Und jetzt? Teil II

24. Juni 2010

Deutschland im Jahre 2010, die Hexenjagd beginnt.

Die Nachbarn rotten sich in kleinen Grüppchen vor dem Haus zusammen und es wird gewettert. “Sozialschmarotzer” ist das mildeste Wort, das fällt. “Zigeuner sind das”, wird geschimpft, “die kriegen alles in den Arsch geblasen” und “die sollen hingehen, wo sie herkommen.” In einer Woche sei der Kerl wieder da, dann würde das nächste Kind gemacht, weil Sex sei ja alles, was dieda im Kopf hätten.

Mir ist übel.

Immer und immer wieder erzählt die Nachbarin von ihrem Eingreifen gestern, immer mehr bauscht sie die Geschichte auf und immer größer die Empörung, dass das friedliche Leben so massiv gestört wurde. Die Hilflosigkeit der Anwohner hier kippt. Wut und Ärger auf Behörden und Ämter, auf den ganzen Staat, der dieda durchfüttert, schwappt durch die Straße. Dazu dröhnen die Presslufthammer und mir ist zum Heulen.

Hoffentlich gibt´s bald wieder ein spannendes Fußballspiel, damit sich die Interessen verlagern und die Wut in eine andere Richtung kanalisiert werden kann.

13 Kommentare zu “Und jetzt? Teil II”

  1. Pocalinde sagt:

    kennste das ärztelied etwa nicht!? die schreien jetzt rum und wenn sie nachhause gehn haben sies schon wieder vergessen! tu und sag und schreib was DU für richtig hälst, alles andere spielt doch keine rolle! ich denke das machst du doch eh so! REDEN tun die ANDEREN so oder so!
    Ist ne blöde situation wenn man da direkt von betroffen wird….

  2. Stevie sagt:

    Lauter Kandidaten für eine Anzeige wegen unterlassender Hilfeleistung oder wie sich das schimpft…..

  3. Annie sagt:

    Sonntag…da kann sich/wird sich die Nation (oder in diesem Falle Ihre reizende Nachbarschaft) das Maul wieder ueber “wichtigere” Dinge zerreisen *seufz*

  4. Frau Irgendwas ist immer sagt:

    Nur nicht durch den Pöbel runter ziehen lassen!!!
    Sie, Frau…äh…Mutti, haben genau das getan / werden weiter genau das tun was Sie für richtig halten und genau das ist dann das was (auch) gut für Sie / ihre Familie und ihre Seele ist.
    Alle guten Wünsche für Sie und kämpferische Grüße!

  5. Liisa sagt:

    Leider braucht es meist nicht viel, bis die Maske von vielen angeblich so sozialen, hilfsbereiten, toleranten, multikulturell-begeisterten und “aufgeklärten” Gesichtern/Menschen fällt und der wahre Kern zum Vorschein kommt. In solchen Situationen weiß man wirklich nicht, worüber man erschreckter sein soll – den Auslöser oder die Reaktionen aus dem Umfeld.

    Zum Glück gibt es immer noch Menschen wie Sie, die ihr bestes versuchen, um zu helfen und die sich um einen sachlichen Blick auf die Situation bemühen.

  6. Erzangie sagt:

    So ist das. So und nicht anders.

    Viele Menschen können Hilflosigkeit nicht aushalten. Und um IRGENDWAS zu tun, kann man wenigstens hetzen. Fühlt man sich in seiner eigenen, kleinen und beschränkten unfreiheit gleich viel besser, denn wie DIEDA wird man ja nie sein. Das Leben ist für viele Menschen schwarz oder weiß. Dazwischen gibts nichts, wäre ja auch nicht auszuhalten, wenn man festellen müsste, dass die Dinge eben nicht immer eine Ordnung haben.

    Frau Mutti, schützen Sie sich selbst. Tun Sie, was Ihnen das Gewissen rät. Kümmern Sie sich, und ziehen Sie sich dann vorsichtig zurück. Sie haben EIGENE Sorgen und eine eigene Familie. Und versuchen Sie, sich vor dem Mob abzuschotten. Reden Sie. Schreiben Sie. Lassen Sie sich nicht zensieren. Aber ziehen Sie für sich Ihre eigene Grenze.

    GLG
    Angie

  7. Doris sagt:

    Was die Nachbarn betrifft, würde ich mir meinen Teil denken und Konsequenzen ziehen. Morgen ist es dann der nächste, über den hergezogen wird … vielleicht einer aus deren Kreis?

    Zu mehr möchte ich mich über die “Jäger” nicht hinreissen lassen, stelle ich mich damit doch irgendwie auf die gleiche Stufe und dort unten möchte ich nicht stehen. Da ist es kalt, es stinkt und es ist dunkel.

    Was die Familie betrifft, ist es schwer als Außenstehender etwas dazu zu sagen (wir hatten hier schon zwei Fälle direkt gegenüber). Man muß die Hintergründe kennen und es miterlebt haben. Ihr schnelles Handeln war richtig. Aber ab dem Punkt wo die Frau mit den Kindern in ihrer Küche saß gehört es in professionelle Hände.

    Beste Grüsse
    Doris

  8. Kirstin sagt:

    Frau .. äh .. Mutti, gehen Sie etwas raus in Ruhe am Rhein spazieren, Inlinern oder Radeln. Ein spontaner Umgebungswechsel sorgt oft wieder für einen freien Kopf und etwas besserer Laune. Lassen Sie sich von Ihren lieben Nachbarn nicht unterkriegen. Ansonsten ein ernsthaftes Machtwort mal sprechen. Ich drücke Ihnen die Daumen.

  9. Fiona sagt:

    mir is gerade so schlecht, wenn ich das rede
    ja die die da am lautesten schreien, die die es schon immer wussten, die kenn ich auch
    und wenn man genau hinschaut, dann sind sie meist nicht viel besser…..grrrrrrrr ich mag solche leute überhaupt nicht

    bitte lassen sie sich von den nicht runter zeihen, bitte bleiben sie so ne herzliche seele wie sie sind

  10. Manuela sagt:

    Ich hatte vor einigen Jahren Nachbarn, die sich regelmäßig kloppten und dabei anscheinend auch die Wohnung zertrümmerten. Sehr laut und sehr heftig.
    Ganz oft wußte ich nicht, was ich tun sollte. Die Polizei rufen? Anscheinend verstanden die sich ja nach so einem Gerangel immer wieder prächtig. Rüber gehen und klingeln? Ich hatte zu große Angst. Alle im Haus bekamen es mit und man sagte mir, man würde an MICH denken, wenn da mal wieder der Krieg tobte(ich wohnte eine Tür weiter)
    Ich fühlte mich schlecht und feige und habe doch nichts getan. Eine wirklich besch..eidene Situation.
    Deshalb will ich den sogenannten Pöbel nicht so verächtlich bewerten, wie es in vorherigen Kommentaren passiert ist. Sicher gibt es welche, die die Zivilcourage haben sich dazwischen zu werfen, aber ich wage zu behaupten, dass man die an einer Hand abzählen könnte.

    Und was “dieda” betrifft: es geht mir genauso, dass ich finde, Straftäter aus dem Ausland sollen nach Hause geschickt werden. Ich bin ebenfalls sehr frustriert wenn ich sehe, das Geld vom Amt wird in Alk und Zigaretten umgesetzt. Bin ich jetzt Pöbel?

    Liebe Frau…äh…Mutti, ich finde es toll, dass Sie sich um die Kinder gekümmert haben und sich sorgen. Es ist vorbildlich, dass Sie versuchen neutral zu bleiben, denn ganz sicher ist das mehr als schwer, wenn man alles so unmittelbar mitbekommt. Ich wünschte mehr Menschen – inklusive mir – würde das gelingen.

  11. babska sagt:

    Brot und Spiele.

    Schlimm sowas. Obwohl ich mich auch schon dabei ertappt habe, Ressentiments gegenüber dieser Volksgruppe, denen ihre Nachbarn angehören, zu entwickeln. Ich möchte trotzdem nicht in deren Haut stecken.

    LG
    Barbara

  12. Sabine sagt:

    Ich verfolge den Blog schon eine Weile und habe gerade den Eintrag gelesen,musste mich einmal dazu äußern.
    Ich finde Ihr Verhalten super.Den ich wäre froh wenn mehr Menschen so uneigenützig handeln würden wie Sie.Leider habe ich die Erfahrung selber machen müssen als Kind und wäre froh gewesen es hätte jemand meiner Mutter geholfen.Und SCHEIß (Entschuldigung)auf die Nachbarn auch sie hätten helfen können nur hinterher sind alle immer zur Stelle wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

  13. manjamic sagt:

    Liebe Frau Mutti,

    greifen Sie weiter ein, seien Sie weiter Sie selbst, hadern Sie mit sich, darüber, dass Sie gebloggt haben etc. und versuchen Sie weiter, wie so viele so zu leben, dass Sie und Ihr Spiegelbild sich sagen können, ist schon recht so mit Dir…..es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind, es sind so viele denen das Leben ganz leise viel besser gelingt……wie es der Herr Wecker einst sang…und er sang damals auch vom Helfen.

    Man mag auch finden, dass dieda ganz schrecklich sind…und es sollte niemand auch für eine solche Meinung geächtet werden, die Kunst ist sich und – wem es gelingt auch anderen – klar zu machen, dass dieda Menschen sind, die leiden, lieben, vielleicht oft mehr gelitten haben und weniger geliebt wurden als andere..es bleiben Menschen. Es sind keine diedas. Wenn wir, die es uns gut geht, nicht schaffen, zu versuchen, ihnen die Würde zu lassen oder zurückzugeben, wäre es es schlimm.

    In diesem Sinne und in Bezug auf die alten Konstantin Wecker Texte: Es kann ein jeder seinen Schutzengel verlieren. Möge Ihrer Sie stets begleiten und Ihre Nachbarn und auch und vor allem deren Kindern noch ein paar Ersatzschutzengel finden…

    Herzliche Grüße
    Manja