Adventsbloggen, 22. Dezember (Nachtrag)
23. Dezember 2025
Aufgestanden mit leichten Kopfschmerzen, ein komisches Pieken hinter dem Auge. Gefrühstückt mit Kopfschmerzen, eingekauft mit nervigen Koofschmerzen, mit der Tochter traditionell einen furchtbaren Weihnachtsfilm (diesmal „Last Christmas“. Was für ein Schwachsinn!) geschaut, mit stärkeren Kopfschmerzen rumgehangen und irgendwann ins Bett mit üblen Kopfschmerzen.
Kopfschmerzen bei denen jede Haarwurzel ihren eigenen Schmerz hat, so dass der Kopf nicht einfach abgelegt werden kann. Der Nacken heult, egal ob er gebeugt, gerade gehalten oder überstreckt wird und die durch den ständigen Schmerz hochgezogenen Schultern stimmen irgendwann mit ein.
Keine Migräne, einfach „nur“ Schmerz.
Eine Schmerztablette nahm die Schmerzspitzen und ich konnte schlafen.
Adventsbloggen, 4.Dezember
4. Dezember 2025
Es sind diese Tage.
Diese Tage beginnen damit, dass der Wecker viel zu früh und schrill klingelt, dass die Müdigkeit über nacht nicht verschwunden ist und weiterhin bleischwer auf Lidern und Gliedern liegt.
Die Hunderunde übernimmt der Gatte, ich bleibe liegen und versuche wieder in den Schlaf zu finden. Klappt nicht.
Und so stehe ich auf, erledige das Morgenprogramn im Bad, lüfte. schüttele Decken und Kissen auf, räume Klamotten weg.
Die Haut an den Unterarmen ist so empfindlich, dass Ärmel schmerzen, hinter dem rechten Auge pocht es.
Vielleicht hilft backen? Ein Teig für Schneeflocken ist schnell zusammengerührt, backen werde ich morgen, das ist dann doch zu viel. Der Kühlschrank sieht nicht gut aus, putzen dauert ewig, die Kombination von dem warmen Putzwasser an den Händen und der Kälte aus dem Kühlschrank verursachen Übelkeit.
Ich schütte einen Kaffee auf die Übelkeit und, ja, das ist jetzt nicht überraschend, sie verschwindet nicht. Auch nicht mit einem Stückchen vom übrig gebliebenen Geburtstagskuchen.
Das Licht ist zu hell, obwohl der Tag noch grau ist und heute wohl auch nicht heller wird.
Und endlich kapiere ich, dass „zu müde, zu empfindlich, zu laut, zu hell, zu übel“ und Augenpochen eine Migräne sind. Ich lege mich aufs Sofa, versuche endlich bitte einzuschlafen, damit es nicht schlimmer wird. Das klappt natürlich nicht.
Ein Schmerzmittel macht stumpf und dumpf, aber es gibt keine Schmerzspitzen mehr in meinem Kopf, die Übelkeit ist weg. Doch ich bin so schlapp und matt, dass ich einfach auf dem Sofa sitzen bleibe. (und mir selbst leid tue)
Ein paar Handgriffe im Haus gelingen mir dann doch, aber immer wieder muss ich sitzen und mich ausruhen, der Kopf schmerzt wieder und der Nacken auch. Auch nach einem kurzen Schläfchen ist das nicht besser, aber die Empfindlichkeit ist weg.
Das ist auch gut, ich begleite meinen Schwiegervater zu dessen Hausärztin, meine Konzentration muss ausreichen, um eine neue Medikation zu besprechen. (ein Medikament muss nun in der höheren Dosis verabreicht werden, die Krankenkasse prangert das bisherige Halbieren der Tabletten an. Die Tabletten haben eine Kerbe und ich versuche verzweifelt, mich an Frau Brüllens Ausführungen bezüglich teilbarer Tabletten zu erinnern. Gelingt mir nicht, muss ich nachlesen, wenn ich wieder klar bin) Ein Rezept für ein Blutdruckmessgerät wird ausgestellt, denn die höhere Dosierung könnte den Blutdruck zu weit senken, das muss nun kontrolliert werden. Die Ärztin schimpft über diese Situation, ich übersetze das beschwichtigend für meinen Schwiegervater, der etwas verunsichert wurde.
Wir verabschieden uns vor der Arztpraxis. Er steigt auf sein Dreirad und fährt zum Einkaufen, ich steige auf mein Rad und fahre mit höchster Unterstützung, weil völlig kraftlos, wieder heim.
Daheim wartet eine Kiste Crowdfarming-Orangen auf mich und die einzige Orange mit Macke esse ich sofort. Ich bilde mir ein, dass sie mir gut tut. So gut, dass ich einen weiteren Kaffee riskieren kann. (schmeckt und tut mir gut)
Ein paar Sachen für den Adventsmarkt sind noch zu organisieren und richten, das schaffe ich ganz gut, ich verabrede mich für das Handarbeitsbüro morgen und mittlerweile hoffe ich leise, dass es diesmal nur eine „ein-Tag-Migräne“ ist. Die sind selten, meistens sind es nämlich drei Tage. Doch die Begleiterschungen sind/waren schwach, die Kopfschmerzen erträglich. Mittlerweile kann ich ja auch schon wieder geradeaus denken.
Heute also früh ins Bett und morgen früh ein neuer Start. (was von jeder Migräne bleibt, ist ein, zwei Tage lang eine Art Wundschmerz wie von einer ganz frischen Narbe am Migränepunkt. Aushaltbar, nur irritierend.)
Jahresrückblick?
31. Dezember 2024
Zum ersten Mal seit siebzehn Jahren gibt es hier keinen Jahresrückblick in Bildern. Auch nicht mit (vielen) Worten.
Anfang des Jahres wurde „LongPostSonstwasCOVID mit Wechseljahr- und Schildrüsenhormonchaos“ heruntergebrochen auf „depressive Episode“. Ich wurde medikamentös „eingestellt“ und alles wurde besser, heller.
Auf einmal war da wieder Kraft (und Lust) für Alltag und Leben. Und für einen tollen Wanderurlaub in der Bretagne.
Nach dem Urlaub war ich erschöpft. Die Erschöpfung wich nicht mehr recht, ich hangelte mich von „Inselchen zu Inselchen“, jedes Inselchen ein besonders schönes Ereignis. Zwischen den Inselchen lag ich auf dem Sofa. Oder im Bett. Das Leben war egal.
Das Wochenende in Nürnberg mit den Freunden war solch ein Inselchen. Ich kratzte Kraft und Laune zusammen und genoß. Bis eine Begebenheit mich so sehr triggerte, dass ich endlich, endlich den Mut fasste, dem Gatten die ganze Tiefe meines „alles egal“ zu offenbaren. Ich konnte eingestehen, dass ich Hilfe brauche. (Damit das nicht nur Lippenbekenntnisse sein sollten, weihte ich die Freunde am nächsten Tag direkt ein. Tat gar nicht weh.)
Mittlerweile weiß ich, dass ich unter funktionaler Depression leide, dies wahrscheinlich seit Kindheit. (Bei Gelegenheit erkläre ich, was das bedeutet. Oder Sie googeln rasch selbst.) Ich gelte als „des Lebens überdrüssig“, aber nicht als akut suizid gefährdet. Meine Medikation soll mir helfen, etwas mehr Antrieb zu haben. Der nächste freie Platz in der Klinik gehört mir, ich warte seit sieben Wochen darauf.
Es geht mir nicht allzu schlecht, eigentlich sogar ganz gut. An Weihnachten habe ich spontan für zehn Leute gekocht und eine kleine Party mit den Kindern gefeiert. Das alberne Pokémon go lockt mich jeden Tag für mindestens eine Stunde aus dem Haus und ich weiß ganz genau, wie ich mich wieder ins „Funktionieren“ hieven könnte. Doch wer weiß, wie lange das gut ginge.
So tanze ich wie eine leicht übergewichtige Seiltänzerin (plus 12 Kilo in drei Monaten) auf meinem Seil herum und versuche nicht ins Heulen, Wüten oder Lachen zu kippen. Stabil ist anders.
Das neue Jahr bringt also erstmal hoffentlich Hilfe, ein paar Werkzeuge und die Entscheidung, ob Kisten im Kopf geschlossen bleiben sollten oder nicht. Ich freue mich auf Freude an Bewegung, Unternehmungen mit Familie und Freundinnen und ein Leben, das mir wieder Spaß macht.
Bis dann, immer die Ihre.
Was geht (und was nicht)?
4. Dezember 2023
Vor etwas über einem Jahr habe ich über LongCOVID (oder PostCOVID) geschrieben, da wäre es durchaus an der Zeit für ein update.
kurz: Einiges ist besser, Vieles gleich und Manches neu.
Besser ist mein körperlicher Zustand. Der Husten ist verschwunden, das Herz rast nicht mehr ständig und die Kopfschmerzen, die grauenhaften, ständigen, quälenden Kopfschmerzen, sind ganz selten geworden. Letzteres ziemlich sicher aufgrund einer Hormonersatztherapie, die mir auch Schlafstörungen und Hitzewallungen erspart. (mittlerweile ist es mir fast wurscht, weswegen etwas hilft, Hauptsache Besserung)
Gleich geblieben sind Konzentrations- und Wortfindungsstörungen. Mir nahestehende Menschen können damit ganz gut umgehen, wenn ich in Gesprächen etwas planlos durch die Themen hüpfe oder zwischendrin den Faden verliere. Das nimmt mir die Sprechhemmung, die mich bei „Fremden“ befällt. Ich kann also noch immer nicht wieder „frei von der Leber weg schwätzen“ und wirke deshalb in Gesprächen mit Fremden eher hölzern oder auch so, als könnte ich nur knapp bis drei zählen. Das ist schwierig bei Arztterminen, wenn ich mein Anliegen vorbringen muss, Fragen beantworten soll und mir Antworten merken will. Klappt nicht, schaffe ich nur mit Begleitung. Hier also leider keine nennenswerte Besserung, es wird sogar eher noch einschränkender, weil ich mittlerweile versuche, SmallTalk-Situationen zu vermeiden. Zum Frisör habe ich es schon sehr lange nicht mehr geschafft, weil ich diese Schwätzchen nicht hinbekomme oder mich dabei so sehr anstrengen muss, dass ich hinterher zwei Stunden Schlaf brauche.
Ebenfalls gleich sind die Befindlichkeitsschwankungen. Von „eigentlich geht es mir ganz gut“ bis runter ins „LongCOVID-Tal“. Und dort ist es nicht nur anstrengend, sondern auch -seit ein paar Monaten neu im Programm- sehr, sehr finster. So finster, dass ich sowohl mit dem Gatten als auch mit den besten Freunden ein „wenn ich da nicht mehr rauskomme, müsst ihr mich dorthin bringen, wo man mir hilft“-Gespräch hatte. Im finsteren COVID-Tal ist nämlich alles schlecht, nichts mehr lebenswert und auch ein bißchen „wozu das Ganze?“ Noch habe ich das im Blick und im Griff, kann gegensteuern und mich heraushieven, doch meine Angst, dass das irgendwann vielleicht doch nicht mehr klappt, wächst. Und es kostet mich jedes Mal mehr Kraft, das auch zu wollen. (wie grauenhaft, das vor mir zuzugeben!)
Sie ahnen also: vor diesem Tal habe ich Angst. Und ich habe in den letzten zwei Jahren gelernt, wie ich den Flug dort hinein etwas bremsen oder auch umgehen kann. Dazu gehört, dass ich schnell erkenne, was mich stresst. Irritierenderweise kann mich etwas heute amüsieren und schon am nächsten Tag unter massiven Druck setzen. Das ist auch ein Grund, warum zur Zeit mein Instagramaccount ruht. Jetzt muss ich keine Bilder zeigen (jajaja, muss ich sowieso nicht, aber…) und muss mir auch keine ansehen. Muss mich nicht schlecht fühlen, weil ich keine Mandeln gebrannt, Christmas Crunch gerührt (doch, doppeltes Rezept sogar) und nur sehr wenige Plätzchen gebacken habe (nur Spritzgebäck und Schneeflocken). Muss meine Weihnachtsdeko nicht vergleichen (lassen), muss mich nicht über Konsum, Werbung, Black Friday, Influencerhühnchen und Trolle aufregen. Ich knippse meine Hunderunde-Bildchen und bin damit sehr entspannt, auch ohne Kommentare. Kein Druck, kein drohendes Tal. Hoffe ich.
Ich weiß nicht, wohin mich dieser ganze COVID-Mist noch führt. Manchmal denke ich, dass ich gut zurechtkomme, dass meine Strategien funktionieren. Dann haut es mich aus heiterem Himmel wieder um und ich sage zum Gatten „boah, jetzt schwächele ich hier schon wieder seit fast einer Woche herum“ und er sagt „naja, eigentlich sind es mittlerweile fast drei Wochen“. In diesen Zeiten schaffe ich meistens nur eine Hunderunde und vielleicht das abendliche Kochen, den Rest des Tages hänge ich auf dem Sofa, schlafe oder heule, weil ich nur herumhänge und schlafe. Wenn es wenigstens eine Regel gäbe: einmal im Monat, heulendes Elend, Haken dran. Dem ist aber halt nicht so und deshalb versuche ich so „normal“ wie möglich zu leben, plane Wanderungen und Unternehmungen und versuche nicht allzu oft über diesen Scheiß zu jammern.
In einem Jahr dann wieder.
(den Instagramaccount fülle ich ab Januar wieder)
(danke für die vielen (Geburtstags)Grüße, die mich auf teils abenteuerlichen Umwegen erreicht haben, das nächste Mal melde ich mich ganz ordentlich ab)
Aber das Hirn ist hübsch.
12. Januar 2023
Vor kurzem war ich „in der Röhre“. Ein Schädel-MRT, damit sicher ausgeschlossen werden kann, dass ständige Kopfschmerzen, Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen womöglich die Symptome wirklich fieser Sachen sind. Ich erspare Ihnen detaillierte Schilderungen von Beklemmung, Lautstärke und Kälte in der Röhre und springe direkt zu: alles gut! Ein altersgemäßes Hirn (was auch immer das heißt), keine Anzeichen für Verkalkungen, veränderte Blutgefäße oder gar Tumore. Ich bin sehr erleichtert!
Die Kopfschmerz/Konzentratiomsstörung/ Wortfindungschwierigkeiten-Ursachen-Forschung geht jetzt weiter. Da sich COVID auf die Synapsen auswirken kann, wird jetzt davon ausgegangen, dass genau das bei mir passiert ist. Es wird nicht ordentlich „weitergeleitet“. Dagegen ist leider kein Kraut gewachsen, es gibt keine Wunderpille. Training ist angesagt, „lernen sie Gedichte auswendig“ und „erzählen Sie viel“. Das hat ein bißchen was von „lernen sie, damit zu leben“. Tja, und wohl auch „nehmen sie immer ein zweites Paar Ohren mit, wenn es um wirklich wichtige Themen geht“. Vielleicht verschwindet der ganze Spuk auch irgendwann wieder oder geht nahtlos in die Altersdemenz über, niemand weiß irgendwas und ich bin sehr erstaunt, wie lässig ich das gerade wegstecke. (Momentan geht es mir aber auch richtig gut, fragen sie mich während des nächsten „Schubes“.)
Die Sache mit den Kopfschmerzen ist nicht ganz so hoffnungslos. Meine erste Migräneattacke hatte ich mit vier Jahren, mit der Pubertät kamen die Anfälle zyklisch. Meistens zu handhaben, manchmal grauenhaft. Seit meiner COVID-Erkrankung kommen die (heftigen) Anfälle häufiger. An migränefreien Tagen habe ich meistens nur „normale“ Kopfschmerzen, ohne Übelkeit, Licht- und/oder Lärmempfindlichkeit. Seit einem Monat schreibe ich jetzt ein Kopfschmerztagebuch. Bisher lassen sich keine Auslöser oder irgendwelche Regelmäßigkeiten ablesen, ich schreibe also weiter. Auch mit Medikamenten wird ein bißchen „ins Blaue geschossen“, derzeit nehme ich einen Betablocker. (Ich glaube, der nutzt gar nix.) Es gibt noch ein paar Sachen, die untersucht (womöglich leide ich unter schmerzfreien Migräneattacken, die für die neurologischen Ausfälle verantwortlich sind) und versucht werden können, ganz am Ende der Fahnenstange steht eine Antikörperbehandlung, deren Kosten die Krankenkasse aber nur sehr widerwillig und erst dann übernimmt, wenn wirklich alles andere versucht wurde.
Geduld ist nicht meine Kernkompetenz, ich lerne also derzeit etwas Neues. Außerdem versuche ich, mir für dieses Jahr „Inselchen“ zu bauen, auf die ich mich freuen kann. Damit dieser ganze Long COVID-Scheiß mich nicht runterzieht.
Inseln für dieses Jahr? Eine Gartyparty! Eine zwei, drei-Tagewanderung, ganz allein, viel Zeit im Wald mit dem Gatten und den Hunden.