Damals …
19. März 2008
war das Leben doch ganz schön anstrengend, dachte Frau … äh … Mutti gestern abend, als sie gemütlich im Rosenpflegebad schwamm. Denn früher:
Wie Mütter duschen -
eine kurze Anleitung:
1. Wählen Sie einen günstigen Zeitpunkt (nachts um 23:00 haben Sie etwa zehn Minuten, bis irgendein Kind wieder meckert)
damals …
5. März 2008
Das Schlunz
Das Schlunz zeichnet sich durch völlige Antriebslosigkeit und mangelnde Eigeninitiative aus. Es neigt dazu auf dem Sofa zu hängen und “Mir ist sooo langweilig”- Gemecker von sich zu geben.
In den Kindergarten möchte es nicht, weil da alles doof ist. Aber abgeholt werden möchte es auch nicht: “Warum bist du schon da?”
Wenige Minuten, nachdem es “satt*” vom Mittagstisch aufgestanden ist, steht es jammernd und vor Hunger brüllend vor dem Kühlschrank.
Abends ist es niemals müde, wohl aber dann, wenn es eine längere Strecke laufen soll.
Das Schlunz bevorzugt labberige Kleidung, mindestens zwei Nummern zu groß, bunt bedruckt mit Sesamstraßen-Motiven und Hosen mit Gummizug. Der Versuch, ein Schlunz in eine Jeans mit Knopf und Reißverschluss zu stecken ist sofort zum Scheitern verurteilt; die Hose ist zu schwer und der Knopf drückt, unabhängig davon, welche Größe das ausgewählte Modell tatsächlich hat.
Die Lieblingsbeschäftigung des Schlunz ist das zur-Weißglut-Treiben der eigenen Eltern. Hierzu dienen nicht nur die oben beschriebenen Verhaltensweisen, sondern auch immer mehr das schlichte Wörtchen “warum”, der Abwechslung halber auch “wieso” oder “weshalb”. Fällt eines dieser Worte, dann ist Geduld und meistens umfassendes Wissen gefragt – es wird bis zur Erschöpfung (der Mutter) diskutiert. Die Funktionsweise einer Kläranlage wird rasch beim Mittagessen abgehandelt, danch widmen wir uns der Krebsheilung.
Das Schlunz ist ungeheuer aufgeweckt und klug, weiß dies aber geschickt durch schlaffe Körperhaltung zu tarnen.
*nichts außer Nudeln, bitte
Über sieben Jahre nach Entstehung des Textes (und Bildes):
Das Schlunz ist ein Schlacks geworden. Er hat lange Arme und lange Beine mit viel zu vielen Gelenken darin, weiß manchmal garnicht, wie er diese schlenkernden Teile koordinieren soll.
Die Sache mit der Antriebslosigkeit ist nicht ausgestanden, noch immer braucht das Kind den einen oder anderen Schubs. Seine Wissbegierde und Intelligenz helfen ihm in der Schule, trotz Minimalaufwand sind seine Leistungen gut.
(Der Speiseplan hat sich auch ungemein erweitert, selbst verdächtige Dinge wie Blumenkohl oder Lauch werden mittlerweile als Nahrungsmittel akzeptiert)
Der Große und ich sind zwei ganz verschiedenen Menschen. Er ist ruhig und besonnen, ich hibbele und zappele und bin die Ungedulg in Person. Ich bin neugierig, was die kranke Freundin hat, der Große bringt dem kranken Freund die Hausaufgaben und weiß hinterher nicht, was dem Freund fehlt. Mich zieht es bei Sonnenschein nach draußen, der Große schließt die Rollläden. Der Große liest eine Ballade zweimal durch und kann sie auswendig, ich lese sie zweimal durch und weiß nicht mal mehr die Seitenzahl, damit ich sie ein drittes Mal finde.
Das Leben mit dem Großen ist spannend für mich, gerade jetzt, wo die Pubertät Seiten zum Vorschein bringt, die mir gänzlich neu sind.
(Wahrscheinlich ist es auch spannend für ihn, da er sich jeden Tag auf´s Neue fragen muss, wie peinlich die Mutter heute wohl wieder sein mag?)
damals …
4. März 2008
Das Motz
Das Motz ist in den besten Familien anzutreffen.
Rein äußerlich gibt es keine besonderen Merkmale, so dass unbedarfte Menschen dazu neigen, das Motz als “niedlich” und “süß” zu bezeichnen. Tatsächlich ist das Motz auch in der Lage diesen Aussagen zu entsprechen, unserer Meinung nach jedoch aus reiner Berechnung.
Wie verhält sich das Motz?
Seine Äußerungen sind in der Hauptsache:
“NEIN!”
“DOCH!”
“(will) aber…”
“alleine machen”
“DAS GEHT NICHT!”
Da diese Äußerungen meist sehr laut und schrill getan werden, ist es nicht schwer, das Motz zu finden, sofern man das wirklich möchte.
Außerdem sieht man das Motz häufig, mit Händen und Füßen strampelnd, bäuchlings auf dem Boden liegen. Das Motz bevorzugt dabei
a) stark befahrene Strassen,
b) Supermärkte oder
c) Garderoben in engen Fluren kurz bevor
a) der Kindergarten beginnt,
b) der Zug fährt oder
c) ein Arzttermin ansteht.
Ein Motz beruhigen zu wollen ist ein lobenswertes Vorhaben, aber das ist der Vorsatz “nie wieder esse ich Schokolade” auch; mit anderen Worten: es ist unmöglich.
Auch hier behaupten Gerüchte, dass es sich lediglich um Phasen handelt, allerdings schweigt “man” sich über die Länge der Phasen aus… nahtlos bis zur Pubertät?
Über sieben Jahre nach Enstehung des Textes (und des Bildes):
Es wird nicht mehr gemotzt, aber bei Gelegenheit geschmollt. Der “starke Wille” aus dem Trotzalter hat sich in (manchmal übergroßen) Ehrgeiz gewandelt, die Einsicht, dass manche Fehler selbst verschuldet sind … fehlt immer mal wieder.
Der Wortschatz hat sich zum Glück enorm vergrößert, wird nur noch selten so laut und schrill vorgetragen und mit der vorpubertierenden Tochter sind großartige Gespräche möglich.
Niedlich ist sie immer noch, auch wenn sie das gar nicht gerne hört.
damals …
3. März 2008
Das Ranz
Seit zwei Wochen wird es immer wieder in unserem Garten beobachtet: ein ca. 80 cm hohes, unsicher auf zwei Beinen wankendes Wesen.
Matschbraun, sandgrau und grasgrün gefleckt ist es nur schwer zu erkennen.
Beim näheren Betrachten stellen sich die Tarnfarben als eine zentimeterdicke Patina aus Rotz, Erde, Sand und Rindenmulch heraus, offensichtlich ist das Ranz bestrebt in der freien Natur nicht entdeckt zu werden. Allerdings verrät es sich von Zeit zu Zeit durch laute Freudenjuchzer, zum Beispiel dann, wenn es eine neue Suhle gefunden hat.
In der Hauptsache ernährt sich das Ranz anscheinend von Sandkuchen und Schlammsuppe, wobei es auch diverses Grünfutter und Rindenstücke nicht schmäht.
Ein gefangenes Exemplar setzt sich zur Wehr, indem es Sand, den es in verschiedenen Taschen und Aufschlägen
gesammelt hat, sorgfältig verstreut.
Der Versuch, das Ranz annähernd zu reinigen ist nicht völlig zum Scheitern verurteilt, obwohl größte Wasser- und Seifenmengen nötig werden. Allerdings ist das Ranz bestrebt seinen ursprünglichen Zustand so schnell wie möglich wieder zu erlangen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht, fehlt es an Sand und Schlamm, dürfen es auch Banane, Kalbsleberwurst oder eingespeichelter Zwieback sein.
Die artgerechte Haltung des Ranz erfordert also eine große Dreck-Toleranz und die Bereitschaft mehrmals täglich die Kleidung zu wechseln, auch die eigene.
Bislang noch unbestätigte Gerüchte versprechen eine gewisse “Sauberkeits-Anpassung” des Ranz’ mit zunehmendem Alter… hoffen wir das Beste.
Über sieben Jahre nach Enstehen dieses Textes (und des Bildes):
Es gibt eine gewisse “Sauberkeits-Anpassung”, Messer, Gabel und Löffel sind keine fremden Gegenstände und werden sehr gut benutzt. Lediglich Nudeln mit Tomatensoße und Nußnougatcremebrötchen wecken manchmal leise Erinnerungen an die “Patina-Zeiten”, sind aber kein Vergleich mehr.
Hosentaschen und -aufschläge sind nach wie vor Sandsammelstellen und ich vergesse das immer noch und immer wieder, fluche öfter über Sandhaufen in der Badewanne oder auf dem Boden davor.
Mittlerweile wankt das Wesen natürlich nicht mehr und ist gute 50 Zentimeter größer. (die Haare sind immer noch lang und blond)
damals …
29. Februar 2008
Gerade ein vergnügliches Stündchen am Rechner mit dem Lesen sehr alter Geschichten verbracht.
Damals, als die Kindelein noch Ranz, Motz und Schlunz hießen.
Flashback
10. Januar 2008
Ich muss etwa acht Jahre jung gewesen sein, als ich bei meiner Oma eine Knolle zum Knabbern in die Hand gedrückt bekam. Eine Knolle mit unaussprechlichem Namen, lautgemäß: Tschitschokken
Ich biss hinein. Sie war knackig und beinahe saftig und mein ganzer Mund war voller Sonnenblumenkern-Geschmack. Lecker!
Bis heute wusste ich nicht, was ich damals gegessen hatte.
Heute kam die Gemüsekiste: Salat, Sprossen, Rote Bete, Karotten und – Topinambur.
Ich bin wieder acht Jahre jung.
(und weiß, was in meinem Garten fehlt)
Eiszeit
27. Juni 2007
Mein Lieblingseis ist, so lange ich mich erinnern kann, Nusseis. Haselnusseis. Lecker.
Wenn der Eismann mit dem roten VW-Bus in die Strasse kam, durfte ich mir zwei Bällchen Eis kaufen. Für 60 Pfennig und das war damals recht viel Geld.
Sollte es Eis als Nachtisch geben, wurde immer eine Fürst-Pückler-Rolle gekauft, das war etwas ganz Besonderes und ausserdem günstiger, als einzelne Eisportionen vom Eismann. Leider schmeckte mir nur das Erdbeereis ein bißchen. Also aß ich das zuerst. Ich bildete mir ein, dass Schokoladen- und Vanilleeis, wenn es nur ordentlich vermatscht würde, nicht nur wie Nusseis aussähe, sondern auch so schmecken würde.
Mein erstes Spaghettieis aß ich im neueröffneten Eiscafé in unserer kleinen Stadt. Ich weiß nicht mehr, was ich erwartet hatte, aber ich erinnere mich daran, ziemlich enttäuscht gewesen zu sein. Auch vom Nusseis, denn das war zu un-nussig.
Irgendwann lud mich ein Junge zum Eis ein, in eben diesem Eis-Café und ich hatte das Gefühl, dass ich mir nun etwas irre Exotisches bestellen muss, damit der Junge erstaunt ist, weil ich so exotische Sachen esse. (wenn man jung ist, denkt man manchmal so) Ich entschied mich für einen Eisbecher mit Joghurt und verschiedensten Früchten, unter anderem auch mit Kiwi. Ich mag Kiwi nicht so sehr. Aber damals war Kiwi etwas recht Neues, den meisten Menschen eher suspekt. Und weil die Kiwi auch den Eis-Café-Leuten etwas suspekt war, versteckten sie die Kiwi unter dem Joghurt, was weder Joghurt noch Kiwi gut bekam. Ich mochte meinen bitteren Eisbecher nicht fertig essen und bekam Ersatz: drei Bällchen Nuss mit Sahne. Dem Junge, den ich beeindrucken wollte, war die Sache peinlich und wir gingen nie wieder zusammen Eis essen.
Ich hatte auch mal eine kurze Wassereis-Phase, wenn es kein Capri gab, wollte ich Calippo. Bis mir irgendwann das Gekicher der “Freundinnen”, die schon viel aufgeklärter waren als ich, auf die Nerven ging.
Das allerbeste Nusseis habe ich in der Toscana, in Luca, gegessen. In einer Gelateria, die vierzig verschiedene, allertollste Eissorten hatte und deren Besitzer das Eis auf der Waffel zu einer Rose formte.
Ich würde jetzt auch gerne zwei, drei Bällchen Nusseis essen. Unglücklicherweise steht im Gefrierschrank nur eine Packung Vanilleeis. Wenn ich das nehme und mit ein bißchen Schokosirup vermenge? Ob der Zauber aus der Kindheit noch funktioniert?
Mittagessen im Wandel der Zeit
8. Mai 2007
Als die Kindelein noch sehr klein waren und ihr Mittagessen in flüssiger Form zu sich nahmen, freute ich mich auf die Zeit, in der ich nicht mehr nur einhändig würde essen können, in ständiger Sorge, dass mir die Kartoffeln von der Gabel auf den Babykopf klatschen.
Als die Kindelein etwas größer waren und ihr Mittagessen in breiförmiger Form zu sich nahmen, freute ich mich auf die Zeit, in der sie den Löffel bitte endlich direkt, ohne Umweg und vor allem alleine zum Mund führen können. (und amüsierte mich insgeheim sehr, sehr über verzweifelte Mütter, die Karottenflecken in Lätzchen beklagten. Beliebter Beitrag auch heute noch in diversen Foren: “Wie kriege ich die Flecken aus dem Lätzchen?” Es gibt Wichtigeres und ja, Sonnenlicht hilft da.)
Als die Kindelein noch ein bißchen größer waren und so nach und nach das aßen, was auch die Großen aßen, freute ich mich auf die Zeit, in der das Brot nicht mehr heimlich unter den Stuhl geworfen würde und sich die zarten Geschmacksknospen auch über Nudeln hinaus orientieren würden.
Als die Kindelein groß genug waren, um mit Messer und Gabel zu essen, freute ich mich auf die Zeit, in der ich vielleicht mal wieder eine hübsche Tischdecke würde auflegen können. Oder selbst entscheiden würde können, wann ich meinen Tisch abwischen muss. Nämlich nicht zwei bis dreimal bei jeder Mahlzeit, da Wassergläser durch eifriges Messersäbeln umgeworfen wurden.
Mittlerweile sind die Kindelein groß.
Sie beherrschen die gängigen Tischmanieren und halten sich meistens daran. (“wer rülpst, muss sich entschuldigen!”, diese Regel wäre noch ausbaufähig) Die Einnahme von Mahlzeiten könnte nun eine gemütliche, genussvolle Angelegenheit sein, wäre da nicht die leichte Tischkonversation, die sich merkwürdigerweise stets um a) ausgesprochen widerwärtige Themen (Auf dem Heimweg habe ich eine überfahrene Katze gesehen, bei der die Därme durch´s Maul gequollen waren …), b) was-ich-schon-immer-wissen-wollte-Themen (Also wenn die Frau ihren Eisprung hat, wie lange kann sie denn dann schwanger werden, weil die Spermien überleben im feuchtwarmen Klima doch recht lange? kicher, kicher) oder c) um Farbe und Konsistenz diverser Körperausscheidung (neulich, da hatte ich einen ganz komischen Durchfall, der knallte irgendwie so raus und war ganz hellbraun mit so dunklen Fetzen. Jemand noch ein bißchen Hackfleischsoße?) drehen würden.
Mein Fell ist da mittlerweile recht dick geworden, doch wenn sich das große Kind nebenbei beim Essen einen Zahn aus dem Kiefer schraubt und freudestrahlend das bluttropfende Etwas über meinen Teller schnickt … bin ich irgendwie … überfordert. (Supernanny hilf! Muss er auf die stille Treppe?) Dann freue ich mich auf die Zeit, wenn endlich alle Kinder ihre bleibenden Zähne haben und und diese nicht plötzlich am Tisch verlieren.
Mal sehen, worauf ich mich DANN freue.
ene, mene, miste
8. März 2007
Ich öffne heut ´ne Kiste. Oder so.
Wider Erwarten befinden sich darin weder Knöpfe noch Spitzen. Die Kiste gehörte nämlich meinem Opa und sie war seine Erinnerungskiste. Und Sie dürfen mal reinlunsen.
Schwank aus der Jugend
12. Februar 2007
Sabine spendet einen Euro pro eingesandtem “mein Lieblingskuscheltier aus guten, alten Zeiten”-Photo. Das Geld soll hierhin.
Ich kann mich nicht beteiligen. Nicht dass meine Kamera defekt wäre.
Es gibt nichts mehr aus meiner Kindheit. Ausser ein paar Erinnerungen. Die spende ich gerne.
Da war zum Beispiel der dickbäuchige Affe, der “Urmel” hieß. Urmel hatte einen langen Schwanz, den ich mir genau zweimal ums Handgelenk schlingen konnte. Das tat ich gerne zum Einschlafen. Urmel war dunkelbraun mit einem sehr breiten Grinsen und einem hellen Bauch. Er lag rechts von mir im Bett, direkt neben “Muschi” (weia), einer Plüschkatze, die ich von meinem Lieblingsonkel geschenkt bekommen hatte. (mein Lieblingsonkel arbeitete damals bei irgendeiner Spedition und manchmal fiel etwas vom Laster) Wenn man die Augen halb zukniff, sah Muschi fast wie eine echte Katze aus, mit ihrem getigerten Plüschfell und den leuchtenden gründen Augen. Zum Schmusen war sie nicht so sehr geeignet, da ihre Schnurbarthaare sehr spitz waren. Deshalb musste sie auch außen im Bett liegen, rechts von Urmel, dessen Schwanz um mein Handgelenk gewickelt war. Mit meinem kleinen Kopfkissen deckte ich die beiden vor dem Schlafen zu.
Es gab einen weiteren Affen. Den fand ich häßlich und gräßlich. Er hatte rotweißgetupfte Arme, Beine und Körper und einen wirklich unfreundlichen Gesichtsausdruck. Einen Namen hatte er nicht verdient. Er war derjenige, der die Barbie entführte und auf einer einsamen Insel gefangen hielt. Von dort wurde sie stets von den tapferen playmobil-Männern gerettet. Bis sie wieder entführt wurde.
Mit Puppen hatte ich es generell nicht so. Es gab eine, an die erinnere ich mich ganz dunkel. Ich glaube, die war sogar noch von meiner Mutter. Ein Hartplastikkörper mit ausgeformten Haaren über leuchtend blauen aufgemalten Augen. Sie hieß “Peter”, obwohl sie anatomisch keinerlei Hinweise auf ein Geschlecht zeigte. Ich erinnere mich, dass ich nicht sehr glücklich darüber war, dass Peter ein Junge war, aber es gelang mir nie, ihn zu einem Mädchen zu zaubern. Peter hatte einen roten Mantel mit weißer Borte, den meine Oma ihm gehäkelt hatte. Peter lebte bei meiner Oma und darum beneidete ich ihn oft.
Meine Uroma schenkte mir ein weißes Plüschkanninchen. Fast so groß wie ein echtes Kanninchen, mit Draht in den Ohren, damit die auch schön abstehen. Und mit einer Spieluhr im Bauch, die “Guten Abend, gute Nacht” dudelte und wegen der das weiße Plüschkanninchen trotz allergrößter Niedlichkeit und wundervoll weichem Fell einfach nur unbeknuddelbar war.
Zum neunten Geburtstag bekam ich die heißersehnte Knickbein-Barbie. Es war der allerschönste Geburtstag, denn meine Eltern hatten das Päckchen mit der Barbie an das Ende einer kleinen Schatzsuche gepackt. ich bin vor Freude und Glück fast geplatzt. Nachmittags zerbrach ich ein Knickscharnier im Knie meiner “Petra”. Eine Welt stürzte ein und ich kniete abends vor meinem Bett und flehte den lieben Gott an, mir bitte, bitte, bitte zu helfen und Petras Knie wieder zu richten. Sie war doch ganz neu und die Eltern sollten doch auch nicht bemerken, dass ich so ungeschickt war. Ich versprach, künftig auf mein Bett zu verzichten, wenn nur das Knie wieder heil wäre.
Drei Stunden oder so schlief ich auf dem Boden, nur mit meinem größeren Kopfkissen zugedeckt. Das Knie war immer noch kaputt und der liebe Gott hatte wohl Wichtigeres zu tun. Ich schlief also weiterhin in meinem Bett und Petra war irgendwann nicht mehr so wichtig in meinem Leben. (das zweite Knie zerbrach auch recht schnell, aber das war eigentlich gut so, weil dann war sie wieder symmetrisch)
Die Spielsachen verschwanden dann so nach und nach aus meinem Leben. Ein Teil wanderte in den örtlichen Kindergarten. Und der Rest? Keine Ahnung.
Heute also keine Bilder, auch nicht für den guten Zweck.

