12 von 12 im April

12. April 2016

Zwölf Bilder am Zwölften jeden Monats.

Es ist schon faszinierend – früher, als die Kindelein sehr klein waren und ich eigentlich für nichts Zeit und/oder Kraft hatte, habe ich täglich gebloggt, manchmal sogar zwei-, dreimal. Heute, wo die Kindelein ausgesprochen groß, selbständig und teilweise ausgeflogen sind, bleibt weiterhin für nichts Zeit und/oder Kraft und obendrein vernachlässige ich das Bloggen. Heute aber.

eins

Nach einem Wochenende voller Sonne und Wärme war der Tagesbeginn heute dann doch eher eine Enttäuschung. „Regen ist super für das ganze frischgepflanzte Gemüse im Garten“ war nur ein klitzekleiner Trost, die Aussicht auf eine regennasse Hunderunde ließ meine Laune sinken.

zwei

Aber wie es dann oft so ist: einmal unterwegs und alles ist gut. Der Regen ließ nach, die Luft roch wunderbar nach den blühenden Schlehen am Wegesrand und obendrein traf ich auf eine Bekannte mit Hund. Während unsere Hunde durch die Zeilen tobten, schwätzten wir. Der gar nicht mehr so kleine Hund war äußerst brav und kam auf Zuruf sofort zu mir. Sehr beruhigend, denn die Wingerte sind voll mit Kaninchen und etlichen, teils hochträchtigen Rehen. Der Jagdhund in ihm will lospreschen und es ist nicht immer leicht, manchmal sogar unmöglich ihn abzurufen. Dann hilft nur eine Schleppleine. Heute aber jede Menge Freilauf und Spiel und für mich die Gewissheit, dass der restliche Tag sehr ruhig verlaufen würde.

drei

Auf dem Rückweg musste ich an Frau Brüllen und ihre Super-Mario-Party denken und schnell ein Bild für sie knippsen.

dreib

Wieder daheim blieb kurz Zeit für ein Frühstück, bevor die Ohrenkontrolle bei Lola anstand. Die Entzündung im Ohr ist wunderbar abgeklungen, Ohrentropfen sollen wir noch eine weitere Woche verabreichen. So weit, so langweilig.

Wieder daheim hatte sich meine leichte Restmigräne vom Vortag noch einmal zu vollen Höhen aufgeschwungen, samt Lichtempfindlichkeit und Übelkeit. Ich verteilte noch rasch ein paar Aufgaben an den großen Sohn und verschwand im Bett. Zwei Stunden später tobte es noch immer hinter meiner rechten Schläfe und ich war sehr verzweifelt. Zwei Tage hintereinander Migräne ist ungerecht.

Ich trank ein große Tasse Tee und bekam Hunger. Ein gutes Zeichen.

vier

Mit Kaffee, Käsebrötchen und Schokolade setzte ich mich raus in die Sonne, ganz sicher, dass ich nach dem Essen fit für anstehende Pflanzarbeiten sein würde. Letztlich dauerte es noch zwei Stunden, bis ich mich ohne Schwindel und Übelkeit bewegen konnte, doch der Schmerz in der Schläfe verklang.

fünf

Der große Sohn baute in Ernels Garten einen Zaun. Bisher war das Grundstück zu den Nachbarn hin offen, was letzten Sommer bedeutete, dass ich Lola immer anbinden musste, wenn ich im Garten arbeitete. Wenn der Zaun steht, kann sie durch den Garten brummen und sich ein Plätzchen suchen. Der Nachbargarten wird gerade neuangelegt. Die Nachbarin bewältigt ihr Stück nicht mehr, deswegen wird pflegeleichter Rollrasen ausgelegt. Was an Beerensträuchern, Kräutern und Blumen vorhanden war, durfte ich mir ausgraben, so landen die Pflanzen wenigstens nicht auf dem Müll. Das tröstet sie ein bißchen, denn sehr glücklich ist sie über diese Neugestaltung letztlich doch nicht.

sechs

Dieses Jahr möchte ich meine Terrassenkästen ein bißchen dauerhafter bepflanzen. Vor etlichen Jahren hatte ich sehr viele Kräuter in den Kästen. Das sah toll aus und roch ganz wunderbar. Nach und nach fielen die Kräuter aus und ich ersetzte sie nicht, sondern pflanzte einjährige Sommerpflanzen. Das ging gewaltig ins Geld, denn ich habe viele Terrassenkästen. Jetzt also wieder Kräuter und dazwischen wenn es Zeit ist die gesäten Minitomaten und Chilis.

Vor dem Pflanzen stand aber das Auffrischen der Pflanzkästen. Letztes Jahr hatte ich sie mit frischem Kompost gefüllt, ich trug also nur die verdorrten Pflanzen und die oberste Schicht Erde ab. Und förderte aus jeden Kasten mindestens zehn dieser Engerlinge heraus. Das sind Engerlinge des Rosenkäfers und wer auch immer behauptet, dass der bedroht sei, soll bitte in meinen Garten kommen. Im Sommer brummt es an allen Ecken und diese schönen, grüngoldenen Käfer fliegen durch die Gegend. Heute freuten sich aber die fleißig brütenden Amseln über eine Menge Engerlinge, die restlichen Engerlinge kamen mit vertrockneten Pflanzen und abgetragener Erde zurück auf den Kompost.

sieben

Ich werkelte vor mich hin (der Kopfschmerz ließ immer mehr nach, hurra!). Hund und Kater flitzten durch den Garten, Sonne und leichter Regen wechselten sich ab, der Jüngste hatte Feierabend und plötzlich war es sechs Uhr und die Hunderunde stand an.

acht

In Jeans, T-Shirt und leichter Strickjacke war ich losmarschiert, denn es herrschten ja laue, frühlingshafte Temperaturen. Deshalb änderte ich nach einem Blick zum Himmel sehr schnell meinen Marschplan. Statt auf halber Höher gemütlich ein paar Schleifen zu laufen, lief ich nur eine klitzekleine Runde mit dem Hunde, genau so lange, bis die nötigen Abführgeschäfte erledigt waren. Bewegung hatte Lola den ganzen Tag im Garten, mein Gewissen war nicht allzu schlecht. Kaum war ich wieder daheim, regnete es in Strömen.

neun

Der beste Vater meiner Kinder kam heim, ich kochte Bolognese zum Abendessen (die morgen aufgewärmt noch leckerer sein wird) und wir tauschten uns über unseren Tag aus. Meine Migräne hatte sich mittlerweile (hurra, hurra!) ganz und gar verabschiedet und als die Sonne noch einmal über den Weinberg linste, hätte es ein perfekter Tagesabschluss sein können. Bis der Schreinerfreund anrief und uns den Tod seines Ziehvaters mitteilte. Paul wurde über neunzig Jahre alt und war auch bis fast ganz zuletzt fit, doch es trifft dennoch hart. Er starb unter einem blühenden Kirschbaum, das rührt mich sehr an. Mein Kirschbaum wird spätestens übermorgen blühen und darauf freue ich mich nun doppelt. Hart ist es für Marie, die Tochter des Schreinerfreundes, die gerade mit Anne in Spanien ist. So weit weg von der Familie ist Traurigsein doppelt schwer.

zehn

Im letzten Abendsonnenschein gingen wir nochmals raus in den Garten. Der beste Vater meiner Kinder experimetiert mit einer Austernpilzzucht. Gestern hat er Birkenstämme mit Pilmyzelen geimpft, heute hat er einen Strohballen vorbereitet, um diesen ebenfalls zu impfen. Ich werde bei Gelegenheit hier oder im Gärtenerinnenblog darüber berichten.

elf

Die Söhne verabschiedeten sich in ihre Zimmer, wir verzogen uns auf das Sofa. Das Ofenfeuer ließen wir sehr rasch wieder runterbrennen, es ist einfach zu warm dafür. Die aufkommenden Süß-Gelüste stillten wir mit einem schnell gekochten Topf Vanilleflammeri, meine Portion gab es mit Quittengelee, der beste Vater meiner Kinder genoss pur.

Der Tag ist vorbei.

Ich bin sehr glücklich, weil die Tochter mir heute erzählt hat, dass sie einfach nur noch läuft, ohne Schmerzen, ohne Muskelkater, Laufen um des Laufens willen. Ich bin sehr traurig, denn Paul wird fehlen.

Weitere „12 von 12“ gibt es bei Frau Kännchen.

WMDEDGT?

5. April 2016

Frau Brüllen will’s wissen.

Eigentlich habe ich mich heute den ganzen Tag nur umgezogen. Durchnässt nach der ersten Hunderunde am Morgen, voller Tierhaare nach Tierarztbesuch, wetterfest für die zweite Hunderunde am Abend, danach erneut durchnässt. 

Beim Tierarzt hatte ich zwei bestens erzogene Viecher dabei, die sich ohne Murren und Klagen untersuchen und impfen ließen. (Murren und klagen musste ich hinterher, weil das ganz schön teuer war) Der gar nicht mehr so kleine Hund hat eine Entzündung im Ohr, was leider keine Entschuldigung für „sie hört irgendwie nicht“ ist, wohl aber eine Erklärung für gedämpfte Hundestimmung. Das Ohr wird jetzt regelmäßig gespült und getropft, es sollte hoffentlich rasch heilen.

Der kleine Kater ist kerngesund und ließ sich bei der Untersuchung entspannt schnurrend von Arm zu Arm reichen. Vielleicht war er auch einfach nur vom Geruch im Behandlungszimmer betäubt. Als wir es betraten, würden wir mit den Worten „Ich hab das Fenster schon aufgemacht, aber es riecht trotzdem noch ein bißchen nach ausgedrückten Analdrüsen.“ Tat es. Sehr.

Direkt vor der Haustür schaltete Lola ein neues Feature frei: ins Auto kotzen. Zum Glück nur einmal, zumal wenig verdaut, zum Glück auf eine Decke. Aufregung und Schmerz haben sich da wohl einen Weg gebannt, sie war sofort wieder äußerst vergnügt und an meinem Mittagessen interessiert.

Hund und Kater legten sich schlafen, ich begann eine Liste von Verben und deren Hilfsverben im Perfekt zu erstellen. Gibt es eigentlich eine Regel, wann „haben“ und wann „sein“ benutzt wird? Ich kann mich nicht erinnern (und ja, ich könnte googlen). „Mein Syrer“ bekommt dann diese Liste mit den ganzen Sonderformen zum Lernen. Deutsch ist ganz schön schwer, fällt mir immer wieder auf. Doch er ist nach wie vor voller Ehrgeiz und lernt gut und sehr schnell, ich bin richtig stolz auf ihn. „Mein anderer Syrer“ hingegen hat das Handtuch = den Deutschunterricht geschmissen. Er will nicht, vermisst seine Familie, hängt rum. Ich weiß nicht, wie ich da helfen kann, ob ich helfen kann. So wie das Wetter besser ist, laden wir sie zum Grillen ein und dann mal schauen, ob sich irgendeine Beschäftigung findet, bei der nebenbei Deutsch gelernt werden kann.

Ansonsten gab es heute noch das übliche Bißchen Haushalt, ein wehmütiger Blick zum ewig zugeschnittenen Rock, den ich zusammennähe sobald … ja was eigentlich? Ich wieder Lust dazu habe vermutlich. Meine Sämereien habe ich durchgesehen, morgen früh bringe ich ein paar davon in die Erde. Gekocht, mit der geschrumpften Familie gespeist, eine Sprachnachricht von der sehr vergnügten klingenden Tochter angehört und jetzt mit Hund auf den Beinen und dem besten Vater meiner Kinder neben mir auf dem Sofa sitzen.

Das war’s schon. (die fünften sind scheinbar immer eher ruhige Tage)

12 von 12 im März

12. März 2016

Zwölf Bilder am Zwölften jeden Monats.

1

Vermutlich ist der gar nicht mehr so kleine Hund einfach nur ein fieser Quälgeist. Spätestens um halb sieben möchte Lola nämlich nicht mehr auf ihrer Matratze schlafen. Sie steht dann auf und quengelt so lange herum, bis entweder alle wach und schlecht gelaunt sind oder eben nur einer, der dann mit ihr aufsteht. Sie bekommt Frühstück und schläft dann bis neun Uhr weiter. Oder auch bis zehn. Wir wechseln uns an den Wochenenden mit dem Aufstehen ab, heute war ich dran. Unglücklicherweise kann ich nicht mehr schlafen, wenn ich erstmal wach war und deshalb begann mein Tag sehr früh. Meistens finde ich das dann gar nicht so schlimm, denn wenn alle im Haus schlafen, sitze ich gerne auf dem Sofa, trinke Kaffee und lese. Heute gab es strahlenden Sonnenschein und Vogelgezwitscher als Dreingabe. Vielleicht kann ich nächsten Monat das obligatorische erste Kaffee-Bild schon im Garten machen.

2

Der Kater genießt es ganz katzenuntypisch sehr, wenn er durch die Gegend getragen wird. Wahrscheinlich auch deswegen, weil Lola ihn dann nicht erreichen und spielauffordernd in die Seite stupsen kann. Am Liebsten mag er es, wenn er beim Herumtragen am Bauch gekrault wird und ich ertappe mich dabei, mich sachte hin und her zu wiegen, als hielte ich ein sehr pelziges Baby im Arm. Eines mit fiesen Krallen, die sich genüsslich in meinen Arm bohren.

3

Nachdem die Hunderunden am Donnerstag und Freitag mit Lola ein ziemlich fieser Machtkampf zwischen pubertärer Töle und verständnislosem Mensch waren, starteten wir heute trotz lauem Frühlingswetter ein bißchen angespannt. Erfreulicherweise hatten wir heute wieder einen perfekt erzogenen, auf´s Wort gehorchenden Hund dabei, der dem besten Vater meiner Kinder und seinem holden Weib einen wunderbaren Morgenspaziergang ermöglichte. Im Anschluss an die Hunderunde holten wir Brötchen für´s Frühstück und blieben dann kurz beim Schreinerfreund und der ehemaligen Freitagsfreundin hängen. Deren Tochter feierte nämlich ihren 19. Geburtstag und das überstandene Abitur und zu beidem gratulierten wir gerne. Ein Glas Sekt gab es obendrein und wegen meines noch  nüchternen Magens sorgte das für einen sehr beschwingten Heimweg.

4

Ein Drittel der Kindelein war doch schon aus den Federn gekrochen und wurde umgehend beauftragt, den Rest zu wecken. Wir frühstückten völlig ungestylet aber sehr gemütlich und ausgiebig miteinander. Ich mag diese ruhigen Wochenendfrühstücke.

5

Nach dem Frühstück rüsteten die Tochter und ich uns für einen sehr untypischen Einkauf: für die anstehenden Feiern, die akademische Feier zur Zeugnisübergabe und den Abiball am Tag darauf mussten kosmetische Verschönerungspülverchen, -cremes und -lacke gekauft werden.

6

Nch kürzester Zeit glitzerten und funkelten wir bis hoch zum Ellenbogen, hatten aber passende Grundierungen, Puder, Lidschatten und sogar einen Lippenstift für mich gefunden. Sehr faszinierend, dieser Schminkkram! Und es gibt wirklich hübsche Farben und die Pinsel sind ungemein zart und flauschig. Trotzdem kaufe ich lieber im Baumarkt ein, auch wenn sich die Handhabungen der dekorativen Farben und Lacke gleichen. :)

Dass wir letztlich drei Stunden im Drogeriemarkt verbrachten, war nicht unserer Entschlussunfähigkeit geschuldet, sondern der Tatsache, dass die Tochter noch rasch ein Photo und eine Grußkarte mit Photo ausdrucken wollte. Mal rasch – man kennt es – das wird nix. Das Photo war tatsächlich rasch ausgedruckt, doch die Grußkarte legte zunächst den Drucker, danach das ganze Computersystem lahm. Eine freundliche Mitarbeiterin telefonierte sehr geduldig mit der Photoausdruckproblembehebestelle und endlich, endlich nach anderthalb Stunden war die Karte gedruckt. Und eine horrende Rechnung für verschönernde Kosmetika bezahlt.

7

Während die Tochter und ich uns im Drogeriemarkt amüsierten, hatte der beste Vater meiner Kinder den gesamten Wochenendeinkauf erledigt und mir einen Strauß Frühling gekauft. Die ersten Tulpen sind eingezogen. Ich weigere mich jedes Jahr vor März welche zu kaufen, die Vorfreude hält so länger.

8

Und weil ich jetzt schon den Frühling ins Haus gezerrt hatte, konnte ich ebenso gut an die Osterdekoration denken. Diese fällt längst nicht so üppig aus wie das ganze Weihnachtsschnickeldi, doch neulich rief das rot-weiß getupfte Set (ein Vogel, zwei Eier) im Weltladen sehr laut, dass es mitgenommen werden will. Wie hätte ich nein sagen können?

Kein Bild gibt es von der Aus- und Umräumaktion im Bad, denn neue Kosmetika will gegen eingetrocknete Mascara und Lidschatten von 1986 eingetauscht werden. Bei dieser Gelegenheit lässt sich hervorragend ein bißchen räumen, wischen und putzen und zack: Abendessenszeit.

9

Der beste Vater meiner Kinder bereitete den Hefeteig zu, die Söhne und ich schnippelten Zutaten, der Pizzastahl heizte bei 280°C im Ofen auf und die Tochter verabschiedete sich leise neidisch. Sie feiert den bereits oben erwähnten 19. Geburtstag, ohne Pizza.

10

Auf dem Pizzastahl ist die Pizza in knapp fünf Minuten knusprig und sehr lecker, weswegen sich jeder seine Wunschpizza zusammenstellt und eben ein bißchen wartet, bis er an der Reihe ist.

11

Meine Lieblingspizza ist mit Tomatensoße, frischen Tomaten, Champignons, Knoblauch, Parmesan, Pfeffer und Rucola belegt. Und weil ich ja nie lerne und es doch besser wissen sollte, aß ich mehr als ich wollte und mir letztlich gut tat. Und so beendete der beste Vater meiner Kinder diesen Tag ohne mich in der Sauna.

12

Ich sitze stattdessen neben dem Jüngsten auf dem Sofa, tippe vor mich hin und schaue ab und zu mal hoch, wenn das Computerspiel (Skyrim) spannend wird.

Morgen wird gewählt! Der Große ist wieder als Wahlhelfer eingespannt, das heißt, dass unser Tag früh beginnt. Was wiederum bedeutet, dass jetzt Schlafenszeit für mich ist. Gute Nacht!

(falls Sie fragen: wir haben unseren Pizzastahl von hier und sind sehr, sehr zufrieden damit! <- und dies ist freiwillige Werbung!)

Weitere „12 von 12“ gibt es bei Frau Kännchen.

12 von 12 im Februar

12. Februar 2016

Zwölf Bilder am Zwölften jeden Monats.

1

Freitag morgen muss ich erstmal nicht aufstehen. Der beste Vater meiner Kinder sitzt dann im Home Office und übernimmt zum Arbeitstageinstieg die Hunderunde. Für mich bedeutet das, dass ich in Ruhe einen Kaffee im Bett trinken und noch ein paar Zeilen lesen kann.

2

Weil wir uns nun aber für einen Sommerurlaub entschieden haben, musste ich die ausgefallene Hunderunde auf dem Laufband nachholen. Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib fliegen nämlich nach Irland und laufen dort den Wicklow Way. Kinder, Kater und Hund lassen wir daheim, wir nehmen nur die nötigsten Klamotten und die am Besten eingelaufenen Wanderschuhe mit. Und hoffen darauf, dass die Information, der Juni sei der regenärmste Monat in Irland, stimmt. Ich joggte also ein halbes Stündchen prustend und schnaufend vor mich hin und freute mich vor.

3

Das Rumgehoppse auf dem Laufband ist ja nicht nur als Training für den Fernwanderweg gedacht, sondern auch ein „Kampf dem Weihnachtsbauch“, der sich hier kein bißchen kaschieren lässt. Und bevor es jetzt hier wilde Aufschreie gibt: meine Röcke kneifen, dieser Zustand gefällt mir nicht, mein Bauch muss weg, basta.

4

Nach dem Duschen kochte ich mir meinen allmorgenlichen Haferschleim, diesmal wurde er mit selbstgemachtem Granola und geröstetem Sesam gepimpt. Die Tochter und ich fasten nämlich Süßkram und da fallen auch eben auch Nußnougatcreme und Konfitüren drunter. Das Cranola ist allerdings mit Honig gesüßt, aber wir wollen jetzt ja mal nicht päpstlicher als der Papst sein.

5

Die Post brachte wunderbare Arbeitsmaterialien. Das Buch über die Deutsche Grammatik hat es in sich. Ich bin froh, dass ich Deutsch nicht als Fremdsprache lernen muss. Uff. Die „Willkommen“-Heftchen vom Goethe Institut sind eine wunderbare Hilfe in den Einstieg in die Sprache und eine Hilfestellung bei wichtigen Fragen. Das erste Heft habe ich heute direkt weitergeben können.

Später brachte der Paketdienst ein gespendetes Laptop für das Internetcafé. Für Bücher, Hefte und Laptop (und die vielen Beigaben) erstmal an dieser Stelle herzlichen Dank!

6

Als letzte Vorbereitung für´s Wochenende rührte ich rasch ein Hummus zusammen, das Geheimrezept hatten mir „meine Syrer“ verraten: fertiges Kichererbsenpürree aus der Dose (500ml, im türkischen Supermarkt) und dazu soviel Tahina, bis es schmeckt. Olivenöl drüber und wenn im Haus, jede Menge gehackte Petersilie. Notfalls geht es auch ohne. Knoblauch ist optional. Schmeckt prima und ist eben schnell gemacht, wenn für dieses Rezept die Zeit fehlt. (was schade ist, denn das Hummus ist sehr lecker, notfalls auch mit Kichererbsenhäutchen)

7

Mittagessen! Zum Hummus hatte ich „so ähnlich wie Naanbrot“ gebacken und eine Tomaten-Kokos-Suppe gekocht. Letzteres klingt etwas merkwürdig, schmeckt aber wirklich ganz hervorragend und überhaupt ist diese ganze Zusaammenstellung ein Familienlieblingsessen. Sie sehen hier übrigens eines der Bilder, die ich in letzter Zeit regelmäßig auf Instagram unter den Hashtags #Küchentisch #ungeschönt #geschnappschusst zeige. Ich möchte zeigen, wie es in einer normalen Familie zugeht und unser Küchentisch ist das Zentrum des Familiengeschehens. Es ist mal mehr und mal weniger Küche drumherum zu sehen, mal ist es ordentlich, dann wieder völlig verrumpelt. Wie im echten Leben halt. Und immer sitzt da dieses riesige Insekt an der Lampe und sorgt für viel Rätselraten und Grusel.

8

Nach dem Mittagessen schien die Sonne so verlockend, dass ich mich mit meinem Kaffee in eine geschützte Ecke auf der Terrasse stellte und schon ein bißchen Frühling spürte. (was ich völlig beknackt finde, lieber stünde ich im Schnee, meinetwegen auch barfuß)

9

Der Jüngste kam hungrig, dreckig und müde von der Arbeit heim und stürzte sich auf das Mittagessen. Und weil ich heute gefragt wurde: der neue Ausbildungsplatz gefällt und tut ihm gut. Er arbeitet in einem etwas größeren Betrieb, der viel auf Großbaustellen beschäftigt ist. Neulich half er eine Woche lang beim Einbau von Badewannen. Immer wieder die gleichen Arbeitsschritte bis sie sitzen, so lernt er am Besten. Das wird, bestimmt. (verhaltener Optimismus)

10

Mein kleines Internetcafé öffnete. Heute kam nur ein Besucher: ein Syrer, der sich mit großem Fleiß und Ehrgeiz ans Lernen macht, er möchte hier studieren. Heute hat er Dativ und Genetiv zu unterscheiden und nutzen gelernt und ja, damit ist er fitter als viele Deutsche.

Er verabschiedete sich, der beste Vater meiner Kinder beendete den letzten Call des Tages und der gar nicht mehr so kleine Hund konnte es kaum abwarten, zur abendlichen Hunderunde aufzubrechen. (wie unschwer zu erkennen ist)

11

Bei der Hunderunde verschwanden dann auch die letzten Reste des Spannungskopfschmerzes, den ich drei Tage mit mir herumschleppte. Lola läuft in der Abenddämmerung immer an der Schleppleine, weil so viele Rehe unterwegs sind. Sie sieht Rehe nicht als Beute, aber als tolle Spielgefährten, mit denen man prima durch die Zeilen flitzen kann. Die Rehe interpretieren das aber anders und reagieren eher panisch. Das muss ja nicht sein, deshalb: Hund an die Leine. Bei der Morgenrunde darf sie immer frei rennen.

12

Symbolbild für Feierabend, auf dem Sofa sitzen. Im Bild, für sie aber zum Glück nicht nachvollziehbar: der äußerst aromatische Geruch des gar nicht mehr so kleinen Hundes, der sich wohl in irgendwas gewälzt hat, was nur für Hundenasen super riecht. Ebenfalls nicht im Bild der rote Kater, der gerade sehr geschimpft wurde, weil er zuerst auf den Tisch (streng verboten!) und danach in das Spülbecken sprang (um das Einweichwasser des Suppentopfes zu schlürfen, er bekommt ja hier nichts, der Ärmste.) Demnächst auch wieder ein Ringelfranzbild für die Fans und die besorgten Leser, versprochen.

Das war der unspektakuläre Tag der Frau Mutti. Morgen geht die Sprachmittlerschulung weiter, ich freue mich drauf.

Weitere „12 von 12“ gibt es bei Frau Kännchen.

WMDEDGT?

5. Februar 2016

Frau Brüllen fragt uns, was wir heute eigentlich den ganzen Tag gemacht haben?

Die morgenliche Hunderunde habe ich ganz großzügig an den besten Vater meiner Kinder abgetreten. Ich konnte in der Zwischenzeit gemütlich frühstücken und ein paar Kleinigkeiten in die Schaufensterseite einfügen. Es blieb noch ein bißchen Zeit für Haushaltsgedöhns, bis ich um 11:00 Uhr das Schaufenster öffnete und um 11:02 Uhr die erste Mail eintrudelte. Dieser ersten Mail folgten sehr, sehr viele und ich kam mit den Aktualisierungen und Antwortmails kaum hinterher, weiß jetzt aber immerhin: falls ich die Maschinen doch wieder aspacke, dann muss ich sehr viel Engel und Toffee Noses sticken nd nähen. An dieser Stelle auch hier ein herzliches Dankeschön für Ihre Einkäufe und sehr großzügigen Aufrundungen, die Tochter ist glücklich und ich somit auch!

Auch die Zubereitung des Mittagessens überließ ich dem besten Vater meiner Kinder, ich musste mich nur an den gedeckten Tisch setzen und Kaiserschmarrn essen. Perfekt.

Nach dem Mittagessen übernahm der große Sohn das Aufräumen der Küche und ich ging zurück an den Rechner. An _die_ Rechner. Das kleine Internetcafé öffnete ab halb drei, die Rechner wollten hochgefahren und das Lernprogramm eingestellt werden. Zwei „meiner“ Syrer kamen zum Lernen. Die beiden sind Brüder, der eine lernt für seine C1-Qualifizierung, mir der er hier studieren kann. Er spricht sehr, sehr gut Deutsch, hat bereits in Syrien Deutsch gelernt, aber ganz reicht es noch nicht, deshalb lernt er mit Feuereifer. Sein Bruder ist erst vor Kurzem angekommen und spricht bisher sehr wenig, kann aber sehr gut Englisch, wir können uns also prima verständigen. Doch manchmal fehlen trotzdem Worte, denn der eine Bruder kam heute mit Orthese am Arm. Was passiert sei, wollte ich natürlich wissen. Er sei beim Radfahren gestürzt, das lernt er gerade. „Ist der Arm gebrochen? Is it broken?“, fragte ich. Nein gebrochen ist nichts, aber im Arm sei etwas … das sei schwer zu erklären, die Worte seien nicht da. Ich müsste mir  die Saiten einer Gitarre vorstellen und eine sei ein bißchen kaputt. Ich denke also, dass eine Sehne in Mitleidenschaft gezogen ist. Manche Gespräche sind halt etwas komplizierter.

Die beiden arbeiteten selbständig an ihren Rechnern, ich konnte mich wieder meinem Rechner widmen. Mails beantworten, die Seite aktualisieren, rechnen und hoffentlich nichts durcheinanderbringen.

Nach zwei Stunden verabschiedeten sich die beiden, nächsten Freitag kommen sie wieder. Da die Söhne zur Jungschar verschwanden und keine Zeit für die abendliche Hunderunde hatten, liefen die Tochter und ich gemeinsam los. Zwischendurch standen wir auch ein bißchen in der Gegend herum, als der gar nicht mehr so kleine Hund einen anderen Weg  gehen wollte und wir eben warten mussten, bis er wieder zu uns kam. (Mistvieh.)

Es wurde dunkel, ich aß zu Abend und tja. Setzte mich wieder an den Rechner, diesmal auf dem Sofa. Und vielleicht mache ich demnächst Feierabend, denn im Fernsehen läuft „Mainz bleibt Mainz“ und das ist ja meistens das einzige Stückchen Fastnacht, das wir gerne feiern. Außer dem muss ich morgen fit sein, denn dann kracht die nächste Fastnachtsfeier: der Gatte verkleidet sich als Kreppelbäcker und versorgt uns und viele unserer Freunde mit Kreppeln frisch aus der Friteuse, gefüllt mit Himbeer- oder Erdbeerkonfitüre. Dazu gibt es Sekt und Schnaps gegen das Fett.

Ich hoffe nicht zu sehr gelangweilt zu haben :)