Adventsbloggen, 18.Dezember

18. Dezember 2025

Ein ruhiger Tag voller Gemütlichkeitsinselchen. Kerzchen hier, Teechen da und dazwischen sehr viel „im Kopf formulieren“. Ich muss nämlich den Satz: „Du Vollpfosten, woher kommt diese irrationale Angst vor der Antifa? Wir sollten alle Antifa sein.“ in eine etwas gefälligere, zahmere, weniger angriffslustige Form bringen. Die Sache mit den wohlüberlegten Formulierungen übe ich noch. Es fällt mir schwer, ich bin da zu emotional.

Sonst nur Kleinigkeiten erledigt, ich erwähnte es ja – viel Gemütlichkeit. Ein bißchen Kopfschmerz ist auch wieder dabei und ja, ich habe es in den Terminkalender geschrieben: Arzttermin ausmachen, das ist ja kein Zustand mehr.

Mittlerweile dröselt sich die „wann ist wer wo“-Situation auf! Ein Tisch für neun am Sonntag abend ist reserviert, vorher habe ich noch einen halboffiziellen Termin beim Weihnachtsglühen der Grünen. Sogar die Ankunftszeit des Schwagers mit den jüngeren Kindern ist auf zwei Tage eingegrenzt. Das superduper Entspannungsgefühl von gestern ist noch da, es funkelt nur nicht mehr ganz so hell.

Der Gatte und der Jüngste haben jetzt bis ins nächste Jahr frei, haben sie beide so sehr verdient. Wir haben den letzten Arbeitstag sehr stillos mit einem Bier gefeiert. Jetzt bin ich müde von der Ereignislosigkeit und hüpfe ins Bett.

Adventsbloggen, 17. Dezember

17. Dezember 2025

Eigentlich wollte ich heute garnicht bloggen, weil ich eh nix zu erzählen habe und wenn ich hier was schreibe, ich im echten Leben wieder nur „jaja, weiß ich schon, hab ich schon gelesen“ zu hören bekomme. Ja, ich meine Dich. Und Dich auch. Hmpf.

Heute also keinen superspannenden Tagesablauf (gemeinsam mit Oma Eis gefrühstückt, Haushaltsgedöhns, Mandeln gebrannt und nicht die Finger verbrannt, gehäkelt und mit dem Jüngsten Serie geschaut -> Sie kommen um vor Spannung, ich spüre das).

Heute erzähle ich Ihnen nur kurz, dass ich unfassbar entspannt bin, was dieses ganze Weihnachtstrallalla dieses Jahr anbelangt. SO entspannt, dass vielleicht doch noch irgendwas gründlich schief gehen kann, aber wenn, dann ist es halt so, ich bin so was von locker und cool.

Das Menü steht, die Aufgaben sind verteilt, bzw. weiß ich schon, wer was machen wird. Ein Geschenk ist unterwegs, das wird rechtzeitig ankommen, alles andere liegt bereit und ist teilweise eingepackt.

Ich weiß wann die Tochter anreist, wann Gatte und Jüngster Urlaub haben, ahne zumindest, wann der Große hier aufschlägt, die allerbeste Freundin vermutlich ebenfalls an diesem Tag und um 13:00 Uhr gibt es am 24.12. Mittagessen.

Ich habe keine Ahnung, wann und ob der Schwager mit den jüngeren Kindern kommt, ob und wann der zweitälteste Neffe anreist und wenn ja, bringt er seine Freundin mit? Es ist mir völlig unklar, was die kryptische Nachricht „hatten einen kleinen Unfall, warten auf die Polizei, Zug verpasst“ des ältesten Neffen bedeutet, aber angeblich kommt er heute nacht gegen halb eins mit Freundin in Nierstein an. Wann wir uns wo treffen, ob es vielleicht dann zu spät ist, um einen Tisch zu reservieren und wieviele Familienmitglieder maximal gleichzeitig in Nierstein sind – hat mir niemand verraten.

Ich bin immer noch völlig entspannt. Das ist höchst erstaunlich. Entweder hat mich die Ignoranzfee geküsst oder ich spüre, dass das schon alles irgendwie stimmen, passen und großartig werden wird.

Adventsbloggen, 16. Dezember

16. Dezember 2025

Was für eine elende Nacht. In der Halle war eine fremde Katze eingesperrt. Unsere Katzenklappe steht nämlich auf „nur reinkommen“, weil Franz das Haus im Moment nur selten verlässt. Wenn er rausmöchte, schreit er uns so lange an, bis wir doofen Menschen kapiert haben, dass dieses Schreien weder Hunger noch Liebesbedürfnis, sondern ein Freiheitswunsch ist. Wir öffnen ihm dann das Schlafzimmerfenster, das direkt auf die Terrasse führt. (und von dort geht’s dann ja in den Garten). Manchmal möchte er auch einfach nur am offenen Fenster sitzen bleiben, gerne, während ihm gleichzeitig die Ohren gekrault werden.

Nach Beendigung wichtiger Katzengeschäfte und Revierkämpfe kann er dann durch die Katzenklappe in die Halle und von dort entweder in die Wohnung des Jüngsten oder zu uns.

Die blöde Katze, die heute nacht in der Halle eingesperrt war, fand es natürlich saudoof eingesperrt zu sein und versuchte sehr energisch auszubrechen. Und da die Katzenklappe schräg unter dem Schlafzimmerfenster ist, nervte mich das Geklapper die ganze Nacht. Aufstehen und das Viech rauszulassen war deshalb keine Option, weil ich dann völlig wach gewesen wäre und die Nacht ganz verloren. Die Katze durfte natürlich am Morgen raus und hoffentlich erinnert sie sich an diese eingesperrte Nacht und daran, dass sie bei uns nicht willkommen ist.

(wir mögen Katzen wirklich sehr, aber da wir auch schon oft erlebt haben, wie schlimm das ist, wenn Katzen über Tage/Wochen nicht heimkommen, versuchen wir es fremden Katzen so unattraktiv wie möglich bei uns zu machen)

So. Nach unruhiger Nacht war ich mittelmäßig gelaunt, aber egal. Hilft ja auch niemanden, wenn ich brummig bin.

Wie jeden Morgen gab es ein paar Handgriffe im Haushalt, die Zeit, während der der Gatte mit den Hunden joggen war, nutzte ich für einen ausgiebigen Rundgang mit dem Staubsauger. Zum Glück ist der Fellwechsel der Hunde fast abgeschlossen, sie verlieren fast wieder nur noch die üblichen Haarmengen. (ich landete mal auf Instagram bei einer Frau, die aus Hundehaaren Garn sponn und darauf Pullover strickte. Ich sehe da ein Projekt für mich, falls die nächste Eiszeit über uns hereinbricht.)

Gatte und Hunde kamen zurück und ich verabschiedete mich. Ein kurzer Einkauf im Drogeriemarkt für meinen Schwiegervater und dann die Putzrunde bei ihm. Die verschlief er, er kam pünktlich aus dem Bett gekrochen, als die letzten Tropfen Kaffee in die Kanne röchelten. Während er frühstückte und mir die seine wilden Träume erzählte, aktualisierte ich seine Medikationsplan und richtete die Wochenration. Als die Sonne durch das Küchenfenster schien, war mein Schwiegervater so von unseren Schatten an der Wand begeistert, dass er ein Bild machen musste. Er braucht unbedingt einen Social Media Kanal! :)

Ich verabschiedete mich und radelte heim.

Das Mittagessen bestand schon wieder aus Resten: mit übrigebliebenem Käsespätzlekäse und zwei Eiern überbuk ich ein paar Nudeln, zwei händevoll eher labberige Karotten kochte ich noch ein bißchen weicher und glasierte sie kurz. Solides, leckeres Essen, wir waren beide zufrieden damit.

Nach dem Küche aufräumen blieb Zeit für ein ganz kurzes Schläfchen auf dem Sofa, bevor ich wieder los musste: Sprecherinnen-Treff um die geplanten Aktionen auf den neuesten Stand zu bringen, Aufgaben zu verteilen und Termine festzuklopfen. Zweieinhalb Stunden später marschierte ich wieder heim, müde geredet. Für mich ist dieses „Sprecherinnen-Dasein“ absolutes Neuland. Dass ich mich plötzlich ständig unterhalten muss, jede Menge Termine habe und für die einen Kalender brauche – alles neu. Termine habe ich „vorher“ auf Zettel geschrieben oder mir gemerkt (meistens), jetzt muss ich organisiert sein, das ist wahnsinnig anstrengend. Vor Telefonaten drücke ich mich nach wie vor, telefonieren ist mir soso unangenehm, das muss ich erst lernen. Also lernen, wie ich das unangenehme Gefühl von „igitt, es spricht mir jemand direkt ins Ohr“ loswerden kann. Das wird alles noch werden, ich bin zuversichtlich.

Daheim gab es endlich ein Schwätzchen mit dem Gatten, den restlichen Endiviensalat von gestern und gleich drei Folgen von „Only murders in the building“.

Und jetzt ganz vernünftig früh schlafen, hoffentlich ohne randalierende Fremdkatze. (Franz liegt schon schlafend und äußerst dekorativ am Fußende meines Bettes, wie es sich für eine brave Katze gehört)

Adventsbloggen, 15. Dezember

15. Dezember 2025

Der Gatte vergaß mich zu wecken, so dass der Morgen ausgeschlafen und ohne Hunderunde begann, die hatte er allein übernommen. Ich hatte Zeit für eine Dusche und ausgiebige Körperpflege, tat nach gestern sehr gut.

Ich tat die üblichen Handgriffe im Haushalt und lüftete einmal gründlich die Käsespätzle-Zwiebelluft aus der Küche. Der Kater forderte schreiend sein zweites Frühstück ein und die von der Hunderunde heimgekommenen Hund ihr erstes (und einziges).

Für mich gab es einen Lebkuchen und einen Kaffee, dann musste ich los, Bürgerinitiavenkram besprechen. Ein großartiges Gespräch, wir brauchen jetzt vielleicht für eine Aktion mindestens 1000 am Liebsten bunte Tischtennisbälle und etwa zehn große, transparente Behältnisse. Und vorher das Ja! aus der AG, bzw. dann dem Plenum.

Wieder daheim „kochte“ ich ein schnelles Mittagessen aus Rum-fort-Zutaten: Schupfnudeln und like chicken knusprig gebraten. Ein bißchen trocken aber ausreichend gut. Ein Schälchen Apfelmus aus den Vorräten als Nachtisch. Die Apfelmusvorräte müssen endlich reduziert werden, denn wenn das nächste Jahr genauso rasch verfliegt wie dieses, muss ich übernächsten Monat wieder Fallobst verarbeiten. Mittags zu kochen ist der Versuch einer neuen Tagesstruktur, weil ich mittlerweile sehr viele Abendtermine habe und deshalb kaum Zeit für gute Mahlzeiten. Und da der Gatte sowieso bis auf einmal in der Woche im Home Office arbeitet, macht es für ihn keinen Unterschied, ein warme Mahlzeit bekommt er sowieso.

Nach dem Mittagessen las ich ein bißchen was zum Thema „next cloud“, packte vom Adventsmarkt übriggebliebene Plätzchen wieder aus ihren Klarsichtbeuteln und schichtete sie vorsichtig in eine große Dose. Fünf Kilo sind es noch, die sollen am nächsten Sonntag auf Plätzchenteller verteilt werden und hoffentlich die Gäste des Café Welcomes erfreuen.

Weil ich mal nicht alles auf den letzten Drücker erledigen wollte, beschloss ich bereits vorhandene Geschenke einzupacken. Dabei stellte ich fest, dass meine Papierschublade a) völlig verrumpelt war und b) meine Geschenkpapiervorräte gegen null gehen. Ich werde improvisieren.

Und weil ich sowieso schon am Räumen war und keinen Nerv für irgendetwas, das mehr Konzentration verlangte, sortierte ich meinen Schuhschrank. Sommerschuhe in den kleinen Schrank im Nähzimmerkabuff, Winterschuhe ordentlich in den großen im Flur. Außerdem wärmende, isolierende Sohlen für alle Winterschuhe einlegen. Barfußschuhe brauchen eine Extraschicht nach unten.

Der Gatte heizte zum Tagesabschluss die Sauna ein, endlich ist es wieder kalt geworden. Vor dem Saunieren wusch und schnippelte er noch einen riesigen Kopf Endiviensalat, ich rührte wärendessen das Dressing (Sojajoghurt, Kürbiskernöl, Salz. Zucker, Pfeffer) und schnitt zwei Äpfel zum Untermischen.

Ich genoss einen Saunagang und einen Aufguss, dann war ich ausreichend gewärmt und angenehm müde, der Gatte blieb für zwei weitere Gänge. Danach gab es jede Menge Salat zum Abendessen und ein Kügelchen Vanilleeis.

Auf dem Sofa rumdümpeln, im Internet lesen, selbst was ins Internet schreiben und schlafen gehen. Morgen ist Opa-Tag!

Adventsbloggen, 14. Dezember

14. Dezember 2025

Heute lauter erste Male!

Zum ersten Mal:

  • von der Polizei vor einer Demo kontrolliert worden
  • an einer Demo teilgenommen, die von doppelt so vielen PolizeibeamtInnen wie DemonstrantInnen begleitet wurde
  • mit Polizisten gebrannte Mandeln geteilt
  • als „Zecke“ beschimpft worden (nicht von der Polizei)

Sehr, sehr kurzfristig wurde bekannt, dass die A*D nicht nur ihren ominösen „europäischen Weihnachtsmarkt“ in Gauersheim feiern wollte, sondern auch den Landesverband ihrer Jugendorganisation gründen wollte.

Dass gleich drei Gegendemos angemeldet wurden und mit Kundgebungen stattfanden, halte ich für sehr beachtlich! Im Vorfeld hatte die Polizei von „Klein-Gießen-Vermeidung“ gesprochen und vielleicht war das Aufgebot deshalb auch so hoch. In einem kurzen Gespräch mit einem Beamten äußerte ich mein Mitgefühl, den dritten Advent bei usseligem Wetter auf der Straße verbringen und ein paar Demonstranten beim Singen zuhören zu müssen. „Augen auf bei der Berufswahl“, war seine resignierte Antwort und ich war sehr erleichtert, dass der Große die Augen letztlich sehr weit geöffnet hatte und nicht bei der Polizei gelandet war, wie ursprünglich angedacht.

Es wurde friedlich demonstriert, starken Vorträgen gelauscht und gemeinsam gesungen. Weil die Haupstraße, an der sich die von der A*D belegte Gaststätte befindet, gesperrt war, zog ein langer Zug Menschen den weiten Weg über matschige Wege durchs Feld auf die andere Seite der Straßensperrung. Und weil dort nichts los war, marschierten die jüngeren, engagierten der Antifa wieder zurück.

Wir folgten der Einladung einer Gauersheimerin zum Kaffee trinken. In ihrem Hof stellten wir Biertischgarnituren, Stühle, Hocker und Kisten auf, packten alle Kekse, Nüsse, Plätzchen und sonstigen Demoproviantvorräte auf einen Tisch und saßen über eine Stunde zusammen. Das Konzept „After-Demo“ erfreute uns alle sehr, denn der Austausch frischer Gefühle und Erlebnisse tat gut. Ab und zu gingen kleinere Grüppchen vor das Hoftor, um vorbeiziehenden A*D-Sympathisantinnen, die zum Weihnachtsmarkt gingen, Liedchen vorzusingen. Der Einsatzleiter der Polizei saß mit Kollegen in seinem Bus gegenüber des Tores. Gegen die Langeweile hielten wir kleine Schwätzchen mit ihnen, gegen den Hunger reichten wir gebrannte Mandeln und Erdnußfudge. (dürfen sie nicht annehmen, behaupteten sie. Taten sie aber doch und fragten nach mehr. LOL.)

Mit dem Versprechen, weitere Aktionen in Gauersheim tatkräftig zu unterstützen, verließen wir unsere Gastgeberin wieder und fuhren heim.

Ich bin sehr erleichtert, kein „Klein-Gießen“ erlebt zu haben, gleichzeitig aber auch sehr erschüttert, dass, nach Aussage unserer Gastgeberin, nur VIER Menschen aus Gauersheim unter den Demonstrierenden waren. Und auch wenn Gauersheim nur 680 Einwohner hat: das ist traurig. Ich weiß nicht, ob es Lethargie oder Angst ist, die Die EinwohnerInnen fernhält, aber ich hoffe sehr, dass sich da was bewegt. Immerhin hat die A*D dort ihren Treffpunkt „Nordpfalz“ und das ist leider ein (viel zu) große Kiste für das Dörfchen.

Daheim … Ruhe! Selige Ruhe und Einsamkeit. Der Gatte war bei seinem Vater, der Jüngste übernahm die Hunderunde, ich versank mit einer Tasse Kaffee unter meiner dicksten Decke auf dem Sofa. Und schlief prompt ein.

Aber nur kurz, denn der Gatte kam wieder heim, wir hatten Erlebnisse auszutauschen und dann war auch schon Zeit zum Kochen. Der Schwiegervater und der Jüngste waren eingeladen, es gab Käsespätzle. Da ich ja eine Milcheiweißallergie habe, bezahle ich dieses Vergnügen gerade mit heftigen Bauchschmerzen, aber wow! Die waren SO GUT.

Mein Schwiegervater verabschiedete sich, der Gatte und ich blieben noch für ein Glas Wein auf dem Sofa. Noch vier Tage arbeiten für den Gatten, dann hat er Urlaub. Mein von Ehrenamtlichen Terminen sorgsam freigeschaufelter Dezember (haha) hat bereits wieder zwei neue Termine und auch das nächste Wochenende füllt sich schon wieder. Keine Ahnung, wann wir in besinnliche Stimmung kommen sollen.

(mit Käsebauchweh eh nicht)