Wiederholungstäter

22. September 2020

Die Trekkingplätze für die nächste Tour sind gebucht. Wir haben einen neuen Kocher gekauft und einen neuen Schlafsack bestellt. Und weil die nächste Tour Ende Oktober/Anfang November stattfindet, habe ich mir außerdem eine lange Unterhose aus Merinowolle gegönnt. Ob für unterwegs, zum Aufwärmen nach der Tour oder zum Schlafen, ich liebe dieses Merinozeugs und trage es bei Wanderungen immer.

Außerdem habe ich heute Gemüse gedörrt. weil ich ein bißchen mit Mahlzeiten für unterwegs experimentieren möchte. Nachdem ich mir ein paar Anregungen im Netz geholt habe, bin ich hochmotiviert, etwas Leckeres zu kreieren. (ich werde berichten) Ein tolles Rezept für Müsliriegel habe ich ebenfalls entdeckt, das werde ich die Woche ebenfalls noch ausprobieren. Alles was ich bisher ausprobiert habe, funktionierte nämlich nicht. War entweder zu klebrig oder zu bröselig.

Vielleicht erscheint das gerade hier ein wenig exzessiv, auch weil ich so geballt über Trekkingtouren berichte. Wandern, draußen sein, zelten ist hier aber schon immer Thema, unsere Kinder wuchsen damit auf und nachdem ich ein paar gravierende gesundheitliche Einschränkungen losgeworden bin, sind auch lange, anstrengendere Touren für mich wieder möglich geworden. Und das leben wir eben begeistert aus und Sie müssen es aushalten. Oder wegklicken :)

Gartenstunden

21. September 2020

Ich muss es zugeben, die Lust an der Gartenarbeit verlässt mich. Das ist normal und nicht besorgniserregend, denn spätestens nächstes Jahr im Februar juckt es mir in den Fingern und die Daumen verfärben sich grün. Jetzt aber habe ich genug, ich würde am Liebsten alles runter- und wegschneiden, umgraben und rausreißen. Tue ich natürlich nicht, der Tierwelt zuliebe. Apropos Tierwelt! Die wilde Tierwelt in Form einer Igelfamilie brummt durch den Garten und das macht mich ausgesprochen glücklich. Ich werde ein bißchen Katzenfutter rausstellen, denn ich fürchte, dass die anhaltende Trockenheit den Igeln das Leben auch schwer macht. (vermutlich werde ich damit die beste Freundin aller Katzen aus der Nachbarschaft und sehr sicher darf Lola, das verfressene, nie gefütterte, völlig vernachlässigte Hundetier nicht mehr unbeaufsichtigt in den Garten.)

Die domestizierte Tierwelt des Gartens, die Asylenten, unterstützten mich heute sehr wenig bei der Gartenarbeit, weil sie schrecklich niedlich waren und mich etwa eine Stunde lang zwangen, auf meinem Hockerchen zu sitzen und ihnen zuzusehen. Sie sind nämlich mittlerweile tatsächlich so zutraulich geworden, dass sie sofort angeflitzt kommen, sowie ich den Garten betrete. Sie verbinden mit mir leckeres Futter, denn entweder werfe ich ihnen eine Kiste Salatreste auf den Kompost, grabe ein Stück Erde um oder gieße irgendwo. Umgegrabene oder gegossene Erde muss umgehend nach Insekten untersucht werden und das ist so wichtig, dass meine Anwesenheit beinahe vergessen wird. Heute kippte ich zehn Liter Wasser in den Entenpool (ich tausche nicht immer komplett aus, sondern fülle nur ein bißchen auf) und begann um die Tomaten herum zu jäten. Jedenfalls kurz, denn die Enten begannen eine wilde Poolparty zu feiern und irgendwann tat ich gar nicht mehr so als würde ich im Garten arbeiten, sondern schaute einfach nur zu. Mein Handy lag nicht erreichbar rum, weswegen ich weder Beweisbilder noch -filmchen machen konnte, sondern einfach für mich allein vor mich hinkicherte.

Trotz Entenablenkung bekam ich ein paar Sachen im Garten geschafft, aß eine gute handvoll Himbeeren und ignorierte, dass schon wieder fünf Kilo Fallobst auf der ehemaligen Grünfläche liegen.

Die Gartenfarben verändern sich. Sattes Pink, Gold, Orange und Rot lösen die vielen Grüntöne ab und die tieferstehende Sonne lässt diese leuchten. Schön sieht das aus und ich werde die letzten Stunden und Tage draußen voll auskosten, gerne halt auch ohne Gartenarbeit.

Der Gatte rief um halb fünf zum Feierabendkaffee und diesem Ruf folgte ich gerne. Und zack! Tag vorbei.

Sonntag halt,

20. September 2020

keine konkreten Pläne und trotzdem am Abend müde geschafft.

Die Walnüsse fallen von den Bäumen, deswegen können Hunderunden jetzt deutlich länger als sonst dauern. Und es ist wichtig, immer eine Tasche dabei zu haben. Und ein Taschenmesser, denn die Trauben sind auch reif und wenn die Lieblingssorten bereits gelesen sind, darf hemmungslos gestoppelt werden. Stoppeln bedeutet die hängengebliebenen Trauben (die der Vollernter nicht erwischt hat) zu ernten. Mit dem Messer sauber abgeschnitten, damit die Rebe nicht verletzt wird und kein Winzer wird schimpfen. Wir sammelten also jede Menge Nüsse, packten ein paar Zierkürbisse, die wir auf einem unbebauten Eckstück fanden, obendrauf und ganz zum Schluss noch ein Kilo Trauben. Jetzt habe ich den Herbst (samt Obstmücken) in der Küche stehen und das ist ja auch ganz schön.

Und weil ich so in Herbststimmung war, räumte ich meinen Kleiderschrank von Sommer nach Winter und entsorgte völlig durchgewetzte Shirts. Ich mag diesen Saisonwechsel im Kleiderschrank sehr gerne, weil es mir tatsächlich gelingt, völlig zu vergessen, welche Klamotten in den beiden Kisten verstaut wurden und ich mich dann sehr über gelbe Cordröcke und dicke Strickjacken freue! Passend zu den Wollpullis im Schrank sollen die Temperaturen Montag und Dienstag nochmals an den 30 Grad kratzen, aber danach ist Regen gemeldet. Und ich hoffe, hoffe, hoffe, dass der kommt und mindestens zwei Wochen bleibt. Was nämlich nach beginnender Herbstfärbung im und neben dem Wingert aussieht, ist schlicht vertrocknetes, sterbendes Grünzeug.

Für den Wintervorrat kochte ich weiteren Apfelmus, der Gatte pflückte Lageräpfel vom Baum und eine große Schüssel Äpfel auf dem Küchentisch wartet darauf, in Ringe gekurbelt und in den Dörrautomat gesteckt zu werden. Langsam aber sicher kann ich Äpfel nicht mehr sehen. Oder riechen. „Im Frühjahr hattest du noch Angst, dass es keine Äpfel geben wird, weil so viele runtergeweht wurden!“, lachte mich die Nachbarin gestern aus und tja. Wären doch noch ein paar mehr Äpfel runtergeweht worden. (dafür werden wir nächstes Jahr kaum Äpfel haben, der Baum trägt nur jedes zweite Jahr)

Der Gatte versuchte heute den Boden neben unseren beiden Bienenvölkern einzuebnen, damit wir Platz für das Oppenheimer Volk haben. Das wollen wir nämlich heimholen, bevor wir einfüttern. Die Beute würde sonst zu schwer für den wackeligen Tisch, auf dem das Volk derzeit steht. Und tragen könnten wir sie dann auch nicht mehr. Das war jetzt schon sein zweiter Versuch, den Boden dort zu bearbeiten. Jedesmal wird er von den Wächterbienen darauf hingewiesen, dass er dem Stock zu nahe kommt und er bitte verschwinden möge. Auch deshalb hoffen wir auf Regen. Bei Regen ist nämlich an der Beute nicht so viel Gewimmel und vielleicht kann er dann schnell Platz schaffen.

Unser Wanderzeug von letzter Woche ist gewaschen, gespült und gereinigt, außerdem haben wir gestern abend sehr viele youtube-Videos über Kocher und Schlafsäcke geschaut. Jetzt wollen wir einen neuen Kocher. Und zwei neue Schlafsäcke, das Influencen war also sehr erfolgreich. Im Oktober wollen wir nochmal zu einer Drei-Tages-Tour aufbrechen, außerdem haben wir beschlossen, jeden Monat mindestens eine Nacht im Zelt zu schlafen. Jetzt bin ich sehr aufgeregt, wie sich das in den Wintermonaten gestalten wird, denn ich bin eine fürchterliche Frostmotte (mit komischen Ideen).

Feierabend für heute, der Gatte hat gekocht und ich muss mich nur noch an den Tisch setzen. Perfekt.

Die Tochter feierte wandernd, hot tubend, schwimmend, saunierend in ihren Geburtstag heim, wir seufzten heute bisweilen ein bißchen wehmütig vor uns hin. Kein Geburtstagstisch mit 23 Kerzen plus der einen zum Älterwerden, keine Geschenke, nur das Wissen, dass das Päckchen angekommen, aber erst nächstes Wochenende geöffnet wird. Kein Geburtstagskuchen, keine Feier. Die Kinder sind groß und alles ändert sich. Aber hey, sie war an ihrem Geburtstag schon weiter weg, einmal in Amerika, einmal in Afrika. Finnland ist da quasi um die Ecke.

Die Söhne waren heute bei der Lese und kamen am frühen Abend etwas angeschickert heim. Der „Oobruch“ musste weggetrunken werden. Oobruch sind geöffnete Weinflaschen. Geöffnet wurden die nur, weil nach getaner Arbeit zu einer Schorle geladen wurde, dann wurden es zwei und na ja, wir kennen das. Wir ERWACHSENEN kennen das, wollte ich schreiben, aber die Söhne sind ja auch erwachsen. Und wie sie da so herumstanden und mit uns schwätzten, freute ich mich arg, dass sie so gerne bei uns herumstehen und schwätzen. Der Große lebt jetzt fast ein Jahr nicht mehr in der Grünen Villa sondern in einer entzückenden Wohnung in Mainz, mittlerweile ganz offiziell mit Freundin. Das wird an Weihnachten ganz spannend, denn wer wird wo feiern? Er bei den Eltern der Freundin? Die Freundin mit ihm bei uns? Die beiden allein? Beide jeweils bei ihren Familien? Weihnachten fällt aus, weil wir uns alle nicht einigen können? Wir werden sehen. Zuerst steht jetzt noch der Geburtstag des Großen an, für den wir erneut keinen Geburtstagstisch richten, dafür aber hoffen, an einen solchen geladen zu werden!

Bevor sich der Große wieder verabschiedete, fanden wir einen Termin zum gemeinsamen Aufbau des Gewächshauses. So weit ist es nämlich irgendwann, wenn diese Kinder ihr eigenes Leben führen: es müssen Termine gemacht werden, weil wir Eltern eben gar kein Lebensmittelpunkt mehr sind, sondern nur noch dazugehören.

Bevor ich mich jetzt systematisch in die Sentimentalität schreibe, setze ich mich zum Gatten auf das Sofa, trinke einen Dornfelder mit ihm (proste Richtung Schweiz!) und schaue youtube-Filmchen über Leicht-Gepäckwanderer. Wir haben bei unsere Tour nämlich einen kennengelernt und wir waren ein bißchen neidisch auf seinen leichten Rucksack. Für unsere kommenden Touren müssen wir also noch sehr viel Geld ausgeben und wer weiß, ob wir überhaupt genug Zeit haben, um wirklich alle Videos zum Thema zu schauen?! Die große Tour ist noch nicht abgehakt, das können sie meinen Worten eventuell entnehmen. So. Jetzt aber. Sofa, Wein, bis morgen!

Ein letztes Mal Zeltfensteraussicht. Schade!
Zeltidyll mit schnarchendem Hund, heißem Tee und wärmender Jacke.
Mit den liebsten Wandergefährten gind es zeitig los.
Das ist übrigens kein Herbstwald, sondern ein sehr trockener Wald!
Die VitaminC-Zufuhr war gesichert. Äpfel, Birnen, Zwetschgen am Wegesrand.
Die ersten Herbstzeitlosen.
Pilze, die plötzlich aus der Erde schossen.
Kurz vor Edenkoben noch ein hübscher Weg an malerischem Bächlein.
Hach. <3
Karpfen? Piranhas? Haie? Große Fische!

Und zum Abschluss wir. Nicht das vorteilhafteste Bild von uns beiden, doch ein ehrliches. Verdreckt, verklebt, staubig. müde und glücklich. Und bereits die nächste Tour planend.

Ich beantworte gerne weiterhin Fragen. Danke, dass Sie uns begleitet haben!