Kisten und Kästen

29. Januar 2009

Auf dem Regal im Flur stehen drei Kisten, zweimal rot, einmal weiß. Mindestens einmal im Jahr muss ich die runterholen, den dicken Staub abwischen und die Kisten auf den Küchentisch stellen. Denn es handelt sich um die Erinnerungskisten der Kinder.

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Kindheitserinnerungen

21. Oktober 2008

Ich bin und war schon immer eine Leseratte.
Lesen war immer ein bißchen Flucht aus frustigen Szenen im Kinderleben. Und einfach nur Spaß. Ich habe sämtliche “Hanni und Nanni”-Bände, alle Abenteuer der fünf Freunde, ungefähr zwanzig Lebensjahre der Pucki und ein paar schwülstige Mark Twains verschlungen.

Auf einem Bücherflohmarkt neulich lag da ein Buch rum, das mich an was erinnerte. Ich kaufte es und “ersteigerte” für einen Euro pro Buch die restlichen fünf der Serie.
Passenderweise kämpfe ich gerade mit dem ersten, zweiten, dritten (oder alle drei gleichzeitig) Schnupfen dieses Herbstes und muss mich schonen. Buchseiten umblättern geht aber und so lese ich ganz eifrig die Geschichte der Kulla-Gulla (von Martha Sandwall-Bergström), dem armen Findelkind, das letztlich sein Glück findet.
Herrlich altmodisch, ohne diesen grässlichen “Frauen in Kirche und Küche”-Ton wie in den Pucki-Büchern und nicht mit ständig Mitternachtsparty feiernden Mädchen wie in den Internat-Büchern. Gestern abend habe ich kichern müssen beim Lesen. Und habe mich dran erinnert, dass ich genau an dieser Stelle vor über zwanzig Jahren schon mal gekichert habe. Fein!

Töchterlein schleicht schon gierig um die Bücher herum, denn Teil fünf der vierbändigen Trilogie hat sie durch.

Liebende Schwester

1. Oktober 2008

Wenn man draufdrückt, macht´s Geräusche.

(nicht, dass ich dieser Zeit nachtrauere)

Ich war vierzehn. Ich trug ein Korsett, eine Zahnspange und die falschen Turnschuhe. Obendrein flüsterten die Mädchen aus meiner Klasse “Flittchen!” hinter meinem Rücken. Scheinbar ohne genau zu wissen, was das eigentlich bedeutet, denn keine Bezeichnung hätte unpassender sein können. Wusste ich aber nicht, denn ich kannte die Bedeutung auch nicht. Aber es klang fies und böse, so wie es gezischt wurde.
Neben den falschen Turnschuhen trug ich übrigens auch die falschen Sweatshirts und die SWF3 - Hitparade hörte doch niemand mehr, The Cure und The Smith waren angesagt, doch die liefen nicht im Radio und ich bekam nie ein überspielte Kasette ausgeliehen.

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Kenn´ ich, kenn´ ich!

7. August 2008

Frau Ami und Frau Jette, handfeste Beweise:

(selbstverständlich ein makelloses, bakterien-, viren- und seuchenfreies Klo, in dem sogar WC-Enten schwimmen würden)

back to the roots

6. Mai 2008

Als ich den besten Vater meiner Kinder kennenlernte, rutsche ich in die Szene. Die “3. Weltladen-Szene”, die verdächtige Szene der ewigen Ökos, der Weltverbesserer, der “Jute statt Plastik”-Taschenträger, der langhaarigen Bombenleger, der Batikhosenträger und der ewig betroffenen “Löcher in den Ärmel”-Streichler.
So war das 1991, ehrlich.
Eine Gruppe junger Menschen traf sich in einem Lädchen, das harmonisch mit Korkboden, Holzdecke und Ivarregalen eingerichtet war. Man traf sich einmal im Monat, diskutierte über die Herkunft von Tee und Honig, über das Schicksal von Kaffeekleinbauern und über den Sinn und Zweck von Kurkuma im Gewürzregal (kennt keiner, kauft keiner). In Nacht-und Nebelaktionen wurden Plakatwände mit Dispersionsfarben beschriftet (”Kaffee vom Kleinbauern!” später auch “fairwöhnen”), Einkauftouren zur gepa geplant und keiner von uns vielbeschäftigten Schülern und Studenten hatte Samstag Zeit, um den Ladendienst zu übernehmen.
Etwas später wurde aus dem 3. Weltladen das Fachgeschäft für fairen Handel. Holz und Kork mussten gehen, weiße Fließen zogen ein. Leichte, blaugebeizte Holzregale mit Metallrahmen waren nicht mehr vollgestopft mit angestaubten Waren, sondern präsentierten stolz Kunsthandwerk. Zwei alte kupferne Kaffeeschüten veredelten den Lebensmittelbereich und das Schaufenster wurde häufig provokant: “Dein Genick bricht” auf dem Plakat von Amnesty International.
Die Weltladen-Mitarbeiter waren eine eingeschworene Truppe. Nach den Mitarbeiterversammlungen ging man Pizza essen, ab und zu mal zusammen ins KUZ oder zu einer gemeinsamen Fortbildung nach Dänemark, weil der eine Mitarbeiter dorthin ausgewandert war.
Der erste hochoffizielle Angestellte des Weltladens arbeitete in Nierstein, ein tolles Büro wurde eingerichtet, überhaupt war der Niersteiner Weltladen eine ziemlich große Sache, Vorbild für viele und mit großartigen Ideen fortschreitend unterwegs.
Es machte sehr viel Spaß dazuzugehören.
Und dann zogen wir, der zukünftige beste Vater meiner Kinder und ich, nach Bingen. Dort studierte er und ich arbeitete in Mainz. Der Kontakt nach Nierstein brach nie ab und der Kontakt zum Weltladen Bingen kam nie richtig zustande. Die Weltladenzeit ging zu Ende und unser erstes Kind wurde geboren.
Vier Monate nach der Geburt zogen wir zurück nach Nierstein. In die Nähe der Großeltern, der Freunde und - ja - des Weltladens. Doch mit jedem weiteren Kind blieb weniger Zeit für eine aktive Mitarbeit, irgendwann kauften wir nur noch unseren Kaffee dort und winkten den vertrauten Gesichtern hinter der Theke.
Seit ca. drei Jahren schiebt unser großes Kind zusammen mit seinem Patenonkel (Weltladen Gründermitglied :-)) Samstags Ladendienst, seit einem Monat schnuppere ich wieder Ladenduft.
Es ist alles anders. Die “Alten” sind fast alle weg, sind Eltern mit anderen Prioritäten oder haben endlich mal anständig bezahlte Jobs. Zehn hochmotivierte Rentnerinnen sind das neue Rückgrat des Ladens. Der Laden geht ein wenig rückwärts, das Fachgeschäft mit Chrom und Glas verholzt und wirkt insgesamt wieder ziemlich plüschig. Aber er lebt, der Laden. Und ich mag ihn immer noch.
Das erste Schaufenster seit mindestens dreizehn Jahren durfte ich gestalten, ich kann es noch. Und diese Seite “Weltladen Nierstein” liegt jetzt in meinen Händen. Spannend. Sehr spannend das Ganze.

(nächste Woche ein neues Schaufenster, um Ladenhüter zu neuem Glanz erstrahlen zu lassen … Fairlegtes, Fairkanntes, Fairgessenes. Ganz wie früher, aber ohne Dispersionsfarbe auf der Plakatwand)

07.06.2002:

Töchterlein lernt das Fahren mit Inlinern. Lockmittel: eine Brezel

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