Tag des Arztes,

28. September 2010

jedenfalls hier. Denn just in diesem Moment sitzt der Große beim Kieferorthopäden und lässt sich die Zähne mit der festen Spange bekleben. Das musste nun leider doch sein, aber wahrscheinlich nur für ein Jahr. Das ist durchzuhalten. (und der Kleber ist ja mittlerweile ein ganz anderer als damals vor beinhae dreissig Jahren, als ich die Spange bekam. Und nach Entfernen derselben feststellen musste, dass sämtliche Zähne darunter einen zerstörten Zahnschmelz hatten. Jaja, damals.)

Heute nachmittag geht es für den Jüngsten und mich zum HNO. Der Jüngste hat einen längst überfälligen Termin für einen Hörtest, bei dem sich zeigt, ob er gerade schlecht hört, weil a) erkältungsbedingt alle Gänge zugeschwollen sind oder b) hoffentlich nicht irgendwas Fieses passiert oder c) ein pubertätsbedingter ich-will-einfach-nicht-hören-Ausbruch stattfindet.

Mir selbst werden die Ohren entpfropft und das klingt so eklig wie es ist. Aufgrund sehr schmaler Gehörgänge kann dieses ganze Ohrengesibbsche, das sonst mit Hilfe der Flimmerhärchen nach außen getragen wird, sich nicht gescheit bewegen und sammelt sich irgendwann ganz tief drinnen in einem Klumpen. Ganz ohne Wattestäbchengestochere. Dieser Klumpen wird mit Hilfe eines fiesen hakens aus dem Ohr gezerrt und direkt unauffällig entsorgt :) Das Ergebnis ist, dass ich plötzlich wieder wunderbar höre und Beschwerden wie eine verstopfte Nase oder unerklärlicher Druck auf Nebenhöhlen und Kieferknochen direkt verschwinden.

(ich muss das hier so ausführlich mit allen Vorteilen beschreiben, damit ich, die alte Hosenschisserin, mich auch wirklich hintraue)

Last not least muss der Große heute wieder zum Verbandswechsel.

Weitere Termine sind nicht eingeplant, doch wir sind ja spontan und schieben gerne noch den einen oder anderen unerklärlichen Bauchschmerz oder einen spontanen Fieberanfall dazwischen.

Der Alltag

23. September 2010

ist zurück.

Und es scheint manchmal, als sei nie etwas gewesen. Es wird gelacht, geschimpft, gelebt. Doch dann kommt wieder dieses Wissen, das den Hals zuschnürt: sie lebt nicht mehr.

Wir nehmen seit einem Jahr Abschied, eigentlich schon seit der Diagnose vor beinahe zwei Jahren. Sie wurde immer kleiner, immer weniger. Die Krankheit raubte ihr Stimme und Mimik. Essen und trinken ging nicht mehr, aber die 53 Treppenstufen zu Wohnung meisterte sie noch. Langsam, aber beharrlich.
Sie schlief viel, wurde immer schwächer. Zu schwach, um die Wohnung zu verlassen und so besuchten wir sie, da am Sonntag, am Geburtstag der Tochter. Sie saß in ihrem Sessel, wir alle um sie herum, lachend und schwätzend. Die Abendsonne fiel direkt auf sie und sie war zu schwach, um ihren Kopf zu halten.
Wir verabschiedeten uns, reichten ihr die Hand und gingen nach Hause.

Eine Stunde später starb sie. Daheim, so wie sie das wollte.

Meine Schwiegermutter wurde 69 Jahre alt, sie starb an den Folgen ihrer ALS-Erkrankung.

Es ist nicht möglich, Kummer zu beschreiben. Tiefes Leid, Tränen und dazwischen lautes Lachen wegen einer Erinnerung, die sich nach vorne drängt und Vieles leichter, Manches schwerer macht. Heute scheint es schon so fern.

Wir haben uns verabschiedet, ihre Hände und Wangen gestreichelt, eine Haarlocke behalten. Wir haben ihr schöne Kleider ausgesucht, den kleinen Zettel mit der Liebeserklärung in die Hosentasche gesteckt  und eine rosa Rose mitgegeben. Dabei mochte sie Schnittblumen gar nicht so sehr. Der Jüngste ist zu seiner Klassenfahrt gefahren, die Mittlere wieder zur Schule gegangen. Der Große hat die große Schnittverletzung am Arm und auch die muss heilen. Der Schwager lebt in Sorge um das kranke Babymädchen, der beste Vater meiner Kinder musste sich mal wieder in der Firma blicken lassen. Der Opa … lebt weiter. Ein wenig orientierungslos, aber auf dem Weg.

Ich selbst bin unendlich müde. Ich habe versucht, so eine Art Fels in der Brandung zu sein. Für die Kinder, für den Mann, für den Schwiegervater. Habe Blumen ausgesucht, Bilder gemacht, gekocht und gebacken. Das geht, für kurze Zeit. Heute kamen die Kopfschmerzen und das Gefühl, augenblicklich durchzudrehen, ließe man mich nicht in Ruhe. Ich bekam Schmerztabletten und meine Ruhe im Schlafzimmer, bin wieder bei mir.

Am Freitag ist die Trauerfeier.  Ein Gottesdienst und Kaffee und Streuselkuchen hinterher. Und dazu viele, viele Geschichten von früher. Das kann sie nämlich gut, meine angeheiratete Familie, von früher erzählen. Das macht Spaß und deshalb wird das am Freitag eher eine Feier, als eine Trauer. Das ist gut so.

Am Meisten graust mir tatsächlich vor dieser Kondolenzgeschichte. Was antwortet man, wenn man die Hand gereicht und “mein Beileid” gesagt bekommt? Bedankt man sich? Derjenige, der mir sein Beileid ausspricht, derjenige trauert doch auch. Sage ich dann “das wünsche ich dir auch” ?

Ich murmele also. Irgendetwas. Und würde doch so gerne sagen: “es ist ein echter Mist, wer hat sich nur diese beschissenen Krankheiten ausgedacht”

Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihre Worte hier im Blog und auf den Kärtchen, die ins Haus kamen. Zu sagen, dass ich mich darüber gefreut habe, klingt ausgesprochen falsch, doch ist es trotzdem irgendwie richtig. Jeder Gruß, jede virtuelle Umarmung, jedes Mittrauern hat es mir ein bißchen leichter gemacht.

Gesund, gesund, gesund!

27. August 2010

jubelt Frau … äh … Mutti und verkündet etwas kleinlaut, dass sämtliche lästerliche Sprüche über nichtgemachte, aber dokumentierte Urintests sehr voreilig waren.

Es verhält sich nämlich folgendermaßen:

Die aktuellen Blutwerte, also die vom letzten Samstag, wurden direkt neben die vom letzten Mai gesetzt, damals bei der Knie-OP, falls Sie sich an Frau Knie erinnern.
Ich habe also einen Laborbericht mit drei Spalten vor mir. In der ersten Spalte stehen die Werte vor der OP (eigentlich ganz gut), die Werte nach der OP (mit medikamentös bedingten Ausreissern in verdächtige Höhen oder Tiefen) und die ganz aktuellen Werte, die geradezu glänzend sind!
Die Ergebnisse des Urintestes sind ebenfalls die von letztem Jahr und ja, Frau … äh … Mutti, gründliches Lesen und etwas weniger Arroganz wären hilfreich. (geht in die Ecke und schämt sich)

Wie auch immer. Ich bin kerngesund, habe ausreichend Blutfarbstoff und Eisen, einen prima Zuckerwert und – schwupps – Müdigkeit verflogen! Man reiche mir ein paar Bäume zum Ausreissen!

und ausserdem

28. Juli 2010

darf ich ja auch mal glück haben.

der nerv war mit der narbe verbacken und ließ sich sehr leicht lösen. eine kleine wucherung wurde entfernt und eingeschickt. ob narben- oder nervengewebe soll überprüft werden.

die chancen stehen ausgezeichnet, dass der finger wieder voll einsatzfähig wird. unter 5 prozent wahrscheinlichkeit, dass das elektrisieren wieder kommt. “bei ihnen dann etwa 10prozent”, frotzelte der arzt. (sollte es wiederkommen, muss überlegt werden, den nerv zu durchtrennen. dies wäre aber der worst case, in vielerlei hinsicht)

jetzt: heilen. es wurde nur oberflächlich genäht, damit da nix mehr festwächst. ich bin also ganz brav und halte still. zum glück regnet es.

danke für ihre wünsche, die haben mich sehr gefreut.

Wort des Tages:

18. Juni 2010

“Neurinomrevesion”

(und Narbenkorrektur, 2d D2, rechts)

Vorgeschlagener Termin: 28.7.2010

Aufschneiden, Nerv finden, Nerv kürzen, zunähen. So wäre es ideal.

Da Nerven aber kleine, fusselige Dinger sind, kann es sein (ist es möglich bis wahrscheinlich), dass man das Fetzchen nicht findet. Dann wird die Knochenhaut abgeschabt, um sie reizärmer zu machen.

So oder so, die Sache ist etwas größer.

Sicherheitshalber kann ich aber auch zum Handchirurgen gehen, weil die arbeiten mit Mikroskopen.

*****

Diese Aussagen bewege ich jetzt mal in meinem Herzen.

*****

Ich hab´s ja so satt.

geschafft.

19. Mai 2010

der arm wurde blutleer gemacht, der finger betäubt, aufgeschnitten, leergeräumt, zugenäht und dick verbunden.

heute abend ibuprofen gegen den schmerz und chips für die seele, morgen früh wundkontrolle. es war wohl eine venöse thrombose, verursacht durch einen unfall, an den ich mich aber nicht erinnern kann. weiteres erfahre ich, wenn der befund aus der pathologie kommt. diesmal sah ich nicht meinen knochen, dafür aber einen nerv. spannend, wirklich richtig spannend!

und ihnen kann ich zeigen, was aus meinem finger geschnitten wurde. hier (großes bild). und sagen sie nicht, ich hätte sie nicht gewarnt oder zum klicken gezwungen.

so. feierabend, brav schonen.

Sparflamme

30. April 2010

Wenn die Wunde beim Ziehen der Fäden geradewegs wieder aufklafft, dann ist das verdammt unschön.

Ich bin verurteilt zu vorerst einer Woche Klammerpflaster, trocken halten und so wenig wie möglich bewegen.

(passenderweise hat der beste Vater meiner Kinder etliche Überstunden angemeldet und Besuch, der hübsch hier wohnen soll, steht auch noch im Kalender. Kommt ja immer alles zusammen.)

Und nein, ich habe kein Photo für Sie.

moment noch,

23. April 2010

sprach frau … äh … mutti beim verbandswechsel, ich muss noch rasch ein photo machen. für die kinder, weil die wollen alle blutigen details.
und für ihr blog … ?, sprach der freundliche orthopäde augenzwinkernd.

nun ja. ok, ärztliche anordnung, sozusagen. mein fingerchen heute morgen -> nach dem click!

(die hand sieht nur deshalb so gequetscht aus, weil der verband so eng gewickelt war)

nächste woche freitag werden die fäden gezogen und dann erfahre ich auch, was genau aus meinem finger rausgeschnitten wurde. Spinneneier waren es nämlich nicht, genausowenig wie ein ganglion.

ich durfte übrigens tatsächlich bei der operation zusehen. am schlimmsten (und schmerzhaftesten) waren die beiden spritzen mit dem lokalanästhetikum. die zauberten wunderhübsche brennende beulen in meine hand und ich hatte gar keine große lust mehr auf eine op. aber den ersten schnitt spürte ich nicht mehr, nur das warme blut, das an der handinnenfläche entlang lief. zwei wundspreizer wurden in den schnitt reingequetscht und als diese auseinandergezogen wurden, konnte ich meinen knochen sehen! fand ich sehr, sehr spannend und interessant. leider lag die kamera in der tasche auf dem anderen stuhl. (andererseits … wem hätte ich diese bilder schon zeigen können?) es blutete mächtig und das knubbelchen war schnell “abgeknippst”, es sieht aus wie ein stückchen knorpel und beim abtrennen ertönte auch so ein “ich beisse auf knorpel”-geräusch. insgesamt alles sehr aufregend und bis auf die beiden spritzen vorher nicht schlimm. (dennoch danke für die spritzen, ich bin froh, dass es die gibt!)

die nacht war bescheiden, weil ich, wenn ich mal schlief, davon träumte, dass ich mich auf die hand rolle.

jetzt geht´s mir aber gut, schmerzmittel sei dank. trotzdem, ich halte die hand weiterhin ruhig (und seien sie beruhigt, in diesem blog wird es wieder groß- und kleinschreibung geben).  später allerdings muss ich auf ein pferdefest der klasse des jüngsten kindes. käsewürfel soll er mitbringen, der jüngste, und ich sage: wo ist frau antonmann, wenn man sie braucht? weil beim keltenfest, damals im herbst, hatte sie perfekte käsewürfel für das kind geschnitzt …

metzel, metzel

22. April 2010

der knubbel ist draußen.
ansonsten alles wie immer … anders als geplant.

morgen mehr, heute ruhe halten.

+++++

nachtrag … ohne betäubung jetzt ganz viel aua.

freue mich auf ablenkung, mme ouvrage

Sie hier?!

13. April 2010

staunte mein Lieblingsorthopäde vor etwa einer Stunde.

Behutsam wurde mein eiskaltes Händchen (die Aufregung!) untersucht und tatsächlich: es ist ein Ganglion.

Als alter Profi ließ ich direkt eine ungefähr zehn Zentimeter (mindestens! ungefähr. beinahe …) lange Nadel in meinen Finger bohren. Punktieren kenen ich ja schon von Frau Knie. Leider kam da gar nix raus. Weder Gelenkflüssigkeit noch Blut noch Spinneneidotter.

Und weil das Ding ja eben stört und größer wird und niemand Knubbel am Finger haben soll, wird es nächsten Donnerstag herausgeschnitten. Und ich hoffe, dass ich zusehen darf.

(“Wie es ihrem Knie geht, frage ich erst gar nicht, oder?” , sprach Herr Orthopäde. Entweder liest er mein Blog oder ich humpele sehr auffällig.)