Vernachlässigung, ein Fall von

30. September 2008

“Mama”, sagt das jüngste Kind, “Ich hab´ da an meinem Fuß was Komisches gefühlt.”
“Ahasoso, was ist es denn?”, fragt Frau … äh … Mutti, nicht so arg neugierig.

Ich Rabenmutter, ich. Nicht nur, dass das Kind durch den Regen laufen muss, es muss dabei auch noch löchrige Strümpfe anziehen. (Löcher mit ein wenig Strumpf drumherum)

In die Pfanne gehauen

30. September 2008

Sie werden es vielleicht bemerkt haben: Frau … äh … Mutti zeigt Pfanne.

steht da und das ist wirklich, ehrlich und ganz in ehecht so.
Sie kursieren derzeit in verschiedenen mehr oder weniger attraktiven Designs durch die Blogs, die Awards, und ich mag sie nicht. Die Intention, die dahinter steckt, mag zwar eine hehre sein, immerhin steht ja nicht “ich find dein Blog scheisse!” drauf, sondern nur viele Lobesworte, aber…

Vor vielen Jahren hatte ich mal eine Homepage. Das war früher so, als man noch kein Blog schrieb. (oder als nur sehr wenige Menschen ein Blog schrieben) Ich hatte meine Seite mit mehr oder weniger dilettantischen html zusammengeschraubt, mit recht viel Inhalt gefüllt (Ranz, Motz und Schlunz, für diejenigen, die sich miterinnern wollen) und harrte der Dinge, die da kommen würden. Die Dinge kamen in Form von sogenannten Gästebucheinträgen, Mails und ja, den ersten Awards. Diese Awards bestanden ebenfalls aus einer Grafik. Doch dazu gab es einen ellenlangen Text, in dem begründet wurde, weswegen ausgerechnet diese eine, meine, Seite einen Preis verdient hatte. Inhalte wurden bewertet, das Aussehen und wie leicht man auf der Seite herumklicken konnte. Manche Awardverleiher bewerteten sogar Rechtschreibung, Zeichensetzung und die korrekte Anwendung der Grammatik. Ich klebte mir diese Awards mit großer Begeisterung auf eine eigens dafür angelegte Unterseite, die ausführliche Begründung durfte nicht fehlen.
Heute … brauche ich das nicht mehr.
Ich glaube, dass die Wertigkeit dieser “los, verteile mich an sieben andere”-Awards eine völlig andere ist, als in den guten, alten Zeiten. Wenn ich meinen Referrern auf eine mir völlig unbekannte Seite folge und dort lesen kann “hmmm, an wen könnte ich denn noch den award vergeben? Vielleicht an Frau … äh … Mutti, weil die schreibt immer so nett”, dann schmeckt das komisch. (ich schreibe nämlich nicht immer nett)
Wenn ich ein Blog “auszeichnen” möchte, dann muss ich das nicht mit einer Grafik (an die Bedingungen geknüpft sind) tun. Ich kann es tun, indem ich regelmäßig und gründlich lese und mich an die Inhalte des Geschriebenen erinnere, evtl. irgendwann darauf Bezug nehmen kann. Ich kann kommentieren, eine mail schreiben, einen Trackback setzen, das Thema von dort in mein Blog holen, verlinken, meine Blogroll aktualisieren … es gibt so viele Möglichkeiten. Aber alle haben etwas mit echten Interesse auch an der Person, die da schreibt, zu tun.

Eine Grafik macht es zu leicht. Die hat für mich keinen Wert, auch wenn sie manchmal mit wirklich viel Liebe weitergereicht wird; sie ist mir einfach zu unpersönlich. (und sie zerstört mein durchgestyltes Layout, das müssen Sie einfach verstehen.)

Plötzlich so im Kopf, Teil II

29. September 2008

“Ich würde so schrecklich gerne wieder einen Frauenurlaub machen”, sagt Frau … äh … Mutti zu den beiden Freundinnen, die Samstag abend bei Federweißer und Zwiebelkuchen am Tisch unten in der Halle saßen, während die Männer den Kicker quälten.

“Au ja!”, sagten die beiden, denn die sind ähnlich eingespannt und dessen müde wie ich.
Nach Amsterdam wollen wir, denn Frau Pimpinella hat unter anderem hier, hier, hier, hier oder auch hier sehr viel Lust geweckt.

Unser letzter Frauenurlaub ist nun schon fünf lange Jahre her. Fünf Frauen fuhren gemeinsam für vier Tage nach Strasssbourg. Ein bißchen Kultur, ein bißchen Shoppen, viel Essen, viel Lachen und auch Tränen und Hilflosigkeit, als der Anruf kam, der Nachricht vom Tod der Mutter im fernen Brasilien brachte. Jetzt sind es nur noch drei Frauen, der Kontakt zu den beiden anderen ist so weit abgeschwächt, dass es nicht mehr reicht, um gemeinsam zu verreisen. So ist das manchmal, das ist nicht schlimm.

Schlimm ist, dass wir drei Frauen es nicht schaffen, wenigstens drei gemeinsame, freie Tage zusammenzukratzen. Aber zusammen träumen hilft manchmal auch schon ein bißchen.

Montag morgen

29. September 2008

und Frau … äh … Mutti ist schlagskaputt.

Ein Sonntag im Garten fordert Tribut, ich bin doch nicht mehr die Jüngste und habe jetzt Rücken. Da aber nicht mal die Hälfte des Gartens winterfest ist … geht´s heute wieder raus.

(bloggen dient hier nur der Ablenkung von der Pflicht, deshalb ist der Inhalt des Geschriebenen völlig unwichtig)
(los Alte, raus in den Garten, Lavendel platt machen)
(da ich die mail dauernd vergesse: Frau Landgeflüster! Herzlichen Dank für die Handgranaten! Schmeiss ich die im Frühling in die Erde? Oder jetzt schon? Weil die “weißen Handgranaten” fallen jetzt ja auch ab …)

*****

Alle Grünschnittsäcke sind voll.
Das waren sie allerdings bereits gestern abend, denn der beste Vater meiner Kinder hat den ollen Flieder, der zur Hälfte tot war, gefällt. Volle Säcke sind doof, denn nun stapeln sich auf dem Rasen die Grünschnittabfälle (drei sehr große, wirklich SEHR große Lavendelhaufen, zwei Goldrutenhaufen und eigentlich müssten da jetzt noch vier Kermesbeerenhaufen hin. Sämtliche Eimer sind befüllt und eigentlich … EIGENTLICH … wäre ich fertig. Mit der Kraft jedenfalls.
Kurze Pause. (und sollte die Sonne später noch scheinen, fallen die Kermesbeeren.)

für und wider

27. September 2008

Das Grässliche an Konfirmandentagen ist, dass man zum Singen gezwungen wird (in einem Raum, dessen Akkustik wahrscheinlich auch geschulte Stimmen schlucken würde), merkwürde Bibelquizgeschichten durchstehen muss (und sich dabei als sehr unwissend zu outen) und sich zwischendurch wie in der Schule fühlte, in dieser einen Stunde, die sich zog wie Gummi, wenn man den Blick nach draußen schweifen ließ, nach draußen, dort wo die Sonne so wunderbar schien und alles Glück der Welt versammelt war. Nun denn.

Das Wunderbare an Konfirmandentagen ist, dass man endlich mal Eltern kennenlernt, die man schon lange kennenlernen wollte, denn mittlerweile ist das nicht mehr so einfach, wie damals, als man beim Abholen des Kindergartenkindes noch ein wenig im Kindergartenhof tratschte. Ebenso wunderbar ist, dass der Pfarrer solch ein toller Mensch ist, dass man fast in Versuchung kommt, das große Kind doch einmal Sonntag Vormittag in die Kirche zu begleiten, einfach nur, weil der Pfarrer so nett und sympathisch ist. Und zuletzt auch deshalb ein wunderbarer Tag, weil man das eigene Kind beobachten kann, wie es da mit seinen Freunden sitzt und konzentriert mitarbeitet und zuhört, während Mitkonfirmanden mal eben nebenbei die Küchentür eintreten. Macht so ein “warm, fuzzy feeling” im Bauch, für das man sich beinahe ein bißchen schämt, denn es ist so eine Art “Ätsch, mein freakiges Kind setzt deutlich andere Prioritäten als deines”. Ich beschließe, mir dieses Gefühl nach all der Sorge in den letzten Wochen zu gönnen und sehr zufrieden mit meinem Kind zu sein.

Ihnen ein schönes Wochenende.
(meines bleibt gut, hinter mir stehen sechs Flaschen Federweißer)

eins noch

26. September 2008

(seit vier Jahren will er Winzer werden)

Küchengeplauder

26. September 2008

Nach neuneinhalb Jahren ist es endlich soweit: Frau … äh … Muttis Küche steht auf ordentlichen Füßen!

Der Schreinerfreund hat ganze Arbeit geleistet.
Natürlich gibt es für Küchen aus dem blaugelben Möbelhaus auch passende Sockelverblendungen. Doch wenn die Küchenfüße auf Stöckelschuhe gestellt wurden, damit die Arbeitsfläche deutlich höher als die der Otto-kocht-normal-Küche ist, passen diese blöden Dinger nicht. Neuneinhalb Jahre ärgerte ich mich über den Spalt zwischen Verblendung und Schrankunterseite, fischte Mäuse, Staubratten und einzelne Socken hinter der Verblendung heraus und sammelte Dreckknäule in den Schubladen.
Vorbei! (Frau … äh … Mutti ist ja doch leicht glücklich zu machen.)

Zur Feier des Tages kaufte ich drei Dekofrüchte (äh, das sind schon echte, keine Plastikdinger):

Quitten. Ich liebe Quitten. Als Gelee, als Mus oder plombenziehend als Quittenzucker. Doch leider bin ich die Einzige in der Familie, die für Quitten schwärmt (und die obendrein so selten Marmelade oder Gelee isst, dass sich der Aufwand des Kochens nicht lohnt) und deshalb muss es wenigstens nach Quitten duften. Und das tut es. Wunderbar!

Nicht minder dekorativ:

Tochter und Tochterfreundin schwelgten gestern in Kastanien. Kastanienmännchen wollen sie basteln. Ich wühle am liebsten meine Hände ganz tief in den Kastanienkorb und genieße Kühle und Glätte. (im Herbst habe ich meistens eine Kastanie und/oder/eine Walnuß in der Jackentasche)

Dekorativ UND lecker und gemeinsam mit den Qitten gekauft:

Ein kleiner Hokaido-Kürbis (Ho-Ka-Ido oder Ho-Kai-Do?), der mit Ingwer und Knoblauch zu einem feinen Herbstsüppchen verkocht wird.

Hach. Diese Farben!

Morgen abend gibt´s Zwiebelkuchen, Federweißer, einen bollernden Ofen in der Halle, Kicker-und Dartspiel und endlich mal wieder die Freunde in der Bude.

Plötzlich so im Kopf

25. September 2008

Ich würde echt gerne mal wieder um die Häuser ziehen.
Kichern, lästern, in Kneipen hängen bleiben. Und mal ganz unmuttihaft sein.

Die Katerlinge

25. September 2008

werden erwachsen.
Das bedeutet nichts anderes, als dass sie nun eifrig auf die Jagd gehen.
Martin hat seine erste Spitzmaus heim gebracht. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass er sie auch gefangen hat, denn sie war bereits tot. Immerhin weiß er nun, dass er Mäuse fangen soll und nicht Fliederblätter und Rindenmulchstücke. (Fliegen kriegt er aber auch schon und verspeist sie sehr genüsslich. Manchmal summen die Fliegen noch, wenn sie schon längst im Katermaul stecken.)
Matze hat vorhin eine Spitzmaus nach Hause gebracht. Unglücklicherweise hat er sie im Flur verloren. Nun bewachen zwei Katerlinge unsere beiden Schuhschränke und ich sollte allerspätestens übermorgen sehr gründlich jeden Schuh, jede Ritze und jedes noch so winzige Loch absuchen.

Vor drei Jahren fanden wir heraus, dass das Gemüffel im Zimmer des Großen nichts mit einsetzender Pubertät zu tun hat, sondern vielmehr mit der verwesenden Maus unter seinem Bett. Solche Erlebnisse MUSS man nicht nochmal haben.

(Frau … äh … Mutti stellt sich vor, wie sie in die schwarzen Liebelingsstiefel springt und mit dem linken Fuß im Mäusematsch landet. Uargh.)

nachgefragt:

25. September 2008

Liebe hier lesende Lehrer und Lehrerinnen, ich hätte da mal eine Frage:

Gibt es eine pädagogische Begründung für Tests?

Nicht die 10-Stunden-Tests, sondern die spontanen Ha-Üs. Die finde ich nämlich, mit Verlaub, zum Kotzen. Das Töchterlein kommt seit einer Woche jeden Mittag heim mit den Worten: “Boah, ich muss total viel lernen, wir schreiben einen Test in Mathe, in Musik UND ich Deutsch. UND eine Arbeit in Französisch und wahrscheinlich einen Vokabeltest in Englisch.”

Tatsächlich schreibt sie dann eine Arbeit in Französisch und einen Grammatiktest in Deutsch. Lebt aber eine Woche lang in Druck und Sorge und Stress. Stress, bei einer 11jährigen. Das DARF doch eigentlich nicht sein!

Die Klassenlehrerin des großen Kindes, mit Leib und Seele Lateinerin, verweigert die spontanen, überraschenden Abfragen. Sie schreibt in schöner Regelmäßigkeit seit Beginn der siebten Klasse jeden Freitag einen Vokabel-Test. Aus sämtlichen gelernten Vokabeln werden zehn abgefragt. Mittlerweile ist das eine ziemliche Menge an Vokabeln, doch durch das regelmäßige Überprüfen, muss das große Kind tatsächlich nur die neuesten Vokabeln lernen.
Es ist SO großartig. Wir wissen genau: Donnerstag abend = Lateinvokabeln lernen. Ohne Sorge, ohne Stress. Die anderen Fachlehrer lieben ihre Überraschungstests.

Vielleicht ist meine Tochter ein etwas merkwürdiges Kind, weil sie sich selbst so wahnsinnigen Druck macht. Weil sie so hohe Anforderungen an sich selbst und ihre Leistungen hat und auch gerne mal verzweifelt, wenn es “nur” eine drei geworden ist. Und trotzdem: Ich finde, auch in Zeiten, wo die Anzahl der Unterrichtsstunden wegen Lehrermangels gekürzt ist, die Klassen übervoll sind, Unterrichtsausfall an der Tagesordnung ist und gleichzeitig der politische Aufschrei wegen mangelnder Schulbildung durch das Land hallt, darf dennoch kein “Lernstress” für die Kinder entstehen.
Meine beiden großen Kinder sind früher eingeschult und ich habe mir viele harsche Sprüche deswegen anhören müssen, habe immer dagegen argumentiert: dass Lernen für Kinder nichts Schlimmes (mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens … blabla) ist, vor allem dann, wenn Kinder wissbegierig sind. Die Wissbegierde, die Neugier, die Freude am Lernen … verliert die Tochter gerade, wegen der ständigen Ungewissheit und der drohenden Abfragen. MUSS das so sein?