vom Gärtnern

4. August 2014

Seit einem halben Jahr krieche ich durch den Garten und versuche den schier ausweglosen Kampf gegen Brennnesseln, Winden und Giersch zu gewinnen. Hahnenfuß, Melde und Wegerich, Löwenzahn, Sauerklee und Gänsedisteln. Ich weiß, wie dieses ganze Un -pardon WILDkraut heißt und vieles darf ja auch bleiben. Löwenzahn zum Beispiel, den mag ich sehr. (und manchmal schaffe ich es auch, die Pusteblumen vor dem Verwehen abzureißen)

Freie Flächen müssen sofort bepflanzt werden, damit neues Wildkraut schlechtere Startbedingungen hat. Kartoffeln haben sich da ganz wunderbar bewährt. Und deshalb habe ich auch dieses Jahr im April wieder ein großes Stück des Gemüsegartens mit Kartoffeln bepflanzt. Kartoffeln sind wirklich toll! Wenn die ersten Blättchen aus der Erde schauen, muss man die Erde um die Blättchen herum “anhäufeln”. Ein paar Wochen später, wenn die Pflanzen größer sind, wird das Anhäufeln wiederholt. Dazwischen tut man gar nichts mit den Kartoffeln. Ab und zu sollte man ein bißchen jäten, aber gießen kann man sich getrost sparen. Immer wenn man sich über die grünen Büsche, die irgendwann auch ganz entzückend blühen, freut, sollte man nach Kartoffelkäfern Ausschau halten. Die sind braun-gelb gestreift und viel zu hübsch zum Töten, doch wenn sie erst einmal mit der Eiablage begonnen haben, dauert es nicht lange, bis Tausende von an sich nett anzusehenden pinkfarbenen Larven die Pflanzen radikal abfressen. Die Eigelege finden sich auf der Unterseite der Blätter, sie sind leuchtend gelb. Käfer und Larven zertreten, Eier zerdrücken. Ekelhaft und grausam, aber besser als Gift an die Kartoffeln zu spritzen.

Jetzt um diese Zeit bekommen die Blätter der Kartoffeln braune Stellen, die Büsche fallen auseinander. Ende September beginne ich mit der Kartoffelernte. Und nächstes Jahr kommt Gemüse auf dieses Gartenstück, die Erde ist nach den Kartoffeln ganz wunderbar locker und bröselig.

Tomaten wachsen dieses Jahr ganz vorzüglich! Ich habe vier verschiedene Sorten und irgendwann im Juni habe ich den Zeitpunkt verpasst, die Triebe auszugeizen. Ich habe also Tomatenbüsche im Garten und ich muss im Laub nach den reifen Tomaten suchen. Und wahrscheinlich sind längst nicht so viele Tomaten an den Pflanzen, wie das bei regelmäßigem Ausgeizen wäre, doch wenn das, was an den Pflanzen hängt reift, werde ich viel Tomatensoße auf Vorrat kochen können.

Zwei Zucchinis sorgen dafür, dass es viel häufiger Zucchini zum Essen gibt, als es den Kindern recht ist, doch noch sind mir die Ideen nicht ausgegangen und noch bin ich jedesmal begeistert, wenn ich wieder ernten kann. Jeden Tag, ungefähr.

Die Gurken wachsen und gedeihen und kringeln sich lustig fern von jeder EU-Norm. Scheinbar halten gekringelte Gurken den Geschmack viel besser, als die kerzengeraden Gurken aus dem Supermarkt und ich hoffe noch sehr lange auf wässriges Treibhausgemüse verzichten zu können.

Die Paprikas waren anfangs sehr zögerlich, doch jetzt geben sie Gas: genauso wie die Pepperoni und die Aubergine. Dabei mag ich Auberginen gar nicht so sehr. Aber der Busch, an dem sie wachsen ist schön und die lila Blüten ein echter Hingucker!

Mein Erbsen-Experiment ging leider schief, den Erbsen gefiel der ihnen zugeteilte Platz nicht. Nach ein paar Schoten war Schluß. Nächstes Jahr versuche ich mein Glück erneut. Dafür scheinen die Bohnen aufholen zu wollen, denn ich hatte total vergessen, welche zu säen. Vor fünf Wochen habe ich das nachgeholt und dank des Treibhauswetters ranken sie schon in zwei Metern Höhe und blühen.

Blumenkohl, Weißkohl, Kohlrabi – ich scheine ein Händchen dafür zu haben oder das Wetter ist genau richtige für alle Kohlsorten, sogar die Rosenkohlstöcke sind schon einen Meter hoch.

Der Salat im Garten wird von uns verzehrt und nicht von den Schnecken (!) und mit dem Essen vom Mangold kommen wir kaum nach. Und wenn die Kürbisranken aus jeder Blüte tatsächlich einen Kürbis wachsen lassen, brauche ich viele gute Kürbisrezepte.

Vielleicht lesen Sie hier ein bißchen zwischen den Zeilen, falls ich zu subtil sein sollte: ich bin glücklich. Dieser Garten macht mich glücklich. Es ist nett, dass ein paar Blümchen blühen, aber es ist phantastisch, dass ich in den Garten gehen und Zutaten für ein Mittagessen holen kann. Ich kann Himbeeren naschen, Johannisbeeren und Stachelbeeren. Die Falläpfel sind jetzt schon so weit, dass ich sie zu Apfelmus verarbeiten kann, die Birnen schmecken schon, sind aber noch ganz schön knackig. Und Pfirsiche! Viele Pfirsiche gibt es demnächst und alle werden auf einen Schlag reif und wollen sofort gegessen oder verarbeitet werden, lagern kann man sie nicht.

Dieser Garten macht sehr viel Arbeit und noch viel mehr Freude. Ich habe Rückenschmerzen und undamenhaft kurze Fingernägel, unter denen trotzdem noch ein Schimmer von Erde zu sehen ist. Ich bin von Kopf bis Fuß verkratzt und zerstochen, habe blaue Flecken an den Schienbeinen und meine Schultern sind hinten brauner als vorne. Und meine Füße werden wahrscheinlich erst im Januar wieder sauber sein. Aber das macht alles gar nichts, eitel war ich sowieso noch nie.

Aber zufrieden bin ich. Sehr.

Und vielleicht ist die Zeit bald reif für ein langweiliges Gartenblog.

(jetzt, nachdem die Aufzucht der Brut nahezu abgeschlossen ist, kann ich ja über anderes junges Gemüse schreiben.)

Ich will da nie wieder raus! Einzig die Tatsachen, dass es (noch) kein WLAN dort gibt und ich bisweilen gewisse menschliche Bedürfnisse verspüre, zwingen mich dazu, den langen Weg von ganz hinten im Garten bis zur Grünen Villa zu wandern, wo dann so lästige Dinge wie putzen, kochen und Wäsche waschen auf mich warten.

Dank des Schreinerfreundes war das Hüttchen ratzfatz zusammengebaut. Die fertigungsbedingten Lücken im Dach ignorierten wir, weil aufgenagelte Dachpappe für prima Regenschutz sorgt. Donnerstag stand das Hüttchen, Freitag morgen pinselte ich den zweiten Anstrich Holzschutzmittel darauf. Fieses Zeug übrigens, nach drei Stunden inhalieren der Dämpfe war mir schwindelig und die Augen tränten. Nach kurzer Erholungsphase strich ich am nachmittag zwei Außenseiten rosa und alle Wände innen weiß. Die Tochter übernahm die beiden großen Außenwände, die Söhne und der beste Vater meiner Kinder nagelten derweil Dachpappe auf´s Dach, einsetzenden Regen und beginnende Dunkelheit ignorierend.

(das Hüttchen in der einsetzenden Dunkelheit)

Samstag morgen besserten die Tochter und ich farbschwache Stellen aus, die Männer bauten das Dach fertig.

(das Hüttchen steht direkt hinter dem Birnbaum, was diesem sicherlich auch gut gefällt, weil er dann ein bißchen Windschutz bekommt. Wie wild und zugewuchert der Garten an dieser Stelle ist … lässt sich vage erahnen.)

Da stand es, mein rosa Gartenhüttchen. Leider noch sehr unmöbliert, weswegen wir direkt ins blaugelbe Möbelhaus fuhren, um die Möbel, die ich mir schon im März ausgesucht hatte, zu kaufen. Im Möbellager waren sie aufgebaut, wir saßen ein bißchen Probe und entschieden, dass sie prima ins Hüttchen und unter unsere Hintern passen. Wir luden vier Einzel- und zwei Eckelemente auf unseren Wagen und suchten nach den passenden Polstern. Keine da. Nirgendwo. “Bitte wenden Sie sich an einen Mitarbeiter!”, teilte uns der Computer mit und deshalb taten wir das auch. Am Informationsschalter herrschte erst Ratlosigkeit, dann kam die bittere Wahrheit: die Polster sind allesamt ausverkauft, kommen auch nicht mehr ins Sortiment. Im Internet sind sie nicht mehr zu haben, in anderen Möbelhäusern auch nicht mehr. Blöde Geschichte, Sitzkissen mit den Maßen 62x62cm gibt es nicht allzu häufig, Schaumstoff zuschneiden und beziehen – ein Möglichkeit, doch ich wollte doch schnellschnellraschrasch diese Möbel und darauf sitzen! In der Fundgrube fand sich ein Polster. Ich beschloss dieses als Muster mitzunehmen, notgedrungen. Und dann hatte der beste Vater meiner Kinder eine wirklich gute Idee. Er ging zurück zum Informationsschalter und verhandelte mit dem Menschen dort den Verkauf der Ausstellungspolster. Nach einem Telefonat bekamen wir einen Ausdruck. Diesen nahmen wir mit den Polstern zusammen mit zur Fundgrube und bekamen dort einen wirklich guten Preis gemacht. Ein Polster fehlte noch. Das fand sich in der Gartenmöbelausstellung auf dem Parkplatz, bzw. in dem dort aufgebauten Gartenhäuschen, weil es gerade heftig regnete. Den Schlüssel für das Gartenhäuschen zu bekommen war dann noch ein bißchen kniffelig und erforderte weitere Telefonate von engagierten Mitarbeitern, doch letztlich und endlich hatten wir unsere sechs Polster, obendrein zu einem unschlagbaren Preis, im Wagen. Ich lud noch passende Lehnenkissen dazu und dann fuhren wir heim. Die Polster landeten sofort in der Waschmaschine und trockneten über Nacht, so dass am Sonntag das Rosa Gartenhüttchen noch nicht ganz fertig, aber durchaus benutzbar war.

(besonders freut mich, dass die grüne Korbkiste, die wir seit der ersten Wohnung immer wieder nutzlos umziehen und die ich immer wieder vor dem Sperrmüll rette, nun ein Plätzchen gefunden hat. Als Tisch und als Aufbewahrung für Kissen und Decke.)

Wir verbrachten den größten Teil des Sonntags im Rosa Gartenhüttchen, die Kinder waren anderweitig beschäftigt. Es lag sich sehr gut darin, der Johannisbeersecco mundete hervorragend und ganz wunderbar ließen sich Pläne für die Gestaltung des Gartenstückes schmieden, auf das Sie hier einen ganz ungeschönten Blick werfen können.

(43 Jahr musste ich alt werden, um endlich ein eigenes Spielhäuschen zu bekommen :))

Am Abend krachte dann urplötzlich und ohne Ankündigung ein Gewitter mit heftigen Sturmböen über uns herein. Birke und Kirschbaum wurden heftig geschüttelt, Blumentöpfe flogen und ich hatte sehr große Angst um das Rosa Gartenhüttchen, das noch nicht im Boden verankert ist und das zur Wetterseite offen ist. Eine Sturmboe könnte also prima hineinfahren und es umkippen. Als ich lange genug sorgenvoll geschaut und geseufzt hatte, zog der beste Vater meiner Kinder die Regenjacke über und stapfte ins Unwetter hinaus. Kurze Zeit später kam “alles gut” per whatsapp auf mein Handy und dieses Bild:

Es steht noch, die Farbe und das Dach halten. Es ist ein bißchen nass und schmutzig geworden, aber bald werden wir wieder darin sitzen und den Sonnenuntergang beobachten.

Es macht mich glücklich, dieses rosa Ding.

Ich komme ja zu nix!

3. Juli 2014

Falls Sie mich vermissen: ich bin da, es geht mir prima, aber ich hab einfach keine Zeit. Das Gartenhüttchen soll nämlich dieses Wochenende schon stehen und bis dahin ist noch ein ziemlich langer Weg zu rennen.

Der große Sohn hat das Fundament fertig gepflastert und gerüttelt und ich denke, wenn ihm überhaupt nicht einfällt, was er nach seinem FÖJ tun könnte, kann er sich als Altstadtpflasterleger sein Butterbrot verdienen. Zwischen Gartenmauer und Hüttchenwand muss er noch so ein Wachstumsstoppvlies legen und Schotter draufschütten und dann hat er seinen Job, für den ich ihn angeheuert und bezahlt habe … erledigt. Hat er prima gemacht, ich bin stolz auf ihn.

Ich war auch nicht ganz faul, denn ich habe die Hüttchenteile mit Wetterschutzzeugs eingepinselt, manche sogar zweimal.

Und gestern ließ ich im Baumarkt das Gartenhüttchenrosa anmischen: Das war gar nicht mal so einfach, obwohl es ja diese praktischen Farbkärtchen gibt, auf der sich meistens genau der Wunschton findet, der einem vorschwebt. Ich fand meinen Wunschton ziemlich schnell und marschierte zielstrebig zum Oberfarbanmischermenschen: “Lack in dieser Farbe bitte, ich möchte 15 Quadratmeter streichen.” Der Oberfarbanmischermensch wollte mir aber keinen Lack anmischen, sondern lieber Holzschutzfarbe, denn die sei “elastischer” und würde unter Wind- und Wettereinfluss nicht abblättern. Das leuchtete mir ein und ich wiederholte: “Holzschutzfarbe in diesem Farbton bitte, ich möchte 15 Quadratmeter streichen.”

“Das macht der Kollege”, sprach der Oberfarbanmischermensch und entschwand in den Tiefen des Baumarktes. Mich ließ er mit dem Unterfarbanmischermenschen alleine, der ein bißchen zu alt für ein Schülerpraktikum aussah, aber wohl ähnliche Qualifikationen hatte: keine. “Also ich muss jetzt da die Dose mit weißer Farbe reinstellen, oder?”, fragte er mich oder den Geist den Baumarktes oder wen auch immer, ich zuckte jedenfalls unverbindlich mit den Achseln. Er stellte die Dose mit weißer Holzschutzfarbe in etwas, das wie ein Getränkeautomat aussah, tippte ein paar Zahlen in den Computer und drückte Start. Die Maschine brummte und spuckte ein Klümpchen irgendwas in die weiße Farbe.

“OOOH! Ob das jetzt richtig war? Ob das ausreicht? Oh wei, ich weiß ja nicht!”, der Unterfarbanmischermensch schien nahe eines Nervenzusammenbruchs. Ich empfahl, die Farbe zu mischen und einfach zu schauen, was rauskommt. Eine andere Lösung gäbe es sowieso nicht.

Der Unterfarbanmischermensch verschloss die Dose sorgsam und klemmte sie in die Farbmischmaschine, die sofort fröhlich zu rütteln begann. Knapp drei Minuten später endete das Rütteln und die Farbe war fertig. Theoretisch. Praktisch konnten wir das nicht überprüfen, da sich der Holschutzfarbdosenöffner nicht finden ließ. Auch ein zufällg vorbeilaufender Kollege hatte keinen und ein Schraubenzieher, den ich spontan gewählt hätte, ist nicht erlaubt, weil der den Holzschutzfarbdosendeckel zerdellen würde. Immerhin hatte der Kollege die Nummer des Oberfarbanmischermenschens und konnte diesen nach dem Verbleib des Holzschutzfarbdosenöffners befragen. Den hatte dieser gewissenhaft eingesteckt, damit er nicht verloren geht, doch er eilte sofort herbei und zückte das vermisste Gerät. Die Farbe war ganz genau richtig und auch das Antlitz des erleichterten Unterfarbanmischermenschen nahm wieder einige rosige Tönung an.

Wir zogen mit weißer und frisch angemischter Holzschutzfarbe zur Kasse und ließen uns dort belehren, dass es zwar so aussieht, als könne man sich Wachstumsstoppvlies selbst abschneiden, es aber tatsächlich überhaupt nicht so sei. Das muss nämlich ein Kollege mit doppeltem Durchschlag Meteranzahl und Artikelnummer direkt nach Abschnitt notieren. Wir nickten reumütig und verständig.

Der gemischte Farbton ist übrigens irgendetwas zwischen Kalbsleberwurst, Erdbeerjoghurt und geschmolzener Fürst-Pückler-Rolle. Ich liebe ihn.

Heute durfte ich aber erst weiß streichen. Alle Dachteille innen nämlich, damit die später nicht mühsam über Kopf gepinselt werden müssen. Dabei holte ich mir einen entzückenden Sonnenbrand, obwohl ich heute morgen noch prahlte, dass ich mich nie in der Sonne verbrenne. Tja. Hochmut.

Und weil ich vor lauter Holzteile und -bretter durch die Gegend wuchten und in orthopädisch zweifelhafter Haltung streichen ein bißchen sehr Rücken habe, hat sich der weltbeste Schreinerfreund bereit erklärt, beim Aufbau des Hüttchens zu helfen. Gerade eben schrauben sie da ganz hinten im Garten und ich geh da jetzt mal hin. Vorfreuen und kompetente Kommentare einstreuen.

Bilder gibt es bald. Wenn ich mal wieder zu was komme.

falls …

3. Juni 2014

Sie dachten, dass die Frau Mutti immer noch feiernd in ihrem Garten tanzt, dann haben Sie beinahe recht.

Am Samstag zu Beispiel saß ich eine Stunde in meinem Gemüsegarten und sah den Kohlrabis beim Wachsen zu. Die Familie war zum Klettern ins Morgenbachtal gefahren, ich hatte mir keine lange to-do-Liste geschrieben, sondern nur einen einzigen Vorsatz: im Gartensitzenliegenstehenspazieren. Den habe ich erfüllt und ich sage Ihnen, es war ein Fest.

Noch immer treffen wir Nachbarn uns mit ungeheurem Mitteilungsbedürfnis. Alle alten, uns so stark belastenden Geschichten aus der Nachbarschaft werden wieder und wieder erzählt und immer wieder enden diese Gespräche mit dem Stoßseufzer “Es ist vorbei.”

Gestern war ich in dem Haus. Die Besitzerin war zur Übergabe angereist, zusammen mit Anwalt, Ordnungsamt und Chef des Ordnungsamtes. Von Hausfenster zu Garten schwätzten wir kurz. “Mir ist ganz schlecht”, sagte sie und da wurde ich doch sehr neugierig. Später bekam ich Gelegenheit, meine Neugierde zu stillen. Das Haus muss saniert werden. Mutwillige Schäden neben Abnutzungsschäden neben “ich wertschätze nichts und niemanden”-Schäden. Ein Container muss kommen, denn ausgeräumt ist da noch lange nicht. Und als Abschiedsgruß waren beide Toiletten bis um Rand … ach lassen wir das. Die Besitzerin will das Haus nun verkaufen, denn bevor sie es erneut vermieten könnte, müsste sie es renovieren lassen. 50.000€ schätzte der eine Anwalt, ich als Renovierungserfahrene sage: das Doppelte.

Und so hoffen wir darauf, dass sich irgendjemand in dieses Häuschen mit dem wunderbaren (derzeit natürlich verwilderten) Garten, in den niemand reinschauen kann, verliebt und bereit ist Zeit, Arbeit und Geld zu investieren. Wohnen kann darin derzeit niemand mehr und deshalb ist die bange Frage “wer kommt danach?” erstmal aufgeschoben.

Die Besitzerin ließ das Schloss am Tor auswechseln, den von den ausgegebenen zehn Schlüsseln bekam sie nur zwei wieder. Eine leise Angst haben wir alle noch, dass die Nachbarn einfach wieder einziehen und das Haus “besetzen”. Wahrscheinlich ist das nicht, aber doch – wir trauen den Ex-schrägen Nachbarn alles zu.

(noch eine kleine Begriffserklärung, weil man anmerkte, dass “schräg” doch zu milde sei: schräg bezieht sich auf die Wohnlage. Schräg gegenüber wohnten sie, genau gegenüber von dem Gartenstück, das jetzt mein Gemüsegarten ist.

Und das war der letzte Blogartikel zum Thema “schräge Nachbarn”. Geschafft, überlebt. Weiter geht´s.
Danke für Ihre zahlreichen mitfreuenden Worte!

Der Garten im Mai

27. Mai 2014

Gestern abend twitterte ich, ich habe da eine neue Garten-Event-Idee: Menschen kommen zu mir, um im Garten zu jäten und zu gießen, abends können sie dann den Garten genießen. Das ist natürlich nur halb ernst gemeint, denn so sehr mich die Idee einer Gartenhilfe, die für das Vergnügen im Garten schuften zu dürfen womöglich noch bezahlt (nach dem Vorbild einiger Winzer, die die Touristen gegen Bares Trauben lesen lassen :)) lockt, so sehr würde es mich wahrscheinlich stören, wenn fremde Menschen Sachen in meinem Garten machen. Mein Garten wächst mir jetzt in diesem Gewächshaus-Wetter-Mai buchstäblich über den Kopf, wahrscheinlich habe ich deshalb komische Gedanken und Ideen.

In meinem Gemüsegärtchen wuchert es. Letztes Jahr blickte man zu dieser Zeit an genau dieser Stelle stehend auf einen grünen Berg. Beinahe schulterhoch waren Brennnesseln, Goldruten und Winden zusammengewachsen. Zum Jäten hatte ich auch deshalb wenig Lust, denn das Haus, das sie da gegenüber sehen, ist das Haus in dem _jene Nachbarn_ hoffentlich nur noch bis Freitag wohnen.

Der beste Vater meiner Kinder und ich stopften im letzten Hochsommer unzählige Grünschnittsäcke voll, rissen den Kram einfach ab, schnitten klein, ignorierten Wurzeln und Samen. Hauptsache erstmal das Grünzeug wegschaffen. Der große Sohn grub das Stück um, ich robbte hinterher und klaubte Windenwurzeln aus der Erde, jätete Aufkeimendes, zerdrückte Schneckeneier.

In der Zwischenzeit baute der große Sohn das Fundament für diesen großen Kanister, den Sie im Bild nicht übersehen können. Er hat 1000 Liter Fassungsvermögen und dank dem Regen der letzten Tage ist er randvoll. (das Wasser von der Terrasse läuft dort hinein) Ich kann also ohne weite Gießkannen-schlepp-Wege meine Gemüseexperimente gießen.

Meine Kohlrabis zum Beispiel! Die wachsen und gedeihen prächtig und ich fühle echtenKohlrabi-Mutterstolz!

Nach einem Wachstumsstop wegen nächtlicher Kälte kommen jetzt auch die Tomaten und die Gurken, die den Kanister überwuchern sollen. Und die Kartoffeln sind bereits ordentlich angehäufelt. Das ist alles gut und schön und eine Freude zu sehen, wie es wächst und dieses öde Stück saftig grün wird.

Leider wächst auch sehr, sehr viel von dem, was nicht wachsen soll.

Klatschmohn, Melde, Schöllkraut, Gänsedistel und Miere lassen sich leicht jäten, aber die Winde… die verflixte Winde. Die wird mich noch mindestens zwei Jahre beschäftigen. Und wenn ich mit ihr fertig bin, kann ich mich mit dem Giersch amüsieren. Ich entdecke also die Freuden des Gemüsegärtnerns. Das beinhaltet auch hacken. Einmal gehackt ist halb gegossen oder so ähnlich heisst der kluge Gärtnerspruch, dessen Logik sich mir mittlerweile erschließt. Unsere fette Ton/Lehm-Erde backt nämlich bei Hitze zu einer sehr harten Kruste, die nur wenig Gießwasser durchlässt. Deshalb ist das Schwingen von Hacke oder Grubber derzeit meine bevorzugte Sportart.

Der restliche Teil des unteren Garten wird hingegen immer pflegeleichter. Wir lassen das, was auf dem Boden wächst, wachsen und schicken wöchentlich ein Kind mit dem Rasenmäher darüber. In der Mitte wachsen die Obstbäume, bzw. meine frisch gesetzte Rebe und am Rand blüht es fröhlich. Lücken am Rand will ich mit heimischen Gehölzen füllen, solche die im Frühling Bienen und im Herbst Vögel glücklich machen.

Die Apfelbäume, der Pfirsich- und der Birnbaum hängen sehr voll. Wenn nicht ein Sommergewitter da mächtig ausdünnt, kommt viel Arbeit auf mich zu. Da ist ein pflegeleichter Restgarten nicht das Schlechteste.

Am Ende dieses langen Stückes steht dann bald das Gartenhüttchen. Und dort darf der Garten dann auch wieder bunt werden. Nächstes Jahr dann. Wenn es weniger Winden im Gemüsegarten gibt.

“Unkraut” kann übrigens sehr, sehr hübsch sein und darf deshalb auch wachsen. Hier der wilde Storchenschnabel:

Demnächst zeige ich Ihnen dann mal wieder das obere Gartenstück, das wir hochtrabend den “Wellnessbereich” nennen. :) Demnächst heißt: wenn sich der Farn erholt hat, der von einem Raummeter Holz, der umstürzte, plattgedrückt wurde. Und wenn die vielen Funkien in ihren Töpfen endlich ihren endgültgen Platz gefunden haben. Demnächst eben.