Als meine Mutter mich anrief und mir mitteilte, sie habe gerade einen kleinen Autounfall gehabt, war ich doch erschrocken und in Sorge. Die Sorge verflüchtigte sich schnell, denn es handelte sich wirklich nur um einen klitzekleinen Unfall, auf dem Wertstoffhof, wo es eng ist und die Verkehrsführung spontan. Sie hat keinen Schaden genommen, auch ihr Auto hat nur einen Kratzer. Der Unfallverursacher ist genauso glimpflich davon gekommen. Beim Austauschen der Adressen wurde klar, dass der Unfallverursacher kein Unbekannter ist, er hat eine Menge mit unserem Nachbarschaftsproblem zu tun. Meine Mutter sprach ihn darauf an und erfuhr: in spätestens zwei Monaten ziehen sie aus, es wurde eine Wohnung in einer Nachbargemeinde gefunden.

Das ist die eine Geschichte.

Letzten Dienstag auf dem Weg zur Post lief ich an einem meiner Lieblingshäuser hier in Nierstein vorbei. Blieb stehen, ging ein paar Schritte zurück, zückte das Handy und knippste das Schild am Haus: zu verkaufen, Makler Soundso. Wieder daheim nahm ich direkt Kontakt auf und ließ mir das Exposé schicken. Und am Samstag abend schauen wir uns das Haus von innen an, die ganze Familie ist sehr angetan und sollte der Renovierungsstau nicht zu groß sein, werden wir viele Pros und Contras abwägen.

Dies ist die andere Geschichte.

Sie können sich vielleicht vorstellen, dass ich nun wieder zuversichtlicher bin, fröhlicher und glücklich. Egal ob wir wegziehen oder nicht, unser Leben wird besser. Freuen Sie sich mit mir!

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Die Einladung für den Weihnachtsmarkt flaterte mir schon letzten Monat ins Haus. Das bedeutet: loslegen! Nähen, sticken, wenden, stopfen und so weiter. Im August war noch Sommer und an Weihnachtsvorbereitungen war nicht zu denken. Doch seit hier grauer, nebliger Herbst ausgebrochen ist, ist meine Motivation gestiegen. Da passte es prima, dass Frau SUSAlabim wieder viele Ideen hatte. Wunderbarerweise „in-the-hoop“-Stickereien, das heißt: nach ein bißchen Arbeit hält man hübsche Baumler in der Hand, die sich an Taschen, Fensterkreuzen oder Türgriffen sehr dekorativ machen.

Die Klecksefrau hat es sehr schön beschrieben: es dauert nur sehr wenige Minuten, bis die Stickmaschine fertig ist. (wie immer dauert es am Längsten, sich für Stoff(restchen) zu entscheiden). Das Wenden ist ein bißchen fuddelig, gestopft ist schnell und wenn man, so wie ich, eine Oma Eis, die prima Wendeöffnungen vernähen kann …

… dauert es nicht lange, bis man ein gepucktes Katzenbaby in Händen hält. (ich muss sehr grinsen, denn das Katzenthema ist bei Frau SUSAlabim hochaktuell)

Weil diese Baumler so rasch gestickt sind und für Luft in der Stoffrestekiste sorgen, hatte ich bald einen ganzen Wurf Schwung beisammen. Das geplante Photoshooting gestalte sich dann etwas schwieriger, weil sich ein gewisser roter Kater vernachlässigt fühlte.

Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich Ihnen nun kein besseres Bild der gepuckten Katzenkinder zeigen kann, weil …

… der Ringelfranz Krauleinheiten brauchte.

Es gibt übrigens nicht nur Katzenkinder für den Stickrahmen, sondern auch Katzen in (karierten) Anzügen.

Oder Elefanten. Die sind sogar so groß, dass sie echte Kuscheltierqualität haben.

Deshalb habe ich meinen Elefanten aus graugeringeltem Nicky gestickt. Und ihm eine gepunktete Cordhose angezogen. Ein solche Cordhose hat nämlich auch das kleine Mädchen, das mit dem Elefant kuscheln darf.

Am Fenster des Nähzimmers baumeln drei Monster und einmal mehr finde ich es mehr als schade, dass es im blaugelben Möbelhaus nur noch doof bedruckte Stoffe gibt und keinen wunderbaren Samt mehr.

Montag morgen kommt Oma Eis wieder. Bis dahin muss ich ihr noch ein bißchen Wendeöffnung-schließ-Arbeit verschaffen …

… gleich zwei Stickdateien von SUSAlabim gibt es heute abend, am 26.09., bei Kunterbuntdesign.

Und für Sie, die Sie keine Stickmaschine haben, aber gerne ein Tierchen baumeln ließen: rechtzeitig vor Weihnachten wird es hier ein Schaufenster geben.

Krone richten und weiter

16. September 2013

„Wir müssen keinen weiteren Gesprächstermin vereinbaren“, sprach der Chef des Ordnungsamtes vor zweieinhalb Monaten, „ich verspreche ihnen in die Hand, dass der nächste Räumungsklagetermin im September der letzte sein wird.“

Heute ist dieser Termin. Die Beamten des Ordnungsamtes waren da, fuhren fünf Minuten später ab. Die Nachbarin lacht.

Es gibt keinen anderen Wohnort für diese siebenköpfige Familie, die den Status „obdachlos“ hat. Und so geht das lustige PingPongSpiel weiter: vierteljährliche Räumungsklage seitens der Hausbesitzerin, Zwangseinweisung in eben dieses Haus zurück seitens des Amtes.

Wir Nachbarn verzichten derweil auf geöffnete Fenster, Gartenarbeit und Schwätzchen auf der Straße. Werden weiterhin ausgelacht, beschimpft und mit unschönen Gesten bedacht.

Vielleicht klappt es ja in drei Monaten. Feiern können wir dann allemal, denn dann sind es drei Jahre seit der ersten Klage.

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Ich ließe mich vielleicht beschimpfen, ich könnte Stinkefinger und Hitlergrüße ignorieren, wäre ich nicht gleichzeitig so unbändig wütend, weil ich beobachten muss, wie dreist gegen Auflagen verstoßen wird. Und ich mich frage, warum wir so kreuzbrav oder gar dämlich sind, immer wieder Rechnungen zu zahlen, die Straße zu kehren oder schneefrei zu machen, damit der Bürgermeister nicht schimpft oder nicht unseren Abfall im Ofen verbrennen. (blinde, sinnlose Wut, nicht zielführend, unreflektiert, aber befreiend. Lassen Sie sie mir, mehr hab ich nicht mehr.)

Mädchenkram

10. September 2013

Die Tochter wird nächste Woche sechzehn und sie ist die tollste Tochter der Welt. Unerschrocken,mutig, wissbegierig und ehrgeizig, gleichermaßen interessiert an Naturwissenschaften und menschlichem Miteinander, redegewandt und klug. Sie sehen: ich schwärme.

Unglücklicherweise stellt sich aber nun heraus, dass es meine tolle Tochter es nicht immer leicht im Leben hat. Es ist nämlich so, dass ihr Interesse an moderner Kleidung, den neuesten Filmen und den angesagtesten Frisurentrends gegen Null geht. Stattdessen würde sie lieber heute als morgen zum Teilchenbeschleuniger in die Schweiz reisen oder in der Mainzer Uni ein bißchen was über Kernphysik lernen. Sie liebt Ironie und Sarkasmus und die zweiten oder gar dritten Gedanken der Tiffany Weh. Außer ihren Brüdern und einer handvoll verschrobener Physikstudenten, die wie sie beim CVJM mitarbeiten, liegt niemand so recht auf ihrer Wellenlänge. Drei Freundinnen gibt es, alle drei ähnlich wie die Tochter gestrickt, ehrgeizig und mit Dingen beschäftigt, die eher außergewöhnlich sind.
Drei Freundinnen sind prima und ich sage fest davon überzeugt: die reichen für ein ganzes Leben.
Meistens sieht die Tochter das auch so und ist zufrieden.
Aber an manchen Tagen stört es sie, dass sie möglichen Gesprächsthemen mit anderen Mädchen nichts abgewinnen kann. (und – ganz Tiffany Weh – versucht sie dann zu ergründen, ob sie selbst schrecklich arrogant ist oder ob nicht schon die Frage, ob sie schrecklich arrogant sei, arrogant ist. Es ist auf jeden Fall kompliziert.) Und andere Mädchen mit ihren Themen. Dann fühlt sie sich, trotz der drei Freundinnen, einsam.

Es reicht dann nicht, wenn ich ihr erkläre, wie großartig ich sie finde und wie mutig sie ist, anders als die anderen zu sein. Mit beinahe 16 will man eben auch manchmal in der Menge baden, dazugehören, mit zehn anderen Mädchen kichernd auf dem Schulhof stehen.

Wir haben unsere Tochter nicht bewusst so erzogen (erziehen ist meiner Meinung nach sowieso ein hässliches Wort). Sie wuchs eben mit zwei Brüdern in einem Haus voller Computer, Lego und Fischertechnik auf, mit Eltern, die in ihrer Jugend auch eher verschrobene Einzelgänger waren. Meistens ist sie glücklich, zufrieden und ich behaupte: ein bißchen stolz auf sich. Und trotzdem zerreißen mir die (wenigen) traurigen Tage das Herz.

Obendrein bin ich übrigens auch wütend, dass ein Mädchen, welches sich für Naturwissenschaften interessiert, etwas Besonderes ist. Es ist eine unbestimmte Wut auf andere Mädcheneltern, die rosa und blaue Überraschungseier kaufen. Und auf Kindergärten und Schulen, in denen es nach wie vor Jungs- und Mädchenthemen gibt. Die Wut ist unbestimmt, aber dass irgendwas irgendwo schief läuft, lässt sich doch an folgenden Zahlen ablesen: im Stammkurs Mathe der Tochter sind sechs Mädchen, eines wird den Kurs verlassen. In ihrem Leistungskurs Physik sind es zwei Mädchen. Da ist es fast verständlich, dass diese Mädchen argwöhnisch als Exoten betrachtet werden.

Worauf ich verzichten könnte:

9. September 2013

– Regen am kommenden Wochenende. Regen ist super für die Landschaft und für die Winzer (oder auch nicht) und wenn er da ist, kann man es sowieso nicht ändern, aber wenn ich es mir aussuchen könnte, verzichtete ich gerne auf Regen. Wenn nämlich am Wochenende viele Menschen von uns mit Zwiebelkuchen und Federweißer bewirtet werden, ist ein Aufenthalt unter freiem Himmel soviel angenehmer ;)

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– Frau Knie. Die ist wieder zurück, erholt und in alter Frische. Zuerst klopfte sie leise an, immer wenn es bergab ging beim Joggen. Dann auch, wenn die Strecke eben war. Dann verbat sie mir das Laufen, seit ein paar Tagen will sie auch nicht mehr, dass ich gehe. Nächste Woche Donnerstag schleppe ich sie zum Orthopäden und ich weiß jetzt schon, was da passiert: Dottore wird nach meinen Beschwerden fragen, ich werde sie ihm schildern, auch wann und wie sie auftreten, ich hab da eine gewisse Routine, wie der treue Leser weiß. Man wird ein Röntgenbild brauchen. Da ich nicht schwanger bin, ist das kein Problem, schade ist, dass auf dem Röntgenbild nichts zu sehen ist. Zum Glück ist seit Neuestem ein MRT im Haus. Mit noch größerem Glück funktioniert es. Die MRT-Aufnahme wird eine Menge „da könnte was sein“ zeigen, eine Menge „da hätte ich eine Salbe, einen Bioresonanzapperat, eine Aromatherapie, eine Hitzebehandlung, Reizstrom oder wir schauen doch besser mal rein“ nach sich ziehen und mich letztlich in ein heulendes Elend verwandeln, weil das Knie mich schon wieder im Stich lässt.

Vielleicht passiert aber auch etwas Magisches! Denn manchmal reicht schon allein das Ausmachen eines Termins, dass Schmerzen verschwinden.

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– Schulstress der Kinder. Hochmotivierte Lehrer geben nach erholsamen Ferien ein alles und verlangen genauso viel von ihren Schülern, dabei gerne vergessend, dass ihr Fach nicht das Einzige ist. Wird sich erfahrungsgemäß in drei, vier Wochen legen. Bis dahin ist es anstrengend.

Interessant ist übrigens, dass im Sportunterricht der Tochter Noten auf Ausdauer gemacht werden. Bewertet wird die Anzahl der Runden, die in einer bestimmten Zeit gelaufen werden. Viele Runden in wenig Zeit werden mit vielen Punkten benotet. Meine ehrgeizige Tochter schloß sich nun ihren sportlichen eltern an und begleitete sie auf deren Laufrunden. (begleitete anfangs, übernahm dann die Führung und verschwand letztlich aus dem Blickfeld, um entspannt vor der Haustür auf die schnaufenden Eltern zu warten). Frohgemut vergliechen wir Anzahl der gelaufenen Kilometer und die Zeit mit dem Plan aus der Schule. mit ach und Krach reicht das für eine vier plus und einmal mehr habe ich das große Fragezeichen nach Sinn und Zweck dieser Bewertung auf der Stirn. Wer eine halbe Stunde lang Runde um Runde rennt, wird 15 Punkte erhalten, wer eine halbe Stunde Dauerlauf schafft, wird mit einer vier belohnt. Jede Motivation, sich weiterhin zu bewegen, bleibt dabei völlig auf der Strecke. Wie so oft frage ich mich, warum in Fächern wie Sport und Kunst Noten gegeben werden (wenn eben kein theoretisches Wissen abgefragt wird).

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Mehlmotten und Obstfliegen. Beide wieder reichlich in meiner Küche angesiedelt.

auf Bärenjagd!

6. September 2013

Gerne würde ich sagen, dass ich nicht zum Bloggen komme, weil ich ständig im weißen Sand liegen und mir von attraktiven, halbnackten Männern eisgekühlte Getränke servieren lassen muss.

Unglücklicherweise ist das nicht so. Der schnöde Alltag hat mich gefangen. Die Schule hat begonnen, der Urlaub des besten Vaters meiner Kinder ist vorüber und dieses Jahr ging das alles viel zu schnell. Bevor Sie aber gähnend diesen Text wegklicken, erzähle ich Ihnen, womit ich mich außerdem beschäftige:

Sie erinnern sich an diese Gesellen?

Die Tochter sprach: „Näh doch mal einen Bären!“
Kein Problem. Runde Ohren, runder Körper, Nase.

Ich schnitt zu, applizierte, stickte ein Gesicht, nähte zwei Hälften zusammen, wendete, stopfte aus, schloss eine Wendeöffnung und hielt schließlich etwas Bärenähnliches in Händen:

Die Tochter, meine knallharteste Kritikerin, lächelte und verzichtete auf weitere Kommentare.

Ich fand das Bärending gar nicht so schlecht, hatte aber eine Idee, was ich verbessern könnte. Ein bißchen mehr Taille vielleicht?

Nun gut. Das war dann doch zu viel Taille, Frottee und Gesicht finde ich aber großartig! (die Farbe eigentlich auch, Bären dürfen grün sein.) Die Tochter beschränkte sich auf ein diplomatisches „Oh. Ja. Nett.“

Ich faltete das lässig skizzierte Schnittmuster zusammen und schnitt erneut zu. (applizierte, stickte, nähte, wendete, stopfte und schloss die Wendeöffnung)

Das Bärending sieht annähernd wie ein Bär aus. Den Kopf finde ich nach wie vor großartig! Schiefe, abstehende Ohren sind charmant und gelbes Frottee ist ebenfalls ein prima Bärenfell. Die Hüften werden beim nächsten Versuch sicherlich runder werden und der Hals noch ein wenig kürzer.

 

Pssst! Wenn alles zusammenpasst, sollten Sie sich auf „toffee-nosed-friends“ freuen.