Und jetzt? Teil III
24. Juni 2010
Die drei jüngeren Kinder sind hier.
Mutter und Baby und der älteste Sohn sind ins Krankenhaus gefahren, der zweitälteste Sohn ist noch in der Schule.
Im Krankenhaus liegt der Mann, der gestern zugeschlagen hat. Er ist überfahren worden.
Wissen Sie, das ist hier alles wie in einer dieser grauenhaften Vorabendserien.
Und jetzt? Teil II
24. Juni 2010
Deutschland im Jahre 2010, die Hexenjagd beginnt.
Die Nachbarn rotten sich in kleinen Grüppchen vor dem Haus zusammen und es wird gewettert. “Sozialschmarotzer” ist das mildeste Wort, das fällt. “Zigeuner sind das”, wird geschimpft, “die kriegen alles in den Arsch geblasen” und “die sollen hingehen, wo sie herkommen.” In einer Woche sei der Kerl wieder da, dann würde das nächste Kind gemacht, weil Sex sei ja alles, was dieda im Kopf hätten.
Mir ist übel.
Immer und immer wieder erzählt die Nachbarin von ihrem Eingreifen gestern, immer mehr bauscht sie die Geschichte auf und immer größer die Empörung, dass das friedliche Leben so massiv gestört wurde. Die Hilflosigkeit der Anwohner hier kippt. Wut und Ärger auf Behörden und Ämter, auf den ganzen Staat, der dieda durchfüttert, schwappt durch die Straße. Dazu dröhnen die Presslufthammer und mir ist zum Heulen.
Hoffentlich gibt´s bald wieder ein spannendes Fußballspiel, damit sich die Interessen verlagern und die Wut in eine andere Richtung kanalisiert werden kann.
Und jetzt?
24. Juni 2010
Danke für Ihre Anteilnahme und Ihre Ratschläge.
Es ist schwer in Worte zu fassen, wie es mir geht, was hier passiert. Zu leicht lassen sich geschriebene Worte missdeuten, können Dinge interpretiert wert, die dessen nicht wert sind oder in die falsche Richtung laufen.
Die Polizei war heute morgen da, zweimal, denn beim ersten Mal wurde die Tür nicht geöffnet. Mein RTL-geschultes Hirn gaukelte mir Menschen in Blutlachen vor, in der Realität gab´s wahrscheinlich einen ganz anderen, weniger dramatischen Grund.
Meine Hauptsorge gilt nach wie vor den Kindern. Eltern erziehen mit verschiedensten Methoden, das wissen wir alle. Schwer ist es für mich auszuhalten, wenn Erziehung auf Schreien und Schlägen beruht, doch ich muss das akzeptieren. Den Kindern geht es gut, ich glaube das beurteilen zu können. Es gibt einen Unterschied zwischen “schlagen” und “misshandeln”, wo auch immer die Grenze zu ziehen ist.
Die Eltern hingegen … man sagt hier “die geben sich nichts”. Er schlägt sie, sie reisst ihn an den Haaren. Er boxt, sie bedroht ihn mit dem Messer. Eine Menge Alkohol scheint im Spiel zu sein, das ließ sich jedenfalls nicht überriechen. Sie war gestern das Opfer, ich öffnete ihr die Tür und versuchte zu helfen. Morgen ist er es vielleicht, dem ich helfe. Ich versuche nicht zu (ver)urteilen, versuche einen neutralen Blick zu behalten.
Und hoffe inständig, dass nicht nur ich mich um die Kinder sorge.
Was wirklich dort passiert, das kann ich nur erahnen. Verständigen konnten wir uns nicht, sie spricht kaum deutsch. Einer der größeren Söhne dolmetschte die wichtigsten Dinge. Es schien mir nicht angebracht, detailierter nachzuforschen, mit dem Kind als Sprachrohr.
So eine Scheissgeschichte.
*****
Und was wirklich ganz grässlich ist, ist diese Gratwanderung zwischen besorgter und gaffender Nachbarin. Diese Sorge, sich in eine Tratsche zu verwandeln. “Na, sie haben ja auch direkt gebloggt”, können Sie mir jetzt ganz richtig vorwerfen. Habe ich, ja. Ich habe auch sofort zwei Freundinnen angerufen, den besten Vater meiner Kinder natürlich auch und als die Hausfrisörin zum Kinderhaarschneiden kam, war ich heilfroh, dass ich´s NOCHMAL erzählen konnte. Wissen Sie, ich bin/war echt durch den Wind. Ich muss es erzählen, immer wieder. Weil ich muss es loswerden. Und brauchte tatsächlich Tipps, was ich tun kann, an wen ich mich notfalls noch wenden kann. Es ist ein kleiner Schock. Und wenn es mich schon so mitnimmt, wie, um Himmels Willen!, wie fühlen sich erst die Kinder?
Und plötzlich
23. Juni 2010
sind diese Nähprobleme völlig egal.
Vier schreiende kleine Kinder, eine geprügelte Mutter, die Polizei und der sonnige Nachmittag wird grau.
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später.
Die Nachbarin und ich wurden von schreienden Kindern auf die Straße gerufen: “Der Papa schlägt die Mama!”
Die Nachbarin ging dazwischen, ich sammelte vier Kinder und letztlich auch die Mutter ein und verfrachtete sie in meine Küche.
Die Polizei kam kurze Zeit später.
Der Vater darf sechs Tage das Haus nicht betreten, danach sieht man weiter.
Seit einem Jahr schlägt er Frau und Kinder und ich habe das nicht mitbekommen. Da ist ein Mensch, der mit geballten Fäusten auf Köpfe, Arme und in Bäuche boxt, büschelweise Haare ausreisst und allergrößtes Leid bringt. Ich hab´s nicht mitgekriegt. Ich habe Stress mitgekriegt, lautes Geschrei, heulende Kinder. Da drüben wohnen sechs Kinder, da ist es laut, dachte ich. Die Mutter schreit mit den Kindern, die ist überfordert und müde, habe ich gedacht. Und mich geärgert, weil sie so ätzend mit den Kindern umgeht. Und ich hab nicht mitgekriegt, dass da jemand prügelt.
Ich fühle mich hundeelend. Und hoffe, dass ich jetzt, indem ich helfe und da bin, Manches wiedergutmachen kann.
Schnickeldi-Geheimnisse:
23. Juni 2010
Eigentlich müssten Schnickeldis Versteckeldis heißen, jedenfalls bei der Tasche, die ich gerade zusammenmurxe.
Die “alles-dabei”-Tasche bringt mich an den Rande des Nervenzusammenbruches. Beinahe möchte ich behaupten, sie heisst “alles dabei”, weil einfach JEDER mögliche Fehler dabei ist. Bei mir jedenfalls.
Und so kommt es, dass aus der ursprünglich schlichten Tasche in türkis ein deutlich bunteres Exemplar wächst, wenn … ja WENN ich es schaffe, die Taschenseiten in diesen blöden Ring aus Taschenboden und Reissverschluss zu friemeln. Der Ring ist nämlich zu groß, weil ich dachte, er sei zu klein und deshalb noch Schnickelversteckeldi angenäht habe. Jetzt muss ich entweder total geschickt schneiden und nähen oder noch geschickter abnähen oder ganz raffiniert auftrennen.
Morgen sollte sie fertig sein, die Tasche. Gestern habe ich sie angefangen. Ich kann sie jetzt schon nicht mehr leiden, die Zeitfresserin.
(Bilder, wenn das Dingens fertig ist)
“Liebe Bloggerin,
23. Juni 2010
wir laden Sie ins Windelforschungszentrum ein.”
Schlecht recherchiert, würde ich da mal sagen. Tststs.
zweckfreie Handarbeiten:
22. Juni 2010
Wort zum Dienstag
22. Juni 2010
Ich wiederhole es gerne: dem Tässchen geht es sehr gut.
Liebe Kaffeeklatscherinnen,
ich muss gestehen, ich bin etwas befremdet.
Es ist mir offengestanden, völlig schnuppe, ob die Tasse zwei Tage, zwei Wochen oder gar zwei Monate bei XYZ weilt. Vor allem dann, wenn ich weiß: das Ding ist heil und irgendwann geht es weiter.
Aussagen wie dieser anonyme Kommentar hingegen lassen mir die Hutschnur hochgehen. Gut möglich, dass es fünf Jahre dauert, bis die Tasse auf dem heimischen Küchentisch steht. Und die Tatsache, dass der Kommentar anonym abgegeben wurde, ist wahrscheinlich auch so zu werten, dass die Schreiberin schon ahnte, dass sie sich damit eigentlich selbst disqualifiziert.
So ein Mist!
Verdirbt mir tatsächlich die Freude an der Sache und ich hadere mit mir, das Tässchen nicht einfach in meinen Schrank gestellt zu haben, als es Mitte Mai in der Grünen Villa Zwischenstop machte.
Natürlich fragt man sich, wann das Ding endlich ankommt. Ich finde es unsagbar spannend, wo die Schnittmengen der Bloggerkreise sind, wie das Tässchen die Näherszene verlässt, um einige Runden bei den Windelbloggern zu drehen. Oder ob es tatsächlich den Sprung nach Übersee oder zu den Durstigen ohne Blog schafft. Das Ganze ist ein Spiel und Drängeln oder gar Beleidigsein ist einfach nur blöd. Und wem´s zu blöd ist, der soll es lassen. Das wissen sogar schon Kindergartenkinder.
Ich kann Ihnen aber verraten: das Warten lohnt sich. Mit der Tasse reist ein kleines Buch und dieses Buch … hat mir eine riesengroße Freude bereitet, weil … ach. Sie werden es ja sehen. Vielleicht auch erst in fünf Jahren.
Nun denn.
22. Juni 2010
Beginnen wir den Tag doch einfach mit einem guten Schuß Orangensaft statt Milch im Kaffee. Farblich mag es geringe Abweichungen geben, geschmacklich sicher auch, doch Muntermacher inklusive lebensnotwendigem Vitamin C, werte Leser, das ist doch eine Meldung wert.
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Ansonsten erfreut sich Frau … äh … Muttti an der Ruhe im Haus, denn alle, Mann, Kinder und Schwagerfamilie haben dieses verlassen, der Bagger vor der Hausstür steht gerade still, vielleicht weil eine Menge wichtige aussehender Baumenschen mit sorgenvollen Mienen über das freigegrabene Abwasserrohr gebeugt dastehen und lediglich die Amseln im Garten schimpfen, weil die Jungen flügge und die Katerlinge interessiert sind. Ruhe. Frieden. Allein, allein. Toll.
(nähen heute: ein Täschchen für die Freundin, die nie Zeit hat, weil die Geburtstag hat. Und weil ich weiß, dass sie nie Zeit hat, um dieses Blog zu lesen, kann ich darüber schreiben, es womöglich sogar zeigen, wenn es fertig ist.)
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Wegen mir könnten die Sommerferien direkt beginnen. In der Schule passsiert sowieso nichts mehr, die Lust der Kindelein ist kaum noch vorhanden und das sich wieder bessernde Wetter lädt eher zu langen Abenden auf der Terrasse, denn frühem Schlafen weil am nächsten tag Schule ist ein.
Noch diese Woche. Dann Projekttage. Und dann ist es geschafft.
Unsere Sommerferien sind übrigens minutiös durchgeplant, da alle Kindelein zu verschiedenen CVJM-Zeltlagern fahren. Unglücklicherweise liegen die Freizeiten über die Ferien verteilt, so dass immer mindestens ein Kind verwaist daheimbleiben und seine Geschwister abwechselnd beneiden oder vermissen muss. Oder in vollen Zügen genießen muss :)
Knapp zwei Wochen Familienurlaub in den Bergen sind geplant, ob Frau Knie von alpinen Bergwanderungen begeistert sein wird, mag ich nicht mal vermuten. Der Rest um das Knie herum sehnt sich sehr nach Bergen und Natur und Entdeckungen und Wasserfällen und nach dieser wohligen Erschöpfung am Abend, wenn man eine lange Tour gewandert ist.
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Am Freitag morgen gibt´s pompaduras. Es sind nicht mal halb so viele, wie ich ursprünglich nähen wollte. Mal schauen, ob ich noch zwei, drei schaffe.
(Realistischerweise müsste ich noch sehr viele Taschen nähen, um meine diversen Begehrlichkeiten erstehen zu können. Noch realistischerweise wird das aber nie was, weil einfach immer zuviele andere Sachen wichtiger sind. So werde ich nie reich. Mist.)
Dies und das
21. Juni 2010
und ausserdem sind mir heute die spannenden Überschriften ausgegangen :)
Mit heldenhafter Beherrschung habe ich weder alte, schiefe Schränkchen, noch Stühle, Spankörbchen oder alte Pfannen vom Sperrmüll angeschleppt. Stattdessen habe ich mich in einem “alles muss raus!”-Rausch gesteigert und mich von alten, schiefen Schränkchen, Stühlen, Spankörbchen und einer Menge Krusch getrennt. Uralte Flickenteppiche, die Kinderliegestühle, auf denen seit sechs Jahren kein eigenes Kind mehr saß und sogar der Kaufladen mit passenden Schrauben. Zwei Kinderfahrräder, ein Roller, ein Trampolin und zwei paar Inliner stellte ich direkt in den Hof der zehnköpfigen Familie gegenüber, genauso wie die Kiste mit dem ganzen Kaufladenzubehör. Befreiend!
Leider ist es in der Halle noch nicht zu erkennen, dass entrümpelt wurde. Und ich staune immer wieder, wieviel KRAM wir in den letzten 17 Jahren angesammelt haben. Und wieviel ZEUG immer noch dazukommt. Zwei große Kisten voller Duplosteine, denn die wollen wir für die Enkel aufheben :) Genauso wie die sehr große Kiste mit Briobahn-Bauteilen. Das Puppenhaus samt Zubehör muss einfach bleiben und die sechs thematisch sortierten Playmobil-Umzugskisten … stören da oben auf dem Schrank ja kaum.
Sechs Matratzen liegen auf dem alten Steuerrad-Etagenbett (das wir auf gar keinen Fall weggeben können!) und wir haben sie alle schon gebraucht. Zwar höchstens einmal im Jahr, aber dann … ist es gut sie zu haben.
Oh, und weil ich gerade vom Entrümpeln spreche, kann ich Ihnen auch noch von unserem Putzlappenphänomen erzählen. Ausgeleierte T-Shirts oder solche mit ausgefransten Bündchen zum Beispiel klaube ich aus dem Wäschekorb, falte sie grob zusammen und lege sie vorne an die Treppe, auf dass sie auf wundersame Art und Weise nach unten in die Werkstatt wandern mögen. Denn dort werden sie noch gebraucht, behauptet jedenfalls der beste Vater meiner Kinder. Als Lumpen und Wischlappen für dies und das. Sehr lobenswert und in der Theorie auch ein wunderbarer Ansatz.
In der Praxis allerdings sieht es so aus, dass die ollen Shirts erstmal nicht in der Werkstatt landen, sondern nochmals den Waschmaschine/Wäscheleine/Wäschekorb-Zyklus durchlaufen, da entweder ich vergessen habe, dass es sich da an der Treppe um ein ausgemustertes T-Shirt handelt oder der beste Vater meiner Kinder sich zwar daran erinnert, dass er dieses da herumliegende T-Shirt schon mal getragen hat, aber völlig vergessen hat, dass der Kragen nur noch aus Fransen besteht.
Landet das T-Shirt dann endlich doch in der Werkstatt, wird es augenblicklich dort verschwinden. In irgendeinem Schrank. Und es wird nie wieder auftauchen. Wenn ein Lappen gebraucht wird, um zum Beispiel die Arbeitsplatte zu ölen, greift man zum Geschirrhandtuch. Die sind ja auch viel hübscher und obendrein passend zur Küche türkis gefärbt :)
Meine Oma hat verschlissene Bettlaken, alte Unterhemden und löchrige Handtücher in gleichgroße quadratische Lappen geschnitten und die Ränder gesäumt. Von diesen Lappen habe ich heute noch welche im Schrank. Ich weiß noch genau, was der Lappen war, bevor er Lappen wurde. Und benutzen kann ich die eigentlich auch nicht, weil die sind doch so liebevoll umsäumt. Und viel zu gut zum Putzen.
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Themenwechsel.
Die Liste der virtuellen Kaffeeklatscherinnen hat sich verlängert und nein, das Tässchen ist nicht verschollen.
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Um Niersteiner “Piepse” hatte ich gebeten, weil ich innerhalb von einer Woche zweimal als Frau Mutti erkannt wurde. Das ist … immer eine merkwürdige Sache. Mir wildfremde MEnschen sprechen mich an und wissen so sehr viel mehr über mich alss ich über sie. Meine erste Reaktion wäre eigentlich: FLUCHT! :) Stattdessen bin ich sehr, sehr verlegen und weiß nicht, wie ich reagieren soll. Von lässigem “HA! Ich bin quasi prominent!” weit und breit keine Spur.
Aber sprechen Sie mich trotzdem gerne an, ich bin ja auch neugierig, wer an der anderen Seite der Leitung sitzt und liest.
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Ende. (weil ein guter Schluss ist mir auch abhanden gekommen)


