.tzt nur, wenn er das Nassfutter zu gierig rein zieht.

    @Gartenliesel:
    Wir nennen die Geräusche auch Pumpen …

    Ach ja, habt ihr schon mal versucht, einem ko.tzen.den Kater ein Stück Zeitung oder Küche.npap.ier unterzulegen? Meiner stellt dann sofort das Pumpen ein!

  10. schneemaennchen sagt:

    katzen kotzen auf dem teppich, weil sie da besseren halt haben. war zubindest bei unserer alten katze (sie ruhe in frieden) so, die zwei jungen kotzen noch nicht (toitoitoi).
    wenn sie gewürgt hat und sich so zusammenkrümmte, fuhr sie alle krallen aus und krallte sich am teppich fest. gab irgendwie eine bessere kraftübertragung, vermutlich…

  11. Iris sagt:

    Seit ich auf hochwertiges Futter umgestellt habe, spuckt meine Gismo kein Futter mehr aus (das hatte beängstigende Ausmaße angenommen). Es kommen nur noch die Haarballen. Da auch die nicht toll sind auf dem Teppich, legen wir ihr immer ein Stück Küchenpapier unter, sobald wie sie pumpen hören. Klappt ganz gut, aber zum Glück ist ja nicht immer jemand zu Hause. :D

    Liebe Grüße von Iris

  12. Anett sagt:

    Oh auch solche Gierkaterchen, die erst alles runter schlingen als stünden noch weitere 100 Kater vor der Tür und dann fein säuberlich alles wieder auf den Teppich bröseln. Kommt bei uns zum Glück nicht so oft vor.
    Statt desen sind wir in Besitz eines Katers, der wohl aus'm Bergbau kommt und im Katzenwc buddelt bis der Boden irgendwann mal durch ist. Während der andere gekonnt sein Häufchen oben auf platziert und dann an den Fliesen scharrt und wienert, das man's quietschen hört.
    Knuffig die Stubentiger.

  13. Michaela sagt:

    Im Chor über kotzende Katzen konnten wir auch mitsingen. Bis vor Kurzem, dann heben wir nach Gründen dafür gesucht und ließen an unseren Überlegungen auch den Tierarzt teilhaben.
    Unsere Katzen lieben Trockenfutter, sie bekommen es aber nur noch in kleinen Mengen. O-Ton Tierarzt: Katzenmägen haben sich in ihrer Evolution nicht auf die Verdauung von Trockenfutter spezialisiert. Das Trockenfutter reize die Magenschleimhäute und empfindlichere Katzen übergeben sich dann eben.
    Dann haben wir beobachtet, dass die Katzen sich nur dann übergeben, wenn sie Nahrung mit Rind, Kalb oder anderen nicht-artgemäßen Fleischbeilagen bekommen. Selbst bei einem Minimalanteil von Fleisch in der Rohasche wirkt sich das aus. Also gibt es nur noch Futter mit Fisch und Geflügel und die Spuckerei beschränkt sich auf seltene Male, wo Gewölle ausgespien wird.
    Was aber komisch ist: wir haben seit 30 Jahren Katzen. Früher haben die nur Gewölle, aber nie Futter ausgekotzt. Das ist erst seit ca. 7-8 Jahren so, dass die sich übergeben. Da mal eine Ursachenforschung zu betreiben wäre doch sehr spannend.

  14. creezy sagt:

    Ich denke auch, das ist ganz klar teenageröse Bulimie. Alternativ zum Teppichproblem könnte man sich auch zusätzlich einen Hund halten, die essen ja auch rückwärts Erworbenes von anderen gerne weg. So staubsaugermäßig.

  15. Garnprinzessin sagt:

    Ähem. Ich möchte ja nicht UNKEN…

    Hier klicken

    Liebe Grüsse von der

    Garnprinzessin