Das Rumpeln,
20. März 2013
das Sie vielleicht heute nachmittag, so gegen halb vier, hörten, waren eine Menge Steine, die mir vom Herz fielen. In dem Moment nämlich, als der freundliche Mensch mir die MRT-Bilder meiner kranken Hand in die gesunde Hand drückte und magische Worte sprach:”Erstmal keine Auffälligkeiten.” (außer dieser Knubbel, einer Zyste am Knochen, die weggeschnitten werden muss)
Mein buntes Kopfkino hatte letzte Nacht fürchterliche Träume im Programm. Heute Nacht schlafe ich wohl ruhiger.
Die Qual der Wahl
30. November 2012
Das Töchterlein steht vor einer wirklich schweren Entscheidung: die Wahl der Leistungs- und Grundkurse für die Oberstufe. Im Januar muss sie es wissen und bis dahin werde ich um viele Jahre gealtert, schlohweiß und ohne Nerven sein.
Es ist nämlich so, dass dieses Mädchen einigermaßen begabt in der Schule ist und obendrein auch noch vielseitig interessiert. Da aber nur drei Leistungskurse gewählt werden dürfen und die Kombination mit den Grundkursen auch noch ein paar Riegel vorschiebt, weiß sie nicht, wofür oder wogegen sie sich entscheiden soll. Das Ausschlussverfahren ergab immerhin: kein Musik, kein Religion, kein Sport und kein Französisch.
In der engeren Auswahl stehen naturwissenschaftliche Fächer und wir Eltern finden das sehr großartig, der beste Vater meiner Kinder deshalb, weil wenigstens eines seiner Kinder nach ihm kommt und ich, weil ich schlicht zutiefst beeindruckt bin. Mathe! Wow.
Unglücklicherweise haben die Lehrer an der Schule offensichtlich den Auftrag, angehende Abiturienten derart zu verunsichern, dass sie lieber doch abgehen und eine Ausbildung anstreben. Die Ansprüche sind äusserst straff und obendrein heisst es “… und das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem, was euch erst in der Oberstufe erwartet!” Die Intention will sich mir nicht recht erschließen.
Die Tochter jedenfalls ist verunsichert bis verzweifelt. Sie fragte den Physiklehrer, ob er ihr einen Physik-Leistungskurs zutraut. Niemals, sie könne nicht mal ein Verlaufsprotokoll schreiben. (was zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht gelehrt worden war.) Der Mathematiklehrer spricht von “blond” und “Mädchen”, entschuldigt sich aber immerhin darauf für seinen verbalen Fehlgriff, kurz bevor ich auf den Tisch hauen wollte. Der Englischlehrer verlangt sehr viel, fast mehr, als zu bewältigen ist. Drei Arbeiten in der Woche, etliche Tests dazu, die besinnliche Weihnachtszeit ist nicht in der Schule angekommen.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin großer Fan von straffem Unterricht, von einem dem Gymnasium und der Klassenstufe angemessenen Niveau. Was ich nicht verstehe und mag, ist diese Demoralisierung der Schüler. Ich weiß, dass das Abitur hier in unserem Bundesland keinen allzu guten Ruf hat und dass es zu viele Abiturienten, zu viele “sehr gute” Abiturienten gibt und vielleicht versucht man auf diesem Wege zu selektieren. Scheint mir eher ein falscher Weg zu sein.
Sei es wie es sei, die Tochter muss da jetzt durch. Mit Tränen, Wut und allergrößten Selbstzweifeln. Und ich kann ihr nicht helfen.
Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder … sie wissen schon.
Heute nur
14. November 2012
Glück, Freude und Staunen darüber, wie schnell siebzehn Jahre verfliegen könnnen. Wie aus 53 Zentimetern 193 werden können und aus winzigen Händchen hilfsbereite, zupackende Hände, die mir die Schraubgläser aus den wehen, alten Händen nehmen.
Ich bin heute ein bißchen sentimental, denn immerhin haben wir das letzte Jahr vor der Volljährigkeit eingeläutet.
Herzlichen Glückwunsch, großer, toller Sohn.
*****
und wie in jedem Jahr an dieser Stelle:
liebevolle Gedanken an Astrid Lindgren, deren Phantasie die meiner Kinder beflügelt hat.
Und allerherzlichste Glückwünsche für Frau Miest und für den kleinen Jungen in der großen Stadt, der schon da war, als seine Mutter mir erzählte, sie würde sich freuen, wenn er käme.
Kotze mit Speck
15. Oktober 2012
ist der appetitliche Name eines äußerst kreativen Gerichts, das neulich in der Grünen Villa serviert wurde.
Es begab sich nämlich, dass Frau … äh … Mutti in der Grünen Villa einige Gäste beherbergte und diese mit mehr oder weniger vollwertigem Frühstück verwöhnte. So kaufte sie beim Bäcker ihres Vertrauens (der übrigens nun NICHT mehr der Bäcker ihres Vertrauens ist, weil die Brötchen seit Neuestem immer öfter verdächtig dunkel und trocken = aufgebacken aussehen) 20 Paarweck. Paarweck sind allerdings genau das, was ihr Name verrät: ein Paar Brötchen -> zwei Brötchen aneinander geklebt. Selbst die gefrässigen Pubertätsraupen in der Grünen Villa schafften vierzig Brötchen nicht.
“Kein Problem”, prahlte Frau … äh … Mutti, “mache ich rasch Serviettenknödel. Und einen Salat dazu. Lecker.”
Zum Glück war der Besuch zu diesem Zeitpunkt bereits abgereist und hatte nicht allerköstlichste Serviettenknödel versprochen bekommen. Denn eigentlich kann ich die. Habe ich schon öfter erfolgreich an Weihnachten gekocht, nach einem wirklich idiotensicheren Rezept der allerbesten Freundin und mal ehrlich: ein Hexenwerk sind Serviettenknödel nicht.
Unglücklicherweise fand ich das idiotensichere Rezept nicht. Dafür aber das von den weltbesten Terrassenplätzchen meiner Schwiegermutter, was mir zwar mit den Knödeln nicht weiterhalf, aber Vorfreude für´s Plätzchenbacken bescherte.
In einem meiner unzähligen Kochbücher (sagen Sie mal, haben Sie auch so viel Kochbücher und -zeitschriften? Und benutzen letztlich regelmäßig nur maximal drei? Egal, anderes Thema) fand ich ein Rezept. “Schneiden Sie ein Baguette vom Vortag in kleine Würfel …” stand da und ich schätzte grob, dass elf Brötchen etwa ein Baguette ergeben. Die sind ja schließlich verschieden groß, diese Baguettes. Vier Eier sollten rein und Butter, in der Zwiebelchen angeschmelzt wurden. Ein bißchen Milch und Salz/Pfeffer. Hatte ich auch alles so im Kopf. “die Masse zwanzig Minuten ruhen lassen …”, stand da, aber wer hat schon zwanzig Minuten Ruhe, wenn die hungrige Familie an der Tür kratzt?
Ich kippte matschige Brösel auf ein angefeuchtetes Leinentuch, rollte eine dicke Wurst und versenkte diese in kochendem Wasser. Mit Hilfe einiger nachdrücklicher Schubbser mit dem Kochlöffelstiel blieb die Knödelwurst im Wasser und als der Wecker klingelte, hob ich siegesgewiss den Topfdeckel. Im brodelnden Wasser schwammen zwischen Fettaugen dicke Brocken und das Leinentuch wedelte mir fröhlich entgegen. Die Mitte der Wurst hatte sich gelöst, doch noch schien der Serviettenknödel zu retten.
Mein Optimismus verflüchtigte sich augenblicklich beim Lösen der fachfrauisch geknüpften Achterknoten an den Leintuchwurstenden: im Inneren eine eher nicht homogene Masse, die noch immer stark dem ähnelte, was ich vor dem Kochen in das Tuch gerollt hatte: matschige Bröckchen, jetzt aber viel besser durchfeuchtet. Heiß dampfend und dabei sehr lecker duftend.
Nach einigen Wuttränen beschloss ich nicht aufzugeben. Ich presste und quetschte soviel trübes Wasser wie möglich aus der Masse, ließ eine Menge Dörrfleisch in der Pfanne aus und kippte das Zeug dazu. Nach knapp fühnfzehn Minuten waren sämtliche Bröckchen hübsch angebräunt und der Duft hatte die hungrige Familie an den Tisch getrieben.

Kotze mit Speck, aber laut Familie absolut genießbar und lecker.
Werde ich in dieser Form eher nicht mehr kochen. Und vielleicht ist die allerbeste Freundin ja ein Schatz und rückt das idiotensichere Rezept, in dem präzise beschrieben wird, wieviele Brötchen man kleinschneiden soll, nochmals heraus. Baguette. Pffff.
*****
Und dann wollte ich noch rasch erzählen, dass ich die Zeitfresser aus meinem Leben werfen will und deshalb nur etwa drei Stunden schimpfend und mit nun sehr wehem Lösch-Zeigefinger auf dem Sofa saß und sämtliche fb-postings löschte. Ein komfortables “delete all” hat Mr. Zuckerberg in weiser Vorraussicht nicht programmieren lassen, stattdessen muss jeder Eintrag einzeln angeklickt werden. Und danach der obligatorische “Bis du sicher, dass du das wirklich, ganz in echt und unwiderbringlich löschen willst? ECHT JETZT?”- Button betätigt werden muss. Ätzend. Immerhin ließen sich die Bilder gesammelt in den Alben löschen. Und jetzt isse fast leer, die Facebook-Seite der Frau Mutti und auch wenn mir manchmal doch ein bißchen Wehmut den Finger zucken ließ, weil so manch anregender, witziger Ausstausch wirklich, ganz in echt und unwiderbringlich, ECHT JETZT!! verschwunden ist … das ist schon gut so. Es gibt ja auch immer noch Instagram und, jajamalwieder, Twitter. Und dieses kleine, feine, meine Blog. Und natürlich der Weihnachtsmarkt in Dezember, für den ich nun doch endlich das Nähen beginnen sollte.
Versuchen Sie doch mal, ihren Account bei facebook zu deaktivieren! Tränendrüsendrückend werden Sie augenblicklich informiert, welche Freunde Sie fortan schrecklich vermissen werden. Probieren Sie´s mal aus, kaputt können Sie nix machen. So rasch löscht man keinen Account.
*****
(das Töchterlein ist wohlbehalten aus der Ferne wieder heimgekehrt, hat viele Geschichten und verdächtig bunte und sehr süße Sachen, die angeblich essbar sind, mitgebracht. Schön ist das und dass ich seit einigen Nächten nicht mehr richtig schlafen kann, muss also andere Ursachen haben.)
zermürbend.
17. August 2012
Sie schreit und schreit und schreit, die Nachbarin. Wütend, mit sich überschlagender Stimme, voller Zorn und Hass, seit zwei Jahren mittlerweile. Tag für Tag. Ich weiß nicht, was sie da schreit, ich spreche ihre Sprache nicht. Aber ich kann es mir vorstellen, denn wenn sie richtig in Fahrt ist, beschimpft sie die andere, über siebzigjährige Nachbarin als “Hure und Arschloch”. Sie schreit die Kinder an, sie schreit den Hund an, sie schreit und schreit und schreit. Die Kinder heulen und jammern, der Hund jault und winselt und dazu dröhnt die Musik von Sido über die Straße.
Die Polizei kommt mittlerweile in schöner Regelmäßigkeit, für Mitte des nächsten Monats gibt es eine erneute Räumungsklage, die vierte bisher.
Wir halten die Fenster geschlossen, ich meide den vorderen Gartenteil, man trifft sich nur noch selten zu einem Schwätzchen auf der Straße, zu oft kam es vor, dass man angeschrieen wurde. In der Straße herrscht eine ungesunde Mischung aus Angst, Gereiztheit und Wut. Große Hilflosigkeit. Ich spüre, wie die Aggressivität in mir hochwallt, wenn es “drüben” wieder losgeht. Versuche in mich hineinzuspüren, ob mich vielleicht “die Fliege an der Wand” stört und ich überreagiere.
Fakt ist: ich mag so nicht mehr wohnen. Mag das nicht mehr aushalten. Heul.
bald wieder da:
10. August 2012

…
26. Juni 2012
muss ich nur rasch meine Freude teilen.
Der Augenarzt bestätigte mir heute 100% Sehfähigkeit. Auf dem rechten Auge. Das linke Auge schafft nicht mal 5%, aber zusammen wäre ich ja bei überdurchschnittlichen 105%. Es lebe der Optimismus :)
Organisch ist alles in Ordnung, ein schönes, gesundes, rechtes Auge.
Mir fällt jedes Mal ein großer Stein vom Herzen, denn als quasi Einäugige habe ich oft Angst vor völliger Blindheit. Einmal zwang mich eine heftige Bindehautentzündung am gesunden Auge, dieses abzudecken, das war eine schreckliche Erfahrung. Ich glaube, der Sehsinn ist mir der allerkostbarste, vielleicht auch, weil er mir nicht so ohne weiteres zur Verfügung steht.
Aber weg mit den Ängsten, alles ist gut, ich bin nicht mal von Altersweitsichtigkeit betroffen. (wusste ich doch schon lange, dass ich jung bin :))

