Ruhe vor dem Sturm

21. Juli 2009

Die Familie schläft noch und mich hat der Arbeitseifer Kaffeedurst aus dem Bett getrieben.

Heute ist Packtag. Packtage sind toll. Auf dem Küchentisch, auf dem Tresen und auf allen verfügbaren waagrechten Stellen liegen Stapel, Haufen und Türme mit Kleidern, Büchern und Lebensnotwendigem. Alles muss mit, weil man weiß ja nie, ob man sich da in der Ferne ohne die fünf neuen Bücher langweilt. Oder wie man es aushalten soll, sich nicht zweimal am Tag umzuziehen.

Theoretisch könnte ja schon gepackt sein, denn die Klamotten, die mit sollen, sind gewaschen, manche hängen trocken auf der Leine, müssen nur gefaltet werden. Aber Frau Aufschieberitis, die kennen Sie ja vielleicht, die hält mich in ihren Krallen.

“Schreib doch was in dein Blog”, sagt sie, “statt noch rasch im Wohnzimmer Staub zu wischen. Das geht doch so ratzfatz, das kannst du später irgendwann noch machen.”

“Na guut”, lässt sich Frau … äh … Mutti locken, “ich wollte sowieso noch eine Mail schreiben.  Eine wirklich wichtige Mail! Und das sage ich jetzt nicht nur so, um mich zu rechtfertigen.”

Später wird Frau Aufschieberitis behaupten, dass es maximal fünfehn Minuten dauert, bis alles in Taschen verstaut ist.  Das einmal durch die Bude saugen ebenfalls nur eine Sache von ein paar Minuten ist, zumal die Kindelein ihre Höhlen ganz alleine aufräumen und reinigen. “Näh dir doch noch was”, wird Frau Aufschieberitis flüstern, “Oder teste den neuen Stickrahmen!”

Heute nachmittag, so gegen 17:00 Uhr, wird mich dann Frau Panik besuchen.

Frau Panik rast durch alle Räume auf der Suche nach Vergessenem und Verlorenem. Dabei fallen ihr Spinnweben in den Ecken auf, die noch entfernt werden müssen, weil man will es doch richtig schön haben, wenn man wieder heimkommt und nicht gleich mit dem Putzen anfangen müssen. Und sie entdeckt, dass die Kindelein ihre Höhlen eher NICHT aufgeräumt und gesäubert haben, dafür aber wunderbare Legowelten gebaut haben. (und Töchterlein zwei, drei Bücher gelesen hat und jetzt keine Lektüre mehr für den Urlaub hat). Frau Panik entdeckt, dass die Lieblingsunterhose mit den Punkten ungewaschen vor der Waschmaschine liegt, hat keine Ahnung, wann sie “das alles noch schaffen soll” und sie beginnt Mensch und Vieh verrückt zu machen.

“Bleib ich halt daheim!”, wird sie irgendwann schmollen. Oder auch: “Packt doch euren Kram alleine, ist mir egal, ob was fehlt.” Jaja, Frau Panik ist eine wirklich sympathische.

Wenn dann heute abend, gegen 23:00 Uhr, der Bus gepackt ist, die Kindelein zum dreiundsechzigsten Mal wieder aus ihrem Zimmer gewankt kamen, um die Ausmaße ihres Reisefiebers zu schildern, wenn zum letzten Mal der Ofen flackert und das Sofa so gemütlich ist, da im geputzten Wohnzimmer; wenn die Matratze genau richtig weich ist und sich das Bettzeug so angenehm an die frisch geduschte Haut schmiegt, dann kommt Frau Zweifel. Frau Zweifel wispert immer ganz leise: “Jetzt haste dir die Bude so hübsch gemacht, nur um wegzufahren? Dein Bett ist so bequehm, willste wirklich auf einer Therm-a-Rest Matte liegen, durch die du jeden Ameisenhintern spürst? Und dich in Deinem Schlafsack verknoten? Willst du auf dem Boden rumsitzen, klamme Klamotten anziehen und “dein Bad” mit vierhundert anderen Menschen teilen?”

Frau Zweifel wird ignoriert, die olle Unke.

Ausserdem ist sie noch nicht dran, es ist ja noch früh, ich habe alle Zeit der Welt. Ich schenke mir noch einen Kaffee ein und schaue mal nach, was die Nachbarschaft in Kleinbloggersdorf so schreibt. Staub wischen geht ja fix. Und die Kindelein helfen mir bestimmt auch.

(das Tässchen ist wieder auf der Reise, vielleicht mag die neue Gastgeberin der vorherigen Gastgeberin Bescheid sagen, wenn es eingetroffen ist. Dann kann die vorherige Gastgeberin Ihnen da draußen verraten, wo es zu finden ist. Würden Sie das tun, Frau Quartalsstrickerin?)

(Hier ist ab heute abend wieder nur noch Kommentieren in die Warteschleife möglich, Sie wissen ja, die Trolle und so)

ach, ach, ach.

20. Juli 2009

Frau … äh … Mutti wirft einen Blick auf die Wetterkarte für die Region des künftigen Zeltplatzes, erbleicht und schluckt.

Immerhin: 60% Regenwahrscheinlichkeit sind keine 100 % und zu heiß ist auf dem Zeltplatz auch nicht schön.

Bin dann mal weg, Nahtdichter und Imprägnierspray kaufen. Vielleicht auch ein neues Zelt, wenn sie gerade eines da haben, dass um 87% reduziert ist.

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Habe heute nacht geträumt, dass Frau Antonmann vor ihrer Haustür steht, mit großer Sonnenbrille auf der Nase, und sagt: “Du kommst hier net rein”
Muss man kein Psychologe sein, um aus diesem Traum eine Menge Aufregung heraus zu interpretieren.

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Ich bin dem SSV erlegen und habe mir Leggings gekauft. So wadenlange, in quietschgrün, knallpink und unschuldig-weiß, OHNE Spitzenabschluß, obwohl ich solche noch günstiger hätte erstehen können.
Irritierenderweise habe ich kein Röckchen im Schrank, zu dem quietschgrün oder knallpink passt. Spontankäufe ziehen also Arbeit nach sich.

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Ich habe zwei Kilo ab und drei Kilo zugenommen, fühle mich hässlich, dick und widerlich und ahne Fürchterliches für die kommenden Tage in Zelt und Zeltplatztoilette. Hmpf, immer unpassend. Wo bleiben die Wechseljahre?

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Mutter und Tochter kämpfen gegen das triste Grau da draußen: Tochter mit einer pinkfarbenen Strähne (zum Glück hatte ich da noch dieses Töpfchen “Directions” in “poppy red”, das auf hellblondem Haar sehr, sehr leuchtend wird) und Mutter lülalich. Sehr dunkel schimmernd und im Regen ausfärbend. In nächster Zeit also nur dunkle Oberteile. (da fällt mir die Anekdote ein, als ich vor vielen Jahren mit den Kolleginnen aus KiTa und Hort die Nacht zum Tag machte, auf dem Johannisfest in Mainz … damals noch eher den biologisch-dynamisch-abbaubaren Haarfarben verfallen, mit schulterlangem Haar, frisch mit Henna in leuchtendes Orange getaucht. Und dann kam der große Gewitterregen, der aus meinem weißen T-Shirt ein flottes Batikhemdchen in weiß-orange zauberte und meinen Teint in den eines schwer leberkranken Menschens verwandelte. Ach ja, damals.)

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So. Die Kaffeetasse ist geleert, die Kindelein haben sich zu den Großeltern zum Mittagessen eingeladen und haben das Haus verlassen, der beste Vater meiner Kinder leiht sich das kleinere und immer vollgetankte Auto der Schwiegereltern und dann geht´s los nach Mainz. Ich hab da noch´n Gutschein für den Pfaffladen. (und mir fehlen schwarze Leggings)

Ihnen einen schönen Tag, trotz Grau und Nieselregen. Machen Sie was draus! (Go, go, go!)

neulich, nach dem Regen

19. Juli 2009

(mit besonderem Dank an die Mutter der besten Tochterfreundin, die immer so tolle Bilder macht)

ganz kurze Frage:

18. Juli 2009

Wer wird ebenfalls im August in einem Exemplar dieser Zeitschrift nach einem bestimmten Artikel wühlen?

Heute

18. Juli 2009

dem großen Kind ein neues Badezelt (diese Badehosen in Knielänge und sehr weit) gekauft.

Daheim vor dem Waschen den angenähten (!!) Kronkorkenheber abgeschnitten.

Neulich am Baggersee gewundert, warum die ganzen Halbstarken beim Schwimmen und Sonnen literweise Bier trinken. Dann abends mal ganz bewusst Bier-Werbung geschaut und festgestellt: ohne Bier kann man es am Strand/am Baggersee/im Schwimmbad eigentlich nicht aushalten, sagen die da im Fernsehen. Nur mit Bier haste Spaß.

Meine Güte, ich find´s zum Kotzen.

Hoch die Tasse V

18. Juli 2009

Das Wandertässchenhätte übrigens beinahe eine echte Männerfüllung bekommen! Hat es aber doch nicht, dafür aber die Gesellschaft von echtem Strickzeug!

Da.

Und sie sangen:

18. Juli 2009

“Regen bringt Segen,

doch wollen Sie sich heute noch bewegen,

kaufen Sie sich ´nen Regenschirm und ein Schlauchboot für den Garten.

Statt auf Sonnenschein zu warten

sollten Sie sich schnell was überlegen,

denn es gibt sieben Wochen Regen …”

(aus: Ritter Rost macht Urlaub)

Ob es nun tatsächlich sieben Wochen regnen wird, das mag ich nicht prophezeien (mag ich mir nicht mal vorstellen), uns reichte ein einstündiges heftiges Gewitter samt prasselndem Regen und einigen heftigen Böen gegen die Zeltwand, um den Urlaub vorzeitig abzubrechen. Die Zelte sind alt und undicht, in nassen Schlafsäcken schläft es sich schlecht, ausserdem kühlte es schlagartig zehn Grad ab und wir hatten doch nur kurze Hosen eingepackt.

Nach dem “Klick!” die typischen Urlaubsbilder. Natürlich nur ausgewählte, die weder schmollende, noch streitende Kinder zeigen, sondern diese Bilder aus der “Glückliche Kindheit”-Kiste :-)

Glauben Sie mir, ich musst auch mal schimpfen und nicht immer waren alle Kinder ein Herz und eine Seele. Aber meistens. Und ich habe deutlich mehr gelacht als geschimpft.

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Urlaubsvorbereitungen

14. Juli 2009

“Packt mal bitte euren Krempel zusammen!”, forderte Frau … äh … Mutti ihre Kindelein auf.

“Gleich”, sagten die Kindelein, “Wir müssen erst noch was fertig bauen.”

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“IST DIE ETWA ECHT?!”, fragten Sie und ich kann Ihnen sagen: “Ist sie.”

Aber sie lebt nicht. Es handelt sich um eine leere Hülle, die wachsende Spinne ist herausgeschlüpft.

Wenn Sie sich NICHT gruseln oder ekeln, klicken Sie auf den link, dann erzähle ich Ihnen bebildert von der Vogelspinne, deren ellenlangen lateinischen Namen ich prompt verdrängt habe.

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12 von 12

12. Juli 2009

Hier und an anderen Stellen immer wieder gesehen, heute mitgemacht.

Ein grauer, kühler Tag. Die Kindelein verbarrikadieren die Zimmertür mit Legosteinen und bevor die Eltern womöglich mit schrecklichen Dingen wie Aufräumen oder gar Putzen beginnen, werden die Wanderschuhe geschnürt, die Regenjacken geschnappt und raus geht´s.

Regenspaziergänge sind eine ganz wunderbare Sache. Der Wind riecht frisch und kaum einer traut sich aus dem Haus, Zeit für Ruhe und Erholung.

Deswegen heißt der “Rote Hang” übrigens “Roter Hang”:

Die offiziellen Wege sind meistens langweilig, deshalb kann man abkürzen. Einfach die Zeile entlang. Wenn man das schön vorsichtig tut, ohne die Reben zu beschädigen, schimpft darüber kein Winzer.

Am Rech, neben dem Wingert, wohnen Kaninchen. Wenn man es schafft, sich einigermaßen ruhig zu bewegen, kann man sie beobachten. Klappt natürlich gegen Abend besser.

Ob dieser Geselle eine Art Voodoozauber gegen traubenklauende Touristen ist, bleibt wohl ein Geheimnis.

Manchmal ändert sich das Bild. Statt schnurgerader Zeilen mit saftigem Gras dazwischen, plötzlich ein Flecken mit wilder Kamille und Mohn. Die blauen Farbakzente fehlen leider. Kornblumen wachsen hier nicht und die Wegwarte hielt die Blüten wegen des Regens geschlossen.

Ein Blick auf die” Rehbacher Steig” zwischen Nackenheim und Nierstein.

Beim Abstieg durch die “Rehbacher Steig” kamen wir nicht so recht voran, dafür wurden wir aber satt. Die Mirabellen, die hier wild als Randbefestigung wachsen, sind reif.

Reif sind auch die Minipflaumen. Und kein Mensch pflückt sie! Später ziehen wir mit einem Korb nochmals los, jetzt kommt auch die Sonne heraus!

Die folgenden drei Bilder sollten von Menschen, die sich vor Cucarachas gruseln oder den Film Arachnophobia nicht sehen konnten, gemieden werden!

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