Abschied

11. Januar 2022

Spock, Panzerkater, Plüschding.

Als er heute Morgen immer noch nicht wieder daheim war, wusste ich es. Und es war fast eine Erleichterung, als ich ihn ganz hinten im Garten fand. Ich weiß nicht, was ihm passiert ist, aber ich weiß immerhin, dass er jetzt nicht leidet oder irgendwo herumirrt.

Er hat jetzt ein Plätzchen im Garten, genau neben Sauerstein, unserem ersten roten Kater.

Die anderen Tiere des Hauses sind sehr anhänglich, doch das jetzt als mittrauern zu interpretieren ist wahrscheinlich zu Disney-like. Ich genieße es trotzdem sehr und jedesmal, wenn die Katzenklappe quietscht, erwarte ich Spocks lautstarke Begrüßung.

Ich habe geweint, eine große Portion Soulfood (Kürbisrisotto) gekocht, ausgiebig und sehr heiß geduscht, mich mit einer Schüssel Risotto und einem Löffel unter die Decke aufs Sofa gekuschelt. Der Gatte sitzt neben mir, der Hund liegt auf meinen Füßen, Kes schnarcht in ihrem Körbchen (das jetzt herzzerreißend groß für so eine kleine Katze allein ist) und Franz ist unterwegs, sein Abendessen jagen. Es ist so gut, wie es eben gerade sein kann.

Der Tag begann längst nicht so geruhsam wie sonst, da Kes im Kampfkuschelmodus von unten gegen meine Kaffeetasse kickte und mir sehr heißer Kaffee ins Dekolleté schwappte. Und ins Bett. Ich schimpfte und autschte sehr laut und war gründlich wach. Kes zeigte sich gänzlich unbeeindruckt von meinem Getöse und umschnurrte meine Beine, während ich nach warmen Klamotten für die Hunderunde suchte. Der Winter ist endlich da, fehlt nur noch Schnee.

Die Spülmaschine musste ich nicht ausräumen, leider. Gestern abend zeigte sich nämlich, dass das Rausfliegen des FI-Schalters kein Versehen war, sondern ein Hinweis auf den baldigen Spülmaschinentod war. Als nämlich außer lustigem Blinken sämtlicher Lämpchen nichts weiter geschah und auch das Internet nichts Hilfreiches beitragen konnte, spülten und trockneten der Gatte und der Jüngste das Geschirr von zwei Tagen per Hand ab. Bis die Spülmaschine repariert (hoffentlich) oder ersetzt ist, müssen wir wohl einen Spülplan erstellen, so wie früher in der WG.

Der Gatte rief später den Fachhändler unseres Vertrauen an und erfuhr, dass es derzeit sehr viele defekte Großgeräte, insbesondere Waschmaschinen, gibt. Waschmaschinen haben Vorrang, versicherte er dem Fachhändler, der darüber sehr erleichtert schien, Offensichtlich sind die meisten Kundinnen nicht verständnisvoll. Es dauert also bis mindestens nächste Woche, bis sich ein Experte die Maschine anschaut und der Rest ist ungewiss. ich kaufte eine große Tube Handcreme.

Nach der Hunderunde (kühl, mit wunderschönem Sonnenaufgang)mit Oma Eis, gab es ein gemeinsames Frühstück und eine kleiner Einkauf des Allernötigsten im Nachbarstädtchen. Ich fand ein Paar Topflappen!

Wieder daheim war Zeit für eine kleine Mittagspause. Das Telefon klingelte und das versetzt mich quasi umgehend in Alarmstimmung, denn nur noch sehr wenige Menschen rufen über das Festnetz an und die gehören der älteren Generation an. Diesmal gab es keinen Grund zur Sorge, nur zum Wundern, denn ein Mitarbeiter des Tierheimes fragte nach einem Termin für den Kontrollbesuch, ob es den Katzenviechern gut geht. Wir haben nichts zu verbergen und die Katzen wachsen, gedeihen, fressen uns die Haare vom Kopf und versuchen uns mit heißem Kaffee zu töten. Ich vereinbarte einen Termin für „in etwa einer halben Stunde“ und machte mich auf die Suche nach den Katzen. Kes lag in der Küche, Spock war nicht aufzufinden.

Der Mitarbeiter kam, sah (nur eine Katze), stellte ein paar Fragen und verabschiedete sich wieder. Ich denke, wir sind nicht durch die Prüfung gefallen.

Den Rest des Nachmittages beschäftigte ich mich mit dem Wintergärtchen. Der Gatte und der Jüngste hatten wunschgemäß ein sehr schweres Schränkchen aus der Halle nach oben geschleppt dort hin gestellt, wo bisher eine Gartenbank stand. (die hat jetzt ihren Platz am Gartenhüttchen gefunden, weil das Korbsofa, das vorher dort stand nach 31 Jahren unrettbar durchgesessen ist) Ich räumte Wintergärtchenkram in das Schränkchen, saugte Spinnweben und „vom Garten reingeschleppt“-Dreck weg und bereitete ein Regal als baldige Gemüsepflanzen-Anzuchtstation vor. Am Liebsten hätte ich direkt losgelegt und meine vielen unterschiedlichen Tomatensorten gesät, aber dafür ist es wirklich noch viel zu früh. Stattdessen setzte ich mich mit den vorletzten Spekulatius und einem Tee auf den neuen Sitzplatz auf dem Schränkchen (gemütlich!) und rechnete kurz nach, seit wievielen Stunden ich Spock schon nicht mehr gesehen hatte. Viel zu viele, seit gestern Abend nämlich.

Der Gatte beendete seinen Arbeitstag, nickte die neue Wintergärtcheneinrichtung ab und trank mit mir den Feiernabendkaffee. Danach schnappte er sich Lola für die Abendrunde, ich machte mich auf die Suche nach Spock. Kein Spock im Garten, dafür kam der Jüngste von der Arbeit heim. Der erste Arbeitstag nach langem Urlaub war ok, er geht morgen wieder hin. :)

Zum Abendessen gab es für die Männer die restliche Frühstücksbrötchen, für mich zwei Scheiben Roggenbrot, denn ich mag Brötchen nicht so sehr. (Jedenfalls nicht zum Abendessen.)

Zu spülen wären jetzt drei Teller, Messer und Gläser, das erledige ich morgen. Heute endet der Tag mit dem Gatten auf dem Sofa und dort versuche ich nicht völlig verrückt zu werden, denn Spock ist immer noch nicht da. Ach Panzerkater, komm heim! (Ich habe ein sehr schlechtes Gefühl.)