Hunderunde

7. September 2016

Seit über einem Jahr, Tag für Tag, oft zweimal täglich raus. Bei Sonne, Regen, Wind und Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt. Mindestens eine Stunde dauert so eine Hunderunde, meistens länger. Fünf Kilometer sind das Minimun, weil der Hund will rennen und man muss anderthalb Kilometer laufen, bis man ganz alleine mit dem Viech durch die Wingerte stapfen kann.

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Alleine unterwegs zu sein ist wunderbar. Ich hänge meinen Gedanken nach, während ich versuche, Hasen und Rehe vor dem Hund zu entdecken, um ihn umgehend vom Jagen abhalten zu können. Gerade am Morgen ist es draußen so schön, dass ich jubeln möchte. Und manchmal tue ich das auch, leise, falls doch jemand in der Nähe ist.

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Montags begleitet mich Oma Eis bei der Hunderunde, jeden Donnerstag treffe ich mich mit zwei Frauen und deren Hunden. Man lernt leicht viele Menschen kennen, wenn man mit Hund unterwegs ist, denn meistens steht man einen Moment zusammen rum, während die Hunde klären, was Hunde so miteinander klären. Dann unterhält man sich halt und manchmal sagt man: „ach, das klappt ja super mit den beiden, wollen wir ein Stück zusammen gehen?“
Ab und zu fahren wir nach Oppenheim, denn dort gibt es einen Hundestrand am Rhein. Das ist dann eine für mich eher weniger anstrengende Hunderunde, weil ich nur breitgrinsend mit nackten Füßen im Rhein stehe und zusehe, wie Lola mit fliegenden Ohren über den Strand flitzt.
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Die Abendrunden sind kürzer. Ein Stückchen durch den Wingert, dann Pokéstops abernten und ein paar Pokémons fangen. Eine prima Übung für den Hund, rumsitzen und darauf warten, dass es weiter geht.

Hunderunden sind toll. Seit ich regelmäßig mit Lola unterwegs bin, hat sich Frau Knie nicht mehr gemeldet. Außerdem habe ich hübsche Muskeln in den Beinen bekommen, schnaufe aber immer noch wie eine alte Dampflock, bis ich die täglichen 80 Höhenmeter bewältigt habe. (albern, ich weiß. Und peinlich.)

Und obwohl ich weiß, wie toll es unterwegs ist, wie gut mir die tägliche Bewegung tut, wie glücklich ich wieder heimkomme, wie ausgelastet und zufrieden der gar nicht mehr so kleine Hunde ist – vor jeder Hunderunde knurrt mich der Schweinehund an. Er will nicht raus, er will lieber im Nähzimmer bleiben, im Bett oder auf dem Sofa liegen, sich gerade nicht bewegen und außerdem muss immerimmer er los, wie ungerecht. Jedes Mal, immer wieder ein Kampf mit mir selbst. Insofern: danke Lola, dass du mich täglich rauszwingst, denn ohne dich ginge ich nicht und würde stattdessen über Frau Knie und mangelnde Kondition jammern.

Trainingstag

1. April 2016

Vermutlich wird es schneller Juni sein, als ich „nur noch April und Mai“ sagen kann. Dann geht es los nach Irland auf den Wicklow Way. Tägliche Hunderunden trainieren mich zwar gut, doch länger als acht Kilometer am Stück laufe ich nicht. Einige Etappen auf dem Wicklow Way sind aber knapp über zwanzig Kilometer lang, obendrein sind einige Höhenmeter dabei. Ich war neugierig, ob es mir schwerfällt, eine längere Etappe am Stück zu laufen, ohne völlig erledigt zu sein.

Der Rheinterrassenweg führt von Mainz nach Worms, liegt also vor der Haustür. Da wir immer wieder wanderfreudige Gäste beherbergen, hatten wir uns schon länger vorgenommen, Etappen auf diesem Weg zu laufen. Außerdem sollte der gar nicht mehr so kleine Hund endlich Zugfahren lernen und deshalb heute, trotz anfänglichem Regen und einer gewissen Unlust: der Rheinterrassenweg von Mainz-Laubenheim bis Nierstein.

Mit dem Zug fuhren wir nach Laubenheim und stellten fest: begeistert ist der gar nicht mehr so kleine Hund nicht unbedingt, dafür aber geduldig und angstfrei. Das passt dann schon und eröffnet uns einige Wege. (ein Auto haben wir nämlich nicht immer zur Verfügung)

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In Laubenheim folgten wir zunächst den gelb-schwarzen Hinweisschildern, die den Zustieg zum Rheinterrassenweg anzeigten. Lnagweilig, auf dem Gehweg und es regnete sachte vor sich hin. Außerdem ging es bergauf und ja, meine Laune war nicht die allerbeste.

Nach ein paar Minuten besserte sich meine Laune schlagartig, denn der offizielle Weg begann und mit kleinen, gepflasterten, geschwungenen Pfaden kriegen Sie mich immer:

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Nierstein, 15 Kilometer. Erwähnte ich, dass es sachte regnete? Das war mittlerweile egal, denn wir fanden recht schnell unseren Schritt, der Weg verlief ohne nennenswerte Steigungen und die Gegend … Weinberge mit Fernblick bis Frankfurt, blühende Schlehen am Wegesrand. Schön!

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Ziemlich schnell kamen wir an Bodenheim vorbei. Das Wetter war uns äußerst freundlich gesinnt, denn der Regen hörte auf, die Sonne kam ab und zu hinter den Wolken hervor. Perfektes Wanderwetter und das Gefühl, noch endlos weiterlaufen zu können.

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Lola zeigte keine Ermüdungserscheinung, musste aber nach Bodenheim wieder an die Leine, weil auf Schildern wegen des Wildes darum gebeten wurde. Nicht schlimm, sie war genug gerannt und lief ziemlich brav mit uns mit.

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Zwischen Bodenheim und Nackenheim endete der asphaltierte Weg und es ging auf Feldwegen weiter. Ein sehr matschige Angelegenheit, dank des vielen Regens der letzten Tag. Wir glitschten und schlitterten an frischgepflügten Äckern entlang und liefen prompt falsch, weil an einer Abzweigung der Wegweiser abgerissen worden war. Ein kleiner Umweg, der mich sehr nervte, aber es konnte ja keiner was dafür.

Die richtige Abzweigung führte uns dann runter nach Nackenheim.

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Nackenheim ist nicht der allerschönste Ort, was sicher auch daran liegt, dass er direkt an Bahnlinie und B9 liegt. (und direkt am Rhein, was wildromatisch sein könnte, leider aber zusätzlichen Lärm durch die Schiffe bedeutet. Die wummern nämlich mit ganz tiefem Ton vorbei, den man mehr im Bauch spürt als hört. Je nach Wind- und Wetterlage „hörenspüren“ wir Schiffe bis hoch zur Grünen Villa.)

Wir querten Nackenheim und stiegen wieder hoch in die Weinberge, in nahezu vetrautes Gebiet, denn in diesen Weinbergen hatten Lola und wir unseren Einstieg in die Hundeerziehung bei der großartigen Johanna vom Wolfsrudel.

In der Ferne tauchte Nierstein auf, nur noch etwas über fünf Kilometer!

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Der Rheinterrassenweg verläuft ganz oben am Roten Hang, parallel dazu, tiefer am Hang verlaufen drei weitere Wege. Diese Wege führen ohne Umweg nach Nierstein, der Rheinterrassenweg verläuft in einer kleinen Schleife …

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… er führt nämlich zum Aussichtspunkt „Brudersberg“ und danach noch ein wenig vom Rhein weg, mitten in die Weinberge. An der Fockenberghütte fehlt leider ein Wegweiser, dort wird nach Nierstein abgestiegen. Wieder in einigen Schleifen durch die allermalerischsten Wingerte bis zum Marktplatz. Und der Kenner der Gegend weiß: am Marktplatz ist das Café Erni&Illi!

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Wir rasteten wohlverdient bei Milchkaffee und Kuchen und schafften so gestärkt noch den halben Kilometer bis zur Grünen Villa. Der beste Vater meiner Kinder hatte mitgetrackt:

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Zwanzig Kilometer geschafft und hinterher nicht völlig erledigt. Ich sehe Irland nun sehr entspannt entgegen, auch wenn uns dort bei den ersten Etappen einige Höhenmeter mehr erwarten.

Zum Rheinterrassenweg: ein netter, anspruchsloser Weg für Menschen, die gerne gemütlich wandern wollen. Mit Turnschuhen oder Sandalen zu bewältigen, wir trugen deshalb Wanderschuhe, weil wir die neuen Schuhe einlaufen müssen. Nicht zu empfehlen ist dieser Weg im Hochsommer, denn vor der knallenden Sonne gibt es keinen Schutz und insbesondere vor Nierstein wird es sehr, sehr heiß am Roten Hang. Glauben Sie mir das einfach. Auch mit Kindern ist dieser Weg nicht zu empfehlen, er ist nämlich langweilig. Geradeaus mit toller Aussicht. Erfahrungsgemäß stehen Kinder nicht auf so etwas und irgendwann ist man es einfach leid „ein Hut, ein Stock, ein Re-gen-schirm“ zu spielen. Ich würde diesen Weg mit Menschen laufen, die viel Gegend sehen und hinterher irgendwo zu einem Glas Wein einkehren wollen.

Wir werden demnächst die Etappe Nierstein – Guntersblum laufen, wenn sich diese spektakulär von unserer heutigen unterscheidet, werde ich darüber berichten.

Gestern morgen bei der Hunderunde habe ich diese Frage meiner Hunderundengesellschaft gestellt. „Manchmal“, antwortete er, „Man ist einfach nicht mehr so spontan, muss mehr planen.“ „Warte mal ab, bis du eigene Kinder hast“, wollte ich antworten, nickte aber stattdessen nur zustimmend, reicht ja auch.

Habe ich es denn schon bereut, dass Lola bei uns eingezogen ist? (eigentlich wäre das ja ein prima Artikel „Ein Jahr Lola in der Grünen Villa“, aber jetzt passt es halt, obwohl sie erst zehn Monate hier lebt.)

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Wenn ein Hund einzieht, dann ist das tatsächlich ein bißchen so wie beim ersten Kind. Sehr viele Menschen haben sehr viele Tipps, aber eigentlich weiß man alles sowieso besser und wird das Tier ganzheitlich, achtsam, windel- und glutenfrei halten und ernähren und alle seine Talente erkennen und selbstredend fördern. Und dann kackt der niedliche Welpe zum ersten Mal auf den Wohnzimmerboden und klaut die Kekse vom Tisch (Babys machen das nicht, Kleinkinder schon), woraufhin das Annehmen von kleineren Ratschlägen durchaus in den Bereich des Möglichen rückt. Und schwupps ist man gefangen im Strudel der gegensätzlichen Ratschläge und muss sich auf gut Glück und mit einer gesunden Portion Bauchgefühl sein eigenes Hundeerziehungsmodell, mit oder ohne getanzten Namen, aussuchen.

Das klappt bei uns ganz prima. Lola ist zum Glück ein sehr kooperationswilliger Hund, sofern ausreichend Leckerlis die Erziehungsmaßnahme unterstützen. Alles läuft also über das Fressen, aber was soll´s. Hauptsache der Hund beherrscht die Grundkommandos wie „Komm!“, „Sitz!“ und „Bleib! … na gut, ich weiß ja wie sehr du an mir hängst und ja, die Leckerlis sind immer in meiner linken Jackentasche“. Damit kommt man überall gut zurecht.

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„Es ist dir schon klar, dass du jeden Tag mehrmals mit dem Hund raus musst?!“, wird einem vorher von allen Seiten mit unheilvoller Stimme zugeraunt. Und ja. Ich muss jeden Tag mit dem Hund raus, morgens und abends. Und da Lola eine explosive Mischung aus Dalmatiner (soll neben Postkutschen her rennen) und Pointer (soll Wild anzeigen) ist, sind das sehr lange Hunderunden voller Übungen und Trainingseinheiten. Lang, damit der Dalmatiner müde wird, Training, damit der Pointer keine Rehe jagt. Ersteres klappt übrigens prima, Letzteres mal mehr, mal weniger. Das Wetter ist meistens gar nicht so schlimm. Es gibt viele, viele Tage, an denen ich ohne Hund nicht mal zum Kompost im Garten gegangen wäre, doch das sind meistens die Tage, an denen ich mich wirklich freue, dass ich raus muss. Weil es toll ist. Unsere Gegend ist schön, die Bewegung ist schön und das Gefühl, wenn man sich hinterher trockene Klamotten anzieht ist super.

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Franz und Lola koexistieren recht friedlich in der Grünen Villa. Franz hat keine Angst mehr vor Lola und haut ihr auf die Nase, wenn sie ihm zu aufdringlich wird. Er hat seinen Sessel im Wohnzimmer zurückerobert und traut sich wieder an das Fußende meines Bettes (vor dem Lola ihren Schlafplatz hat). Lola wird noch lernen, dass das kleinere, rothaarige Ding es nicht mal annähernd toll findet, wenn man ihm die Nase in den Hintern steckt; Franz wird lernen, dass ihn das große, weißhaarige Ding nicht fressen will, wenn es freudig wedelnd zu ihm hinrennt.

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Das Haus ist sehr „voll“ geworden, seit der gar nicht mehr so kleine Hund hier lebt. Irgendwo ist immer ein Tier. Entweder auf dem Stuhl, auf den man sich gerade setzen will oder unter dem Tisch, eifrig nach Krümeln suchend. Beim Essen möchte man weder Hund noch Katze auf dem Schoß oder neben dem Teller oder mit nasser Nase an den Arm stupsend. Deshalb heben wir Katzen von Stühlen, rufen mehrstimmig „nein“, wenn der Hund aufdringlich wird und haben uns damit abgefunden, dass uns nur noch ein knappes Viertel des Sofas gehört.

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Egal was man tut, ein neugieriger, mäßig hilfreicher Hund ist immer ganz dicht dabei. Im Garten kannte ich das schon von Franz, der sich immer genau an die Stelle legte, wo ich gerade jäten wollte. Lola liegt gerne zwischen mir und dem Herd, an dem ich gerade koche, rennt zwischen meine Füße, wenn sie sich vor dem Staubsauger fürchtet (oder nicht oder doch oder nicht …). Beide begleiten Menschen sehr gerne zur Toilette und beobachten interessiert das Geschehen, greifen aber nicht ein. Lola kann nur dann richtig entspannen, wenn mindestens ein Mitglied des Menschenrudels in der Nähe ist. Klammerhund.

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Mein Kleidungsstil hat sich verändert, jedenfalls jetzt im Winter. Ich trage wieder Hosen, weil die bei der Hunderunde doch praktischer sind. Und ich trage diese Hosen auch dann noch, wenn sie mit Schlamm verschmiert sind, sogar in der Öffentlichkeit.

Wir waren noch nie begeisterte Restaurantgänger. Jetzt mit Hund werden wir das auch nicht werden. Lola liegt brav unter dem Stuhl, aber sie riecht, wie so ein Hund nun mal riecht. An Regentagen auch ein bißchen stärker. Ich mag das nicht, wenn ich beim Essen einen nassen Hund riechen muss, deshalb kann ich es anderen kaum zumuten. Wir freuen uns auf die wärmere Jahreszeit, wenn man wieder überall draußen sitzen kann. (letzten Freitag eröffneten wir die Café-Saison)

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Was hat sich noch geändert? Ich bin recht tolerant geworden, was Hundespucke anbelangt :)

Bereut habe ich es nicht. Bedauert manchmal, denn es ist tatsächlich so, dass wir uns unsere neugewonnene Freiheit durch groß gewordene Kinder wieder selbst beschnitten haben, in dem wir einen Hund aufnahmen. Andererseit passt dieser Hund ganz prima zu dem, was wir sowieso gerne machen: in der Gegend rumlaufen, im Garten rumwühlen, auf dem Sofa sitzen.

Ich habe sehr viele Menschen (=andere Hundebesitzer) mittlerweile kennengelernt, mit einigen entwickelt sich da gerade eine schöne, neue Freundschaft. Das ist ein absoluter Gewinn!

Außerdem lache ich sehr, sehr viel. Hund und Katze zusammen sind ein großartiger Gute-Laune-Zauberer, da verzeihe ich die vielen Pfotenabdrücke auf dem Parkett und die Spuren von nassen Nasen auf den Terrassenscheiben. (früher klebte auf dieser Höhe eine Mischung aus Banane und Zwieback, geziert von Kleinkindhandabdrücken, Hundesabber lässt sich leichter wegwischen).

Die Stühle am Esstisch haben nun Filzgleiter aus Hundehaar und der Staubsauger muss jeden dritten Tag geleert werden, weil Dalmatiner wirklich sehr, sehr viel Haare verlieren. (kurze, weiße Haare mit Widerhaken und Superkleber) Obendrein wechselt der Kater gerade von Winterpelz zu leichtem Sommergewand. Vielleicht sollte ich anfangen, Tierhaar zu spinnen, um daraus Pullover zu stricken. Meine Drecktoleranz ist somit auch nochmals ein Level erhöht.

Mit dem Wissen, das ich jetzt habe erneut vor die Frage „Hund ja oder nein?“ gestellt, würde ich vermutlich nein sagen. Andererseits hätten wir dann halt auch keine Lola hier wohnen. Dann doch „Ja! Unbedingt.“

Einfach losschreiben

3. Januar 2016

und schauen, in welche Richtung der Text der geht. Und vor dem Absenden nochmal rasch überlegen, ob die zu erwartenden Reaktionen zur derzeitigen Nervenstärke passen. Falls nicht, Text für später speichern und etwas Neues schreiben. Oder es lassen. So funktioniert bloggen bei mir, doch scheinbar ist das schrecklich altmodisch, denn Blogplaner sollen helfen, ein Blog richtig und ordentlich zu führen.

Ich kann nicht abstreiten, dass ich Schnickeldi mag, auch an schön gestalten Heften kann ich selten vorbeigehen (kaufe sie, schreibe etwas wahnsinnig Ergreifendes auf die erste Seite und finde dass Heft dann zwei Jahre später hinten im Regal wieder) und jedes Jahr kaufe ich mir ein schönes Kalenderbuch (dieses Jahr diesen, allerdings in Niederländisch), weil ich ganz sicher alle Termine säuberlich notieren werde, um keinen einzigen zu vergessen. Ab Februar werde ich da nachlässiger, ab Mai habe ich den Kalender verlegt und den Rest des Jahres bin ich immer sehr froh, wenn ich an wichtige Termine und Geburtstage erinnert werde. Vielleicht wäre schon aus diesem Grund ein Blogplaner für mich eher ungeeignet, ganz davon abgesehen, dass Bloggen für mich „ich erzähl mal was“ ist, völlig unplanbar.

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Und wie schaut es mit Vorsätzen aus? Dieses Jahr keine. Ich führe einen Vorsatz weiter, allerdings aufgeweicht. Letztes Jahr nahm ich mir vor, ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen. Das hielt ich durch bis zum November, als ich feststellte, dass ich Hosen für die Hunderunde brauche und dass ich keine wintertauglichen Oberteile mehr im Schrank hatte. Ich kaufte zwei Hosen und sieben Oberteile, mehr gibt es diesen Winter nicht. Auch dieses Jahr will ich auf den Kauf von Klamotten verzichten, ABER: ich werde T-Shirts brauchen, die aus den letzten Jahren sind schäbig und taugen nur noch als Unterziehshirt im Winter. Im Frühling werde ich dann nach sieben Shirts suchen, die weder merkwürdige Aufdrucke noch Reißverschlüsse an unpassenden Stellen haben (also eigentlich egal wo, Shirts brauchen keine Reißverschlüsse), die weder oberhalb das Bauchnabels noch unterhalb des Hinterns enden, keine Fledermausärmel oder Ausschnitte bis zum BH-Mittelsteg haben. Das wird bestimmt ein großer Spaß. Außerdem hätte ich gerne ein, zwei hübsche Kleider. Die müssen mir aber wirklich passend über den Weg laufen, suchen mag ich nicht danach.

Stoff werde ich in diesem Jahr auch nicht kaufen, ich habe genug und sowieso zu wenig Zeit zum Nähen.

Keine weiteren Vorsätze. 

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Neues von Lola gefällig? Sie ist zum ersten Mal läufig. Wir finden das alle sehr interessant, sie auch. Der Wischmopp ist ständig im Einsatz und die Decken auf dem Sofa müssen regelmäßig gewaschen werden. Ansonsten hält sie sich aber ganz gut sauber und richtig spannend wird es ja wohl erst dann, wenn die Blutung aufhört. Schon jetzt scheint sie unwiderstehlich auf Rüden zu wirken, die Hundehalter haben etwas Mühe an unserem Haus vorbeizugehen. Lola hat sich einen nahezu lasziven Hüftschwung angewöhnt und pinkelt bei der Hunderunde alle zehn Meter ein „Hallohooo, schon was vor nächste Woche?“ an den Wegesrand.

Der Vollständigkeit halber: weder Kastration noch Nachwuchs sind geplant. Ja, wir wollen das so, ja, wir sind informiert.

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Falls Sie meinen Twitteraccount suchen: das Dilemma ist gelöst, lesen Sie gerne bei @diefraumutti wieder mit.

So isses.

10. Dezember 2015

Für fundierte Empörung und Rumgemaule mit Tiefgang: Anzahl und Geschichte der Tiere in der Grünen Villa. (Weil ich dieses Gestichel in den Kommentaren so gründlich satt habe.)

2001

Cara, Manzana und Diego ziehen bei uns ein. Es handelt sich um ca. 14 Wochen alte Katzenwelpen aus Spanien, vermittelt über einen Tierschutzverein. Gleichzeitig zieht im Nachbarhaus ein kleiner Pflegekater ein. Als alle Katzen und Kater eingewöhnt sind und raus dürfen, werden Cara und der Nachbarkater unzertrennlich. Wir treten den Nachbarn Cara ab und zwei Wochen später werden, mit uns so gar nicht abgesprochen, Pflegekater und Cara an eine Familie weitervermittelt. Das war ein bißchen unschön, aber es war halt so geschehen.

Etwa ein halbes Jahr später zog Koks zu uns. Ein winziger, schwarzer, etwa neun Wochen alter Kater. Aus der Türkei, ebenfalls über den Tierschutz vermittelt. Manzana und Diego (beide in der Zwischenzeit ordnungsgemäß kastriert und sogar tätowiert/bei Tasso registriert) mochten den kleinen Kerl sehr, auch wenn er, es war nämlich Januar, die ersten Wochen nur unter meiner Fleecejacke an meinen Bauch geschmiegt lebte.

Koks verschwand im übernächsten Jahr. Irgendwann im Sommer war er einfach weg. Wir waren untröstlich und suchten die gesamte Gegend ab. Jede schwarze Katze die uns über den Weg lief (egal, ob von rechts nach links oder umgekehrt) wurde angesäuselt, Suchplakate wurden aufgehängt. Es gab niemals Hinweise, auch Tasso oder ein Tierarzt meldeten sich nicht.

Kurz darauf meldete eine Bekannte unverhofften Katzennachwuchs. Der Katzenvater aus dem Sauerland, die Katzenmutter aus Nierstein, der kleine Kater Sauerstein zog bei uns ein. Und eroberte direkt unsere Herzen und auch das von Diego. Manzana hingegen war nicht ganz so begeistert. Passenderweise hatte die Nachbarstochter ihre große Liebe zu unserer Katze entdeckt und begann diese sehr geschickt mit allerlei Leckereien anzulocken und zu becircen. Wir baten sie, dies zu unterlassen, was wiederum sie unterließ. Und da Manzana mit Sauerstein nicht glücklich war, dafür aber mit der Nachbarstochter um so mehr, zog sie schließlich ein Haus weiter. 

Sauerstein lebte nicht so lange, wie wir uns das wünschten. Eines Tages lag er tot im Garten. Von außen war keine Verletzung zu sehen. Ob er von einem Auto erwischt worden war oder etwas Giftiges gefressen hat – wir ließen das nicht untersuchen, sondern begruben ihn beim Pfirsichbaum.

Diego trauerte. Klebte maunzend an uns, schnüffelte ständig an den Lieblingsliegeplätzen von Sauerstein und wurde dünn. Also beschlossen wir, erneut Katzennachwuchs aufzunehmen. Eine Blogkollegin hatte eine trächtige Katze aufgenommen. Ein Katerbaby übernahmen wir als er 12 Wochen alt war und nannten ihn Martin, wegen der M-Zeichnung auf der Stirn. Zusammen mit Martin übernahmen wir Matze, einen 14 Wochen alten, völlig unsozialisierten Katerwelpen, den niemand haben wollte, weil er unverträglich sei. Wir bauten auf unseren erfahrenen Diego, der sich als echter Nachwuchserzieher bewährt hatte. Leider klappte das diesmal nicht mehr so richtig, denn Matze prügelte, kratzte und biss alles und jeden. Diego zog sich zurück und suchte viel Kontakt zu seiner Schwester im Nachbarhaus. Dort war mittlerweile die alte Katze gestorben, von der Diego stets vertrieben worden war. Zum Fressen kam er aber gerne heim.

Martin und Matze rauften sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammen und die Lage war entspannt. Diego und Manzana vereint, Diego leider nicht mehr so oft bei uns wie wir das wollten, aber im Garten kam er immer zum Schmusen. Das war dann schon in Ordnung so.

Und dann wurde Matze überfahren. Wir begruben ihn im Garten und uns war klar: das war es jetzt. Martin und ein halber Diego reichen.

Unglücklicherweise lief mir am Tag der offenen Gärten eine hochträchtige, wunderschöne rote Katze über den Weg und bevor ich fertig gedacht hatte, hörte ich mich sagen: wenn da ein Kater dabei ist, dann nehme ich den. Es waren sogar sieben Kater und eine Katze und ich rechne mir meine Beherrschung hoch an, dass ich nicht das ganze Knäuel minikleiner roter Wuschel eingepackt habe. Franz von Rahn oder Ringelfranz zog bei uns ein.

Martin fand ihn von Anfang an lästig. Martin hatte sich nämlich zu einem eher phlegmatischen Kater entwickelt, der gerne sinnierend in der Gegend herumlag und sich die Zeit zwischen den Mahlzeiten mit Schlafen vetrieb. Ein wuseliger Katerwelpe passte jetzt nicht so gut in sein Lebenskonzept und die Situation war ein wenig angespannt. Nach ein paar Wochen lebten die beiden nebeneinander her und ignorierten sich einfach. Kuscheleien und gegenseitige Fellpflege gab es zwischen den beiden nie, fressen aus einem Napf klappte aber. Insgesamt lief es mit Martin aber nicht richtig gut. Als Franz zu uns zog, wurde uns klar, warum. Franz wurde in einen Haushalt mit drei kleinen Kindern und zwei großen Hunden hineingeboren. Erstere schleppten die Katzenbabys von Anfang an durch die Gegend, letztere trampelten eher rücksichtslos über sie hinweg. Martin war in einem Haushalt von zwei Berufstätigen ohne Kinder auf die Welt gekommen, das laute Leben bei uns war der reine Stress für ihn. Als der wuselige Kater, der ihm obendrein in kürzester Zeit über den Kopf wuchs, hinzukam, war es aus. Er wurde krank. Der Stress ging ihm an die Nieren. Er pinkelte Blut und Steinchen, bekam unter Narkose einen Katheder und die Prognose, dass er niemals wieder richtig gesund würde. Kater hätten die Veranlagung zu solchem Nierenkram und ihn hat es halt erwischt. Er wurde wieder gesund und drei Wochen später waren wir erneut beim Nottierarzt und danach beim Tierarzt. Mit schwerem Herzen und der schlechtesten Prognose, bereit ihm die Qual zu erlassen. Doch eine Tierärztin aus der Praxis hatte sich verliebt. Sie übernahm ihn mit dem Versprechen, ihn nicht mit Therapien zu quälen. Er bekam Ruhe als Wohnungskater und Kindersatz und es geht ihm prächtig. Bei uns wäre er nie wieder gesund geworden. Das ist eben so.

Diego lebt mittlerweile nur noch bei den Nachbarn. Außer wenn diese in Urlaub sind, dann kommt er mit seiner Schwester zum Fressen rüber. Und im Gartenhüttchen liegt er auch sehr gerne. Ringelfranz ist groß und stark und der Chef über die Gärten.

Der Vollständigkeit halber: für kurze Zeit lebte auch Simmel bei uns. Die hatten wir für die allerbeste Freundin von einem Bauernhof mitgebracht und sie bei uns aufgepäppelt. 

Seit Mai lebt nun Lola bei uns. Lola ist ein Halbmatiner, ihre Mutter ist ein reinrassiger Dalmatiner, ihr Vater ist unbekannt. Als sie uns kam war sie vier Monate alt, wild und wuselig. Mittlerweile ist sie sehr groß, nicht mehr ganz so wuselig und mit umwerfendem Charme gesegnet. Es hatte viele Gründe, weswegen wir uns dann doch noch einen Hund zulegten. Diese Gründe führe ich hier nicht auf, Sie müssen mir einfach glauben, dass wir viel diskutierten und abwägten. Und dann war es eben so wie damals, als wir Eltern wurden: Manches trat ein, Vieles nie und Einiges hätten wir uns nie träumen lassen, positiv und negativ. Jetzt ist sie eben da und gehört dazu, unwiderruflich. 

Franz war anfangs wenig angetan von Lola. Doch zum Glück ist unser Haus groß genug, die beiden konnten sich nicht unkontrolliert begegnen. Franz‘ Futterstelle zog um, was ihn nicht belastete, Hauptsache der Napf ist stets gut gefüllt. Seinen Schlafplatz bei Töchterlein behielt er, mittlerweile hat sie ihm ein Kistchen an die Heizung gestellt, immerhin herrscht ja jetzt strenger Winter.

Seit etwa einem Monat entspannt sich die Hund-Katz-Beziehung merklich. Lola flippt nach wir vor Freude aus, wenn sie Franz trifft, schleckt ihn ab, was er gnädig duldet und stupst ihn spielauffordernd so lange in die Seite, bis er ihr mit der Pfote (ohne Krallen) auf die Nase haut. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem Lola den Raum verlassen muss. Franz kommt dann gerne hinterher. Wahrscheinlich um nachzusehen, ob das große, dotzelige Ding wirklich nicht ganz weg geht. Sie können sich also beinahe schon entspannt in einem Raum aufhalten, neulich schliefen sie sogar beide im Wohnzimmer. 

So sieht das aus.

Vor vielen Jahren lebte hier für kurze Zeit schon mal ein Hund. Das klappte aber nicht, weil Frau Bö (ein sechs Monate alter Labradormischling aus dem Tierheim) viele fiese Macken mitbrachte. Unter anderem biss sie die Kinder, weswegen diese sie nicht so gerne mochten. Frau Bö musste gehen und ja, das ist die einzige Tiergeschichte in der Grünen Villa, bei der ich ein latent schlechtes Gewissen habe, ob man das nicht hätte anders regeln können.

Und vielleicht die Geschichte, als ich ein Achatschneckeneiergelege übersah und deshalb etwa vierhundert Babyschnecken mit dem Koteletthammer in einer Plastiktüte erschlagen musste.

Ein Amselküken lebte kurz hier, das konnte erfolgreich ausgewildert werden. Eine Krähe mit zerstörtem Flügel hingegen musste eingeschläfert werden. Und Henry the Weight, der tapfere kleine Igel, verlor leider auch den Kampf gegen Parasiten und Krankheit.

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Das war/ist die Tiergeschichte der Grünen Villa. Schonungslos offengelegt, in ihrer ganzen Dramatik.

Alle Lästermäuler und besserwissenden Tierschützer dürfen jetzt in einer anderen Sandkiste spielen gehen oder es einfach mit ihren Tieren triumphierend anders oder gar besser machen. 

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Oder mir kommentieren, dass ich mich mal besser mit den Tieren hätte beschäftigen sollen, statt diesen Text zu schreiben. Das wäre konsequent.