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Ich sag dir was,

25. März 2013

was du nicht wissen willst.

Über manche Dinge darf man im kuscheligen Kleinbloggersdorf nicht schreiben. Es sei denn, man ist wirklich scharf drauf, sich plötzlich im Mittelpunkt angeregter Diskussionen zu befinden. Ich sollte das wissen, ich blogge seit zehn Jahren. Verbotene Themen sind: impfen, stillen, Kinder tragen, Hausgeburt, jedes Kind kann schlafen lernen, überhaupt jedes Thema, das nur annähernd mit Erziehung zu tun hat, vegetarische/vegane Ernährung, die eigene Gesundheit, Haustiere und deren Pflege + Ernährung und Damenhygieneartikel. Letzteres führt nur zu Empörungsgetue, weil pfui-bah.

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Ich vergaß also das, was ich wissen sollte und schrieb über den dicken Martin. Über eine schwere Entscheidung, die wir getroffen haben. Ich schrieb nicht: „He, ho! Unser Kater ist krank, wir wollen ihn loswerden, wie seht Ihr das denn so?“ Und trotzdem kommen, neben so vielen warmherzigen, freundlichen Worten (DANKE dafür!), Kommentare und sogar Mails, die mir/uns genau diese „Flappsigkeit“, „Herzlosigkeit“ und „mangelnde Tierliebe“ unterstellen, die mir unerwünschte Ratschläge aufdrängen oder gar vermitteln: selbst schuld, weil hättest du dein Tier bei Vollmond mit linksgerührter Mauseschwanzsuppe gefüttert, dann wäre das nicht passiert. Ich mach das so und deshalb lebt mein Tier immer noch, obwohl es vor siebenundvierzig Jahre aufgegeben wurde.
Mir drängt sich die Frage auf, woher diese Besserwisserei kommt? Nein, besser gefragt: wie kann irgendwer auf die Idee kommen, seine Besserwisserei einem anderen als Alleinseligmachend zu verkaufen? Das gibt es nur hier in Kleinbloggersdorf. Im echten Leben ist es mir niemals passiert, dass eine andere Mutter mir bittere Vorwürfe machte, weil ich meine Kinder bereits vor Kindergarteneintritt abgestillt hatte. Und im Kinderwagen schob. Und mit Löffelbiscuits fütterte. Und nicht streng vegan lebe, sondern durchaus auch ovo-lakto-steako, wenn es mir danach gelüstet. Und meine Kater mit Trockenfutter UND Nassfutter UND rohem Fleisch UND runtergefallenen Nudeln UND Meisen füttere.

Vielleicht hat sich manch andere Mutter gedacht, dass das schon sehr merkwürdig ist, wie wir mit unseren Kindern umgehen, belehrt oder gar mit hochgezogener Augenbraue „das kommt davon …“ sagend verurteilt hat mich keine. Braucht es also die Kommentareingabemaske, um das höfliche Miteinander auszuschalten? Damit man vergisst, dass man mit auferzwungenem Rat viel zu nahe tritt und  unterstellt, keine Ahnung vom Thema und/oder sich wenig bis keine Gedanken dazu gemacht zu haben.

(Das wirklich Schlimme ist, dass ich diese Verhaltensweise mittlerweile an mir selbst entdecke. Wenn ich als, Beispiel rausgegriffen (Beispiel! Willkürlich!), manch „Mütterblog“ lese. „Ihr erfindet das Rad nicht neu“, möchte ich kommentieren. Oder gerne auch „in zehn Jahren ist das wirklich völlig egal, ob das Lätzchen deines Kindes Karottenflecken hatte oder nicht.“  Oder, am Schlimmsten: „ja meine Güte, erst wolltest du die Plagen und jetzt jammerst du in einer Tour.“ Ich bin scheinbar so zufrieden und glücklich mit dem, was wir erzieherisch erreicht haben, dass ich das natürlich weitergeben möchte. Bin mittlerweile so weit weg von diesem Leben mit den süßen Kleinen, dass es mir fremd geworden ist. Und damit tappe ich beinahe in diese Kommentarfalle, die ich hier anprangern will. Es ist schwer, dann einfach NICHT zu kommentieren, aber wirklich besser so. Nichts schreiben. Oder nochmal nachlesen: steht irgendwo im Blogartikel: Haben Sie Tipps, Ideen, Ratschläge? Wie würden Sie das machen?)

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Ich bin oft in Versuchung, die Kommentarfunktion einfach abzuschalten. Dann tue ich es aber doch nicht, weil ein, zwei, drei doofe Kommentare untergehen, zwischen zehn, fünfzehn, dreissig freundlichen. Und ich arbeite daran, diesen wenigen nicht mehr Gewicht zu geben, als sie verdient haben.

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Wir erfahren heute nachmittag, wie es dem dicken Martin geht. Über das Wochenende gab es keine Information und das werte ich als gut: keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten.
Seit der dicke Martin nicht mehr da ist, kommt übrigens Diego, unser halbwilder Kater, der seit einem Jahr nur noch in unserem Garten war, wieder rein. Vorhin schlief er eine Stunde auf dem Sofa.
Und Franz vermisst den dicken Martin kein bißchen. Auch hier wieder: bei aller Liebe, die wir für unsere Kater empfinden: wir vermeiden, sie zu vermenschlichen. Ein beliebter Spruch hier in der Grünen Villa ist „Hirn nicht größer als eine Haselnuß“, wenn eines der Katertiere irgendeinen Quatsch macht. Oder „falsche, fiese, flusige Viecher“, das ist ein Zitat aus dem Bilderbuch „Ich will eine Katze!“ von Tony Ross. Und das ist natürlich reine Provokation, Ihnen dies zu erzählen.

Der dicke Martin.

22. März 2013

Heute lag er wieder im Wintergärtchen auf dem Korbsofa, völlig matt und schlapp. Ab und zu schleppte er sich auf´s Katzenklo, doch da kam nix. Nur Schmerzen, wie er uns laut schreiend zu verstehen gab. Wir holten, wie schon so oft in diesem Jahr, die Katzentransportbox aus der Halle, er kletterte freiwillig hinein. Als wüsste er, dass ihm geholfen werden soll.

Heute beim Tierarzt erfuhren wir dann, dass die Harnröhre erneut komplett verlegt ist. Wie vor zwei Wochen. Die Blase randvoll, zurückgestaut bis zu den Nieren, der Atem des Katers roch nach Urin. Sofort einen Katheder setzen und operieren, eine künstliche Fistel, damit die Steine durch die Harnröhre können. Zweierlei Sorten von Steinen bildet er in seiner Blase. Der einen Sorte kommt man diätisch bei, der anderen nicht, dafür hat er eben eine Veranlagung.

Die empfohlene Tierklinik ist gut hundert Kilometer von uns weg, Kosten der Fisteloperation mindestens 800,- Euro, wahrscheinlich mehr, weil der Allgemeinzustand so schlecht ist. Danach: Ungewissheit. Sehr wahrscheinlich wieder Steine, die eine Sorte halt. Und die Gefahr von aufsteigenden Infektionen.

Wir ließen den dicken Martin zum katheterisieren in der Tierarztpraxis und fuhren heim. Reden mit den Kindern und entscheiden, wie es weitergeht. Entscheiden, ob wir dieses Leben für den dicken Martin wollen. Wollen wir nicht.

Wir fuhren erneut in die Tierarztpraxis, mit schweren Herzen, dunklen Gedanken und kalten Händen. Und hörten, wie sich die Tierärztinnen beratschlagten. Die eine sprach sehr pragmatisch. Sprach von „Fass ohne Boden, das wird nichts mehr, das ist Quälerei.“, die andere sagte, sie brächte es nicht über´s Herz. Wolle alles versuchen, um ihn zu retten und ihn gerne übernehmen, um ihm auch später die richtige Pflege angedeihen zu lassen. Wir stimmten zu, beinahe überrumpelt.
Und jetzt fühle ich mich völlig zwiegespalten. Bin natürlich froh, dass er eine „Chance“ bekommt und frage mich gleichzeit, ob die „Chance“ nicht weitere Quälerei bedeutet? Ich vertraue auf die Tierärztin, dass sie die Grenze erkennt.
Wir bleiben in Kontakt, sie informiert uns. Und mir ist zum Heulen.

Frühjahrsputz

21. März 2013

Bevor irgendein Arzt den Knubbel aus meiner Hand schneidet und mich damit zur Bewegungsunfähigkeit verdonnert, muss ich noch rasch den Frühjahrsputz erledigen.
Traditionell geschieht das in der Grünen Villa während der Osterferien. Ich durchforste die Küchenschränke und alles, was ich ein Jahr lang nicht benutzt habe, wird ausgemustert. (landet im Garten, um bepflanzt zu werden oder in der Sperrmüllkiste) Manchmal entdecke ich auch etwas, dem ich ein weiteres Jahr eine Chance gebe. Die Schränke werden ausgewischt und auch von außen abgeschrubbt. Dieses Jahr gehe ich etwas rabiater ans Werk:

Mit dem Schleifgerät rücke ich den türkisfarbenen Küchenfronten zu Leibe, denn ganz frühlingshaft soll die Küche demnächst in leuchtendem Gelb erstrahlen.

Unter dem Türkis befindet sich noch das Grün, das vor drei Jahren verschwand.

Und vor fünf Jahren waren die Küchenmöbel noch weiß. (und die Wände dunkelrot)

 

Das Rumpeln,

20. März 2013

das Sie vielleicht heute nachmittag, so gegen halb vier, hörten, waren eine Menge Steine, die mir vom Herz fielen. In dem Moment nämlich, als der freundliche Mensch mir die MRT-Bilder meiner kranken Hand in die gesunde Hand drückte und magische Worte sprach:“Erstmal keine Auffälligkeiten.“ (außer dieser Knubbel, einer Zyste am Knochen, die weggeschnitten werden muss)

Mein buntes Kopfkino hatte letzte Nacht fürchterliche Träume im Programm. Heute Nacht schlafe ich wohl ruhiger.