frei. Frei! FREI!

28. Februar 2007

“Mamaaa!”, sagt das große Kind, “Oma und Opa fragen, wann wir mal wieder bei ihnen zu Mittag essen?!”

“Jederzeit. Morgen, übermorgen, die nächsten drei Wochen!, jubelt Frau … äh … Mutti, kochunwillig.

Das große Kind gibt telefonisch die Speisewünsche durch und klärt auch gleich noch das Abendessen.

Morgen hab ich frei. Frei! FREI!

Gnarf des Tages

28. Februar 2007

Ein Test im Sachunterricht sollte geschrieben werden. Letzte Woche Mittwoch.
Töchterlein lernte fleissig und bekam von ihren Eltern die Daumen gedrückt.
Mittwoch mittag fragte Frau … äh … Mutti: “Und? Hast du alles gewusst?”
“Och …”, sagte Töchterlein, “Wir haben gar keinen Test geschrieben, weil nicht alle Kinder gelernt hatten. Wir schreiben am Freitag.”

Töchterlein wiederholte fleissig und bekam am Freitag morgen von ihren Eltern die Daumen gedrückt.
Freitag mittag fragte Frau … äh … Mutti: “Und? Hast du alles gewusst?”
“Och …”, sagte Töchterlein, “Wir haben gar nicht geschrieben, weil soviel Anderes zu tun war. Wir schreiben am Montag.”

Töchterlein sah sich den Stoff nochmal an und bekam Montag morgen die Daumen gedrückt.
Montag mittag fragte Frau … äh … Mutti:”Und? Hast du alles gewusst?”
“Och …”, sagte Töchterlein, “Wir haben nicht gar nicht geschrieben, weil der Termin falsch war. Wir schreiben am Mittwoch.”

Töchterlein überflog den Stoff und bekam heute morgen die Daumen gedrückt.
Heute mittag fragte Frau … äh … Mutti: “Und? Hast du alles gewusst?”
“Och …”, sagte Töchterlein, “Wir haben gar nicht geschrieben, weil wir doch den Aufsatz und das Diktat zurück bekommen haben. Das wäre zuviel gewesen. Wir schreiben morgen.”

Töchterlein schaut sich den Kram nicht noch mal an und wenn ich morgen wieder umsonst die Daumen gedrückt habe, muss ich ein etwas ungehaltenes Gespräch mit der Lehrerin führen.

Gnarf. Mir fehlen die Worte.

Alte Schabracke

28. Februar 2007

Nein, keine Sorge, hier niemand beschimpft.

Im Stoffregal lagern einige alte Schätze, teils aus dem entzückenden Lädchen in Nierstein, teils vom Dachboden der Freundin. Schauen Sie mal:

Handgehäkelte Spitze ist dabei und diese wundervollen Polsterstoffe. Der Polsterstoff mit den Blüten ist ein Reststück aus dem Niersteiner Lädchen.
“Haben sie den auch als Meterware?”, fragt Frau … äh … Mutti die Ladeninhaberin.
“Klar!”, sagt diese und zerrt einen Ballen aus der hintersten Regalecke.
Frau … äh … Mutti wirft einen Blick auf´s Preisschild und erbleicht. “Sind das Euro-Preise?”
“Klar!”, sagt die Ladeninhaberin, “Das sind französische Polsterstoffe, die sind so teuer.”
Wenn ich meine erste Million mit Taschen verdient habe, wird es ein Klacks für mich sich, 135,- Euro für den laufenden Meter auszugeben. So hüte ich also weiterhin mein Reststück für 3,- Euro und vernähe es erst dann, wenn ich ganz genau weiß, wo es hinpasst.
Der lindgrüne Streifenstoff ist ebenfalls Polsterstoff und rechts das Gerüschte ist eine alte Schabracke aus Seide. Sie lag im alte-Stoffreste-Päckchen, das ich vor einiger Zeit ersteigert habe. Schabracken sind diese kurzen Volants, die man früher vor die schweren Vorhangstores hängte, um die Haken zu verdecken.
Aus Teilen dieser Schätz entsatnd dann die folgende pompadura:

ein kleiner Bilck ins Innenleben:

Die Tasche landet in dieser Rubrik und Frau … äh … Mutti bewegt sich wieder Richtung Haushalt.

” Sagen Sie mal, Frau … äh … Mutti, wann nähen Sie eigentlich?”, wurde ich vor einiger Zeit hier gefragt. Nun, ich will es Ihnen mal schildern.

Theoretisch hätte ich morgens alle Zeit der Welt. Die Kindelein haben ab 7:15 Uhr das Haus verlassen, im Idealfall ist bis dahin auch die Küche wieder ordentlich. Doch auch der Schweinehund ist bereits wach und zerrt mich Richtung Computer, gerne mit einem Pott Kaffee in der Hand. Das kann schon mal ein Stündchen kosten. Oder auch zwei, ich gestehe.
Danach ist der Haushalt dran. Wäsche gibt es immer, da sorgt schon das jüngste Kind für Nachschub. Saugen muss ich auch jeden Tag, weil die Katerviecher mein Parkett in einen Acker verwandeln, mit dem, was sie zwischen den Zehen hereintragen. Unter dem Küchentisch liegt das Frühstück für eine deutsche Durchschnittsfamilie, mundgerecht zerbröselt, und über Nacht huschen die Staubratten durch das Wohnzimmer. Saugen also. Und ein bißchen Staub wischen, geschickterweise VOR dem Saugen. Manchmal ist dann eines der Bäder dran, manchmal muss auch eingekauft werden.
Einkaufen gehen ist eine langwierige Geschichte, da an jeder zweiten Ecke mit flüchtig Bekannten oder wenigstens mit der Metzgersfrau ein Schwätzchen über das Wetter, das Leben, das Universum und den ganzen Rest gehalten werden muss.
Wieder daheim angekommen, müssen Einkäufe verstaut werden und meistens ist es auch schon Zeit zum Kochen. Manchmal ist noch ausreichend Zeit, um einen traurigen Blick über das wohlgefüllte Stoffregal gleiten zu lassen. Und eine Idee zu pflanzen.
Um 13 Uhr kommt das erste Kind nach Hause, eine halbe Stunde später das zweite. Heute war das nicht so. Die Mittlere hatte sich zum Essen bei der Freundin eingeladen und so saß nur der Große mit am Tisch.
Als der Große Hausaufgaben erledigte, brachte ich die Küche auf Vordermann. Wir waren etwa gleichzeitig fertig. Es folgte ein eindringliches Gespräch über das Lernen für Tests, für die Schule und für das Leben. Daraufhin verschwand der Große wieder in seinem Zimmer um zu lernen (brav) und ich hatte Zeit für einen Kaffee und ein paar Blogrunden. Und das Bedürfnis kreativ zu werden wurde größer.
Schnell noch ein Brot in den Ofen geschoben, dem großen Kind Computer spielen erlaubt und einen Stapel Stoffe hervorgezogen. DIe Idee war bereits da, die Auswahl der Stoffe im Kopf schon getroffen – so ging das Zuschneiden recht schnell. Beim Umzacken war der Unterfaden aus und das ist extrem nervig, weil das kostet Zeit einen neuen aufzuspulen! Endlich waren alle Teile umzackt und die Außentasche nahm schon Form an. Das große Kind schlurfte mit Bärenhunger in die Küche und wurde mit freundlichen Worten zur Obstschale geleitet. Die Innentasche war fertig. Und in der Zwischenzeit war mir auch eine schöne Lösung für die Träger eingefallen. Rascher Zuschnitt und Umzacken, genauso schnell zusammen heften – es klingelt, 16:00 Uhr, das jüngste Kind ist da. Mit einem zusammengehefteten Träger, der mühsam auf rechts gedreht werden musste, leistete ich dem jüngsten Kind im Bad Gesellschaft, gab ausreichend gute Ratschläge zur gründlichen Reinigung eines verkackten Hinterns, legte den Träger beiseite, um eine vekackte Unterhose auszuwaschen, duschte letztendlich das jüngste Kind ab und irgendwann hatte ich dann den zu wendenden Träger wieder in den gewaschenen Händen.
Während sich das jüngste Kind in frische Kleider packte, heftete ich rasch den zweiten Träger zusammen, weil Nähen ging jetzt nicht mehr, das Kind musste Hausaufgaben machen. Er las mir einen langen Text vor, während ich am Träger rumknippelte, danach musste er abschreiben.
“Hallo!”, rief die Mittlere an der Haustür, “Ich bin wieder dahaheim!” Die Mittlere wurde freundlich begrüßt, nach dem geschriebenen Diktat und dem Gefühl dazu befragt und dann kam die bösesete aller Fragen: “Hast du Sachunterricht für morgen gelernt?” Klar, hatte sie, logisch. Fünf Bundesländer samt ihrer Hauptstädte muss sie können. Ich persönlich finde das völlig behämmert, nur fünf Bundesländer zu kennen, immerhin gibt es ein paar mehr, und so nötigte ich das Kind, mir ein paar mehr als diese fünf aufzuzählen. Beim achten Bundesland gab sie auf, das jüngste Kind schrie aus der Küche, dass es vergessen habe, wie man ein kleines “p” schreibt und der Große kündigte an, dass er nun zum Fingernagel schneiden ins Bad geht.
Ich malte kurz ein kleines “p” in die Luft und verzog mich mit der Mittleren ins Arbeitszimmer, Bundesländer und Hauptstädte aufschreiben.
Die Mittlere machte sich ans Auswendiglernen, der Große jaulte ein paarmal aus dem Bad und der Jüngste war bei der letzten Zeile angelangt.
“Kann ich dich abfragen?”
“Klar!”, sagte die Mittlere und schaffte auf Anhieb alle Hauptstädte zu den Bundesländern. Umgekehrt klappte das nicht und deshalb flossen Tränen und meine Nerven wollten sich verabschieden. Mittlerweile war übrigens auch der zweite Träger auf rechts gedreht und der Wunsch, einen sehr langen Blogeintrag zu schreiben, geboren.
“Ich bin fertig!”, jubelte das jüngste Kind in der Küche und ich kontrollierte rasch, ließ ein Komma und zwei I-Punkte setzen, räumte noch eben die Spülmaschine aus und setzte mich dann an den Computer, um eine Frage zu beantworten.

Die angefangene Tasche ist noch nicht fertig, aber ich hätte sie ja locker jetzt noch fertigstellen können, statt hier zu tippen. (in der Zwischenzeit, während ich dies schrieb, hat sich das jüngste Kind den Rücken gestoßen, hat geweint und ist getröstet worden. Die Mittlere hat gefragt, ob sie einen Fahrradkorb bekommt und der Große wollte wissen, wann es Abendessen gibt und ob man brotsüchtig werden kann.)

Alles in Allem ganz normal und ich habe eigentlich keine Zeit zum Nähen. Eigentlich.

Abendessen, jetzt.

Ankündigung

27. Februar 2007

Werfen Sie mal einen Blick nach links oben.
Dort gibt es von nun an einen neuen link: pompadura

Wollte ich nur mal sagen :-)

Pia mal Daumen

26. Februar 2007

kann auch schiefgehen:

Den Rest des Beitrags lesen »

bescheuert, ein bißchen

26. Februar 2007

Um 5:33 Uhr endete Frau … äh … Muttis Nacht.

Damit der geneigte Leser die wahre Dramatik dieser Aussage erkennt, muss Frau … äh … Mutti wohl eine kurze Erläuterung des “normalen” morgendlichen Ablaufes schildern.

Normalerweise, heisst: der beste Vater meiner Kinder treibt sich nicht auf Seminaren, Vorträgen oder sonstigen Geschäftsreisen herum, sondern steht um 6:00 Uhr auf. Weckt eine Viertelstunde später das jüngste Kind (der arme Kerl, muss am Frühesten aus dem Haus), eine Viertelstunde später die Mittlere und kurz darauf auch den Großen.
Er motiviert die Kinder liebevoll zum Anziehen, serviert ihnen ein ausgewogenes Frühstück samt warmer Milch wenn gewünscht, schneidet ein paar Äpfel klein, stopft die Stückchen in Dosen und die Dosen in Schulranzen, füllt Wasserflaschen, dreht diese auf den Kopf, um zu schauen, ob sie auslaufen, steckt sie in die Schulranzen, schickt die Kinder zum Zähne putzen und nochmal auf´s Klo, verteilt ein paar gute Wünsche, Ratschläge und Abschiedsküsse, bringt das jüngste Kind runter an den Bus, scheucht die Großen zu ihren Rädern, winkt aus dem Fenster und bringt um 7:30 Uhr seinem holden Weib einen Kaffee ans Bett. “Guten Morgen, Liebste, hier ist dein Kaffee.”

Frau … äh … Mutti ist ein Luxusweib und diese Tatsache wird ihr gerne auf´s Brot geschmiert. Die Brotrinde ist aber sehr hart, das macht mir nix aus.

Ist der beste Vater meiner Kinder auf Reisen, liegt das morgendliche Chaos in Frau … äh … Muttis Händen und das ist nicht gut. Es ist nicht so, dass sie besonders morgenmuffelig ist. Oder schon am frühen Morgen genervt. Es ist so eine gewisse “lass mich in Ruhe, ich muss erst Kaffee trinken”-Stimmung, die von den Kindern mittlerweile brav akzeptiert wird. (Mama, lass uns in Ruhe, wir müssen erst Frühstücken)
Wirklich schlimm sind die Nächte. Frau … äh … Mutti entwickelt da so eine Art Zwangsneurose, hat eine unschöne Beziehung zu ihrem Wecker, dem hinterlistigen Teil. Und wenn er nicht klingelt? WAS, WENN DER WECKER NICHT KLINGELT?
Diese Frage hindert am süßen Einschlummern (hoffentlich klingelt der Wecker!), weckt drei bis siebenmal in der Nacht (oh Gott, der Wecker hat nicht geklingelt!) und beendet einsame Nächte meistens sehr früh (verdammt, halb sechs, das LOHNT nicht mehr zu schlafen und wer weiß, ob der Wecker klingelt!).
Der beste Vater meiner Kinder versichert, dass der Wecker klingelt. Aber wenn er es nicht tut?
Der beste Vater meiner Kinder weist daraufhin, dass er selbst täglich von diesem Wecker geweckt wird. Ja, aber wenn plötzlich die Batterie leer ist?
Der beste Vater meiner Kinder schraubt eine neue Batterie in den Wecker. Aber ist das denn wirklich eine neue, randvolle Batterie und man hat ja schon viel von Kriechstrom, der sich heimlich aus den Batterien schleicht, gehört. Das ist die Batterienindustrie, die will Batterien verkaufen und deshalb sind die Dinger halb leer oder leeren sich mit doppelter Geschwindigkeit.
Der beste Vater meiner Kinder verdoppelt sein Aufbruchtempo, streicht seinem holden Weib beruhigend über die Schulter und fragt: Was wäre denn, wenn der Wecker nicht klingelt?

Ja, dann würde ich verschlafen. Weioweiowei. Die Kinder kämen zu spät zur Schule, ach, der Jüngste käme erst gar nicht hin, die Busfahrerin würde vor dem Haus stehen und hupen und die Nachbarn würden sich über das Gehupe beschweren. Die Kinder würden jedes Vertrauen in ihre unzuverlässige Mutter verlieren und nie wieder ruhig schlafen und alles wäre gar fürchterlich.

Heute ist alles nochmal gut gegangen. Muss jetzt die Kinder wecken.

Tschüss, Papa!

25. Februar 2007

sagen die hinreissenden Bestien zum besten Vater meiner Kinder, der sich wenig motiviert auf den Weg zum Bahnhof macht, “Wir werden dich vermissen!”
Zum Abschied gibt es von jedem Kind einen großen Vorrat an Küssen, eine dicke Umarmung und das Versprechen, die vor sich hinrotzende Mutter “ganz arg zu unterstützen”. Frau … äh … Mutti haucht mit erotisch rauher Hustenstimme die Verabschiedung, gibt ein paar Viren per Kuss als Reiseproviant mit und freut sich sogar ein kleines Bißchen auf fünf Tage allein mit ihren Kindern. (wenn das leidige Frühaufstehen nicht wäre).

Die Tür fällt hinter dem Reisenden ins Schloss und die Kindelein stürmen die Küche, in der Frau … äh … Mutti die letzten Feierspuren beseitigt. “Der hat … die hat … und überhaupt ist alles doof und uns ist ein bißchen langweilig, können wir jetzt Computer spielen?”, jammern sie. Und: “Ha, der Papa ist schon weg, du kannst jetzt gar nicht “Fragt euren Vater!” sagen.”

Irgendwie vermisse ich ihn dann doch schon.

Hausbesitzer

24. Februar 2007

Und sowie das Wetter gut wird und der beste Vater meiner Kinder wieder daheim ist und die entgültige Farbe (grün-blau-grau-schwarz-gefleckt-gestreift-gemustert wünscht das Kind) getrocknet ist, kommt das Haus auf Stelzen und in die Nachbarschaft des rosa Mädchenhauses. Schön wird das.

hätte – wenn – täte?

24. Februar 2007

Hätte vor acht Jahren und neun Monaten eine gute Fee neben einem sich liebenden Paar gestanden und hätte gesagt: “Achtung! Jetzt passiert es!”
Hätte diese Fee weiterhin gesagt: “Es wird eine weitestgehend komplikationslose Schwangerschaft mit einer nervenzerfetzenden Blutung Ende des ersten Drittels, einem abweichendem Wert und einem daraus resultierenden Feinultraschall der aber ohne Befund bleibt im zweiten Drittel und einem gewaltigen Kugelbauch mit Rückenschmerzen am Ende des letzten Drittels.”
Hätte sie gesagt: “Die Geburt wird rasch und leicht sein, gemütlich auf dem Sofa. Die allerliebste Freundin wird es rechtzeitig schaffen, noch ein paar tolle Bilder zu knippsen und der Opa wird sich augenblicklich in ein neugeborenes Baby verlieben.”
Hätte sie gesagt: “Die kleinen, großen Geschwister werden ihren Bruder ohne Neid und Eifersucht und ohne Einschränkung lieben.”
Hätte sie gesagt: “Die Stillzeit wird ohne größere Komplikationen sein und du wirst diesmal deine Brüste nicht in Salbeitee baden müssen und dem besten Vater der Kinder wird es nicht vergönnt sein, kompromittierende Bilder von einer Frau mit gigantischer Oberweite zu machen, die besagte Oberweite in eine Blechschüssel voll urinfarbener Flüssigkeit hängt.”
Hätte sie gesagt: “Es bleibt nicht ganz so bilderbuchmäßig, denn das jüngste Kind wird schon sehr früh all die Krankheiten kriegen, die der Große aus dem Kindergarten heimbringt. Es wird mit Rota-Viren im Krankenhaus landen und regelmäßig Antibiotikum einnehmen, weil seine Ohren ständig eitern. Es wird einige Operationen über sich ergehen lassen müssen und die Ärzte in der Notfallambulanz begrüßen euch namentlich.”
Hätte sie gesagt: “Erst recht spät wird ein Arzt erkennen, dass das Kind nicht gut hört. Ihr werdet euch vorwerfen, nicht aufmerksam genug gewesen zu sein.”
Hätte sie gesagt: “Nicht nur das Hören wird schwer, auch das Sprechen. Und überhaupt tickt das Kind ein bißchen anders als andere Kinder. Ihr werdet lange Gespräche mit Kinderärzten, Erzieherinnen und Kinderpsychologen führen, die euch allerhand Falsches, Gegensätzliches und Nützliches erzählen. Ihr müsst euch dann das für euch Relevante rauspicken.”
Hätte sie gesagt: “Das jüngste Kind wird unglaublich liebenswert, fröhlich und unbekümmert durch´s Leben hüpfen. Es wird einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben, niemals nachtragend sein und manchmal wird es Tränen vergießen, obwohl es nur weinen gespielt hat.”
Hätte sie gesagt: “Ob es jemals auf eine Regelschule gehen wird, verrate ich nicht. Aber ich verrate jetzt schonmal, dass ihr noch sehr lange Windeln im Haus haben werdet. Sehr, sehr lange. Lesen, schreiben, rechnen lernen wird langsam und mühsam, aber es ist möglich und wird das Kind sehr stolz machen. Und euch stolz auf das Kind.”
Hätte sie gesagt: “Du wirst oft mit deinem Schicksal hadern. Du wirst vergleichen. Du wirst dir den Gedanken erlauben “was wäre es so leicht, wenn …” und du wirst dich immer und immer wieder fragen, ob du nicht mehr machen kannst. Du wirst dir hunderttausend Mal Hunderttausend Sachen die der Förderung dienen vornehmen und sie fast ebenso oft wieder wegschieben, weil sie gerade nicht passen oder du zu müde und entmutigt bist. Dein schlechtes Gewissen deswegen wird grandios sein, aber du wirst mindestens einmal am Tag denken, dass ihr das alles irgendwie doch goldrichtig macht.”
Hätte sie gesagt: “Du wirst einmal im Jahr sehr sentimentale, kitschige Einträge in dein Blog tippen und spätestens zwei Tage nach dem Tippen wünschen, du hättest das nicht getan.”

Dann …

Hätten wir sie wohl rausgeschmissen, weil sie gerade störte.

Und es ist gut so wie es ist. Herzlichen Glückwunsch, jüngstes Kind.