Novemberrezept Nummer 24
24. November 2009
Ich habe heute keines.
Dank “vormerk”-Funktion erscheinen diese goldenen Worte genau um sieben Uhr morgens.
Ich sollte also jetzt gerade in die Röhre geschoben werden, mit den dicken Kopfhörern auf den Ohren und dem dringenden Bedürfnis, mit dem rechten Bein zu wackeln. Was ich natürlich nicht darf, weil ja sonst alles verwackelt. Der Lärm ist fürchterlich und hat keinen Rhythmus, was es schwer macht, ihn auszublenden. Und dann kommt da immer dieses Zucken im Knie, vielleicht isses ja auch nur so ein Wegrenn-Reflex.
Ganz gemein sind auch die zehn Minuten im Kabuffchen, das Warten darauf, dass die Bilder bei einem Arzt auf dem Rechner gelandet sind, damit dieser sie begutachten kann und vielleicht schon mal eine erste Diagnose stellen kann. Ich habe dann kalte, feuchte Hände. Und mein Herzchen schlägt mir im Hals.
Vielleicht werde ich nachher ganz fröhlich und glücklich mit Oma Eis, die heute meine Chauffeuse ist, ins nächste Café rennen und wissen, dass ich nur ein bißchen mehr Geduld brauche.
Vielleicht werde ich aber auch noch ängstlicher sein, weil der Radiologe die Stirn gerunzelt hat. Dann werde ich mit Oma Eis nicht im Café sitzen, sondern ich werde sie bitten, doch rasch mit mir beim Orthopäden rumzufahren.
Wie auch immer es ausgeht, Sie werden es erfahren. Logisch :-)
Frau Knie
12. November 2009
ist immerhin nicht schwanger. Sieht man auf dem Ultraschallbild.
Ansonsten sieht man eigentlich nicht viel. Da könnte eine Narbenwucherung sein. Oder eine Entzündung. Oder ein Ödem. Könnte.
Weiß man erst, wenn … na was wohl … die MRT-Bilder vorliegen.
(neverending story)
.
11. November 2009
Und ich sag ja immer, Frau … äh … Mutti, sag ich immer, steh nicht auf. Das bringt nix, du tust dir nur weh. Sag ich immer.
Heute morgen habe ich wieder nicht auf mich gehört und bin aufgestanden. Aus dem Bett raus, gar nicht mal so schwungvoll, weil ich war ja noch müde.
“Blubb”, sagte das Knie. Und verweigerte eine volle Beugung.
“fluchfluchfluch“, sagte Frau … äh … Mutti. Streckte das Bein und beugte erneut. Diesmal ging´s.
Im Laufe des Tages sprach das Knie noch zweimal “blubb” und dann noch einmal “knirsch!”, jeweils bei so aussergewöhnlichen Belastungen wie: quere mit laufendem Staubsauger das Wohnzimmer. Oder erhebe dich von der Klobrille. Oder nehme ein Päckchen unten an der Haustür entgegen.
Heute abend spricht es nicht mehr. Dafür ist es dick und blau. Da, wo innendrin was zusammen genäht wurde, vor über zwei Monaten.
(schmerzen tut es nicht mehr und nicht weniger)
((nur wenn ich es beuge oder genau auf die Beule drücke, dann höre ich allerdings die Englein singen))
Morgen früh sitze ich dann dort, wo ich so schnell nicht mehr hinwollte. Mit kalten, feuchten Händchen und einer guten Portion Angst.
Welcome back?
15. Oktober 2009
Das Knie ist so dick, dass ich zwei draus schnitzen könnte.
Ich wollte sie ja in Rente schicken, die Frau Knie, oder wenigstens dorthin, wo der Pfeffer wächst. Stattdessen trage ich sie morgen zum netten Orthopäden mit der langen Nadel. Glauben Sie mir, mir ist zum Heulen.
(dick trotz minimalster Belastung, ich verstehe es nicht.)
Frau Knie
11. Oktober 2009
wurde übrigens am Freitag morgen als geheilt entlassen.
Sie soll sich noch ein bißchen schonen, jedenfalls so lange, bis ihre Innereien ordentlich verheilt sind. Langsam aber beharrlich soll sie sich um den Wiederaufbau ihrer verschwundenen Muskulatur kümmern und zur Unterstützung noch eine Bandage tragen. Falls ihr die vorhandene wieder passt, denn bisher ist sie noch zu rund dafür.
So wurde Frau Knie heute nachmittag ins Ried ausgeführt, damit Frau … äh … Mutti endlich mal wieder raus kommt und wenigstens zwei Jackentaschen voll Walnüsse sammeln kann. Die etwas größere kleine Runde wurde es, gegen Ende in strömenden Regen und dieser Regen war gut, denn sonst wäre der beste Vater meiner Kinder womöglich zu einer noch größeren Runde überredet worden, die für Frau Knie aber sicherlich zu viel gewesen wäre.
Vorsichtige Schätzungen sprechen von “nächstes Jahr Sommer”, bis Frau Knie wieder ganz die alte ist. Bis dahin sollten aber wenigsten die sieben Kilo mehr weg sein. Die sind aber mehr das Problem von Frau Bauch, Frau Hüfte und Frau Schenkel. (und Frau Doppelkinn)
Sollte also in nächster Zeit nicht etwas wahrhaft Dramatisches, Einschneidendes, Erwähnenswertes mit Frau Knie passieren, wird sie hier im Blog eher nicht mehr erwähnt werden. Behalten Sie sie gerne in gruseliger Erinnerung.
(und nochmals Danke für all die guten Wünsche, Zusprüche und Ratschläge!)
vorher – nachher
6. Oktober 2009
Viertel vor vier, ungefähr:

Viertel nach fünf, ungefähr:

minus 45ml federweißerfarbene Reizflüssigkeit + 5ml weißmilchiges Schmerzmittel + drei Minuten sehr viel, sehr kalte Luft auf´s Knie + schickes Tape in türkis.
“Würde das pinkfarbene Tape nicht besser passen?”, fragte die Arzthelferin den netten Orthopäden und Frau … äh … Mutti nickte begeistert.
“Schon”, stimmte der nette Orthopäde zu, “doch das blaue Tape hat eine kühlende Funktion, während das rote wärmt.”
(Männer! “Rot und blau” statt “pink und türkis”. Tsss.)
Freitag morgen, 9:10 Uhr erneut Termin, doch das Knie befindet sich wohl auf dem Weg der Besserung. Trotzdem: schonen.
Danke für Ihre Daumen, Sie dürfen jetzt loslassen :-)
Kein Freitagmorgenkaffeklatsch
2. Oktober 2009
mit der Mutter der allerliebsten Tochterfreundin.
Stattdessen Krankengymnastik. Heute: strecken-halten-baumeln lassen
Das Knie schwillt binnen von Minuten an, weswegen die restlichen Gymnastikminuten mit Eisbeutel abgesessen werden.
Eine Stunde später beim Orthopäden ist das Knie gar nicht mal so dick. Er fragt, ob er punktieren soll und ich frage, ob es denn sein muss. Kann, muss aber nicht. Dann lassen wir das heute.
Die durchtrennten Bänder müssen heilen und das braucht seine Zeit. Das Gewebe muss ordentlich vernarben.
“Früher”, sagte der Orthopäde, “als noch am offenen Knie operiert wurde, sahen die Patienten die große OP-Narbe und ahnten, dass das eine große Sache war. Heute wird durch die winzigen Löcher gearbeitet. Die Wunde ist unsichtbar.”
Dennoch. Das Knie ist sehr gereizt, ich fahre zurück in den Extrem-Schon-Modus, selbst die Krankengymnastik wird vorerst ausgesetzt, weil die Belastung einfach zu groß ist.
Und eine besondere Behandlung bekam das Knie auch noch. Stellen Sie sich bitte so eine Art beutellosen Staubsauger vor, aus dessen Saugrohr sehr, sehr kalte Luft geblasen wird. Diese sehr, sehr (SEHR) kalte Luft strömte drei Minuten lang über mein dickes, heißes, rotes Knie und verfärbte es sanft lila. Diese Kältebehandlung hilft gegen die Schwellung und gegen die Schmerzen, aber das weiß ich erst, wenn das Knie wieder aufgetaut ist. Nächste Woche Dienstag folgt die nächste Behandlung.
Ganz zum Schluss wurde ein dicker Zinkleinenverband ums Kniechen gewickelt und ich bekam allerstrengste Auflagen, am Wochenende weder Trauben lesen zu gehen, noch der allerbesten Freundin zu helfen. Die kommt nämlich am Wochenende und schlägt sich mir der Machete durch meinen vernachlässigten Garten. Zum Dank bekommt sie Ricotta-Zwiebel-Tarte und Federweißer, denn kochen kann ich einbeinig.
Zum Schluss noch eine Spiegelmutti in grau und grün und farblich sehr unpassendem Verband, irgendwie wollte der Orthopäde keine Rücksicht auf mein Styling nehmen, obwohl er wirklich ein sehr netter, verständnisvoller Mensch ist ;-)
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(hurra! Stiefelwetter!)
Ihnen da draußen ein schönes Wochenende, genießen Sie die Sonne und falls Sie der Herbstfrust packt, hören Sie sich doch mal an, was Lars Reichow zum Thema zu sagen hat:
Gemütlichkeit
kreuz und quer
1. Oktober 2009
Wir fuhren heute morgen rasch zum Einkaufen.
Hinterher habe ich die Einkäufe verstaut und den Kühlschrank aufgeräumt.
Später habe ich das Bad geputzt, weil ich das Bad dringend putzen musste. Es war dreckig.
Dann hab ich das Nähzimmer gesaugt. Das war wirklich nötig.
Als ich fertig war, habe ich gekocht, schnelles Essen, Blumenkohlauflauf mit Salzkartoffeln. Musste auch sein, die Familie hat Hunger.
Ich hätte auch noch Küche, Wohnzimmer, Flur und Schlafzimmer saugen können. Müsste sein.
Aber ich schone. Ganz brav lege ich das aufgeplusterte, pochende, heiße Ding in der Mitte meines rechten Beines auf ein zusammengeknäultes Deckbett und freue mich darauf, morgen früh damit zum Orthopäden zu gehen.
*****
Entweder brauche ich eine Haushaltshilfe oder das Ding heilt jetzt endlich.
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Meine Familie hilft ganz großartig mit. Wirklich. Doch der beste Vater meiner Kinder hat einen Vollzeitjob. Den kann er zwar teilweise auch daheim machen, doch in der Firma isses ruhiger. Nebenbei wuppt er Kinder und Haushalt. Letzteren am Abend, wenn er auch mal Feierabend bräuchte.
Die Kindelein machen ihren Job. Sie gehen in die Schule, erledigen gewissenhaft und ohne Gemeckere ihre Hausaufgaben, lernen Vokabeln und Matheregeln und sorgen für Ordnung und Sauberkeit in ihren Zimmern. Kehren die Terrasse und die Treppe, saugen mal durch, räumen die Spülmaschine ein und aus und sind sehr geduldig mit ihrer gereizten Mutter.
Es läuft.
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Ich hab mir das oft gewünscht, meistens, wenn ich einfach nur noch müde war und das Gefühl hatte, dass irgendjemand mit Absicht Staubwolken im Wohnzimmer verteilt und Krümel schaufelweise unter den Küchentisch wirft. Dass heimlich das Klomonster im Bad rumsaut und die Wäscheberge sich einfach verdoppeln, wenn man mal nicht hinsieht. Dann wünschte ich mir, dass ich diesen ganzen Haushaltsscheiss nicht mehr machen müsste und die ganze freie Zeit den Kindern, dem besten Vater meiner Kinder und mir widmen könnte.
Dass mir dieser Haushaltsscheiß irgendwie fehlen könnte, hätten Sie DIES behauptet, ich hätte äusserst süffisant die linke Augenbraue hochgezogen.
Er fehlt mir.
Mir fehlt die Befriedigung, mich in einem glänzenden Bad umzuschauen und “Ha! Mal sehen, wie lange es so bleibt.” zu sagen. Mir fehlt es “na toll, immer ich, immer bin ich die Putze” vor mich hinbrummelnd im Wohnzimmer Staub zu wischen und unter entsetzlichem Stöhnen und Keuchen den Wäschekorb nach oben zu wuchten, um die Berge zusammen zu legen und Sockenmemory zu spielen.
Jetzt kann ich das nicht. Es GEHT einfach nicht. Ich komme kaum die Treppe hoch und runter, bin kein bißchen flink und wendig. Hadere mit der Vernunft, die natürlich zum “langsam-machen” rät. Und dem Gewissen, das beobachtet, wie die Augenringe des besten Vaters meiner Kinder immer größer werden und wie genervt die Kinder sind, von ihrer genervten Mutter. Und deshalb muss ich so viel wie eben geht machen, für mein Seelenheil und das der Familie.
Leider sagt mir das Knie immer erst hinterher, dass die letzte halbe Stunde dann doch zuviel war.
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Am Schwersten ist es übrigens, diese Verzweiflungswellen in Schach zu halten. Die Mutlosigkeit und den Pessimismus. Das Arschloch in mir niederzuknüppeln, das immer wieder “dieses Knie wird nie wieder funktionieren” sagt. Ich strahle Optimismus aus und unendliche Geduld, sprechen von “das wird schon, braucht halt seine Zeit” und “naja, es könnte ein bißchen besser sein, aber ich bin auch sehr ungeduldig”.
Eigentlich möchte ich sagen: Ich habe irrsinnige Angst, dass irgendetwas unwiderruflich kaputt ist. Dass ich nie wieder richtig laufen kann, nie wieder wandern gehen kann oder rennen. Dass ich nie wieder schmerzfrei das Bein beugen kann, ja irgendwann mal wieder in die Hocke gehen kann. Und auch wieder hoch komme. Ich habe solche Angst, dass es mir die Kehle zuschnürt und mir die Tränen in die Augen schießen. Jedes Knacken, jedes Knirschen, jedes “plopp!” im Knie lässt mich aufhorchen, lässt mich grübeln, was das denn jetzt schon wieder sein könnte. Ich interpretiere das Ziehen in der Kniekehle, das Stechen rechts oben außen und das gequetschte Gefühle links innen. Betrachte mein Knie argwöhnisch, ob es sich irgendwie verfärbt, fühle, ob es heiß wird, taste, ob es sich anders, irgendwie falsch anfühlt. Und träume wirklich schlimme Sachen.
Meine Güte, ich hab´s SO satt.
Unseren täglichen Sport gib uns heute
30. September 2009
und erlöse uns vom dicken Knie. usw.
Gestern: eine halbe Stunde auf dem Trockenrad, Stufe drei
Gleich: Krankengymnastik.
Wieder sehr eingeschränkt, da sich das am Donnerstag mittels Spritze entleerte Knie erneut aufgeplustert hat.
(Stellen Sie sich an dieser Stelle bitte unflätiges Schimpfen und eine sehr, sehr gereizte/ungeduldige Frau … äh … Mutti vor)
Am Freitag wieder ein Termin beim Orthopäden, auf dass dieser eine spitze Nadel in mein Knie bohren möge.
Gestern abend beim Elternabend äusserten die Eltern den Wunsch, ob es der Klasse denn nochmals möglich sei, einem Spiel der Frankfurter Skyliners zuzujubeln. Im letzten Schuljahr war dies nämlich aufgrund verschlungener Beziehungen möglich. “Vielleicht!”, sprach die Klassenlehrerin, “Aber ganz sicher kommt der Besuch zweier Spieler in einer der nächsten Sportstunden, dann kann ich ja mal nachfragen, wie es mit Karten aussieht.”
Ich könnte ja am Freitag mal meinen Orthopäden fragen, der ist nämlich der Mannschaftsarzt. Da ich ja praktisch jetzt in seiner Praxis wohne (so oft, wie ich dort rumhänge), kann ich quasi von “wir kennen uns doch und hätteste mal nicht 30 Karten …” sprechen :-)
***** edit *****
Also wenn ich noch einen Gang runterschalte, liege ich quasi im Koma.
Ich bin vorsichtig und behutsam und schone und lege hoch. Und wache morgens mit dickem Knie auf. Ob ich vielleicht schlafwandele?
Zahlen heute:
24. September 2009
43 cm Knieumfang, rot, pochend.
1 h im Wartezimmer
eine mindestens 7 cm lange Spritzennadel
30 ml hässliche Flüssigkeit raus
5 ml Bakterientod+Schmerzmittel rein
8 kleine Halbmonde in den Handinnenflächen
2 Erleichterungstränchen
0,5 l Erdbeershake
Und mal schauen, ob ich morgen bei der Krankengymnastik nicht schon 120° Beugung schaffe.
(nächsten Freitag Kontrolle, vielleicht nochmal das Ganze. Solch ein Spaß.)
Gelernt heute: die Klammern, mit denen eine Verband “verschlossen” wird, heissen Schwiegermütter.



