Fastenfallen III
31. März 2011
Fastenfalle Nr 1, garantiert unumgänglich: Fieber kriegen
Apfel essen, auch wegen der Vitamine oder so.
4. Fastentag
31. März 2011
Wenn ich will, ist heute das Bergfest. Eine Woche fasten würde ja reichen. Abwarten, ich habe mir nichts vorgenommen, außer dieser einen Woche.
Samstag wird meine absolute Bewährungsprobe, denn der beste Vater meiner Kinder plant zu grillen und allein der Gedanke an Schafskäse mit Knoblauch, Rosmarin und Thymian frisch aus dem Feuer … nun ja. Es wird behauptet, der Sommer komme erst noch und mit ihm viele weitere schöne, köstliche Stunden am Feuer.
Gestern abend kam der Hunger wieder und das fand ich ausgesprochen unfair. Immerhin habe ich behauptet, dass der sich am dritten Tag nicht mehr blicken lässt! Er kam und ich musste, statt mich schmollend ins Bett zurück zu ziehen, zur SEB-Sitzung in die Schule des Jüngsten. Eine Thermoskanne Tee hatte ich mir eingepackt, zum Festhalten, Wärmen und Magenknurren unterdrücken. Der Magen rumpelte trotzdem ein paarmal, vielleicht aber auch nur aus Protest ob der hanebüchenen Dinge, die ich da erfuhr. Meine Konzentration verließ mich endgültig kurz vor neun und ich war ausgesprochen froh, als ich um halb elf in mein Bett kriechen konnte. So sehr müde und frierend. Ausserdem war mir übel und mein Bauch schmerzte. Man soll beim Fasten die Leber mit irgendwelchen Wickeln unterstützen. Das hielt ich bisher für esotherische Krümelkacke, aber gestern abend hatte ich den leisen Verdacht, es könne doch etwas dran sein. Zum Glück pflanzte sich der dicke Martin schnurrend auf meinen Bauch, so als wärmende Lebermassage. Ob es mir dann besser ging und die Bauchschmerzen vergingen – keine Ahnung, ich schlief umgehend ein.
Heute morgen ziept und zwickt nix und ich war wieder deutlich vor dem Wecker wach. Der morgendliche Sprung wuf die Waage zeigt: der Gewichtsverlust verlangsamt sich, insgesamt sind es jetzt 3,5 Kilo. Und damit nicht die wertvolle neue Muskelmasse direkt verbrannt wird, werde ich mich nachher zum Spocht schleifen. Ich bin sehr gespannt, wie es um meine Ausdauer bestellt ist, da auf dem Folter-Crosstrainer. Und ob ich mein mittlerweile recht anspruchsvolles Gewichteziehen, -zerren, -stemmen bewältige. Das Hausfrauen-Workout gestern, bestehend aus jede Menge Stoffe bügeln, Wäsche auf- und abhängen, incl. Wäscheständer vor dem Regen retten und nach drinnen wuchten, abstauben, saugen und Bad putzen habe ich jedenfalls wunderbar hinbekommen.
Ebenfalls wunderbar hinbekommen habe ich das Aufwärmen einer allerköstlichst duftenden Soße für die Nudeln der Kindelein zum Mittagessen, OHNE in den Topf zu sabbern. Und weil der Große sehr unter der frischangezogenen Zahnspange litt, versprach ich Vanilleflameri für’s Abendessen. Und Schokoladenflameri, denn die ersten Schokohasen gesellen sich bereits wieder zu dem letzten Nikoläusen. Beide Flameris konnte ich ohne Probleme kochen, nur das Abschmecken mal wieder … doch der Jüngste war gerne bereit, diesen Job Schneebesen abschleckend zu übernehmen.
Ich vermisse das Essen, ich vermisse das Kauen. Es geht mir wirklich gut, ich bin voller Energie und Tatendrang. Aber … es fehlt etwas.
Heute morgen habe ich nicht überriechen können, dass ab heute die Fettverbrennung einsetzt. Im Schlafzimmer riecht es, als habe man Verdünner unter’s Bett geschüttet. Da hilft nur duschen, allergründlichstes Zähneputzen und Pfefferminztee.
Es ist mittlerweile recht spannend mich selbst zu beobachten und bemerken, wie manche Situationen mit Essen verknüpft sind. Die morgendliche Blogrunde mit Obst und Müsli zum Beispiel. Die Zeit, in der die Kindelein Hausaufgaben machen, mit einem Stück Schokolade. Das hat nichts mit Hunger zu tun, wenn mir das ein- oder auffällt, sondern mit Gewohnheit, weil es doch sonst so ist.
Heute wäre ich gerne soweit, dass ich das Essen einfach vergesse.
3. Fastentag
30. März 2011
Ab heute geht es aufwärts.
Das erste Zeichen dafür ist, dass ich heute morgen bereits um fünf Uhr wach war. Nicht dass mich unbändiger Hunger aus dem Schlaf gerissen hätte, nein, ich hatte wohl ausgeschlafen. Um fünf Uhr steht doch aber niemand freiwillig auf, dachte ich so bei mir und döste bis zum Weckerklingeln über eine Stunde vor mich hin. Dösen macht aber komische Träume und jetzt frage ich mich, was mir mein Unterbewusstsein mit so manchem Traum sagen wollte :)
Ich fühle mich fit und motiviert, werde den Vormittag im Nähzimmer verbringen und mich, wie die letzten beiden Tage, gegen zwölf auf die Terrasse setzen bis die Kindelein heimkommen. (es gibt da so eine geschützte Stelle vor der Mauer, dort ist es richtig warm. Sommer-Vorahnung!)
Gestern mittag kamen dann doch noch diese elenden Kopfschmerzen. Warum auch immer die sein müssen. Ich hatte ja die Theorie, dass sie mit Koffeinentzug zusammenhängen. Nun ja, widerlegt. Allerdings waren die Schmerzen nicht so stark wie im letzten Jahr. Der wirklich große Hunger kam gestern nachmittag gegen 17:00 Uhr vorbei und lockt sehr stark. (ein paar Löffelchen Joghurt? Ein Stückchen Banane? Iss doch, iss!) Und als der beste Vater meiner Kinder sich den Rest Mittagessen vom Vortag wärmte, hätte ich auf seinen Teller springen können und im die Karotten klauen mögen. Oder den Paprika. Ode wenigstens ein bißchen Reis.
Stattdessen verzog ich mich ins Bett, weg von all den köstlichen Gerüchen und raus aus Trubel.
Sehr grinsen musste ich, als mir der Große gestern den neuen Spiegel überreichte (obwohl er ihn noch gar nicht ausgelesen hatte, was sonst mittwochs erst der Fall ist und vorher ist es SEIN Spiegel und heilig): das Titelthema ist “Die Heilkraft des Fastens”. Ein hübscher Artikel, der nichts Neues erzählt, aber tatsächlich ebenfalls vom “resetten” spricht. Ich schwöre hoch und heilig, dass mir das alleine eingefallen ist :)
Heute morgen sprang ich erneut auf die Waage und – tadaaah! – ein weiteres Kilo ist weg. Das ist schon höchst erstaunlich. Selbstverständlich weiß ich, dass es nur Wasser ist und es geht ja auch nicht ums Abnehmen, aber, mal so richtig ehrlich: toll ist das schon. Um mich wieder auf den Boden der Taschen zu holen, könnte ich ja heute morgen in die Jeans schlüpfen, die seit Jahren im Schrank liegt, die ich so sehr mochte und die irgendwann nicht mehr passte. Sie wissen schon, was ich meine. Solch ein Kleidungsstück haben ja viele Menschen.
Neben dem Hunger meldete sich gestern ein riesiger Durst. Etwa vier Liter Tee brauchte es, um ihn zu stillen. (keine Sorge, ich trinke auch unfastend bis zu drei Liter Tee am Tag) Darauf würde ich heute gerne verzichten, denn viel trinken bedeutet auch viel Zeit auf der Toilette und meine Pläne für heute sehen keine ständigen Unterbrechungen vor.
Ich würde Ihnen ja wirklich gerne noch ein paar tolle Vorzüge des Fastens schildern, so was wie “auch wenn ich vor Hunger in den dicken Martin beissen könnte – meine Haut strahlt und fühlt sich wunderbar straff an”, aber, leider, leider, dem ist nicht so. Also das mit der Haut. Ganz im Gegenteil, die verpickelt wie die eines Teenagers und das ist doch sehr unfair, weil sie nicht auch so faltenfrei wie die eines Teenagers wird.
Heute abend habe ich meinen ersten “Außentermin”, eine SEB-Sitzung in der Schule des Jüngsten. Das wird hart, dort stehen immer Gummibärchen und Kekse rum.
Ihnen einen schönen Tag!
Fastenfallen:
29. März 2011
Ein Stück Apfel in den Mund stecken, während man für die Kindelein Apfelmus zubereitet.
Apfel wieder ausgespuckt und dabei gedacht: “Was´n Quatsch, das Stückchen hätteste jetzt auch schlucken können.”
2. Fastentag
29. März 2011
Alles ganz wunderbar. Bis jetzt :)
Die Sonne lacht, ich sitze gemütlich mit einer Tasse Tee im Bett und habe keinen Hunger. Und keine Kopfschmerzen! Das ist sehr erwähnenswert, denn letztes Jahr hatte ich am zweiten Fatsentag unerträgliche Kopfschmerzen. Ob´s daran liegt, dass ich seit Dezember keinen Kaffee mehr trinke? Egal, ich bin froh keine Kopfschmerzen zu haben, denn vor denen habe ich mich am meisten gefürchtet. (und vor dem Geschmack des Glaubersalzes, brr.)
Die Tagesplanung für heute: alles darf, nichts muss. Kochen können die Kindelein selbst, ich kann mich dazusetzen, muss aber nicht. Gestern mittag konnte ich nicht, aber ich saß auf der Terrasse und hörte von draußen, dass sie auch ohne meine Anwesenheit am Tisch satt wurden. Und sich rege austauschten.
Ich könnte ein bißchen den Staubsauger schwingen und mich dem Bad widmen, ich könnte zur Post gehen und ein paar Päckchen wegbringen. Weiß ich noch nicht. Der zweite Tag ist heikel, weil man sich schon sehr stark und toll fühlt, der Kreislauf aber eher das Gegenteil sagt. Und sich ganz heimlich ein fieser Hunger anschleichen wird, spätestens am Nachmittag. (morgen ist das vorbei!)
Gestern war ich eigentlich nur müde. Ob das nun wirklich an der Zeitumstellung lag oder an mangelnder Energiezufuhr? Ich überbrückte den Tag mit kurzen Schläfchen, auf der Terrasse, auf dem Sofa. Viertelstundenschläfchen und dann ging es wieder. Am Nachmittag zog ich mich zurück ins Bett, lesend, “Grey´s Anatomy” schauend und viertelstundenschlafend :) Und zwischendurch die Hungergedanken. “In der Küche steht Käsekuchen. SEHR lecker.” oder “Ich könnte ja einfach eine Banane essen.” Oder auch: “Blödes Fasten, völlig überbewertet. Ich will ein Käsebrot.”
Heute nacht träumte ich ein paarmal, dass ich, quasi aus Versehen, nebenbei etwas aß. Und ein schlechtes Gewissen dabei hatte. Erinnert mich an die Zeit, als ich das Rauchen aufgab und mich im Traum immer beim Rauchen erwischte. Jaja, ich weiß, Äpfel mit Birnen vergliechen.
Auch wenn das Fasten absolut nichts mit Gewichtsreduzierung zu tun hat, neugierig bin ich natürlich. Und deshalb hüpfte ich heute morgen zuerst auf die Waage. Minus anderthalb Kilo spricht die. Bin sehr gespannt, wie das weitergeht. Letztes Jahr fastete ich eine Woche und verlor vier Kilo. (die innerhalb von zwei, drei Monaten wieder drauf waren) Aber wie gesagt: es geht nicht um´s Abnehmen. MIR geht es nicht um´s Abnehmen. Ich mag dieses Euphoriegefühl, dass sich irgendwann einstellt. Und ich habe das Gefühl, dass im Körper die Reset-Taste gedrückt wird – noch mal von vorne, vielleicht ein bißchen besser.
Passt ja zum Frühling.
1. Fastentag
28. März 2011
Heute wird es ernst, die Fastenzeit beginnt. Mindestens eine Woche lang verzichte ich auf feste Nahrung, bleibe bei Tee, Wasser und mittags ein Glas Gemüsesaft.
Den Einstieg ins Fasten macht ein sehr großes Glas mit in Wasser aufgelöstem Glaubersalz. Das wird mich die nächsten zwei Stunden ans Haus fesseln, immer schön in der Nähe einer Toilette. Wenn dies überstanden ist, gilt es nur noch den ersten “hungrigen” Tag auszuhalten, danach ist Fasten schön. Das ist jedenfalls die Erfahrung, die ich im letzten Jahr gemacht habe.
Für heute und morgen habe ich mir nichts vorgenommen. Das Essen für die Familie ist vorgekocht, ab Mittwoch wird es mir leichterfallen zu kochen. Zu kochen ohne abzuschmecken ist übrigens sehr spannend und wussten Sie schon, wie oft am Tag man nebenbei etwas in den Mund steckt, etwas ableckt oder nebenbei futtert?
Heute also: Ruhe und reinfinden. (und hoffen, dass der Muskelkater vom Spocht nicht zu groß wird)
Oh, und diese Zeitumstellung, die haut mich wirklich um. Gestern nacht war ich leider noch nicht eine Stunde früher müde. Heute morgen schon. Sehr.
Mutti inne Muckibude
19. Januar 2011
Irgendwann im Dezember beschlossen der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib, dass das neue Jahr das Jahr des “wir tun mal was” wird. “mal was tun” tun wir schon lange, immer wieder, immer relativ kurz, weil Ausreden finden sich ja immer leicht. Vor Jahren gingen wir regelmäßig joggen, dreimal ungefähr. Aber dann war da ja auch Frau Knie. Wir versuchten gemeinsam zu klettern, aber beim Grundkurs zeigte sich, dass meine Handgelenke zu kaputt sind. Paddeln würde uns gefallen, doch die Kosten sind da einfach immens. Gemeinsame Zeit wird auch immer rarer, da sich die Arbeitszeiten des besten Vaters meiner Kinder, Kollegen in USA sei dank, mittlerweile immer weiter nach hinten schieben. Morgens mal zwei Stunden später anfangen klappt aber gut und deswegen: “gehen wir eben ins Fitnessstudio”
Eine Bekannte empfahl uns das Therapiezentrum in Oppenheim, weil dieses eben keine klassische Muckibude ist, in der sich Menschen die Muskeln aufpumpen. Sie fühle sich dort sehr gut aufgehoben und - “fühl mal!” - sie habe schon einen echten Bizeps, trotz behutsamen Trainings. Klang gut.
Heute waren der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib beim Probetraining. Dass ich noch tippen kann ist immerhin ein Beweis dafür, dass ich überlebt habe.
Das Probetraining begann mit dem Ausfüllen eines Fragebogens, Größe, Gewicht, Vorerkrankungen und gewünschtes Trainingsziel. (für mich das Allerschlimmste, denn ich muss da blank ziehen. Nicht wegen des Gewichtes, sondern wegen der ganzen Krankheiten und Operationen und Probleme und Knochen und Gelenke undundund.)
Nach dieser Befragung war ich dann bereits erledigt. Aber es half kein Zagen, zum lockeren Aufwärmen wurde uns ein Crosstrainer erklärt und sieben Minuten durfte ich unter Beweis stellen, dass ich einigermaßen in der Lage bin, Arme und Beine zu koordinieren, gleichzeitig munter vor mich hinzulächeln und zu überlegen, ob der Kalorienverbrauch von ganzen 14 Kalorien die Kugel Eis von gestern abend neutralisiert hat.
Danach bekamen wir sechs Geräte erklärt und durften ausprobieren, zwanzig Wiederholungen, kurze Pause, nochmal zwanzig Wiederholungen. Diverse Hebel können gezogen und verschoben werden und wer die Gewichte zu oft zusammenkrachen lässt, muss einen Kuchen backen. Für mich wurde ein handgelenkschonendes, skoliosefreundliches und kniestabilisierendes Programm zusammengestellt, der beste Vater meiner Kinder darf seinen Rücken stärken und insgesamt beweglicher werden. Zweieinhalb Stunden geleitete uns der Trainer (Herr Püschel, falls Sie neugierig sind) von Gerät zu Gerät, erklärte zeigte, kontrollierte und korrigierte. Nächste Woche folgt der zweite Teil der Geräte, wieder zwei Stunden Einführung und dann entscheiden wir, ob das was für uns ist, für unser “wir tun mal was”.
Aufgehoben fühlen wir uns jedenfalls sehr gut, da ist eine Menge Kompetenz zu spüren und ich behaupte, nach vielen Jahren Krankengymnastik/Physiotherapie kann ich das beurteilen. Spaß hat es auch gemacht und ich bin nur halb so fertig, wie ich befürchtet hatte. Ausserdem laufen da eine Menge Menschen herum, die völlig normal aussehen. Mein dicker Hintern fällt da gar nicht auf.
(mal schauen, was der Muskelkater morgen spricht)
Apfel.
22. Februar 2010
Da liegt er nun.
Und ich will ihn nicht.
(ist so typisch: wenn ich´s nicht darf,will ich´s unbedingt. Und wenn ich´s habe, ist es uninteressant. Mpf.)
schwer. (und lang)
21. Februar 2010
Ich glaube, morgen ist der Tag des Fastenbrechens.
Die Kindelein saßen am Tisch und knusperten getoastetes Roggenbrot. Der Duft!
Auf dem Tresen steht ein Zitronenkuchen. Der Duft!
Es erfordert eine Menge Kraft, den vielen Düften zu widerstehen. Fasten darf man am Besten nur irgendwo in der freien Natur, möglichst nicht dann, wenn Walderdbeeren, Waldhimbeeren oder Heidelbeeren reif sind, denn die duften ja auch :)
Der Hunger – ist immer da. Mal mehr, mal weniger. Immer gut auszuhalten, aber störend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er tatsächlich irgendwann verschwindet.
Angeblich haben fastende Menschen mehr Zeit, weil die langwierige Nahrungsaufnahme wegfällt. Das stimmt in meinem Fall nicht. Ich koche jeden Tag und setze mich zu den Mahlzeiten mit der Familie an den Tisch. Denn Essen hat hier eben auch eine starke soziale Komponente. Mittagessen unter der Woche bedeutet neben der Nahrungsaufnahme auch Austausch über den Schulalltag und das tägliche Einerlei. Am Wochenende wird oft, weil mehr Zeit und Muse da ist, aufwändig und üppig gekocht, Mahlzeiten ziehen sich länger hin und werden förmlich “zelebriert”. Das Kochen am Wochenende ist oft experimentell, gemeinsam wird gerührt und geschnippelt. Und abgeschmeckt :) Es fehlt mir.
Da ich bereits jetzt, während des Schreibens, beginne zu resümieren, ist es wohl schon beschlossen für mich, dass ich es beende. Das Experiment “Fasten” endet dann natürlich nicht einfach so, denn ich kann morgen früh nicht einfach aufstehen und mir einen halben Liter Milchkaffe mit zwei Stücken Zitronenkuchen in den entwöhnten Magen stopfen.
Traditionell wird das Fasten mit einem Apfel gebrochen. Und es liegt da einer in der Obstschale, der mich verführerisch anblinzelt und mit dem ich morgen dann wohl ein intensives Rendezvous haben werde.
Eine leise Stimme versucht mir immer wieder einzureden, dass das aber eine schwache Leistung war, nur fünf Tage. Warum nicht eine Woche oder zehn Tage? Das ist völliger Blödsinn, entgegne ich im inneren Dialog. Niemand hat die Länge vorgeschrieben.
Es lebt sich gut, so ganz ohne Käsebrot und Nudeln. Tomaten,- Karotten- und Gemüsesäfte können wahre Geschmacksbomben sein und unsagbar glücklich machen. Aber Sie ahnen nicht, wie ich mich darauf freue, meine Zähne wieder zu benutzen. Zu kauen! Der Zunge und dem Gaumen etwas zu tun zu geben!
Ich nehme aus diesen fünf Tagen mit, dass es “ohne” auch geht. Ich bin kein spiritueller Mensch, der von irgendwelchen Dingen erleuchtet werden will oder aus religiösen Gründen fastet. Ich bin sehr spontan “oh ja, das probiere ich mal aus!” in die Sache hineingestolpert, habe einen Abend lang so viele Informationen wie möglich im www zusammengesucht und ein paar Tage später dann einfach angefangen. Aus schierer Neugierde. Und diese Neugier macht´s mir womöglich auch zum Verhängnis, bzw. verhindert, dass ich noch ein paar Tage dranhänge. Ich höre ständig in meinen Körper hinein, will mitkriegen, was da passiert. Versuche jedes Gurgeln und Grummeln zu interpretieren und schaffe es nicht den “es gibt halt einfach nix und gut jetzt”-Status zu erreichen. Das ist sehr interessant, denn an gartenarbeitsintensiven Sommertagen denke ich kein bißchen ans Essen und muss regelrecht daran erinnert werden. Jetzt, wo ich bewusst entsage, thematisiere ich das für mich so stark, dass es regelrecht quälend ist.
Wahrscheinlich kann ich morgen sehr viel über den Genuss schreiben. Über Geschmack und das wohlige Gefühl des Satt-Seins. (Hurra!)
Heute kann ich darüber schreiben, dass ich Essen/Mahlzeiten/Nahrungsaufnahme als unsagbar wichtigen Bestandteil unseres Familienlebens neu-entdeckt habe. Die Klecksefrau kommentierte mir, dass jede Mahlzeit einen Tagesabschnitt gliedert und eine Abwechslung zum Alltag darstellt. Das kann ich jetzt nachvollziehen, das war mir vorher so nicht bewusst; kochen, Tisch decken, essen war manchmal sogar lästig, weil ich lieber noch etwas anderes fertig machen wollte.
Ich bin wahrscheinlich auch nach meiner Fastenzeit kein Fan von Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Mein Essensrhythmus wäre eher in Brunch, Nachmittagskaffee und Mitternachtssnack einzuteilen :) Aber darum geht es auch nicht. Es ist für mich ein Gewinn, dass ich wiederentdeckt habe, wie wichtig mir dieses “Futtern mit der Meute” ist. Und, ja verdammt, die Nascherei beim Kochen, auf die freue mich.
Da ich keinerlei Ziele formuliert hatte oder Erwartungen oder Vorstellung hatte, die hätten enttäuscht werden können, ist es jetzt beinahe schwierig zu entdecken, ob und was da mit mir passiert ist. (deswegen ist dieser Blogartikel womöglich auch etwas konfus geschrieben. Verzeihung.) Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, für die Fasten eine lebenswichtige Bereicherung ist oder aus anderen Gründen einen ernstzunehmende Angelegenheit ist. Ich find´s gut, dass ich´s mal ausprobiert habe, aber es wird nicht meine Lieblingsbeschäftigung werden :)
Abgenommen habe ich übrigens drei Kilo. Ungefähr, denn Sie wissen ja: die Waaage in meinem Bad hat ein hinterhältiges Eigenleben. Ich bin mir auch sicher, dass diese drei Kilo schneller wieder auf meinen Hüften sind, als ich Schokolade sagen kann, aber es geht ja beim Fasten auch nicht um die Gewichtsreduzierung. Nett finde ich die Vorstellung, dass mein Magen jetzt wieder ein kleiner Ballon ist und kein ausgeleierter Sack mehr. Ein fester Vorsatz ist, dieses kleinere Fassungsvermögen zu respektieren und das “SATT!”-Gefühl zu erkennen und zu beachten. Was wiederum meinen Hüften auffallen könnte.
Und – wenn ich nun schon am Schwafeln bin – ich freue mich sehr darauf, nicht mehr wie ein stinkender Otter durch die Gegend zu rennen. Denn dies, und darüber muss auch mal gesprochen werden, ist ein ausgespochen blöder Nebeneffekt beim Fasten. Der Mundgeruch der ersten beiden Tagen bringt den angriffslustigsten Köter dazu, sich winselnd in einer Ecke zu verkriechen und ich fürchte, dass meine Zimmerpflanze nur deshalb die Blätter abgeworfen hat, weil ich sie aus Versehen angehaucht habe. Der Schweiß riecht intensiver und obendrein fließt er auch bereitwilliger. Meine Haut begann an Tag drei zu blühen, Pickel an Pickel spross. Heute sieht sie besser aus, aber noch nicht gut. Die Talgproduktion auf meinem Kopf reicht für zwei und meine Finger- und Fußnägel wachsen rasant. Es scheint so, als wolle alles, was geht, von meinem hungernden Körper flüchten :)
Wahrscheinlich gibt es dafür eine logische, physikalische oder medizinische Erklärung. Vielleicht ist´s reine Hysterie, bedingt durch beinahe hypochondrisches Beobachten. Vielleicht sind´s die mysteriösen Schlacken und Giftstoffe. Vielleicht ist´s so eine Art Frühjahrsputz. Vielleicht hat´s ganz andere Gründe. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass Jesus nicht in die Wüste gegangen ist, um zu fasten. Er wurde geschickt, weil sein Deo am dritten Tag versagte. Und sein Mundwasser.
Wenn Sie hier täglich reingelesen haben, um sich womöglich inspirieren zu lassen, dann sei Ihnen gesagt: versuchen Sie es einfach. Das internet ist voll von Informationen rund ums Fasten, suchen Sie sich aus, was zu Ihnen passt. Mir hat es geholfen, nicht dogmatisch an die Sache heranzugehen, mir keine Zwänge aufzuerlegen und das Fluchttürchen weit offen zu halten. Dies ist bestimmt nicht jedermanns Ansatz und Vorgehensweise, aber es zwingt Sie ja auch keiner :)
Wer sich darüber freut und höhnisch grinsend “Ha, nur fünf Tage, hab ich´s doch gewusst, dass die das nienienie durchhält” frohlockt, dem sei´s gegönnt.
Wer noch Fragen hat, darf sie gerne stellen, hier als Kommentar oder auch per mail. Aber über die Konsistenz, Menge und Geruch von Stuhlgang nach der Einnahme von Glaubersalz verrate ich nix, ich will Ihnen ja nicht den ganzen Spaß nehmen :)
Danke, das Sie mich so aufmunternd begleitet haben. Freuen Sie sich mit mir auf den Apfel. Morgen.
Führe mich nicht in Versuchung
20. Februar 2010
Die erste Herausforderung des Tages meisterte ich am frühen Morgen beim Bäcker, Brötchen und Croissants für die Familie kaufen. Der Duft nach frischem Brot gehört mit zu den allerfeinsten Dingen, die man (m)einer Nase antun kann! Durch das Fasten ist meine Nase höchstsensibel geworden. Ich habe schon immer gut riechen können, doch im Moment ist es beinahe zuviel.
Die zweite Herausforderung war das Frühstück mit der Familie und das Zaubern eines köstlichen Café au lait für den besten Vater meiner Kinder. Und das Schnuppern an der selbstgekochten Erdbeermarmelade. Wow, das grenzte an Selbstkasteiung.
Mein Magen war zufrieden mit Eisentablette, Orangensaft und Tee.
Kurze Zeit später im Baumarkt, beim Abmischen des Lackes in der Farbe 50.16.07, grummelte es im Bauch. Bei der Auswahl nach der optimalen Nähplatzbeleuchtung knurrte es im Bauch.
Auf der Suche nach Sepiaschalen für die Achatschnecken kam ich an mehren Schütten voller Schweineohren, Rote-Bete-Brösel, Erbsenflocken und “Alles, was der Hund so liebt” vorbei und ich gestehe, mein Magen brummte noch lauter.
Interessanterweise hatte ich keinen Hunger, nur großen Durst. Und hatte natürlich nichts dabei. Im Winter denkt da ja kein Mensch dran.
Kulinarische Herausforderungen gab es im Elektromarkt keine, erst kurze Zeit später, als wir kurz noch in den Supermarkt sprangen. “Gehe niemals hungrig einkaufen!”, lautet ein weiser Ratschlag. Ich bin tapfer standhaft geblieben, obwohl da diese köstlichen Probierhäppchen auslagen. Habe mir die ganze Zeit eingeredet, dass ich mich sehr, sehr auf meinen feinen Karottensaft daheim freue. Hat nicht allzu gut geklappt :)
Die Grundstimmung heute ist entspannt und fröhlich. Vor allem jetzt, nachdem ich meinen köstlichen Karottensaft genossen habe.
Ich bin weiterhin sehr gespannt, ob dieses unterschwellige Hungergefühl irgedwann verschwindet oder ich mich einfach damit arrangieren muss. Es ist nicht belastend, dieses Gefühl. Wer schon einmal das Rauchen aufgegeben hat, weiß, dass man stundenlang nicht an eine Zigarette denkt und urplötzlich dann doch den Jieper bekommt. So ähnlich geht es mir heute.
So. Und jetzt die nächste Herausforderung: kochen. Immer wieder eine Freude, nicht abschmecken zu können, nicht den Löffel mal eben ablecken zu dürfen und nicht das letzte Karottenstück einfach in den Mund zu stecken, statt es nochmals zu halbieren.
Schon interessant sich bewusst zu machen, was mal eben so nebenbei im Mund landet.

