#allebekloppt

9. Dezember 2014

Ich hörte neulich, dass es nun sogar schon im Kindergarten an der Tagesordnung ist, sich gegenseitig wegen uncooler Kleidung auszugrenzen. Vor etwa zwei Jahren fingen die KINDERGARTENmädchen damit an, jetzt ziehen die KINDERGARTENjungen nach: “Wenn du keine Hose von Engelbert Strauss anhast, darfst du nicht mitbuddeln.”
Ich habe das nicht erfunden. Leider.
Im Stuhlkreis, bei der Frage, was sich die Kinder zu Weihnachten wünschen wieder: “Eine Hose von Engelbert Strauss, die ist toll.”, erzählt eine eher hilflose Erzieherin, die nicht weiß, wie sie in dieser Situation reagieren soll.

Mit dem #allebekloppt meine ich ganz sicher nicht die Kinder, sondern die Eltern, die um die “richtigen” Klamotten einen derartigen Bohei veranstalten, dass KINDERGARTENkinder lernen: es gibt richtige und falsche Klamotten. Und ohne die richtigen Klamotten hast du keinen Spaß und darfst nicht mitspielen. Da ist ja die rosa-hellblau-Empörung fast schon lachhaft dagegen.

Jaja. Früher war alles besser. War es natürlich nicht, aber ich weiß noch sehr gut, dass die einzige Sorge meiner Kindergartenkinder der Frage galt: “Wer ist heute Chef der Kindergartenbande im Außengelände?” Und meine einzige Kleidesorge war, ob wir womöglich die Buddelhose heil bis ans dritte Kind vererben können.

Was hat sich geändert? Und warum?

Wechseljahre.

4. Dezember 2014

Es geht nicht um diese Hormonsache, obwohl ich manchmal leise vermute, dass sich da langsam etwas tut.

Es geht um mein Internet. Das, was ich reingeschreibe und das, was ich konsumiere. Genauer: konsumiert habe.

Anfang 2000 habe ich meine ersten Schritte im Internet gemacht. Auf der Seite der Zeitschrift “Eltern”, im Diskussionsforum “Eltern raten Eltern”. Da schrieb eine Frau “Meine Tochter schläft einfach nicht durch, ich bin so müde, wie soll ich nur überleben?” Ich antwortete: “Ich kenne das SO gut!” Das waren meine ersten Worte in diesem Internet. Bewegend, nicht wahr? Und so originell!

Später stimmte ich nicht mehr nur zu und formulierte Mitfühlendes und Bedauerndes, sondern hatte eine Meinung. Diskutierte wild bei den Themen Impfung, Familienbett, Langzeitstillen, Stoffwindeln, Ferber-Methode, Breie selbst kochen, zuckerfreie Ernährung, vegetarisches, veganes, urköstliches Essen für Kinder, Hochbegabung, Schuhe vererben, rosa/hellblau sind böse, Fahrrad oder Roller, Schule ab vier, fünf, sechs oder sieben, Frühförderung, strafen/belohnen und so Vieles, Vieles mehr. Ich stritt mich, ich brach wegen dieser Streitereien Kontakte ab. Fand neue Gruppen, die sich bei der Frage, wie groß der Altersunterschied zwischen Geschwistern idealerweise ist, teilten.Kleinere Gruppen bildeten neue Foren und getreu der Gruppendynamik liebte man sich innig und zerstritt sich irgendwann erneut.

Meine Kinder entwuchsen dem Kleinkindalter, aber mitreden konnte ich immer noch, die “Probleme” waren ja leicht abrufbar.

Meine Kinder wurden und werden groß, ich habe neue Themen. Große Themen. Ausbildungssucheprobleme. Selbständig-werd-Probleme. Sich-im-fast-erwachsenen-Körper-zurechtfinden-müssen-Probleme. Themen, die hier keinen Platz mehr haben, weil sie a) Themen der Kinder sind und diese alt genug sind, um sie auf anderen/eigenen Plattformen zu thematisieren und b) ich gelernt habe, dass die einzigen Ratschläge, die mir helfen und mich weiterbringen, nur von Menschen kommen können, die mich und meine Familie, unsere Lebenssituation und unsere “Art” kennen. Alle anderen interpretieren und erraten statt zu raten.

Die Themen der neuen, jungen Eltern im Internet haben sich nicht verändert. Babys muss man oben befüllen, unten abwischen und in der Mitte warm halten. Dazwischen Liebe und jede Menge (Selbst)Vetrauen in sich selbst, das Kind und den Partner. Dann klappt das mit dem Großziehen höchstwahrscheinlich ziemlich gut.

In meiner Twitter-Timeline sind einige junge Mütter und Väter und manchmal zuckt es in mir hoch. Da will ich schreiben “Also aus der Erfahrung heraus kann ich sagen …”. Zum Glück kann ich mich meistens ganz gut bremsen und einfach die Klappe halten, denn: das Rad wird nicht neu erfunden und alle jungen Eltern haben das Recht, das selbst heraus zu finden. Ich bin mir nicht sicher, ob “wir” früher auch so _rasch_ empört waren, uns so schnell hineingesteigert haben, dass kontroverse Meinungen zu echten, bösen Streitereien wurden. Ich weiß aber ganz genau, dass ich mit einem “Die Fleischereifachverkäuferin hat meinem 1jährigen Kind ein Stück Fleischwurst geschenkt. Toll, was?”-Tweet ein echtes #fleischwurstgate entfachen könnte.

Ich bin so durch mit diesem Kleinkindkram merke ich. Streitet Euch, schreibt gigantische Blogeinträge darüber, wie man ein harmonisches Familienleben gestalten kann und gebt Euren Kindern Formbrote mit in die pädagogisch-korrekte Kita. Ich freu mich, wenn Ihr glücklich seid, ich freu mich sehr, wenn Ihr schwanger seid. Ich freu mich, dass ICH durchschlafen kann und ich grins mir eins, ganz heimlich lache ich auch laut, wenn ich lese, wie Ihr Euch Euer Leben als junge Eltern vorstellt. (das darf ich, weil ich habe schon mal zugegeben, dass ich alles anders und besser machen wollte, als meine Eltern und alle anderen Eltern, die es je gegeben hat.) Aber ich halte mich komplett raus, auch wenn ich wirklich, wirklich gerne sagen will (und es jetzt auch tue): macht Euch doch das Leben nicht so verdammt schwer! Das, was Ihr irgendwo gelesen oder bei Pinterest oder Instagram gesehen habt, das klappt in Eurer Familie garantiert nicht. Ihr wollt doch alle ach so individuell sein, warum eifert Ihr dann irgendjemandem nach?

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Ich bin jetzt in den Wechseljahren und finde ein neues Internet für mich. Zum Lesen und zum Schreiben.

Unglücklicherweise ist das nicht so arg leicht, denn ich habe nun mal jahrelang nichts anderes getan, als mich mit diesen Elternthemen zu befassen. Mal schauen, ob ich überhaupt etwas anders kann. Katzen sind übrigens keine Alternative. Die Kreativszene übrigens auch nicht, aus vielen (anderen) Gründen.

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Ich verweise an dieser Stelle gerne auf das Gärtnerinnen Blog, allerdings gibt´s da von mir auch eher wenig über den Garten zu schreiben, weil es ist ja schrecklich kalt da draußen. Meine Mitgärtnerin Vanessa ist aber unglaublich fleißig und besonders ihren “Blick in fremde Gärten”, den es immer freitags gibt, kann ich ihnen sehr ans Herz legen!

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Hier gibt es demnächst ein bißchen gesundheitliches Gejammere, den obligatorischen Jahresrückblick, ein bißchen Dies und bißchen das.

 

 

 

Neues aus der Straße!

1. Oktober 2014

Vielleicht wurde unser Haus und die Häuser der Nachbarn auf einem alten Indianerfriedhof gebaut. Oder ein böser Geist spukt und sorgt dafür, dass immer irgendwer mit irgendjemanden Streit haben muss? Aktuell sieht es so aus, dass der eine Nachbarn den anderen Nachbarn mit eher unschönen Titeln belegt, weil dieser das Ordnungsamt verständigt hat. Seine Ausfahrt sei stets zugeparkt oder doch so beeinträchtigt, dass es schwierig ist, mit dem Auto hineinzufahren. “Wer nicht Autofahren kann, soll es lassen …”, mault der eine, “Halt die Klappe!”, schimpft der andere und letztlich nennen sie sich gegenseitig Arschloch und die Harmonie, die aus dem Schulterschluss gegen die wirklich schrägen Nachbarn gewachsen war, verpufft.

Die Beamten des Ordnungsamtes rückten mit Zollstöcken und Kamera bewaffnet an und gaben dem einen Nachbarn Recht: die Ausfahrt muss natürlich frei bleiben. Obendrein stellten sie fest, dass unsere Straße tatsächlich sehr schmal ist. Mit dem pikanten Ergebniss, dass nun niemand mehr dort parken darf. Wir also auch nicht.

Das ist – schade. Doppelt schade, weil es nicht so sehr schlimm wäre, ein paar Schritte zu gehen, gäbe es denn Parkmöglichkeiten _irgendwo_. Dreifach schade, weil die parkenden Autos wie eine Verkehrsberuhigung wirkten und sehr gut verhinderten, dass die Straße bergab zur Rennstrecke wurde.

Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird und tatsächlich besteht der größte Teil von Nierstein aus eher engen Straßen, in denen Anlieger irgendwie, irgendwo parken müssen. Wir warten also erstmal ab. Die beiden Nachbarn aber … die haben sich jetzt so richtig schön in der Wolle und ich fasse es einfach nicht, dass der eine nicht erst mal freundlich hätte klingeln und nachfragen können und dass der andere direkt in die unterste Beschimpfungsschublade greifen muss. Offensichtlich darf es immer nur ein gewisses Maß an Harmonie und friedlichem Miteinander geben, sonst wird es irgendwie langweilig.

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Neu und für Gartenliebhaber bestimmt nicht langweilig ist das Blog der Gärtnerinnen!

Zusammen mit Vanessa Giese, der reizenden Betreiberin des Kännchencafés, schreibe ich dort über die Lust und Last des Gärtnerns, über die Ernte und was man damit anstellen kann, über Gartenträume und die harte Realität.

Schauen Sie mal rein und folgen Sie uns gerne auf allen Kanälen!

Und beachten Sie bitte besonders die wunderbaren Gemüsezeichnungen! Die (und das ganze Design) stammen aus der Feder von Herrn Skizzenblog. Danke <3

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Für das Wochenende nähme ich dann gerne eine schön-Wetter-Bestellung für den Großraum Lac de Geradmèr und Munster, wir wollen dort mit Freunden wandern. Eine weitere schön-Wetter-Bestellung gebe ich für das Wochenende vom 17.-19.10. auf, denn dann findet das Federkuchenfest (Federweißer und Zwiebelkuchen) samt seiner drumherum platzierten Aktivitäten in der Grünen Villa statt. Das macht bei Sonnenschein einfach viel mehr Spaß! Und wenn ich schon dabei bin: auch die Zeit nach dem Federkuchenfest darf wenigstens trocken sein, denn dann rücken Maler und Dachdecker an!

Reise, Reise!

13. August 2014

Frau Brüllen und Frau Gminggmangg sind, bzw. waren auf großer Reise mit ihren Familien und berichteten, bzw. tun das aktuell immer noch, detailiert und Lust machend davon. Große, lange Reisen sind also mit Kindern, auch mit kleineren Kindern machbar und scheinen richtig viel Spaß zu machen, ich bin ein bißchen neidisch.

Allerdings nur ein bißchen, denn ich bin ja gar kein Reisemensch. Ich stelle es mir immer ganz großartig vor, irgendwo unterwegs zu sein, irgendwo “fremd” zu sein, Neues zu entdecken und am Liebsten noch die Füße dabei in irgendein Meer zu stecken. Theoretisch. Denn sowie es an die konkrete Planung einer Reise geht, werden die Füße, die Sehnsucht nach dem Meer haben, ganz schön kalt. So lange soll ich von daheim weg? Wer füttert den Kater, wer gießt im Garten und was ist, wenn ein Unwetter kommt und wie kann man es eigentlich aushalten, so lange nicht in seiner vertrauten Umgebung zu leben? Ich habe da ein kleines Problem, das sehe ich selbst. Länger als eine Woche kann ich nicht unbeschwert verreisen, das reicht einfach nicht für exotischere Gegenden als das Allgäu.

Aber ich will hier gar nicht über meine exzentrischen Anwandlungen, die mit den Jahren immer doller werden, schreiben, ich will erzählen, wie wir früher mit den Kindern verreisten.

Anfangs verreisten wir mit den Kindern nämlich überhaupt nicht. Das lag zum einen daran, dass ich immer irgendwie sehr schwanger war oder wir gerade für sehr viel Geld ein Haus gekauft hatten und uns selbst den günstigsten Urlaub schlicht nicht leisten konnten. Auch zeitlich nicht, da wir sehr viel Zeit in die Renovierung stecken mussten. Unser Urlaub fand am Baggersee statt und noch heute vertrete ich die gewagte Theorie, dass es Kleinkindern nicht so sehr wichtig ist, ob sie mit karibischem Sand oder dem vom Baggersee buddeln. Hauptsache es ist Wasser dabei.

Wir verreisten mal über´s Wochenende, zelteten auf dem Gelände des Open Ohrs oder besuchten Freunde. Mit einem Gepäckvolumen, das auch einen mehrwöchigen Urlaub in wechselhaften Gefilden bedient hätte.

Als der Jüngste knapp zwei Jahre alt war (die Mittlere drei und der Große fünf) fuhr ich zusammen mit einer befreundeten Familie an die Nordsee in eine Ferienwohnung. Ich empfand diesen Urlaub nicht als sehr erholsam. Wir stapften im Watt herum, kullerten Dünen herunter, fuhren auf irgendeine Insel. Buddelten im Sand und ließen uns den Wind um die Ohren sausen. Es war schön, ja. Aber. Nicht wichtig? Keine Ahnung.

Wieder daheim stellte ich fest, dass unser Haus noch immer nicht fertig renoviert, der Garten dafür komplett zugewuchert war. Der beste Vater meiner Kinder war noch immer fest in der Firma eingebunden und ich kreiselte derart im ganzen Ruinen/Wildnis/Kleinkinder-Wirbel, dass ich einem Burn-Out entgegenrutschte. Und so fuhr ich wieder mit den Kindern weg. Diesmal an den Klopeiner See. Mit einem Nachtzug, sehr viel Stress und Chaos bei der Anreise und dann mit so etwas wie Ruhe und Erholung im Hotel. Einem Kinderhotel, das eine Kinderbertreuung anbot, die ich fast ohne schlechtes Gewissen halbtags in Anspruch nahm. Die beiden größeren Kinder wurden bespaßt, ich bespaßte nur noch ein Kind und hatte zudem die großartige Gesellschaft von zwei Familien, die ich bereits aus dem Internet kannte. Nach einer Woche fuhr ich mit der Gewissheit heim, dass es ein Heim geben würde, ich war ein bißchen erholt.

Das Jahr darauf fuhr die ganze Familie an die Nordsee. In ein Ferienhaus, denn wenn schon Urlaub, dann bitte in eine Unterkunft, in der wir nicht abhängig sind von geregelten Essenszeiten. Der Urlaub war toll. Wir fuhren Rad und Inliner, puhlten Krabben und ließen Drachen steigen. Verbrachten sehr viel Zeit miteinander, auch alleine als Paar, denn die Kinder spielten gerne auch ohne uns im Ferienhausgarten.

“Das machen wir wieder!”, versprachen wir uns, aber irgendwie kam es nicht mehr dazu. An der Nordsee waren wir seitdem nicht mehr.

Es begann die Campingplatz-Zeit. Natürlich wieder den Finanzen geschuldet, aber auch dem Wissen, dass es in Deutschland wunderbare Flecken gibt, die genau das bieten, was wir lieben: ein bißchen Wasser und gerne viel Wald. Und für ein bißchen Abenteuer das Schlafen im Zelt. Einige Jahre hintereinander landeten wir so immer wieder für knapp eine Woche auf dem gleichen Zeltplatz. Das mag für Sie eine echte Horrorvorstellung sein, die Kinder fieberten dem Urlaub entgegen! Edelsteine suchen! In den Teich springen! Noch mehr Edelsteine suchen! Und wir Eltern fanden Ruhe und Erholung, unsere Kinder glücklich im Bach Edelsteine suchen wissend. Wir unternahmen Ausflüge zu Burgen in der Umgebung, wanderten geocachend durch den Wald oder besuchten den Edelsteinschleifer. Und waren alle fünf nach einer Woche Campingleben froh und dankbar für den Luxus von Betten, Stühlen und einer Toilette in nächster Nähe.

Kurzurlaube wurden unser Ding. Wir wanderten durch deutsche Mittelgebirge und schliefen in Jugendherbergen oder stapften durch die Vogesen und schliefen im Zelt. Wenn das Wetter schlecht wurde, fuhren wir heim. Sogar einen Bauernhofurlaub haben wir gemeistert. NAch einer Woche auf dem Bauernhof fand ich michUnkraut jätend im Bauernhofgarten wieder. Lang wenig bis nichts tun kann ich nicht.

Einmal waren wir sogar zusammen in Spanien. In Andalusien. Damals, als eine Blogkollegin dort ein hübsches Hotel hatte. Zweieinhalb Wochen waren wir dort. Unserem Bedürfnis nach Ruhe und unter uns sein konnten wir nachkommen, weil wir den Schlüssel zu einem privaten Garten mit Pool bekamen. Dort hatten wir dann Familienurlaub. :) Ansonsten besichtigten wir Städte und Höhlen und Arenen und was man halt so im Urlaub macht. Speisten vorzüglich und einen Tag hüpften wir sogar ins Mittelmeer. Auf dem Heimflug bei der Landung verletzte sich die Tochter das Ohr und wir waren sehr lange in Sorge, ob der daraus resultierende Tinnitus dauerhaft bleiben würde. (er verschwand nach fast einem Jahr)

Wir wanderten in Bayern und dann wieder in den Vogesen und mittlerweile schickten wir die Kindelein ohne uns auf Reisen. Dieses Jahr sind wir nicht zu fünft verreist. Einmal waren wir über Silvester in Österreich, zusammen mit vier befreundeten Paaren und sehr vielen Kindern, die alle vormittags Skifahren lernten. Die Männer versuchten sich ebenfalls auf den Pisten, wir Frauen (allesamt orthopädisch vorbelastet) machten sehr lange Spaziergänge durch den wunderbarsten Schnee. Nachmittgas und abends saßen alle zusammen, spielten, kickerten, hatten Spaß. Kein Familienurlaub, aber ein Urlaub. Mit Schnee!

Ich bin immer wieder ein bißchen wehmütig und fast traurig, wenn ich diese wunderbaren Reiseberichte lese. Denke, dass ich meinen Kindern doch so viel mehr von der Welt hätte zeigen können. Reicht es, dass sie sich in den deutschen Mittelgebirgen ganz gut auskennen? Es fühlte sich immer richtig an, wir erholten uns alle und verbrachten eine wunderbare Zeit miteinander und das sollte es ja sein, worauf es letztlich ankommt. Die leise Stimme bohrt natürlich immer wieder. Und ich weiß, dass ich es nicht anders machen würde, gar nicht anders machen könnte. Ich verreise nun mal nicht so gerne.

Neulich fragte ich die Kindelein, ob sie etwas vermisst hätten. Das war natürlich eine idiotische Frage, denn wie kann man etwas vermissen, was man nicht kennt? Aber es entwickelte sich ein schönes Gespräch, in dessen Verlauf ich erfuhr, dass unsere Mini-Urlaube in sehr guter Erinnerung sind. Doch nicht alles falsch gemacht.

Don’t feed the trolls

6. August 2014

… aber das wissen Sie schon längst.
Ich will Ihnen heute nur rasch aufschreiben, wie ich mit den Trollen, den Menschen, die unangemessene, übergriffige Kommentare schreiben, verfahre.
Voran gestellt die Erklärung, was für mich unangemessen und übergriffige bedeutet:
- alles, was nichts mit dem Artikel zu tun hat, unter dem der Kommentar erscheint
- alles, was mich beleidigen soll
- alles, was über mich oder meine Familie behauptet wird
- alles, was mit “sagich@net.de” oder ähnlichen Mailadressen und Nicknames wie “genervt” o.ä. kommentiert wird.
Kurz: alles,was mir nicht in den Kram passt, weil -> mein Blog, meine Regeln

Tatsächlich veröffentliche ich in letzter Zeit die meisten Trollkommentare, weil ich finde, Sie dürfen die gerne auch lesen. Und damit mir niemand “Zensur!!” unterstellen kann, womöglich in einem weiteren Trollkommentar.
Wer zum ersten Mal hier kommentiert, muss warten, bis sein Kommentar freigeschaltet wird. Und da Trolle gerne viele und neue Namen/Mailadressen haben, landen sie brav immer in meiner Moderationsschleife. Dort lese ich sie dann und muss meistens grinsen. Manchmal aber auch nicht, dann beginne ich zu grübeln, was einen Menschen umtreiben muss, um sich so zu benehmen? Und wie sehr sich die ehemaligen Erziehungsberechtigten freuen würden, sähen Sie wie höflich und zurückhaltend ihr Sprössling im Umgang mit anderen agiert. Ich persönlich schämte, mich in Grund und Boden, benähmen sich die Kindlein derart. Egal. Der Kommentar steht jedenfalls da und automatisch beginne ich eine Antwort zu formulieren, denn natürlich ist das Bedürfnis, da etwas klarzustellen oder zu erklären sehr groß, obendrein bin ich ein Harmoniehörnchen und will, dass immer alle glücklich sind. Aber HALT! Don’t feed the trolls! Antworten sind wie Öl ins Feuer, selten wurde ich tatsächlich missverstanden, meistens will da jemand nur Wallung machen.
Ich klicke “veröffentlichen” und denke dabei “Vielleicht hilft dir das ja irgendwie, du armer Kerl.” Denn meistens sind es Kerle. Dem Namen nach, jedenfalls. Ich will gar nicht ausschließen, dass mache Frau sich mit einem Männernamen tarnt und ihrem aufgestauten Frust über irgendwas damit leichter Luft machen kann. Liebe Trolle, ich verstehe Euch ja, manchmal ist das Leben einfach Scheiße und dann muss man das an irgendwem auslassen. Wenn es Euch hilft …
Was ich nicht veröffentliche, sind Kommentare, die sich auf eine Familie beziehen. Frau Brüllen beschrieb vor einiger Zeit ihren persönlichen Troll, der sich vorzugsweise mit äußerst unpassenden Kommentaren zu und über ihre Kinder austobt. Der wird nicht freigeschaltet, auch bei mir nicht. Dafür landen er und seine Kollegen aber in einem Ordner, denn wer weiß, ob ich ihre goldenen Worte nicht doch noch einmal brauchen kann.
Einen solchen Ordner gibt es auch für die immer häufiger werdenden Troll-Mails. Statt unter einem Artikel zu kommentieren, wird mir meine ganz persönliche Botschaft ins Mailfach gesendet. Eher selten wird sie dort heraus veröffentlicht, außer mal so nebenbei bei Twitter. Sollen sich doch andere auch darüber amüsieren. Der Frust der Mailschreiber scheint schon über die Maßen groß zu sein, dass extra der Schritt zum Mailprogramm gemacht wird und wie schade für den Troll, dass er dann letztlich kaum Beachtung findet.

So ist es, dieses kuschelige, flauschige Internet. Doch da noch immer deutlich mehr Menschen freundliche Worte finden, wird mir der Spaß nicht verleidet. Ich veröffentliche auch weiterhin die unfreundlicheren Kommentare, so ich sie vertreten kann und plädiere nicht nur für “Don’t feed the trolls!” sondern auch für “Mitleid mit Trollen, weil die haben’s wohl ziemlich schwer!”