Hunderunden im Sturm

8. Februar 2016

und ein Spendenbutton. Letzteren finden Sie in der Seitenleiste und wenn Sie ganz genau nachsehen, entdecken Sie schon, wie das künftige Blog der Tochter heißen wird. Gebastelt daran wird morgen.

Morgen werde ich mich auch durch allerschlimmste Stürme zur Post kämpfen, um sehr viele Päckchen und dicke Umschläge abzuschicken. Heute ging das nicht, die Post feierte nämlich Rosenmontag. Wenn auch ohne Umzug.

Für heute heißt es nur noch: Feierabend und das Ohr pflegen, das mit gemeinen Schmerzen auf den hineingepfiffenen Sturm reagiert.

Einfach losschreiben

3. Januar 2016

und schauen, in welche Richtung der Text der geht. Und vor dem Absenden nochmal rasch überlegen, ob die zu erwartenden Reaktionen zur derzeitigen Nervenstärke passen. Falls nicht, Text für später speichern und etwas Neues schreiben. Oder es lassen. So funktioniert bloggen bei mir, doch scheinbar ist das schrecklich altmodisch, denn Blogplaner sollen helfen, ein Blog richtig und ordentlich zu führen.

Ich kann nicht abstreiten, dass ich Schnickeldi mag, auch an schön gestalten Heften kann ich selten vorbeigehen (kaufe sie, schreibe etwas wahnsinnig Ergreifendes auf die erste Seite und finde dass Heft dann zwei Jahre später hinten im Regal wieder) und jedes Jahr kaufe ich mir ein schönes Kalenderbuch (dieses Jahr diesen, allerdings in Niederländisch), weil ich ganz sicher alle Termine säuberlich notieren werde, um keinen einzigen zu vergessen. Ab Februar werde ich da nachlässiger, ab Mai habe ich den Kalender verlegt und den Rest des Jahres bin ich immer sehr froh, wenn ich an wichtige Termine und Geburtstage erinnert werde. Vielleicht wäre schon aus diesem Grund ein Blogplaner für mich eher ungeeignet, ganz davon abgesehen, dass Bloggen für mich „ich erzähl mal was“ ist, völlig unplanbar.

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Und wie schaut es mit Vorsätzen aus? Dieses Jahr keine. Ich führe einen Vorsatz weiter, allerdings aufgeweicht. Letztes Jahr nahm ich mir vor, ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen. Das hielt ich durch bis zum November, als ich feststellte, dass ich Hosen für die Hunderunde brauche und dass ich keine wintertauglichen Oberteile mehr im Schrank hatte. Ich kaufte zwei Hosen und sieben Oberteile, mehr gibt es diesen Winter nicht. Auch dieses Jahr will ich auf den Kauf von Klamotten verzichten, ABER: ich werde T-Shirts brauchen, die aus den letzten Jahren sind schäbig und taugen nur noch als Unterziehshirt im Winter. Im Frühling werde ich dann nach sieben Shirts suchen, die weder merkwürdige Aufdrucke noch Reißverschlüsse an unpassenden Stellen haben (also eigentlich egal wo, Shirts brauchen keine Reißverschlüsse), die weder oberhalb das Bauchnabels noch unterhalb des Hinterns enden, keine Fledermausärmel oder Ausschnitte bis zum BH-Mittelsteg haben. Das wird bestimmt ein großer Spaß. Außerdem hätte ich gerne ein, zwei hübsche Kleider. Die müssen mir aber wirklich passend über den Weg laufen, suchen mag ich nicht danach.

Stoff werde ich in diesem Jahr auch nicht kaufen, ich habe genug und sowieso zu wenig Zeit zum Nähen.

Keine weiteren Vorsätze. 

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Neues von Lola gefällig? Sie ist zum ersten Mal läufig. Wir finden das alle sehr interessant, sie auch. Der Wischmopp ist ständig im Einsatz und die Decken auf dem Sofa müssen regelmäßig gewaschen werden. Ansonsten hält sie sich aber ganz gut sauber und richtig spannend wird es ja wohl erst dann, wenn die Blutung aufhört. Schon jetzt scheint sie unwiderstehlich auf Rüden zu wirken, die Hundehalter haben etwas Mühe an unserem Haus vorbeizugehen. Lola hat sich einen nahezu lasziven Hüftschwung angewöhnt und pinkelt bei der Hunderunde alle zehn Meter ein „Hallohooo, schon was vor nächste Woche?“ an den Wegesrand.

Der Vollständigkeit halber: weder Kastration noch Nachwuchs sind geplant. Ja, wir wollen das so, ja, wir sind informiert.

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Falls Sie meinen Twitteraccount suchen: das Dilemma ist gelöst, lesen Sie gerne bei @diefraumutti wieder mit.

24. November

24. November 2015

Gerade komme ich von einer Informationsveranstaltung zum Thema „Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde“. Neben einigen trockenen Zahlen wieviele wo untergekommen sind und wieviele in den nächsten Wochen noch kommen werden, wurde die Arbeit der Integrationslotsen vorgestellt. Und welche Hilfsorganisationen mit im Boot sind. Noch gibt es Raum für alle Flüchtlinge, Massenunterkünfte sollen so lange es nur geht vermieden werden. Sollten diese doch nötig werden, ist es wirklich prima, dass in letzter Zeit gleich zwei Schulen geschlossen wurden. Die Gebäude stehen zur Verfügung und vermutlich ist eine Schule eine bessere Unterkunft als eine Halle oder ein Zelt. 

Bei der sich anschließenden Fragerunde zeigte sich, dass sehr viele Menschen gute Ideen haben, wie sie sich einbringen können. Großartig. 

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung traf ich die Frau, die mich mit zwei Sätzen zur „Patentante“ meines Sprachschülers gemacht hatte. Sie spricht arabisch und steht in engem Kontakt zu meinem Schüler (und den Onkeln, bei denen er lebt). „Er ist sehr glücklich und lernt viel“, erzählte sie mir und diese Rückmeldung lässt mich strahlen! Dann läuft es ja richtig! 

Und weil es so gut läuft und ich mich anscheinend nicht allzu doof anstelle, kommt am Donnerstag ein Onkel mit zum Lernen. Ich habe jetzt also eine minikleine Schulklasse, die nächstes Jahr sicherlich noch wächst, das zeichnet sich bereits ab. Auch der Onkel spricht weder Deutsch noch Englisch, aber das bereitet mir keine Sorgen mehr, immerhin kann ich ja schon sieben Worte Arabisch! :)

(Ein weiteres Wörterbuch ist bestellt, Block und Schreibmaterial liegt im Fundus und Kekse sind schon gebacken. Ich bin vorbereitet.)

19. November

19. November 2015

Aufgestanden bin ich mit leicht erhöhter Temperatur, dafür ohne Stimme. Das wäre ein guter Grund gewesen, um mich direkt wieder hinzulegen, doch der Hund musste raus, obendrein treffe ich mich jeden Donnerstag mit zwei Frauen und deren Hunden. Donnerstage sind also ganz schön schön und deshalb warf ich Ibuprofen ein, um für Hundespielverabredung und -runde fit zu sein. Trotz Sturm und Nieselregen genoss ich es dann sehr unterwegs zu sein und fühlt mich ganz gut.

Wieder daheim waren Lola und ich platt, die Wirkung meiner Tablette ließ nach und das kurze Ausruhen auf dem Sofa ließ mich knapp vier Stunden später wieder erwachen, mich deutlich besser fühlend.  

Ab und zu kam kurz eines der Kindelein heim um dann direkt wieder zu verschwinden. (Sie erinnern sich: Opa-Tag) Ich buk eine Fuhre Kekse und dann war Sprachkurszeit. Mittlerweile kann ich ganze sieben Worte arabisch und die Schrift kein Stück weit lesen, obwohl mir das heute gezeigt wurde. Im Gegenzug lernte mein eifriger Schüler, dass „ch“ unterschiedlich ausgesprochen wird, das „sch“ ein einziger Laut ist und dass „ä,ö und ü“ für einen arabisch sprechenden Menschen sehr schwer zu bewältigen sind. Zum Lernen gab es Kekse und weil die Sprachübersetzungsapp meines Schülers nur sehr merkwürdige Sachen ausspuckte, schenkte ich ihm mein Wörterbuch. (Ich kaufe mir direkt morgen ein Neues.) Und weil er seine Schulmaterialien auf den Gepäckträger geklemmt hatte und es wieder regnete, kramte ich noch eine Tasche aus dem Fundus. (Morgen suche ich mal nach einem Rucksack.) Wir verabschiedeten uns und es fiel mehr sehr schwer, ihn wegradeln zu sehen, ich glaube, ihm fiel das nicht weniger schwer. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Die Abendrunde übernahm der beste Vater meiner Kinder und jetzt sitze ich, nach knapp einem halben Kilo Maronen zum Abendessen, wieder auf dem Sofa, merke wie das Fieber zurückkommt und bin trotzdem seltsam zufrieden mit diesem sehr langsamen, unaufgeregten Tag.

17. November

17. November 2015

Mein Tageslichtblick findet genau jetzt statt: die Migräne, die mich seit gestern quälte, verabschiedet sich. Zurück lässt sie nur dieses wattige Gefühl im Kopf und die feste Überzeugung Millionen von Hirnzellen verloren zu haben.

Zum Glück war es ein eher lascher Migräneanfall, denn gestern war ein sehr aufregender Tag. Nach über zehn Jahren marschierte ich wieder zur Schule um ein Kind, naja: einen Jugendlichen abzuholen. Wir hatten uns am Sonntag nur sehr kurz gesehen, ein bißchen angelächelt und mit ein paar Gesten signalisiert, dass das schon laufen würde. Ich habe nämlich zugesagt, dem jungen Mann Deutschunterricht zu erteilen. Spontan und natürlich hatte ich nicht zu Ende gedacht, ob ich das überhaupt kann und was das bedeutet. Und so schlief ich in der Nacht von Sonntag auf Montag sehr, sehr schlecht, träumte, dass ich durch ganz Mainz irre und dort die Niersteiner Realschule nicht finden kann. Sehr logisch und wahrscheinlich war diese Hinrverrenkung in Kombination mit schlechtem Schlaf dann auch die Ursache für die Migräne.

Um mich wenigstens ein bißchen vorzubereiten, druckte ich mir einen Sprachkurs aus. Und hoffte, dass mein künftiger Sprachschüler das lateinische Alphabet beherrscht, denn Englisch spricht er auch nicht.

Ich war sehr aufgeregt. Sehr!

Und irgendwie klappte es dann ganz gut.

 

kurs

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Und wie schnell. Er ist sehr motiviert und grinst sich eins, wenn ich versuche ihm nachzusprechen. Denn immer wenn er das deutsche Wort nachspricht, muss ich das arabische sagen. Und ich kann Ihnen versichern: das ist richtig schwer. Scheinbar muss man bei manchen Worten die Zunge einmal komplett umdrehen und dabei einatmen oder so. Und ja, ich bin völlig eingerostet was Lernen anbelangt. Es zeichnet sich sehr deutlich ab, dass er viel schneller lernt als ich.

Damit das mit der ehrenamtlichen Lehrtätigkeit nun auch ordentlich ablaufen kann, ordentlich im Sinne von „bringt was“, habe ich mich direkt für einen Lehrgang angemeldet. Und mir ein Wörterbuch arabisch-deutsch/deutsch-arabisch gekauft.

Ich wünschte, wir könnten uns schon unterhalten!