Donnerstag laufe ich mit der Hunderundefreundin die ganz lange Runde. Heute waren es knapp zehn Kilometer, trotz nasskaltem Wetter, bei grauem Himmel und erstmal ganz wenig Lust, überhaupt loszulaufen.

Doch, wie immer, erstmal unterwegs kam die Lust an der Bewegung.

Die Runde erschöpfte mich mehr als mir lieb war, weswegen ich mich nach meinem Frühstück ins Bett legte. Das habe ich mittlerweile gelernt: wenn mich eine Erschöpfungswelle überrollt, dann kann ich stundenlang dagegen ankämpfen und gänzlich unproduktiv dabei sein (sehr unbefriedigend) oder ihr nachgeben, zwei Stunden schlafen und eine Chance auf ein aufgefülltes Kraftreservoir zu haben. Long COVID sucks und so lange es mich begleitet, arrangiere ich mich eben.

Heute wurden es drei Stunden im Bett, in denen ich vor Kälte mit den Zähnen klapperte und sich keine Erholung einstellen wollte. Ich verbrachte also den Rest des Tages im Nähzimmer mit Kleinkram: uralte Zeitschriften nach Interessantem, das sich aufzuheben lohnt, durchzusehen und den Rest zu entsorgen, neue Geschirrhandtücher zu besticken und endlich zu lernen, wie Papierkraniche gefaltet werden.

Produktiver wurde mein Tag nicht, doch ich habe gelernt, dass es nichts bringt mich darüber zu ärgern. Immerhin war ich fit genug, um wieder aufzustehen und wenigstens Kleinigkeiten zu machen. Es gab schon viel zu viele Tage, an denen ich nicht mehr aufstand. Oder morgens erst gar nicht aus dem Bett kam. (an solchen Tagen springt dann der Gatte für die Hunderunde ein).

Heute hake ich als mittelgut ab, morgen wird es bestimmt besser! Muss es, denn wir planen eine Nacht im Zelt! Ich habe mir nämlich in Hinblick auf sehr kalte Nächte in Schweden einen neuen Schlafsack gegönnt und möchte den jetzt endlich einweihen.

Abschied

11. Januar 2022

Spock, Panzerkater, Plüschding.

Als er heute Morgen immer noch nicht wieder daheim war, wusste ich es. Und es war fast eine Erleichterung, als ich ihn ganz hinten im Garten fand. Ich weiß nicht, was ihm passiert ist, aber ich weiß immerhin, dass er jetzt nicht leidet oder irgendwo herumirrt.

Er hat jetzt ein Plätzchen im Garten, genau neben Sauerstein, unserem ersten roten Kater.

Die anderen Tiere des Hauses sind sehr anhänglich, doch das jetzt als mittrauern zu interpretieren ist wahrscheinlich zu Disney-like. Ich genieße es trotzdem sehr und jedesmal, wenn die Katzenklappe quietscht, erwarte ich Spocks lautstarke Begrüßung.

Ich habe geweint, eine große Portion Soulfood (Kürbisrisotto) gekocht, ausgiebig und sehr heiß geduscht, mich mit einer Schüssel Risotto und einem Löffel unter die Decke aufs Sofa gekuschelt. Der Gatte sitzt neben mir, der Hund liegt auf meinen Füßen, Kes schnarcht in ihrem Körbchen (das jetzt herzzerreißend groß für so eine kleine Katze allein ist) und Franz ist unterwegs, sein Abendessen jagen. Es ist so gut, wie es eben gerade sein kann.

Zyste, mysteriös

17. Januar 2020

Sie erinnern sich an den hektischen Arzt, der mir in die Umkleidekabine hinterhersprang, um mich vor der unfassbar großen Zyste (mit Einblutungen! Gefährlich!) an meinem linken Eierstock zu warnen? Den würde ich gerne ein bißchen schütteln, denn entweder hat er a) Tomaten auf den Augen, b) den alten Krankenhausbericht von 2011 von mir als aktuell gelesen (weil damals: riesengroße Zyste! Geplatzt, Blut im Bauchraum, alles schlimm) oder c), die aller schlimmste Variante: er hat da was verwechselt. Vor mir war eine junge Frau mit Nierenbeckenentzündung im CT. Wenn sie die Zyste hat und das womöglich nicht weiß, dann ist diese Entzündung beinahe ihr kleinstes Problem. Ob sich das irgendwie klären lässt?

Ich jedenfalls habe mir heute zehn Minuten lang von meinem Gynäkologen mittels Ultraschallstab im Bauch herumstochern lassen. Außer einer hübschen Gebärmutter, eine vollen Blase und zwei regelrechten Eierstöcken hat er nichts gefunden. Auch die anschließende Brustuntersuchung war ohne Befund. Sollte jetzt noch der Abstrich unauffällig sein, gehe ich krebs- und zystenfrei ins Jahr. Nach dem beknackten Start ist das ja auch irgendwie verdient.

(und endlich kann ich wieder entspannt niesen und husten, ohne Angst, dass in meiner linken Bauchseite etwas „knack!“ macht, so wie damals.)

Jetzt nochmal schnell zu Dottore, denn ich fürchte, das Antibiotikum und ich werden keine Freunde. Und dann: schonen. Brei essen. Und mal im Nähzimmer nach dem Rechten sehen.

Voran, voran!

13. Januar 2020

Voran schreitet die Genesung! Und wäre da nicht die strenge Mahnung, die Füße noch ein bißchen still, am Besten sogar hochzulegen, es gäbe kein Halten mehr.

Meine Hunderunden fehlen mir, Bewegung überhaupt fehlt mir, es müsste gar kein Hund dabei sein. Ob ich morgen vielleicht ein bißchen aufs Laufband gehe? Nein, ich bleibe eine super-brave Patientin, ernähre mich auch weiterhin von Suppe, Brei, Joghurt und Zwieback. Als kleine Geschmacksvariation gab es den Haferschleim heute mit Salz. Der Gatte schwört auf eine Prise Salz, doch seine Prise Salz ist viel größer als meine. Doch egal, Salz statt Zucker war in Ordnung und Salz braucht der Körper ja auch. Außerdem wurde der Naturjoghurt mit einem Esslöffel Apfelmus verrührt und ja, das behalte ich bei, das ist äußerst lecker. Nicht unbedingt als kulinarischen Höhepunkt aber durchaus als „haaaach! Lecker.“ gingen die acht butterweich gekochten Spaghetti durch, die ich mir zur Abendsuppe erbettelte. Lieber hätte ich köstlich durchgeschmurgelte Bolognese zu den Spaghetti gegessen, aber nein, ich bin ja eine super brave Patientin.

Als solche gammele ich also den ganzen Tag im Bett herum, nicht mal schlafen will ich mehr. Das ist ja auch ein gutes Zeichen für eine fortschreitende Genesung, nicht mehr nur noch schlafen wollen. Die streaming-Dienste bieten mir nix, was mich fesseln würde, sie leisten mir halt Gesellschaft, während Gatte und Söhne den Haushalt schmeißen, Wäsche waschen und Suppe oder Brei kochen. Der Luxuslevel ist echt hoch, ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, eine Gesichtsmaske aufzulegen oder wenigstens die Fingernägel zu lackieren.

Stattdessen widme ich mich aber lieber der Fertigstellung des Fotobuches von unserem Südafrika-Urlaub. Das führt unter Umständen zu ein bißchen Fernweh, aber das ist ja nicht mal annähernd so schlimm wie Bauchweh, damit kann ich prima umgehen.

Nur noch fünf Tage Schonzeit!

Der grippale Infekt, der den Gatten eine Woche umwarf und den er großzügig mit jüngstem Sohn und mir teilte, klingt dann jetzt doch langsam ab. Gestern war der Tag, an dem ich das Gefühl hatte, dass ich jeden zugeführten Schluck Tee wieder aus der Nase herausschnäuzte. Immerhin: „die Brii laaft ab“ und das muss ja auch so. Heute morgen telefonierte ich kurz mit der Klinik, denn morgen soll ich ja den Genuss einer Darmspiegelung kommen und bevor ich mir heute den Spaß mit dem Abführsalz antue, um morgen wegen eines Infektes wieder heimgeschickt zu werden, wollte ich das abklären. Da ich mittlerweile fieberfrei und auf dem Weg der Besserung bin, darf die Untersuchung stattfinden. Die Freude über den stattfindenden Eingriff hält sich jetzt ganz gut die Waage mit der Sorge, dass irgendwas gefunden wird, was da so nicht sein soll. (Weil ich ja wieder einmal wider besseren Wissens gegoogelt habe, ist mein Kopfkino mit dem allergruseligsten Horrorfilmmaterial bestückt. Dass ich in diesem Jahr bereits acht Kilo abgenommen habe, mit weiterhin fallender Tendenz, passt da ganz super ins Bild, genauso wie die Hitzewallungen, die halt auch einfach nur hormonell sein können. Schweig still, Kopfkino.)

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Selbstverständlich darf man ja nicht nur über schlimme Sachen grübeln, man kann zum Beispiel auch die Reiseplanung für dieses Jahr beginnen. Und als am Mittwoch draußen noch einmal dichtes Schneetreiben war (sooo toll, dieser Winter! So viel Schnee!), sprach der Gatte: „Weißt du eigentlich, Liebste, dass wir nächsten Monat mitten im Wald schlafen?“ Ja, das wusste ich, hatte es aber angesichts der Wettersituation eher weggeschoben und als wir den Ausflug im Dezember planten, war „April“ halt näher an Frühling und Wärme, als es am Mittwoch mit den heftigen Minustemperaturen möglich schien.

Die Übernachtung „mitten im Wald“ klingt vermutlich sehr abenteuerlich. Letztlich ist es aber nur eine Nacht im Zelt mitten im Pfälzer Wald. Das wilde Zelten in deutschen Mittelgebirgen ist nicht gestattet, um aber trotzdem eine Nacht im Wald genießen zu können, gibt es im Pfälzer Wald „Trekking Plätze“. Diese Plätze kann man hier: „Trekking im Pfälzerwald“ buchen. Bei Platzzusage bekommt man die GPS-Daten des Platzes, eine Nacht darf man dort sein Zeit aufschlagen und am nächsten Tag weiterziehen. Alles was man mitgebracht hat, muss man auch wieder mitnehmen. Der Gatte hat zwei hübsche Wandertouren um die Übernachtung herum geplant, das Abenteuer „Übernachtung im Zelt mit Hund“ haben wir letzten Sommer erfolgreich im Garten bestanden und im April ist es ja garantiert viel wärmer. Ich freue mich drauf!

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Ende Juni wollen wir den Lechweg wandern, ein Fernwanderweg von der Quelle der Lech am Formarinsee bis zum Lechfall in Füssen. Es gibt die sportlich Variante, bei der der Weg in sechs Tagen gelaufen wird, die klassische Variante für sieben Tage und die gemütliche Variante in acht Tagen. Die sportliche Variante scheidet aus, wir sind beide Genusswanderer, wollen viel schauen, anfassen, riechen, sitzen, auf uns wirken lassen. Es geht nicht um Strecke machen, sondern darum, die Strecke zu erleben. Vorletztes Jahr wanderten wir den Wicklow Way in Irland und verzichteten auch dort auf die sportliche Variante. Das haben wir nicht bereut. (Ich füge hier demnächst noch den link zu meinen damaligen Berichten ein.)

Auf dem Wicklow Way haben wir unser Gepäck geschleppt, das war in Ordnung. Komfortabler lässt es sich natürlich wandern, wenn man nur Tagesgepäck dabei hat und da uns Lola mitsamt Hundefutter und Schlafdecke auf dem Lechweg begleitet, wäre ein Gepäcktransport eine prima Sache. Mal sehen, wie wir uns entscheiden und ob es einen solchen überhaupt gibt. Übernachtung mit Hund am Weg entlang ist unkompliziert, einzig die erste Übernachtung auf einer Hütte am Formarinsee wird etwas unkomfortabler, denn mit Hund dürfen wir nur im Winterlager schlafen. Da ist aber nur eine Nacht und somit nicht schlimm.

Mittlerweile habe ich wohl so ziemlich jeden Bericht über den Weg gelesen und alle einigermaßen erträglichen you Tube-Filmchen darüber gesehen, ich weiß also ungefähr, was da anstrengungsmäßig auf mich zukommt. Obwohl ich beinahe jeden Tag bis zu zehn Kilometer mit Lola unterwegs bin und den Wicklow Way prima und ohne nennenswerte Ausfälle geschafft habe, traue ich meinen Wanderfähigkeiten noch immer nicht. Die meiste Sorgen bereiten mir übrigens nicht Auf- oder Abstiege oder lange Etappen, sondern die Holzgauer Hängebrücke, die wir queren können, aber nicht müssen. Den Lechweg gab es schon vor der Brücke, es besteht also die Möglichkeit ab- und auf der anderen Talseite wieder aufzusteigen. Das kann ich aber im Vorfeld nicht planen, auch nach dem zehnten Drohnen-Überquerungsvideo bin ich absolut unschlüssig. Vermutlich wird Lola uns die Entscheidung abnehmen, denn der Boden der Brücke ist eine Gitterrost. Kurze Strecken läuft sie anstandslos auf Gitterrost, doch dort wären es über hundert Meter. Das bleibt also spannend.

Schon die Anreise wird spannend, denn wir reisen mit Bahn und Bus. Deshalb haben wir für Lola einen Maulkorb besorgen müssen und überlegen, welche Plätze wir wo reservieren, damit sie sechs Stunden entspannt liegen kann. Da wir sowieso eine Kinderfahrkarte für sie kaufen müssen, können wir ihr wohl auch einen Platz reservieren lassen, unter dem sie dann liegt. Wahrscheinlich in einem 6er-Abteil. Aber diese Entscheidung eilt noch nicht, es ist halt neu für uns mit Hund zu verreisen und deshalb aufregend.

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Jaaa und wenn diese ganze Wanderei gut ging, ich mich endlich mit Wanderstöcken angefreundet habe und weder Knie noch irgendein anderes Körperteil zu sehr muckt, dann erfüllen wir nächstes Jahr des Gatten Traum und wandern über die Alpen.

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Wussten Sie eigentlich, dass ich seit ungefähr zehn Jahren endlich mal so lange am Meer sein will, dass ich sagen kann: ok, nun ist es genug, ich bin satt. Und was tue ich seit zehn Jahren? Wandern. (mit drei viel zu kurzen Tagesausflügen an den atlantischen und den indischen Ozean, sowie die Irische See. Viel zu wenig.)

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Die Tochter kommt Mitte des Monats zu Besuch! Vorher absolviert sie aber noch ein RoboLab und muss dort Roboter programmieren, damit diese eine bestimmte Strecke zu einem Ziel fahren. Voll einfach, glaube ich.

Roboter finde ich faszinierend und toll, deshalb habe ich mich wirklich gefreut, als ich auf den YouTube-Kanal von Simone Giertz stieß. Ich lachte bereits etliche Tränen über sie und ihre sh*tty robots.