Watte im Kopf
2. September 2010
Wenn ein Tag mit heftigen Kopfschmerzen zu Ende geht, kommt es vor, dass sich der geplagte Kopf am nächsten morgen wie frisch vernarbt anfühlt. Es ist kein richtiger Schmerz mehr, doch da, wo der Schmerz saß, sitzt dann die Erinnerung daran. Ein kleiner Druck, ein leises Stechen, ein Versprechen, dass der Schmerz irgendwann wieder kommen wird. Heftig, gnadenlos, ohnmächtig machend.
*****
Es ist übrigens nicht hilfreich für den geplagten Kopf, zum Morgenkaffee ein Urlaubsblog in einem Rutsch durchzulesen. Aber für mich, die ich ja am Liebsten furchtbar neidisch auf weit-weg-Reisende bin und doch genau weiß, dass ich nach spätestens einer Woche dem Heimweh erliege, ist diese Art des Reisens ideal: Bilder schauen, hübsche Berichte dazu lesen.
Wollen Sie nach Norwegen reisen? Bitte sehr: Norwegensommer
*****
Der neue Katalog aus dem blaugelben Möbelhaus ist da und ja, es ist nix für mich dabei :)
Ich brauche nichts und auf den ersten Blick fühle ich mich nicht inspiriert, Möbel zu schieben und Wände zu streichen.
Trotzdem kommt eine kleinere Renovierungsrunde auf uns zu, denn Töchterlein wünscht sich zum Geburtstag einen neuen Fußboden. Der helle Teppich, der die grauseligen Fliesen versteckt, hat schon bessere Zeiten gesehen und so können wir ihr diesen Wunsch gerne erfüllen. Sie wünscht sich einen Belag aus OSB-Platten, ausserdem einen neue Farbe an der Wand. Da aber ein weiterer Anstrich die Tapete von der Wand klappen ließe, planen wir eine Styropor-Stoff-Lösung hinter dem Bett. Noch gibt´s dafür keine konkrete Idee, aber ich werde berichten und zeigen, falls es Ergebnisse gibt. Dauert ja auch noch ein bißchen bis zum Geburtstag.
*****
Wissen Sie was das Beste am Herbst ist?
Zwetschgenkuchen und Apfelstreusel.

(und Zwiebelkuchen mit Federweißer, demnächst)
hmpf II
1. September 2010
Es ist leicht, in einer völlig griesgrämigen Stimmung zu versinken, alles doof zu finden und garantiert nie, nie, NIE wieder lachen zu können.
Viel zu leicht, vor allem dann, wenn die Sonne dann doch nicht mehr scheint, Jeans und ein Schal hervor gekramt werden müssen und sogar ein Ofenfeuer nötig wird.
Vor der Haustür ist der Kanal aufgegraben worden, Waschmaschine und Spülmaschine durften erstmal nicht laufen und überhaupt: keine Abwässer für mindestens eine Stunde. Klar, dass ich dann ganz dringend mal musste. Und wissen Sie eigentlich, wie oft man beim Kochen Hände waschen muss? Oder rasch mal den Fisch abwaschen muss? Oder die Knoblauchfetzchen direkt aus der Presse, bevor sie anbacken und nie wieder rausgehen?
Und dann duftete es ganz wunderbar nach Kokos und Kurkuma und Kreuzkümmel in der Küche, meine verbrannte Zunge vom Abschmecken war auch beinahe wieder geheilt, doch die Kindelein zogen die niedlichen Näslein kraus, behaupteten weder Fisch noch Kokos zu mögen und überhaupt habe es beim letzten mal anders (=besser) geschmeckt. Wahrscheinlich meinen sie mit “beim letzten Mal” den Tag, an dem es Tiefkühlpizza gab. Ach, ach. Kann zur schlechten Laune auch noch Selbstmitleid kommen, weil dann ist die Stimmung völlig im Eimer.
Der Große müsste für die Lateinarbeit lernen, liest aber lieber Zeitung, die Mittlere müsste mal ´ne Pause machen, die gönnt sie sich aber nicht und der Jüngste versucht Englisch zu lernen, bekommt aber von seiner Mutter die Lust daran verdorben, weil die auf korrekte Aussprache der Worte beharrt.
Mittlerweile haben sich sämtliche Baustellenfahrzeuge die man sich nur vorstellen kann (und die in Wimmelbüchern abgebildet sind) vor unserem Haus versammelt und alle arbeiten gleichzeitig. Das macht einen Höllenlärm und die neu dazu gekommenen Kopfschmerzen mögen das überhaupt nicht.
Der Ofen ist auch schon wieder aus, dafür glüht mein Kopf und ich fürchte, dass die schlechte Laune einfach nur Schlafmangel ist, denn irgendwie scheint seit Nächten Vollmond zu sein oder durch die Straßenbauarbeiten läuft jetzt eine neue Wasserader unter meinem Bett. Oder was auch immer.
Heute jedenfalls stört mich die Mücke an der Wand und keiner kann´s mir recht machen. Vorsichtshalber fliehen die Kindelein aus dem Haus, zum Klettern, Referat schreiben und mit dem Freund spielen, aber das verbessert meine Laune auch nicht sonderlich, sondern packt noch ein schlechtes Gewissen drauf, weil ich ja so mies drauf bin, dass die armen Kindelein lieber in Eis und Schnee fliehen, statt mit mir unter einem Dach zu sein. Oh ja, ich bin gut in so was.
(und wissen Sie was, jetzt schreibe ich dieses ganze Gejammere hier so auf und grinse über mich selbst. Na, das ist ja mal ein Lichtblick.)
Gestichwortet
30. August 2010
Da schrieb ich neulich über die Angst um die Kinder und kann das heute eigentlich noch erweitern: die Angst um die Schwiegereltern. Wenn sie nicht anrufen, mache ich mir Sorgen. Wenn sie anrufen im ersten Moment auch, es könnte ja was sein. Jedes Sirenengeheul, jeder Krankenwagen, der durch die Straße rast, jeder Rettungshubschrauber, der knapp über das Haus hinweg donnert - ein Angststich.
Wird nicht besser werden auf absehbare Zeit. Eher schlimmer.
*****
Wettercontent: es wird behauptet, die Sonne sei doch noch nicht verloschen, sondern nur kurz verreist. Ab morgen schon ist sie in Teilzeit zurück.
*****
Wenn ich dieses Werbelied mit dem Autoglas höre, möchte ich spontan ein paar Scheiben einschmeißen.
*****
Das Lernen von Englischvokabeln mit einem im sprachlichen Bereich etwas auffälligen Kind ist, freundlich ausgedrückt, anstrengend. Und nur dann lustig, wenn man´s am Abend dem besten Vater meiner Kinder erzählt. Er findet´s lustig :)
*****
Die Tochter bekommt ein neues Fahrrad und ich erinnere mich gerne daran, wie leicht es beim letzten Mal war: “Tochter, schau mal, du bekommst das alte Fahrrad vom Großen.” Und sie war glücklich.
Diesmal bekommt sie ein niegelnagelneues, weil der Große aus seinem nicht herausgewachsen ist. Das bedeutete, dass wir am Samstag eine gute Stunde beim örtlichen Fahrradhändler zubrachten und Kataloge wälzten. Die derzeitige Fahrrad-Modefarbe ist nämlich weiß. Weiße Fahrräder aber sind nicht gut, die sind zu schnell dreckig. Dreckige Fahrräder muss man zu oft putzen, Fahrradputzen ist doof. Eine logische Kette. Die neuen Modelle kommen demnächst, doch ein neues Fahrrad muss eigentlich vorgestern her, das Kind stößt mit den Knien ans Kinn, das geht nicht. Wer täglich Rad fährt, braucht ein gutes. “Vielleicht kann ich´s umlackieren”, sprach das Kind und da sehe ich mütterliche Gene durchblitzen, doch ein Fahrrad lackieren ist sehr, sehr aufwändig, wenn man´s ordentlich macht, das kann sie nicht allein und ich will nicht. Als ich schon jegliche Hoffnung aufgeben wollte, weil auch das nougatbraune oder das senfgrüne Rad nicht zusagten und das einzige hübsche in schwarz wegen zuvieler Zahlen im Preis mir nicht gefiel, kramte der Händler einen weiteren Katalog hervor, mit Rädern, die es vielleicht noch gibt. Zwei Räder gefielen, beide waren preislich im Rahmen, eines könnte ja noch vorrätig sein, hofften wir.
Soeben kam der Anruf, ein Rad ist bestellt, ab Donnerstag fährt Tochter wieder ohne Buckel Rad und ich habe wieder einen Ansporn, ein paar Taschen zur Auffüllung des Kontos zu nähen.
*****
Gestern, beim Flohmarkt auf dem CVJM-Fest, lachte mich ein türkisfarbener Teller mit Vögelein und Weinranken äusserst kitschig an. Doch weder die alerliebste Freundin, noch der beste Vater meiner Kinder zeigten sich annähernd so angetan davon wie ich. Auch die Tochter, die verkaufend hinter dem Stand stand, machte mir den doppelten Extrapreis wegen besonderer Hässlichkeit und so zog ich tellerlos von dannen.
Als der Jüngste abends vom Fest nach Hause kam, brachte er mir einen wunderschönen, höchst kitschigen türkisfarbenen Teller mit Vögelein und Weinranken mit. “Die Mädchen am Stand haben gesagt, der hätte dir so gut gefallen. Sie schenken ihn dir.”
Hach.
Beinahe Wochenende
27. August 2010
und bestimmt hört es auf zu regnen, denn die allerbeste Freundin will grillen. Ich eigentlich auch.
Allerdings fürchte ich, dass ich stattdessen den Gemüsekisteninhalt zu einer dicken Suppe verkochen werde, die wir eingemummelt vor dem prasselnden Ofenfeuer in uns hineinschlürfen.
Unwetter ist hier keines, allenfalls Kein-Hochsommer-Wetter. Heute nacht regnete es so stark, dass ich immer wieder hochschreckte. “Ist das Fenster im Nähzimmer zu und dicht?” “Hält das Dach?” “Sind die Abflüsse auf der Terrasse frei, so dass sich das Wasser nicht ins Haus zurückstaut?”
Nie wach genug, um nachzusehen, aber ständig in Sorge. Das lässt morgens höchst gerädert aufstehen und auch drei Tassen Kaffee helfen nicht.
Kurze Ablenkung gab´s beim freitäglichen Kaffeeklatsch mit der Mutter der allerbesten Tochterfreundin und der Freundin, die zwar immer noch selten, dafür aber endlich auch freitags Zeit hat. Ich freue mich immer sehr auf den Freitag morgen, auch wenn wir langsam in dem Alter sind, in dem ein Großteil der Gespräche sich zunächst um eigene Befindlichkeiten und die der Familienangehörigen dreht. Danach kurz das Wetter, weil heute zum Beispiel musste man quasi zur Grünen Villa schwimmen und schließlich noch eine kurze Abhandlung über die Entwicklung der Kindelein in der Schule. Zwischendurch wird gekichert und gestichelt und es ist ganz wunderbar, das Wochenende mit diesen beiden Frauen zu beginnen, vertraut, verlässlich, wichtig.
*****
Ab Montag beginnen die Straßenbauarbeiten dann auch direkt vor der Haustür. Bisher wurde im oberen Teil unsere Straße gearbeitet und ich erinnere mich mit Grausen an die ersten drei Tage, als der alte Asphalt abgestemmt und abgeschlagen wurde. Ein unbeschreiblicher Lärm und dazu verdächtig bebende Fußböden. Wie wird das erst sein, wenn das ganze direkt vor meinem Haus passiert? Ich werde nach hinten, unten ins Nähzimmer flüchten und es einfach die nächsten acht Wochen nicht mehr verlassen. Vielleicht schiebt man mir ab und zu eine Scheibe Brot unter der Tür durch.
*****
Die Post brachte eben ein riesiges Paket, ausgesprochen verbeult und zerdellt. “Vor der Annahme auf Beschädigung überprüfen” steht auf dem Klebeband, mit dem es großzügig umwickelt ist, doch noch während ich diesen Hinweis entschlüsselte, startete der Postmensch sein gelbes Auto und fuhr weg. Ich trau mich gar nicht recht, das Paket zu öfffen. Drin ist das neue Laptop für die allerliebste Freundin (Hallo liebste Freundin, lock, lock!) und wenn dieses nicht in Millionen Schichten von Luftpolsterfolie gewickelt ist, muss es ein ausgesprochen stabiles Gerät sein. Schleppe ich das Paket jetzt also hoch zur Postfiliale und öffne es dort? Oder soll ich das Beste hoffen?
*****
Und jetzt noch ein Fall für Galileo Mystery:
Warum sieht das Mäppchen des jüngsten Kindes nach zwei Schulwochen so aus? Er hat nichts gemalt, nichts unterstrichen.

Es ist ein ewiges Rätsel, warum rote Holstifte stets kleiner sind, als ihre andersfarbigen Brüder. Am längsten halten immer braun und grün.
*****
Noch eine Hausfrauenfrage: Was tun Sie mit Sellerie, außer ihn in Gemüsesuppen zu verstecken? Die Freundin, die nie Zeit hat, schlug einen Rohkostsalat mit gleichem Anteil an Karotten vor, die Mutter der allerbesten Tochterfreundin sprach von mit Hackfleisch gefülltem Sellerie, der dann aber trotzdem nicht gegessen wird und irgendwo las ich, dass man Scheiben wie Schnitzel backen kann, was mir aber suspekt ist. Mir fiele höchstens noch ein, die Knollen auszuhöhlen, Gesichter reinzuschneiden und ein Teelicht reinzustellen. Oder die Knolle im Kühlschrank vergammeln lassen, so wie die letzte. Aber vielleicht haben Sie ja ein supertolles Rezept, mit dessen Hilfe Sellerie nicht mehr nach Sellerie schmeckt, sonder vielleicht eher so wie Pizza. Oder Schokoladenkuchen.
Heute bei uns auf dem Mittagstisch: Nudel-Mangold-Gorgonzola-Auflauf. Experimentelles Essen, wir sind offen für alles.
Augen nach links,
26. August 2010
we proudly present: the Spiegelmutti.
Gab´s schon mal, ist völlig zweckfrei, macht aber Spaß.
Wird nicht regelmäßig oder gar täglich erneuert, aber mindestens jahreszeitlich angepasst.
Heute also ganz aktuell: sehr altes Trägerhemd und ein Röckchen aus Bettwäsche. Unten am Rockbund ein Wildschwein auf ´nem Nachziehwägelchen. Das Röckchen war mein Wanderröckchen im Urlaub, ratzfatz noch am Abend vor der Abreise zusammengenäht, weil Frau Mutti hat ja nie irgendwas Passendes im Schrank.
*****
Heute ist “Oma und Opa - Tag” für die Kindelein, was bedeutet, dass ich nicht kochen muss. Für alle Beteiligten eine ganz wunderbare Einrichtung. Passenderweise hat Töchterlein am Donnerstag vor ihren Brüdern Unterrichtsende, so kann sie Opa beim Kochen helfen. Und der stellt sich dann auch gerne etwa ungeschickter an, weil dann macht´s doppelt so viel Spaß.
Unvorstellbar, dass es solche Tage irgendwann nicht mehr gibt. Deshalb: einkochen, konservieren, merken, niederschreiben, festhalten. Auf ewig.
*****
Immer wenn ich abends denke “ich könnte ja auch schwanger sein”, merke ich am Morgen, dass das definitiv nicht so ist. Und ja auch nicht sein könnte. Und ich auch gar nicht wollte. Aber trotzdem. Mein Hirn ist da manchmal komisch.
*****
Die erste Rechnung für den Straßenausbau ist ins Haus geflattert. Für etwas, das man eigentlich nicht will, beinahe fünfstellige Beträge zahlen zu müssen - tut doppelt weh. Immerhin wissen wir jetzt, dass der schmale Streifen neben unserem Haus (vier Meter breit, hundert Meter lang) ein eigenes Grundstück ist und zweistöckig bebaut werden darf. Und deswegen auch voll in die Berechnung einfließt. Gnarf.
Ich wünsche mir einen Lottogewinn zum Geburtstag.
*****
Und zum Schluß noch was für Frau Jette, so stattdessen halt:

(nach dem Winzerfest auf der Straße gefunden)
Es gibt so Tage,
25. August 2010
die sich jedermann als ideal auserkoren hat.
Der nächste Montag zum Beispiel. Vor Wochen plante ich mit der allerliebsten Freundin für diesen Tag ein “Happy-Frisöring”, Haare schneiden lassen von der weltbesten Frisörin, idealerweise auf der Terrasse und dabei mit Oma Eis und der Mutter der allerbesten Tochterfreundin schwatzend und Kaffee trinkend.
Kaum stand der Termin im Kalender, trudelte eine Einladung zum Elternabend in der neuen Schule des jüngsten Kindes ein. Schon aus reiner Neugier auf den Klassenlehrer kann ich den nicht schwänzen. Muss ich eben das Happy-Frisöring etwas früher verlassen, dachte ich mir.
“Und übrigens”, sprach der beste Vater meiner Kinder, “wir haben am Montag einen Termin beim Kinderarzt des jüngsten Kindes.”
Oh, na gut, dann komme ich eben ein bißchen später zum Happy-Frisöring, die Damen kommen auch ohne mich zurecht.
Als gestern abend eine mail mit der Einladung zur Schulelternbeiratssitzung ins Haus flatterte, überraschte es mich keineswegs, dass die Sitzung am Montag ist. Ein bißchen früher und ein paar Minuten später … das kann ich ja mittlerweile. Aber zweiteilen, DEN Trick habe ich noch nicht raus, geheime Tipps nehme ich aber gerne an.
*****
Sagen Sie mir doch bitte mal was zum Thema “Durchtrennung des oberen Lippenbändchens”. Der Große erfuhr nämlich vom Kieferorthopäden, dass die (Vor)Behandlung mit der losen Spange nun als erfolgreich abgeschlossen werden können. Um die Zähne nun in eine ideale Bissposition zu bringen, braucht es eine feste Spange. Das wissen wir schon lange, das überrascht uns nicht. Neu aber ist, dass das Lippenbändchen so kurz zu sein scheint, dass es die Frontzähne auseinanderzieht. Was bei Vanessa Paradis beinahe niedlich aussieht, lässt den Großen lispeln und deshalb muss ich nicht viel diskutieren. Von Ihnen hörte ich nun gerne, dass es sich um einen minimalen Eingriff ohne viel Jammerpotential handelt. Ja?
*****
Zum Schluss der obligatorische Katzen- und Wettercontent, so wie es sich für ein seichtes Blögchen ohne Tiefgang gehört :)
Draußen ist es kühl wie im Herbst, sonnig wie im Sommer und ich bin müde wie im Frühling.
(und dem dicken Martin geht´s nicht anders)

Das ewige “zuviel”
23. August 2010
Die Schule hat gerade mal begonnen, nach einer Woche beginnt es erst “rund” zu laufen. Und doch geht es wieder los: der Kampf ums Lernen der Vokabeln, ums ordentliche Erledigen der Hausaufgaben, ums Vorbereiten. Früh aufstehen, früher schlafen gehen.
Vergisst man in den Ferien so leicht. Und wenn man dann mal dran denkt, bildet man sich ein, dass es nach den Ferien garantiert ganz anders laufen wird. Das ist aber nicht so. Der Motivationsschub, den gute oder oder vielleicht aufrüttelnd schlechte Noten im Zeugnis auslösten, hat sich in Luft aufgelöst, neue Schulbücher sind nach der ersten Woche irgendwie auch schon alt und manch Lehrer tut eben auch alles dafür, das letzte Quentchen Lernspaß zu zertreten. Und so zitiert man sich abends ein Kind zum Vokabeln abfragen herbei und vollführt mittags bei den Hausaufgaben einen Affentanz beim anderen Kind, damit dieses nicht völlig gefrustet den Füller ins Korn schmeisst. Das dritte Kind bremst man etwas aus, denn auch ein zu großer Ehrgeiz ist kein Vergnügen. Und dann überlegt man sich, ob man nicht irgendwie alle drei Kinder zusammenrühren und dann gerecht dritteln könnte, weil dann wäre es bestimmt leichter. Bestimmt.
Stattdessen realisiere ich dann doch, dass dieses Schuljahr ein richtig kurzes ist, dass sich für den Großen die Weichen stellen und für den Jüngsten irgendwie auch. Und dass die Mittlere ein weiteres Jahr nur mit so einer Art Matheunterricht über die Runden kommen muss.
Leise sehne ich mich nach den Ferien …

*****
Was ebenfalls einfach zuviel ist, ist der Wachstum im Garten. Letztes Jahr warfen mich drei Knie-Operationen in der Gartenarbeit etwa vier Jahr zurück, die drei Finger-Operationen dieses Jahr setzen dem Ganzen nochmals zwei Jahre drauf. Mein fester Vorsatz für´s kommende Jahr ist, die Dreier-Serie zu brechen. Es heisst zwar, dass aller guten Dinge drei seien, doch ich möchte da widersprechen. Und deshalb muss ich auch nächsten Samstag nicht erneut in die Uniklinik fahren, auch wenn wir letzten und vorletzten Samstag einige Stunden dort verbrachten.
Den verbliebenen, viel zu kurzen, Sonntag des Wochenendes nutzten wir, um den ehemaligen Kartoffelacker zu roden. Die vor zwei Jahren wunderbar übersichtliche Gartenfläche war nach zwei brachliegenden Sommern mannshoch zugewuchert. Wunderbar blühend zwar, aber auch gespickt mit Brennnesseln und Brombeeren. Und da die Hauswand wegen Feuchtigkeit frei gegraben werden muss, musste das Gestrüpp weg. Erfreulicherweise fanden wir unter dem Gestrüpp Kartoffeln für zwei Mahlzeiten und einige Gurken. Der Fund der Kartoffeln motivitierte den großen Sohn zum Umgraben des gesamten Gartenstücks. Jetzt ist die Erde ganz wunderbar locker und es regnet sanft darauf. In etwa zwei Wochen ist der Urwald wieder perfekt.
Äpfel und Birnen sind reif. Klein aber köstlich. Himbeeren gibt es eine Menge, aber so lange die Sonne nicht drauf scheint, werden sie einfach nur rot, ohne Aroma und Süße. Und die Pfirsiche hängen als kleine, grüne Pelzkugeln an den Ästen und sind ganz weit von dem entfernt, was man sich unter einem saftigen Sommerpfirsich vorstellt. Wahrscheinlich fallen sie in drei Wochen einfach vom Baum.
In den Beeten blüht es wild durcheinander, vieles müsste abgeschnitten werden, weil es sich sonst unkontrolliert aussamt, doch das kann ich ignorieren :)
*****
Zuviel ist auch das Mäuseleichenaufkommen in der Grünen Villa. Der dicke Martin hat nämlich noch immer nicht verstanden, dass diese Spitzmäuse zwar eine wunderbare Beute aber leider auch ungenießbar sind. Und so zerrt er die Viecher ins Haus, quält sie genüsslich zu Tode (es sei denn, wir hören die Maus fiepen, dann fangen wir sie und setzten sie ganz hinten im Garten aus) und schubbst sie unter Heizkörper, hinter Lautsprecher oder zwischen die Schuhe unter dem Schuhschrank. Im Idealfall finde ich die Maus beim Aufräumen. Manchmal rieche ich sie aber auch und das ist sehr eklig.
Katzen sind doof.
Und wenn mir bitte jemand erklären würde, warum sie ihr Futter erst zu Tode spielen müssen? Die Amsel von neulich wurde die Kellertreppe hinuntergeprügelt, bevor sie gefressen wurde. So lesen sich jedenfalls die Spuren aus Federn und Blutstropfen. Und die Wäsche, die über der Kellertreppe zum Trocknen hängt, musste teilweise wieder in die Maschine.
Katzen sind sehr doof - aber leider auch sehr niedlich.
(falls Sie es noch nicht kennen: Simon´s Cat in ‘The Box‘)
*****
Es gäbe och einige “zuviels”, doch wenn ich die noch aufschreibe, schiebe ich das, was ich heute auf der iste stehen habe immer weiter, bis es auch zuviel ist. Deshalb: Schluss hier und schaffe, schaffe, schaffe. Muss ja.
