Gestichwortet:

25. September 2014

- ich habe noch zwei Monate Zeit, um einen Stand auf dem Niersteiner Weihnachtsmarkt zu befüllen. Unglücklicherweise habe ich bis jetzt genau einen kleinen Toffee Nosed Bär, bei dem obendrein noch die Wendeöffnung zu schließen wäre. Lust mehr zu arbeiten habe ich nicht, Zeit aber eigentlich schon. (immer mal wieder). Tatsächlich spukt mir da eine wunderbare Heimatliebe-Idee im Kopf herum, doch deren Umsetzung ist nicht möglich, weil es mir an Talent mangelt und derjenige, der das Talent hat, keine Zeit hat. Es bremst mich aus, weil ich nur noch an Heimatliebe-Gedöhns denken kann, statt an Krippen und Co.
- die Tochter hat ihren 17. (SIEBZEHN!!) Geburtstag gefeiert und an diesem Tag drei Tests in der Schule geschrieben. Und ihre praktische Führerscheinprüfung bestanden. Somit haben drei Menschen in der Familie ihren Führerschein und es wird immer unwichtiger für mich, selbst einen zu besitzen.
- Franz hatte eine dicke Backe, weil er von einer anderen Katze gebissen worden war. Ein fetter, eitriger Abszess hatte sich binnen weniger Stunden gebildet und der arme Kater hing hoch fiebernd in den Seilen. Die Tierärztin verabreichte diverse Spritzen und in mehreren Sitzungen wurde die Wunde ausgedrückt und gespült. Der Kater ließ diese Prozedur mit bewunderswerter Geduld über sich ergehen, eine Narkose war nicht nötig. Mittlerweile ist die Backe geheilt und die Revierkämpfe können weitergehen.
- der Garten ist noch immer meine große Liebe. Ich genieße es, in der Erde wühlen zu können und bin rückwirkend immer noch fassungslos, dass mir dieses Vergnügen fast fünf Jahre lang von den schrägen Nachbarn verleidet war. “Es ist so leise!”, sprach die ältere Nachbarin neulich und genau so hatten wir uns das gewünscht.
- Ende Oktober ist es endlich, endlich soweit! Die Grüne Villa bekommt ein neues Dach! Danach werden wir nicht mehr das einzige Haus in Nierstein haben, dessen Dach im Winter immer schneefrei ist, denn das neue Dach wird so toll isoliert sein, dass sogar die KFW damit einverstanden ist. Und weil sowieso schon ein Gerüst steht und wir noch zwei, drei Euro zusammenkratzen konnten, bekommt die Grüne Villa auch ein neues Kleid. Als ich den Farbfächer in der Hand hielt, war ich zunächst überfordert, denn es gibt sehr viele, sehr schöne Farben. Letztlich bleibt die Villa aber eine Grüne Villa, allerdings ändert sich der Grünton von komisch-grün in salbeigrün. Dazu ein dunkelgrauer Sockel und ein anthrazitfarbenes Dach – ich glaube, das wird sehr, sehr hübsch. Mit neuem Dach und neuem Anstrich sind die letzten dicken Renovierungskröten gekillt, endlich, nach fünfzehn Jahren. Danach kommt nur noch Luxus: der Zugang zum zweiten Gewölbekeller von der Gartenseite zum Beispiel.
- und zum Abschluss dann noch mal echten CatContent: der allerliebste Ringelfranz auf der Jagd nach solch einem Leckerli-Stückchen (in das ein halbe Antibiotikumtablette verpackt ist)

franzi

Puffelkater.

weiter geht´s!

12. September 2014

Die Sommerferien sind wie jedes Jahr verflogen, der Alltag hat uns bereits wieder.

Mögliche Themen in nächster Zeit:

- das neue Dach

- Heimatliebe “Von vorn betrachtet sieht ein Haus …”

- Heimatliebe “über´m Rhein”

- Herbstliebe samt Federweißer und Zwiebelkuchen (mit Lieblingsrezept)

- ein neuer, großer Garten

- Warum Kinder in Zeltlager fahren müssen/Warum Jungen ins Zeltlager fahren müssen

- mal wieder Catcontent

- Genähtes, Gesticktes, Weihnachtsmarktvorbereitungen

- zwei, drei Sachen mehr.

 

Ob es für jeden Tag reicht, das weiß ich nicht. Aber ich bin noch da, es geht mir gut und: immer die Ihre.

 

Eins noch: ich hab´s mir zu Herzen genommen, die Aufforderung “Wenn du facebook so doof findest, dann lass es doch.” Ich lasse es. Im Moment jedenfalls.

Vor fünf Jahren fiel uns auf, dass meine Schwiegermutter immer mehr nuschelte. Sie begann Laute zu schleifen, lallte, Worte kamen ihr nur schwer über die Lippen. Komisch war das und ich ertappte mich dabei, dass ich ihr hinterherschnupperte, weil ich dachte, sie habe getrunken.

Sie trank nicht, die verwaschene Sprache war ein erstes Symptom für ALS. Amyotrophe Lateralsklerose.  Sie verlor innerhalb von zwei Jahren die Fähigkeit zu sprechen, zu kauen und dann zu schlucken. Letztlich ist sie verhungert, Sondenernährung lehnte sie ab.

Wir haben hilflos zugesehen, wie die vitale, schöne Frau zu einem Schatten ihrer Selbst wurde. Um ihre Würde zu wahren, kauften wir ihr Tücher, die den Speichelfluß auffingen, suchten nach Warmhaltetellern, die auf ein niedliches Babymotiv verzichteten. Die Kinder waren am Unbefangensten. “Oma, lass mich das grad mal wegwischen.”, sagten sie und wischten Eingespeicheltes, Halbgekautes aus dem Mundwinkel. Als sie nicht mehr sprechen konnte, schrieb sie Zettel. Lehrte meinen Schwiegervater, wie man kocht, wie man Wäsche wäscht, wie man das Klo putzt. Wie man ohne sie überleben kann. Sie unternahmen gemeinsam lange Ausflüge, fuhren dorthin, wo sie schon immer mal hin wollten und an die alten Plätze aus der Kindheit. Als sie immer schwächer wurde, gingen sie hier spazieren.

Meine Schwiegermutter starb, als sie zu schwach wurde, ihre Würde zu wahren. Am 13. Geburtstag der Tochter, kurz nach unserem Besuch bei Oma und Opa. Wir hatten ihr alle noch Tschüss gesagt.

ALS ist grausam.

*****

In den Staaten begann sie, die Ice Bucket Challenge. Prominente und Semi-Prominente und solche, die es sein wollen oder irgendwann mal waren, lassen sich einen Eimer Eiswürfel/Wasser-Gemisch über den Kopf kippen, um _NICHT_ 100 Dollar für die Erforschung von ALS zu spenden. Natürlich – wooohooo! – spendet man trotzdem, nachdem man sich medienwirksam Wasser über den Kopf schüttete. So weit, so gut. Lauter Pluspunkte: ALS wird bekannt, die Stiftung bekommt Geld und Prominente ein paar Minuten Ruhm. Fein.

Und wie das so ist, mit den coolen Trends: das Ding schwappte nach Deutschland und schwappte bei Facebook in meine Timeline. Zuerst als geteilter Artikel “Schau mal Fußballer XYZ schüttet sich Wasser über den Kopf” oder “sogar Frau Trallalla, an die sich niemand mehr erinnert, ruiniert sich freiwillig Frisur und Make-up”. Ist das nicht TOLL?  Supi. Wenn nicht immer im “persönlichen Statement” dieses “oar, jetzt habt ihr mich , jetzt muss ich wohl auch, wie fies von euch.” auftauchen würde. Dieses “dann mach ich es halt, um NICHT spenden zu müssen.” Jaja, sie spenden trotzdem.

Und dann geschah es, dass sich auch einige meiner 500 besten Facebookfreunde Wasser über den Kopf schütteten, nachdem sie “nominiert” worden waren. “Warum machstn das?”, stand unter einem Video. “Och, das geht halt so rum im Netz, wenn man es nicht macht, muss man was spenden.” Spätestens hier war mir jeder Spaß vergangen.

Kurze Zeit später landete das traurige Video eines jungen Mannes in meiner Timeline, der Großmutter und Mutter an ALS verloren hat und nun ebenfalls an ALS erkrankt ist. Ich hab´s nicht fertig geschaut, als er begann in die Kamera zu weinen, hab ich´s abgeschaltet. Schlimmes Schicksal und ja, es zerreisst mich für ihn, aber gleichzeitig widert es mich an, dass dieses Schicksal so ausgeschlachtet wird. Übermorgen taucht das Video wahrscheinlich bei “heftig und Konsorten” auf: Du kannst dir nicht mal in deinen schlimmsten Alpträumen vorstellen, wie schrecklich…

*****

“Aber es ist doch super, dass jetzt soviel Geld gespendet wird und dass endlich mal jeder erfährt, was ALS ist, dass es das gibt!” bekomme ich zu hören, wenn ich rumnöle. Ja. Es ist toll, dass da Geld fließt. Und wahrscheinlich ist es auch völlig egal oder sogar normal, dass dieses Geld nur deshalb fließt, weil es die Möglichkeit gibt, sich medienwirksam zu produzieren und selbst darzustellen. Hauptsache Geld zu Forschungszwecken ist da. Deswegen muss es mir ja nicht gefallen.

Was da aber bei facebook passiert, dass diese Eiswasser-Sache nun als lustiges Stöckchen weitergereicht wird, zusammen mit Halbwissen und den ganzen Anzüglichkeiten in den Kommentaren (wieso hast kein weißes Shirt an? Harhar.) – widert mich an. In die Ecke, schämen.

#aufdieTische

12. August 2014

Ich bin heute auch auf einen Tisch gestiegen.
Als letzten Gruß an einen großartigen Schauspieler, als Dankeschön für viele Stunden brillanter Unterhaltung und als Mahnung, Depressionen als Krankheit ernst zu nehmen.

Rest in peace, Mr. Williams.

so viel und so wenig

17. Juli 2014

Kennen Sie das, wenn es einem ein bißchen über den Kopf wächst? Wenn man irgendwie alles mitbekommen will und natürlich nur die Hälfte schafft und das Gefühl hat, es sei bestimmt die falsche Hälfte? Obendrein ist Ihnen völlig klar, dass es völlig egal ist, dass Ihnen irgendwelche “Neuigkeiten” entgehen und trotzdem bleibt das Gefühl, ewig hinterher zu eiern.

Ich hab das ab und zu mal. Dann überfordert mich diese Internet-Sache. Ich habe an die Tür im Nähzimmer Tafelfolie geklebt, damit ich mir meine to-do-Liste draufschreiben kann. Ganz oben auf dieser to-do-Liste steht “Bloggediblog”, denn eigentlich wollte ich ganz viel schreiben. So viele Ideen und Impulse sausen um mich herum, doch ich kann nichts davon greifen. Und deshalb wühle ich weiter im Garten herum und in den Pausen sitze ich im Rosa Gartenhüttchen und fühle mich als hätte ich Urlaub.

Und das habe ich dann wohl auch. Urlaub. Ich nähe nicht, ich schreibe nicht. Ich lese echte Bücher, grabe, pflanze, ernte im Garten, treffe Freunde und höre mir heute Abend Katzenjammer auf der Zitadelle an. Und versuche auszuhalten, dass eben nicht alles geht und dass ich nicht überall mittanzen muss. Vorrübergehend.