ruinöse Erziehungsmethoden
11. April 2013
“Weißt du, Mama”, sprach der große Sohn heute morgen, “dass ihr damals mit uns in diese Ruine* gezogen seid, war ein ganz großes pädagogisches Element eurer Erziehung. So sind wir nämlich von klein auf an sämtliche handwerklichen Tätigkeiten und Werkzeuge herangeführt worden.” Zwinkerte und verschwand in die Schule.
Den ganzen Tag denke ich schon darüber nach, denn unsere Ruine* hat uns neben Geld auch viel Zeit und Nerven gekostet. Zeit und Nerven zu Lasten der Kinder, die mit müden, angestrengten Eltern zurechtkommen oder im totalen Renovierungschaos leben mussten. Ich schrieb irgendwann bereits darüber, wiederhole es aber, weil es hier so schön reinpasst, noch einmal: als wir vor ziemlich genau vierzehn Jahren in die Ruine* zogen, war das Kinderzimmer der einzige, fertige Raum. Nach und nach, im Laufe dieser vierzehn Jahre, eroberten wir die Ruine und zogen von Zimmer zu Zimmer, wieder zurück und kreuz und quer, Sie lasen ja bisweilen über unsere Hau-Ruck-Zimmertausch-Aktionen. Jede einzelne, so spontan sie auch war, führte letztlich zu einer Verbesserung unserer Wohnsituation, weil neue Bedürfnisse damit gestillt wurden. Aber jede Renovierung brachte auch Chaos, Frustration und Erschöpfung mit sich. Offensichtlich haben die Kindelein das aber ganz gut weggesteckt oder der große Sohn hat mein Talent geerbt, Dinge schönzureden.
Eine neue Renovierung steht an. Eigentlich sollte es nun endlich das Dach sein, doch als der beste Vater meiner Kinder neulich das Kartoffelfeld umgrub, tat sich vor ihm im wahrsten Sinne des Wortes der Boden auf. Unser Kartoffelfeld ist über einem Gewöbelkeller, der von der Straße aus einen Zugang hat. Im Zugang der Straßensanierung vor ein paar Jahren haben sich im Eingang zum Kellergewölbe einige Steine gelockert. Mal abgesehen vom Glück im Unglück, hätte der beste Vater meiner Kinder ja auch einfach in das entstandene Loch fallen können, ist die ganze Sache ziemlich blöd. Und mit blöd meine ich Scheiße. Wir wissen zwar noch nicht, in welchem Umfang die Sanierungsarbeiten laufen müssen oder was sie kosten, sie bringen aber meine/unsere gesamte Hausplanung durcheinander. Angefangen damit, dass ich vielleicht keine Kartoffeln setzen kann und endend hoffentlich nicht mit der Hiobsbotschaft, dass das tragende Gewölbe des Kellers in Mitleidenschaft gezogen ist.
Kurze Beschreibung?
Wir haben zwei Gewölbekeller. Über den größten Teil des einen Kellers wurde die Grüne Villa gebaut, er führt bis zur Mitte des oberen Gartenstückes. Wir nutzen ihn nur zur Lagerung von Sommer- bzw. Winterreifen, denn – wie es sich für einen echten Weinkeller gehört – er ist kühl und feucht. Bei langanhaltendem Regen fließt ein Bach hindurch.
Der zweite Gewölbekeller liegt neben unserem Haus. Er ist nur von der Straße aus zugänglich, durch ein Tor mit zwei Flügeln. Neben dem Eingang zum Gewölbekeller gibt es ein sehr schmales Gartentürchen, das über/auf den Keller führt. Über dem Keller, der nicht ganz unterirdisch ist (ein Halbgeschosskeller quasi, falls Ihnen das bei der Vorstellung hilft) liegen knapp zwei, drei Meter hoch Erde. Mein Kartoffelfeld. Zur Straße hin ist dieses Gartenstück mit einem lächerlichen Mäuerchen abgegrenzt, also gut drei Meter über Straßenniveau. Zwischen Mäuerchen und Eingang zum Keller klafft das Loch. Es besteht somit die Gefahr, dass das Mäuerchen zusammen mit ein bißchen viel Erde auf die Straße rutscht. Hoffentlich nicht auf einen Fußgänger, der gerade vorbeigeht und sowieso schon Kopfschmerzen hatte.
Den Keller selbst nutzen wir nicht. Uralte Autoreifen vom Vorbesitzer liegen noch darin und ein bißchen Winzermüll, angefangen von alten Stickeln bis hin zu großen Glasballons, in denen hoffentlich nur sehr alte Hefe schwappt. Ich war noch nie ganz drin, doch der beste Vater meiner Kinder behauptet, dass das Gewölbe stabil sei. Und der Keller eigentlich hübsch ist. Nun ja.
Vor Jahren hatten wir die Idee, den Keller einstürzen zu lassen. Also das Gewölbe irgendwie zu zerstören und mitsamt der darüberliegenden Erde in den Keller rauschen zu lassen. Wahrscheinlich wäre das ungefähr auf Straßenniveau herausgekommen und wir hätten endlich einen gescheiten Zugang zu unserem Garten bekommen. Und vielleicht einen Stellplatz für unser Auto. Da wir aber am Hang leben und das Nachbarhaus unter uns liegt und sich obendrein äußerst vertrauensvoll an den Keller schmiegt (und zudem nur ein halbes Haus ist. Wirklich, ein halbes Haus. Malen Sie ein Haus auf ein Papier und falten sie es längs in der Mitte. So sieht das Nachbarhaus von vorne aus.), besteht die Gefahr, dass das Haus gleich mit in den Keller fällt. Mit Rücksicht auf die Nachbarn und deren drohende Obdachlosigkeit verwarfen wir den Plan. (noch bevor wir überhaupt Erkundigungen über das Finanzielle eingeholt hatten.)
Nun, da der Keller oder zumindest der Eingang, schwächelt, treten diese Überlegungen wieder in den Vordergrund. Und wütend bin ich auch, weil diese beknackte Straßensanierung mir erneut die Pläne durchkreuzt. Damals legten wir die Dachsanierung als Eigenbeteiligung auf die Straße, jetzt beseitigen wir, mit neu Angespartem, damit aus der Sanierung entstandene Schäden, die sich leider nicht als solche nachweisen lassen. Mist, blöder.
Und da ich es nicht ändern kann, werde ich es wohl mit Humor nehmen müssen. Mich auf künftigen Blogcontent freuen und mich damit trösten, dass offenbar sämtliche Renovierungen/Sanierungen an und rund um die Grüne Villa dazu beigetragen haben, dass ich meine Kinder als ziemlich gut gelungen bezeichnen kann. Wenn das mal kein Trost ist.
(falls irgendwelche PR-Menschen einer Dachsanierungsfirma hier mitlesen: wir sind sehr gerne bereit, einen Langzeittest zu wagen. Derzeit liegen fiese Eternitplatten auf einem schmächtigen Dachstuhl. Angeblich soll es Platten geben, die kein Asbest spucken, wenn sie löchrig werden und die man toll ersatzweise auf den vorhandenen Dachstuhl legen kann. Melden Sie sich, nur keine Hemmungen.)
*Ruine ist nur eine andere, womögliche realistischere Bezeichnung der Grünen Villa
österliches Küchenfärben
29. März 2013
Was lange währt … wird dann endlich gelb gut. Viele, viele Bilder nach dem click!
Frühjahrsputz
21. März 2013
Bevor irgendein Arzt den Knubbel aus meiner Hand schneidet und mich damit zur Bewegungsunfähigkeit verdonnert, muss ich noch rasch den Frühjahrsputz erledigen.
Traditionell geschieht das in der Grünen Villa während der Osterferien. Ich durchforste die Küchenschränke und alles, was ich ein Jahr lang nicht benutzt habe, wird ausgemustert. (landet im Garten, um bepflanzt zu werden oder in der Sperrmüllkiste) Manchmal entdecke ich auch etwas, dem ich ein weiteres Jahr eine Chance gebe. Die Schränke werden ausgewischt und auch von außen abgeschrubbt. Dieses Jahr gehe ich etwas rabiater ans Werk:

Mit dem Schleifgerät rücke ich den türkisfarbenen Küchenfronten zu Leibe, denn ganz frühlingshaft soll die Küche demnächst in leuchtendem Gelb erstrahlen.

Unter dem Türkis befindet sich noch das Grün, das vor drei Jahren verschwand.
Und vor fünf Jahren waren die Küchenmöbel noch weiß. (und die Wände dunkelrot)
Kotze mit Speck
15. Oktober 2012
ist der appetitliche Name eines äußerst kreativen Gerichts, das neulich in der Grünen Villa serviert wurde.
Es begab sich nämlich, dass Frau … äh … Mutti in der Grünen Villa einige Gäste beherbergte und diese mit mehr oder weniger vollwertigem Frühstück verwöhnte. So kaufte sie beim Bäcker ihres Vertrauens (der übrigens nun NICHT mehr der Bäcker ihres Vertrauens ist, weil die Brötchen seit Neuestem immer öfter verdächtig dunkel und trocken = aufgebacken aussehen) 20 Paarweck. Paarweck sind allerdings genau das, was ihr Name verrät: ein Paar Brötchen -> zwei Brötchen aneinander geklebt. Selbst die gefrässigen Pubertätsraupen in der Grünen Villa schafften vierzig Brötchen nicht.
“Kein Problem”, prahlte Frau … äh … Mutti, “mache ich rasch Serviettenknödel. Und einen Salat dazu. Lecker.”
Zum Glück war der Besuch zu diesem Zeitpunkt bereits abgereist und hatte nicht allerköstlichste Serviettenknödel versprochen bekommen. Denn eigentlich kann ich die. Habe ich schon öfter erfolgreich an Weihnachten gekocht, nach einem wirklich idiotensicheren Rezept der allerbesten Freundin und mal ehrlich: ein Hexenwerk sind Serviettenknödel nicht.
Unglücklicherweise fand ich das idiotensichere Rezept nicht. Dafür aber das von den weltbesten Terrassenplätzchen meiner Schwiegermutter, was mir zwar mit den Knödeln nicht weiterhalf, aber Vorfreude für´s Plätzchenbacken bescherte.
In einem meiner unzähligen Kochbücher (sagen Sie mal, haben Sie auch so viel Kochbücher und -zeitschriften? Und benutzen letztlich regelmäßig nur maximal drei? Egal, anderes Thema) fand ich ein Rezept. “Schneiden Sie ein Baguette vom Vortag in kleine Würfel …” stand da und ich schätzte grob, dass elf Brötchen etwa ein Baguette ergeben. Die sind ja schließlich verschieden groß, diese Baguettes. Vier Eier sollten rein und Butter, in der Zwiebelchen angeschmelzt wurden. Ein bißchen Milch und Salz/Pfeffer. Hatte ich auch alles so im Kopf. “die Masse zwanzig Minuten ruhen lassen …”, stand da, aber wer hat schon zwanzig Minuten Ruhe, wenn die hungrige Familie an der Tür kratzt?
Ich kippte matschige Brösel auf ein angefeuchtetes Leinentuch, rollte eine dicke Wurst und versenkte diese in kochendem Wasser. Mit Hilfe einiger nachdrücklicher Schubbser mit dem Kochlöffelstiel blieb die Knödelwurst im Wasser und als der Wecker klingelte, hob ich siegesgewiss den Topfdeckel. Im brodelnden Wasser schwammen zwischen Fettaugen dicke Brocken und das Leinentuch wedelte mir fröhlich entgegen. Die Mitte der Wurst hatte sich gelöst, doch noch schien der Serviettenknödel zu retten.
Mein Optimismus verflüchtigte sich augenblicklich beim Lösen der fachfrauisch geknüpften Achterknoten an den Leintuchwurstenden: im Inneren eine eher nicht homogene Masse, die noch immer stark dem ähnelte, was ich vor dem Kochen in das Tuch gerollt hatte: matschige Bröckchen, jetzt aber viel besser durchfeuchtet. Heiß dampfend und dabei sehr lecker duftend.
Nach einigen Wuttränen beschloss ich nicht aufzugeben. Ich presste und quetschte soviel trübes Wasser wie möglich aus der Masse, ließ eine Menge Dörrfleisch in der Pfanne aus und kippte das Zeug dazu. Nach knapp fühnfzehn Minuten waren sämtliche Bröckchen hübsch angebräunt und der Duft hatte die hungrige Familie an den Tisch getrieben.

Kotze mit Speck, aber laut Familie absolut genießbar und lecker.
Werde ich in dieser Form eher nicht mehr kochen. Und vielleicht ist die allerbeste Freundin ja ein Schatz und rückt das idiotensichere Rezept, in dem präzise beschrieben wird, wieviele Brötchen man kleinschneiden soll, nochmals heraus. Baguette. Pffff.
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Und dann wollte ich noch rasch erzählen, dass ich die Zeitfresser aus meinem Leben werfen will und deshalb nur etwa drei Stunden schimpfend und mit nun sehr wehem Lösch-Zeigefinger auf dem Sofa saß und sämtliche fb-postings löschte. Ein komfortables “delete all” hat Mr. Zuckerberg in weiser Vorraussicht nicht programmieren lassen, stattdessen muss jeder Eintrag einzeln angeklickt werden. Und danach der obligatorische “Bis du sicher, dass du das wirklich, ganz in echt und unwiderbringlich löschen willst? ECHT JETZT?”- Button betätigt werden muss. Ätzend. Immerhin ließen sich die Bilder gesammelt in den Alben löschen. Und jetzt isse fast leer, die Facebook-Seite der Frau Mutti und auch wenn mir manchmal doch ein bißchen Wehmut den Finger zucken ließ, weil so manch anregender, witziger Ausstausch wirklich, ganz in echt und unwiderbringlich, ECHT JETZT!! verschwunden ist … das ist schon gut so. Es gibt ja auch immer noch Instagram und, jajamalwieder, Twitter. Und dieses kleine, feine, meine Blog. Und natürlich der Weihnachtsmarkt in Dezember, für den ich nun doch endlich das Nähen beginnen sollte.
Versuchen Sie doch mal, ihren Account bei facebook zu deaktivieren! Tränendrüsendrückend werden Sie augenblicklich informiert, welche Freunde Sie fortan schrecklich vermissen werden. Probieren Sie´s mal aus, kaputt können Sie nix machen. So rasch löscht man keinen Account.
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(das Töchterlein ist wohlbehalten aus der Ferne wieder heimgekehrt, hat viele Geschichten und verdächtig bunte und sehr süße Sachen, die angeblich essbar sind, mitgebracht. Schön ist das und dass ich seit einigen Nächten nicht mehr richtig schlafen kann, muss also andere Ursachen haben.)
Der goldene Hausfrauenorden am Bande
16. Februar 2012
geht nun an meine/UNSERE Perle. Nach Jahren voller Streit und Stress und Krisen und Nerverei und Geschimpfe und sich-davor-Drückerei habe ich es endlich geschafft und eine Haushaltshilfe (früher: Putzfrau) angeheuert. Im März fängt sie an und nein, mein Gewissen ist so rein, wie es unser Haus dann sein wird.
Ich gestehe, es hat lange gedauert, bis ich ohneschlechtes Gewissen (immerhin bin ich ja den ganzen Tag daheim, da ist es doch mein Job die Bude auf Hochglanz zu bringen ) sagen konnte: will ich nicht. Mach ich nicht gerne.
Deshalb heisst es hier nun: Putzen lassen für den Seelenfrieden. Und den häuslichen Segen, denn der hing nicht selten schief.
Ich will Ihnen mal kurz erzählen, wie das hier oft ablief.
Ein ziemlich dreckiges Bad. Dreck im Sinne von Staubflusen auf dem Boden, die sich mit Wasser zu einer grauen Masse unter das Waschbecken geklebt haben. Im Waschbecken Seifen- und Zahnpastareste, einige Haare, Staubmatsch, Schmonz und Wärx. Das Klo … naja. Fünf Leute benutzen es halt. Um das Klo herum leere Klopapierrollen, Fetzchen von Klopapier, mehrere Comics und die eine oder andere Plastikhülse von Tampons. In der Wanne Staub, weil wir meistens unten duschen und die Kleidersammlung von mindestens drei Menschen, teils zum Waschen, teils einfach nur kurz abgelegt und vergessen. So sieht ein kleines Bad schnell aus, selbst wenn man jeden zweiten Tag mal rasch durch Klo und Waschbecken wischt. Aber richtig sauber machen, sogar mit Bodenwischen, das sollte einmal die Woche passieren, mit dem Staubsauger durchrennen nutzt da nix. Und meistens habe ich geputzt. Schimpfend, weil sehr unwillig. Es gibt nämlich eine Menge Dinge, die viel mehr Spaß machen. “Immer ich!”, brummelte ich und knallte Türen. “Alle gehen auf´s Klo und ich muss es putzen.”, quengelte ich. “Ich hab mir den Scheiß-Hausfrauen-Job auch nicht ausgesucht!”, tobte ich (nur halb der Wahrheit entsprechend, aber es gibt halt so Momente …).
Dann halfen ab und zu die Kindelein. Oder der Mann griff zum Putzeimer, was mir prompt ein schlechtes Gewissen bescherte, denn arbeitet der nicht genug? Muss der auch noch Klo putzen?
Ein verflixtes Dilemma, das irgendwie durchbrochen werden musste.
Jetzt gebe ich das Grundreinigungsprogramm ab. Das Zwischendurchputzen schreckt mich nicht.
Meine Fenster lasse ich putzen und die Böden wischen. Das sind keine schrecklich schwierigen, anstrengenden Arbeiten, doch es sind die Arbeiten, die erst dann gemacht werden können, wenn alles andere fertig ist. Bedeutet: den Boden kann ich erst wischen, wenn gesaugt ist. Saugen kann ich aber erst, wenn Staub gewischt ist. Wenn ich beides getan habe, hat mich aber die Lust verlassen, weil saugen und Staubwischen muss ich, dank des Ofens und der Dreck-rein-schlepp-Katzen sowieso jeden Tag. Auch im Sommer, denn da stehen alle Türen zu Terrasse und Garten auf und wir gehen ständig rein und raus. Und mit den Fenstern ist es genauso, die kann ich erst putzen, wenn alles drumherum sauber ist. Das ist es nie. Oder wenn es doch mal so ist, liege ich keuchend auf dem Sofa und will, dass man mir Luft zufächelt. Denn das, was man nicht gerne tut, strengt dreifach an.
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Ein langer Text, der beinahe eine Rechtfertigung ist. Auch vor mir. Ich versuche das jetzt al so zu sehen: ich gehe nicht ins Kino, ich gehe selten essen oder in Kneipen. Dafür leiste ich mir jetzt diesen Luxus.
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Möglicherweise die Kehrseite dieser Medaille ist, dass ich vor lauter Scham, dass da jemand Fremdes unseren Dreck wegputzen soll, vorher schnell alles in Ordnung bringe. So wie man das macht, wenn Besuch kommt, dem man dann entschuldigend sagen kann “Tut mir leid, das es bei mir so chaotisch ist!”, wissend, dass der Besuch abwinkt und vor Neid erstarrt. Oder so.
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Vor Jahren hatte ich mal ein schlimmes Schleudertrauma und bekam deshalb von der Krankenkasse eine Frau zugewiesen, die täglich VIER Stunden durch unser Haus fegte. Nach zwei Stunden hatte sie alles geputzt, wofür ich sonst eine gute Woche brauchte, am zweiten Tag waren die Fensterbänke außen geschrubbt und am dritten Tag schickte ich sie nach einer Stunde heim, weil einfach alles sauber war und ich befürchtete, sie würde nun anfangen, mit dem Zahnstocher den Staub hinter den Fußleisten hervorzupuhlen. Das war beängstigend. Andererseits hat diese Frau auch nur geputzt. Nicht gekocht, die Kindelein bespaßt und gebloggt.
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Um mich jetzt als völlig unfähige und faule Hausfrau zu outen, erzähle ich Ihnen auch noch, dass selbstverständlich die Kindelein einen festen Part bei der Hausarbeit übernommen haben.
Das wurde bereits früh antrainiert:

und hat sich bis heute etabliert. Der Jüngste, hier auf dem Bild, muss jeden Mittwoch nachmittag Küche und Wohnzimmer saugen und jedes Wochenende sein Zimmer säubern.
Die Mittlere macht am Wochenende ihr Zimmer sauber und kehrt die Treppe.
Der Große macht am Wochenende sein Zimmer sauber und saugt unten Flur und Bad. Und fegt die Wendeltreppe runter.
Sie räumen die Spülmaschine ein und aus (wenn man sie darum bittet), sie tragen den Müll runter (wenn man sie darum bittet), tragen den Kompost raus (wenn man sie darum bittet) und kehren die Straße (wenn man sie darum bittet). Auch wenn man bitten muss, weil sie durchaus haushaltsblind sind, sie tun es bereitwillig. Es bleibt trotzdem noch genug Rest und ich mag nicht mehr … ich wiederhole mich.
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Brauch ich nur noch einen Koch für jeden Tag (das besondere Kochen, weil neues Rezept oder so mag ich gerne), einen Gärtner (für die groben Sachen) und einen Poolboy. Und einen Pool.
blaugelb
18. Januar 2012
Ein Schreibtischstuhl, Bettwäsche, Kissen mit Polydingsdafüllung, weil Oma Eis näht Häschen, die gestopft werden müssen.
Viel mehr stand ja nicht auf meinem Einkaufszettel für’s blaugelbe Möbelhaus. Interessanterweise war der Betrag an der Kasse dann plötzlich doch sehr,sehr dreistellig und im Wagen lagen, außer den geplanten Sachen, ein paar Meter graues Leinen und die Weingläser, die endlich wieder im Sortiment sind. Und eine Pflanze, die ich spätestens in drei Monaten totgepflegt habe. Und ein dünnes Deckbett, denn Mme Ouvrage behauptet, das würde sich toll als Innenleben für einen Quilt machen. (in meiner üppigen Freizeit will ich nämlich irgendwann auch nochmal einen Quilt nähen) Wer diese blauen Schüsseln in den Wagen gelegt hat, weiß ich leider nicht, aber die Servietten kann man immer brauchen. Schade, dass es das hübsche Geschenkpapier nicht gab, Geschenkpapier und Kerzen brauche ich auch immer. Schließlich gehört zu meinen guten Vorsätzen, dass ich dieses Jahr viel früher mit den Weihnachtsbesorgungen beginnen will.
Ich glaube, dass dieser komisch-miefigen Luft im blaugelben Möbelhaus irgendein Stoff/Gas beigemengt ist, der/das die Kunden in willenlose “ich brauche einfach ALLES! KAUFENKAUFENKAUFEN!”-Monster verwandelt, die mit glasigen Augen wahllos schäbige Pappkartons, schlecht brennende und riechende Kerzen und geschmacklose Bilder in ihre Einkaufswagen werfen. Und dabei schließe ich mich nicht aus. Draußen, an der frischen Luft, beim Beladen eines meist viel zu kleinen Autos, schleichen sich vage Zweifel ein, ob im vollgestopften Haus tatsächlich noch zwei weitere Körbe gefehlt haben, aber da man beim Umtausch Nummern ziehen muss, die immer viel zu hoch sind und der Einkaufskater schon maunzt, nimmt man sie halt mit nach Hause. Und dort im Haus verschwinden die Körbe augenblicklich in irgendeiner Ecke und sehen niemals so dekorativ aus, wie da im Katalog.
Etwa einen Monat bemerkt man dann, dass die ollen Stuhlkissen doch sehr abgewetzt sind und flatterte da nicht zufällig ein kleines Prospekt mit unglaublich tollen Angeboten ins Haus? Und plötzlich erwacht man wieder auf dem Parkplatz, mit einem Einkaufswagen voller Dinge, die man nicht braucht, aber haben muss. :)
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Die unglücklichen Mitarbeiter im blaugelben Möbelhaus sind neu eingekleidet und tragen jetzt irgendws gelbgestreiftes, das fatal an das Outfit von Bert (Sie wissen schon,nder Freund von Ernie) erinnert. Vielleicht war die Mitarbeiterin bei den Büromöbeln heute deshalb so mürrisch.
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Mittwoch morgen scheint ein guter Zeitpunkt für einen entspannten Einkauf zu sein. Beinahe leere Gänge und keine Kassenschlange. Hab ich nur selten bisher erlebt.
Alles neu
6. November 2011
macht der November.
Der 16. Geburtstga des großen Sohnes steht vor der Tür und weil der Sechzehnte doch ein besonderer ist, sollte auch das Geschenk ein besonderes sein, ein neues Zimmer zum Beispiel.
Bis gestern hauste der Knabe im kleinsten Raum der Grünen Villa, im finsteren Kellerloch, zusammen mit Spinnen, Stechmücken und einem (zum Glück kleinen) Schimmelfleck hinter dem Schrank.
Heute nacht schlief er bereits in seinem neuen Zimmer, meinen Ex-Nähzimmer, dem heißgeliebten. Nun denn. Sei es eben so. Ich warte darauf, dass der jüngste Sohn Lust verspürt, ins Kellergemach zu ziehen, denn so arg grässlich ist dieser Raum natürlich nicht. Ausserdem muss er unbedingt mindestens ein Jahr dort leben, dann hätte wirklich jedes Kind dort einmal gewohnt.
Im Moment sieht es dort so aus:

Der Blick von der Tür aus. Links der Nähtisch, rechts dreimal PAX für Stoff und Krusch, geradeaus das Fenster, das ich nicht mehr putze, weil es demnächst ausgetauscht wird. (undichte, alte Fenster machen keinen Spaß) Und dahinter die ungeliebten Pflanzsteine, die aber endlich zuwachsen, vor meinem Fenster mit Walderdbeeren.

Ein genauerer Blick auf den “Arbeitsplatz”. Leider war das Licht heute morgen eher suboptimal, weswegen die ganzen Schnickeldi-Kleinigkeiten zu einem bunten Fleck verschwimmen.

Der Blick vom Fenster zur Tür und zum Arbeitsplatz des besten Vaters meiner Kinder. Weder der Stuhl noch der Tisch werden so bleiben, beide bekommen eine Schicht Lack spendiert, allerdings erst im Frühling, wenn der Kram ordentlich belüftet trocknen kann.

Und das Kistchen mit dem Schaffell, das im alten Nähzimmer vor dem Sofa stand (für die Füße) musste auch mit. Es wird mich stören und nerven und immer im Weg sein, aber Sie sehen ja selbst: es darf nicht fehlen.
Das neue Nähzimmerchen ist absolut an seinen Füllgrenzen. Es ist ein bißchen so, wie mit dem Schrank, in dem die Tupperschüsseln stehen. Nur durch ein ausgeklügeltes System passen alle rein und wenn man die hinten rechts braucht, platzen alle anderen Dosen aus dem Schrank. Heute morgen ist es ordentlich, weil neu eingeräumt. Spätestens heute abend, wenn ich dem hehren Vorsatz, etwas für den Weihnachtsmarkt zu schaffen, gefolgt bin, wird sich ein ganz anderes Bild bieten. Und dann folgt Tupperschüsselschrankfach-Methode zwei: ganz schnell die Tür schließen, bevor was rausfällt.
(das Zimmer des großen Sohnes darf ich vielleicht zeigen, wenn es ganz fertig ist)

