Ganz beiläufig habe ich es bereits erwähnt: wir gehen wandern. Der beste Vater meiner Kinder und ich marschieren ziemlich schnell und wenn es über Stock und Stein geht, hüpfen wir auch mal. Tja, und da beginnt mein Problem. Schnelles Laufen und hüpfen erfordert unterstützende Maßnahmen und ach, was soll ich um den heißen Brei herumformulieren: ich habe große Brüste und die brauchen einen gescheiten BH, weil sie mich sonst aus dem Gleichgewicht bringen. Einen gescheiten BH zu finden ist etwas, was ich jetzt seit zweieinhalb Jahren tue. Nicht irgendeinen BH, ein Sport-BH soll es sein. Einer der alles an Ort und Stelle hält, beim schnellen Marschieren, über Steine hüpfen oder beim Rennen mit dem gar nicht mehr so kleinen Hund.

Vor drei Jahren habe ich einen passenden Sport-BH gefunden und habe idiotischerweise nicht direkt zwei weitere dieser Sorte gekauft, denn ich finde keinen neuen. Ob es daran liegt, dass große Frauen mit großen Brüsten und breitem Kreuz normalerweise keinen Sport treiben? Kaum zu glauben, aber:

a) ich bestellte ein weiteres Exemplar meines bewährten Modells, was gar nicht so einfach war, da dieses Modell nicht mehr aus der aktuellen Sportkollektion kam. Ich fand trotzdem noch einen BH, Farbe egal, bestellte und musste zurückschicken. Passte nicht, trotz gleicher Größe.

b) ich quälte mich in grell beleuchteten, rundum verspiegelten Umkleidekabinen in verschiedenste Modell, mit und ohne kompetente Fachberatung, mit und ohne großen Frust.

c) ich bestellte BHs bei einem Ökomodeversand. Weil mir die regulären Modelle gut passen, bestellte ich zwei Sport-BHs dazu. Siegesgewiss zog ich sie an, musste aber feststellen, das ich weder die Arme hochheben, noch mich nach vorne beugen durfte, um die Brüste im BH zu halten. Etwas verwundert las ich nach: „Kann unterstützen bei Cup A“ Jo. Mein Fehler, lesen macht schlau.

d) ich bestellte drei verschiedene Exemplare bei einem großen Outdoorversand. Ignorierte Preise und Farben, maß den Unterbrustumfang und schickte alle drei wieder zurück: zu eng, aber die Körbchen scheinen zu passen. 

e) ich bestellte eine Nummer größer, atmete tief durch und sprach mir Mut zu. Der erste Sport-BH gefiel mir sehr. Türkis mit grau. Der BH hatte diese Ringerträger, schon allein dadurch wirkte er sehr sportlich. Sportlich war es auch, in diesen BH hineinzuklettern, denn er wurde über den Kopf gezogen. Erst als ich halb im Ringerträger steckte, merkte ich, dass die Träger ganz kurz gestellt waren und ich mit den Schultern nicht weiterkam. Auch als ich die Träger in die längste Einstellung gebracht hatte, passten meine Brüste nur dann in den BH, wenn ich sie mir knapp unters Kinn schob.

Der zweite BH kam in neutralem schwarz mit grauen Einsätzen daher, völlig ok. Die Häkchen am Rücken ließen sich leicht schließen, die Träger passten, doch mystriöserweise war das D-Körbchen in der größeren BH-Größe fast doppelt so groß, wie im kleineren, zurückgeschickten BH. 

Der dritte BH brachte mich zum Lachen. Ein Sport-BH mit gepolsterten Körbchen. Ab einer gewissen Körbchengröße ist ein zusätzliches Polster nicht oberster Priorität beim BH-Kauf. Außer vielleicht die Temperaturen sinken sehr deutlich unter Null und die Dinger sollen warm halten. Ich zog den BH trotzdem probeweise an, denn vielleicht gäbe es ja ein Wunder. Der BH passte erstaunlich gut, hielt fest und drückte nicht. Allerdings zauberte er mir ein Dekolleté, dass für glänzende Gattenaugen sorgte, vermutlich auch deshalb, weil sich die Wanderbluse nicht mehr bis oben zuknöpfen ließ.

Alle drei BHs gingen wieder zurück und ich reise mit meinem einzigen, ein klitzekleines Bißchen ausgeleierten Sport-BH zum schnellen Marschieren und über Steine hüpfen. Muss ich eben zwischendurch mal waschen.

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Erschwerend beim BH-Kauf ist das Melone-Mirabelle-Problem: eine Brust ist größer als die andere und es gilt sich zwischen quetschen oder schlackern zu entscheiden. Und dieses Zyklusding, das An- und Abschwellen lässt, Sie kennen das ja vermutlich auch.

Verzweifelt bin ich nicht, aber sehr interessiert an Marken und Vorzügen Ihrer Sport-BHs. Oder soll ich mir künftig einfach nur eine breite, elastische Binde um den Oberkörper wickeln? Hilfe!

Heute habe ich mithilfe eines Anleitungsvideos dreierlei Schichten Farbe auf meine Gesichtshaut geklopft, -tupft und -pinselt, habe hellen, dunkleren und noch dunkleren Lidschatten auf verschiedene Partien über und um das Auge herum gepinselt und verblendet, habe einen perfekten Lidstrich (links) und einen schwarzen Balken (rechts) gezogen, eine Wimperzange todesmutig vor meinem Augapfel zuschnappen lassen und braune Striche in meine Augenbrauen gemalt. Und zum Schluss sogar noch Lippenstift aufgetragen.

Das Ergebnis war eine mir fremde Frau im Spiegel, doch der beste Vater meiner Kinder zwinkerte mir anzüglich zu und küsste mir die überschüssige Schicht Farbe von den Lippen. „Ist doch gut!“, sprach die Tochter, deren Schminkerfahrung auch nur vier Wochen älter ist als meine.

Aber das Anpinseln hat sehr viel Spaß gemacht und wäre mein linkes Auge nicht blind, wäre die Augenschminkerei wirklich leichter. Zum Abschminken reichte mir der beste Vater meiner Kinder äußerst hilfreich und ein klitzekleines Bißchen demotivierend die neue Schleifmaschine ins Bad, aber nach dem vierten Kosmetiktuch und nicht nenneswertem Farbverlust im Gesicht, war ich kurz in Versuchung mit ganz feingekörntem Schleifpapier …

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Meine (alten) Wickelkleider sind für die beiden anstehenden Feiern aufgefrischt, demnächst zeige ich beide. Die Tochter wird zur akademischen Feier ein Etuikleid tragen, dazu einen schmalen Gürtel. Bis vorhin war dieser noch langweilig schwarz. Dank Stylefix und einem neongelben Webband mit grauen Sternen hat der Gürtel und somit auch das Kleid ein bißchen „eigenen Stil“ bekommen, die Tochter ist begeistert. Und ich auch.

anne

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Die Freundin der Tochter wird ebenfalls ein Jahr in Afrika entwicklungspolitische Arbeit leisten und darüber bloggen. Auf der Suche nach einem Blognamen verbrachten wir vorhin ein höchst vergnügliche Stunde mit den Vorschlägen, die aus meiner Twitterbubble kamen. Sehr großartig, aber keinen einzigen Vorschlag hat die Tochterfreundin abgenickt. Falls Sie eine Idee haben: aus und mit „Marie und Tansania“ darf gewortspielt werden!

Nachdem ich heute von meinen großartigen Sporterfolgen geschrieben hatte, kribbelte es in den Füßen. Und so steckte ich die Kribbeldinger in die Laufschuhe und machte mich auf den Weg. Unterwegs knippste ich eine Menge Bilder aus der Hüfte und die zeige ich Ihnen jetzt, damit Sie mit mir Laufen können. Oder verstehen können, warum mir das so Spaß macht.

Von der Grünen Villa gehe ich ein Stückchen bis an den Beginn dieses Weges. Laufen mag ich noch nicht, die Gehwege sind schmal und ich finde es doof, innerhalb der Ortschaft herumzurennen. (und peinlich, wenn ich mit roter Birne und nach Luft jappsend den Nachbarn im Vorbeirennen winke und versuche, total cool und trainiert auszusehen.)

Ganz nach oben will ich.

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Frau Mutti und der Sport

16. April 2013

Letztes Frühjahr begann ich mit der Joggerei. Ohne große Ambitionen, einfach nur, um mich zu bewegen. Den Sommer über pendelte sich eine schöne Regelmäßigkeit ein, zweimal die Woche hechelte ich in Begleitung des besten Vaters meiner Kinder durch die Weinberge, kaufte mir sogar teure Laufschuhe. Im Herbst nutze ich das Angebot eines Discounters und deckte mich mit Winterlaufklamotten ein, sah mich also dynamisch durch verschneite Weinberge rennen. Der Herbst brachte irgendwann Regen und Kälte, brachte Husten, Schnupfen und unstillbares Einkuschelbedürfnis. Immer seltener lief ich durch die Weinberge, im Dezember dann kein einziges Mal.
Vor lauter Einkuscheln und gemütlich machen schmerzten Hüften und Knie, Bauch und Hintern rundeten sich wegen der vielen Köstlichkeiten und Leckereien, die man sich vor, an und nach Weihnachten gönnt. Und dann kam der Januar, dieser eine laue Tag, an dem wir die Laufschuhe schnürten. Ziemlich entsetzt stellte ich fest, dass schon der Weg zu den Himmelstreppchen mich schnaufen ließ, das Erklimmen derselben ließ mich nach Luft ringen, trotz dreier „ich muss die Aussicht genießen“-Pausen. Oben angekommen und irgendwann wieder gleichmäßig atmend, stellte ich fest, dass ich den Laufrhythmus nicht verlernt hatte, meine Muskeln aber lautstark protestierten: „Was soll der Quatsch, wir wollen auf’s Sofa, lass uns in Ruhe!“ Drei Gehpausen musste ich in unsere Fünf-Kilometer-Runde einbauen, doch wieder daheim angekommmen war mir klar, dass ich bald wieder loslaufen will, dass mir die Lauferei ungemein gut tut und den Kopf freimacht.
Dann begann es zu schneien und hörte bis ungefähr vorgestern nicht mehr auf. In den Weinbergen kann man bei Schnee nicht laufen, nur spazieren. Und selbst beim gemütlichen Spazieren hatte ich Probleme mit der kalten Luft, sowie ich bei Steigungen etwas außer Atem kam. Die Bronchien schmerzten. Ausserdem war es ständig trüb und grau, feucht, kalt und windig bis stürmisch, meine sowieso schon geringe Motivation ließ sich nur allzu gern vom Schweinehund in die Ecke treten. Mein Knie und meine Hüften schmerzten immer mehr und die ersten Röcke begannen zu kneifen.
Gestern abend liefen wir wieder los. So spontan, dass der Schweinehund erst gar nicht seine Nase aus seinem Loch strecken konnte.
Ich brauchte keine Pause auf den Himmelstreppchen, aber drei Gehstrecken unterwegs. Und ich lief. Mit Blick über den Rhein, auf Dramawolken und aufblühende Büsche zwischen den Wingerten.
Heute kann ich kaum kriechen, da mich gestern schon vor dem Laufen der Gartenarbeits-Muskelkater quälte und heute ist er doppelt so groß. Doch die Freude an der Bewegung ist noch immer abrufbar und dies hoffentlich auch so lange, bis die Muskeln wieder können.

(und bis zum nächsten Winter muss ich mir dann überlegt haben, was ich ersatzweise tue.)

Es scheint, als gäbe es derzeit in der Grünen Villa kein anderes Thema, als den Tanzschul-Abschlußball der Tochter. Zwei, drei andere Sachen passieren schon auch, doch tatsächlich beschäftigt mich das Thema aus mehreren Gründen.

1. Ich finde diese ganze Tanzschulensache höchst faszinierend, denn ich habe selbst nie eine Tanzschule besucht, obwohl das alle gleichaltrigen Mädchen taten. Damals trug ich ein Boston-Korsett wegen meiner Skoliose und fühlte mich damit noch gräßlicher und unattraktiver, als ich es pubertätsbedingt sowieso schon tat. Obendrein hatte ich keine Lust, potentiellen Tanzpartnern zu erklären, warum ich so hart um die Taille (Korsett aus Hartplastik) bin. Deshalb …

2.  … kann ich nicht tanzen. Nicht mal einen dämlichen Discofox, den angeblich jeder beherrscht. Außer mir. Nix mit intuitiver Schrittfolge, ich verkrampfe, hyperventiliere, vergesse, wie ich meine Füße heben soll und winke deshalb schon bei der Tanzaufforderung dankend ab. Finde es aber unglaublich schön und bin auch sehr neidisch, wenn ich sehe, wie so manches Paar über die Tanzfläche wirbelt. Um mir doch noch gewisse Grundkenntnisse für JENEN Abend einzutrichtern, hat die fürsorgliche Tochter den bester Vater meiner Kinder uns sein holdes Weib zur …

3.  …. Elterntanzstunde angemeldet. „Sie können Ihr Tanzkönnen auffrischen“ oder soo ähnlich heißt es da und ich bin mäßig erfreut. Der beste Vater meiner Kinder kann auffrischen, er hat eine Tanzschule besucht. Ich hingegen werde mich äußerst zusammenreissen, um nicht unangemessen herumzukichern und spöttische Bemerkungen aus Verlegenheit loszulassen. Immerhin dürfen wir uns zum Auffrischkurs kleiden wie wir wollen, denn die …

4. … Kleiderordnung gilt ja erst für den Ball. Nachdem ich nun doch davon abgekommen bin, mir ein bodenlanges Kleid, unter dem ich Chucks verstecken könnte, zu nähen, habe ich vorgestern drei Kleider, die ein bißchen bunt, fröhlich und außergewöhnlich sind, bestellt und sie heute bekommen. Nun muss ich mich entscheiden, denn gefallen tun sie mir alle drei und behalten will ich sie eigentlich auch alle.

Wahrscheinlich wird es das mittlere Kleid und wenn das spruchreif ist, zeige und schreibe ich mehr davon und darüber, derzeit gibt´s nur schlechte Bilder auf Instagram. Immerhin bin ich der gewünschten Kleiderordnung nun einen Schritt näher, fehlen nur noch die …

5. … Schuhe mit Ledersohlen. Ich mag Schuhe, habe einen Schuhschrank voller Schuhe in allen Farben. Chucks, Camper und Meindl. Alle nicht geeignet. Schuhe mit Ledersohlen probierte ich einmal als Siebenjährige an. Ich rutschte auf der Auslegeware des Schuhgeschäftes aus und schlug mir das Knie blutig. Als Zölfjährige „lieh“ ich mir die Pumps meiner Mutter, stolperte und schlug mir das Knie blutig. Diesmal will ich es aber besser machen, sofern ich passende Schuhe finde. Suchen werde ich im

6. … Limango-Outlet, denn ich bin ein großer Fan von Outlets. Scheinbar lebt in mir eine Schnäppchenjägerin, die glänzende Augen beim Wort „Outlet“ bekommt. Und obendrein hat die Einkaufserfahrung vom Wochenende in der großen Stadt mich erneut gelehrt: nichts ist komfortabler, als sich den virtuellen Einkaufskorb voll zu packen, auf die Post zu warten und daheim in aller Ruhe zu entscheiden, ob und was gefällt und passt. (irgendwann lerne ich auch noch der Versuchung zu widerstehen, zusätzlich zu den beispielsweise benötigten Schuhe auch noch Strumpfhosen und das eine oder andere Schnickeldi mit einzukaufen)

7. Die Ex-Freitagsfreundin ließ neulich ein ganz neues Alptraumszenario vor meinen Augen entstehen als sie sagte: „Und dann kommt da noch die Runde, bei der die Mütter mit den Tanzpartnern der Töchter tanzen.“ Ich sah einen pickeligen, fünfzehnjährigen Knaben vor mir, der mir bestenfalls bis zur Nasenspitze reicht und dem die ganze Tanzrunde mit einer alten Frau genauso peinlich wie mir wäre, als die Freundin augenzwinkernd ihre Aussage ergänzte: „Aber meistens muss man dann sowieso mal auf´s Klo.“