Adventsbloggen am 4.12.22

4. Dezember 2022

Nach einer wunderbaren Feier mit sehr gutem Essen und sehr vielen hervorragenden Getränken … war dieser Tag für die Tonne. Die erste Schmerztablette um vier Uhr morgens brachte genauso wenig Erleichterung, wie die zweite um zehn Uhr, ein klassischer Kater als Strafe für zu viel Tequila.

Immerhin war ich fit genug für ein gemeinsames Adventsfrühstück mit einer ausgeschlafenen, topfitten Familie und musste die eine oder andere fiese Spitze über mich ergehen lassen, besonders vom großen Sohn, der seine Chance sah, Gemeinheiten seiner Mutter zurückzuzahlen. Das durfte er aber gerne tun, denn er hatte heute morgen, als wir noch schliefen, das ganze Geschirr und sämtliche Gläser gespült, die allerbeste Freundin trocknete ab. Die Küche war also gründlich „entfestet“ und roch nur noch ein bißchen nach Margaritas.

Der große Sohn und die allerbeste Freundin verabschiedeten sich und ich beschloss, dass der graue, fiese, verkaterte Tag am Besten auf dem Sofa auszuhalten sei. Nach zwei Stunden Sofaschlaf war immerhin die Übelkeit verschwunden, im Laufe des Nachmittags ließen auch die Kopfschmerzen nach. Der Gatte war fit genug für ein paar Kleinigkeiten rund um die Baustelle, während ich die zweite Staffel von „7 vs wild“ auf YouTube startete. Ich kennen niemanden der Teilnehmenden, das ist aber völlig egal. Ich fühlte mich gut unterhalten und dass ich natürlich nur theoretisch alles anders und vor allem besser machen würde, ist mir schon klar, das ist aber kein Hinderungsgrund, die Augenbraue spöttisch hochzuziehen, wenn das Feuermachen schon wieder nicht klappt oder das Shelter nur dilettantisch zusammengestümpert ist. (Ich käme schon gar nicht auf dieser Insel an, weil mich nichts und niemand dazu bringen würde, aus einem Hubschrauber ins Meer zu springen.)

So vertrödelte ich den Tag, aber das ist auch in Ordnung. Die Kopfschmerzen sind jetzt verschwunden, ein bißchen Tatendrang ist erwacht. Nicht genug, um über den Niersteiner Weihnachtsmarkt zu flanieren und einen Glühwein zu trinken, aber genug, um doch noch ein bißchen Wäsche zu verräumen.

Morgen früh erwache ich hoffentlich weiterhin kopfschmerzfrei, denn der traditionelle Freundinnen-Weihnachtsstadtbummel steht auf dem Programm!

Adventsbloggen am 3.12.22

3. Dezember 2022

Es gibt nicht viel zu erzählen. Wir sitzen mit Freunden in der Küche, essen gut, trinken gut und wissen, dass das ein Geschenk ist.

Adventsbloggen am 2.12.22

2. Dezember 2022

Seit vielen Jahren versuche ich diesen Tag als den allerwichtigsten Tag des Jahres in der Familientradition zu etablieren, doch irgendwie sträuben sich die einzelnen Familienmitglieder dagegen. Auch die Idee, eine Geburtstagswoche zu feiern wurde abgeschmettert! Ich finde das schade. Immerhin gab es aber, wie seit vielen Jahren, eine selbstgebastelte Krone für die Binzessin und wie jedes Jahr freue ich mich über diese (ein klitzekleines Bißchen) alberne Tradition und über die Kreativität meiner Kinder.

Es gab Geschenke! Gewünschte und überraschende, wärmende und leckere, alle toll! Außerdem trudelten auf den verschiedensten Kanälen sehr viel Glückwünsche ein, unter anderem auch welche aus der Vergangenheit und jetzt überlege ich, Kontakte wieder aufleben zu lassen. Vielleicht sind diese Überlegungen auch nur meiner wohlig-warmen- sentimentalen Sektlaune geschuldet, denn wenn Kontakte abflauen hat das ja meistens seine Gründe. Aber ich würde halt schon gerne wissen, wie das Leben für Vergangenheitsmenschen, die mir sehr, sehr wichtig waren, weiter ging. Mal in Ruhe (und nüchtern) drüber nachdenken.

Zum obligatorischen Geburtstags-Kaffee-und- Kuchen kam die ältere Generation. Mittlerweile ist das ein bißchen schwierig geworden, denn der Opa hört gar nichts mehr, was ihn aber nicht daran hindert, Fragen zu stellen, deren Beantwortung er aber nicht hört. Über sein Smartphone mit Hilfe einer Transkriptions-App sind Gespräche möglich. Allerdings nur dann, wenn nicht alle durcheinander reden und wenn deutlich artikuliert wird. Bedeutet: rheinhessisch ist tabu. Das alles ist trotz technischer Unterstützung sehr schwierig und für alle Beteiligten frustrierend. Ich bin sehr erstaunt, wie gelassen mein Schwiegervater mit seiner Gehörlosigkeit umgeht. Er ist ein sehr musikalischer Mensch, hat Trompete, Klavier, Orgel und Geige gespielt, letztere gerne vor Publikum im Seniorenheim, da das Klientel „zu schwerhörig für schiefe Töne oder zu lahm zum Fliehen sei“, ich zitiere ihn hier. Musizieren kann er nicht mehr, Musik hören auch nicht. Was ihm geblieben ist, ist die Fähigkeit Noten zu lesen und dabei die Musik im Kopf zu hören. Vor vielen Jahren hat er über dem Lesen einer Bachkantate seine Haltestelle verpasst. Diese Geschichte erzählt er sehr gerne und immer endet er damit, dass er diese Kantate niemals so schön gespielt gehört habe, wie damals in seinem Kopf.

Die bucklige Verwandtschaft verabschiedete sich, der Große blieb noch zum Abendessen, das wir uns liefern ließen. Danach verabschiedeten sich die Söhne. Einer ging eine Etage tiefer, der andere erwischte hoffentlich den Zug nach Mainz.

Der Gatte und ich lassen den Abend jetzt auf dem Sofa ausklingen, die große, naja: etwas größere Feier kommt morgen abend. Darauf freue ich mich sehr!

Adventsbloggen am 1.12.22

1. Dezember 2022

Seit einem Monat wird in der Grünen Villa gebohrt, gehämmert, rausgerissen, abgestemmt, geflext, geschweißt und jede Menge Dreck produziert. Langsam, sehr langsam, für meinen Geschmack viel zu langsam, nähern sich die Renovierungsarbeiten dem Ende. Der Flur ist fertig, jedenfalls dann,wenn wir Haken für unsere Jacken angeschraubt haben. Derzeit liegen die Jacken in einem dicken Klumpen im Arbeitszimmer des Gatten. Wir ziehen uns die Jacke mit dem gewünschten Wärmungsgrad heraus und werfen sie nach dem Tragen wieder obendrauf. Das ist nicht das schlechteste System, doch wir brauchen am Wochenende Platz für einen Übernachtungsgast und wollen diesem ein Gästebett mit Bettwäsche statt Jackenklumpen anbieten.

Im Bad könnte alles viel schnell gehen, wenn alles reibungslos liefe, wenn Covid nicht Handwerker erkranken und ausfallen ließe, wenn Covid nicht Arbeiter in Produktionsstätten erkranken und ausfallen ließe und wenn gesunde Handwerker keinen Mist machen würden. Unerwünschte Wanddurchbrüche produzieren, zum Beispiel. Einen in die Küche, den anderen ins Nähzimmer, beide sehr überflüssig und wohl auch erst in zwei Jahren eine gute Geschichte. Überflüssig und obendrein ärgerlich ist ein falsch eingebauter Heizungsanschluß, wegen dem wir den Wunschheizkörper nicht einbauen lassen konnten. Ein neuer Kompromiss-Heizkörper ist bestellt und wird hoffentlich bald geliefert. Hoffentlich schneller als die Duschkabine, die zwar bereits ausgemessen ist, aber bisher noch nicht offiziell in Auftrag gegeben werden konnte, weil das Angbot noch fehlt. Die Anfertigung dauert bis Mitte/Ende Januar, zum Glück gibt es ja noch eine Dusche im Haus.

Heute wurden ein Spiegelschrank und der Unterschrank für das Waschbecken montiert und als alles fertig war, saß ich versonnen auf der neuen Toilette, freute mich über meine hübschen, neuen, glänzenden Badmöbel und stellte fest, dass das Waschbecken schief hängt. Genauso wie die Duscharmatur. Die Wasserwaage bewies, dass auf mein Augenmaß Verlass ist. Es zeigte sich, dass die Anschlüsse ordentlich gesetzt sind, dass das Waschbecken selbst „schief“ ist. Das können wir nun reklamieren, zumal das Becken nicht billig war. Die Chancen sind dann aber hoch, dass wir erst im Januar Ersatz bekommen und deshalb habe ich beschlossen, dass ein „irgendwie schiefes“ Waschbecken individuell und besonders ist und es außer mir sowieso niemandem auffallen wird. Die Duscharmatur habe ich erst gar nicht angesprochen, es handelt sich ja auch wirklich nur um wenige Millimeter Schiefstand.

Morgen wird die alte Wasserleitung abgebaut, die neue ist schon verlegt und in Betrieb. Das vorgestern spontan verstopfte Abwasserrohr ist wieder durchgängig und vielleicht geht es jetzt ganz ohne doofe Zwischenfälle auf der Terrasse weiter. Auf dem Dach über der Treppe zur Halle sollen Solarplatten installiert werden, Die stehen schon seit Wochen in der Halle und dienen dem Jüngsten als Ausrede. Er habe angeblich deswegen keinen Platz, um sich einen Abzweig der Wasserleitung in seine Küche zu ziehen. Diese Baustelle besteht nämlich auch noch.

Richtig weihnachtlich ist mir noch nicht zumute, nicht mal Plätzchen habe ich bisher gebacken. Dafür habe ich heute sehr viele Zutaten für köstliches Essen eingekauft. Am Samstag sind die Freunde zur Fiesta Méxicana bei uns geladen und darauf freue ich mich sehr!

Ich mag Winter. Ich mag Schnee, ich mag glitzernden Reif, ich mag klirrende Kälte. Alles zusammen sehr gerne mit Sonnenschein. Die gefühlt fünfzehnte Woche mit Regen, Sturm, schweren Wolken und dauergrau kratzt sehr an meinem Nervenkostüm. Noch nie habe ich mich so sehr nach Frühling und Wärme gesehnt, nach entspanntem draußen sein. Ich bin so dermaßen fertig mit diesem Winter! (Ja, ich weiß. Meckern übers Wetter hilft ja auch nix. Aber es tut gut.)

Um Durchzuhalten schaffe ich mir kleine Inseln. Der Geburtstag des Jüngsten demnächst. Ein winziges Kreppelfest. Osterdeko im Weltladenschaufenster. Schon in einem Monat werden wir öfter draußen sitzen. (Oder uns über sehr späten Schnee freuen, alles möglich.)

Worauf ich mich auch freue: ein mit besserer Witterung deutlich saubereres Haus. Unfassbar, wieviel Schlamm zwölf Tierpfoten reinschleppen können, wieviel nasses, verrottendes Laub in Tierfell kleben kann. Und wie sehr regennasse Tiere stinken können. Die kurze Episode des Fellwechsels, wenn wir hier auf Wolken von Unterfell dahinschreiten können, muss noch überstanden werden und danach ist es hier wieder „normal dreckig“.

Apropos Viehzeug: Franz nimmt seine Rolle als Katzennachwuchserzieher mittlerweile sehr ernst. Er bringt Kes jeden Abend eine Maus mit und jeden Abend ist diese Maus „lebendiger“. Die erste Maus, die er ihr brachte, war bereits tot. Kes warf sie eine Stunde lang begeistert durch die Küche, bevor sie an ihr herumnagte (und das Gefressene eine halbe Stunde später neben den Futternapf kotzte. Katzen sind so niedlich.) Die nächste Lernmaus lebte gerade noch so und starb wahrscheinlich vor Schreck, weil eine zweite Katze sich ihrer annahm. (Verzeihung, das liest sich sehr grausam, aber ich wir haben aufgrund des Entenfutters im Garten sehr viele Mäuse und sind froh, wenn unsere Katzen regulierend wirken.) Gestern abend brachte Franz eine Maus, die noch sehr lebendig war und wild durchs Wohnzimmer hüpfte. Erstaunlich, wie hoch Feldmäuse springen können! Diese schaffte dreißig Zentimeter über den Rand des Gusseisernen Topfes neben dem Ofen, in dem wir Anmachholz aufbewahren. Kes lernte also, wie man Mäuse belauert und Anmachholz aus einem Topf räumt. Wir gingen irgendwann schlafen und hofften auf einen erfolgreichen Jagdausgang. Der Gatte entsorgte den Rest der Maus heute morgen aus dem Flur, ich muss noch die Blutspur wegwischen.

Franz wird von uns für dieses Verhalten belohnt, er bekommt ein paar Kleckse Vitaminpaste. Kes soll eine genauso fähige Jägerin werden wie er und dass er ihr das besser beibringen kann als wir steht außer Frage. Er kommt übrigens nicht zu kurz, wenn ich mir seinen Körperumfang betrachte. (Vermutlich macht ihn so eine kleine Maus sowieso nicht satt, er bevorzugt Ratten.)

Lola und Kes „freunden sich an“. Nachdem ich Lola das eifersüchtige und sehr bedrohliche Nase kräuseln und Lefzen hochziehen verboten habe, sobald Kes auf meinen Schoß springt, während Lola neben mir liegt, ist die Lage entspannt. Die beiden beschnüffeln sich freundlich, Lola versucht ihre Nase in Kes‘ Hintern zu schieben, Kes antwortet mit entgegenkommenden „an Lolas Gesicht entlang reiben“, bevor sie sich entspannt nebeneinander zusammenrollen. Franz spielt immer noch „grumpy old cat“ und faucht, wenn Kes neben ihn auf das Sofa springt, vergisst das aber immer öfter.Vermutlich weil aus dem nervigen Katzenkind langsam eine vernünftige Katze wird, die fast schon würdevoll eine Maus fressen kann.

(Dieses Viehzeug hilft mir tatsächlich am Allerbesten durch meinen Wintertrübsal, weil es mich so oft zum Lachen bringt.)