Und? Wie geht es der Tochter?

9. September 2016

Das ist wohl die häufigste Frage, die mir so oder in Variationen in letzter Zeit mehrfachtäglich gestellt wird. Von Großeltern, von Freunden, von Nachbarn, von den Menschen aus dem Internet. Der Opa fragte, ob wir eine geheime Informationsquelle hätten, denn „dess Määdsche schreibt gar nix“ und vielleicht wüssten wir ja mehr.

Wir wissen nichts. Die letzte whatsapp samt Bild der Tochter, die strahlend ein kleines Krokodil bekuschelt, ist auch schon wieder eine Woche alt.

Und so ist das nun wohl. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten und vielleicht ist ihr Leben so pickepacke voll mit tollen, neuen Dingen, dass sie einfach keine Zeit zum Schreiben hat. Vielleicht hat die Stille auch technische Ursachen, vielleicht reicht die Anbindung ans Netz für nichts. Dass es nicht zum Skypen reicht, wissen wir schon.

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Ich bin mächtig hin- und hergerissen. Bevor die Tochter abreiste, bat ich sie, dass wir den Kontakt reduzieren, wenn sie da in der Ferne ist. Den damals, als sie auf dem Jakobsweg wanderte, schickten wir uns häufig Nachrichten und deshalb hatte ich das Gefühl, dass weder ich sie richtig gehen ließ, noch sie richtig abgesprungen war. Wir einigten uns auf einmal skypen/Woche und eben Nachrichten per whatsapp irgendwann zwischendurch. Total abgeklärt und niemand könnte mir vorwerfen, ich würde die Gluckenflügel zu sehr ausbreiten. Und überhaupt: früher musste man warten, bis eine Postkarte kam und ein „gut angekommen“-Anruf musste reichen, das haben die Mütter auch überlebt.

Tja. Ich werde das überleben, aber ich habe ganz schön Heimweh nach meinem Mädchen und diese leise Sorge, das irgendetwas vielleicht doch nicht stimmt, schwingt eben so mit, gehört nun dazu. Das muss wohl so sein.

Und hier so?

22. Februar 2016

Alles gut.

Die Urlaubsplanung ist abgeschlossen, heute kam dann auch noch die letzte fehlende Übernachtungszusage, die mich vor einer sicherlich schlaflosen Nacht in einem Schlafsaal (letzte Option) bewahrt. Da wir sogar nach der Wanderung noch drei Tage Zeit für Dublin haben, freue ich mich sehr über voll geheime Insidertipps! 

Berlin im Mai ist auch gebucht. Der beste Vater meiner Kinder hat eine gigantische Frühbuchersuperermäßigung bei der Bahn geschossen, wir reisen für 14,25 € von Mainz nach Berlin, da gönnen wir uns sogar eine Sitzplatzreservierung :) Eine Unterkunft in Berlin zu finden war dann ein klitzekleines Bißchen komplizierter, da sehr viele Menschen gerne ein langes Wochenende in Berlin sind. Trotzdem. Auch ein Hotel ist gebucht und wir können die lange Wartezeit bis zum Irland-Juni mit einer Woche Berlin im Mai überbrücken.

Und sonst so?

Die Tochter hat morgen ihren letzten, echten Schultag, sogar noch mit Hausaufgaben und Nachmittagsunterricht. Danach holt sie „nur“ noch am Donnerstag ihr Zeugnis mit den Noten der Abiturarbeiten ab und tanzt Anfang März zur mündlichen Prüfung in Religion an. Dann ist Schluss und alle unsere Kinder haben diese Schulsache abgeschlossen. (Berufsschule ist ja etwas anderes) Yeah und Luftsprung!

Dem Jüngsten geht es prima, dazu schreibe ich demnächst etwas länger. Und der Große leidet unter seinen strengen Eltern, die ihn sehr unnachgiebig zum Nestrand schieben, indem sie es ihm daheim etwas unkomfortabler machen. Er hat derzeit Semesterferien von seinem Studium, das lediglich zur Überbrückung bis September dient, bis er seine Ausbildung beginnt. Heißt im Klartext: sein Leben ist derzeit nicht allzu anstrengend. Er hört sich halt zum Spaß ein paar Vorlesungen an. Das sei ihm von Herzen gegönnt und Bildung ist immer super, doch die viele restliche Zeit die er hat, darf er mit uns und unserem renovierungsbedürftigen Flur teilen. Er hat schon sehr viele Schichten Tapete abgekratzt, jede Menge Putz abgeklopft und wird sich demnächst noch mit der tapezierten Decke amüsieren.Danach müssen Türrahmen abgeschliffen und Löcher zugespachtelt werden, Grundierung aufgetragen und neuer Putz aufgebracht werden. Er schimpft und flucht, arbeitet aber fleißig. (Und lernt eine dabei eine Menge Sachen,die ihm später sicherlich nützen)

Kater und Hund sind gesund und munter, der Garten erwacht und wird ignoriert und mein Tag dürfte länger sein, denn es gibt immer mehr Menschen, die Sprachunterricht brauchen. Mit meinem jüngsten Sprachschüler macht es derzeit am allermeisten Spaß! Vor einem halben Jahr kam er ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, heute haben wir zum ersten Mal zusammen über einen Witz lachen können. Seine Fortschritte sind enorm und seine Motivation groß. Der Wunsch sich mit mir auszutauschen ist ein großer Teil seines Antriebs. Das macht mich sehr stolz und verflixt, der Kerl ist mir echt ans Herz gewachsen. 16 Jahre jung und die Augen eines alten Mannes.

Fünfmal habe ich angesetzt, um etwas zu Clausnitz oder Bautzen zu schreiben, doch das Pendant zu „Ich kann nichts sagen, es schnürt mir die Kehle zu“ ließ die Worte in mir nicht bis zu den Tasten kommen. Was eigentlich ganz prima ist, denn viele dieser Worte würde ich sowieso niemals laut aussprechen. Alles andere ist mittlerweile gesagt, ändern wird sich wohl nichts.

Doch nicht alles gut.

Hunderunden im Sturm

8. Februar 2016

und ein Spendenbutton. Letzteren finden Sie in der Seitenleiste und wenn Sie ganz genau nachsehen, entdecken Sie schon, wie das künftige Blog der Tochter heißen wird. Gebastelt daran wird morgen.

Morgen werde ich mich auch durch allerschlimmste Stürme zur Post kämpfen, um sehr viele Päckchen und dicke Umschläge abzuschicken. Heute ging das nicht, die Post feierte nämlich Rosenmontag. Wenn auch ohne Umzug.

Für heute heißt es nur noch: Feierabend und das Ohr pflegen, das mit gemeinen Schmerzen auf den hineingepfiffenen Sturm reagiert.

Einfach losschreiben

3. Januar 2016

und schauen, in welche Richtung der Text der geht. Und vor dem Absenden nochmal rasch überlegen, ob die zu erwartenden Reaktionen zur derzeitigen Nervenstärke passen. Falls nicht, Text für später speichern und etwas Neues schreiben. Oder es lassen. So funktioniert bloggen bei mir, doch scheinbar ist das schrecklich altmodisch, denn Blogplaner sollen helfen, ein Blog richtig und ordentlich zu führen.

Ich kann nicht abstreiten, dass ich Schnickeldi mag, auch an schön gestalten Heften kann ich selten vorbeigehen (kaufe sie, schreibe etwas wahnsinnig Ergreifendes auf die erste Seite und finde dass Heft dann zwei Jahre später hinten im Regal wieder) und jedes Jahr kaufe ich mir ein schönes Kalenderbuch (dieses Jahr diesen, allerdings in Niederländisch), weil ich ganz sicher alle Termine säuberlich notieren werde, um keinen einzigen zu vergessen. Ab Februar werde ich da nachlässiger, ab Mai habe ich den Kalender verlegt und den Rest des Jahres bin ich immer sehr froh, wenn ich an wichtige Termine und Geburtstage erinnert werde. Vielleicht wäre schon aus diesem Grund ein Blogplaner für mich eher ungeeignet, ganz davon abgesehen, dass Bloggen für mich „ich erzähl mal was“ ist, völlig unplanbar.

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Und wie schaut es mit Vorsätzen aus? Dieses Jahr keine. Ich führe einen Vorsatz weiter, allerdings aufgeweicht. Letztes Jahr nahm ich mir vor, ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen. Das hielt ich durch bis zum November, als ich feststellte, dass ich Hosen für die Hunderunde brauche und dass ich keine wintertauglichen Oberteile mehr im Schrank hatte. Ich kaufte zwei Hosen und sieben Oberteile, mehr gibt es diesen Winter nicht. Auch dieses Jahr will ich auf den Kauf von Klamotten verzichten, ABER: ich werde T-Shirts brauchen, die aus den letzten Jahren sind schäbig und taugen nur noch als Unterziehshirt im Winter. Im Frühling werde ich dann nach sieben Shirts suchen, die weder merkwürdige Aufdrucke noch Reißverschlüsse an unpassenden Stellen haben (also eigentlich egal wo, Shirts brauchen keine Reißverschlüsse), die weder oberhalb das Bauchnabels noch unterhalb des Hinterns enden, keine Fledermausärmel oder Ausschnitte bis zum BH-Mittelsteg haben. Das wird bestimmt ein großer Spaß. Außerdem hätte ich gerne ein, zwei hübsche Kleider. Die müssen mir aber wirklich passend über den Weg laufen, suchen mag ich nicht danach.

Stoff werde ich in diesem Jahr auch nicht kaufen, ich habe genug und sowieso zu wenig Zeit zum Nähen.

Keine weiteren Vorsätze. 

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Neues von Lola gefällig? Sie ist zum ersten Mal läufig. Wir finden das alle sehr interessant, sie auch. Der Wischmopp ist ständig im Einsatz und die Decken auf dem Sofa müssen regelmäßig gewaschen werden. Ansonsten hält sie sich aber ganz gut sauber und richtig spannend wird es ja wohl erst dann, wenn die Blutung aufhört. Schon jetzt scheint sie unwiderstehlich auf Rüden zu wirken, die Hundehalter haben etwas Mühe an unserem Haus vorbeizugehen. Lola hat sich einen nahezu lasziven Hüftschwung angewöhnt und pinkelt bei der Hunderunde alle zehn Meter ein „Hallohooo, schon was vor nächste Woche?“ an den Wegesrand.

Der Vollständigkeit halber: weder Kastration noch Nachwuchs sind geplant. Ja, wir wollen das so, ja, wir sind informiert.

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Falls Sie meinen Twitteraccount suchen: das Dilemma ist gelöst, lesen Sie gerne bei @diefraumutti wieder mit.

24. November

24. November 2015

Gerade komme ich von einer Informationsveranstaltung zum Thema „Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde“. Neben einigen trockenen Zahlen wieviele wo untergekommen sind und wieviele in den nächsten Wochen noch kommen werden, wurde die Arbeit der Integrationslotsen vorgestellt. Und welche Hilfsorganisationen mit im Boot sind. Noch gibt es Raum für alle Flüchtlinge, Massenunterkünfte sollen so lange es nur geht vermieden werden. Sollten diese doch nötig werden, ist es wirklich prima, dass in letzter Zeit gleich zwei Schulen geschlossen wurden. Die Gebäude stehen zur Verfügung und vermutlich ist eine Schule eine bessere Unterkunft als eine Halle oder ein Zelt. 

Bei der sich anschließenden Fragerunde zeigte sich, dass sehr viele Menschen gute Ideen haben, wie sie sich einbringen können. Großartig. 

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung traf ich die Frau, die mich mit zwei Sätzen zur „Patentante“ meines Sprachschülers gemacht hatte. Sie spricht arabisch und steht in engem Kontakt zu meinem Schüler (und den Onkeln, bei denen er lebt). „Er ist sehr glücklich und lernt viel“, erzählte sie mir und diese Rückmeldung lässt mich strahlen! Dann läuft es ja richtig! 

Und weil es so gut läuft und ich mich anscheinend nicht allzu doof anstelle, kommt am Donnerstag ein Onkel mit zum Lernen. Ich habe jetzt also eine minikleine Schulklasse, die nächstes Jahr sicherlich noch wächst, das zeichnet sich bereits ab. Auch der Onkel spricht weder Deutsch noch Englisch, aber das bereitet mir keine Sorgen mehr, immerhin kann ich ja schon sieben Worte Arabisch! :)

(Ein weiteres Wörterbuch ist bestellt, Block und Schreibmaterial liegt im Fundus und Kekse sind schon gebacken. Ich bin vorbereitet.)