Reisefieber!

31. Mai 2016

Nächste Woche geht es los! Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib besteigen ein Flugzeug und fliegen nach Irland, ich schrieb bereits darüber.

Unsere Wanderroute steht, die Unterkünfte sind gebucht, tolles Wanderwetter ist bestellt und wo es das beste Bier gibt, finden der Schreinerfreund und die ehemalige Freitagsfreundin heraus, die laufen gerade auf dem Wicklow Way. Blieb nur noch zu überlegen, welche Rucksäcke wir mitnehmen und was genau hinein soll, das habe ich heute geplant. Nach der Wanderung bleiben wir für ein paar Tage in Dublin. Für diese Zeit haben wir einen Koffer gepackt, den wir im Hotel deponieren können. Somit schleppen wir wirklich nur das mit, was wir für zehn Tage dringend brauchen. Das ist erstaunlich wenig! Ich habe mir vom Jüngsten einen 26l- Rucksack geliehen und vermutlich wird dieser nicht voll.

Mitnehmen will ich:

  • eine Regenjacke
  • die Softshelljacke des Großen (die hat nämlich Reissverschlüsse für eine Unterarmbelüftung. Sehr tolle Sache!)
  • zwei Wanderröcke (einen davon trage ich)
  • ein Langarmshirt (Wolle)
  • zwei T-Shirts (Wolle)
  • eine zünftige Wanderbluse aus Funktionsmaterial
  • zwei Sport-BHs (einen trage ich)
  • drei Unterhosen (eine trage ich)
  • zwei Paar Wandersocken (ein Paar trage ich)
  • ein obersexy radlerhosenähnliches Überziehhosendings für Wärme und gegen Oberschenkelreiberei
  • ein Paar Stulpen
  • ein Paar Flipflops
  • zwei Handtücher (Körper und Haare) aus so einem Funktionsmaterial. (sehr leicht!)
  • Kulturbeutel mit Duschzeug für Körper, Haare und zum Klamotten waschen, Sonnenschutz, Creme, Ibuprofen, Mückenschutz
  • Damenhygieneartikel (hmpf. Schlecht geplant)
  • ein großes Tuch (als Halstuch, Schultertuch, Unterlage zum Sitzen, zum Zudecken bei kühleren Pausen)
  • ein Kopftuch

Dazu kommt meine 1l-Trinkflasche und was am Tag noch an Verpflegung anfällt. Außerdem Kleinkram wie Taschenmesser, Handy samt Ladekabel, Taschentücher und eine Rolle Toilettenpapier. Das sollte alles gut zu tragen sein.

Der Vorsatz, jeden Tag einen kurzen Bericht zu schreiben, ist immerhin da. Ob ich Energie und Internet habe, weiß ich natürlich noch nicht.

Hach. Ich freue mich wirklich sehr auf diesen Urlaub! Mit der Tochter habe ich heute ausgemacht, dass ich eine Liste schreibe, was in den Gärten dringend während meiner Abwesenheit gemacht werden muss, damit ich mich nach unserer Heimkehr nicht mit der Machete durch den Dschungel schlagen muss. Das erleichtert mir die Abreise tatsächlich sehr, denn die Gärten sind gerade ziemlich hübsch.

Bleibt nur noch: Reisefieber. Heftig. (jetzt schon!)

Flüüügel.

29. Mai 2016

Ich muss es mir immer wieder sagen: „Flügel, ich gebe dem Kind Flügel und alles wird gut.“ Wird es, bestimmt.

Heute ist die Tochter von ihrem einwöchigen Vorbereitungsseminar für ihr Afrikajahr heimgekommen. Mitgebracht hat sie „ich kann es gar nicht mehr abwarten“- Gezappel und eine Safety & Security-Liste, die mich erbleichen lässt. Dass man beim Joggen keine Kopfhörer tragen darf steht darauf. Weil man nämlich das warnende Zischen der Schlangen sonst nicht hören kann, was unter Umständen fatale Folgen haben kann. Es gibt aber nur drei sehr gefährliche Schlangenarten und die Chance von einer schwarzen Mamba gebissen zu werden (was potentiell tödlich ist), ist immer noch höher als vergewaltigt zu werden. Letzteres aber nur, wenn frau nach Anbruch der Dunkelheit (etwa gegen sieben Uhr) das Haus alleine verlässt, zu viel Haut zeigt oder, wie das Jugendliche hier ganz gerne tun, zur Begrüßung einen Bekannten umarmt. Denn das bedeutet quasi „Nimm mich hier und jetzt“. Alles Phrasen, die meine innere lila Latzhose in Flammen aufgehen lassen, aber dort unten in Afrika sind sie bitter ernst zu nehmen. Da mögen sich noch so viele Borsten in der Tochter und mir sträuben, safety first gilt: nicht provozieren und eine andere Kultur zulassen. Ich entlasse mein Mädchen also aus unserem Hochsicherheitstrakt in die Wildnis, wo sie an jeder Ecke ausgeraubt, überfahren, ermordet oder von Schlangen gefressen wird. So fühlt es sich jedenfalls an.

Es ist ein klitzekleines Bißchen schwierig weiterhin den Gedanken „das ist ein großartige Chance und sie wird phantastische Erfahrungen machen“-Gedanken hochzuhalten, aber schon als diese drei schönen, klugen Mädchen alleine den Jakobsweg wanderten habe ich gelernt, dass die ganzen eindringlichen Warnungen vielleicht nicht unbedingt zu mütterlichen Panikattacken führen müssen. Vor den schrecklich gefährlichen wilden Hunden, die regelmäßig ahnungslose Wanderer zerfleischen, wurde da gewarnt. Den Berichten der Tochter nach haben diese grauenhaften Bestien sehr, sehr viel Angst vor Menschen und sind eher erbarmungswürdige Geschöpfe.

Ein bißchen Sorge bleibt. Natürlich. Alles, wovor gewarnt wird, ist schon passiert, hat einen Grund. Und vor großartigen Dingen muss man nicht warnen, die werden selten erwähnt.

Ich weiß jetzt, dass sich die Tochter mit einem weiteren Freiwilligen (mit einem KERL! Meine Tochter!) eine Wohnung teilen wird, dass in ihrem Zimmer lediglich ein Bett steht, das die Vorbesitzerin angeschafft hat. Für weitere Möbel war diese zu kurz in dieser Wohnung, aber das große, flauschige Handtuch, das sie gekauft hat, lässt sie der Tochter ebenfalls da. So macht man das da. Man reicht Sachen weiter. Die Tochter wird vermutlich einen Stuhl und einen Tisch für sich und ihre Nachfolger kaufen. Was genau sie arbeiten wird, weiß sie noch nicht genau. Je nachdem wofür Geld da ist. Vielleicht baut sie ein Haus. Oder eine Bäckerei. Vielleicht sammelt sie auch Schulkinder mit dem Auto ein und fährt sie zur Schule. Alles findet sich und Arbeit gibt es genug. Sie wird Nationalparks und die „big five“ sehen, Weihnachten und Silvester am Strand feiern, sehr viele Menschen kennen lernen und ja, meine Sorge ist nicht so groß wie meine Freude für sie darüber.

Flügel. Unbedingt.

 

hier ist was los.

Die Tochter ist gesund und mit sehr vielen Geschichten von ihrer Pilgerreise zurückgekehrt. Zum Erholen blieb ihr allerdings keine Zeit, denn nächste Woche startet ihr einwöchiges Vorbereitungsseminar für ihr Jahr Afrika. Zu diesem Seminar soll sie diverse Unterlagen mitbringen. Welche Unterlagen das sind erfuhr sie erst, als sie bereits in Spanien unterwegs war, weswegen die letzten anderthalb Wochen hier aus purer Hetzerei von Arzt zu Arzt und Amt zu Amt bestanden. Gerade ist sie in Berlin ihr Visum beantragen. Das geht nur persönlich und der Arzt, der ihr physische und psychische Gesundheit dafür attestieren musste, schob sie gestern freundlicherweise noch dazwischen. Ihren großen Bruder hat sie nach Berlin mitgenommen, damit der sich daheim nicht langweilen muss. Freitag nacht kommen beide heim, Montag morgen reist sie wieder ab. Und nach dem Seminar noch ein verlängertes Wochenende mit der Patentante nach Lissabon, bevor sie zwei Wochen den gar nicht mehr so kleinen Hund hüten muss, während wir durch Irland wandern. Danach betreut sie noch die CVJM-Mädchenfreizeit, um sich im Anschlusss elf Stunden in ein Flugzeug zu setzen.

Der Jüngste darf nächste Woche in die Lehrwerkstatt und dort lernen, wie man verschiedene Rohre sägt, der Große stellt sich der Herausforderung „Sommergarderobe“, denn die muss dringend aufgefrischt werden und er hasst Klamotten kaufen. Nachdem ich mir ein Jahr lang keine Klamotten gekauft habe, weil ich genug habe, muss ich da jetzt auch wieder ran, denn die alten sind sehr zerschlissen. Den Anfang habe ich mit einem Rock gemacht, was absoluter Quatsch ist, da ich mir Röcke bekanntermaßen selbst nähe. Dieser Rock ist ein „Wanderrock„(freiwilliger Werbelink), was eventuell noch größerer Quatsch ist, denn wer braucht schon Wanderröcke? Aber er ist hübsch, ich mag diese unaufgeregten Fjäll Räven Sachen sowieso sehr, auch wenn ich zwei Konfektionsgrößen größer kaufen muss als regulär. Wer auch immer da für die Größen zuständig ist: passt das doch bitte mal ungefähr an.

Neulich beschrieb ich den Rheinterrassenweg von Laubenheim nach Nierstein. Am Montag liefen wir das andere Stück, von Mettenheim nach Nierstein. Das war kein bißchen langweilig und so wie ich die Bilder gesichtet habe, beschreibe ich den Weg ausführlich. Der eignet sich nämlich prima für Kinder!

Tja. Ansonsten wühle ich mich durch die Gärten. Meine armen Kartoffelpflänzchen werden von Kartoffelkäfern niedergefressen, sowie sie nur ein Blättchen ins Freie strecken und somit ist klar: dies ist garantiert das letzte Jahr, in dem ich auf diesem Stück Kartoffeln pflanze. Außerdem hat sich unsere Woche in Berlin sehr gerächt, denn Regen und danach sehr viel Sonne haben alles im Garten explodieren lassen. Vor allem Löwenzahn, Gänsedisteln und Klettenlabkraut. Die Gartennachbarn mit dem sehr ordentlich geharkten Garten haben vorsorglich und ein bißchen demonstrativ grüne Plane zwischen unseren Gärten gespannt. Mein Gewissen ist angemessen schlecht und ich jäte so schnell ich kann. Nächste Woche besucht mich Frau Kunterbuntdesign, die schlecht die Füße stillhalten kann und schon um ausreichende Beschäftigung im Garten gebeten hat. Somit mache ich Besuch und Nachbarn glücklich, muss nur noch das Wetter mitspielen.

Sie haben den Text vermutlich schon gelesen, aber falls nicht: die Kaltmamsell regt Menopausenbloggen an und ja, ich halte das für eine großartige Idee. Ich werde mich dem Thema demnächst widmen, so wie ich mich ausgiebig mit meinem (neuen) Gynäkologen darüber ausgetauscht habe. Wechseljahre sind nämlich ein großes Thema bei mir, ich werde echt alt. Richtig alt. So alt, dass ich sogar beim Phlebologen war, damit dieser einen Blick auf meine Krampfadern wirft. Das tat er sehr gründlich und danach sah er mir streng in die Augen und fragte, warum ich so lange gewartet hätte? Man könne nämlich von „fortgeschritten“ sprechen und dann sagte er so Sachen wie „Thrombose“ und „offenes Bein“, was mich sehr erstaunte, denn ich dachte immer, das sei ein kosmetisches Problem und ich nicht eitel genug für die Lösung. Fakt ist, dass dieses Jahr nun eine größere Operation ansteht, für die ich meinen Eisenspeicher bitte etwas befüllen müsste, was aber wegen der anderen „ich bin alt und habe keinen geregelten Zyklus mehr“-Geschichte sehr schwierig wird. Ich berichte weiter, jammern lasse ich mir ja nicht nehmen. (Bitte keine Tipps wie Lasern etc., ich bin sehr ausführlich und umfassend über alles informiert und gebe hier nur sehr kurz und knapp wieder was Sache ist.)

Das war die Grobzusammenfassung der letzten Tage und Wochen. Besserung und häufigeres Schreiben gelobe ich vorsorglich mal nicht, denn meistens kommt mir das Leben dazwischen. Aber Sie wissen ja: keine Nachrichten sind gute Nachrichten. :)

Muttertag …

8. Mai 2016

darf man ja im klassischen Sinne nicht mehr zelebrieren, sagt ein Teil meiner Twitterbubble. Zum einen sei ja jeden Tag Muttertag und zum anderen gäbe es viel wichtigere Dinge, die man uns Müttern schenken könnte. Zum Beispiel Rente statt Blumen, Kitaplätze statt Pralinen und Vieles mehr. Das ist ja richtig. Aber trotzdem: 

Ich persönlich liebe meinen Muttertag sehr und werde ihn feiern. Als ich mit dem Großen schwanger war, erzählte ich am Muttertag meinem noch flachen Bauch, dass wir im folgenden Jahr zu dritt sein würden. Am allerersten Muttertag mit Kind auf dem Arm … war das das eben der allererste Muttertag mit Kind auf dem Arm. Ganz schrecklich kitschig, ganz wunderbar schön.

Im Laufe der Jahre bekam ich Gemaltes, Gebasteltes, mit Grünlilien bepflanzte Kokosschalen. Es gab Kuchen und manchmal ein Gedicht, aufgeschrieben, mit Herzen und Blumen verziert oder sogar aufgesagt! „Ich sage dir, dass ich dich brauch … aber du mich AUCH!“, deklamierte der Jüngste, damals noch ganz neu in der Sprachheilschule und beim Gedanken daran habe ich immer wieder ein winziges Rührungstränchen im Auge. Wenn ich heute ein Gedicht einfordere, dann kommt „Zickezacke, Hühnerkacke!“, aber das ist irgendwie auch ok.

Der Große hat mir heute ein Tomatenhäuschen gebaut, der Jüngste die Terrasse gekehrt. Das hätten sie auch ohne Muttertag getan, aber das Spiel mit „Ihr müsst das tun, ich hab nämlich Muttertag, weil ich euch unter Schnerzen auf die Welt gepresst habe!“ „Orrr, Mama, ist ja gut!“hat sehr viel Spaß gemacht. Ansonsten durfte ich den ganzen Tag machen was ich wollte (ich wollte den ganzen Tag im Garten schuften) und das Abendessen bekam ich gekocht.

Natürlich ist jeden Tag Muttertag, natürlich gibt es Wichtigeres als ein aus Krepppapierkugeln geklebtes Herz. Aber Kinder feiern ihre Mütter erfahrungsgemäß ganz gerne mal, das wird sich doch einen Tag lang aushalten lassen!

(Ist es eigentlich Trend, dass allem Hübschen, Gefühlvollen oder vielleicht leicht altmodisch Angestaubten nur noch abwertend, kritisch hinterfragend oder wenigstens ironisch/sarkastisch begegnet werden muss? Hat niemand früher heimlich im seinem Zimmer etwas für den Muttertag gebastelt oder irgendwo ein paar Blümchen gepflückt? Und hat das nicht riesigen Spaß gemacht? Ist der Muttertag somit nicht gleichermaßen für die Kinder?)

Wie auch immer: mein Tag war prima und morgen wird es noch besser, denn dann kommt die Tochter wieder zurück, vermutlich mit sehr vielen Geschichten!