Fastnacht.

Ich betone ja immer wieder gerne, wie sehr mich die fünfte Jahreszeit nervt. Trotzdem finde ich mich regelmäßig sehr amüsiert vor dem Fernseher, wenn “Mainz bleibt Mainz” läuft. Und dieses Jahr war ich ganz kurz davor, zu einem Rosenmontagsball zu gehen. Dass ich dann doch lieber hier sitze und blogge ist nur der Tatsache geschuldet, dass wir gestern hier in der Grünen Villa bereits ein klitzekleines Bißchen Fastnacht gefeiert haben: ohne Kostüme, aber mit buntem Gebäck und Kreppeln. (und Sekt.)

Traditionell backt der beste Vater meiner Kinder jedes Jahr Kreppel für uns und unsere Gäste an Fastnacht, buntes Gebäck kam irgendwie nur zufällig dazu.

Eigentlich wollte ich mir zu meinem Geburtstag eine Regenbogentorte backen. Doch irgendwie blieb keine Zeit übrig und deshalb ließ ich es. Frischkäse, Johannisbeergelee und Schokolade für die Füllung verspeisten wir nach und nach auch ohne den Kuchen drumherum. Aber es ließ mich nicht los, ich wollte unbedingt (nochmals) diese quietschbunte Torte backen, weil sie mich so fröhlich macht. Und auch ein bißchen lecker ist. Die kleine Fastnachtsfeier bot sich als Anlass an und deshalb begann ich am Freitag mit dem Backen.

Ich rührte rasch einen Biscuitteig zusammen, teilte ihn durch sechs und färbte ihn ein. (mit Wilton Gelfarben, die färben am Besten und schmecken nicht raus). Beim Einfüllen der ersten Teigportion in meine Springform stellte ich fest, dass ich besser das doppelte Rezept gerührt hätte, denn die Teigmenge bedeckte nicht den gesamten Boden. “Macht nix, der wird sich schon beim Backen ausbreiten”, bildete ich mir ein, aber da es sich um einen Biscuitteig handelt, in dem kein Fett ist, breitete sich gar nichts aus. Dafür waren die sechs Böden relativ schnell gebacken, jeder brauchte nur knapp acht Minuten.

Während die Böden auskühlten, rührte ich aus Frischkäse und geschmolzener, weißer Schokolade die Füllung. Ich begann mit dem roten Boden. Diesen bestrich ich mit Johannisbeergelee. Die Unterseite des orangefarbenen Bodens bestrich ich mit der Frischkäsecreme und legte sie auf den roten Boden. Die Oberseite des orangefarbenen Boden wurde wiederum mit Johannisbeergelee bestrichen. Und so weiter, bis zum lilafarbenen Boden, der der Kuchendeckel ist. Eine Regenbogentorte würde nun zum Schluss komplett mit der Frischkäsecreme umhüllt.

Meine Regenbogentorte war aber erstens keine Torte, sondern mehr ein Pfannkuchenstapel mit Zeug dazwischen und obendrein ziemlich schief, weil die Teigmenge eben in kleineren Springform sehr viel besser aufgehoben gewesen wäre. Wir überlegten, ob wir den Kuchen viereckig in Form schneiden oder fünf-/sechseckig und ihn danach mit der Creme bestreichen.

Der beste Vater meiner Kinder übernahm das “in Form schneiden”.

Und als die Abschnitte da auf dem Teller lagen und sehr hübsch aussahen, war plötzlich klar, dass der gesamte Kuchen kleingeschnitten werden muss. Lauter kleine, bunte Türmchen, eine Art Petit Fours.

Der Kuchen kam komplett zum gründlichen Durchkühlen über Nacht in den Kühlschrank und am Sonntag morgen schnitt ihn der beste Vater meiner Kinder zurecht.

Ich übte mit Spritzbeutel und Tülle und schon beim vorletzten Regenbogentürmchen gelang mir ein ansprechendes Häubchen.

Zur Krönung gab es bunte Smarties auf die Regenbogentürmchen …

… und ja: der Aufwand lohnt sich. Sie sehen entzückend und fröhlich aus.

Am Nachmittag verkleidete sich der beste Vater meiner Kinder dann als Kreppelbäcker und buk das vierfache Rezept für “Berliner Pfannkuchen” (Rezept aus: “Das elektrische Kochen”, dieses blaue Kochbuch, das beinahe jeder hat).

Allerköstlichste Kreppel, gefüllt mit Erdbeer- oder Himbeerkonfitüre, nicht zu vergleichen mit denen, die man beim Bäcker kaufen kann.

Und obwohl wir wegen erkrankter Freunde ein paar Menschen weniger am Küchentisch waren: den letzten Kreppel verspeiste ich heute nachmittag. Die letzten Regenbogentürmchen gibt es morgen. Und ab Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit.

*****

Weil bereits nachgefragt wurde – hier das Regenbogentortenrezept für die kleine Springform (18/20 cm ), wollen Sie Regenbogentürmchen backen, dann werden die Teigportionen ganz dünn in einer großen Springform (26/28 cm ) ausgestrichen.

6 Eier werden mit 5 TL heißem Wasser schaumig geschlagen.

200g Zucker dazurühren.

150g Mehl, 150g Speisestärke und 5 TL Backpulver mischen, mit der Ei/Zucker-Mischung verrühren.

Den Teig in sechs Portionen aufteilen, jede Portion hat ca. 130g. Den Teig nach Wunsch einfärben.

Bei 190°C Ober/Unterhitze 10-12 Minuten backen, in der großen Springform ca. 8 Minuten. Ich lege die Springform mit Backpapier aus, damit nichts anhängt. Außerdem können die Böden auf dem Backpapier prima auskühlen, während die Springform wieder im Einsatz ist.

Für die wirklich sehr üppige Füllung 500g weiße Schokolade im Wasserbad schmelzen und dann mit 1000g Frischkäse verrühren.

Ich mag gerne Johannisbeergelee zum Bestreichen, weil das schön säuerlich ist. Ich kann mir aber auch sehr gut Orangenmarmelade dazu vorstellen. Oder Quittengelee!

Die Regenbogentorte wird am Schluss komplett mit der Frischkäsecreme umhüllt und dann nach Belieben verziert. Die Regenbogentürmchen bekommen ein Frischkäsehäubchen aufgespritzt.

Zum säuberlichen Schneiden von Regenbogentürmchen braucht man ein sehr scharfes Messer, das vor jedem Schnitt in heißes Wasser getaucht wird. Und der Kuchen muss gut gekühlt sein, damit sich die Schichten beim Schneiden nicht verschieben.

Viel Erfolg und Spaß beim Backen, guten Appetit!

 

Reduzieren.

28. Januar 2015

Wir haben eine große, schöne Küche. Der Mittelpunkt unseres Hauses, Treffpunkt für alle Familienmitglieder und Besucher zieht es selten die paar Schritte weiter ins Wohnzimmer, die meisten bleiben am Küchentisch hängen. Wir haben uns mit dieser Küche einen echten Traum erfüllt.
Aber wie das so ist, irgendwann beginnt eine Küche zuzurumpeln. Die Schränke füllen sich mit mit Impulskäufen (“Oooh! So eine hübsche/r Schüssel/Teller/Tasse/Schale, muss ich haben!”) und mit den Resten von Komplettservices, weil – ich erwähnte das schon – ich ein bißchen zwanghaft bin und es nicht mag, wenn das Geschirr nicht zusammenpasst. Im schlimmsten Fall verstopfen unnötige Küchengeräte die Schränke, im allerallerschlimmsten Fall sind es unzählige Tupperdosen. Auf die komme ich gleich zurück.
Zuerst möchte ich aber erzählen, dass ich einmal im Jahr sehr gründlich in meine Schränke schaue. Alles, was ich ein Jahr nicht in der Hand hatte, rückt entweder ganz nach vorne, um ein weiteres Jahr eine Chance zu bekommen oder muss umgehend Weg. Eine Popcornmaschine und ein Joghurtbereiter flogen schon vor ein paar Jahren raus, die einzigen wirklich benötigten Elektrogeräte in unsere Küche sind nun die große Küchenmaschine samt Blender, Eisbereiter und Raspelaufsatz, der Pürierstab, ein Handrührer, ein Wasserkocher, der Toaster, die Kaffeemaschine und ein Elektromesser, dass wir von meiner Omi geerbt haben und das nur zwei-, dreimal im Jahr genutzt wird. Dann ist es aber Gold wert!
Heute habe ich sehr, sehr viel Geschirr ausgeräumt. Ein ganzer Wäschekorb voller Geschirr und die Schränke sind immer noch voll, das ist erstaunlich. Geerbte Teller, Teller aus der ersten gemeinsamen Wohnung, Teller, die irgendjemand irgendwann vergessen hat, ich weiß nicht, wann und wie sich das so ansammeln könnte. Große Tassen, kleine Tassen, Tassen mit “lustigen” Beschriftungen, Tassen mit Erinnerungswert – nur ganz wenige durften bleiben. Der Rest kommt zusammen mit den Tellern, vielen Müslischalen und Schüsseln in den großen Schrank in der Halle. Dort, wo schon sehr viele Weingläser stehen. Es ist großartig, so viel Geschirr zu haben, wenn ein großes Fest gefeiert wird, noch großartiger ist es, die Halle zu haben, um es lagern zu können. Wegwerfen mag ich es nämlich nicht, denn die Tochter bekam heute sehr glänzende Augen und sprach: “Wer zuerst auszieht, darf sich das beste Geschirr aussuchen, oder?” Und dann wird dieses aussortierte Geschirr den Grundstock für einen eigenen Haushalt bilden, so wie bei uns schon. Ich mag den Gedanken.
Morgen werde ich mich den Tupperschränken widmen. Ja, Sie lesen richtig: TupperSCHRÄNKE. Es handelt sich um zwei Küchenunterschränke, die gestopft voll mit bunten Plastikdosen in allen Farben sind. Die ältesten sind über vierzig Jahre alt, die neueste Errungenschaft ist ein Austauschdeckel für meine Salatschleuder. Die allerbeste Freundin brachte mir diesen am letzten Wochenende mit.
Angefangen hat es mit dieser Dosensammlerei, als ich mit dem besten Vater meiner Kinder zusammen in eine WG zog. Von daheim nahm ich eine kleine Auswahl an Dosen mit, weil die hat man halt. Irgendwas tut man da bestimmt rein. Ich kann mich nicht erinnern, damals so etwas wie Vorratshaltung betrieben zu haben, in meiner Erinnerung haftet nur die sich in verschiedenen Verwesungszuständen befindende Fleischsalatdosensammlung des Mitbewohners im Kühlschrank.
Als wir dann in unsere kleine Wohnung zogen und zum ersten Mal eine relativ große Küche hatten, kam die Lust am Kochen und Nichtaufgegessenes wurde für später “eingetuppert”.
Meine Omi starb und ich nahm sehr viele ihrer Tupperdosen mit, teilweise auch aus sentimentalen Gründen. (“in dieser Dose hat sie immer ihre gemahlenen Nüsse aufbewahrt!”)
Und dann kam der Tag, als wir Gastgeber einer Tupperparty waren. Als einzige Ausrede habe ich nur: die Kommilitonen des besten Vaters meiner Kinder waren neugierig und so kam es irgendwie dazu. Der Gastgeber bei diesen Partys bekommt Sterne, d.h. jede an solch einer Party verkaufte Dose hat einen bestimmten Sternwert. Für diese Sterne kann sich der Gastgeber etwas (= eine Dose) aussuchen. Ich hatte ein Auge auf die Salatschleuder geworfen, die ich schon für etwa drei Millionen Sterne umsonst bekommen würde. Die armen Kommilitonen staunten nur und kauften nicht, Sterne kamen erst zusammen, als der beste Vater meiner Kinder spontan beschloss, unser gesamtes Vorratshaltungssystem auf Tupper umzustellen und drei, vier Monatsgehälter in dreißig Dosen investierte. Und damit bekam ich meine Salatschleuder ganz kostenlos. Quasi.
In den folgenden Jahren erlebten wir einige Tupperpartys, sackten die geschenkten Gastdosen ein und erstanden unzählige Schulbrotdosen. Irgendwann ertappte ich mich während einer dieser Tupperpartys bei dem Gedanken: “Wow! Tolle Farbe! Was könnte ich nur in diese Dose hineintun? Vielleicht ein halbes Eigelb oder so?” Und das war dann die letzte Tupperparty.
Morgen will ich also reduzieren.
Die größte Hürde dabei wird allerdings sein, den besten Vater meiner Kinder von der Nutzlosigkeit der aussortierten Schüsseln zu überzeugen. Denn wenn Sie beim Lesen der obigen Zeilen schon spöttische Bemerkungen über plastikdosensüchtige Hausfrauchen auf den Lippen hatten … schlucken Sie die schnell runter. Der beste Vater meiner Kinder wird um seine geliebte Tuppervielfalt kämpfen und ist jetzt schon ganz blass ums Näschen, weil ich etwa die Hälfte des Tupperzeugs aussortieren will. Ich versprach ihm aber, die Dosen in den großen Schrank in der Halle zu räumen. Falls zufällig einmal eine Dose, in die das letzte Viertel einer Zwiebel passt, fehlt.
Oder eben für einen zukünftigen Haushalt der Kinder. Weil diese Dosen hat man halt.

“Wäre es nicht einfach fabelhaft, wenn wir Wohnzimmer und Küche künftig mit Ofenfeuer heizen könnten?”, dachten wir vor ein paar Jahren. Und da wir gerade von einem Energieberater gehört hatten, dass Solarplatten zwar wirklich super sind, nur halt nicht auf unseren zur falschen Himmelsrichtung und viel zu flach geneigtem Dach und dass wir die allergrößte Energieeinsparung direkt mit einer neuen Heizung hätten und es gäbe ja auch die Möglichkeit, mittels Wasserpufferspeicherofen die Heizung mit ofenfeuererwärmtem Wasser zu ergänzen, trennten uns von ein wenig Parkett und fliesten diese Stelle. Der Heizungsbauer tauschte indessen die alte Heizung gegen das neue Modell aus, bohrte Löcher in den Wohnzimmerfußboden und die -wand, schraubte ein Kaminrohr (in Sonderlackierung weiß) an die Außenwand der Hauses und schloß den schließlich gelieferten Ofen an das Wassersystem der Heizung an. Obendrein bewies er sehr viel Humor, als er mir schlagfertig auf mein lustiges “Ich glaube, der Ofen sieht in der anderen Ecke besser aus”-Witzchen mit “Das dachte ich mir schon, deshalb habe ich dort auch Löcher in Boden und Wand gebohrt.” antwortete.

Wir feuerten den Ofen an und verbrachten einige gespannte Minuten mit dem Heizungsbauerchef, für den der Einbau einer solcher Heizung ebenfalls Premiere war, im Heizungsraum. Irgendwelche Ventile sollten funktionieren und taten das nicht richtig. Es knackte und knallte in den Leitungen und ich sah die geliebte Grüne Villa in tausend Teile gefetzt. Die Leitungen verstummten und wir trockneten den Angstschweiß von den Stirnen. Bis der große Sohn fröhlich zu uns in den Keller hüpfte und uns mitteilte, er habe neues Holz aufgelegt.

Das Haus explodierte nicht, die Ventile taten irgendwann das, was Ventile tun sollen und wir genossen das romatische Flackern des Feuers in unserem Wohnzimmer. Ein echtes Luxusteilchen, solch ein Ofen. Der Jüngste, damals noch sehr klein, fand den Ofen zum Umarmen schön. Verbrannt hat er sich zum Glück nicht, doch es dauerte recht lange, bis wir den angschmolzenen Fleecepulli von der Ofenscheibe gekratzt hatten.

Nach ein paar Wochen erkannte ich, dass so ein Ofen nicht nur Vorteile mit sich bringt.

Mit jedem Öffnen der Ofentür wirbelten Asche und Ruß heraus und quer durchs Wohnzimmer, um sich dann auf allen möglichen Flächen niederzulassen. Ich wischte also ständig Staub. Leider dauerte es etwas länger, bis ich auf die Idee kam, auch an die Bücher im Regal direkt unter der Decke zu denken. Das war eine eher unschöne Angelegenheit.

Ebenfalls unschön sah irgendwann die Wand hinter dem Ofen aus. Das ehemals zarte Rosa hatte einen nicht zu leugnenden Grauschleier. Ich machte aus der Not eine Tugend und strich diese Wand dunkelgrau, die restlichen Wohnzimmerwände heller abgetönt, das sieht sogar sehr hübsch aus. (weil Sie ja auch ab und zu fragen, weswegen ich so oft wände streiche) Und ja, ein Glas Rotwein am Abend vor dem lodernden Feuer ist wie ein kleiner Urlaub.

Erholt kann man sich dann am nächsten Morgen daran machen, die Spuren des abendlichen Feuers zu beseitigen. Asche muss aus dem Ofen gekehrt werden (und dann entsorgt werden), die Ofenscheibe muss geputzt werden, falls das Feuer zu sehr gerußt hat. Und dann muss das Wohnzimmer um den Ofen herum geputzt werden, denn das ganze Holz, das man verbrennen will, muss gelagert werden, man will ja nicht für jeden Scheit in den Garten rennen.

Holzspäne, dürre Blätter, kleine Äste, Spinnen, Wespen sammeln sich um und unter dem Holzkorb. Das ist halt so, das bringt man von draußen mit herein und die Wespen verkriechen sich zwischen den Scheiten. Wegsaugen muss man den Dreck trotzdem, bevor er durch das ganze Haus geschleppt wird und das ist schon ein klitzekleines Bißchen lästig. Allerdings spendet dieser Ofen eben auch eine wunderbare Wärme, viel angenehmer als die Heizungsluft, bilden wir uns ein und heizen abends hoch, damit es bis zum Morgen kuschelig bleibt.

Das verbraucht natürlich eine Menge Holz. Und Holz, das ist leider so, gibt es hier in der Gegend kaum. Vor ein paar Jahren waren die Winzer froh, wenn man ihnen die Knorzen (=die Stämme der ausgegrabenen Rebstöcke) abnahm, heute haben alle befreundeten Winzer selbst Öfen.  Das Holz, das in Baumärkten angeboten wird, ist oft von minderer Qualität, teuer und im schlimmsten Fall noch oder wieder feucht. Ein Baustoffhändler in der Nähe bietet manchmal gutes Holz an, doch das gehört nicht zum Dauersortiment. Ist es da, muss man sofort kaufen, reservieren geht nicht. Und irgendwann bietet halt auch der eigene Garten nichts mehr, was sich verfeuern ließe :) Diesen Winter verheizen wir die von den Kindern kleingesägten, ehemals riesigen Paletten, auf denen die Platten für unser Dach geliefert wurden. Außerdem irgendwelche Pressholzspanstücke aus dem Baumarkt. Das brennt prima, aber hübscher sieht es schon aus, wenn im Holzkorb sauber gespaltene Holzscheite, gerne Buche oder ein Obstgehölz, liegen. Auch in den nächsten Jahren wird es nicht leichter sein, an gutes Holz heranzukommen. Da beneiden wir Menschen, die einen echten Wald in der Nähe haben, sehr!

Würden wir den Ofen mit diesem Wissen nochmals bauen?

Natürlich! Denn abgesehen von der sehr deutlichen Verminderung unserer Heizkosten, ist solch ein Ofenfeuer eben einfach wunderbar. Wenig entspannt mich mehr, als einfach nur in die Flammen zu schauen und wenn im Sommer die Heizung abgestellt ist, der August aber ein typisch deutscher August mit nur knapp zweistelligen Temperaturen ist, tut so ein Aufwärmfeuerchen sehr gut.Insofern: Ofen? Immer wieder. Trotzdem.

Wollte ich Ihnen einfach mal erzählen.

Die Grüne Villa ist kein so sehr altes Gemäuer, aber dafür ein sehr dilettantisch hochgezogenes Bauwerk. Schnell musste es damals gehen und billig musste es sein. Als wir die Grüne Villa kauften, empfahl man uns: “Reißt den Schuppen ab und baut ein gescheites Haus auf das Grundstück!” Wir beschlossen zu sanieren, zu renovieren, abzudichten und zu dämmen. Damit sind wir nun beinahe fertig, doch es gibt noch ein paar Eckchen, die “Sorgenkinder” sind. Der Flaschenkeller gehört dazu, ein Kellerraum, dessen Außenwände nicht abgedichtet im Erdreich steckt, weswegen dieser Raum sehr feucht ist. Da er aber nur Mülltonnen beherbergt, ist das nicht schlimm.

Und dann ist da noch mein Kleiderkämmerchen.

Unser Schlafzimmer haben wir in den winzigen Raum gequetscht, der ursprünglich als Küche konzipiert war. Angrenzend an diesen (Küchen)Raum gibt es ein winziges Kämmerchen, keine zwei Quadratmeter groß. Das sollte wohl ein Vorratsräumchen sein, jetzt habe ich darin ein Billy-Regal stehen, einen kleinen Schuhschrank und ein schmales Regalbrett über die breite Wandfläche. Die Innenausstattung für – ich nenne das gerne hochtrabend – meinen begehbaren Kleiderschrank. Abgetrennt vom Schlafzimmer ist das Ganze mit einem Vorhand, der gnädig das Chaos verdeckt, das manchmal in so einem Schrank entsteht. Irgendwie.

So weit, so perfekt.

Leider ist es so, dass das Kleiderkämmerchen zwei (unisolierte) Außenwände und kein Fenster hat. Deshalb kommt es immer häufiger vor, dass ich mir ein Kleidungsstück vom Regal nehme und es direkt wieder zum Waschen gebe, weil es muffig riecht. Und obendrein klamm anfühlt. Das Kämmerchen ist also feucht und die Belüftung über das Schlafzimmerfenster ist nicht ausreichend, obwohl ich den Vorhang nun oft offen lasse, außerdem ab und zu das Schlafzimmer heize. Heizen und Lüften gegen feuchte Räume, das klappt ja eigentlich prima.

Um diesen Vorgang jetzt zu beschleunigen, habe ich mich daran erinnert, dass ich einst gute Beziehungen zu einer Chemiefirma hatte und dass deshalb in unsere Halle ein großer Eimer steht, dessen Inhalt hilfreich sein könnte. Ich nähte also rasch drei Säckchen (und stellte dabei fest, dass die letzte Woche für 120,-€ reparierte Nähmaschien schon wieder oder immer noch kaputt ist!) und befüllte diese.

Silicagel heißt der Stoff, in den ich jetzt meine Hoffnung setze! Sie alle kennen Silicagel, es befindet sich in diesen kleinen “do not eat!”-Beutelchen, die Verpackungen von elektrischen Geräten beigelegt werden oder in Lederwaren liegen.

Meine drei Silicageläckchen liegen jetzt an strategisch günstigen Stellen im Kleiderkämmerchen und tun dort hoffentlich das, was sie sollen: überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen. Drücken Sie mir die Daumen!

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Warum ich einen ganzen Eimer Silicagel habe? Oma Eis und ich hatten in den 80ern bereits kreative Anwandlungen! Wir gestalteten entzückende Trockenblumenarrangements und verkauften diese dann auf irgendwelchen Märkten. Die Blüten für diese Gestecke trockneten wir in Silicagel, weil das a) sehr schnell ging und b) Farbe und Form prima erhalten blieben. Dieser Eimer ist ein Überbleibsel aus dieser Zeit und so ein typisches “mal sehen, ob ich das nicht mal wieder gebrauchen kann”-Ding. Was ja jetzt bewiesen wäre.

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fun fact zu Silicagel: Bei der Herstellung von Silicagel fällt ein Klärschlamm an, der nicht trocknet. In den 80ern gab es deshalb hinter der Firma, die Silicagel produziert, ein riesiges Klärschlammbecken, das immer weiter wuchs. Ich fand es unglaublich faszinierend, dass bei der Herstellung eines Produnkts, das Feuchtigkeit entzieht, etwas übrigbleibt, das nicht trocknet. Es schien mir wie ein Ausgleich.

Das Schlammbecken lag da halt so. An Rand wuchs Schilf, jede Menge Getier wuselte dort herum, aber es blieb – schlammig. Irgendwann entdeckte die Papierindustrie, dass man diesen Klärschlamm gebrauchen kann. Ende des Klärschlammbeckens.

Mysteriöse Lasagne

17. Januar 2015

Jeden Freitag beim Mittagessen wird die Frage “Was wollen wir am Wochenende essen?” gestellt. Weil am Wochenende darf es oppulenter sein, am Wochenende ist normalerweise mehr Zeit für alles.
“Lasagne! Wir wollen Lasagne, VIEL Lasagne!” erklang es dreistimmig und wir Eltern waren nicht abgeneigt.
(Unglücklicherweise bilde ich mir immer ein, dass Lasagne ja gar nicht so viel Arbeit macht. Weil ich nämlich immer vergesse, dass sehr viel Gemüse sehr klein geschnitten werden will und die Fleischsoße mindestens eine Stunde köcheln will. Heute zum Beispiel passte mir das gar nicht in den Kram, weil ich mich auch souverän verschätzt hatte, wie lange es wohl dauern würde, zwanzig Meter Stoff zu bügeln, den ich nach dem Waschen in den Trockner gefeuert und darin vergessen hatte. Ein großer Ballen Falten, Knicke und Knitter und mein Dampfbügeleisen habe ich vor drei Monaten entsorgt, nachdem überall, nur nicht aus den dafür vorgesehenen Düsen, Dampf herauszischte und mir die Hände verbrannte. Ich bügelte also mit dem sehr alten Bügeleisen meiner Omi, das erste Folgemodell nach den Dingern, die man noch in die Glut stellen musste. Ungefähr. Nach einer kleinen Reparatur = Entfernen von Staubfusseln unter dem Regulierungsrad, bringt das Bügeleisen wieder volle Leistung und nachdem ich im Pflanzensprüher das Anti-Blattlauszeug gegen destilliertes Wasser getauscht hatte, habe ich beim Bügeln mit vorherigem Sprühen auch wieder Erfolg. Es dauerte trotzdem sehr lange, weswegen ich mich sehr brummig ans Kochen machte.)
“Vierfaches Rezept am Besten!”, empfahl der beste Vater meiner Kinder, “Dann können wir was eingefrieren!”
Prima Idee, dachte ich und hatte auch hier vergessen, dass es völlig egal ist, wievielfaches Rezept ich koche, es bleiben immer nur ein achteinhalb Stücke übrig und die werden am nächsten Tag, noch bevor sie eine Chance haben zu gefrieren, verspeist. Immer. Mysteriös.

Ich schreibe das nur auf, damit ich ab sofort jederzeit abrufbar habe: Lasagne! Lecker, aber viel Arbeit. Drei Stunden vor gewünschter Essenszeit beginnen. Wird trotzdem nie pünktlich fertig. Keine Reste einplanen.
(Hinterher satt und glücklich auf dem Sofa sitzen, geplante Saunagänge wegen Pastabauch auf den nächsten Tag verschieben.)