Reise, Reise!

13. August 2014

Frau Brüllen und Frau Gminggmangg sind, bzw. waren auf großer Reise mit ihren Familien und berichteten, bzw. tun das aktuell immer noch, detailiert und Lust machend davon. Große, lange Reisen sind also mit Kindern, auch mit kleineren Kindern machbar und scheinen richtig viel Spaß zu machen, ich bin ein bißchen neidisch.

Allerdings nur ein bißchen, denn ich bin ja gar kein Reisemensch. Ich stelle es mir immer ganz großartig vor, irgendwo unterwegs zu sein, irgendwo “fremd” zu sein, Neues zu entdecken und am Liebsten noch die Füße dabei in irgendein Meer zu stecken. Theoretisch. Denn sowie es an die konkrete Planung einer Reise geht, werden die Füße, die Sehnsucht nach dem Meer haben, ganz schön kalt. So lange soll ich von daheim weg? Wer füttert den Kater, wer gießt im Garten und was ist, wenn ein Unwetter kommt und wie kann man es eigentlich aushalten, so lange nicht in seiner vertrauten Umgebung zu leben? Ich habe da ein kleines Problem, das sehe ich selbst. Länger als eine Woche kann ich nicht unbeschwert verreisen, das reicht einfach nicht für exotischere Gegenden als das Allgäu.

Aber ich will hier gar nicht über meine exzentrischen Anwandlungen, die mit den Jahren immer doller werden, schreiben, ich will erzählen, wie wir früher mit den Kindern verreisten.

Anfangs verreisten wir mit den Kindern nämlich überhaupt nicht. Das lag zum einen daran, dass ich immer irgendwie sehr schwanger war oder wir gerade für sehr viel Geld ein Haus gekauft hatten und uns selbst den günstigsten Urlaub schlicht nicht leisten konnten. Auch zeitlich nicht, da wir sehr viel Zeit in die Renovierung stecken mussten. Unser Urlaub fand am Baggersee statt und noch heute vertrete ich die gewagte Theorie, dass es Kleinkindern nicht so sehr wichtig ist, ob sie mit karibischem Sand oder dem vom Baggersee buddeln. Hauptsache es ist Wasser dabei.

Wir verreisten mal über´s Wochenende, zelteten auf dem Gelände des Open Ohrs oder besuchten Freunde. Mit einem Gepäckvolumen, das auch einen mehrwöchigen Urlaub in wechselhaften Gefilden bedient hätte.

Als der Jüngste knapp zwei Jahre alt war (die Mittlere drei und der Große fünf) fuhr ich zusammen mit einer befreundeten Familie an die Nordsee in eine Ferienwohnung. Ich empfand diesen Urlaub nicht als sehr erholsam. Wir stapften im Watt herum, kullerten Dünen herunter, fuhren auf irgendeine Insel. Buddelten im Sand und ließen uns den Wind um die Ohren sausen. Es war schön, ja. Aber. Nicht wichtig? Keine Ahnung.

Wieder daheim stellte ich fest, dass unser Haus noch immer nicht fertig renoviert, der Garten dafür komplett zugewuchert war. Der beste Vater meiner Kinder war noch immer fest in der Firma eingebunden und ich kreiselte derart im ganzen Ruinen/Wildnis/Kleinkinder-Wirbel, dass ich einem Burn-Out entgegenrutschte. Und so fuhr ich wieder mit den Kindern weg. Diesmal an den Klopeiner See. Mit einem Nachtzug, sehr viel Stress und Chaos bei der Anreise und dann mit so etwas wie Ruhe und Erholung im Hotel. Einem Kinderhotel, das eine Kinderbertreuung anbot, die ich fast ohne schlechtes Gewissen halbtags in Anspruch nahm. Die beiden größeren Kinder wurden bespaßt, ich bespaßte nur noch ein Kind und hatte zudem die großartige Gesellschaft von zwei Familien, die ich bereits aus dem Internet kannte. Nach einer Woche fuhr ich mit der Gewissheit heim, dass es ein Heim geben würde, ich war ein bißchen erholt.

Das Jahr darauf fuhr die ganze Familie an die Nordsee. In ein Ferienhaus, denn wenn schon Urlaub, dann bitte in eine Unterkunft, in der wir nicht abhängig sind von geregelten Essenszeiten. Der Urlaub war toll. Wir fuhren Rad und Inliner, puhlten Krabben und ließen Drachen steigen. Verbrachten sehr viel Zeit miteinander, auch alleine als Paar, denn die Kinder spielten gerne auch ohne uns im Ferienhausgarten.

“Das machen wir wieder!”, versprachen wir uns, aber irgendwie kam es nicht mehr dazu. An der Nordsee waren wir seitdem nicht mehr.

Es begann die Campingplatz-Zeit. Natürlich wieder den Finanzen geschuldet, aber auch dem Wissen, dass es in Deutschland wunderbare Flecken gibt, die genau das bieten, was wir lieben: ein bißchen Wasser und gerne viel Wald. Und für ein bißchen Abenteuer das Schlafen im Zelt. Einige Jahre hintereinander landeten wir so immer wieder für knapp eine Woche auf dem gleichen Zeltplatz. Das mag für Sie eine echte Horrorvorstellung sein, die Kinder fieberten dem Urlaub entgegen! Edelsteine suchen! In den Teich springen! Noch mehr Edelsteine suchen! Und wir Eltern fanden Ruhe und Erholung, unsere Kinder glücklich im Bach Edelsteine suchen wissend. Wir unternahmen Ausflüge zu Burgen in der Umgebung, wanderten geocachend durch den Wald oder besuchten den Edelsteinschleifer. Und waren alle fünf nach einer Woche Campingleben froh und dankbar für den Luxus von Betten, Stühlen und einer Toilette in nächster Nähe.

Kurzurlaube wurden unser Ding. Wir wanderten durch deutsche Mittelgebirge und schliefen in Jugendherbergen oder stapften durch die Vogesen und schliefen im Zelt. Wenn das Wetter schlecht wurde, fuhren wir heim. Sogar einen Bauernhofurlaub haben wir gemeistert. NAch einer Woche auf dem Bauernhof fand ich michUnkraut jätend im Bauernhofgarten wieder. Lang wenig bis nichts tun kann ich nicht.

Einmal waren wir sogar zusammen in Spanien. In Andalusien. Damals, als eine Blogkollegin dort ein hübsches Hotel hatte. Zweieinhalb Wochen waren wir dort. Unserem Bedürfnis nach Ruhe und unter uns sein konnten wir nachkommen, weil wir den Schlüssel zu einem privaten Garten mit Pool bekamen. Dort hatten wir dann Familienurlaub. :) Ansonsten besichtigten wir Städte und Höhlen und Arenen und was man halt so im Urlaub macht. Speisten vorzüglich und einen Tag hüpften wir sogar ins Mittelmeer. Auf dem Heimflug bei der Landung verletzte sich die Tochter das Ohr und wir waren sehr lange in Sorge, ob der daraus resultierende Tinnitus dauerhaft bleiben würde. (er verschwand nach fast einem Jahr)

Wir wanderten in Bayern und dann wieder in den Vogesen und mittlerweile schickten wir die Kindelein ohne uns auf Reisen. Dieses Jahr sind wir nicht zu fünft verreist. Einmal waren wir über Silvester in Österreich, zusammen mit vier befreundeten Paaren und sehr vielen Kindern, die alle vormittags Skifahren lernten. Die Männer versuchten sich ebenfalls auf den Pisten, wir Frauen (allesamt orthopädisch vorbelastet) machten sehr lange Spaziergänge durch den wunderbarsten Schnee. Nachmittgas und abends saßen alle zusammen, spielten, kickerten, hatten Spaß. Kein Familienurlaub, aber ein Urlaub. Mit Schnee!

Ich bin immer wieder ein bißchen wehmütig und fast traurig, wenn ich diese wunderbaren Reiseberichte lese. Denke, dass ich meinen Kindern doch so viel mehr von der Welt hätte zeigen können. Reicht es, dass sie sich in den deutschen Mittelgebirgen ganz gut auskennen? Es fühlte sich immer richtig an, wir erholten uns alle und verbrachten eine wunderbare Zeit miteinander und das sollte es ja sein, worauf es letztlich ankommt. Die leise Stimme bohrt natürlich immer wieder. Und ich weiß, dass ich es nicht anders machen würde, gar nicht anders machen könnte. Ich verreise nun mal nicht so gerne.

Neulich fragte ich die Kindelein, ob sie etwas vermisst hätten. Das war natürlich eine idiotische Frage, denn wie kann man etwas vermissen, was man nicht kennt? Aber es entwickelte sich ein schönes Gespräch, in dessen Verlauf ich erfuhr, dass unsere Mini-Urlaube in sehr guter Erinnerung sind. Doch nicht alles falsch gemacht.

Vom Internet ins Elsass

29. Juni 2014

Vor einigen Jahren lud ich meine Blogleser zu einer Gartenparty auf den Ländereien der Grünen Villa ein. Zahlreiche Gäste erschienen, viele von ihnen kannte ich nur von den Kommenaren, die sie mir unter meine Blogartikel schrieben. Viele der Kontakte von damals bestehen nicht mehr, denn Menschen entwickeln sich auseinander. Manche “traf” ich an anderen Stellen im Internet wieder und einige sind echte Freunde geworden. Dieses böse, anonyme Internet hat mir drei Freundinnen geschenkt, mit denen ich mal wieder eine wunderbare Zeit erbracht habe, diesmal im Elsass.

In Gérardmer hatten wir ein reizendes kleines Ferienhäuschen gemietet, trotz einiger Verständigungsprobleme bekamen wir die Schlüssel dafür überreicht. (keine von uns spricht gut Französisch, die Vermieter dafür weder Englisch noch Deutsch.)

Géradmer ist nicht wahnsinnig hübsch und charmant, liegt aber an einem großen See, zu dem wir am ersten Nachmittag spazierten.

Es sah aus wie Urlaub und es fühlte sich so an. Rundum perfekt, samt Sekt später auf der Terrasse des Ferienhäuschens.

Allzu spät durften wir nicht ins Bett, denn um acht Uhr am nächsten Morgen wollte ich mit der Klecksefrau zusammen auf dem Wanderweg zur Col de la Schucht stehen.

Offensichtlich hatte ich ihr lange genug von der Schönheit dieses Weges vorgeschwärmt. Dass ich nicht übertrieben habe … davon konnte sich sich dann selbst überzeugen.

Hier kurz vor dem Hohneck mit Blick auf den Lac Verte im Tal unten.

Wir sahen Kletterer am Kletterfelsen, jede Menge leider noch unreife Blaubeeren und ein Herde Gemsen. Das Wetter war uns hold, ein feiner Wind pustete uns den Aufstiegsschweiß aus dem Gesicht und da wir am Freitag wanderten, trafen wir nur sehr wenige andere Wanderer.

Etwa auf der Hälfte des Weges liegt die Ferme Auberge “Frankenthal” und ich empfehle, dort unbedingt Rast zu machen. Einmal um sich für den anstehenden Anstieg fit zu machen und dann natürlich auch, weil die Gastleute ungemein freundlich sind, der Kaffee schmeckt und die Umgebung der Ferme Auberge wildromantisch ist.

Ich habe Ihnen schon oft von der Col de la Schlucht vorgeschwärmt, weswegen ich das diesmal nicht tue. Vielleicht übernimmt das dann ja die Klecksefrau in ihrem Blog,

sie hat einige Bilder geknippst. :)

Sechs Stunden waren wir unterwegs, mit einigen Fotografier- und Bergauf-Verschnaufpausen. Am nächsten tTg erzählten uns unsere Muskeln in den Beinen, dass sie gerne ein wenig Ruhe hätten, Frau Knie keifte ziemlich herum. Egal. Wandern ist toll, noch toller ist es, wenn man den gleichen Rhythmus wie der Mitwanderer hat.

Am Samstag bummelten wir durch Colmar, stöberten in entzückenden Geschäften und verzehrten den weltbesten Flammkuchen. Hier meiner mit ziemlich viel, ziemlich stinkigem und trotzdem sehr leckerem Munsterkase:

Aux Armes de Colmar heißt das kleine Restaurant und Sie finden es in einer Nebenstraße. Hingehen lohnt sich und wenn Sie Ihren Salat nicht aufessen, wird der Wirt sie ein bißchen rügen. Leider waren wir zu satt für den Nachtisch, denn der sah sehr, sehr köstlich aus.

Am Abend saßen wir lange schwätzend und lachend zusammen, heute morgen reisten wir wieder ab.

So ein Wochenende verfliegt ziemlich schnell, aber  zum Glück habe ich ja jede Menge Erinnerungen an dieses feine Wochenende.

(das obligatorische Vierer-Selfie im Ferienhaus mit der Klecksefrau, Little MaryJo und Tante Liesbet. <3)

Einmal Berlin, bitte.

11. Mai 2014

Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib sind gestern aus Berlin zurückgekommen und hatten genau zwei Stunden Zeit, bevor sie sich in das Nachtleben eines Niersteiner Vorortes stürzten: auf die Geburtstagsfeier eines Freundes. Dort hielt ich es bis kurz nach elf aus, genau so lange, um zu gratulieren, ein Geburtstagsständchen zu singen und satt zu werden. Als der DJ heiße Rhythmen auflegte, siegte die Müdigkeit und wir verließen die rauschende Party. Immerhin gab es heute neben dem Muttertag, den ich übrigens gerne feiere, den Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden in der Kirche, für den ich fit sein wollte. Der Jüngste ist Konfirmand, deshalb gab es kein Ausschlafen, kein Frühstück ans Bett oder eine Muttertagstorte. Es gab einen von den Konfirmanden einigermaßen kurzweilig gestalteten Gottesdienst zum Thema “Inklusion” und hinterher Döner -> Wunschessen des jüngsten Sohnes. Nächste Woche feiern wir dann die Konfirmation, danach kehrt sonntags wieder Ruhe in die Grüne Villa ein.

Das war übrigens mein Muttertagsgruß, neben den Umarmungen meiner großen Kinder. Ich finde den Muttertag wirklich prima. Natürlich habe ich als glückliche Mutter jeden Tag Muttertag, aber hey! Das darf ja auch mal krachend gefeiert oder wenigstens gewürdigt werden.

*****

Eigentlich wollte ich Ihnen ja von Berlin erzählen, von der re:publica und den vielen Abenteuern, die ich in der großen Stadt erlebt habe. Dies würde ein sehr langer Artikel und deshalb erzähle ich Ihnen vielleicht immer dann, wenn es gerade passt, ein paar Bruchstücke. Heute möchte ich Ihnen von dem Hotel erzählen, in dem wir wohnten. Im Hotel Berlin, Berlin nämlich. Wir hatten zwei Doppelzimmer gebucht, weil wir zusammen mit Frau Brüllen und Herr Skizzenblog angereist waren. Frau Brüllen und Herr Skizzenblog fremdelten und wollten sich kein Doppelzimmer teilen, weswegen wir brav nach Männlein und Weiblein trennten. Frau Brüllen und ich bezogen ein echtes Luxuszimmerchen, weil uns ein Zimmerupgrade wegen einer verlängerten Buchung zugekommen war. (der beste Vater und sein holdes Weib hatten nämlich noch ein bißchen re.publica-Erholungs-Urlaub angehängt.)

Wenn ich hier kurz mal prahlen darf:

Beim Betreten des Zimmer der Blick nach links

und nach rechts.

Und wieder zurück.

“Nett.”, werden Sie vielleicht sagen und sich fragen, warum Frau Mutti ihr Hotelzimmer zeigt. Ist sie plötzlich heimlich Lifestyle-Bloggerin geworden?

Dem ist natürlich nicht so und ich zeige Ihnen dieses Zimmer, weil es darin etwas unsagbar Dämliches gibt. Frau Brüllen und ich haben es liebevoll “die Kloscheibe” getauft. Im Bild über diesem Absatz erkennen sie den dunkelgrauen “Kasten” neben dem Bett. Darin befindet sich das Bad. Auf der linken Seite des “Badkastens” erkennen Sie einen Spiegel und eine Milchglastür, über deren Intimsphäre-waren-Wert sich streiten ließe, gäbe es nicht etwas, das die Milchglastür noch toppt: der schmale Streifen an der rechten Seite des”Badkastens” ist nämlich kein Spiegel (der ja auch äusserst sinnlos an dieser Stelle wäre), sondern ein Streifen Glas, das von keiner Seite aus verspiegelt ist.

Um Ihnen zu verdeutlichen, wie super ein solches Fenster ist, habe ich vom Bad nach außen geknippst:

Sie erkennen mich vage in der Spiegelung der Duschkabine, rechts neben mir lässt sich die Toilette erahnen. Wenn man also auf der Toilette sitzt, kann man rausschauen. Oder andersherum: wenn man im Bett liegt, kann man reinschauen. Das ist ein sehr innovativer Unterhaltungsansatz, mit dem Frau Brüllen und ich nicht so recht umzugehen wussten, brachte er doch gewisse Hemmungen mit sich. Grob ausgedrückt: duschen war in Ordnung und mal rasch pinkeln ging … wenn der andere im pinkfarbenen Sessel am Fenster Platz nahm. Dolle Sache, das.

Das ganze Bad ist übrigens eine glatte Fehlkonstruktion, da Haken und Stangen für Handtücher nicht vorhanden sind und das Personal deshalb jeden Tag neben das Waschbecken gelegte Handtücher als schmutzig interpretiert und austauscht. Unnötig. Duschgel und Seife gibt es in knalligfarbigen kleinen Fläschchen, was sehr entzückend ist. Leider gibt es in der Dusche keine Ablage dafür. Man muss sie also auf den Boden stellen und beim Bücken … und das Fenster … und ach, Sie haben ja ihr Kopfkino zur Hand.

Frau Brüllen zog am Donnerstag aus und der beste Vater meiner Kinder zog ein. Das senkte die Hemmschwelle im Zimmer enorm und wir entdeckten das letzte und wohl auch unschönste Manko des Bades: es gibt keine Lüftung.

Wir entwickelten die Theorie, das Hotelbadarchitekten niemals in Hotelzimmer schlafen und dort ihre entworfenen Bäder testen, denn sonst würden, sie zwei, drei, vier Sachen womöglich weglassen oder doch ganz anders machen.

Ansonsten kann ich Ihnen das Hotel Berlin, Berlin übrigens uneingeschränkt empfehlen und ich weiß auch, dass nicht alle Zimmer Kloscheiben haben. Und das Frühstücksbuffet ist auch sehr großartig. Meiden Sie allerdings den Kaffee vom hinteren Vollautomaten, dort wurden wahrscheinlich Espresso- und Kaffeebohnen vertauscht, der Milchkaffee war eher sehr schlecht. Vom vorderen Automaten aber wirklich fein. Und wenn Sie vor dem Frühstück schon Spocht gemacht haben, brät man Ihnen sogar ein Eiweiß-Omelett.

Das Hotel liegt wunderbar zentral in der Nähe einer Bushaltestelle, an der Sie angeblich in die 100 steigen können. Angeblich deshalb, weil sie eher selten kam und wenn, dann musste sie wegen Demonstrationen oder der Baustelle “Unter den Linden” eine andere Route fahren. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich Ihnen vielleicht demnächst erzähle.

Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib haben erneut den Rheinsteig erklommen. Ein Kurzurlaub, ohne vorher genau zu wissen, wie lange die Wanderung gehen soll und wo wir übernachten werden. Unser Blick auf die Wettervorhersage wurde immer banger, denn – typisch eben für den April – täglich wechselte das Wetter zwischen hochsommerlichen Temperaturen bis zu fiesen Regenschauern.

Da der Start unserer Wanderung aber nicht allzu weit von uns weg war, fuhren wir Montag morgen einfach los.

Nach dem Klick gibt es einen begeisterten Bericht samt sehr vieler Bilder und ein paar Empfehlungen. Sehr, sehr lang.

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Strasbourg im Advent

1. Dezember 2013

“Wir machen mal was ganz Tolles!”, schlug der Gatte der Mittwochsfreundin vor, “Wir fahren früh morgens nach Strasbourg, frühstücken dort, bummeln ein bißchen, gehen über den Weihnachtsmarkt, gehen noch was essen und fahren spät wieder heim.”

“Au ja, prima!”, jubelten der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib. Und die Freundin, die nie Zeit hat hatte auch Zeit, zusammen mit ihrem Gatten.

Wir organisierten einen Sechssitzer und fuhren Samstag morgen um sieben Uhr los. Zweieinhalb Stunden später hatten wir das Auto in einem versteckten Parkhaus untergestellt und waren auf dem Weg zu “Paul“. Bei “Paul” gibt es leckere Sachen zum Frühstück, wussten die Freunde und viele andere Menschen auch. Wir ergatterten den letzten freien Tisch.

Mit den letzten Resten des Schulfranzösisch bestellte ich mir fließend mein Frühstück und da ich auch wenn ich muttersprachlich unterwegs bin gerne “äähs” einbaue und wild gestikuliere, ging ich beinahe als Einheimische durch.

Ich verspeiste übrigens ein Schokoladencroissant und diese Blaubeertarte, die jede Sünde wert war.

Es war warm und gemütlich und wir hätten noch lange sitzen können. (und immer weiter essen), aber dafür waren wir nicht angereist. Immerhin wollten wir Bummeln.

Die Gässchen um das Munster herum lassen jede Menge weihnachtliche Stimmung aufkommen, sehr viele Häuser sind liebe- und phantasievoll geschmückt. Bei Manchen sieht das wirklich großartig aus,

bei anderen dann eher nicht so sehr. Ein Hingucker ist die Eisbär -Dekoration aber ganz sicher! (“Und was passiert mit den Plüschtieren, wenn es mal regnet?”, fragte der Gatte der Mittwochsfreundin. Wir wissen es nicht.)

Weil wir als Touristen unterwegs waren, durften wir auch das tun, was wir sonst streng bei den Touristen in unserer Gegend verurteilen: Glühwein trinken, bevor es dunkel ist. Zu unserer Entschuldigung sei gesagt, dass eine feuchte Kälte unter die Jacken krochund so ein Glühwein dagegen ganz prima hilft.

Der Weihnachtsmarkt ist … wie ein Weihnachtsmarkt eben. Viele Stände an denen es viele nicht so sehr wichtige Sachen gibt, dazwischen Sachen, deren Verzehr nicht immer gesund ist und überall blinkt und glitzert es.

Wir froren ein bißchen und machten uns deshalb auf den Weg zu diesem kleinen Restaurant, das sich hinter der riesigen Platane direkt an der Ill versteckt. An der Ill entlang ist das Strasbourg, das ich so liebe, sogar im Winter. (am Schönsten ist es aber im Frühsommer, wenn man dort mit Freundinnen und einer Schachtel voller Törtchen sitzt.)

Wir bestellten tarte flambée, also Flammkuchen. Damit macht man eigentlich nix falsch. Beinahe wie beim Pizzaessen, es passt irgendwie alles drauf und alles schmeckt lecker. Ich hatte Ziegenkäse mit Feigen und Honig und habe jetzt, hier beim Tippen, jede Menge Mundwasser beim Gedanken daran.

Wir saßen gut, wir aßen vorzüglich und hätte man uns ein Bett für einen kleinen Mittagsschlaf angeboten, wir hätten wohl nicht abgelehnt. Stattdessen tranken wir einen Espresso und wagten uns wieder in die Kälte.

Die Stadt füllte sich merklich. In den Geschäften drängten sich die Menschen, trotzdem mussten wir rasch in den Laden, in dem es diese Köstlichkeiten gibt: Nougat! Wagenrädergroße Nougatlaibe. Wir ließen uns ein gutes Stück abhobeln, der Winterspeck soll nicht vernachlässigt werden.

Während wir ein Café suchten, das Platz für sechs Menschen und Kaffee oder heiße Schokolade und diese französischen Minitörtchen im Angebot hatte, wurde es langsam dunkel. Alle Cafés waren restlos überfüllt und wir begannen ein bißchen zu schmollen.

“Trinken wir eben noch einen Glühwein!”, hielten wir für eine prima Idee, genau wie dreitausend andere Menschen auch. Ich erklomm ein Mäuerchen, Glühwein gegen die Panik trinkend. Zu viele Menschen sind mir einfach zu viel.

Da wir schon wieder hungrig waren (die Kälte war schuld!), kämpften wir uns durch die Menge, denn wenn wir schon mal auf dem Weihnachtsmarkt waren, mussten wir choucroute essen. Choucroute ist Sauerkraut, das mit Kartoffeln, Bauchfleich, zweierlei Würstchen und Spätzle gegessen wird. Super, wenn der Glühwein schon in den Kniekehlen steckt.

Irgendwann hatten wir den Ausgang des Weihnachtsmarktes gefunden und konnten den wirklich großen Weihnachtsbaum in voller Pracht bewundern.

Strasbourg. Weihnachtshauptstadt.

Nur ein klitzekleines Bißchen verfuhren wir uns auf dem Weg raus aus Strasbourg. Zweieinhalb Stunden später waren wir wieder daheim und ich fiel quasi umgehend ins Bett.

Wenn man davon absieht, dass ich weder Bummeln, noch Menschenmassen mag, dem Winter in Städten nicht allzuviel abgewinnen kann und der Glühwein nicht schmeckte, war es ein ganz großartiger Tag, den wir so nicht, dafür aber ganz anders dringend wiederholen werden.