Dieser Mai
21. Mai 2013
macht mich fertig. Mal so verallgemeindernd dahergeschätzt.
Er begann mit dem Abschlussball der Tochter, der übrigens wirklich schön war. Brav tanzte ich mit dem besten Vater meiner Kinder unter dem gestrengen Blick der Tochter ein paar Schritte ChaChaCha und DiscoFox, bevor mich fehlende Anmut und Rhythmusgefühl wieder auf meinen Platz verschwinden ließen. Von dort aus beobachtete ich nicht ohne Neid die über´s Parkett wirbelnden Paare, die das wirklich können, dieses Tanz-Ding, und offensichtlich auch noch Spaß daran haben. Der beste Vater meiner Kinder tanzte mit seiner Tochter Polka und holte sie samt fünf ihrer Freundin nachts um vier von der After-Party in der Tanzschule ab.
Nun kann ich also mitreden, ich war auf meinem ersten Abschlußball. (und wahrscheinlich auch auf dem letzten, denn die Söhne wollen nicht zur Tanzstunde und die Tochter wird keinen Aufbaukurs besuchen. Erledigt.)
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Zu Berlin und der re:publica habe ich auch noch nichts geschrieben, mag ich jetzt auch nicht mehr. Nur so viel: es war deutlich schöner und entspannter als letztes Jahr, was ich zu einem sehr großen Teil der wunderbaren Frau Brüllen verdanke, die schräge Marotten mit mir teilt. Obendrein kann ich eine bedingungslose Empfehlung für die Motel-One-Kette aussprechen. Hübsch türkis, sauber, die Betten sind gemütlich und das Frühstücksbuffet in Ordnung. Ebenfalls empfehlenswert: der Verbrauchermarkt Ullrich am Bahnhof Zoo. Im Tiefkühlschrank, in dem die Pizza liegt, lässt sich relativ schnell eine Flasche Sekt runterkühlen.
Dank der momentan sehr roten Haare war ich dieses Jahr kein bißchen inkognito unterwegs und ich habe mich wirklich gefreut, dass so viele Menschen Hallo sagten!
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Nach Berlin kam Jever, auf dem Weg dahin hatte ich mir irgendwelche Viren eingefangen, die zuerst einen Herpes an meiner Lippe blühen ließen und dann für einen grippalen Infekt vom Feinsten sorgten. Der Herpes heilt gerade ab, die Viren habe ich an den Gatten weitergegeben, der sie brav kultiviert. In Jever gab es deutlich zu wenig Schlaf, dafür ein zusammengebrochenes Bett. Das war aber nicht meinem Gewicht geschuldet, sondern der Tatsache, dass die Sprungrahmen einen Tick zu schmal für´s Bettgestell waren und der von irgendeinem klugen Menschen in die Lücke geklemmte Korken rausgefallen war. (ich fand ihn zerdellt unter den Trümmern des Bettes wieder und konnte somit rasch reparieren. Trotzdem bleiben Hohn und Spott an mir kleben)
Den Lagerverkauf von farbenmix überstand ich glänzend. Treue Leser wissen, dass ich mich etwas schwer tue, wenn mich große Menschenmassen umgeben. Scheinbar lenkten mich bunte Stoffe ausreichend ab oder ich war durch die re:publica, bei der ich durchaus an meine Grenzen ging, abgehärtet. Ich habe mich jedenfalss sehr gefreut, die Frau hinter den Stoffen und einige ihrer MitarbeiterInnen kennengelerntzu haben und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. Weil so viele Menschen bei Facebook über die weite Entfernung zum Lagerverkauf schimpfen mussten, habe ich mir etwas Tolles ausgedacht: der farbenmix-Truck! Ein großer Lastenwagen mit bunt bemaltem Anhänger und vielen blinkenden Lichtern, der von Stadt zu Stadt reist und Restetüten verkauft. Genial, was?
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Ansonsten ist dann im Mai nichts mehr passiert. Ich lag eine Woche krank im Bett herum, aß den ersten Rharbarberkuchen und die ersten Spargel, feierte den achtzehnten Hochzeitstag mit der ersten Schwarzwälder Kirschtorte, die der beste Vater meiner Kinder je gebacken hat und jammere seit zwei Tagen ununterbrochen über das Wetter. Wissend, dass das nix nutzt und für irgendwas ist der viele Regen bestimmt gut und sei es für eine rege Schneckenpopulation zwischen meinen Erdbeeren und den Kürbistrieben.
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So weit die unspektakulären Neuigekeiten aus der Grünen Villa. Ich würde so gerne noch über blöde Nachbarn schreiben oder über den seit zwei Wochenen andauernden Versuch, mein Blog zu hacken oder mein Unvermögen, mit diesem Twitter-Ding zurecht zu kommen, aber ach. Gerade scheint die Sonne und warum nicht lieber mit dem kranken Gatten einen Kaffee trinken.
Wenn einer eine Reise tut …
15. Mai 2013
dann kann er was erzählen.
Ich bin gereist. Von Nierstein nach Berlin, von dort nach Jever und dann wieder zurück. Mitgebracht habe ich einen vollen Kopf, einen Koffer voller Stoffe und eine Menge Schnupfenviren, die mich erstmal zwei Tage ins Bett schmissen. Und obendrein neue Erlebnisse mit verschiedenen Bahnen.
Auf der Hinfahrt nach Berlin lief alles glatt Ich stieg in Frankfurt aus der S-Bahn, erstand einen Pappbecher Kaffee zum Mitnehmen und merkte lässige zehn Minuten vor der Abfahrt, dass ich am falschen Gleis stand. Der ICE fuhr ohne Verspätung oder Ausfälle ein paar Stunden später im Berliner Hauptbahnhof ein, in dem ich mich dann auch prompt verirrte. Ein halbe Stunde irrte ich Rolltreppen hoch und runter, bis ich dann endlich die S-Bahnen ganz oben entdeckte. Solch einen schlecht ausgeschilderten, verwirrenden Bahnhof habe ich bisher noch nie gesehen.
Während meines Aufenthaltes in Berlin traf ich einige skurile Gestalten in S- und U-Bahnen. Da war zum Beispiel die Frau, die eine Art Schaffell auf dem Kopf trug: eine etwa hüftlange, wasserstoffblonde, zu dreadlocks verfilzte Matte, aus deren Ende sie gewissenhaft Dinge zupfte. Dazu trug sie viel Pink und etwas Hello Kitty.
Am Bahnsteig war es ein gruseliger Typ, der Frau Brüllen und mich immer enger umkreiste und uns diverse Fetische andichtete.
Ebenfalls am Bahnsteig ein Horde jugendlicher bis mittelalter Fußballfans, die uns erst dann unheimlich wurden, als sie begannen, Böller zu zünden. Meine Ohren fiepen, wenn ich daran denke.
Auf meiner Fahrt von Berlin nach Jever wurde es dann richtig spannend. In Hannover musste die Lok ausgetauscht werden, weswegen der IC eine Stunde im Bahnhof stand. Langsam machte sich bei den Mitreisenden eine leichte Panik breit, denn viele wollen in Oldenburg Fähren auf die Inseln erreichen. Die Durchsage “Fahrgäste, die das Fährschiff erreichen wollen, melden sich bitte beim nächsten sehenden Zugbegleiter!” trug nicht zur Beruhigung, aber immer zur Erheiterung bei.
Die Verspätung führte dazu, dass ich in Oldenburg knapp eine Stunde auf meine Regionalbahn warten musste. Zusammen mit einem Trupp sehr alkoholisierter Männer auf Männertag-Tour, die mir gerne mitteilten, was Rothaarige besonders gut können. Ich wiederhole dies hier nicht.
In Sande stieg ich in die nächste Regionalbahn nach Jever. Leider sollte diese Bahn wegen eines Gleisschadens nicht in Jever ankommen, eine Station vorher mussten alle aussteigen und auf dem Bahnhofsvorplatz in den Schienenersatzverkehr einsteigen. Dieser entpuppte sich als Transporter, der knapp fünfzehn Menschen einlud und verschwand. Ungefähr vierzig blieben zurück und warteten.
Kurze Abwechslung bot der herbeigerufene Krankenwagen, der einen stark betrunkenen Mann einsammelte. Und der Punk, der deftig und saftig die Bahn, das Land, das Wetter und “all den Schiet hier” verfluchte, er wäre lieber auf´s Hamburger Hafenfest gegangen, statt Mama und Papa zu besuchen, teilte er lautstark mit.
Gerade als ich ein bißchen verzweifeln wollte, fuhr ein Taxi vor. “Wer will nach Jever?”, fragte der Taxifahrer und außer mir meldeten sich nur noch drei weitere Mitreisende. Wir nahmen im Taxi Platz und nach Rücksprache mit der Zentrale wusste der ahrer dann auch, wo das Ferienhaus Hannelore zu finden sei und ich wurde direkt vor der Haustür abgesetzt. Ein wenig erschöpft.
Auf dem Heimweg stieg ich erst in Ürdingen wieder in den Zug Richtung Duisburg. Eine sehr volle Regionalbahn, ich stand direkt an der Tür. Eine Frau schmiegte sich an mich und flüsterte mir “Entschuldigung, dass ich nicht angerufen habe.” ins Ohr. “ist ok”, sagte ich und sie zog beruhigt weiter zum nächsten.
In Duisburg wartete ich auf meinen IC Richtung Mainz. Eine Durchsage informierte, dass der Zug sehr überfüllt sei, man möge sich bitte alternative Züge suchen. Das wollte ich nicht und deshalb stand ich bis Bonn, ab dort hatte ich einen Sitzplatz. Einen mit direkten Blick auf den Mann, der sich plötzlich den Gürtel aufschnallte, um sich besser am Hintern kratzen zu können. Aber sonst passierte nix. Wir kamen an, ich stieg aus, begrüßte den besten Vater meiner Kinder, ließ mich heimfahren, duschte, aß und schlief die oben erwähnten zwei Tage lang.
Was ich zwischen den ganzen Fahrten tat berichte ich dann morgen.
Käffchen in Berlin?
2. Mai 2013
Am Montag, den 6. Mai 2013, sitzen Frau Brüllen und Frau Mutti ab 16:00 Uhr bei Frau Barcomi in der Bergmannstraße im Café, teilen sich einen Teller mit den vier unverschämt köstlichen Probierstückchen und warten, ob sich jemand mit an den reservierten Tisch setzt.
Na? Wer kommt?
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Die ausstehende Rechnung wurde mittlerweile beglichen. Das freut mich, denn mit dem Geld will ich einen Teil meiner Reise nächste Woche finanzieren. Und trotzdem ärgert es mich, dass ich so nachdrücklich einfordern musste.
In den Kommentaren zu verlinktem Blogartikel wurde Besorgnis geäußert, dass in diesem, meinem Blog unterschwellig Werbung gemacht wird. Dem ist nicht so. Wenn ich Werbung mache, ob für Stickdateien, Stoffe, Schnittmuster oder eben irgendwelche Produkte, so sind diese Artikel immer in der Rubrik “Werbeschlampe” abgelegt. Ausserdem weise ich meistens schon in der Überschrift, spätestens aber im Artikel darauf hin, dass ich Werbung mache. Ganz sicher werden Sie hier keine (Werbe)Texte lesen, die nicht aus meiner Feder stammen.
Technik, tückische.
27. April 2013
Es gibt da ja Gerüchte: Geräte seien so manipuliert, dass sie mit Ablauf der Garantie kaputt gingen.
Oder dass immer drei Geräte – gerne große, wichtige Geräte wie Kühlschrank, Waschmaschine und Staubsauger – gleichzeitig den Geist aufgäben. Gerade Letzteres hat fast jeder schon erlebt, denn der Zeitrahmen innerhalb dem die drei Geräte kaputtgehen, ist nicht genauer definiert.
Darf ich Ihnen von meinem neuen, faszinierenden Gerätephänomen erzählen?
Ich besitze ein (nahezu antikes) iPad. Eines, das nicht mal photographieren kann. Und nur im heimischen WLAN ins www geht. Hab ich mir damals gekauft, weil ich es schick und praktisch fand und weil ich mir noch nie einen niegelnagelneuen Computer selbst gekauft habe, immer nur “abgetragene” Laptops vom Gatten erbte.
Schick finde ich es immer noch, zufrieden bin ich auch und wenn ich regelmäßig lösche, was ich nun doch nicht mehr spielen/schauen/lesen/wissen will, reicht sogar der Speicherplatz. Mein iPad, oder wie ich es nenne “Päddiii” (mit sehr langem i) entwickelt aber seit Neuestem Marotten, die mir die Handhabung etwas erschweren. Saß ich früher zum Beispiel abends auf dem Sofa und daddelte ein bißchen, hing Päddiii am Ladekabel. Wenn ich jetzt auf dem Sofa sitze und Päddiii ans Ladekabel hänge, erfahre ich, dass das Aufladen mit diesem Gerät nicht unterstützt wird. Nehme ich aber eben jenes Ladekabel und stecke es in die Küchensteckdose, ist Päddiii glücklich und wird satt. Gleiches Ladekabel im Wohnzimmer füttert aber auch mein Phone ohne dass dieses murrt. Faszinierend.
Lade ich eben Päddiii immer in der Küche, dachte ich mir. Ist ja kein großes Problem.
Bis die Küchensteckdose oder der Strom aus der Küchensteckdose plötzlich nicht mehr genehm waren. Vielleicht ist Küchenstrom zu hochkalorisch? Zu fettig?
Päddiii lädt nun im Nähzimmer. Manchmal auch im Schlafzimmer. Dort scheint es guten Strom zu geben.
Wahrscheinlich zuckt Ihnen schon der Kommentarfinger und sie wollen etwas wie “mal das Ladekabel überprüfen?” oder “Wackelkontakt!” oder “da stimmt was mit der Anschlussbuxe nicht!” schreiben, doch da komme ich Ihnen zuvor! Verschmähte Ladekabel funktionieren in Näh- und Schlafzimmer, egal ob originale Apfelkabel oder die nachgebauten aus dem Discounter. Alle Kabel funktionieren mit meinem Phone und den Gastphones, die ab und an hier laden. Einzig Päddiii will weder Wohnzimmer- noch Küchenstrom, egal mit welchem Kabel, egal ob der Stecker links- oder rechtsrum in der Steckdose steckt oder ob beim Einstecken Beschwörungsformeln gemurmelt werden. Selbst der Vollmond oder die Staubratten unter dem Sofa nahe der Steckdose sind ohne Einfluss.
Ob dieses Phänomen nun ein genialer, quasi posthumer Streich von Mister Jobs ist, der mich zum Kauf eines neueren Produkts bewegen will oder ob möglicherweise ein von uns verschmähter Stromlieferant dahintersteckt, eventuell die Illuminaten oder gar Außerirdische – ich werde berichten.
Bis dahin sehe ich die Sache pädagogisch: gehe eben früher ins Bett oder halte mich mehr im Nähzimmer auf. Beides gut.
Keksdosenhals
26. April 2013
Kennen Sie den Ausspruch “Ich hab nen Hals wie eine Keksdose?” Er bedeutet nichts anderes, als dass man ziemlich wütend ist. Jetzt wissen Sie es. Und mein Hals hat Keksdosenformat. Dies vorangestellt.
Nach wie vor trudeln täglich Anfragen von potentiellen Kooperationspartnern, Agenturen, Versandhandel in mein Postfach. Ihnen gefällt mein Blog und sie sind sich total sicher, dass genau ihr Produkt oder das ihres Kunden supergut in mein Blogkonzept passt und das die Aufmachung und der Inhalt meines Blogs sowieso grandios sind und begeistern. Ich lächele dann müde, lese kurz quer und denke jedes Mal “Recherche rulez!”, wenn mir Stillkissen, personalisierte Babyshirts oder Spielekisten angeboten werden. Und versenke die Mail unbeantwortet im Papierkorb, wissend, dass sie an viele, viele Blogs ging. Vielleicht freut sich wirklich jemand über das Angebot und nimmt es wahr.
Neulich fischte ich eine echte Karte aus Papier aus meinem echten Briefkasten aus Metall an meiner echten, grünen Hauswand: super Blog und ob man mir Fimmaterial zusenden dürfe. Über Geburten. Das war dann beinahe noch witzig.
Aber wie es halt so ist, manchmal werde ich schwach. Vor allem dann, wenn es nicht um blöde Gutscheine oder Krimskram geht, sondern Bares lacht. Und ist der gebotene Betrag dann noch so, dass ich denke: “och jo, schnell verdientes Geld!” und die geforderte Leistung im Rahmen, heisst keine Werbung für völlige Absurditäten, dann sage ich zu. Schreibe einen hübschen, kleinen Artikel, packe brav den verabredeten Link hinein, schicke den Artikel zum Abnicken, veröffentliche, schicke eine Rechnung und sage artig “Danke für die schöne Zusammenarbeit, gerne wieder!” und warte auf mein Geld. Schaue nach drei Tagen auf mein Konto, nach einer Woche und danach täglich. Nach zweieinhalb Wochen frage ich freundlich nach, nach drei Wochen angesäuert. Kein Geld, keine Rückmeldung auf die letzte Mail.
Und dann sitze ich mit Keksdosenhals am Rechner und könnte platzen, weil mir da so langsam die Mittel ausgehen. Den Link nehme ich aus dem Artikel, aber der Artikel ist längst im Archiv, kein Hahn kräht mehr danach. Was bleibt da noch? Ich könnte natürlich schreiben, wer mir da Geld schuldet, doch ich weiß, dass es viele Leser gibt, die nur querlesen, den Namen aufschnappen würden und in den Kommentaren meckern würden, dass sie dort auch bestellt haben und enttäuscht waren. Und dann müsste ich wiederum sofort klarstellen, dass ich nicht sauer über eine Fehllieferung oder sonsstige Serviceleistungen bin, sondern “lediglich” darüber, dass man mir Werbung nicht bezahlt hat.
Tja. Und nun?
Elterntanzstunde
19. April 2013
Der Termin rückte unaufhaltbar näher: die Elterntanzstunde. Gedacht, um das Tanzkönnen der Eltern der Abschlussballkinder aufzufrischen, damit sie elegant neben ihren Sprösslingen über die Tanzfläche wirbeln können. Insbesondere wichtig für den besten Vater meiner Kinder, wenn nämlich der große Moment kommt, da der Vater mit der Tochter Hacke-Spitze-Polka tanzen muss.
Einschub: ich bin ein Meister im Reinsteigern. Ich mag keine Menschenansammlungen in sehr kleinen Räumen. Ich habe Probleme mit bestimmtem Licht.
Gestern abend war es also soweit. Die Kleidungsfrage stand nicht aufdringlich im Vordergrund, aufbrezeln müssen wir uns erst nächste Woche Samstag. Ich wählte also Rock und Chucks, der beste Vater Jeans und Hemd, dazu allerdings die “feinen” Schuhe, um das “Tanzgefühl dafür zu bekommen”. Seine Füße sahen äußerst fremd aus. Und ich hatte kalte Hände, allerdings nicht wegen unbändiger Vorfreude.
Einschub: ich will nichts lernen, ich will es können. Wenn ich etwas nicht kann, habe ich das Gefühl, dass alle gucken und kichern. Ich weiß natürlich, dass das völliger Quatsch ist, werde das mulmige Gefühl trotzdem nicht los.
Auf dem Weg zur Tanzschule trafen wir bereits auf einige Elternpaare. Eigentlich waren es die Männer, die missmutig dreinschauten, die Frauen waren schick gekleidet, mit stöckeligen Schuhen und erwartungsvoll geröteten Wangen. Ich fühlte mich underdressed und unwohl deswegen.
Im Foyer der Tanzschule warteten der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib zusammen mit ca. 25 anderen Elternpaaren auf den Beginn des Kurses. Ein enges Foyer, für weitaus weniger Menschen gedacht mit freiem Blick durch eine Glaswand auf eine ziemlich kleine Tanzfläche. Dort tanzten zu lustiger Discokugelbeleuchtung etwa zehn Paare. Angefeuert von einem Tanzlehrer und nein, Begeisterung schwappte nicht rüber. Das war alles irgendwie piefig und miefig. Ich stand in meine Ecke gedrückt, konnte, nein – wollte die Jacke nicht ausziehen und bekam langsam Atemnot. Der beste Vater meiner Kinder schaute ein kleines bißchen besorgt, weiß er doch um meine Macken. Doch noch war ich voll des guten Willens, diese Sache durchzuziehen.
Zehn Minuten später gingen wir. Ich hatte es nicht geschafft, niemand hätte mich auf diese oder eine andere Tanzfläche gekriegt.
Das war nun nicht der gewünschte Abschluss des Abends und als uns die Tochter mit einem fröhlichen “na ihr Tänzer!” begrüßte, fühlte ich mich wie ein echter Versager. Zum Glück weiß auch meine Tochter um meine Macken und obendrein ist sie ein ungemein positiver, zupackender Mensch. “Dann bringe ich euch das eben bei!”, erklärte sie und schnappte sich ihren großen Bruder als Vorführobjekt. Der zeigte sich zwar willig doch tappsig und so endete dieser Abend noch ganz grandios und fröhlich in unserem Wohnzimmer. Cha-Cha-Cha kann ich jetzt und den langsamen Walzer. Die Tochter erzählte irgendwas vom Bierkastentanz und behauptete, dass Samba wirklich ganz leicht ist.
Nun ja. Wir haben ja noch anderthalb Wochen und eigentlich muss ja nur der beste Vater meiner Kinder zeigen was er kann. Ich könnte ja bei der Elterntanzrunde mal dringend auf´s Klo müssen.
Taschen, Monster und magische Kreise
18. April 2013
Als ich die Taschenschnittmuster-CD “Taschenspieler” von Farbenmix in Händen hielt (und erfolgreich in den Computer gesteckt hatte), war mir sofort klar, welche Tasche ich nähen würde. Leicht größenwahnsinnig angehaucht entschied ich mich direkt für den König. Eine Reisetasche. Durchaus aufwändig zu nähen, aber warum sich nicht hohe Ziele setzen?
Ein Blick in meinen Stoffschrank zeigt, dass ich keine Reisetaschenstoffe habe. Die sollten nämlich mindestens “jeansfest” sein, damit das keine Reiselabbertasche würde. (Labertasche, hihi)
Ich begann die einschlägigen Stoffhändlerseiten zu durchsuchen, ob sich da nicht ein passender Stoff fände, liebäugelte kurz mit dem Angebot der Klecksefrau, mir Stoff aus Holland mitzubringen (der Postsackstoff!) und hatte dann tausend andere Sachen zu tun, der König blieb ungenäht.
Als nacheinander die Reissverschlüsse zweier meiner Taschen kaputt gingen und ich somit einen echten Grund hatte, mir selbst wieder eine Tasche zu nähen, warf ich die CD erneut in den Rechner und entschied mich diesmal für den “Bube”, eine Messengerbag. Schön geräumig und dabei sehr schick. Passend dazu entdeckte ich schwarzes Kunstleder in der Tiefe meines Schrankes, schnitt zu, stickte, suchte und fand passende Bändchen und musste kein einziges Mal schimpfen oder fluchen. (die Freitagsfreundin, die mir Gesellschaft leistete, war äußerst verwundert über meine große Gelassenheit, das kennt sie so gar nicht.)
Wenige Stunden später hielt ich eine wunderschöne Messengerbag in Händen:

Ein paar Kleinigkeiten waren nicht perfekt. Zum Beispiel trafen sich die Klettstreifen zuerst nicht, doch das konnte ich verbessern. Oder der Griff sitzt nicht ganz in der Mitte. Der Träger ist nicht gleichmäßig hoch angebracht und noch ein paar Sachen. Kleinigkeiten eben, die meine neue Tasche noch charmanter machen :)

Als zusätzliche Zierde baumelt ein weiteres Monsta aus Herrn Skizzenblogs Feder am Taschenträger.
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Ein paar Tage später fiel mir im Stoffoutlet in Mainz-Kastell weiches, orangefarbenes Kunstleder in die Hände. Zu einem echten Schnäppchenpreis, ich konnte nicht widerstehen.
Kaum daheim angekommen schnitt ich wieder zu, erneut den “Bube”. Am Längsten dauerte es diesmal, einen passenden Innenstoff zu finden, ich konnte mich nicht entscheiden. Die Klappe bestickte ich mit der Datei “Magische Kreise” von Anja Rieger

und bei Kunterbuntdesign fand ich die wunderbar altmodischen Steckschnallen.

Auch diese Tasche hat ein paar Mängel, weil meine Nähmaschine an der einen Stelle überrascht keuchte, als es plötzlich acht Lagen Kunstleder zu nähen gab. Danach nähte sie nicht mehr sauber, doch ein paar Tropfen Öl versöhnten sie. Der Handgriff auf der Klappe ist nachträglich angebracht, zuerst wollte ich keinen, fand die Tasche dann aber unvollständig. Und weil ich die eine Seite des Griffs zu weit links angesetzt hatte und man bei Kunstleder gar nichts mehr auf/abtrennen kann, verlängerte ich den Griff, der Symmetrie wegen. Das Ganze ist nun … äh … individuell, doch ich liebe auch diese Tasche.
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Die magischen Kreise landeten schließlich auch auf einem ganz unmagischen, langweiligen schwarzen Langarmshirt und zwar in knalligem Neon. Noch vor etwa vier Wochen hätte ich laut gelacht, hätte man mir gesagt, ich würde neonfarbenes Stickgarn verwenden. Aber so ist das eben: irgendwann packt es einen.

Hier mal näher dran: neon auf schwarz: BING!

Die Kreise auf dem Shirt gefallen mir so gut, dass ich noch weitere daraufsticken will, derzeit ziehen sich nur die gezeigten auf der Hüfte entlang.
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Für die Reisetasche “König” habe ich übrigens noch immer keinen Stoff. Ich kann mich einfach nicht entscheiden.

