21. Juni 2020
21. Juni 2020
Müde aufgestanden, müde zur Hunderunde.
Müde gefrühstückt, müde nach Oppenheim geradelt.
Müde an den Bienen gearbeitet, müde heimgeradelt.
Müde rumgehangen, müde hingelegt, nicht eingeschlafen.
Müde Eis gegessen, müde Kaffee getrunken.
Müde den Entenstall und den Entenpool gesäubert, müde die Tomaten hochgebunden.
Müde Unerwünschtes gerupft und gezupft, müde gegossen.
Müde ein bowlenartiges Getränk genossen, müde Nudeln mit Pesto gegessen.
Müde auf dem Sofa sitzen und hoffentlich bald so gut schlafen, dass ich morgen nicht wieder wie in Watte herumwanke.
20. Juni 2020
20. Juni 2020
Heute gibt es viele Bilder, denn heute war ein besonderer Tag! Denn heute haben wir, nach zwei Jahren „Imkern mit ein bißchen Pech“ zum ersten Mal Honig geerntet!
Zur Feier des Tages waren alle Kindelein angereist und irgendwie wurde es damit noch „besonderer“. :)

Die Honigernte begann mit der Kontrolle des Honigraums. Der Honigraum ist eine Zarge, die mit einem Gitter von den anderen Zargen abgetrennt ist. Durch das Gitter passen die Arbeiterinnen, die Königin aber nicht. So wird in den Waben der Honigraums tatsächlich nur Honig eingelagert, die Königin kann keine Eier ablegen.
Am Donnerstag abend haben wir eine Bienenflucht unter den Honigraum geschoben:

Die Bienenflucht ist quasi eine Einbahnstraße für die Bienen, sie funktioniert wie eine Reuse: die Bienen kriechen durch eine immer schmaler werdende Gasse nach unten in die Beute und finden danach den Weg nich mehr nach oben. So konnten wir heute einen weitestgehend bienenfreien Honigraum abheben.

Weil so ein Honigraum eine Menge wiegt, transportierten wir ihn mit einer Schubkarre …

… unwegsamere Strecken mussten aber mit Muskelkraft bezwungen werden.
Die Küche hatte ich am Morgen mit Duschvorhängen und Lacktischdecken präpariert, wir waren also gerüstet für die Honigschlacht!
Zuerst mussten die Waben entdeckelt werden:

Honig wird reif, indem Nektar von Biene zu Biene weitergegeben wird, in Waben gelagert und wieder umgelagert wird, bis er nur noch wenig Wasser hat. Danach werden die Waben mit einem dünnen Wachsdeckel verschlossen.

Diese dünnen Wachsdeckel werden mit einer höllisch spitzen Entdeckelungsgabel geöffnet. Wenn das sorgsam geschieht, werden die Waben nicht zerstört. Dann können die Waben nach dem Schleudern den Bienen sofort wieder zurückgegeben werden. Die Bienen reparieren die Waben sehr schnell und die Königin wird bald Eier hineinlegen.
Die entdeckelten Waben werden in die Honigschleuder gepackt. Hier ist ein bißchen Physikwissen gefragt, denn die Waben werden leicht nach oben geneigt gebaut, weswegen beim Einräumen der Schleuder die Schleuderrichtung und die Zentrifugalkraft beachtet werden müssen.

Die Waben werden vorsichtig angeschleudert, danach gewendet und mit Schmackes ausgeschleudert. Danach noch einmal wenden und erneut kräftig ausschleudern. Das Anschleudern der ersten Seite verhindert, dass die Mittelwände der Waben brechen. Das hat prima funktioniert!
Und dann passiert das Tollste:

Aus der Honigschleuder läuft der Honig! Die Küche duftet nach Honig und plötzlich haben sich diese ganze Arbeit und die Stiche doch irgendwie gelohnt.

Der erste eigene Honig! Selbstvertsändlich der beste Honig, den wir je aßen.

Besonders köstlich auf frischgebackenem Hefezopf!
Beinahe zehn Kilo haben wir von unseren Bienen bekommen. Das ist gar nicht so viel, aber wir sind sehr, sehr zufrieden! (ich werde demnächst erklären, warum es völlig in Ordnung ist, Honig zu ernten.)
Heute mag ich nur kurz auf die Frage eingehen, warum wir nicht im Garten geschleudert haben? Der Honigduft wirkt auf Bienen unwiderstehlich! Würden wir im Garten schleudern, stünden wir binnen von Minuten in einer Wolke nicht besonders freundlicher Bienen. Aus diesem Grund ist es auch keine richtig gute Idee, die mit Honig verklebten Arbeitsmaterialien „zum Ausschlecken für die Bienen“ rauszustellen. Sicher wären die Honigreste in kürzester Zeit weggefuttert, doch die vielen, vielen Bienen, die dem köstlichen Honigduft gefolgt sind, würden sich auf die Suche nach weiterem Honig machen. Den fänden sie vielleicht in einer Beute, die in der Nähe steht. Im schlimmsten Fall würde sie diese überfallen und den Honig rauben. Im allerschlimmsten Fall wäre das Volk der ausgeräuberten Beute zum Tode verurteilt. Es ist also eher rücksichtslos von Imkern, Arbeitsgerät zum Ausschlecken rauszuschlecken, weil benachbarte Imker Schäden davontragen können. Wir haben worletztes Jahr Räuberbienen, die sich auf unser Volk stürzten, erlebt und das war sehr grausam anzusehen.
Ein paar unserer ausgeschleuderten Waben haben wir heute wieder in die Beute gesteckt, haben im Tausch alte, sehr dunkle Waben herausgeholt. BEi Instagram finden sie einen Film dazu.
Ein wahnsinnig aufregender, toller Tag war das! Morgen schauen wir in unseren letzten Ableger und hoffen dort nun auch eine Königin zu finden.
Sollten Sie noch Fragen haben – immer her damit! Ich betone aber immer wieder, dass wir eben auch nur blutige Anfänger sind :)
19. Juni 2020
19. Juni 2020
Während Elton draußen auf der Terrasse eine Dehnungsfuge flexte, die alten Fliesen vom Treppenabgang abstemmten und neue Platten verlegte und obendrein noch die gesamte Terrasse verfügte, spülte ich lediglich 52 Gläser mit sehr heißem Wasser. Außerdem spülte ich die passenden Deckel zu den Gläser, zwei Entdeckelungsgabeln, ein Entdeckelungsgestell, eine Edelstahlwanne, zwei große für Lebensmittel geeignete Eimer, den Einsatz und den Deckel der Honigschleuder. (Morgen früh wische ich noch die Trommel aus.) Weil meine Finger danach sowieso schon schrumpelig waren, putzte ich gleich noch ein Bad, das andere erst vor einer halben Stunde.
Danach las ich mich noch ein bißchen durch diverse Imkerbücher, reichte Kaffee und Wasser nach draußen. Tausend und eine Kleinigkeit erledigten sich irgendwie nebenbei, doch für größere Aktionen reichte die Zeit dann doch nicht.
Elton verabschiedete sich und ermahnte uns noch kurz, nicht auf die Fugen zu treten, außerdem nicht barfuß auf der Terrasse zu laufen, der Staub darauf mache die Haut an den Füßen kaputt. Aber erst wenn die alle Fugen trocken sind, auch die Dehnungsfugen, die erst morgen mit Silicon gefüllt werden, kann die Terrasse abgespritzt werden. Tja. Und dann ist sie fertig! Vielleicht können wir uns schon am Sonntag um unsere Terrassenmöbel kümmern, denn die brauchen garantiert viel Zuwendung in Form von Wasser und Öl.
Und dann kann der Sommer kommen. (Vielleicht nicht ganz so heiß, ohne den ständigen Wind und mit regelmäßigem Regen, aber dem von der sanften, gleichmäßigen Sorte. Danke im Voraus!)
18. Juni 2020
18. Juni 2020
Heute habe ich mich tatsächlich getraut, Werbung für mein Blog zu machen. Es war ja hübsch in meiner „Blog like nobody´s watching“-Nische, aber die Rampensau in mir will Beachtung. Also bitte: Tagebuchbloggen, ganz oldschool. Wenig Bilder, jedenfalls so lange, wie ich mit Tablet und WordPress kämpfe. Für Bilder gibt es ja nach wie Instagram.
Was ziemlich unfassbar ist: die Terrasse ist beinahe fertig! Es fehlen nur noch ein paar Sockelplatten und das Fugen. Beides soll morgen passieren, es sei denn, es ist zu heiß. Dann wird es mit dem Verfugen nämlich schwierig, weil die Masse zu schnell trocknet und nicht sauber eingearbeitet werden kann. Regnen darf es aber auch nicht, weil sonst die Masse wieder ausgespült wird. Es ist kompliziert und ich nähme dann morgen gerne bewölkt mit etwa 23 Grad, danke sehr.
Der Terrassenbauerchef, ach wissen Sie was, nennen wir doch mal Namen, weil wir bisher wirklich sehr zufrieden sind … also Herr Gomes (tatsächlich mit „s“ obwohl portugiesisch) von der gleichnamigen Gartenbaufirma hier in Nierstein kam und begutachtete das Werk seines Mitarbeiters. Elton, der Mitarbeiter, hat hier bei brutzelnder Sonne und in strömendem Regen geschuftet und außer Kaffee und kaltes Wasser in regelmäßigen Abständen anzureichen konnten wir nicht helfen. Der Chef jedenfalls war von Eltons Arbeit genauso angetan wie wir und machte uns direkt ein paar Vorschläge, was auf unserer Terrasse ebenfalls noch schöner werden könnte. „Wird nicht teuer!“, versprach er augenzwinkernd und wir versprachen bis morgen darüber nachzudenken.
Bei den Bienen gibt es auch Neuigkeiten und zwar wundervolle. Unser sehr großes Wirtschaftsvolk, dem wir beim Ableger machen aus Versehen die Königin entrissen, hat eine neue Königin nachgezogen. Wir haben heute nämlich die Bienenflucht (dazu erzähle ich am Wochenende mehr) eingelegt, damit wir am Samstag den Honigraum abnehmen können. Und schon als wir den Deckel abhoben, vermutete ich, dass wieder eine Königin im Stock ist. Das Volk wuselte nämlich geschäftig umher und summte zufrieden. ein weiselloses Volk brummt ungehalten und einzelne Bienen fliegen, durchaus angriffslustig, hoch. Weil ich aber meinem Anfängergefühl nicht so recht trauen wollte, zog ich zwei Rähmchen und fand das eine Rähmchen dicht an dicht bestiftet (=mit Eiern belegt). Wir haben also eine vitale Königin, die begattet vom Hochzeitsflug zurückkam und ihren Job aufgenommen hat!
Darauf trinken wir jetzt ein Weizenbier auf der fast fertigen Terrasse und überlegen, ob „es wird nicht teuer“ noch drin ist.
17. Juni 2020
17. Juni 2020
Der Regen begann heute erst gegen abend. Perfekt, denn so konnte wirklich viel auf der Terrasse gearbeitet werden! Nur noch wenige, kniffelige Ecken sind übrig und dann können die Sockelsteine verlegt werden. Die Dehnungsfugen müssen noch gefräst werden und natürlich muss auch noch alles verfugt werden. Derzeit kann ich mittels eines großen Schrittes von der Kellertreppe zur Rampe in den Garten gelangen. Das ist ganz nett, denn immerhin wollen die Enten im Garten ja versorgt werden. Morgen abend muss ich vermutlich aus dem Nähzimmerfenster klettern, um sie in den Stall zu bringen. Macht nix, immerhin ist die Terrasse bald fertig!
Folgekosten, die so eine Terrassensanierung mit sich bringen, sind übrigens nicht zu vernachlässigen! Wir müssen zum Beispiel Holz laufen, damit wir eine neue Bank bauen können. An der kurzen Terrassenseite stehen nämlich diese hässlichen Plastikboxen für Sonnensegel, Kissen und Polster. Damit die nicht so stören, hatten wir ein einfaches Holzgestell darüber gebaut. Ein Lieblingsplatz das ganze Jahr über, lang und breit genug für ein kleines Schläfchen und so geschützt, dass schon Mitte Januar einmal Sonne tanken möglich ist. Weil wir mittlerweile zwei Sonnensegel haben, brauchen wir drei Boxen und somit eine größere Bank. Folgekosten!
Und weil wir in unserer unermesslichen Blödheit die Polsterauflagen für die Terrassenmöbel nicht in der dafür perfekt geeigneten Halle gelagert hatten, sondern in den blöden Polsterboxen mitten im Garten, muss ich Stoff kaufen und die etwas in Mittleidenschaft gezogenen Polster neu beziehen. Folgekosten!
Die auf der Terrassenbrüstung stehen Blumenkästen mussten im Zuge der Sanierung auch weichen und vorher geleert werden, weil sie einfach viel zu schwer zum Heben waren. Die Kräuter, die ich darin gezogen hatte, wachsen jetzt im Garten. Wenn die Kästen wieder zurückkommen, muss ich sie erneut mit sehr viel Blumenerde und neuen Kräutern/Blühpflanzen Befällen. Folgekosten!
Hat uns ja vorher niemand gewarnt! ;)
Großartig ist, dass die Honigschleuder jetzt doch funktioniert. Auf Anraten des Herstellers musste der Boden der Schleuder etwas beherzt „eingedellt“ werden. Jetzt greift alles und die Kurbel bringt Schwung hinein! Außerdem kamen heute noch zwei Siebe zum Reinigen des Honigs und jetzt kann der Spaß losgehen! Morgen Abend setzen wir die Bienenflucht ein (dazu erzähle ich dann morgen mehr) und am Samstag wollen wir schleudern. Nachdem wir unzählige YouTube-Filmchen dazu gesehen haben, fühlen wir uns hinreichend gewappnet und das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass wir eine gigantische Sauerei in der Küche veranstalten. Ich habe diverse Duschvorhänge und Lacktischdecken herausgelegt, bin mir aber sicher, dass die Küche trotzdem kleben wird. Egal. Wir vorfreuen uns sehr!
Der neue Nachbar hat nun in seinen Drahtgitterzaun diese unsäglichen Plastikstreifen eingezogen und wir können das gar nicht verstehen. Wir könnten nicht in seinen Garten schauen, weil sein Grundstück fast zwei Meter über unserem liegt und er hat sich selbst die Aussicht in die Wingerte verbaut. Leider raubt er uns die Sonne und somit werden wir ihn bitten, die oberen zwei oder sogar drei Streifen wieder zu entfernen, er kann uns gerne besuchen und schauen, wie sehr wir uns anstrengen müssten, um irgendwas bei ihm im Garten zu sehen. (Ich müsste mich auf einen Stuhl stellen, auf Zehenspitzen. Das weiß ich, weil ich das ganz neugierig gemacht habe, als der Bagger dort oben herumfuhr. Seitdem nicht mehr. Ehrlich!) Ich hoffe auf Einsicht und Verständnis, bevor wir uns auf Gesetze und Gartenverordnungen berufen müssen. Das wäre vermutlich einen freundlichen Mit- und Nebeneinander nicht dienlich.