Dieser wunderbare Tag

10. Januar 2017

voller Schnee und toller Winterluft, soll einen gebührenden Abschluss in der Sauna finden. Nach dem Saunagang nackt im Schnee herumrollen ist ein großer Spaß, den haben wir viel zu selten.

Unglücklicherweise habe ich Zahnschmerzen. Unter einer Krone frizzelt und elektrisiert es und mittlerweile pocht es dumpf. Das ist eine größere Sache und schon der Gedanke an einen Gang zum Zahnarzt treibt mir kalten Schweiß auf die Stirn. Meine Angst vor Zahnärzten ist unermesslich, alles in mir verkrampft sich und ich will mich weinend in einer Ecke zusammenrollen. Nur im allergrößten Notfall gehe ich hin und dann ist es eben immer eine größere Sache. Mein Verstand weiß, dass regelmäßige Untersuchungen nicht schlimm sind, dass wenn was zu machen ist, es schnell geht, wenn ich es gleich in Angriff nehme. Ich weiß das alles. Ich weiß, dass mein Zahnarzt die Geduld und Freundlichkeit in Person ist, genauso das Personal in der Praxis. Alles sehr freundlich und kümmernd, doch trotzdem muss ich im Sommer, wenn in der Praxis die Fenster offen sind, die Straßenseite wechseln, wenn ich vorbeilaufe. Der Geruch verursacht mir Herzrasen und Übelkeit, höre ich womöglich einen Bohrer, dann ist es ganz aus. Meine Hände sind dann kalt und feucht und ich will rennen.

Und jetzt habe ich Zahnschmerzen. Irgendwas Weggeschobenes, Verdrängtes will Beachtung und ich will nur noch heulen, weil es nicht mehr anders geht.

Es sei denn, die Schmerzen sind morgen weg, dann ist ja alles gut.

(habe heute mittag Narkosebehandlungen gegooglet, denn das ginge vermutlich, Spritzen machen mir keine Angst, Narkosen auch nicht. Wenn ich mich hintraue. Wenn ich es schaffe einen Termin zu machen. Wenn ich es hinkriege, mich weiter damit zu befassen. Ach.)

Aber hey! Schnee! Und Sauna! 

Venengedöhns

30. September 2016

Gestern vor einer Woche wurden kranke Venen (= Krampfadern) aus meinem Bein geschnitten, heute zog man den Faden aus dem großen Schnitt aus der Leiste. Von den 41 Klammerpflastern über die gesamte Länge des Beines sind nur noch fünf übrig geblieben und ich fühlte mich da auf der Pritsche beim Arzt so, als müsste ich langsam Bäume ausreißen können.

Oberhalb des Knöchels ist das Bein noch geschwollen, die Wade ohne Gefühl und unter vielen Schnitten ist ein dicker, schmerzhafter Knubbel. Vermutlich quengelte ich dem Arzt etwas zu viel über diese Qualen, denn er sah mich sehr eindringlich an und sprach: „Sie haben eine ein Meter lange, fingerdicke Wunde im Bein. Die muss heilen!“ Das ließ mich rasch verstummen.

Der beste Vater meiner Kinder hat nächste Woche Urlaub und wir werden nicht zum Wandern in den Wald fahren, denn das Bein muss heilen. Vielleicht kann ich die kleineren Abendrunden mit dem gar nicht mehr so kleinen Hund übernehmen, aber mehr geht nicht. Das Bein muss heilen. Vor Dezember soll ich nicht in die Sauna gehen, sitzen (und nähen) muss durch viele Pausen aufgelockert werden, an der Stickmaschine stehen genauso. Das Bein muss heilen.

Dass ich ständig sehr müde bin, liegt zum einen am Blutverlust während der Operation, zum anderen daran, dass mich jede Drehung aus dem Schlaf reißt, das Bein ist empfindlich und will vorsichtig umgelagert werden. Das Bein muss heilen. Ich muss es mir immer wieder vorsagen und das Bild, das der Arzt mir malte, hilft: ein Meter, fingerdick. Das ist eine echt große Wunde, die braucht viel Geduld.

Als Belohnung gibt es ein Bein ohne Knubbel und Schmerzen, keine Gefahr mehr, was offene Stellen oder Thrombosen anbelangt. Jetzt muss es nur noch heilen. Schnell. (zappel, zappel)

Der unattraktive Stützstrumpf, den ich noch weitere fünf Wochen tragen muss, ist weniger gruselig oder unangenehm als ich dachte. Ganz im Gegenteil, im Moment „hält er mir das Bein zusammen“, schützt vor schleckenden Hundezungen und stupsenden Katzennasen. Dass er in echtem alte-Frauen-Beige daher kommt ist mir erstaunlicherweise völlig wurscht, eventuell ist mir auch die Eitelkeit weggeschnitten worden. Falls diese aber nachwächst, habe ich heute um ein Rezept für ein Paar Strümpfe zum Wechseln gebeten. Sündiges Schwarz mit Spitzenabschluss soll es sein, denn wenn schon, denn schon. (der beste Vater meiner Kinder hat schon ein sehr vorfreudiges Funkeln in den Augen)

*****

Falls Sie fragen: ich fand die Krampfaderknubbel am Bein gar nicht so schlimm, es störte mich allerdings, dass diese immer empfindlicher wurden, sogar schmerzten. Aber wie gesagt, ich fand es nicht schlimm und es war mir ein bißchen peinlich, mit solch einer Kleinigkeit zum Arzt zu gehen. 

Der allerdings schlug die Hände über dem Kopf zusammen und konnte es nicht fassen, dass ich nicht schon drei Jahre früher gekommen war. Oberhalb meines Knöchel hatte sich bereits die Haut verfärbt und verändert, das hätte zu solch einem offenen Bein führen können. Das will man ja nicht. Per Ultraschall zeigt er mir meine ausgebeulten Venen und die kaputte Klappe in der Leiste. Ich wurde immer stiller und schuldbewusster, während der Arzt immer detaillierte Schreckensszenarien beschrieb. Da ich bereits vor 15 Jahren schon einmal eine Venenoperation hatte, musste ich mir anhören, dass damals nicht gründlich gearbeitet worden sei. Dafür konnte ich nun wirklich nichts, für die Krampfadern ja eigentlich auch nicht. Übergewichtig bin ich nicht, Bewegung finde ich auch nicht schlimm, es ist eben Veranlagung.

Der OP-Plan stand dann recht schnell und noch schneller war der Termin da. Letztlich wurde weniger „gemacht“ als befürchtet, aber ich habe mir (und dem Arzt) versprochen, gut auf mein anderes Bein zu schauen und früher um Hilfe zu bitten, falls es knubbelt.

Und jetzt: heilen. (schneller, zackzack!)

Zwei Schritte vor,

11. Dezember 2015

einer zurück. Das scheint das Motto zu sein, das sich durch das Leben des Jüngsten zieht.

Seit heute steht fest, dass er die Ausbildung zum Anlagenmechaniker nicht beenden wird. Der Ausbildungsbetrieb kann ihm nicht die Zeit zur Ausbildung geben, die er bräuchte. Chefin und Chef sind darüber ernsthaft betrübt und haben einige Vorschläge für andere Wege. Übrig bleibt trotzdem erstmal: das war es, es endet mit der Probezeit.*

Wir haben das dem Jüngsten vorhin erzählt. Wie erklärt man das? Wird erzählt man, dass die Ausbildung, die Spaß macht, nicht weitergeht? Wie vermittelt man das, ohne Selbstbewusstsein zu zerschmettern?

Wir haben es hinbekommen, irgendwie. Haben zusammen geweint und waren auch zusammen ein bißchen wütend. 

Morgen schauen wir gemeinsam nach vorne, nächste Woche beginnen die Telefonate, die neue Wege abklären sollen.
Irgendwas ist immer. Und nie passt der Zeitpunkt. Bleibt nur das Müttermantra: Alles wird gut.
*dies ist die Kurzfassung. Alle uns dargelegten Gründe sind fundiert und für uns absolut nachvollziehbar. 

21./22./23. November

22. November 2015

Der Wurm ist drin. Oder vielleicht besser: die Viren. Weil die werde ich nicht mehr los und wenn ich die eine Sorte erfolgreich bekämpft habe, rückt eine andere Sorte nach. Das bedeutet, dass ich seit fast sechs Wochen schniefe, jappse, keuche, röchele und huste, bis mir schier der Kopf platzt. Das ist wirklich, wirklich lästig. Es sieht so aus, als ginge da was rum, denn im Freundeskreis liegen einige flach und auch Oma Eis hat sich diesen Virus mitgenommen, vermutlich von mir. (Entschuldigung!) Die allerbeste Freundin war am Wochenende sogar so krank, dass sie nicht mal ihr Geburtstagsgeschenk einlösen konnte. Wir hatten ihr nämlich ein Verwöhn-Wochenende bei uns geschickt, mit leckerem Essen, guten Getränken, Spaziergängen, Sauna, Ofenfeuer und Filmen nach Wunsch und Laune. Müssen wir das eben in den Januar schieben, denn dieses Jahr wird das nichts mehr, alle Wochenenden sind verplant. Schlimm.

Ein blöder Virus konnte mich dann aber nicht davon abhalten, zusammen mit den Freunden ins Tapas zu gehen und zusammen mit ihnen die Vorspeisenkarte hoch- und runterzufuttern.

we1

Dazu gab es portugiesisches Bier (Superbock) und hinterher beim Schreinerfreund und der ehemaligen Freitagsfreundin daheim noch Sekt, Rotwein, Schokolade und sehr viel Gelächter. Um halb zwei wankten gingen wir nach Hause, wohl wissend, dass der nächste Tag vermutlich hart wird. Der gar nicht mehr so kleine Hund ist nämlich kein Langschläferhund, was ein bißchen schade ist. Andererseits hatten wir auch nie Langschläferkinder und lernten die Vorzüge eines frühen Tagesbeginns irgendwann doch noch zu schätzen.

Mein Schnupfenvirus hatte sich trotz desinfizierendem Alkohols noch nicht davongemacht, doch die Hunderunde in der kalten, klaren Luft tat mir gut und deshalb luden wir die Freunde direkt wieder zum Abendessen ein. Wir haben uns ja im Herbst nach unserem Besuch bei Familie Brüllen direkt ebenfalls einen Pizzastahl gekauft, weil für Pizza und Flammkuchen sind alle zu begeistern.

we2

Die Freunde waren ebenfalls sehr begeistert und wir verspeisten sehr viel Flammkuchen (klassisch, mit Ziegenkäse/Feigen und als Nachtisch mit Apfel und Zimt) und Pizza mit allem, was man so auf eine Pizza legen kann. Der Schreinerfreund war trotz allerfiesestem Husten und Schnupfen nachmittags noch in der Werkstatt, um uns einen Holzschieber zu sägen. Der fehlte uns noch zu unserem Glück (und dooferweise gibt es den nicht direkt im Pizzastahl-Shop zu kaufen. Tsss, Marktlücke.)

Außer mit Futtern und Husten habe ich mich am Wochenende auch endlich mal wieder im Nähzimmer vergnügt. Als im Herbst Frau Kunterbunt zu Besuch war, quengelte ich ihr sehr ausgiebig die Ohren voll. Seit ein paar Jahren gibt es nämlich die entzückenden Monstas von Herrn Skizzenblog als Stickdatei in Frau Kunterbunts Shop und die liebe ich sehr. Allerdings sticke ich sie selten, weil selbst die größte Größe ist für ein T-Shirt ein bißchen zu klein für ein großes Shirt und dann dieser Stickgarnverbrauch und der Zeitverlust, weil die sticken ja so lange (und nie kann man so eine Stickmaschien allein lassen). Ich träumte von Applikationen …

we3

und Frau Kunterbunt ließ meine Träume war werden. Die Applikationen auf den Kindershirts im Bild oben sind sogar nur die kleinere Ausführung, alle Monstas gibt es noch ein gutes Stück größer, so dass nun auch die Shirts vom besten Vater meiner Kinder und dem Jüngsten vermonstat wurden. (und wenn es uns gelingt den Künstler zu überreden, wird es auch eine Plotterdatei von den Monstas geben.) Ab wann es die Monstas geben wird, erzähle ich natürlich hier! Und bei Instagram :)

Bis zum nächsten Wochenende gedenke ich wieder gesund zu sein, denn dann wird renoviert. Lack und Farbe sind schon gekauft! Deshalb habe ich heute den Tag auf dem Sofa unter der Decke verbracht, habe literweise Tee in mich hineingeschüttet, ein bißchen Deutsch gelehrt und Hausaufgaben betreut und mich sehr, sehr über die neuenPläne des großen Sohnes gefreut. Jetzt bilde ich mir ein, dass der Husten schon viel besser ist, die Nase nicht mehr so entsetzlich zugeschwollen ist und meine Stirn ist bestimmt nur deshalb so heiß, weil der Ofen bollert. Wird schon.

*plopp* und *plopp*

25. Februar 2015

Das erste *plopp* steht lautmalerisch für einen knallendem Sektkorken. Gestern feierte nämlich der jüngste Sohn mit seiner Familie und Freunden seinen sechzehnten Geburtstag. Sechzehn! Unfassbar. Er selbst findet das gut, denn nun kann er im Sommer mit dem besten Vater meiner Kinder und dem Großen zur Gamescom fahren und dort in die Bereiche, mit den eher interessanten Spielen. 

Sechzehn. Mein Baby! Mein hoch-und-tief-Kind, mein „ich überrasche dich immer wieder“-Kind. Zehn Zentimeter kleiner als ich und da kommt wohl auch nichts mehr in der Länge, er schlägt ganz eindeutig in die Richtung seines Opas. Dafür hat er die breitesten Schultern der Familie und kann uns alle mit ein paar Judogriffen auf den Boden schicken und dort halten. Er liest nicht gerne, aber Hörbücher sind prima. Wenn wir die Internetzeit nicht begrenzen würden, säße er deutlich länger als für seinen Schlaf, seine Hausaufgaben und sein ganzes Leben gut wäre vor dem Rechner und ließe sich auf youtube die neuesten Spiele zeigen. Ach und diese Schule – die müsste auch nicht sein. Vor allem jetzt nicht mehr, wo er auf die Zeit der Ausbildung hinfiebert. Dass ihn dann auch Berufsschule erwartet, ist erstmal im Hintergrund.

Sechzehn! Und es kommt mir vor, als habe ich mich gestern erst darüber gefreut, dass er endlich zu sprechen anfängt. Sprechen, erzählen, ist noch immer nicht seine Welt. er tut es langsam, sucht nach Worten und Formulierungen, beginnt von vorne, verhaspelt sich. Viele Menschen können das nicht aushalten und beenden deshalb seine Sätze für ihn. Oder hören erst gar nicht, was er zu sagen hat. Vor allem die Gleichaltrigen können wenig mit ihm anfangen. Ich bin gespannt, ob und wie sich das noch ändert. In seiner Jungschargruppe ist er gut integriert und Jüngere lieben ihn, das macht mich froh.

Sechzehn. Unfassbar. Übrigens ganz ohne pubertäre Aussetzer bisher. Freundlich, hilfsbereit und nach Aufforderung auch oft frisch geduscht :) Zum pubertären Aufmucken hat er ja auch noch Zeit, denn Manches erledigt er sowieso langsamer oder ein bißchen später als andere. Angekommen ist er aber bisher immer und in Sachen „was fange ich mit meinem Leben an?“ ist er seinen Geschwistern ja sogar voraus.

Sechzehn. Ich habe vorhin nachgelesen, was ich Jahre vorher so an seinem Geburtstag schrieb und eigentlich ist das, was ich heute über ihn schreiben kann genau das, was ich mir damals sehnlichst für ihn wünschte, aber mir nicht recht vorstellen konnte. Es ist großartig.

*****

Das zweite *plopp* ist lautmalerisch für die Zyste im Bauch, die gestern beim Abendessen platzte. Zwei Stunden krümmte ich mich, doch dann ließ der Schmerz nach und ich beschloss, dass ich nicht ins Krankenhaus muss. Vorsichtshalber recherchierten wir nochmal meine Blugruppe und überlegten mit Hilfe des Biobuches der großen Kinder, wer mir wohl Blut spenden könnte. Ich habe Blutgruppe 0, Rhesusfaktor positiv. Das ist wohl nicht allzu selten. Beruhigend. 

Heute sind die Schmerzen so, als habe man mir gründlich in den Bauch getreten, alles ist wund und fühlt sich blau an. Obendrein habe ich einen Bauchumfang, als sei ich im fünften Monat schwanger. Ich bin sehr gespannt, wie das Ultraschallbild aussieht, dass am Freitag morgen gemacht wird.

Vielleicht kommt dann das dritte *plopp*, weil mir ein paar Steine vom Herzen poltern.