Neues aus der Straße!

1. Oktober 2014

Vielleicht wurde unser Haus und die Häuser der Nachbarn auf einem alten Indianerfriedhof gebaut. Oder ein böser Geist spukt und sorgt dafür, dass immer irgendwer mit irgendjemanden Streit haben muss? Aktuell sieht es so aus, dass der eine Nachbarn den anderen Nachbarn mit eher unschönen Titeln belegt, weil dieser das Ordnungsamt verständigt hat. Seine Ausfahrt sei stets zugeparkt oder doch so beeinträchtigt, dass es schwierig ist, mit dem Auto hineinzufahren. “Wer nicht Autofahren kann, soll es lassen …”, mault der eine, “Halt die Klappe!”, schimpft der andere und letztlich nennen sie sich gegenseitig Arschloch und die Harmonie, die aus dem Schulterschluss gegen die wirklich schrägen Nachbarn gewachsen war, verpufft.

Die Beamten des Ordnungsamtes rückten mit Zollstöcken und Kamera bewaffnet an und gaben dem einen Nachbarn Recht: die Ausfahrt muss natürlich frei bleiben. Obendrein stellten sie fest, dass unsere Straße tatsächlich sehr schmal ist. Mit dem pikanten Ergebniss, dass nun niemand mehr dort parken darf. Wir also auch nicht.

Das ist – schade. Doppelt schade, weil es nicht so sehr schlimm wäre, ein paar Schritte zu gehen, gäbe es denn Parkmöglichkeiten _irgendwo_. Dreifach schade, weil die parkenden Autos wie eine Verkehrsberuhigung wirkten und sehr gut verhinderten, dass die Straße bergab zur Rennstrecke wurde.

Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird und tatsächlich besteht der größte Teil von Nierstein aus eher engen Straßen, in denen Anlieger irgendwie, irgendwo parken müssen. Wir warten also erstmal ab. Die beiden Nachbarn aber … die haben sich jetzt so richtig schön in der Wolle und ich fasse es einfach nicht, dass der eine nicht erst mal freundlich hätte klingeln und nachfragen können und dass der andere direkt in die unterste Beschimpfungsschublade greifen muss. Offensichtlich darf es immer nur ein gewisses Maß an Harmonie und friedlichem Miteinander geben, sonst wird es irgendwie langweilig.

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Neu und für Gartenliebhaber bestimmt nicht langweilig ist das Blog der Gärtnerinnen!

Zusammen mit Vanessa Giese, der reizenden Betreiberin des Kännchencafés, schreibe ich dort über die Lust und Last des Gärtnerns, über die Ernte und was man damit anstellen kann, über Gartenträume und die harte Realität.

Schauen Sie mal rein und folgen Sie uns gerne auf allen Kanälen!

Und beachten Sie bitte besonders die wunderbaren Gemüsezeichnungen! Die (und das ganze Design) stammen aus der Feder von Herrn Skizzenblog. Danke <3

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Für das Wochenende nähme ich dann gerne eine schön-Wetter-Bestellung für den Großraum Lac de Geradmèr und Munster, wir wollen dort mit Freunden wandern. Eine weitere schön-Wetter-Bestellung gebe ich für das Wochenende vom 17.-19.10. auf, denn dann findet das Federkuchenfest (Federweißer und Zwiebelkuchen) samt seiner drumherum platzierten Aktivitäten in der Grünen Villa statt. Das macht bei Sonnenschein einfach viel mehr Spaß! Und wenn ich schon dabei bin: auch die Zeit nach dem Federkuchenfest darf wenigstens trocken sein, denn dann rücken Maler und Dachdecker an!

Reise, Reise!

13. August 2014

Frau Brüllen und Frau Gminggmangg sind, bzw. waren auf großer Reise mit ihren Familien und berichteten, bzw. tun das aktuell immer noch, detailiert und Lust machend davon. Große, lange Reisen sind also mit Kindern, auch mit kleineren Kindern machbar und scheinen richtig viel Spaß zu machen, ich bin ein bißchen neidisch.

Allerdings nur ein bißchen, denn ich bin ja gar kein Reisemensch. Ich stelle es mir immer ganz großartig vor, irgendwo unterwegs zu sein, irgendwo “fremd” zu sein, Neues zu entdecken und am Liebsten noch die Füße dabei in irgendein Meer zu stecken. Theoretisch. Denn sowie es an die konkrete Planung einer Reise geht, werden die Füße, die Sehnsucht nach dem Meer haben, ganz schön kalt. So lange soll ich von daheim weg? Wer füttert den Kater, wer gießt im Garten und was ist, wenn ein Unwetter kommt und wie kann man es eigentlich aushalten, so lange nicht in seiner vertrauten Umgebung zu leben? Ich habe da ein kleines Problem, das sehe ich selbst. Länger als eine Woche kann ich nicht unbeschwert verreisen, das reicht einfach nicht für exotischere Gegenden als das Allgäu.

Aber ich will hier gar nicht über meine exzentrischen Anwandlungen, die mit den Jahren immer doller werden, schreiben, ich will erzählen, wie wir früher mit den Kindern verreisten.

Anfangs verreisten wir mit den Kindern nämlich überhaupt nicht. Das lag zum einen daran, dass ich immer irgendwie sehr schwanger war oder wir gerade für sehr viel Geld ein Haus gekauft hatten und uns selbst den günstigsten Urlaub schlicht nicht leisten konnten. Auch zeitlich nicht, da wir sehr viel Zeit in die Renovierung stecken mussten. Unser Urlaub fand am Baggersee statt und noch heute vertrete ich die gewagte Theorie, dass es Kleinkindern nicht so sehr wichtig ist, ob sie mit karibischem Sand oder dem vom Baggersee buddeln. Hauptsache es ist Wasser dabei.

Wir verreisten mal über´s Wochenende, zelteten auf dem Gelände des Open Ohrs oder besuchten Freunde. Mit einem Gepäckvolumen, das auch einen mehrwöchigen Urlaub in wechselhaften Gefilden bedient hätte.

Als der Jüngste knapp zwei Jahre alt war (die Mittlere drei und der Große fünf) fuhr ich zusammen mit einer befreundeten Familie an die Nordsee in eine Ferienwohnung. Ich empfand diesen Urlaub nicht als sehr erholsam. Wir stapften im Watt herum, kullerten Dünen herunter, fuhren auf irgendeine Insel. Buddelten im Sand und ließen uns den Wind um die Ohren sausen. Es war schön, ja. Aber. Nicht wichtig? Keine Ahnung.

Wieder daheim stellte ich fest, dass unser Haus noch immer nicht fertig renoviert, der Garten dafür komplett zugewuchert war. Der beste Vater meiner Kinder war noch immer fest in der Firma eingebunden und ich kreiselte derart im ganzen Ruinen/Wildnis/Kleinkinder-Wirbel, dass ich einem Burn-Out entgegenrutschte. Und so fuhr ich wieder mit den Kindern weg. Diesmal an den Klopeiner See. Mit einem Nachtzug, sehr viel Stress und Chaos bei der Anreise und dann mit so etwas wie Ruhe und Erholung im Hotel. Einem Kinderhotel, das eine Kinderbertreuung anbot, die ich fast ohne schlechtes Gewissen halbtags in Anspruch nahm. Die beiden größeren Kinder wurden bespaßt, ich bespaßte nur noch ein Kind und hatte zudem die großartige Gesellschaft von zwei Familien, die ich bereits aus dem Internet kannte. Nach einer Woche fuhr ich mit der Gewissheit heim, dass es ein Heim geben würde, ich war ein bißchen erholt.

Das Jahr darauf fuhr die ganze Familie an die Nordsee. In ein Ferienhaus, denn wenn schon Urlaub, dann bitte in eine Unterkunft, in der wir nicht abhängig sind von geregelten Essenszeiten. Der Urlaub war toll. Wir fuhren Rad und Inliner, puhlten Krabben und ließen Drachen steigen. Verbrachten sehr viel Zeit miteinander, auch alleine als Paar, denn die Kinder spielten gerne auch ohne uns im Ferienhausgarten.

“Das machen wir wieder!”, versprachen wir uns, aber irgendwie kam es nicht mehr dazu. An der Nordsee waren wir seitdem nicht mehr.

Es begann die Campingplatz-Zeit. Natürlich wieder den Finanzen geschuldet, aber auch dem Wissen, dass es in Deutschland wunderbare Flecken gibt, die genau das bieten, was wir lieben: ein bißchen Wasser und gerne viel Wald. Und für ein bißchen Abenteuer das Schlafen im Zelt. Einige Jahre hintereinander landeten wir so immer wieder für knapp eine Woche auf dem gleichen Zeltplatz. Das mag für Sie eine echte Horrorvorstellung sein, die Kinder fieberten dem Urlaub entgegen! Edelsteine suchen! In den Teich springen! Noch mehr Edelsteine suchen! Und wir Eltern fanden Ruhe und Erholung, unsere Kinder glücklich im Bach Edelsteine suchen wissend. Wir unternahmen Ausflüge zu Burgen in der Umgebung, wanderten geocachend durch den Wald oder besuchten den Edelsteinschleifer. Und waren alle fünf nach einer Woche Campingleben froh und dankbar für den Luxus von Betten, Stühlen und einer Toilette in nächster Nähe.

Kurzurlaube wurden unser Ding. Wir wanderten durch deutsche Mittelgebirge und schliefen in Jugendherbergen oder stapften durch die Vogesen und schliefen im Zelt. Wenn das Wetter schlecht wurde, fuhren wir heim. Sogar einen Bauernhofurlaub haben wir gemeistert. NAch einer Woche auf dem Bauernhof fand ich michUnkraut jätend im Bauernhofgarten wieder. Lang wenig bis nichts tun kann ich nicht.

Einmal waren wir sogar zusammen in Spanien. In Andalusien. Damals, als eine Blogkollegin dort ein hübsches Hotel hatte. Zweieinhalb Wochen waren wir dort. Unserem Bedürfnis nach Ruhe und unter uns sein konnten wir nachkommen, weil wir den Schlüssel zu einem privaten Garten mit Pool bekamen. Dort hatten wir dann Familienurlaub. :) Ansonsten besichtigten wir Städte und Höhlen und Arenen und was man halt so im Urlaub macht. Speisten vorzüglich und einen Tag hüpften wir sogar ins Mittelmeer. Auf dem Heimflug bei der Landung verletzte sich die Tochter das Ohr und wir waren sehr lange in Sorge, ob der daraus resultierende Tinnitus dauerhaft bleiben würde. (er verschwand nach fast einem Jahr)

Wir wanderten in Bayern und dann wieder in den Vogesen und mittlerweile schickten wir die Kindelein ohne uns auf Reisen. Dieses Jahr sind wir nicht zu fünft verreist. Einmal waren wir über Silvester in Österreich, zusammen mit vier befreundeten Paaren und sehr vielen Kindern, die alle vormittags Skifahren lernten. Die Männer versuchten sich ebenfalls auf den Pisten, wir Frauen (allesamt orthopädisch vorbelastet) machten sehr lange Spaziergänge durch den wunderbarsten Schnee. Nachmittgas und abends saßen alle zusammen, spielten, kickerten, hatten Spaß. Kein Familienurlaub, aber ein Urlaub. Mit Schnee!

Ich bin immer wieder ein bißchen wehmütig und fast traurig, wenn ich diese wunderbaren Reiseberichte lese. Denke, dass ich meinen Kindern doch so viel mehr von der Welt hätte zeigen können. Reicht es, dass sie sich in den deutschen Mittelgebirgen ganz gut auskennen? Es fühlte sich immer richtig an, wir erholten uns alle und verbrachten eine wunderbare Zeit miteinander und das sollte es ja sein, worauf es letztlich ankommt. Die leise Stimme bohrt natürlich immer wieder. Und ich weiß, dass ich es nicht anders machen würde, gar nicht anders machen könnte. Ich verreise nun mal nicht so gerne.

Neulich fragte ich die Kindelein, ob sie etwas vermisst hätten. Das war natürlich eine idiotische Frage, denn wie kann man etwas vermissen, was man nicht kennt? Aber es entwickelte sich ein schönes Gespräch, in dessen Verlauf ich erfuhr, dass unsere Mini-Urlaube in sehr guter Erinnerung sind. Doch nicht alles falsch gemacht.

Don’t feed the trolls

6. August 2014

… aber das wissen Sie schon längst.
Ich will Ihnen heute nur rasch aufschreiben, wie ich mit den Trollen, den Menschen, die unangemessene, übergriffige Kommentare schreiben, verfahre.
Voran gestellt die Erklärung, was für mich unangemessen und übergriffige bedeutet:
- alles, was nichts mit dem Artikel zu tun hat, unter dem der Kommentar erscheint
- alles, was mich beleidigen soll
- alles, was über mich oder meine Familie behauptet wird
- alles, was mit “sagich@net.de” oder ähnlichen Mailadressen und Nicknames wie “genervt” o.ä. kommentiert wird.
Kurz: alles,was mir nicht in den Kram passt, weil -> mein Blog, meine Regeln

Tatsächlich veröffentliche ich in letzter Zeit die meisten Trollkommentare, weil ich finde, Sie dürfen die gerne auch lesen. Und damit mir niemand “Zensur!!” unterstellen kann, womöglich in einem weiteren Trollkommentar.
Wer zum ersten Mal hier kommentiert, muss warten, bis sein Kommentar freigeschaltet wird. Und da Trolle gerne viele und neue Namen/Mailadressen haben, landen sie brav immer in meiner Moderationsschleife. Dort lese ich sie dann und muss meistens grinsen. Manchmal aber auch nicht, dann beginne ich zu grübeln, was einen Menschen umtreiben muss, um sich so zu benehmen? Und wie sehr sich die ehemaligen Erziehungsberechtigten freuen würden, sähen Sie wie höflich und zurückhaltend ihr Sprössling im Umgang mit anderen agiert. Ich persönlich schämte, mich in Grund und Boden, benähmen sich die Kindlein derart. Egal. Der Kommentar steht jedenfalls da und automatisch beginne ich eine Antwort zu formulieren, denn natürlich ist das Bedürfnis, da etwas klarzustellen oder zu erklären sehr groß, obendrein bin ich ein Harmoniehörnchen und will, dass immer alle glücklich sind. Aber HALT! Don’t feed the trolls! Antworten sind wie Öl ins Feuer, selten wurde ich tatsächlich missverstanden, meistens will da jemand nur Wallung machen.
Ich klicke “veröffentlichen” und denke dabei “Vielleicht hilft dir das ja irgendwie, du armer Kerl.” Denn meistens sind es Kerle. Dem Namen nach, jedenfalls. Ich will gar nicht ausschließen, dass mache Frau sich mit einem Männernamen tarnt und ihrem aufgestauten Frust über irgendwas damit leichter Luft machen kann. Liebe Trolle, ich verstehe Euch ja, manchmal ist das Leben einfach Scheiße und dann muss man das an irgendwem auslassen. Wenn es Euch hilft …
Was ich nicht veröffentliche, sind Kommentare, die sich auf eine Familie beziehen. Frau Brüllen beschrieb vor einiger Zeit ihren persönlichen Troll, der sich vorzugsweise mit äußerst unpassenden Kommentaren zu und über ihre Kinder austobt. Der wird nicht freigeschaltet, auch bei mir nicht. Dafür landen er und seine Kollegen aber in einem Ordner, denn wer weiß, ob ich ihre goldenen Worte nicht doch noch einmal brauchen kann.
Einen solchen Ordner gibt es auch für die immer häufiger werdenden Troll-Mails. Statt unter einem Artikel zu kommentieren, wird mir meine ganz persönliche Botschaft ins Mailfach gesendet. Eher selten wird sie dort heraus veröffentlicht, außer mal so nebenbei bei Twitter. Sollen sich doch andere auch darüber amüsieren. Der Frust der Mailschreiber scheint schon über die Maßen groß zu sein, dass extra der Schritt zum Mailprogramm gemacht wird und wie schade für den Troll, dass er dann letztlich kaum Beachtung findet.

So ist es, dieses kuschelige, flauschige Internet. Doch da noch immer deutlich mehr Menschen freundliche Worte finden, wird mir der Spaß nicht verleidet. Ich veröffentliche auch weiterhin die unfreundlicheren Kommentare, so ich sie vertreten kann und plädiere nicht nur für “Don’t feed the trolls!” sondern auch für “Mitleid mit Trollen, weil die haben’s wohl ziemlich schwer!”

Ferien

5. August 2014

mit großen Kindern sind … anders. Es sind irgendwie keine mehr, denn ein gemeinsamer Urlaub findet nicht mehr statt. Die Jugend hat eigene Pläne und Termine oder, wie beim Großen: es gibt keine Ferien mehr, weil die Schulzeit ist vorbei. Freie Zeit muss per Urlaubsantrag erfragt werden, sein FÖJ hat am ersten August begonnen. Derzeit lässt er sich in Cochem eine Woche lang belehren, was ein FÖJler so tut. Die Tochter urlaubt gerade mit den Freundinnen in Hamburg und ich denke, dass keine Nachrichten gute Nachrichten sind und dass sie vielleicht einfach nur das Ladekabel für ihr Handy daheim vergessen hat. Wer weiß das schon. Der jüngste Sohn genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit beider Elternteile, da der beste Vater meiner Kinder ebenfalls noch Urlaub noch. Er genießt allerdings nur kurz, weil am Liebsten zieht er sich in seine Höhle -pardon: sein Zimmer zurück und tut dort irgendwas. (wahrscheinlich versteckt er sich dort nur, damit er nicht Rasenmähen oder Staubsaugen muss)

Und so sind diese Ferientage irgendwie ganz normale Tage. Sie beginnen nicht mal sehr viel später als sonst, da ein Maurer ein paar Schäden an der Grünen Villa reparierte und der Villa obendrein einen neuen Sockelanstrich gönnte. Am Liebsten kam er ganz früh morgens, um noch ein Stündchen mit uns oder vorbeispazierenden Passanten zu halten. Alles sehr gemütlich und entspannt, wir hatten einen Festpreis ausgehandelt :)

Unglücklicherweise zieht ein Schaden an der Grünen Villa, bzw. am Gewölbekeller neben dem Haus (auf dem mein Gemüsegarten liegt) eine Menge Arbeit hinter sich her. Der Eingang zum Gewölbekeller stürzt nämlich so nach und nach ein. Das ist natürlich nicht in unserem Sinne, deshalb müssen wir Erde abtragen, ein Gitter und eine Betondecke aufbringen und die Erde wieder draufschippen. Im Moment sind die Steine der Eingangsdecke mit Gewebe und Beton von unten gestützt, ein Loch vom Garten her mit Beton befüllt. Ein echtes Provisorium, aber immerhin ist die akute Einsturzgefahr damit erstmal gebannt.

Morgen bekommt ein Dachdecker den Zuschlag und wir hoffentlich einen günstigen Termin. Angeblich wird es nur eine Woche dauern, unser altes, löchriges Eternitdach gegen ein schickes, schallgedämpftes, perfekt isoliertes Blechdach einzutauschen. “Unn wenn ihr dann schunn mol ä Gerüst stehe habt, kennter doch aach glei die Hauswand neu oleege (anstreichen)!”, schlug der Maurer vor und ich gestehe: ich bin sehr in Versuchung! Doch wahrscheinlich verschlingt das neue Dach sämtliche Rücklagen und ein paar Eimer Fassadenfarbe samt sie verstreichender Arbeitskraft sind dann finanziell nicht mehr drin. Schade, denn der neue Sockel unterstreicht nun doch sehr, dass die Grüne Villa eher schäbig ist. (und eine Farbvorstellung habe ich auch schon.) Übernächstes Jahr dann.

Das Thema Dach lässt mich dann augenblicklich gedankenspringend zum Rosa Gartenhüttchen kommen. Dieses soll nämlich eine Regenrinne bekommen. Und natürlich ein Fass zum Sammeln des Regenwassers, damit ich die Gießkannen nicht hundert Meter durch den Garten schleppen muss. Eigentlich schwebte mir eine rustikale Regenrinne aus Zink vor, doch der beste Vater meiner Kinder, der ja eigentlich immer alles kann, klärte mich auf, dass Zink irgendwie anders gelötet/geschweisst werden muss als er es kann und die unmittelbare Nähe von Dachpappe und sehr viel Holz bei eben dieser Arbeit, die er eigentlich nicht kann, ließe ihn äußerst unentspannt sein, weswegen er für eine Plastikregenrinne plädiere. “Aber dann wenigstens eine weiße Regenrinne!”, verlangte ich und ahnte nicht, dass weiße Regenrinnen nicht mal eben im Baumarkt zu kaufen sind. Die Standartregenrinne ist nämlich grau oder braun. Regenrinnenhersteller preisen auf ihren Webseiten aber auch “elegante Farbstellungen wie weiß, anthrazit, rot oder schwarz” an, doch Baumärkte zeigen sich eher unkooperativ bei der Anfrage, ob eine solche Farbstellung bestellt werden könnte. Vorrätige Regenrinne in weiß hatte ein Baumarkt, doch dort sollte das drei-Meter-Stück 135,-€ kosten. Wir bräuchten vier dieser Stücke samt der passenden Eckverbindungen und em Fallrohr zur Regentonne. Rechnen Sie doch selbst. Es ist nun eine graue Regenrinne geworden, denn die kostet nur ein Drittel und grau sieht zu rosa ja auch hübsch aus. Und wenn ich die Augen so halb zukneife und das Licht günstig steht, sieht eine graue Regenrinne fast wie eine aus Zink aus.

Falls Sie sich übrigens fragen, warum ich so viel Belangloses hier hin schreibe: eine Freundin liegt im Krankenhaus und wird dort auch noch sehr lange liegen. Ich will sie unterhalten. Schreiben Sie mir und Ihr gerne Linktipps als Kommentar, viel Zeit muss mit ablenkender Unterhaltung gefüllt werden!

Ganz zum Schluss lasse ich Ihnen noch unser derzeit beliebtestes Fastfood-Rezept da:

Gnocchi mit Salbei und Knoblauch!

Mindestens zwanzig Salbeiblätter und so viel Knoblauch, wie sie Ihrer Umgebung zumuten wollen kleinschneiden. Für den Salbei nehme ich einfach die Küchenschere, den Knoblauch schneide ich aber doch mit einem Messer in feine Scheiben.

Zwei Esslöffel Butter, zwei Esslöffel Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Salbei und Knoblauch hineinrühren. Pfanne beiseite ziehen und den Inhalt zehn Minuten ignorieren. Danach wieder einheizen und 500g “frische” Gnocchi aus der Tüte dazugeben. zwei, drei Esslöffel Wasser und eine Prise Salz dazugeben. Rühren, brutzeln lassen, rühren. Wenn Knoblauch und Gnocchi goldbraun werden, ist das Essen fertig. Frischen Parmesan drüberreiben und frischen schwarzen Pfeffer -mahlen. Essen. Genießen!

Zubereitungszeit: zwanzig Minuten. (Knoblauchfahne: lange!)

 

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Eins noch: die Duftmelonen, von denen ich neulich mal schrieb, blühen. Ich berichte demnächst dann mal mehr darüber.

Sie hatten da eine Frage.

Der große Sohn wurde dafür bezahlt, dass er das Stück Wildnis für das Rosa Gartenhüttchen gerodet hat, den Boden geebnet, ein Fundament gegraben, tonnenweise Sand und Schotter geschleppt und letztlich Pflastersteine darauf gelegt hat. Außerdem hat er mir im Frühling den Gemüsegarten umgegraben. Ich hatte ihm diesen harten Gartenarbeits-Job nach dem Abitur angeboten, als Überbrückung bis zu seinem FÖJ, gegen ordentliche Bezahlung. Nach einiger Bedenkzeit und vielleicht auch mangels besserer Alternativen nahm er den Job an.

Ansonsten werden die Kinder nicht dafür bezahlt, dafür, dass sie im Haushalt oder Garten mithelfen, Straße kehren oder Schneeschieben. Wir leben alle zusammen in Haus und Garten, wir sorgen gemeinsam dafür, dass es dort wohnlich und schön ist. So einfach, so kompliziert, denn genauso wie ich keine rechte Lust auf den Haushaltskram habe, sind auch die Kindelein nicht allzu sehr begeistert von diesen Tätigkeiten. Mittlerweile erkennen sie aber durchaus gewisse Notwendigkeiten :) Ich schreibe ziemlich oft, dass unser Erziehungskonzept auf “bestechen, bedrohen, erpressen” fußt, doch das lässt sich eigentlich auch viel milder und erziehungsratgeberfreundlicher ausdrücken: verhandeln, erklären, abmachen. Wir sitzen beispielsweise beim Wochenendsfrühstück zusammen und sammeln, was getan werden muss. Da kommen einige Punkte zusammen und es ist für jeden etwas dabei. Die Aufteilung wird immer irgendwie gerecht, denn wer Straße und Terrasse kehrt, muss nicht alles staubsaugen. Wer Rasen mäht, muss nicht Unkraut jäten. Und wer für´s Mittagessen oder den Nachmittagskuchen sorgt, der ist eben von den anderen Jobs befreit, weil er sowieso hinterher die Küche wieder in Ordnung bringen muss. Das klappt prima, nicht nur am Wochenende.

Gestern morgen kehrte ich Terrasse und Straße, der große Sohn sollte die Spülmaschine ausräumen. So der Plan. Ich traf aber, gerade als ich fertig mit dem Kehren der Straße war, auf die alte Nachbarin, die sich an ihrem Rollator die Straße entlangschleppte. Den Lendenwirbel hat sie sich gebrochen und mit 88 steckt man das irgendwie nicht mehr so leicht weg. So kam es, dass der große Sohn den Straßenabschnitt der Nachbarin von Sturmschäden befreite und ich für ihn die Spülmaschine ausräumte, weil ich absolut keine Lust mehr zum Kehren hatte. Das ist im Grunde genommen nicht erwähnenswert, weil es einfach so funktioniert hier: ich mache …, dafür kannst du  … erledigen.

Ich habe von klein auf Mithilfe eingefordert (und mal ehrlich: es ginge leichter und schneller, wenn man die Kleinen nicht mithelfen ließe) und von klein auf haben die Kinder mit uns “durchwirbeln und ranklotzen” gespielt: alle packen an, danach gibt´s zusammen einen Film, Oder eine Schüssel Pudding. Oder es wurde gegrillt. Oder, oder. Es gab nie Geld, die gewonnene Zeit durch die gemeinsame Arbeit wurde zusammen “besonders” verbracht und genossen.

Mittlerweile ist Mithilfe selbstverständlich geworden und darüber bin ich sehr, sehr froh. Froh macht mich auch, wenn ich beobachten kann, dass die Kinder auch unter sich die Jobs verhandeln, ohne dass es dabei zu Streitereien oder “das ist ungerecht”-Geplärre kommt.

Das ganze Geheimnis ist also: Beharrlichkeit und Gerechtigkeit. Und ein gute Prise Spaß bei der Arbeit. Früher lief Ritter Rost beim Putzen, heute eben Seeed, mitsingen lässt sich immer.

Am Rosa Gartenhüttchen, an MEINEM Gartenhüttchen, haben alle freiwillig mitgearbeitet, weil es eben auch Spaß macht, zusammen zu arbeiten.

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Das Gartenhüttchen ist zur Wetterseite hin offen, weil die geschlossene Seite neugierige Nachbarn abgrenzt und die offenen Seiten den weltschönsten (Sonnenuntergangs-)Blick auf die Weinberge gewähren. Deshalb.