Den ersten Kaffee des Tages trank ich um halb sieben, nur in Hundegesellschaft vor dem Ofen. Es war noch dunkel und mir war sehr gemütlich zumute.

Kurz nach neun weckte ich den besten Vater meiner Kinder und um halb zehn marschierten wir los. Laufen gegen das Novembergrau, wenn man erstmal unterwegs ist, ist es nicht mehr schlimm. Und der Hund muss ja eh raus.

Die Verdauung des Hundes schrieb uns den ersten Teil des Weges vor, den Mülleimer für die Kackbeutel gibt es nur wenige, da muss man sich schon nach richten. Deswegen gingen wir die große Steig nicht weiter, sondern bogen zur „Roter Hang Hütte“ ab, weil – genau. Da gibt es einen Mülleimer.

Nach der Hütte gingen wir quer.

Im Zuge der Flurbereinigung ist es dort oben ziemlich kahl geworden. Viele Wingerte sind schon komplett ausgemacht, von manchen stehen nur noch die Stöcke in der Erde. Das sieht ein bißchen traurig aus, passiert aber alle paar Jahre mal. Und der gar nicht mehr so kleine Hund fand es super, weil es so viele Knorzen zum Rumschleppen und jede Menge Platz zum Rennen gibt.


(außerdem liegen sehr viele Kleintierkadaver herum. In dreien wälzte sich der Hund hingebungsvoll, was ihm nach dem Spaziergang eine gründliche Dusche einbrachte)

Bis vor ein paar Wochen war ich sehr angespannt, wenn der gar nicht mehr so kleine Hund frei lief. Immerhin ist der Vater ein Pointer und das Jagdgen schien gut durchzuschlagen. Doch mittlerweile hört Lola sehr gut auf den Rückruf, kommt sogar, wenn sie Rehe aufscheucht. Das erleichtert die Hunderunden ungemein, denn die Schleppleine ist schon sehr lästig.


Zum Glück ist der Hund so verfressen, für ein Hundeleckerli ignoriert sie sogar Jagdbeute. Allerdings frisst sie eben auch alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, aber das ist eine andere Baustelle. (eine kleine)


Wir wanderten immer weiter Richtung Lörzweiler, vorbei an abgeernteten Rübenäckern. Es blieb trüb, die einzigen Farben um uns herum waren braun, grün und grau in allen Nuancen. Sehr ruhig, sehr friedlich.


In der Ferne tauchte unser Ziel auf, der „Königsstuhl“.

Konrad der Ältere wurde dort am 8. September 1024 als Nachfolger von Kaiser Heinrich II. zum deutschen König gewählt.


Solch ein schniekes Türmchen gab es damals wohl eher nicht, sicher nur ein Zelt und vielleicht ein Podest. Macht aber nix, es ist schön, dass hier ein bekanntes Stück Geschichte geschrieben wurde.

Wir lockten Lola mit Hundeleckerlis und sehr viel Lob die Eisengittertreppe nach oben und genossen den Rundumblick.


Danach ging es auf dem Betonweg direkt nach Hause. Vorbei am Wartturm und der Kelter an der kleinen Steig. Für Pokémonspieler ganz wichtige Stationen! :)


Zehn Minuten später waren wir wieder daheim, wo uns der von den Söhnen gedeckte Adventsfrühstückstisch erwartete. Zehn Kilometer, zwei Stunden unterwegs und das Grau hatte keine Chance, mir schlechte Laune zu machen.

3 Kommentare zu “27.11. – gegen das Novembergrau”

  1. Katja sagt:

    Schön.

  2. Evi sagt:

    Schreiben Sie bitte für uns im Dezember weiter. So unter dem Motto „für die Dezemberfreude“. 👍👍🎄🎄

  3. bienetta sagt:

    Sie schreiben lustig, unterhaltsam und für Hundefreunde gibt’s noch Lacher obendrauf. Mülleimerangepasste RUnden mit anschließender Dusche für den Hund – das kennt man (leider).
    (Lob auch für die vermutlich ungleich befüllten Satteltaschen im vorherigen Artikel, Daumen hoch!)