Gepackt …

30. April 2016

und morgen früh geht es los nach Berlin. 

Mein ungebrochener Optimismus hat mich nur Röcke einpacken lassen. Es ist Frühling, es ist warm, basta. Ich freue mich riesig auf interessante Vorträge auf der re:publica, auf die vielen Menschen, die ich nur einmal im Jahr treffe und auf die Urlaubstage mit dem besten Vater meiner Kinder.

Nach der Woche in Berlin , schreibe ich einen abschließenden Bericht über unsere Testmatratze Eve, denn nach einigen Tagen Schlaf auf einer Hotelbettmatratze habe ich einen hübschen Vergleich. Vermutlich wird sie mir sehr, sehr fehlen, denn meistens schlafe ich hervorragend! In den letzten Nächten schlief ich nicht ganz so gut, denn dieser gemeine Schnupfen weckte mich mehrmals entweder mit verstopfter oder laufender Nase. (Als ich dann neulich nach dem rettenden Nasenspray auf dem Nachttisch tastete, stieß ich es hinunter, statt danach zu greifen. Es fiel auf die friedlich vor meinem Bett schlafende Lola, die hochschreckte und mir, als ich aus dem aber gebeugt auf dem Boden nach dem Nasenspray suchte, quer übers Gesicht schleckte, was wiederum zu sehr spitzen Quietschern und „Nein, Lola!“-Rufen bei mir führte. Und dann war ich eben wach. Sehr wach. Der beste Vater meiner Kinder hingegen hatte sich nicht gerührt. Er schläft also so prima auf der Matratze, dass ich neben ihm von einem Hund gefressen werden könnte, ohne dass er aufwacht.)

Vermutlich werde ich mich von Berlin aus hier nicht melden, denn ich finde das Bloggen übers Handy sehr frickelig. Hut ab vor Anne, die ihre täglichen Wanderroutenbeschreibungen tapfer ins Phönchen tippt! Bis bald!

Bittere Erkenntnis

29. April 2016

Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib fahren nach Berlin zur re:publica. Das ist schon lange so geplant und wenn man schon mal in Berlin ist, kann man gleich noch ein paar Tage Urlaub dranhängen. Wir freuen uns sehr!

Der große Sohn, der sein Studium wirklich nur noch zur Überbrückung bis zum Ausbildungsbeginn sieht und nicht mehr ernst nimmt, erklärte sich bereit, zusammen mit seinem Bruder den gar nicht mehr so kleinen Hund zu versorgen und auch dafür zu sorgen, dass der Bruder pünktlich bei der Arbeit und in der Schule erscheint. Kochen und anfallende Hausarbeiten würden sie teilen. So war der Plan.

Gestern allerdings teilte uns der Arzt mit, dass sich das linke Bein des Jüngsten in einer „Überlastungssituation“ befände. Ganz offensichtlich ist das Wachstum noch nicht abgeschlossen und durch die starke Belastung bei der Arbeit, durch das Schleppen von Werkzeugkisten und Materialien, sei es zu einer Reizung gekommen. Das Bein des Jüngsten wurde in einen Zinkleimverband und eine hübsche, blaue, elastische Binde gepackt und es gab ein strenges Sportverbot, was auch das Gehen längerer Strecken einschließt. Eine Hunderunde mit dem gar nicht mehr so kleinen Hund beträgt mindestens fünf Kilometer, was unter längere Strecke fällt und deshalb nicht erlaubt ist. Der große Sohn war nur mäßig begeistert, zusätzlich zu den Morgenrunden nun auch noch die am Abend übernehmen zu müssen. Und obendrein seinen Bruder zur Schonung anhalten zu müssen. Er knirschte ein wenig mit den Zähnen, aber das ist jetzt nun mal so.

Heute morgen ließ ich den Großen extra ausschlafen, denn ich brauchte ihn, am Liebsten mit wunderbar-ausgeschlafener Laune. Der rote Kater hatte nämlich in der Nacht einen Revierkampf und ich bin mir nicht ganz sicher, ob er den Sieg davon getragen hat. Ein tiefer Kratzer zieht sich über Auge und Wange, dazu kommen einige Löcher, als sei er kräftig in die Schnauze gebissen worden. Das Auge war verklebt und zugeschwollen, das sollte sich der Tierarzt ansehen. Unser Tierarzt praktiziert im Nachbarstädtchen, der Große übernahm die Chauffeurdienste dorthin und begleitete mich.

Die Wunden des Katers wurden gespült, es gab eine prophylaktische Spritze mit Antibiotikum und die Ansage, dass das -zum Glück relativ unverletzte – Auge dreimal am Tag getropft werden müsse. Da wir nicht da sind, muss das der Große übernehmen, genauso wie die Nachkontrolle am Dienstag. Er knirschte ein wenig mehr mit den Zähnen, aber das ist jetzt nun mal so.

Wieder daheim fassten wir kurz den künftigen Tagesablauf zusammen: Mit dem Jüngsten aufstehen, ihn zur Schule oder Arbeit schicken, den Hund füttern, den Kater versorgen, die (lange) Morgenhunderunde erledigen, danach das bißchen Haushalt. Am Mittag nicht verhungern, den Kater versorgen, die Zeit rumkriegen, bis die Schule aus oder die Arbeit vorbei ist, die (kürzere) Abendhunderunde erledigen, für eine gesunde, ausgewogene Mahlzeit sorgen, den Kater versorgen, den Hund füttern, nochmal mit dem Hund zum Pinkeln gehen und den Hund ins Bett stecken. Den Jüngsten an seine Berichte erinnern, am Dienstag zum Tierarzt fahren. „Willkommen in der wunderbaren Welt der Erwachsenen!“, jubelten wir ihm zu und er teilte uns mit, dass er sich das irgendwie anders vorgestellt habe, irgendwie freier.

„Nein, freier bist du als Erwachsener nicht.“, erklärte ihm sein Vater, „Du musst Rechnungen bezahlen, Steuererklärungen machen, einkaufen, dein Leben organisieren.“

„Nur als Kind bist du frei.“, ergänzte ich.

„Ja. Und als Kind weiß man das nicht.“, sprach der große Sohn. *Groschenfallgeräusch*

Ich sprach das neulich schon mal an, aber ich bin mit diesem Gedanken scheinbar noch nicht fertig. Immer wenn ich von den Pilgerplänen der Tochter berichtete, sonnte ich mich in meiner Coolness und der Bewunderung der anderen darüber, dass ich das Kind einfach so ziehen lasse, sechs Wochen lang, ohne große Planung, einfach nur mit dem Nötigsten im Rucksack.

Als die Tochter mit ihren Freundinnen in den Vorbereitungen steckte, tauschte ich ab und zu mit dem besten Vater meiner Kinder oder der Mutter der einen Pilgerfreundin ein „Waaah! Jetzt sind sie bald weg, das ging aber doch schnell!“, aber ein richtiges Loslassen und „alleine machen lassen“ war das eben doch nicht. Wir sichteten zusammen die Funktionsklamotten, bestellten gemeinsam Fehlendes, diskutierten den Rucksackinhalt und halfen beim Kauf der Fahrkarten. Wir taten das, was Eltern von großen Kindern eben tun: machen lassen, aber ein Auge drauf haben. Und bei Bedarf einspringen.

In der Nacht vor der Abfahrt der drei Pilgerinnen plagten mich die schrecklichsten Gedanken. Drei schöne, junge Frauen, alleine unterwegs, klug und eloquent, dabei mit einer gehörigen Portion Naivität, die schlicht der Jugend geschuldet und nicht verwerflich ist. Was da alles passieren kann! Ich steigerte mich systematisch in eine regelrechte Panik hinein, aus der ich nur hinausfand, indem ich mich erinnerte, was ich als 18jährige ohne Schäden überlebt hatte und dass eine komplette Staffel „Criminal Minds“ eben doch nicht die perfekte Vorbereitung zum Loslassen gewesen ist.

Drei strahlende Mädchen reisten ab, meldeten sich regelmäßig mit lustigen Bildern und detaillierten Berichten in ihren Blogs. Alles war gut, alles lief prima, bis es nicht mehr gut war, es nicht mehr prima lief. Die eine Pilgerfreundin musste wegen einer dicken Blase und einer entzündeten Achillessehne pausieren. Dann starb der Opa der anderen Pilgerfreundin. Und zuletzt klagte die Tochter über eine schmerzhafte Schwellung am Fuß, die sie am Weitergehen hinderte.

Dank moderner Kommunikation und freiem WLAN in den Unterkünften der Mädchen, trudelten die whatsapp-Nachrichten in immer größerer Menge ein. Und ich stellte fest, dass weder ich losgelassen hatte, noch mein Mädchen wirklich gesprungen war. Viele Probleme häuften sich da an und der erste Impuls war „Mama erzählen, Mama fragen, mit Mama besprechen“. So, wie wir das daheim eben machen und so, wie wir großartig miteinander leben. Mitteilen und teilen. Jetzt aber liegen viele hundert Kilometer zwischen uns und meine Vorstellungskraft reicht einfach nicht aus. Wie fühlt man sich wohl, wenn man tagelang immer nur marschiert, durch Regen und Wind, jede Nacht in einem anderen Bett schläft, sich etwas eigenwillig ernährt und plötzlich streikt der Körper. Oder die Psyche. Oder dieses Gruppendynamikding der drei Pilgerinnen, von denen sich zwei seit sehr vielen Jahren kennen, während die Dritte eben relativ neu im Bunde ist. Ich versucht per whatsapp Mut zuzusprechen, zu klären oder schlug vor, wie die drei miteinander Lösungen finden könnten. Gleichzeitig tauschte ich mich mit der Mutter der Pilgerfreundin aus, deren Opa gestorben ist. „Wie geht es ihr heute, wird sie weitermachen, verkraftet sie es?“ Der Tochter schrieb ich, was ich erfuhr und gab gleichzeitig Tipps, wie eine Fußschwellung, die ich auf einem Handybild begutachten konnte, zu behandeln wäre.

Als ich mir nur noch Sorgen machte und bereits überlegt, wie ich nach Spanien reisen würde, um meinem Kind beizustehen … merkte ich, dass das so nicht weitergehen kann. Und teilte der Tochter mit, dass ich zu weit weg bin, um helfen zu können und das eigentlich auch nicht wolle. Mit dem mir eigenen Talent hatte ich den denkbar schlechtesten Zeitpunkt für diese Mitteilung gewählt (als nämlich die Tochter höchst verzweifelt wegen ihres Fußes war) und bekam deshalb eine entsprechend beleidigte und wütende Antwort. To make a long story short: wir vertrugen uns kurz darauf wieder und die Tochter besaß die Größe, mir zu sagen, dass ich recht hatte. Grandios. Ich hatte also die Nabelschnur mal wieder durchgeschnitten (das tut man im Laufe eines Kinderlebens sehr, sehr oft, das Ding wächst irgendwie immer wieder nach!) und beobachte jetzt mit Staunen, was passiert: nämlich nichts! Die Welt dreht sich weiter. Das Kind hat in einer fremden Stadt, ohne der Landessprache mächtig zu sein, ganz alleine eine Ärztin gefunden, sich eine Diagnose und ein Rezept abgeholt, Letzteres eingelöst und sorgt nun ganz alleine dafür, dass das mit dem Fuß wieder klappt. Sie versorgt sich mit Lebensmitteln, sie sucht sich Schlafplätze, sie wäscht ihre Klamotten und kauft sich, was fehlt.

So großartig der tägliche Kontakt ist, so schwer macht er es doch, sich wirklich zu trennen und auf eigene Füße zu stellen. Für das Jahr in Afrika, das für die Tochter im August beginnt, weiß ich jetzt, dass weniger mehr ist. Dass ich sie loslassen muss, notfalls auch ein bißchen schubsen, damit sie losgehen kann.

Ein berechtigter Vorwurf der Tochter, denn das mit der Bloggerei fließt nicht so recht bei mir. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich nicht so wunderbare Geschichten wie die Tochter zu erzählen habe, mein Alltagstrott reißt ja nun so wirklich keinen vom Hocker. 

Bevor Sie jetzt widersprechen, hier eine Zusammenfassung des heutigen Tages. Schnallen Sie sich an, es wird spannend.

Wer früh schlafen geht, ist früh wach. Um elf Uhr schlafen zu gehen ist eine prima Sache für mich, denn der Wecker brüllt montags um zwanzig vor sechs. (Montags und donnerstags bedeutet das quasi ausschlafen, denn sonst brüllt der Wecker schon um zwanzig nach fünf.) Den Jüngsten trifft es hart, sein Arbeitsbeginn ist sechs Uhr. Montag und Donnerstag hat er Berufsschule und könnte deshalb theoretisch länger schlafen. Unglücklicherweise ist die Berufsschule in Ingelheim, was von Nierstein aus eine kleine Weltreise ist. Zuerst nach Mainz, dort dann umsteigen. 

(Kleine Anekdote am Rande: bei den ersten Fahrten zur Berufsschule hat sich mein verteiltes Kind prompt verfahren, weil es den Fahrplan schludrig las. So fuhr er nach Nieder-Olm, statt nach Nierstein, was einem Umweg von etwa zwei Stunden bedeutete. Ein bißchen Sorgen machte mir das schon, aber hey, die Zeiten, in denen er seinen Schulweg während der Sommerferien vergaß, sind vorbei.)

Der beste Vater meiner Kinder steht auf, ich darf liegen bleiben, doch schlafen kann ich nicht mehr. Um das traute Morgengebrummel in der Küche nicht zu stören, warte ich bis die Haustür ins Schloss klappt, bevor ich aufstehe, mir einen Kaffee koche und den gar nicht mehr so kleinen Hund mit Frühstück versorge. Der beste Vater meiner Kinder schläft bis acht Uhr auf dem Sofa, ich trinke meinen Kaffee manchmal bei ihm, heute ging ich zurück ins Bett. Ich bin nämlich schrecklich krank, ein unbarmherziger Schnupfen quält mich und ich habe ein kleines déjà-vu, denn auch letztes Jahr hatte mich eine fiese Erkältung vor der re:publica niedergestreckt.

Der beste Vater meiner Kinder verabschiedete sich, ich steckte Lola ins Hundegeschirr und wählte für heute eine etwas dickere Jacke für die Hunderunde. Eine weise Entscheidung, denn obwohl da draußen ein fröhlicher Wolken-Sonne-Mix war, pfiff ein kalter Wind. Die Hunderunde war heute eine äußerst arbeitsintensive für Lola, denn ich übe gerade mit ihr, dass sie nicht sofort lossprinten darf, so wie sie etwas Interessantes sieht. Mit Schleppleine und der Hälfte der Futteration arbeiteten wir eine gute Stunde und marschierten eine knappe weitere Stunde wieder heim. Ich war der platt, der Hund aufgewärmt und bereit für weitere Abenteuer.

Kurz nach zehn kam ich heim. Das passte prima, denn Oma Eis hatte sich für halb elf angekündigt. Nach wie vor haben wir Montags unserem Mutter-Tochter-Tag und normalerweise machen wir die Hunderunde zusammen. Oma Eis hat aber ihre eigene Frau Knie und deshalb derzeit keine Möglichkeit mit uns zu laufen. Übernächste Woche wird operiert und danach sollte es bald wieder klappen.

Der große Sohn schleppte sich aus dem Bett und wir spätstückten zu dritt. Nach einem gemütlichen Schwätzchen, bei dem sämtliche Neuigkeiten ausgetauscht wurden, verabschiedete sich Oma Eis, mein Schnupfen und ich gingen mit den Zähnen klappernd auf’s Sofa unter die dicke Decke. (Mit Hund und Kater als Wärmflasche) Der große Sohn nahm seinen eigenen Schnupfen mit ins Bett, montags hat er nur am Abend eine Vorlesung und die schwänzt er sowieso. (Er studiert Januar noch ein bißchen zum Spaß, denn am ersten September beginnt seine Ausbildung zum Chemielaboranten.)

Ich schlief quasi umgehend mit hübschen, wirren (Fieber)Träumen ein und wurde erst um halb drei wieder wach, als der Jüngste heim kam. Wir tauschten uns aus, bevor der Jüngste in seinem Zimmer verschwand. Ich fühlte mich äußerst erfrischt und beschloss eine Kröte zu killen. Der Berg der „muss ich reparieren oder verändern oder irgendwie anders machen“-Kleidung passt mittlerweile nicht mehr auf einen Stuhl, weswegen ich die Nähmaschine und die Overlock herbeiräumte und mich ans Werk machte. Fünf alte Sommerröcke sind nun wieder stadtfein, drei Oberteile passen und gefallen mir nun endlich und ein Pullover des besten Vaters meiner Kinder hat kein Loch mehr unter dem Arm. Ein paar ausgerissene Knöpfe und ein einige angefangene Sachen liegen da jetzt noch und vielleicht habe ich morgen ja nochmal einen Anfall von „aus alt mach neu“.

Eigentlich hätte ich heute keine Zeit für Nähereien gehabt, eigentlich wäre heute Sprachunterricht dran gewesen. Der findet aber seit letzten Montag nicht mehr statt, denn „mein“ Syrer (16) und ich haben gemeinsam beschlossen, dass Lernen zwar nach wie vor super wichtig ist, derzeit aber das ausreicht, was in der Schule passiert. Dort ist er mittlerweile im Fortgeschrittenenkurs und auch in seiner Freizeit ist er sehr fleißig, das läuft also. Hm. Es ist ein bißchen schwierig, aber eben auch Zeit. Als er vor einem halben Jahr zu mir kam, sprach er kein Wort Deutsch, jetzt können wir uns gut unterhalten. Jetzt hat er hier Freunde, syrische, kurdische und auch deutsche. Es ist gut, ihn ziehen zu lassen. Und vielleicht nimmt er mein Angebot der stets offenen Tür ja gerne an. Mit „meinem“ anderen Syrer (33) findet schon lange kein Unterricht mehr statt, er will nicht lernen und da kann ich nix machen. Das Internetcafé läuft aus. Zuletzt saß nur noch ein sehr fleißig Lernender dort, dem ich dann letztlich einen der gespendeten Rechner mitgegeben habe. Die alten Aufgaben laufen aus, mal sehen, welche neuen demnächst kommen, Arbeit gibt es immer.

Der Jüngste übernahm die Abendhunderunde, so konnte ich an der Nähmaschine sitzen bleiben.

Der beste Vater meiner Kinder kam heim, ich telefonierte mit der Freundin, die mich nächste Woche nach Berlin begleitet und irgendwann um acht war dann Feierabend.

Jetzt sitze ich mit Tee, Orangen, dem besten Vater meiner Kinder und dem weltschlimmsten Schnupfen auf dem Sofa, höre mir Sprachnachrichten der Tochter an und schreibe vor mich hin.

Ich glaube, dass diese Twitter-Sache meiner Bloggerei nicht gut tut. Es ist nicht so, dass ich den ganzen Tag alles,was ich zu erzählenhabe, dort in 140 Zeichen quetsche. Es ist eher so, dass mir das Lesen dort wirklich oft schlechte Laune bereitet, weil wieder irgendeine Sau durchs Dorf getrieben wird, weil schöne Dinge, nur noch getan werden können, wenn man unsagbar ironisch darüber spricht und vielleicht auch nur, weil ich selbst nicht diszipliniert genug bin, um sinnlose Diskussionen einfach links liegen zu lassen, statt sensationslüstern nachzuforschen, wer jetzt schon wieder nicht mit wem kann, wer dies oder das gesagt hat und das geht ja gar nicht, das wissen wir doch alle. Vielleicht endet mein Twitterdings dann so wie diese Facebooksache: ich geh erstmal nicht mehr hin. 

WMDEDGT?

5. April 2016

Frau Brüllen will’s wissen.

Eigentlich habe ich mich heute den ganzen Tag nur umgezogen. Durchnässt nach der ersten Hunderunde am Morgen, voller Tierhaare nach Tierarztbesuch, wetterfest für die zweite Hunderunde am Abend, danach erneut durchnässt. 

Beim Tierarzt hatte ich zwei bestens erzogene Viecher dabei, die sich ohne Murren und Klagen untersuchen und impfen ließen. (Murren und klagen musste ich hinterher, weil das ganz schön teuer war) Der gar nicht mehr so kleine Hund hat eine Entzündung im Ohr, was leider keine Entschuldigung für „sie hört irgendwie nicht“ ist, wohl aber eine Erklärung für gedämpfte Hundestimmung. Das Ohr wird jetzt regelmäßig gespült und getropft, es sollte hoffentlich rasch heilen.

Der kleine Kater ist kerngesund und ließ sich bei der Untersuchung entspannt schnurrend von Arm zu Arm reichen. Vielleicht war er auch einfach nur vom Geruch im Behandlungszimmer betäubt. Als wir es betraten, würden wir mit den Worten „Ich hab das Fenster schon aufgemacht, aber es riecht trotzdem noch ein bißchen nach ausgedrückten Analdrüsen.“ Tat es. Sehr.

Direkt vor der Haustür schaltete Lola ein neues Feature frei: ins Auto kotzen. Zum Glück nur einmal, zumal wenig verdaut, zum Glück auf eine Decke. Aufregung und Schmerz haben sich da wohl einen Weg gebannt, sie war sofort wieder äußerst vergnügt und an meinem Mittagessen interessiert.

Hund und Kater legten sich schlafen, ich begann eine Liste von Verben und deren Hilfsverben im Perfekt zu erstellen. Gibt es eigentlich eine Regel, wann „haben“ und wann „sein“ benutzt wird? Ich kann mich nicht erinnern (und ja, ich könnte googlen). „Mein Syrer“ bekommt dann diese Liste mit den ganzen Sonderformen zum Lernen. Deutsch ist ganz schön schwer, fällt mir immer wieder auf. Doch er ist nach wie vor voller Ehrgeiz und lernt gut und sehr schnell, ich bin richtig stolz auf ihn. „Mein anderer Syrer“ hingegen hat das Handtuch = den Deutschunterricht geschmissen. Er will nicht, vermisst seine Familie, hängt rum. Ich weiß nicht, wie ich da helfen kann, ob ich helfen kann. So wie das Wetter besser ist, laden wir sie zum Grillen ein und dann mal schauen, ob sich irgendeine Beschäftigung findet, bei der nebenbei Deutsch gelernt werden kann.

Ansonsten gab es heute noch das übliche Bißchen Haushalt, ein wehmütiger Blick zum ewig zugeschnittenen Rock, den ich zusammennähe sobald … ja was eigentlich? Ich wieder Lust dazu habe vermutlich. Meine Sämereien habe ich durchgesehen, morgen früh bringe ich ein paar davon in die Erde. Gekocht, mit der geschrumpften Familie gespeist, eine Sprachnachricht von der sehr vergnügten klingenden Tochter angehört und jetzt mit Hund auf den Beinen und dem besten Vater meiner Kinder neben mir auf dem Sofa sitzen.

Das war’s schon. (die fünften sind scheinbar immer eher ruhige Tage)