rumdideldum.

31. Oktober 2015

Ich kann es mir nicht mehr schönreden: das Gartenjahr ist vorbei, viel Ernte ist nicht mehr zu holen. Heute habe ich die Tomatenpflanzen ausgerupft und etwa 20 Kilo Tomaten entsorgt. Verfault bevor sie rot werden konnten. Ich bin sehr froh, dass die Freundin mit dem sehr grünen Daumen ebenfalls ein schlechtes Tomatenjahr hatte, dann kann es nämlich nicht an mir liegen. Die letzten Paprikas habe ich geerntet, das was noch an den Pflanzen hängt oder gar blüht hat keine Chance mehr. Die Zucchinipflanzen sind fertig, aber so richtig in Schwung waren sie in diesem Jahr auch nicht. Jetzt wachsen oder besser: warten nur noch etliche Kohlgewächse im Garten. Und jede Menge Mangold, denn Mangold gedeiht immer.

Was mich ein bißchen mit diesem fiesen Gartenjahr, das von einem Wetterextrem ins nächste kippte, versöhnt, ist die Tatsache, dass der Staudengarten gerade wundervoll blüht. Kapuzinerkresse, kalifornischer Mohn und Ringelblumen leuchten in den tollsten Gelb- und Orangetönen, dazwischen blitzt es pink bis dunkelrot von Cosmea und verschiedenen Astern. Die Löwenmäulchen und der Borretsch blühen zum zweiten Mal und ich mag mir gar nicht vorstellen, dass es nur einen einzigen Nachtfrost braucht und diese ganze Pracht ist hin.

In den letzten Jahren war ich immer froh, wenn der Herbst endlich kam, wenn das Gartenjahr vorbei war und ich das schlechte Gewissen, weil ich viel zu wenig im Garten tue, bis zum Frühling in den Schrank hängen konnte. Dieses Jahr mag ich gerne noch ein bißchen rumwurschteln. Würde gerne noch ein bißchen in dieser Farbenpracht sitzen und Farben für das kommende Grau tanken.

Mache ich morgen! Und ab morgen gibt es auch wieder, so wie daaamaaals, Blogartikel, Bilder oder Links gegen das Novembergrau. Ich hoffe täglich oder wenigstens so oft wie möglich. Macht jemand mit?

Hunderunde

30. Oktober 2015

oder warum ein Herbstspaziergang in Rheinhessen dringend auf dem Plan stehen sollte.

Heute morgen war es grau und trüb draußen. Nichts hätte mich freiwillig aus dem Haus gebracht, wäre da nicht der gar nicht mehr so kleine Hund, der seinen großen Bewegungsdrang ausleben wollte. Und so kletterte ich um halb acht in die Wanderschuhe und marschierte los. Die Straße runter, ins Gässchen, an den Schrebergärten vorbei, nach rechts, über die Straße und dann der Blick hoch in die Weinberge.

runde1a

Vor mir die „Große Steig“. Der gepflastere Weg ist die „Alte Steig“, links abgehend und asphaltiert ist die „Neue Steig“. Ich wählte die „Neue Steig“, der Aufstieg ist ein bißchen gemächlicher, was meiner Schnupfennase sehr entgegenkommt. Aber hoch wollte ich heute morgen unbedingt!

Nach dem klick! folgen viele Bilder, die Wingerte in verschiedenen Farbschattierungen zeigen, dazwischen ein entzückender Hund. Und jede Menge Aussicht. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

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klitzekleines Gejammere

28. Oktober 2015

Der Weihnachtsmarkt in Nierstein muss in diesem Jahr ohne das entzückende Schnickeldi von Frau Mutti auskommen. Frau Mutti bekommt nämlich nichts auf die Reihe und hat nicht mal die Hälfte von dem genäht, was sie um diese Zeit schon hätte genäht haben müssen.

Es ist ein Elend, die Zeit rinnt mir durch die Finger und wenn ich dann doch Zeit hätte, bin ich krank. Magen, Schnupfen und wieder Magen. Immerhin hat eine sehr gründliche Untersuchung von diversen Körperflüssigkeiten und -ausscheidungen, sowie ein großer Organschall gezeigt, dass ich ein sehr gesunder Mensch bin. Mit geknickter Gallenblase (medizinisch nicht relevant, aber hübsch anzusehen), jugendlicher Milz, perfekter Leber, schönen Nieren und einer Bauchspeicheldrüse, in der kein Krebs wächst, obwohl man das mal kurz vermutet hatte. Der Zucker dürfte höher sein, der Eisenspeicher voller und am Besten wäre ein deutlich höherer Blutdruck, weil dann wäre ich vermutlich nicht immer so müde und schlapp. Aber so ist das nun mal. Ich bin ein Mensch mit sehr niedrigem Blutdruck und Magenkram. Wenn ich irgendwas als Stress empfinde, haut es mir auf den Magen, dauert das länger an (selbst tolle Sachen, die halt ein bißchen anstrengend sind), entzündet sich die Schleimhaut. Ist so, ist seit Jahren so. Der fiese Heliobacter isses nicht, das wurde untersucht, mehr so eine vererbete Sache, die sich durch die Familienchronik zieht. Gut zu wissen, kann man händeln.

Dass ich mir bei der letzten Konsultation bei Dottore dann einen wirklich fiesen Schnupfen mit heim nahm, war wahrlich schlechtes timing, nicht nur in Hinsicht auf die Arbeit im Nähzimmer. Den beginnenden und dann heftig anwesenden Schnupfen habe ich ignoriert, habe mit der Freundin Geburtstag gefeiert und danach mit dem besten Vater meiner Kinder und das ist einfach keine gute Idee. Ein ignorierter Schnupfen muckt nämlich auf und fordert letztlich dann noch mehr Aufmerksamkeit. Ich lag also schon wieder zwei Tage flach und verbrauchte sehr, sehr viele Taschentücher, Nasentropfen und nicht so viele Ibuprofen, wie ich gerne gewollt hätte, weil … die gehen ja auf den Magen, das wollen wir nicht.

Jetzt stehe ich wieder einigermaßen senkrecht und habe obigen Beschluss getan: kein Weihnachtsmarkt, kein Stress.

Schuld am geringen Schnickeldi-Sortiment ist natürlich auch der gar nicht mehr so kleine Hund, der zwar wahnsinnig gerne mit ins Nähzimmer kommt, dort aber einfach viel zu vielen Versuchungen widerstehen muss! Garnrolen darf sie nicht zerbeissen, nicht den Eimer mit den Stoffresten durchwühlen oder die Kissen mit der Füllwatte zerfleddern. Besonders streng verboten ist das Zerkauen von Nähmaschinenpedalen und den daran hängenden Kabeln. Das findet sie alles blöd, das Spielzeug, das sie haben darf, ist voll langweilig und ich erlaube auch nicht, dass sie die ganze Zeit an irgendwelchen Lammfüssen oder Rinderluftröhren herumnagt, ihrer Figur zuliebe. Vermutlich habe ich da in der Hundeerziehung irgendwas Grundlegendes falsch gemacht, denn alleine im Wohnzimmer bleiben, während ich im Nähzimmer vor mich hinwurschtele ist auch keine Option. Sie ahnen nicht, wie herzzerreissend Tupfenlola weinen kann und wie butterweich mein Herz dann wird. Deshalb klebt sie wie ein Schatten an mir und das ist ein bißchen schade, denn demnächst muss sie einmal fünf Stunden ganz alleine bleiben. Im besten Fall verschläft sie diese Zeit, im schlechtesten Fall dekoriert sie das Wohnzimmer um. Letzteres müssen aber die Kindelein in Ordnung bringen, denn der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib urlauben dann mit dem Schreinerfreund nebst Gattin in Holland. Hurra. (und schon wieder keine Zeit zum Nähen, mein Entschluss ist absolut richtig.)

 

(geschrieben im Nähzimmer, in den zehn Minuten, die der gar nicht mehr so kleine Hund braucht, um eine Rinderluftröhre zu schreddern)

Vorsätze brechen

24. Oktober 2015

„Ein Jahr lang kaufe ich mir keine neuen Klamotten“, war mein Vorsatz für 2015. Ich habe ihn durchgehalten bis vorletzte Woche, als ich meinen Kleiderschrank von Sommer auf Winter umsortierte und feststellte: das was letzten Winter schon Löcher hatte und schäbig war, hat noch immer Löcher und ist irgendwie noch schäbiger. Dafür passen die beiden sehr schmalen Cordhosen wieder. Doch nicht so schlecht, alles, aus dem ich in irgendeine Richtung rauswachse, zu entsorgen. Scheinbar schwanke ich beim Gewicht noch immer mit +/- fünf Kilo. Somit habe ich jetzt quasi zwei neue Hosen im Schrank und das ist ein merkwürdiges Tragegefühl, weil ich knapp zwei Jahre lang ausschließlich Röcke trug, jetzt aber, bei herbstlicher Suddelwetterhunderunde, Hosen ganz praktisch finde.

Oberteile fehlen. Ausnahmsweise kommt mir die Mode diesen Winter entgegen, denn dieser ganze oversized-Kram passt mir ganz prima! Endlich kann ich auch mal so niedlich-mädchenmäßig meine Hände in den Ärmeln verstecken. Zwei Oberteile und eine Strickjacke sind nun schon neu in meinen Schrank gewandert, gleichzeitig habe ich begonnen, Altes umzuarbeiten und ein bißchen aufzupeppen. Dann geht das noch ein, zwei Jahre. Heute abend bestelle ich mir eine weitere Hose, drei Oberteile und eine neue Jacke und dann ist wieder Schluss für dieses Jahr.

Da ich aber nicht ganz durchgehalten habe – jetzt schon ein kleiner Rückblick. Es ist gar nicht schwer, sich keine neuen Klamotten zu kaufen, wenn man eine Nähmaschine hat und keinen ausgeprägten Sinn für Mode. (Das liest sich jetzt so, als würde ich mir alles selbst nähen. Tatsächlich nähe ich mir nur meine geliebten Filtertütenröcke und ab und zu ein Oberteil, dass mir dann aber nicht passt oder gefällt.) Obendrein finde ich, dass „shoppen“ eine grauenhafte Zeitverschwendung gepaart mit jede Menge Stress und Frust (und schlimmer Umkleidekabinenerlebnisse) ist, darauf zu verzichten war wirklich nicht schwer. Bisweilen kam ich doch in Versuchung, gerade beim notwendigen Klamottenkauf für die Familie, mir auch noch ein Shirt oder so mit in den Warenkorb zu schmeißen. Tat ich nicht und heute finde ich es schrecklich schade, dass ich nicht das Geld, das mich das Versuchungsshirt gekostet hätte, weggelegt habe. Wäre schön gewesen zu sehen, wieviel ich gespart habe. Ganz konsequent war mein Klamottenkaufverzicht allein deshalb nicht, weil ich jede Menge Stoff gekauft habe, um mir davon neue Röcke zu nähen. Tja.

Mein Kleiderschrank ist noch immer gut gefüllt, die ältesten Kleidungsstücke darin sind über zwanzig Jahre alt. Ich habe vor Jahren aufgehört, Mode wichtig zu nehmen, sondern Kleidung für mich zu finden, in der ich mich schön finde und wohlfühle. Obendrein fällt es mir immer schwerer Kleidung zu kaufen, die meinen Ansprüchen an Qualität genügt. Schuld daran ist, dass ich mir eben einiges selbst nähe und das geht eben nicht immer Pia mal Daumen mit abstehenden Fäden und schiefen Nähten, wie es bei wirklich vielen, auch hochpreisigen Kleidungsstücken der Fall ist. Über die Herstellungsbedingungen von Kleidung mag ich erst gar nicht sprechen, zumal mir da echte Alternativen fehlen.

Nächstes Jahr brauche ich neue T-Shirts. Fünf Stück sollten reichen, die Trägerhemden sind noch in Ordnung. Vielleicht nehme ich den diesjährigen Vorsatz einfach mit ins nächste Jahr.

Anfang des Sommer zog Lola bei uns ein. Lola ist ein Halbmatiner. Das klingt irgendwie viel hübscher als „die Mutter ist ein Dalmatiner, der Vater unbekannt, höchst wahrscheinlich ein Straßenmix“ und ist auch schneller geantwortet, wenn die Leute fragen. Und die Leute fragen IMMER, erkennen auch immer ganz klar den angeblichen Jagdhund und sind voll der guten (unerfragten) Ratschläge. Bei der Antwort „Halbmatiner“, gerne ergänzt durch eine augenzwinkerndes „Neuzüchtung“ folgt verunsichertes Schweigen. Man hört nur Züchtung und einen klangvollen Namen und schon ist alles prima mit dem Hund.

Lola kam im zarten Alter von vier Monaten und bestand nur aus tappsigen Pfoten und einer gefräßigen Schnauze. Was nicht bei drei außer Fressweite war, landete im kleinen Hundemagen.

Tupfenlola mit ganz wenigen Tupfen

Tupfenlola mit ganz wenigen Tupfen

Diese Nahrungsergänzungen sorgten dafür, dass aus dem entzückenden Welpen ganz schnell ein nicht minder entzückender Junghund wurde. Sie verlor die Milchzähne und bekam jede Menge dunkle Tupfen ins mittlerweile dichtere weiße Fell. Sie lernte, erst nach einem entsprechenden Kommando die Futterschüssel leerzusaugen, auf Zuruf zu kommen und dass „NEIN!“ tatsächlich „NEIN!“ bedeutet, auch über weitere Entfernungen hin. Derzeit stellt sie diese Regeln oft in Frage (die Hundetrainerin spricht von „Diskussion“), denn auch Hunde kommen in die Pubertät und erleben das Durcheinanderwirbeln des Hirns, genauso wie pubertierende Kinder.

das hinreissendeste Hundelächeln

das hinreissendeste Hundelächeln

Apropos Hundetrainerin und weil das in den Kommentaren gefragt wurde: es wird keine Ausbildung zum Begleithund mit Zertifikat geben, diese Intention hatten wir nie. Lola ergänzt unsere Familie, zwingt mich bei Wind und Wetter raus zur Hunderunde (Instagram: #lolarunde) und soll im nächsten Frühjahr noch lernen neben einem Fahrrad herzulaufen, ohne sich oder andere dabei zu gefährden. Mit der Hundeschule sind wir vorerst fertig. Laut Trainerin wurde uns alles erzählt was für uns relevant ist, jetzt ist es bei uns, dies immer wieder zu üben und konsequent zu bleiben. Läuft.

Und dann gibt es ja dieses Gerücht, wir hätten den Kater gegen den Hund ausgetauscht. Hierbei handelt es sich tatsächlich nur um ein Gerücht, denn Franz lebt weiterhin bei uns und wird sehr geliebt. Hund und Kater leben unter einem Dach, letzterer meidet aber eher den Kontakt. Zu wild und wuselig ist ihm der gar nicht mehr so kleine Hund und obendrein hat das energische Wischen mit der Pfote quer über die indiskrete Hundenase wenig Wirkung gezeigt.

Hund und Kater, sich vorsichtig annähernd

Hund und Kater, sich vorsichtig annähernd

Mindestens einmal am Tag treffen die beiden aufeinander. Lola würde gerne spielen, Franz möchte das lieber nicht. Sie beschnuppern sich, Lola leckt Franz quer über den Kopf und möchte heraufinden, warum der Katerhintern so anders als ein Hundehintern riecht, was dem Hinternbesitzer eher unangenehm ist. Er faucht und haut halbherzig mit der Pfote (ohne Krallen) zu. Lola freut sich, weil scheinbar will das rote Ding doch noch spielen. Das Pfotenwischen wird mit Krallen nachdrücklicher und letztendlich ruft irgendein Familienmitglied den Hund zurück und schließt die Tür hinter ihm. Und so gehen die Viecher wieder getrennte Wege. Franz hat seinen Bereich im Zimmer der Tochter, bzw. auf einem Regalbrett hoch über Lolas Reichweite im Wohnzimmer. Ins Nähzimmer darf er auch, doch meistens wuselt da auch Lola herum. Zum Glück ist unser Haus groß genug, die zwei müssen sich nicht begegnen.

Gartenhüttchenkater

Gartenhüttchenkater

Auch im Garten haben wir einen Teil abgetrennt. Lola darf nur noch in unserer Begleitung ins Rosa Gartenhüttchen und an den Gartentümpel, ein Zaun hält sie von Alleingängen ab. Im Hüttchen schlafen immer Katzen, eigene und Nachbarkatzen. Das sollen die dürfen, ungestört. Und im Gartentümpel haben die Seerosen nun endlich Fuß gefasst, nachdem sie nicht mehr von Lola gepflückt werden.

Ich fände es wirklich ganz entzückend, wenn die beiden nebeneinander auf dem Sofa liegen würden (und wir davor auf dem Boden kauern müssten, weil kein Platz mehr wäre), doch wenn sich das so nicht ergibt, dann ist das eben so. Franz ist nach wie vor sehr zutraulich und begleitet uns oft ein gutes Stück weit (und in gebührendem Abstand) bei der Hunderunde. Vielleicht wird das noch was, vielleicht nicht – wir stressen uns nicht deswegen.

Das einzige, was ich wirklich, wirklich sehr schade finde ist, dass wir nicht schon viel früher einen Hund in unserer Familie aufgenommen haben. Als ich sah, wie glücklich Frau Brüllens Little L. mit Lola durch Wingert und Garten tobte, wurde ich ein bißchen wehmütig und hatte ein paar Hormone. Aber nur ganz kurz, denn sehr große Kinder sind auch mit Hund glücklich zu machen und können obendrein auch lange Hunderunden übernehmen.