Wenn einer eine Reise tut …
15. Mai 2013
dann kann er was erzählen.
Ich bin gereist. Von Nierstein nach Berlin, von dort nach Jever und dann wieder zurück. Mitgebracht habe ich einen vollen Kopf, einen Koffer voller Stoffe und eine Menge Schnupfenviren, die mich erstmal zwei Tage ins Bett schmissen. Und obendrein neue Erlebnisse mit verschiedenen Bahnen.
Auf der Hinfahrt nach Berlin lief alles glatt Ich stieg in Frankfurt aus der S-Bahn, erstand einen Pappbecher Kaffee zum Mitnehmen und merkte lässige zehn Minuten vor der Abfahrt, dass ich am falschen Gleis stand. Der ICE fuhr ohne Verspätung oder Ausfälle ein paar Stunden später im Berliner Hauptbahnhof ein, in dem ich mich dann auch prompt verirrte. Ein halbe Stunde irrte ich Rolltreppen hoch und runter, bis ich dann endlich die S-Bahnen ganz oben entdeckte. Solch einen schlecht ausgeschilderten, verwirrenden Bahnhof habe ich bisher noch nie gesehen.
Während meines Aufenthaltes in Berlin traf ich einige skurile Gestalten in S- und U-Bahnen. Da war zum Beispiel die Frau, die eine Art Schaffell auf dem Kopf trug: eine etwa hüftlange, wasserstoffblonde, zu dreadlocks verfilzte Matte, aus deren Ende sie gewissenhaft Dinge zupfte. Dazu trug sie viel Pink und etwas Hello Kitty.
Am Bahnsteig war es ein gruseliger Typ, der Frau Brüllen und mich immer enger umkreiste und uns diverse Fetische andichtete.
Ebenfalls am Bahnsteig ein Horde jugendlicher bis mittelalter Fußballfans, die uns erst dann unheimlich wurden, als sie begannen, Böller zu zünden. Meine Ohren fiepen, wenn ich daran denke.
Auf meiner Fahrt von Berlin nach Jever wurde es dann richtig spannend. In Hannover musste die Lok ausgetauscht werden, weswegen der IC eine Stunde im Bahnhof stand. Langsam machte sich bei den Mitreisenden eine leichte Panik breit, denn viele wollen in Oldenburg Fähren auf die Inseln erreichen. Die Durchsage “Fahrgäste, die das Fährschiff erreichen wollen, melden sich bitte beim nächsten sehenden Zugbegleiter!” trug nicht zur Beruhigung, aber immer zur Erheiterung bei.
Die Verspätung führte dazu, dass ich in Oldenburg knapp eine Stunde auf meine Regionalbahn warten musste. Zusammen mit einem Trupp sehr alkoholisierter Männer auf Männertag-Tour, die mir gerne mitteilten, was Rothaarige besonders gut können. Ich wiederhole dies hier nicht.
In Sande stieg ich in die nächste Regionalbahn nach Jever. Leider sollte diese Bahn wegen eines Gleisschadens nicht in Jever ankommen, eine Station vorher mussten alle aussteigen und auf dem Bahnhofsvorplatz in den Schienenersatzverkehr einsteigen. Dieser entpuppte sich als Transporter, der knapp fünfzehn Menschen einlud und verschwand. Ungefähr vierzig blieben zurück und warteten.
Kurze Abwechslung bot der herbeigerufene Krankenwagen, der einen stark betrunkenen Mann einsammelte. Und der Punk, der deftig und saftig die Bahn, das Land, das Wetter und “all den Schiet hier” verfluchte, er wäre lieber auf´s Hamburger Hafenfest gegangen, statt Mama und Papa zu besuchen, teilte er lautstark mit.
Gerade als ich ein bißchen verzweifeln wollte, fuhr ein Taxi vor. “Wer will nach Jever?”, fragte der Taxifahrer und außer mir meldeten sich nur noch drei weitere Mitreisende. Wir nahmen im Taxi Platz und nach Rücksprache mit der Zentrale wusste der ahrer dann auch, wo das Ferienhaus Hannelore zu finden sei und ich wurde direkt vor der Haustür abgesetzt. Ein wenig erschöpft.
Auf dem Heimweg stieg ich erst in Ürdingen wieder in den Zug Richtung Duisburg. Eine sehr volle Regionalbahn, ich stand direkt an der Tür. Eine Frau schmiegte sich an mich und flüsterte mir “Entschuldigung, dass ich nicht angerufen habe.” ins Ohr. “ist ok”, sagte ich und sie zog beruhigt weiter zum nächsten.
In Duisburg wartete ich auf meinen IC Richtung Mainz. Eine Durchsage informierte, dass der Zug sehr überfüllt sei, man möge sich bitte alternative Züge suchen. Das wollte ich nicht und deshalb stand ich bis Bonn, ab dort hatte ich einen Sitzplatz. Einen mit direkten Blick auf den Mann, der sich plötzlich den Gürtel aufschnallte, um sich besser am Hintern kratzen zu können. Aber sonst passierte nix. Wir kamen an, ich stieg aus, begrüßte den besten Vater meiner Kinder, ließ mich heimfahren, duschte, aß und schlief die oben erwähnten zwei Tage lang.
Was ich zwischen den ganzen Fahrten tat berichte ich dann morgen.
Technik, tückische.
27. April 2013
Es gibt da ja Gerüchte: Geräte seien so manipuliert, dass sie mit Ablauf der Garantie kaputt gingen.
Oder dass immer drei Geräte – gerne große, wichtige Geräte wie Kühlschrank, Waschmaschine und Staubsauger – gleichzeitig den Geist aufgäben. Gerade Letzteres hat fast jeder schon erlebt, denn der Zeitrahmen innerhalb dem die drei Geräte kaputtgehen, ist nicht genauer definiert.
Darf ich Ihnen von meinem neuen, faszinierenden Gerätephänomen erzählen?
Ich besitze ein (nahezu antikes) iPad. Eines, das nicht mal photographieren kann. Und nur im heimischen WLAN ins www geht. Hab ich mir damals gekauft, weil ich es schick und praktisch fand und weil ich mir noch nie einen niegelnagelneuen Computer selbst gekauft habe, immer nur “abgetragene” Laptops vom Gatten erbte.
Schick finde ich es immer noch, zufrieden bin ich auch und wenn ich regelmäßig lösche, was ich nun doch nicht mehr spielen/schauen/lesen/wissen will, reicht sogar der Speicherplatz. Mein iPad, oder wie ich es nenne “Päddiii” (mit sehr langem i) entwickelt aber seit Neuestem Marotten, die mir die Handhabung etwas erschweren. Saß ich früher zum Beispiel abends auf dem Sofa und daddelte ein bißchen, hing Päddiii am Ladekabel. Wenn ich jetzt auf dem Sofa sitze und Päddiii ans Ladekabel hänge, erfahre ich, dass das Aufladen mit diesem Gerät nicht unterstützt wird. Nehme ich aber eben jenes Ladekabel und stecke es in die Küchensteckdose, ist Päddiii glücklich und wird satt. Gleiches Ladekabel im Wohnzimmer füttert aber auch mein Phone ohne dass dieses murrt. Faszinierend.
Lade ich eben Päddiii immer in der Küche, dachte ich mir. Ist ja kein großes Problem.
Bis die Küchensteckdose oder der Strom aus der Küchensteckdose plötzlich nicht mehr genehm waren. Vielleicht ist Küchenstrom zu hochkalorisch? Zu fettig?
Päddiii lädt nun im Nähzimmer. Manchmal auch im Schlafzimmer. Dort scheint es guten Strom zu geben.
Wahrscheinlich zuckt Ihnen schon der Kommentarfinger und sie wollen etwas wie “mal das Ladekabel überprüfen?” oder “Wackelkontakt!” oder “da stimmt was mit der Anschlussbuxe nicht!” schreiben, doch da komme ich Ihnen zuvor! Verschmähte Ladekabel funktionieren in Näh- und Schlafzimmer, egal ob originale Apfelkabel oder die nachgebauten aus dem Discounter. Alle Kabel funktionieren mit meinem Phone und den Gastphones, die ab und an hier laden. Einzig Päddiii will weder Wohnzimmer- noch Küchenstrom, egal mit welchem Kabel, egal ob der Stecker links- oder rechtsrum in der Steckdose steckt oder ob beim Einstecken Beschwörungsformeln gemurmelt werden. Selbst der Vollmond oder die Staubratten unter dem Sofa nahe der Steckdose sind ohne Einfluss.
Ob dieses Phänomen nun ein genialer, quasi posthumer Streich von Mister Jobs ist, der mich zum Kauf eines neueren Produkts bewegen will oder ob möglicherweise ein von uns verschmähter Stromlieferant dahintersteckt, eventuell die Illuminaten oder gar Außerirdische – ich werde berichten.
Bis dahin sehe ich die Sache pädagogisch: gehe eben früher ins Bett oder halte mich mehr im Nähzimmer auf. Beides gut.
Keksdosenhals
26. April 2013
Kennen Sie den Ausspruch “Ich hab nen Hals wie eine Keksdose?” Er bedeutet nichts anderes, als dass man ziemlich wütend ist. Jetzt wissen Sie es. Und mein Hals hat Keksdosenformat. Dies vorangestellt.
Nach wie vor trudeln täglich Anfragen von potentiellen Kooperationspartnern, Agenturen, Versandhandel in mein Postfach. Ihnen gefällt mein Blog und sie sind sich total sicher, dass genau ihr Produkt oder das ihres Kunden supergut in mein Blogkonzept passt und das die Aufmachung und der Inhalt meines Blogs sowieso grandios sind und begeistern. Ich lächele dann müde, lese kurz quer und denke jedes Mal “Recherche rulez!”, wenn mir Stillkissen, personalisierte Babyshirts oder Spielekisten angeboten werden. Und versenke die Mail unbeantwortet im Papierkorb, wissend, dass sie an viele, viele Blogs ging. Vielleicht freut sich wirklich jemand über das Angebot und nimmt es wahr.
Neulich fischte ich eine echte Karte aus Papier aus meinem echten Briefkasten aus Metall an meiner echten, grünen Hauswand: super Blog und ob man mir Fimmaterial zusenden dürfe. Über Geburten. Das war dann beinahe noch witzig.
Aber wie es halt so ist, manchmal werde ich schwach. Vor allem dann, wenn es nicht um blöde Gutscheine oder Krimskram geht, sondern Bares lacht. Und ist der gebotene Betrag dann noch so, dass ich denke: “och jo, schnell verdientes Geld!” und die geforderte Leistung im Rahmen, heisst keine Werbung für völlige Absurditäten, dann sage ich zu. Schreibe einen hübschen, kleinen Artikel, packe brav den verabredeten Link hinein, schicke den Artikel zum Abnicken, veröffentliche, schicke eine Rechnung und sage artig “Danke für die schöne Zusammenarbeit, gerne wieder!” und warte auf mein Geld. Schaue nach drei Tagen auf mein Konto, nach einer Woche und danach täglich. Nach zweieinhalb Wochen frage ich freundlich nach, nach drei Wochen angesäuert. Kein Geld, keine Rückmeldung auf die letzte Mail.
Und dann sitze ich mit Keksdosenhals am Rechner und könnte platzen, weil mir da so langsam die Mittel ausgehen. Den Link nehme ich aus dem Artikel, aber der Artikel ist längst im Archiv, kein Hahn kräht mehr danach. Was bleibt da noch? Ich könnte natürlich schreiben, wer mir da Geld schuldet, doch ich weiß, dass es viele Leser gibt, die nur querlesen, den Namen aufschnappen würden und in den Kommentaren meckern würden, dass sie dort auch bestellt haben und enttäuscht waren. Und dann müsste ich wiederum sofort klarstellen, dass ich nicht sauer über eine Fehllieferung oder sonsstige Serviceleistungen bin, sondern “lediglich” darüber, dass man mir Werbung nicht bezahlt hat.
Tja. Und nun?
Elterntanzstunde
19. April 2013
Der Termin rückte unaufhaltbar näher: die Elterntanzstunde. Gedacht, um das Tanzkönnen der Eltern der Abschlussballkinder aufzufrischen, damit sie elegant neben ihren Sprösslingen über die Tanzfläche wirbeln können. Insbesondere wichtig für den besten Vater meiner Kinder, wenn nämlich der große Moment kommt, da der Vater mit der Tochter Hacke-Spitze-Polka tanzen muss.
Einschub: ich bin ein Meister im Reinsteigern. Ich mag keine Menschenansammlungen in sehr kleinen Räumen. Ich habe Probleme mit bestimmtem Licht.
Gestern abend war es also soweit. Die Kleidungsfrage stand nicht aufdringlich im Vordergrund, aufbrezeln müssen wir uns erst nächste Woche Samstag. Ich wählte also Rock und Chucks, der beste Vater Jeans und Hemd, dazu allerdings die “feinen” Schuhe, um das “Tanzgefühl dafür zu bekommen”. Seine Füße sahen äußerst fremd aus. Und ich hatte kalte Hände, allerdings nicht wegen unbändiger Vorfreude.
Einschub: ich will nichts lernen, ich will es können. Wenn ich etwas nicht kann, habe ich das Gefühl, dass alle gucken und kichern. Ich weiß natürlich, dass das völliger Quatsch ist, werde das mulmige Gefühl trotzdem nicht los.
Auf dem Weg zur Tanzschule trafen wir bereits auf einige Elternpaare. Eigentlich waren es die Männer, die missmutig dreinschauten, die Frauen waren schick gekleidet, mit stöckeligen Schuhen und erwartungsvoll geröteten Wangen. Ich fühlte mich underdressed und unwohl deswegen.
Im Foyer der Tanzschule warteten der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib zusammen mit ca. 25 anderen Elternpaaren auf den Beginn des Kurses. Ein enges Foyer, für weitaus weniger Menschen gedacht mit freiem Blick durch eine Glaswand auf eine ziemlich kleine Tanzfläche. Dort tanzten zu lustiger Discokugelbeleuchtung etwa zehn Paare. Angefeuert von einem Tanzlehrer und nein, Begeisterung schwappte nicht rüber. Das war alles irgendwie piefig und miefig. Ich stand in meine Ecke gedrückt, konnte, nein – wollte die Jacke nicht ausziehen und bekam langsam Atemnot. Der beste Vater meiner Kinder schaute ein kleines bißchen besorgt, weiß er doch um meine Macken. Doch noch war ich voll des guten Willens, diese Sache durchzuziehen.
Zehn Minuten später gingen wir. Ich hatte es nicht geschafft, niemand hätte mich auf diese oder eine andere Tanzfläche gekriegt.
Das war nun nicht der gewünschte Abschluss des Abends und als uns die Tochter mit einem fröhlichen “na ihr Tänzer!” begrüßte, fühlte ich mich wie ein echter Versager. Zum Glück weiß auch meine Tochter um meine Macken und obendrein ist sie ein ungemein positiver, zupackender Mensch. “Dann bringe ich euch das eben bei!”, erklärte sie und schnappte sich ihren großen Bruder als Vorführobjekt. Der zeigte sich zwar willig doch tappsig und so endete dieser Abend noch ganz grandios und fröhlich in unserem Wohnzimmer. Cha-Cha-Cha kann ich jetzt und den langsamen Walzer. Die Tochter erzählte irgendwas vom Bierkastentanz und behauptete, dass Samba wirklich ganz leicht ist.
Nun ja. Wir haben ja noch anderthalb Wochen und eigentlich muss ja nur der beste Vater meiner Kinder zeigen was er kann. Ich könnte ja bei der Elterntanzrunde mal dringend auf´s Klo müssen.
kurz.
10. April 2013
Eigentlich sitze ich am Rechner, weil diese Kolumne da geschrieben werden will. Klappt aber nicht, weil es eine schreckliche Vorgabe gibt: 2500 Zeichen. Heute morgen schrieb ich munter drauf los, schwafelte, beschrieb und benutzte heißgeliebte Füllwörter. Irgendwann kurz vor der Pointe stellte ich fest, dass ich bereits über 3000 Zeichen getippt hatte. Mist. Ich begann zu löschen, umzuformulieren, neue Sätze zu bilden, Passagen wegzulassen und speicherte schließlich entnervt unter “später überarbeiten”.
Beim nächsten Versuch war ich gehemmt. Hatte die magischen 2500 Zeichen im Hinterkopf. Und endete unter 2000 mit einer Geschichte, die mir nicht gefiel, die nicht rund war und völlig unlustig. Ich speicherte unter “später überarbeiten” und ging das Wunschessen des jüngsten Sohnes kochen: eine Tomatensuppe mit Kokos und Ingwer, dazu frisches Naanbrot. Das klappte gut, die Suppe kochte nicht über, der Teig für´s Brot ging wunderbar auf und der Jüngste aß begeistert.
Nach dem Mittagessen grübelte ich über ein neues Thema oder wenigstens über Variationen zum bereits geschriebenen und schlief darüber auf dem Sofa ein. Alte Menschen brauchen eben ein Nickerchen. Die Inspiration kam nicht im Schlaf, weswegen ich Aufschieberitis entwickelte und mich quer durch meine Lieblingsblogs las.
Besonders gefallen hat mir, was Frau Bogdan schreibt: “Besser ist das” heißen die Artikel, die eine ganze Serie werden.
erster Teil: Einleitung
zweiter Teil: Fleisch
dritter Teil : Gemüse
Sie schreibt ziemlich genau das, was mir seit Tagen/Wochen/Monaten zum Thema Ernährung im Kopf herumschwirrt. Seit ich relativ plötzlich eine Lactose-Unverträglichkeit entwickelt habe und ein bißchen genauer darauf achten muss, wie ich koche und was ich esse. Vielen Dank, Frau Bogdan, ich freue mich auf die Fortsetzung(en).
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Und weil ich manchmal ein bißchen böse bin, prophezeie ich hiermit, das HSP das neue ADHS ist, dass das neue Indigokind, dass das höchstbegabte Kind war. Ich las einen sehr eindringlichen, aufrüttelnden Blogartikel einer Mutter eines betroffenen Kindes und amüsierte mich, nachdem ich kräftig geschluckt hatte, folgend über die Reaktionen. Offenbar gibt es rasend viele HSP-Kinder und -Mütter.
Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie diese “Wellen” durch das Netz schwappen und es direktpassende “Bin ich selbst/ist mein Kind …”-Tests dafür gibt.
(Bitte befragen Sie Herrn Google, wenn Sie oben genannte Begriffe nicht kennen.)
Liebe Mutter des betroffenen Kindes, die Du hier vielleicht liest und nun sauer bist: ich mache mich nicht über Dich lustig, das könnte ich mir nie erlauben, denn ich war heilfroh, als mein anderes Kind, damals eine Art Diagnose bekam. So konnte wenigstens mir und anderen Vieles erklärt werden. Geändert hat die Diagnose natürlich nichts, denn zu wissen was es ist, ist keine Lösung von Problemen. Euch alles Gute!
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Mittlerweile habe ich meinen Schreib-Motivations-Tee fast ausgetrunken und aus dem “kurz.” ist eine “eher lang” geworden, im Aufschieben bin ich heute wirklich spitze.
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Ich wollte es ja lassen. Nein, besser: ich SOLLTE es ja lassen, doch ich werde trotzdem nochmal über den dicken Martin schreiben, denn obwohl ich längst weiß und oft erfahren habe, dass Trolle nicht gefüttert und polarisierende Themen nicht bedient werden dürfen, es ist mir ein Bedürfnis. Auch die Menschen, die hier wirklich freundliche Dinge schreiben, mit denen sie mich vor lästernden Pralinen (siehe Kommentare letzter Artikel) verteidigen wollen, kennen mich nicht. Und deshalb danke ich freundlich, bitte aber darum, mich nicht zu verteidigen.
Wir haben uns entschieden, dass ein kranker Kater bei uns nicht gut leben kann. Er sollte kein Freigänger sein, damit man seine Urinmengen kontrollieren kann. Und kontrollieren kann, was er frisst. Hier gibt es eine Katzenklappe, durch die einige Katzen ein- und ausgehen, die darf nicht geschlossen werden. Martin hat sein spezielles Diätfutter hier gefressen, doch ich bin mir sicher, dass er sich bei den Nachbarn am Napf mit für ihm “bösem” Futter vollgestopft hat, denn er fraß eher wenig. (was gutes und böses Futter ist, ist schon wieder ein Diskussionsthema. Mist.) Obendrein hatte er ziemlich Stress, weil er die defensivste Katze der Welt ist und alle anderen hier bei uns und in der Gegend lebenden Katzen das wussten und scheinbar toll fanden. Auch der süße Franz. Hätte ich Franz weggeben, weil er den Martin kloppte, wie hätten Sie dann reagiert? Mir homöopathische Tropfen angeboten? Harmonisierende Massagen oder Bioresonanzschlafkörbchen empfohlen? Wir haben beinahe alles ausprobiert, nebenbei bemerkt.
Diese junge Tierärztin, bei der er jetzt lebt, wird keine Versuche mit ihm veranstalten. Und sie wird ihn auch nicht über Gebühr quälen. Und ich vetraue darauf, dass sie weiß, wann es genug ist. Ich persönlich halte sie sogar für ein bißchen zu idealistisch, denn sie wird wohl noch lernen müssen, dass sie nicht jedes kranke Tier retten kann.
Was Informationen über Martin anbelangt: in einem Jahr muss Franz zur Auffrisch-Impfung. Vorher … erfahren wir nichts. WOLLEN wir auch nichts erfahren. Das Kapitel Martin ist beendet. Er fehlt uns, wir vermissen seinen Eulenblick und sein wimmerndes “MiiiIIIiii”, wenn er schier am Verhungern war. Wir wünschten, wir könnten sein unglaublich zartes, dichtes Fell kraulen und an der Kehle fühlen, ob er schnurrt. Wir haben einige Katzen verloren, seit wir unter die Haustierbesitzer gegangen sind und jedes Mal war es schlimm. Und jedes Mal ging das Leben weiter, denn jedes Mal war es eben … nur ein Tier. Ein geliebtes zwar, aber nicht unser einziger Lebensinhalt. So sind wir. Das ändern Sie nicht. Und Sie auch nicht.
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Es fehlt noch ein munterer, humoristischer Satz, der das “kurz.” abrundet, doch mir will nichts einfallen. Außer vielleicht: ich lerne jetzt häkeln. (kein verspäteter Aprilscherz.)
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Und weil es so schön ist und so wahr. Der Herr Kinderdok zum Thema Twitter. Fühlen Sie sich gefavt.
Heute.
9. April 2013
Das Tagebuchbloggen von neulich fand ich gut, wollte ich weitermachen. Und den Vorsatz nicht direkt vergessen, aber es waren ja auch Osterferien.
Heute dann mal wieder.
Ein sehr anhäglicher roter Franz sprang heute morgen in mein Bett und brachte mir den halben Garten zwischen seinen Zehen mit. Die Bettlaken muss ich direkt waschen, bevor die Outdoormarke mit dem Wolf mich abmahnt. Oder den Kater.
Ich schimpfte sehr laut, der Kater schnurrte und strich mir um die Beine. Zur Belohnung füllte ich seinen Futternapf und ging ins Bad. Als ich zurück in die Küche kam, stand Franz auf dem Tresen (verboten!) und leckte meine Kaffeetasse aus (sehr, sehr verboten!) Schuldbewusst sprang er vom Tresen noch bevor ich erneut schimpfen konnte und entwischte in den Garten, um sich Drecknachschub für ein weiteres Bett zu besorgen.
Ich kippte den restlichen Kaffee-mit-Katerspucke weg und radelte zum Weltladen.
Vor der Weltladentür wartete eine Menge Arbeit auf mich. Eine Lieferung von El Puente, Geschirr, Handwerk und Lebensmittel, vier sehr große Pakete. Ich wuchtete die Pakete in den Laden und begann den Ladendienst so, wie er immer beginnen soll: Kassenkontrolle. Heute erwartete mich ein Zettel von einer Kollegin: “Die Kasse stimmt nicht!” “Hurra!”, dachte ich und wollte heimgehen. Nach nur einer halben Stunde Rechnerei und Sucherei hatte ich den Grund für die Differenz von 52,-€ gefunden, die vorherige Tagesbilanz entsprechend korrigiert und die erste handvoll Gummibärchen, fairgehandelt, verspeist.
Vier Pakete warteten auf mich. Pakete auspacken ist toll, ein bißchen wie Weihnachten. Allerdings nur dann, wenn man sich die Arbeit teilen kann. Heute war niemand zum Teilen da, ich musst allein ran: Artikel auf dem Lieferschein suchen, abhaken, auf Schäden hin kontrollieren, den Preis ausrechnen und diesen am Artikel anbringen. Und den Artikel so im Laden dekorieren, dass er gut gesehen und gerne gekauft wird. Freundlicherweise hatte Oma Eis bereits einen Teil des Schaufensters leergeräumt, so dass ich neue Ware erstmal dort stapeln konnte. Viele neue Tassen, Teller und Schüsseln, Teelichtgläser und Körbe. Der Berg Verpackungsmaterial um mich herum wuchs, denn jede Tasse ist in Noppenfolie gehüllt und in einen Karton gesteckt. Der Verkaufstresen verschwand unter Noppenfolie, der erste leere Karton wurde direkt mit Umverpackungen befüllt. Zwischendurch verlor ich meine Schere (einmal im Plastikmüll, einmal unter den neuen Körben) und eine Kundin kam mit speziellem Wunsch: ihre Freundin habe in einem anderen Laden eine tolle Kette gekauft, ob wir diese auch hätten?! Im Laden nicht, wir suchten gründlich. Und auch das Durchforsten sämtlicher Kataloge führte zu keinem Ergebnis. Ich verwies auf die Möglichkeit, direkt im Internet zu suchen und zu bestellen, doch “das mit dem Internet” mochte die Kundin nicht so. Sie beschloss im Internet zu suchen und dann mit genaueren Informationen wieder zu kommen, damit wir bestellen können.
Mittlerweile hatte ich alles ausgepackt, erfreulicherweise gab es keinerlei Beanstandungen. Das Verräumen des “Zeugs” stand an und kurzfristig war ich etwas verzweifelt, denn es gab keinen Platz. Sämtliche Regale waren voll, das ehemals freigeräumte Schaufenster nun kreuz und quer und unansehlich vollgestellt mit neuer Ware. Ich kochte mir einen Kaffee.
Und begann, frisch gestärkt, Regale leerzuräumen, umzuräumen (ein bißchen Staub zu wischen) und neu einzusortieren. Dabei wurde ein weiteres Schaufenster (der Laden hat drei) frei, das ich nun ebenfalls dekorieren musste.
Eine Kundin betrat den Laden. Einen Ring wollte sie haben, für ihre Freundin. Sie wurde auch schnell fündig, steckte sich den Ring an und fragte, ob ich mir vorstellen können, dass der Ring am Finger ihrer Freundin hübsch aussehe. Das konnte ich weder bejahen noch verneinen, da ich weder Kundin noch Freundin kannte, deshalb lächelte ich freundlich und beschränkte mich auf ein eher unverbindliches “sehr schöner Ring, ich kann mir nicht vorstellen, dass er irgendwem nicht gefiele.” Sie kaufte den Ring und bat um Verpackungsmaterial, damit sie ihn nach Lanzarote schicken kann. Ich reichte Noppenfolie (hatte ich zufällig zur Hand ;)) und empfahl das XS-Päckchen von der Post.
Ich dekorierte das erste Schaufenster mit neuen Drahtkörben und Teelichtgläsern, verkaufte nach kurzem Beratungsgespräch zwei Gläser Honig und begann, dass fröhlich-bunte Sommergeschirr in das mittlere Schaufenster zu dekorieren. Danach gefiel mir das dritte Schaufenster nicht mehr, weswegen ich dieses noch rasch umräumte, ein weiteres Regal in Ordnung brachte und zufällig auf die Uhr schaute. Mein Ladendienst war seit einer halben Stunde vorüber.
Etwas hektisch brachte ich die mit Verpackungsmüll befüllten Kartons ins Lager (keine Zeit mehr für die Entsorgung), schob noch Wegzuräumendes in eine Ecke hinter dem Tresen, schloss den Laden ab und raste nach Hause.
Dort beschloss ich, dass Nudeln (nicht Vollkorn) mit Pesto (gekauft, aus dem Glas) mit Parmesan (immerhin selbst zu reiben) ein wunderbares Essen abgäben, zumal ich knapp zehn Minuten hatte, bevor hungrige Kinder die Grüne Villa stürmen.
Während das Nudelwasser heiß wurde, räumte ich die Spülmaschine aus und wieder ein, begrüßte das erste Kind räumte auf und weg und hin und her, goss irgendwann gare Nudeln in ein Sieb, setzte mich mit dem einen Kind schon mal an den Tisch, während das zweite gerade das Fahrrad abstellte, schaufelte eine Schüssel Nudeln mit Basilikumpesto in mich hinein, stellte die typischen Mütterfragen (wie war’s, was hast du gelernt, hast du viel auf, bin ich deine Lieblingsmutter?), räumte mein Geschirr in die Spülmaschine (und die Kinder ihres), überließ das Abwischen des Tisches den Kindern und radelte erneut in den Weltladen, um das zu erledigen, was vom Morgen liegengeblieben war.
Nach einer knappen Stunde war ich fertig, radelte wieder heim und wurde dabei gründlich nassgeregnet. Das dritte Kind kam heim, genauso nassgeregnet, beantwortete die typischen Mütterfragen (siehe oben) und ich gönne mir eine halbe Stunde Pause. Mit Tee und Tagebuchbloggen, bevor Katzentatzenwäsche wartet, ein Bad geputzt werden will, ein Kind beim Packen unterstützt werden muss, ein weiteres Kind Richtung Judo-Training geschubbst und das letzte Kind daran erinnert werden muss, dass es sich zur Theorieprüfung anmelden muss. Einen Orthopädietermin muss ich absagen, weil ich ihn nicht mehr brauche (kein neuer Knubbel mehr!!), leider ist dauernd besetzt. Dafür ist der Kater gerade wieder reingekommen, pietschnass, mit Schlammpfoten und ich sollte nun augenblicklich die Schlafzimmertür schließen.
Heute Abend … Sofa. Und noch habe ich den Vorsatz, früh ins Bett zu gehen.
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Sie fragen nach Martin, das ist sehr freundlich. Wir wissen nichts. Wir haben mit der Tierärztin einen Abtretungsvetrag unterschrieben, Martin ist nicht mehr unser Kater. (das ist gut, richtig und wichtig, lange durchdacht und für alle Beteiligten, auch den süßen, dicken Kater, den wir sehr vemissen, das Allerbeste. Soviel zur Rechtfertigung, mehr gibt es dazu auch nicht.)
Ich sag dir was,
25. März 2013
was du nicht wissen willst.
Über manche Dinge darf man im kuscheligen Kleinbloggersdorf nicht schreiben. Es sei denn, man ist wirklich scharf drauf, sich plötzlich im Mittelpunkt angeregter Diskussionen zu befinden. Ich sollte das wissen, ich blogge seit zehn Jahren. Verbotene Themen sind: impfen, stillen, Kinder tragen, Hausgeburt, jedes Kind kann schlafen lernen, überhaupt jedes Thema, das nur annähernd mit Erziehung zu tun hat, vegetarische/vegane Ernährung, die eigene Gesundheit, Haustiere und deren Pflege + Ernährung und Damenhygieneartikel. Letzteres führt nur zu Empörungsgetue, weil pfui-bah.
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Ich vergaß also das, was ich wissen sollte und schrieb über den dicken Martin. Über eine schwere Entscheidung, die wir getroffen haben. Ich schrieb nicht: “He, ho! Unser Kater ist krank, wir wollen ihn loswerden, wie seht Ihr das denn so?” Und trotzdem kommen, neben so vielen warmherzigen, freundlichen Worten (DANKE dafür!), Kommentare und sogar Mails, die mir/uns genau diese “Flappsigkeit”, “Herzlosigkeit” und “mangelnde Tierliebe” unterstellen, die mir unerwünschte Ratschläge aufdrängen oder gar vermitteln: selbst schuld, weil hättest du dein Tier bei Vollmond mit linksgerührter Mauseschwanzsuppe gefüttert, dann wäre das nicht passiert. Ich mach das so und deshalb lebt mein Tier immer noch, obwohl es vor siebenundvierzig Jahre aufgegeben wurde.
Mir drängt sich die Frage auf, woher diese Besserwisserei kommt? Nein, besser gefragt: wie kann irgendwer auf die Idee kommen, seine Besserwisserei einem anderen als Alleinseligmachend zu verkaufen? Das gibt es nur hier in Kleinbloggersdorf. Im echten Leben ist es mir niemals passiert, dass eine andere Mutter mir bittere Vorwürfe machte, weil ich meine Kinder bereits vor Kindergarteneintritt abgestillt hatte. Und im Kinderwagen schob. Und mit Löffelbiscuits fütterte. Und nicht streng vegan lebe, sondern durchaus auch ovo-lakto-steako, wenn es mir danach gelüstet. Und meine Kater mit Trockenfutter UND Nassfutter UND rohem Fleisch UND runtergefallenen Nudeln UND Meisen füttere.
Vielleicht hat sich manch andere Mutter gedacht, dass das schon sehr merkwürdig ist, wie wir mit unseren Kindern umgehen, belehrt oder gar mit hochgezogener Augenbraue “das kommt davon …” sagend verurteilt hat mich keine. Braucht es also die Kommentareingabemaske, um das höfliche Miteinander auszuschalten? Damit man vergisst, dass man mit auferzwungenem Rat viel zu nahe tritt und unterstellt, keine Ahnung vom Thema und/oder sich wenig bis keine Gedanken dazu gemacht zu haben.
(Das wirklich Schlimme ist, dass ich diese Verhaltensweise mittlerweile an mir selbst entdecke. Wenn ich als, Beispiel rausgegriffen (Beispiel! Willkürlich!), manch “Mütterblog” lese. “Ihr erfindet das Rad nicht neu”, möchte ich kommentieren. Oder gerne auch “in zehn Jahren ist das wirklich völlig egal, ob das Lätzchen deines Kindes Karottenflecken hatte oder nicht.” Oder, am Schlimmsten: “ja meine Güte, erst wolltest du die Plagen und jetzt jammerst du in einer Tour.” Ich bin scheinbar so zufrieden und glücklich mit dem, was wir erzieherisch erreicht haben, dass ich das natürlich weitergeben möchte. Bin mittlerweile so weit weg von diesem Leben mit den süßen Kleinen, dass es mir fremd geworden ist. Und damit tappe ich beinahe in diese Kommentarfalle, die ich hier anprangern will. Es ist schwer, dann einfach NICHT zu kommentieren, aber wirklich besser so. Nichts schreiben. Oder nochmal nachlesen: steht irgendwo im Blogartikel: Haben Sie Tipps, Ideen, Ratschläge? Wie würden Sie das machen?)
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Ich bin oft in Versuchung, die Kommentarfunktion einfach abzuschalten. Dann tue ich es aber doch nicht, weil ein, zwei, drei doofe Kommentare untergehen, zwischen zehn, fünfzehn, dreissig freundlichen. Und ich arbeite daran, diesen wenigen nicht mehr Gewicht zu geben, als sie verdient haben.
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Wir erfahren heute nachmittag, wie es dem dicken Martin geht. Über das Wochenende gab es keine Information und das werte ich als gut: keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten.
Seit der dicke Martin nicht mehr da ist, kommt übrigens Diego, unser halbwilder Kater, der seit einem Jahr nur noch in unserem Garten war, wieder rein. Vorhin schlief er eine Stunde auf dem Sofa.
Und Franz vermisst den dicken Martin kein bißchen. Auch hier wieder: bei aller Liebe, die wir für unsere Kater empfinden: wir vermeiden, sie zu vermenschlichen. Ein beliebter Spruch hier in der Grünen Villa ist “Hirn nicht größer als eine Haselnuß”, wenn eines der Katertiere irgendeinen Quatsch macht. Oder “falsche, fiese, flusige Viecher”, das ist ein Zitat aus dem Bilderbuch “Ich will eine Katze!” von Tony Ross. Und das ist natürlich reine Provokation, Ihnen dies zu erzählen.

