Gestern war in Wallerfangen ein Keramikmarkt. Wallerfangen ist bekannt für sein (altes) Villeroy&Boch – Geschirr und auf diesem Markt lassen sich echtenSchätze erjagen. Die Oppenheimer Freundin kommt ursprünglich aus dieser Kante und freut sich jedes Jahr auf den ersten Sonntag im Juli, wenn der Markt stattfindet. Und dieses Jahr nahm sie mich mit. Zum Glück!

Ich mag schönes Geschirr sehr gerne und jetzt, wo die Familie endlich, endlich aus dem zerbrechlichen Alter heraus ist, gedenke ich mir auch schönes Geschirr zu gönnen. Ein paar Stücke jedenfalls.

Angefangen habe ich gestern mit diesen wunderschönen Terrinen, der Kaffeekanne und dem Milchkännchen.


„Burgenland“ in blau, passt prima zu meinem blauen Friesland. :) Gelernt habe ich gestern, dass die Stempelfarbe etwas über die Qualität des Geschirrs aussagt. Die Terrinen haben einen blauen Stempel, sie sind also zweite Wahl. Die Kannen haben einen grünen Stempel, sie sind perfekt. Perfekt sind alle Stücke für mich, noch perfekter auch deshalb weil jedes Stück nur zwei Euro kostete.

Etwas ausgefallener und ein klitzekleines Bißchen teurer war dieses Geschirr:


Ziemlich alt, Ende Jugendstil vermutlich. Ich schlich ziemlich lange um den Stand herum, vermutlich so lange, bis der Verkäufer hinreichend eingeschüchtert war und mir das Geschirr für 60,-€ verkaufte. Ein Blick ins hilfreiche Internet zeigte, dass ich damit wohl ein echtes Schnäppchen geschossen habe. Obendrein bin ich sehr verliebt in meine Fischteller.

Am allerallertollsten war aber der Fund dieser Schüssel aus Glas.


„Unser täglich Brot gib uns heute“ steht auf dem Rand und naja, das ist irgendwie kitschig und so sehr habe ich es ja nicht mit der Religion. Aber lassen Sie mich ausholen:

Meine Großeltern wurden als Banatdeutsche von Tito aus ihrer Heimat – Jugoslawien – vertrieben. Nach Internierungslager und Entbehrungen kamen sie zusammen mit meiner damals fünfjährigen Mutter in ein winziges Dorf in Rheinhessen. Nur mit dem was sie am Leib trugen und was in den kleinen Koffer passte. (ein Nudelholz zum Beispiel, mit dem der beste Vater meiner Kinder am Samstag den Pizzateig ausrollte) Eine Nachbarin war in Sorge: „Was wärd dann dess jung Fraasche ihrm Kind schunn koche kenne?“ und brachte zur Begrüßung Kartoffelsalat in einer Glasschüssel. 

Diese Glasschüssel war bei Oma Eis täglich in Gebrauch und sie zersprang vor ein paar Wochen in tausend Scherben, als ein Gewürzglas darauffiel. Man kann wegen einer zerbrochenen Glasschüssel weinen, wenn sie so viele Erinnerungen trägt.

Die „neue“ Glasschüssel ist nicht die, die ursprüngliche Erinnerungen trägt. Sie ist jetzt zuständig für die Erinnerung an die Erinnerung. Das klingt kompliziert, aber vielleicht verstehen Sie ja was ich meine.

(und genau wegen solcher Geschichten, werden wir hier immer zwischen Krusch, Kram und Krempel leben. „Unwichtige“ Dinge, die Erinnerungen tragen und die Geschichten erzählen. Bleiben Sie mir weg mit diesem reduzierten Wohnen!)