Zeitreise
24. Juni 2006
ins Schwimmbad meiner Kindheit.
Viel verändert hat sich nicht. Es riecht nach Chlor und altem Fritierfett. Letzteres ist wohl seit zwanzig Jahren in Gebrauch. In der Pommesbude hängt immer noch das aufgeblasene Flugzeug, Ketchup und Mayo gibt´s aus dem Eimer.
Die Toiletten schwimmen und stinken und wenn es Toilettenpapier gibt, ist es grau und kratzig. (Und wellig am Rand). In die Kabinenwände sind Löcher gebohrt, manche sind mit einem Kaugummi verstopft.
Die dicken Jungs springen Bomben vom Rand, die halbwüchsigen Mädchen sitzen so dicht wie möglich am Dreimeterbrett und beschweren sich kichernd über Wasserspritzer der größeren Jungs, die zeigen, was sie draufhaben.
In diesem Schwimmbad habe ich Kinder im Rahmen des Ferienprogramms betreut, habe innigst mit einem zwei Jahre jüngeren, äusserst hübschen Kerl geknutscht und, unter einem großen Handtuch versteckt, “Es” gelesen, ziemlich in einem Rutsch. Ich bin viele, viele Kilometer dort geschwommen, habe Transportschwimmen (ziehen oder schieben) geübt, Streckentauchen und ein paar Ringe habe ich auch hochgeholt. Dafür gab´s dann das Rettungsschwimmerabzeichen.
Heute habe ich dem Großen Streckentauchen OHNE Nase zuhalten beigebracht, mit dem Kleinen im Wasser rumgetobt, innigst mit einem ein Jahr jüngeren, äusserst hübschen Kerl geknutscht und festgestellt, dass der Kopfsprung noch klappt.
Aber das Schwimmbad war viel leerer als damals. WM sei Dank.
erwischt!
23. Juni 2006
Beim Sensen aufgescheucht:
geknippst und wieder weggeschlichen, das Sensen hat Zeit.
Hurra!
23. Juni 2006
Im Garten grunzt und schnuffelt es.
Ausserdem liegen schwarze Würstchen in der Gegend rum.
Heute morgen habe ich sie endlich entdeckt. Zwei Igel, einer hellbraun, einer ganz dunkel und ich glaube, da gibt es auch Nachwuchs.
Die beiden Kater hielten Respektvoll Abstand, offensichtlich haben ihre Nasen schon Stachelerfahrung.
Vorsatz für die nächsten Wochen: Nie ohne Kamera in den Garten.
Ich freue mich!
Beiss mich!
22. Juni 2006
habe ich garantiert nicht zu diesem blöden Zeckenvieh gesagt.
Trotzdem hat es sich in meiner Armbeuge festgesaugt und der beste Vater meiner Kinder durfte chirurgisch tätig werden. (Pinzette – zielen – ziehen – Pinzette fest zusammendrücken, bis die Zecke ein befriedigendes “knack!” von sich gibt – holdes Weib bedauern und beschwichtigen)
Das war gestern. Heute ist die Einstichstelle rot und gewölbt, sieht aus wie ein Pickel. Und das gefällt mir nicht. Ich hoffe, dass diese Zecke nicht mit fiesen Bakterien unterwegs war.
Vor ein paar Jahren, Mitte August, entdeckte ich beim Duschen eine Zecke unterhalb der Schulter am Rücken. Die hatte es sich dort richtig gemütlich gemacht und kräftig einen getrunken. Meine Mutter wagte sich nicht so recht dran und der beste Vater meiner Kinder war damals noch “der Typ mit dem ich ging”, brav daheim wohnend und eilte nicht sofort herbei, um mich vor blutrünstigen Bestien zu retten. Ich selbst konnte das Viech natürlich auch nicht entfernen, obwohl meine Gelenke mit Hypermobilität gesegnet sind.
Also marschierte ich zum Arzt, klagte mein Leid und zeigte eine hübsche, knackig gebräunte Schulter.
“Das haben wir gleich!”, versprach Onkel Doktor und griff nach dem Eisspray.
Meine Schulter wurde vereist, die Zecke gezogen und ich wurde mit frommen Wünschen nach Hause geschickt.
Eine Stunde später stand ich wieder vor Onkel Doktor und zeigt meine kalte Schulter, die von einer fetten Blase, die gerade aufplatzte, leicht entstellt wurde.
“Oh!”, sagte Onkel Doktor und ich wusste, dass das kein entzücktes Stöhnen war.
Onkel Doktor hatte gelernt, dass Eisspray, welches auf zu kurze Distanz gesprüht wird, zu Erfrierungen führt. In meinem Fall zu einer Erfrierung zweiten Grades mit einer widerlichen Entzündung und einem Aluverband, der täglich vom Arzt abgezupft und erneuert werden musste.
Zu der Tatsache erklären zu müssen, wie ich im heißen Augut zu einer Erfrierung kam, gesellte sich eine Borreliose, ausgelöst durch diesen Zeckenstich. Das verordnete Antibiotikum schlug somit doppelt zu, gegen die Borrelien-Infektion und gegen die beginnende Blutvergiftung durch die Erfrierung.
Nun. Wir haben nicht August, die Zecke ist ohne Hilfsmittel entfernt.
Aber der rote Pickel sieht nicht gut aus.
Wie immer und jederzeit käme mir ein Arztbesuch ausgesprochen ungelegen. Dann wie immer halt: abwarten und nur ein bißchen jammern.
bunt
22. Juni 2006
Unsere Straße ist berüchtigt berühmt für die phantasievolle Gestaltung der Hausfassaden.
Ich darf das sagen, denn unsere Grüne Villa hat ihren Namen nicht wegen des üppigen Gartens. (den sieht man von der Strasse aus ja nicht)
Schräg gegenüber das Haus ist in einem tiefen, wirklich schönen, Dunkelrot gestrichen. Leider schien die Farbe frühzeitig ausgegangen zu sein und voller Panik wurde weiß untergemischt. So strahlt also die Front in heimeligem Dunkelrot, während die restlichen Wände in quietschigem Rosa den Augen wehtun.
Drei Häuser weiter hat der Besitze zu innovativem Orange gegriffen. An und für sich eine hübsche Farbe, fröhlich stimmend und Wärme versprechend. Sich in vollem Kreativitätsschub befindend, griff der Maler dann zum braunen Farbeimer und pinselte den Sockel ein, so dass das ganze Haus nun den Charme einer siebziger Jahre Tapete in orange-braun mit roten Geranien hat. Etwas braune Farbe war noch übrige und damit die nicht schlecht wird, wurden kurzerhand grafische Elemente über die Fenster gemalt. Kleine “Dächer” in braun über jedem Fenster, die alle unterschiedlich breit sind … ja, es wirkt verstörend.
Rechts von uns steht ein hautfarbenes Haus. Wahrscheinlich trägt der Besitzer deshalb so gerne leuchtenblaue Latzhosen, um sich wenigstens durch die Farbe seiner Kleidung von der Fassade zu unterscheiden?
Die Nachbarn gegenüber haben nun auch gestrichen. Erst am Wochenende unterhielten wir uns über die Neugestaltung der Fassade. “Ein ähnliches Grün wie eures!”, erzählte der Nachbar. Letztlich ist es ein Grün, das unserem nicht annähernd ähnelt, aber, mal ehrlich, wieviele Männer kennen Sie, die eine Farbe beschreiben können?
Das Haus sieht aus wie ein viereckiges Stück Pistazieneis. Es ist – gewöhnungsbedürftig. Das i-Tüpfelchen, der Clou, der eye-catcher, das Grauen entsteht aber gerade eben: die Umrandung der Fenster in … orange.
Ja die Nachbarschaft versteht sich gut untereinander und so hat wohl ein Rest Orange doch noch Verwendung gefunden.
Auch unsere Fassade soll renoviert und gestrichen werden. Ich könnte mir gut Streifen in rosa, haut, dunkelrot und orange vorstellen. Den Sockel in “unserem” grün, die Fensterumrandungen in Pistazie. Um unsere Verbundenheit mit der Nachbarschaft zu demonstrieren.
Frau … äh … Mutti stellt vor:
22. Juni 2006
Der künftige Gemüsegarten:
Zwischen der grünen Villa und dem Nachbarhaus befindet sich ein Gewölbekeller. Auf diesem Gewölberkeller liegen zwei Meter phantastischer Mutterboden, der ein engmaschiges Netz von Brennnessel-, Schöllkraut-, Brombeer-, Klettenlabkraut-, Hahnenfuß- und Kermesbeerenwurzeln beherbergt. Und einen Holunderbusch, der völligst verlaust ist.
Die Un Begleit Wildkräuter sind teilweise 2,5 Meter hoch und wenn sie nicht fürchterlich stechen oder brennen, färben sie die Haut lustig orange oder gewähren allerlei lustigem Getier Unterschlupf. Gestern abend war es die schwangere Spinne, die mir über die Hand rannte, heute morgen eine braune Feldmaus.
Beim Roden stähle ich also nicht nur meine Muskulatur, sondern auch meine Nerven.
Bisher reisse ich lediglich die Pflanzen aus dem Boden und schmeisse sie auf einen stetig wachsenden Haufen, der hoffentlich am Samstag vom besten Vater meiner Kinder fachgerecht auf dem Wertstoffhof entsorgt wird.
Die weitere Planung sieht vor, dass ich das gröbste Wurzelwerk in mühsamer Plackerei (hören Sie mich jetzt schon fluchen) entferne. Im Herbst wird dann umgegraben, bzw. mit solch einem netten Maschinchen durchgerumpelt. Dann kommt schwarze Folie auf die Erde, beschwert mit den fetten Betonbruchsteinen von der Terrasse. Obendrüber Mulch und dann mindestens ein Jahr warten. Und hoffen. Und schimpfen, wenn sich Brombeerranken durch die Folie bohren.
Alles, um dann den hinreissenden Bestien Kohlrabi aus eigener Zucht vorsetzen zu können und ein “Igitt, willst du uns vergiften!” zu hören.
Hier noch der Blick in die andere Richtung:
Das große Loch in der Mitte ist der Versuch der Kinder bis zum Gewölbekeller zu graben. Leider haben sie das Ende des Kellers um knapp einen halben Meter verfehlt. Das hat sie aber nicht daran gehindert, das Loch über zwei Meter tief zu graben und ich weiß genau, dass ich irgendwann rückwärts hineinfalle und nie wieder rauskomme. Sollten Sie also hier keine aktuellen Beiträge mehr finden, wären Beileidsbekundungen in den Kommentaren angebracht.
Und kein schadenfrohes Gekicher.
schwanger
21. Juni 2006
Zerreiß mich!
21. Juni 2006
Das große Kind wird am Freitag mit seiner Klasse im Freibad grillen und zelten. Samstag morgen darf es wieder abgeholt werden.
Das jüngste Kind wird am Freitag mit seiner Vorschulklasse einen Ausflug machen und anschließend in der Schule übernachte.
Das Mittlere Kind hat sich für Freitag bei einer Freundin eingeladen, mit Übernachtung.
Das könnte eine wilde, wundervolle, wüste Nacht für den besten Vater meiner Kinder und sein holdes Weib werden.
Wäre da nicht die Tatsache, dass die Eltern zum Grillen geladen sind. Ab 16:00 Uhr. Die Mittlere wird jedoch erst um 16:00 Uhr abgeholt. Zerreiß mich!
Sollten wir dieses Problem(chen) gelöst haben und nach köstlichem Grillen spät in der Nacht müde und völlig unwüst im Bett gelandet sein, wir uns ein kurzer Schlaf gegönnt. Um halb acht wird der Wecker klingeln, da uns das jüngste Kind um neun Uhr erwartet. Zum Frühstück in der Schule.
Richtig, das große Kind muss auch abgeholt werden, denn die Mutter des besten Freundes kann auch nicht kommen, weil sie studieren und lernen muss. Ihr Kind ist schon weitergereicht auf den letzten freien Platz in einem “weiterer-Freund-Auto”. Zerreiß mich!
Muss der Opa einspringen und Chauffeurdienste leisten. Problem(-chen) gelöst.
Wenn wir dann müde und unausgeschlafen und vollgefuttert wieder daheim sind, zusammen mit einem müden, unausgeschlafenen jüngsten Kind, werden wir ein müdes, unausgeschlafenes großes Kind antreffen. Kurze Zeit später wird dann das müde, unausgeschlafene mittlere Kind eintrudeln und die Weichen für einen wirklich harmonischen Samstag sind gestellt.
Es handelt sich bei obigem Text um eine sogenannte Grobplannung. Eventualitäten wie Unwetter, Krankheitsfälle, vergessliche Opas und die Teilnahme am Leichtathlethik-Wettkampf am Samstag sind noch nicht berücksichtigt.
Unter der Käseglocke
21. Juni 2006
leben wir.
Der Preis, den wir jeden Sommer zahlen müssen, dafür, dass wir im milden Rheintal leben.
Es ist drückend schwül, der Körper will schwitzen und schafft es irgendwie nicht. Die Sonne ist nicht richtig da, es ist “diesig” und trotzdem muss man die Augen zusammenkneifen, weil es so hell ist. Millionen von Gewittermücken schwirren durch die Luft und bleiben an der Haut kleben. Jede Bewegung ist anstrengend, selbst das Atmen macht keinen Spaß, weil die Luft so klebt. Die Augenlider sind schwer, die Augen sind müde. Und die Stimmung ist gereizt, die Kinder zicken sich an, die Eltern zicken die Kinder an, die Kinder zicken die Eltern an und den Eltern ist es viel zu heiß, um sich mal wieder in den Arm zu nehmen.
Für die Vegetation ist das Wetter toll. Alles wuchert und blüht und streut Samen, Gewolltes und Ungewolltes. Das Gras ist sattgrün und die Erde hat keine Hitzerisse.
Ich könnte mich daran erfreuen, wenn ich mich von meinem Platz erheben würde. Geht aber nicht, ich sitze vor dem Ventilator.
Abends kommt dann die ersehnte Abkühlung. Meistens mit einem Gewitter, mit dicken, bedrohlich schwarzen Regenwolken, mit Gerumpel und Dröhnen, einem heftigen Sturm (der alles umlegt, was höher als zwanzig Zentimeter wächst) und im schlimmsten Fall mit Hagel. Nach dem Gewitter ist es herrlich. Die Luft ist kühl und weich, es duftet nach Regen und Frische (und nach zermatschten Pflanzen).
Man möchte sich nackt ins Gras legen, einfach weil es so KÜHL ist. Das ist aber keine gute Idee. Nicht nur weil der Nachbar so interessiert schaut, sondern vor allem, weil in der Abenddämmerung die Mücken aus dem Gras und aus den Büschen kommen. Es sirrt und surrt und Entspannung ist nicht möglich. Die Mücken wollen ihre Brut füttern und ich hänge doch sehr an meinem Blut. Deshalb lüften wir nur durch die Mückengitterfenster und trinken ein kühles Bier.
In der Nacht rumpelt es manchmal noch ein bißchen, manchmal regnet es auch still vor sich hin. Ich liege dann im Bett und denke wie gut es doch ist, dass ich nicht gründlich gegossen habe und wie gemütlich ich da liege, während es draußen eher ungemütlich ist.
Am frühen Morgen scheint dann die Sonne, die Vögel zwitschern und es ist noch eine kühle Brise da. Aber sowie die Sonne kräftig wärmt, verdunstet das Wasser auf dem Boden und es wird schwül. Wie unter einer Käseglocke.
Ich möchte dann doch lieber am Meer wohnen. Auch deshalb.
ER, sinnlos
20. Juni 2006
Wäre es jetzt sehr … äh … *strange* …, wenn ich schröbe, dass ich es richtig gut finde, dass mal wieder Blut fließt?
ähem.

