Der letzte ganze Tag in Berlin begann für mich in der Küche der Nachbarin. Genau diejenige Nachbarin, die mir eine nicht ganz schlaflose, doch immerhin etwas ängstlich angehauchte Nacht beschert hatte, mit ihren blumigen und mit aussagestarken Gesten untermalten Beschreibungen diverser Einbruchversuche.

Ja, ich war der Einladung zur Party gefolgt, denn als Häufchen Elend auf dem Sofa oder vor dem Rechner zu kauern, hätte mich nur noch elender gemacht. Ich wusste die traurigen Kindelein in guten Vaterhänden und Zeit für Trauer um das Puffelkaterchen bleibt genug. Und überhaupt hilft leckeres Essen und das eine oder andere alkoholische Getränk, Ablenkung tat Not.

Ich beteuere es ja immer wieder und man will es mir nie glauben, doch ich bin ein schüchterner Mensch. Auf die Klingel gegenüber zu drücken kostete mich große Überwindung, zumal ich mit leeren Händen kam. Doch alle Sorgen waren unberechtigt, denn ich wurde herzlich begrüsst und meine erste Aufgabe in der Nachbarküche bestand darin, das Zünglein an der Waage zu spielen beim Voting, ob die Suppe zu scharf geraten sei oder doch nicht. Sie war es nicht und das Glas Sekt in meiner Hand nahm mir einiges an Unsicherheit. Die Nachbarn erwiesen sich schlicht als liebenswürdige Gastgeber, die ein großartiges Buffet vorbereitet hatten, keine fiesen Berliner Kleingangster oder Axtmörder. Die Gäste waren nett und normal und ich bemerkte irgendwann, dass ich mich amüsiere.
Zu dieser Feier zu gehen erwies sich übrigens als Glücksfall, da die Umstellung der Uhr sonst an mir vorübergegangen wäre, was morgen am Flughafen sicherlich zu einer bösen Überraschung geführt hätte.
Es war ein netter Abend, eine schöne Nacht. Die Musik musste gegen drei Uhr morgens dann doch leiser gedreht werden. Dies forderten die einzigen Nachbarn im Haus, die nicht geladen waren, mittels lauten Wummerns an die Wand. Wahrscheinlich werden die Nachbarn dann zur nächsten Feier geladen, denn die waren sicherlich nur neidisch. (konnten sie auch sein, denn, ich erwähnte es ja bereits, das Buffet war wirklich großartig!)
Gegen vier Uhr verabschiedete ich mich, wurde von der besorgten Nachbarin sogar bis zur Wohnungstür begleitet, damit mich niemand unterwegs stiehlt.

Der letzte Tag in Berlin wird ein völlig unspektakulärer. Der Koffer ist gepackt bis auf die letzten Kleinigkeiten, die Wohnung muss noch in ordentlichen Zustand gebracht werden und ich werde heute einfach nur herumgammeln und lesen. (und gründlich duschen, da morgen früh das Wasser wieder abgestellt wird)
„Herumgammeln können Sie auch daheim, Frau … äh … Muttti!“, werden Sie da draußen vieelleicht sagen. Kann ich aber nicht oder doch eher selten und deshalb werde ich diesen ruhigen Tag einfach genießen, bevor mich morgen nachmittag, nach Abreisestress und Flugangst, der ganz normale Wahnsinn wieder in seine Arme schließt. Dann ist auch Zeit zum Traurig-sein.

Berlin ist eine Reise wert, doch jetzt bin ich Stadt-satt.

*****

ungemein wichtiger Nachtrag: Was heißt „Glühwürmchen“ auf Englisch?
Diverse Übersetzungsprogramme spuckten aus:
– glowworm
– firefly
– lightning bug

Einer der Gäste behauptete, in Neuseeland spräche man von glowworms (wobei er Wert auf eine Betonung „gluuuworm“ legt, was mich widerum zweifelnd lässt, denn von Kleberwürmern hörte ich nie)
Mein Favorit ist der lightning bug, weil Glühwürmchen sind ja eigentlich Käfer. Frau Ringel? Andrea von der grünen Insel? Andere Vorschläge/Meinungen?

12 Kommentare zu “allein in der Ferne, Teil 10”

  1. jette sagt:

    („Firefly“ gefällt mir jedenfalls am besten.)

  2. sophia sagt:

    also meine stimme bekommt auch „firefly“. ich meine mich dunkel zu erinnern, dass das so richtig ist.

  3. Amelie sagt:

    hallo.

    ich kenne nur die übersetzung
    lightning bug.
    da gibts so ein tolles kinderbuch
    in englischer sprache: „Leo the
    Lightning Bug“ von Erik Drachman.

    Weitere gibts unter:
    Hier klicken

  4. Aupa sagt:

    Fireflys sind für mich wundervolle brennende Kugeln an Ketten mit denen man ganz toll Pois spielen kann!
    Hier klicken

  5. Svenja sagt:

    Also ich kenn nur firefly. Und ich hatte English LK aber das heißt ja nix. Laut leo.org sind alle richtig :D

  6. Chrizzo sagt:

    Kann nur sicher mit dem portugiesischen (bras.) Wort aufwarten: Vagalumi.
    Ansonsten ein unsicheres Voting für lightning bug.

  7. Annie sagt:

    Firefly IST richtig ;)

  8. Susel sagt:

    Mir fällt zum Vor-Trag nur ein: „'s ist nirgendwo besser als daheim“ – Rote Schuhe aneinander reiben … na, wer weiß, woraus das ist ?? Tipp: Somewhere over the rainbow … Grüßle, Susel :D

  9. Lorelei sagt:

    Firefly, lightning bug, glowworm, glow-worm – alles richtig. Wobei, ich glaube, glowworm ist eine Art Oberbegriff für die diversen Arten.
    Auf Japanisch heißen sie jedenfalls ganz eindeutig hotaru.

  10. Lorelei sagt:

    Firefly, lightning bug, glowworm, glow-worm – alles richtig. Wobei, ich glaube, glowworm ist eine Art Oberbegriff für die diversen Arten.
    Auf Japanisch heißen sie jedenfalls ganz eindeutig hotaru.

  11. Ringelstruempfe sagt:

    Im Amerikanischen Englisch heissen die Dinger jedenfalls firefly. Und falls Sie moechtenm, fange ich Ihnen im Juni gern so zweo oder drei (Hundert)und schicke Sie Ihnen dann zu. Vielleicht als Freund fuer Ihre Achatschnecke?!?

  12. Anna sagt:

    Firefly fuer Neuengland :) Allerdings sind Fireflys groesser als die deutschen Gluehwuermchen. Glow worms (bitte spelling beachten) kenne ich als wirklich als „gluehende Larvae“ und gehoert zu den Phengodidae. Lightning bug ist das gleiche wie ein Firefly also ein Lampyridae ;)