Fast zwei Jahre lang sah die Küche aus, als sei sie in Erdbeerjoghurt getunkt, fast zwei Jahre lang gefiel mir das auch ausgesprochen gut. Dann aber irgendwie nicht mehr und deshalb wusch ich alle Küchenmöbel sehr gründlich ab (auch von innen, denn wie sich zeigte, hatte der Große beim nicht so Festhalten des Cocktailshakers an Weihnachten, den Zombie nicht nur quer durch die Küche, sondern auch in die Schubladen verteilt), klebte Wände und Arbeitsplatte ab und „machte blau“. Zwei Anstriche später sieht die Küche jetzt so aus:

Jetzt bin ich wieder sehr glücklich und muss nur noch ein paar neue Bilder aufhängen. Oh ja, und neue Topflappen muss ich finden, da der Gatte das letzte intakte und farblich einigermaßen stimmige Paar in die Gasflamme unseres Herdes gelegt hat. Topflappen brennen übrigens sehr schnell. Gestern machte ich mich auf die Suche nach Topflappen und Abgründe taten sich auf. Es gibt nämlich nicht nur Shirts und Schürzen mit, ich sage mal vorsichtig „schwierigen Sprüchen“, sondern auch Topflappen. Ich klagte in einer (na gut, in einigen) Instagramstory mein Leid und bekam einige nette Tipps, unter anderem auch den, was ich in die Suchleiste eintippen soll, um ansprechende Suchergebnisse zu erhalten. („Bunte Topflappen“ Ach?!)

Vermutlich werde ich selbst nähen und damit ist jetzt aber auch wirklich Schluss mit diesem Thema.

Gestern Abend waren wir zum Grillen eingeladen und es ist ja tatsächlich so, dass dieses „sich mit Freundinnen draußen treffen“ zur Gewohnheit wird. Mittlerweile halten wir es im Freien genauso lange miteinander aus wie drinnen an Küchentischen oder auf Sofas. Obendrein haben wir endlich einen guten Grund, unsere wirklich dicken Wintersachen zu tragen, denn die brauchte es in den letzten Wintern bei Hunderunden oder Spaziergängen wirklich nicht mehr. Jeder Freundeshaushalt ist nun im Besitz einer Feuerschale oder einer Feuerstelle, der Schreinerfreund hat erfolgreich getestet, ob sich in einem alten Emaille-Einkochtopf ebenfalls Feuer machen lässt. Um das Feuer herum, auf Fellen sitzend und in Decken gewickelt, das eine oder andere heiße Getränk in der Hand, ist es dann eigentlich ganz schön. Mittlerweile harren wir auch stoisch aus, ob der leichte Regen vielleicht doch wieder verschwindet. Wir härten ab.

(Der Ordnung halber: Treffen nur mit maximal sechs Leuten, alle geboostert, frisch getestet und umarmt wird auch nicht mehr. Was ich wirklich vermisse, also das Umarmen. Hätte ich vor zwei Jahren noch vehement abgestritten und behauptet, dass ich nicht so „touchy“ bin. Bin ich aber wohl und ach. Es könnte doch jetzt einfach alles vorbei sein)

So lange wir unsere ausschweifendes Sozialleben (haha) nicht wieder aufnehmen können, räumen wir halt in der Grünen Villa rum. Die Halle, unsere gruselige „ich stelle da mal eben hier ab und vergesse es“-Hölle, wird langsam immer übersichtlicher! Wir haben nämlich Schwerlastregale im Gegenwert einer Maledivenreise gekauft und im Gegenzug alle alten Regale, Kommoden und Schränke, die auf „falls irgendwann ein Kind sie haben möchte“ (sie möchten alle drei nicht) warteten zum Sperrmüll gegeben, haben uns von wichtigen Dokumenten (z.B. der Fahrradführerschein des Gatten), jede Menge Betroffenheits-Lektüre (Der Tod des Märchenprinzen etc.) und Brettspielen getrennt und damit begonnen, das gut erhaltene Spielzeug zum Mitnehmen vor das Hallentor zu stellen. Es aufzuheben, weil vielleicht irgendwann mal ein Enkelkind damit spielen könnte, ist genau der Kern unseres Hallen-Hamster-Problems. Wir haben Kisten mit Lego, playmobil und Briobahn aufgehoben, außerdem das wirklich große, tolle selbstgebaute Puppenhaus samt Möbeln. Diese Sachen allein würden schon einige Enkelkinder glücklich machen. (nebenbei: ich finde ja dieses Enkelkinder-Thema genauso nervig und übergriffig wie früher jeden Kommentar zu unserer Familienplanung. Somit ärgert mich, möglicherweise auch überreagierend, jeder „Aber die Enkelkinder…!!- Spruch beim Erwähnen von entrümpelten Spielzeugkisten.)

Sollten wir jemals mit der Halle fertig werden … und das kann sich noch sehr lange ziehen, denn wer viel entrümpelt, muss auch viel loswerden. Mülltonnen sind aber verflixt schnell voll, Sperrmüll darf nur zweimal beantragt werden und auch da gibt es eine Mengenbegrenzung und Wertstoffhöfe haben merkwürdige (Winter)Öffnungszeiten. Außerdem passt zu wenig auf den Fahrradanhänger. Ich träumte neulich von einem Container und das bereitet mir ernsthaft Sorgen. … also sollten wir jemals fertig werden, dann geht es mit der Wohnung für den Jüngsten weiter. Das kann natürlich nicht gleichzeitig passieren, da Wasserleitungen für seine Küche gelegt werden müssen und der Raum, durch den diese Leitungen laufen werden, noch mit Hallenkram zugestellt ist. Das führt jetzt aber hier zu weit.

Erstmal die Halle fertig machen. Und Topflappen nähen.

Januar

Auf ein Neues und dieses Jahr wird alles besser! Vorsätze hatte ich die üblichen: vage Formulierungen nach Weihnachtsfressereien, die alle in Richtung „weniger hiervon, weniger davon und mehr vom Rest“ gingen, denn die Hunderundeklamotten saßen etwas spack und wurden unbequem.

Ein bißchen Schnee lockte nach draußen zu ausgiebigen Spaziergängen mit Lola und erstem Gewusel im Garten, der Rest des Monats war so grau, dass ich mich am Liebsten im Nähzimmer aufhielt. Dort füllte sich meine Liste der Dinge, die ich nähen und sticken wollte, außerdem die Liste der Dinge, die am und im Haus erledigt werden wollten. Große Ideen, große Pläne und dafür evtl. zu wenig Zeit. Oder Geld. Oder beides.

Den Kindelein ging es gut, der Gatte und ich zogen unseren Vorsatz, jedes Wochenende irgendwo draußen zu frühstücken, durch. Auch das „einmal im Monat draußen schlafen“ schafften wir, wir übernachteten im endlich fertig gestellten Gewächshaus, bevor dort wegenn üppigster Tomaten- und Paprikapflanzen kein Platz mehr für uns ist. (es war nass und kalt und im Zelt schlafen macht mehr Spaß, so ein Zelt ist auch deutlich schneller irgendwo aufgebaut :))

Februar

Der Februar brachte weiterhin ein bißchen Schnee im Wechsel zu sehr milden Temperaturen, die unsere Bienen nach draußen lockten. Uns auch! Ich begann im Gewächshaus herumzugraben, hätte am Liebsten mit dem Bepflanzen begonnen, aber das wäre natürlich viel zu früh gewesen.

Wir feierten mit den Freunden eine online-Cocktailparty, für die wir uns gegenseitig Leckereien vor die Haustüren stellten. Wir versicherten uns gegenseitig und sehr tapfer, dass diese Pandemie vielleicht doch irgendwie erträglich ist, weil wir weder kleine Kinder noch Jobsorgen haben. Dafür funktionierendes Internet und Lieferdienste.

Und dann erwischte es uns halt auch. Der Jüngste steckte sich auf der Baustelle während des Frühstücks an und nach Feierabend dann uns. Die „britische Variante“, die gerade auf dem Vormarsch war. Ich weiß noch, wie mir die Knie zu Wasser wurden, als der Jüngste mit seinem Testergebnis auf dem Handydisplay aus seinem Zimmer kam und „ich hab Corona“ sagte. Und weil der Gatte schon matt und fiebrig auf dem Sofa hing und ich vor mich hin fröstelte, waren unsere positiven Ergebnisse einen Tag später keine Überraschung mehr.

Wir waren noch fit genug, um unsere Grundversorgung zu organisieren und Lolas Hunderunden zu verteilen, danach ging für fast drei Wochen nichts mehr. Wir waren so krank, wie noch nie in unserem Leben zuvor, zu schwach für einfach alles. Ein milder bis mittelschwerer Verlauf wurde uns diagnostiziert und bis heute vermag ich mir nicht vorzustellen, wie sich ein schwerer Verlauf anfühlt.

Unzählige Päckchen, Blumen und Grüße erreichten uns in dieser Zeit, wir wurden bekocht und mit frischen Broten und Kuchen versorgt und dafür auch hier noch einmal festgehalten: vielen, vielen Dank dafür! Das hat uns aus manchem Tief gerettet!

Der Geburtstag des Jüngsten war dann dieses Jahr auch kein ganz so rauschendes Fest. Nächstes Jahr wieder, versprochen! (kleine Anekdote am Rande: „Schmeckt ihr schon wieder was oder kann ich einen Geburtstagskuchen backen?“, fragte uns der Opa am Tag vor dem Geburtstag. <3)

März

Mitte des Monats war unsere Virenlast endlich so niedrig, dass wir nach drei Wochen aus der Quarantäne entlassen werden konnten. Der Jüngste hatte schon die letzte Quarantänewoche als freie Woche gefeiert, weil er sich vollständig erholt hatte, der Gatte benötigte die vollen drei Wochen.

Ich … hing durch, nach wie vor. Hunderunden waren nicht möglich, Haushaltsgedöhns schaffte ich nur mit langen Pausen dazwischen. Kochen? Ein Kraftakt. An manchen Tagen war Aufstehen und Duschen so anstrengend, dass ich den Rest des Tages heulend auf dem Sofa saß, weil ich diese Mattigkeit so hasste. An einzelnen Tagen hatte ich Kraft. Für sehr kleine Runden im Wingert, einen Einkauf mit dem Rad, ein paar Handgriffe im Garten.

Ein Untersuchungsmarathon begann und am Ende stand: Long Covid. Und: nichts Genaues weiß man nicht, es ist ja neu und niemand kann sagen, ob es wieder verschwindet.

Aber hey! Frühling! Ich färbte mir die Haare knallig rot, löschte meinen Twitter-Account und ließ das schreiende Internet ein paar Tage sein. Selbstschutz, Selbstfürsorge, Heilen.

April

Der Frühling war endlich, endlich da! Mein Garten schrie nach Aufmerksamkeit und ich widmete ihm so viel davon, wie ich aufbringen konnte. So viel Angst und Wut konnte ich in der Gartenerde verbuddeln oder beim Jäten loswerden, ein wunderbare Therapie für mich! Es galt weiterhin: alles tun was ich kann und wenn nichts mehr geht, muss ich kein schlechtes Gewissen haben.

Frühling bedeutet auch Bienenzeit. Wir fingen unseren ersten Schwarm! Und weil wir uns dabei sehr, sehr dilettantisch anstellten, fing ich nicht nur etwa 20.000 Bienen, sondern auch ein Dutzend Bienenstiche. Bienen sind übrigens nicht die allerhygienischsten Tiere, sie verzichten vor dem Stechen darauf, ihren Stachel in Desinfektionslösung zu tunken. Deshalb lag ich eine Nacht wegen beginnender Sepsis im Krankenhaus und ließ mich mit einem Antibiotikum aus dem Tropf versorgen. Wegen der Pandemie haben nicht nur die Intensivstationen Personalprobleme, und so lag ich, aufgrund geschlossener Stationen, im Behandlungsraum. Vielleicht kann ich in ein paar Jahren herzhaft drüber lachen, derzeit bereitet mir diese Situation eher Sorgenfalten.

Mai

Schon wieder keine Gartyparty! Dafür aber Babysteps aufwärts! Die Hunderunden wurden länger und einmal sogar richtig lang, als wir mit dem Großen den kleinen Mainzer Höhenweg liefen. Damit wurden die geplanten Wanderrouten wieder realistisch und wir kauften ein neues, leichteres Zelt.

Der Long Covid-Scheiß kam und ging, vier gute Tage, zwei schlechte, drei gute Tage, ein Woche mies. Es ließ (und lässt) sich kein Muster ablesen, keine „Vorsorge“ treffen, schonen nutzt nichts, „nicht überarbeiten“ auch nicht. Schwäche, Atemnot und manchmal auch völlge Erschöpfung kommen (und gehen) wie sie wollen, immer am Start sind bis heute Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit und beinahe durchgehende Kopfschmerzen.

Im Garten war es wunderbar! Das neue Waldsofa neben der Sauna verführt zum Nichtstun, aber da es überall im Garten grünte und blühte und obendrein nicht nur im Gewächshaus die Ernezeit begann, hatte ich kaum Muse zum Rumliegen. (das ist übrigens ein perfides Problem, wenn der Garten lockt, die Kraft aber gerade mal zum Frühstücksbrot schmieren reicht. Das brachte mich oft zum Heulen.)

Wir trafen Familie und Freunde wieder (draußen) und ja, alles wurde langsam besser.

Juni

Wir wagten es! Über eine Woche mit Rucksack und Zelt in den Wald. Ein paar Tage auf dem Saar-Hunsrücksteig, danach den kompletten Soonwaldsteig. Auf und ab, über Stock und Stein, mit knapp zehn Kilo auf dem Rücken. (ohne den Gatten, der das anderthalbfache Gewicht schleppte, wäre diese Tour nicht möglich gewesen) Es war so toll. Ohne Nachrichten, ohne Bilder, Empörung, Hilflosigkeit und Meinungen, einfach nur wir beide (und Lola) unterwegs. Anstrengend, doch gleichzeitig so wunderbar erholend, dass die geplante lange Tour im Herbst möglich scheint.

Den Rest des Monats verbachte ich im Garten. Mal allein, mal mit Familie oder Freunden. Und ja! Wir fingen einen zweiten Bienenschwarm! Diesmal mit Vollschutz und mehr Geschick, keine Verluste oder Ausfälle! :)

Juli

Das Beste, Tollste und Wichtigste des Monats sehen Sie auf diesem Bild! Wir holten uns eine Impfung ab! Als Genesene hatten wir zunächst keinen Anspruch auf eine Impfung (erst nach sechs Monaten), doch da wir Genesene der Alpha-Variante waren, galt unser Antikörperschutz als nicht ausreichend für die neue Delta-Variante. Neben Schutz vor einer erneuten Erkrankung erhoffte ich mir auch eine Besserung (oder gar Heilung?) des Long Covid Syndroms, denn darüber gab es eine Menge zu lesen. Die Impfung warf mich eine Woche mit Fieber ins Bett, danach war ich fit!

Fit sein war sehr wichtig, denn Kes und Spock zogen bei uns ein. Zwei reizende Katzenkinder aus dem Mainzer Tierheim, die sich ratzfatz in alle Herzen schnurrten. Franz war (und ist) mäßig begeistert vom wilden Katzengewusel, doch zeigte sich tolerant. Lola war sehr verwirrt, als sich ein brummendes Bündel mit spitzen Krallen an sie schmiegte, ließ es aber zu und seitdem sind sie und Spock ein ganz besonderes Paar. Mit den durchgeknallten Katzenkindern zog auch sehr viel Gelächter in die Grüne Villa. Und so verzieh ich heruntergerissene und durchlöcherte Vorhänge und die Tatsache, dass unser sehr neues Sofa nun aussieht, als hätten wir es vom Sperrmüll geholt. Wo es drei Tage im Regen stand.

Ansonsten? Nix. Viele Bienen, vier freche Enten, die den Weg zur Terrasse hoch entdeckten und umgehend wieder in den Garten gescheucht wurden, sehr viele Gurken und Zucchini und so viel gutes Leben, wie nur irgendwie möglich.

August

Noch mehr Gurken und Zucchini, ein 50. Geburtstag und zur sehr großen Freude des Jüngsten fand das Zeltlager statt! Sein Happy Place und für uns zwei Wochen nur wir allein. Ich buk fünf Kilo Cookies für die Zeltlagerkinder und begann mit den Urlaubsvorbereitungen für den September. Das Dörrgerät lief heiß (haha) und ich experimentierte meist äußerst erfolgreich in der Küche herum. Eine Woche lang würden wir uns mit dem, was ich gedörrt und zusammen gerührt hatte, im Wald versorgen können, vorausgesetzt wir haben Wasser.

Zurückblickend habe ich im August förmlich in Menschenmassen gebadet! Eine im Moment sehr merkwürdige Vorstellung. Wir demonstrierten mit vielen Menschen gegen Nazis, wir feierten mit der Familie, wir saßen mit Freunden zusammen. Nicht nur draußen, denn viel Regen sorgte für sehr viele Pfützen in denen sehr, sehr viele Mücken brüteten. Unser Garten begann zu verwildern, denn Gartenarbeit war nur mit vollem Insektenschutz möglich.

Ganz neu im August. Ich war auf einer Feier, die von der Polizei aufgelöst wurde. 50 Jahre alt musste ich dafür werden! Es war übrigens harmlos. Wir saßen bei Freunden auf der Straße. Es waren ein bißchen Whisky, Erzählen und Lachen im Spiel. Die Nachbarn hatten die Polizei wegen Ruhestörung gerufen und als die drei Beamten ausstiegen (bereit zum Löschen von brennenden Mülltonnen und zur Auseinandersetzung mit randalierenden Betrunkenen) und sahen, dass da acht mittelalte Menschen mit Whiskygläsern und sogar ausreichend Abstand saßen und ein gutes Leben lebten, gab es diesen kurzen Moment der Verlegenheit, bevor sie „vielleicht halt noch ein bißchen ruhiger sein“ murmelten, wieder in den Wagen stiegen und uns zum Abschied das Blaulicht aufleuchten ließen. Blöd, dass die sich gestört fühlenden Nachbarn sich nicht direkt an uns wandten, gut, dass wir jetzt eine lustige Geschichte haben.

September

Herbeigesehnt und letztlich doch riesigen Respekt davor gehabt: unsere große Tour. Fast dreihundert Kilometer durch den Schwarzwald. Von Pforzheim nach Basel, dem Westweg folgend. Mit Rucksack und Zelt, ohne Hund (Lola durfte mit der Tochter wandern gehen) Keine richtig festen Etappen, ein ungefährer Plan, wo sich Schutzhütten befinden. Gerüstet für jedes Wetter und auf milden Sonnenschein hoffend.

Es war wundervoll. Wir können sehr gut miteinander wandern. Müssen nicht die ganze Zeit schwätzen (was sehr gut ist, denn meistens hatte ich gar nicht genug Luft zum Reden, wenn es mal wieder bergauf ging :)) und finden es beide schön, einfach nur im Wald oder unterwegs zu sein, Es geht nicht um die längstmögliche Strecke in kürzester Zeit, sondern um „schau mal, hier ist es toll! Sollen wir uns einen Kaffee kochen?“

Wir lernten interessante Menschen kennen, schliefen in Hütten, im Zelt und auch ganz komfortabel in Hotels, schwitzten und froren, stiegen auf Feldberg, Belchen und Blauen und ganz am Ende, in Basel, hatte ich einen dicken Kloß im Hals: geschafft! Trotz allem! Dass wir dann noch nach so langer Zeit die Herzensmenschen aus der Schweiz trafen, war ein Sahnehäubchen. Ein wunderschöner Augenblick war das Frühstück bei Kerzenschein in der dunklen, etwas muffigen Hütte, bei der wir mit Tee und Kaffee auf den Geburtstag der Tochter anstießen. 24! Unfassbar.

Wieder daheim wartete der Alltag. Garten, das Nähzimmer und die Hunderunden. Ausruhen :)

Oktober

„Da gibt es einen Fernwanderweg über die Insel“, erzählten wir den Freunden und dann überlegten wir, ob wir den wohl zusammen laufen könnten. Ich finde es aber schwierig, in größeren Gruppen zu wandern, weil ich ein fürchterliches Harmoniehörnchen bin und mir schreckliche Sorgen machen muss, so bald es Mitwanderinnen nicht gut geht. Meistens denke ich dann, dass ich schuld daran bin, weil der Weg jetzt gerade so steil, anstrengend, steinig, rutschig, langweilig oder einfach nur lang ist. Ist eine doofe Angewohnheit aber tja, willkommen in meinem Hirn. Der Gatte kann das sehr gut aushalten, bzw. prahlt immer mit seiner Kernkompetenz „Ignoranz“, mit anderen zusammen kann das aber halt auch schwierig sein. Lange Rede, sehr viel Theorie und woher sollen wir wissen, dass es nicht klappt, wenn wir es nicht ausprobieren? Und so packten wir einmal Übernachtungskram in unsere Rucksäcke und verbrachten zwei wunderbare, sehr harmonische Tage mit den Freunden auf dem Nahesteig. Ein sehr, sehr toller Wanderweg, übrigens! (Mönsch, ich sollte doch öfter über unsere Wanderungen schreiben, das sprengt hier ja völlig den Rahmen)

Den Rest des Monat verbrachte ich (Überraschung oder halt nicht) im Nähzimmer und auch in der Küche. Eigentlich wollte der Gatte seinen 50. Geburtstag mit den Freunden im Wald verbringen, auf speziellen Wunsch der Freunde auch mit echtem Trekkingessen, doch das Wetter spielte nicht mit. Statt im Wald feierten wir dann halt in verschiedenen Weinbergshütten und das war auch sehr toll.

November

Wie jedes Jahr startete ich auf Instagram meine persönliche #gegendasnovembergrau -Sammlung, der sich viele Menschen anschlossen. Irritierenderweise war der November gar nicht so grau. Ganz im Gegenteil! Da der erste Frost auf sich warten ließ, blieben die Wingerte ziemlich lange bunt, auch der Kirschbaum im Garten leuchtete noch sehr lange gelb.

Zum Trübsinn blasen blieb sowieso keine Zeit. Ich hatte einen ausgeklügelten Plan, wie ich so viele Zutaten wie möglich in eine gigantische Menge von köstlichen Kalorienbömbchen verwandeln würde, um uns durch den strengen, kargen Winter zu bringen. Ganz oben stand der Plan, die Sache mit den Marshmallows zur Perfektion zu bringen. Hat geklappt.

Im Nähzimmer glühten die Maschinen, denn der virtuelle Weihnachtsmarkt rückte näher. Am Ende des Monats verkaufte ich binnen weniger Stunden das gesamte Schnickeldi und soweit ich das weiß, kam alles an. Bis auf das eine Päckchen, das zuerst die deutsche Post nicht transportieren wollte und dann, beim zweiten Versuch, die österreichische Post nicht zustellen wollte. Es kam wieder hier an und das bereits überweisene Geld ging zurück. Also nur dumm gelaufen und ein bißchen Portoverlust.

Der Große lud uns und die gesamte buckelige Verwandschaft zu seinem Geburtstag in seine Wohnung ein und weil wir direkt im Anschluss daran einen Covid-Verdacht hatten (zum Glück mit negativem Testergebnis) war klar, diese Feiern drinnen – die haben jetzt halt wieder ein Ende. Mal sehen, ob Weihnachten dieses Jahr mit allen gefeiert wird, unkten wir.

Dezember

Das wichtigste Fest des Jahres stand an und treue Leserinnen wissen, dass damit nicht Weihnachten gemeint ist! Mein Geburtstag ging ruhiger als ich das wollte vorbei. Regen hatte das Gartenfest ins Wasser gekippt, aber so richtig gut ging es mir sowieso nicht, es war also egal. War ja auch kein runder Geburtstag :)

Ein tolles Geschenk war übrigens der Photo-Fernauslöser für mein Handy, mit dessen Hilfe ich jetzt jede Menge schamlose Selfies machen kann, ohne einen Spiegel mitschleppen zu müssen. Sehr wichtig, dieses Gerät.

Wir versackten abends in schöner Regelmäßigkeit vor dem Fernseher. Unser Sender heißt häufig nur noch youtube, denn dort sahen wir, dass a) der für nächstes Jahr recht fest geplante Olavsweg in Norwegen eher ein Weg ist „für wenn wir mal richtig alt sind“, b) der „Cap Wrath Trail“ der Weg unserer Träume, allerdings nur ohne Hund, ist und es c) ziemlich sicher nächstes Jahr dann der Kungsleden in Schweden sein wird. Mit Hund, Zelt und Rucksack, vier Wochen lang. Außerdem schauten wir mit Begeisterung und sehr besserwisserisch „7 vs. wild“ und haben die Phrase „Bock! Hype! Angriff!“aus dem Trailer als passend für so ziemlich jede Lebenssituation übernommen. Danke, Fabio.

Weihnachten feierten wir zu fünft. Zuerst besinnlich mit Bescherung an Heilig Abend, am ersten Feiertag nach Bescherung an der Oma-Eis-Haustür unsere neue Tradition hochhaltend mit sehr vielen Cocktails, lauter Musik und „dance like nobody is watching“. Ein tolles Fest mit meinen vier liebsten Menschen zusammen.

Dieses verrückte, erschütternde, traurige, bunte, erlebnisreiche und trotz allem sehr schöne Jahr geht heute völlig unspektakulär zu Ende. Der Jüngste sitzt mit seinem Freund und sehr vielen Magic-Karten zusammen, die Tochter trifft ihre Lerngruppe, der Große feiert mit zwei Freunden, wir kochen uns eine Kleinigkeit und gehen vermutlich in die Sauna. Falls es nicht zu warm dafür ist.

Vorsätze habe ich die üblichen (weniger, weniger und mehr, siehe oben), aber Wünsche habe ich für das nächste Jahr! Und sehr viele Pläne, Ideen und die dazu passende Lust, damit anzufangen.

An dieser Stelle ende ich mit der mittlerweile bekannten Aussage, dass ich wirklich gerne mehr bloggen würde, gerade jetzt, wo mir dieser Artikel sehr leicht gefallen ist, ich es aber meistens nicht schaffe. Aus verschiedensten Gründen, die von „zu privat“ über „ich würde es gerne erzählen, kann aber keine Reaktion ertragen“ bis zu „ich will nur noch mit dem Sofa verwachsen und atmen“ reichen. Insofern: schauen Sie gerne bei Instagram nach frau_mutti, denn dafür reicht es meistens.

Und jetzt: bleiben oder werden Sie gesund, lassen Sie sich impfen, vertrauen Sie Wissenschaftlern und vor allem: halten Sie durch!

Ein frohes, neues Jahr, immer die Ihre.

Januar

Es hat hier fast schon Tradition, zu Beginn des neuen Jahres ein bißchen umzuräumen oder wenigstens zu renovieren. In diesem Januar bekam zuerst das Arbeitszimmer des Gatten einen neuen Anstrich, später tobte ich mich (mal wieder) an den Küchenmöbeln aus. Das etwas fehlgegriffene irgendwie-türkisgrün wurde abgeschliffen und durch erdbeerjoghurtrosa Lack ersetzt. Das Ergebnis ist ganz wunderbar hell und fröhlich, für mindestens ein Jahr bin ich wieder sehr mit meiner Küche zufrieden.

Aus China kamen merkwürdige Nachrichten, aber hey! China ist weit weg und ein komisches Virus noch weiter, meine einzige Sorge galt den Schmerzen in meinem Bauch. Die „Geistergalle“ habe ich sie getauft, da diese Schmerzen wie eine mittelschwere Gallenkolik sind. Nach Entfernung der Gallenblase sollte ich davon doch erlöst sein, dachte ich. Oder halt doch nicht. Der Leidensdruck war aber nicht groß genug und zum Arzt kann ich ja irgendwann gehen.

Wir feierten mit den Freunden ein Margarita- und Quesadillafest und weil feiern wirklich Spaß macht, begannen wir mit ernsthaften Vorbereitungen für die Vierteljahrhundert-Gartyparty. Wir erstellten eine Gästeliste, bastelten Einladungskarten, brachten diese auf den Weg und begannen uns sehr, sehr vorzufreuen!

Ansonsten passierte einfach nichts. Es wurde ein bißchen kälter, Schnee gab es trotzdem nicht. Lola wurde fünf Jahre alt und sie ist nach wie vor mein bestes Sportgerät und meine größte Bewegungsmotivation, egal bei welcher Witterung.

Februar

Oma Eis wurde siebzig. SIEBZIG! Unfassbar, denn da sie nur zwanzig Jahre älter als ich ist, bedeutet das ja, dass ich demnächst … ach herrjeh. Ich finde aber, sie hat sich unfassbar gut gehalten, das Alter sieht man ihr keineswegs an und vermutlich hat sie überhaupt keine Zeit, sich irgendwie alt zu fühlen, weil sie mit ihren unzähligen Ehrenamtsposten jede Menge zu tun hat. Sie feierte ihr großes Fest mit Familie und Freunden.

Eine Woche später feierten wir den Geburtstag einer Freundin, kamen in den Genuss eines Whisky-Tastings und begannen über „dieses Virus“ zu diskutieren. Ende des Monats luden wir zum Kreppelessen, ließen den Jüngsten an seinem 21. Geburtstag hochleben und dann war uns klar, dass es das jetzt war. Wir amüsierten uns leise über Klopier- und Nudel-Hamsterkauf-Meldungen, doch tatsächlich stockten wir unsere Vorratshaltung nach und nach ebenfalls auf, für alle Fälle halt.

Der Garten erwachte ganz leise wieder zum Leben, die ersten Bienen flogen und wir tranken wieder Kaffee hinten am Gartenhüttchen. An den letzten Tagen des Monats lag tatsächlich nochmal Schnee, aber den nahm niemand mehr ernst.

März

Irgendwas mit Zitronen und Limonade.

Corona ist da und das ganze Leben ist surreal. Während ich mich während der Hunderunde über die ersten wärmenden Frühlingssonnenstrahlen freute, versuchte ich mir vorzustellen, was „Pandemie“ bedeutet. Eine völlig abstrakte Vorstellung, irgendwas, was in Filmen passiert. Nicht mehr ganz so weit weg.

Unsere Vorratsregale und Schubladen waren gut aufgefüllt, der Tiefkühlschrank ebenso. Sogar Toilettenpapier für künftige Händel auf dem Schwarzmarkt war vorhanden. Wir klärten mit den Großeltern, wie sich die Einkäufe künftig gestalten und mit den Hunderundefreundinnen gemeinsam entwicketle ich Hunderundenotfallpläne, wie sich Krankenvetretung gestalten ließe. Der Gatte zog Mitte des Monats komplett ins Home Office, die Tochter durfte nicht mehr ins Studentenwohnheim und zog ins Nähzimmer zum Online-Studium, der Jüngste bekam einen Passierschein, auf dem „systemrelevant“ stand,, der Große übernahm das Auto, damit er nicht den Nahverkehr nutzen musste und ich räumte das Gäste/Sportzimmer um. Ein Behelfsnähzimmer entstand, denn ich begann sehr viele dieser belächelten Masken zu nähen.

Die Menschen im Internet und im echten Leben rutschten alle in den „wir halten zusammen und stehen das durch“-Modus. Wir warfen Schokolade in Briefkästen und freuten uns über zwei Flaschen Bier, die uns vor die Haustür gestellt wurden und die wir dann mit den Freunden über threema gemeinsam tranken. Kinder klebten für andere Kinder Regenbögen an die Fenster und wir unterstützten freudig unsere Lieblingslokale, indem wir regelmäßig deren Lieferservice nutzten. Diese Corona-Sache nahm ich ernst, aber irgendwie schien sie wie ein großes Abenteuer. Wir hatten es ja auch wirklich leicht, weil es weder beruflich noch gesundheitlich Einschränkungen gab und die Kindelein eben keine kleinen Kindelein mehr sind. Gleichzeitig musste ich mich sehr zusammenreißen, nicht in eine Panik zu kippen oder nur noch zu heulen. Äußerst ambivalent, meine Gefühlslage, doch ich weiß, dass ich damit nicht allein war. Das tröstet.

Einmal traffen wir uns noch zum Essen bei den Freunden drinnen, beschlossen dann aber gemeinsam, dass das vorerst das letzte Mal gewesen sein musste. Der Geburtstag vom Opa fand auf unserer Terrasse statt. Apropos Terrasse: „die ewige Baustelle muss schwinden und deshalb heuern wir einen Experten an!“ wurde endlich beschlossen und angeleiert.

April

Corona hatte uns im Griff. Sogar in Nierstein war es angekommen und so langsam kannte jeder einen, „der es hat(te)“. Nach wie vor trafen wir uns nicht mehr „in echt“, von kurzen Gesprächen über den Gartenzaun mal abgesehen. Isoliert fühlte ich mich nicht, denn ich hatte nach wie vor bei jeder Hunderunde Begleitung, austauschen war also möglich. Ansonsten fühlten wir uns sehr, sehr privilegiert, wenn wir mit dem Nachmittagskaffee hinten bei den Bienen saßen oder uns im Garten austobten. Wir mussten uns nach wie vor keine Sorgen um Arbeitsplätze oder Betreuung/Beschulung von jüngeren Kindern machen, im Freundeskreis fanden sich keine Schwurbler und wenn ich ein klitzekleines Bißchen verzweifeln mochte, machte ich mir das bewusst und schon ging es wieder (weiter).

Weil die Maskenproduktion mittlerweile als Ehrenamt nicht mehr zu stemmen war, meldete ich brav ein Gewerbe an und damit änderte sich unsere gesamte Lebensstruktur daheim, weil ich plötzlich auch acht und mehr Stunden am Tag arbeitete und dieser Haushalts- und Essenzubereitungskram verteilt und neu organisiert werden musste. Das klappte nach anfänglichen Schwierigkeiten gut und ich kam mit der Maskennäherei kaum hinterher. Obendrein fühlte ich mich ein bißchen wie eine Kriegsgewinnlerin, als ich beschloss, mit dem Erlös der Maskennäherei ein Gewächshaus zu kaufen.

Der traditionelle große Osterbrunch fiel natürlich aus und das war nicht richtig schlimm. Aber komisch war es schon, dass der Große eben nicht mit am Tisch saß, sondern sich nur kurz über threema meldete.

Ganz großartig fanden (und finden) wir den Cocktail-Lieferservice von Adam´s Bar in Oppenheim, der uns mit den Freunden zusammen einen sehr lustigen Abend schenkte!

Mai

Der Mai begann mit einer Absage. Die Vierteljahrhundert-Gartyparty konnte natürlich nicht stattfinden. Bevor ich deswegen richtig traurig werden konnte, prosteten wir uns zur Silberhochzeit zu und ich bekam ein wunderbares Geschenk! Eines, das für uns beide Arbeit bedeutete. Für den Gatten, weil er aufbauen muss, für mich, weil ich es befüllen, pflegen und beernten muss: ein großes Gewächshaus! Der Erlös des Maskenverkaufs floß natürlich mit hinein, aber für den Rest hätte es doch noch sehr viel mehr Masken gebraucht. Ich war also getröstet und glücklich, alle Kummertränchen waren getrocknet. Jedenfalls bis ein großes Paket eintrudelte, in dem sich ein gigantischer Pfingstrosenstrauß befand. Ein Ersatz-Gartyparty-Gruß aus der Schweiz, der mich sehr laut schniefen ließ. Am Gartypartytag dachten sehr viele der wieder ausgeladenen Gäste an uns, manche reisten sogar kurz über den Rhein an, klingelten und überreichten selbstgebrauten Alkohol. Nächstes Jahr klappt es vermutlich immer noch nicht, aber übernächstes Jahr! Dann feiern wir eine krachende Gartyparty!

Da unser Auto (bzw. Opas Auto, wir haben ja gar keines) noch immer in Mainz beim Großen stand, waren wir sehr viel mit den Rädern unterwegs. Selbst Großeinkäufe sind mit Satteltaschen und Anhänger gut zu stemmen, in nächster Zeit werden wir kein Auto mehr brauchen.

Ich war nach wie vor mit Maskennäherei beschäftigt, parallel ging es im Garten richtig los. Unsere Bienenvölker mussten versorgt werden, Oma Eis versorgte mich mit sehr vielen Erdbeeren, so dass ich sehr viel Konfitüre kochen konnte. Der Hamster in mir war darüber sehr glücklich.

Das Wetter im Mai ließ soziale Kontakte wieder zu. Wir radelten mit Freunden in Nachbargemeinden zum Pizza essen oder Cocktails trinken, besuchten einander in Hof und Garten und der Gatte genoss weiterhin die Vorzüge des Home Office: nach Feierabend ist ohne den langen Heimweg noch viel vom Tag übrig.

Juni

Das Bild täuscht, denn Masken gehörten noch nicht zum Alltag. Es gab sehr viele Diskussionen über Sinn und Nutzen, aber letztlich gehörten sie dann dazu. Diese Maske hier trug ich aber, weil ich bei den Bienen eine Oxalsäurebehandlung gegen die Varroamilbe machte.

Die AHA-Regel bestimmte unseren Alltag. Wie bitter sie ist, zeigte sich, als die Freundin zum Trost nicht in den Arm genommen werden konnte. Und wie furchtbar, als wir auf dem Friedhof standen und einer trauernden Familie nur zunicken konnten.

Großartig in diesem Juni war, dass unsere Terrasse fertig wurde. Wir hatten endlich unser zusätzliches Wohn-, Ess- und Schlafzimmer wieder! Und weil große Feiern nicht möglich waren, mussten wir eben viele kleine Einweihungsfeiern machen.

Ebenfalls toll war unsere erste Honigernte! Das große Bienenvolk war fleißig, wir konnten 12 Kilo Honig ernten und selbstverständlich war (und ist) es der beste Honig, den wir je kosteten.

Im Garten gab es jede Menge Beeren zu ernten, ich war ausreichend mit dem Pflücken, Entsaften und zu Gelee Verkochen von Johannis – und Stachelbeeren beschäftigt.

Juli

Der Gatte reiste mit den beiden jüngeren Kindern in die Berge. Sie hatten einen alpinen Basiskurs belegt und nachdem zugesagt worden war, dass alle AHA-Regeln gut eingehalten werden können, fand dieser auch statt. Ich blieb also mit Hund, Kater, Enten und Bienen eine Woche allein. Alleinsein gehörte zu den am Schmerzlichsten vermissten Dingen in diesem Jahr, denn immerimmerIMMER war irgendjemand im Haus. Jetzt also war ich allein, aber ganz so toll war das auch nicht, denn einerseits war ich eben leise in Sorge, ob der Familie in den Bergen womöglich etwas passierte. Andererseits verlangten Hitze und Trockenheit sehr viel Gießeinsatz im Garten. Dies zusammen mit den Hunderunden war dann doch etwas anstrengend. Zudem galt es weiterhin Ernteerträge zu verarbeiten und obendrein hatte ich mir in den Kopf gesetzt, den gelben Badezimmerboden dunkelgrau zu streichen.

Pünktlich zur Brombeerernte kam die Familie wohlbehalten wieder zurück. Der Gatte war erholt genug, um eine tolle Polsterboxen-unterbring-und-gemütlich-drauf-liegen-Bank für die Terrasse zu bauen und das Fundament für das Gewächshaus zu beginnen. Wir feierten weitere kleine Terrasseneinweihungen und am Monatsende stach ich mir ein winziges Holunderästchen durch den Arm.

August

Die unscheinbare Holunderastwunde war plötzlich nicht mehr klein und lächerlich, sie hatte meinen Unterarm anschwellen und heiß werden lassen. Dottore war angemessen beeindruckt und verabreichte ein Antibiotikum. Dies zeigte keine Wirkung, weswegen er mich ins Krankenhaus weiterleitete. Dort schnitt man mir den Arm auf, entfernte Rinde und Eiter und schickte mich zur Genesung ins heimische Bett.

Das heimische Bett befand sich nachts übrigens auf unserer Terrasse, weil es im Haus einfach viel zu warm war. Außerdem gab es draußen viel mehr Sternschnuppen zu sehen.

Ich schonte also wie verrückt meinen Arm und als er endlich wieder einsatzfähig war, startete ich die Näherei für den virtuellen Weihnachtsmarkt. Der Gatte und der Jüngste „verreisten“ erneut. Sie packten ihre Tourenrucksäcke und verschwanden für drei Nächte im Wald. Den Hund nahmen sie mit, so dass ich GANZ ALLEIN, OHNE VERPFLICHTUNGEN daheim war. Ein echtes Geschenk!

Die Apfelernte begann und weil beide Bäume sehr viele Äpfel trugen, beschloss ich in einen guten Dörrautomaten zu investieren. Das habe ich nicht bereut, denn außer Äpfel dörrte ich Birnen, Tomaten, Zucchini, Paprika, Peperoni, Pilze, Lauch, Sellerie, Karotten und alles, was bei drei nicht aus der Küche war. Ein geiles Gerät!

Wir verabschiedeten mal wieder die Tochter. Diesmal reiste sie für ein Semester nach Finnland. Mit gemischten Gefühlen, denn nach ihrer Ankunft erwartete sie erstmal die Quarantäne und wie sich das Studieren gestalten sollte, war eben auch zunächst unklar.

September

Da der Jüngste und der Gatte so erholt und glücklich aus dem Wald zurückgekommen waren, wurde ich sehr neidisch und wollte auch!

Das war der Beginn unsere neuen, eigentlich wiedererweckten, Leidenschaft: Trekkingtouren. Mein gedörrtes Gemüse verwandelte ich in wasserlösliche Trekkingmahlzeiten, außerdem probierten wir uns durch verschiedene Fertiggerichte. Ausrüstung wie Zelt, Schlafsack, Rucksack und Kocher hatten wir sowieso, passende Wanderklamotten besitze ich wegen der Hunderunden auch in großen Mengen. Wir mussten also alles nur einpacken, Trekkingplätze im Wald buchen und mit dem Zug losfahren. Den Rucksack schultern und loswandern.

Eine Woche waren wir unterwegs, trafen sehr wenig Menschen, gingen uns nicht auf die Nerven und schmiedeten Pläne für die wirklich große Tour. Es war einfach wundervoll! Weil ich mir aber die Schlüsselbeine unter dem Rucksackgurt blau rieb war klar, dass mit meiner Ausrüstung etwas geschehen muss.

Wir waren rechtzeitig wieder daheim, um die vielen Pakete, in denen unser Gewächshaus verpackt war, entgegenzunehmen. Außerdem startete die Zwiebelkuchensaison. Die Lese hatte begonnen, es gab Federweißer zu trinken und weil das Wetter es weiterhin zuließ, feierten wir einige kleine Federkuchenfeste statt eines großen Festes.

Den Rest des Monats dörrte ich sehr viel Gemüse und nähte für den virtuellen Weihnachtsmarkt. Wir sahen unzählige youtube-Videos über diverse Ausrüstungsgegenstände und kauften schließlich einen neuen Kocher. Der Tochter schickten wir ein Geburtstagspäckchen nach Finnland, den Großen trafen wir zum Essen auf der Terrasse. Corona war da, aber nicht mehr im Vordergrund. Wir umarmten unsere Freunde nicht mehr, konnten sie aber treffen und mit ihnen schwätzen, das war irgendwie fast genug oder einfach besser als nichts. Die Infektionsrate begann langsam zu steigen und langsam graute mir ein bißchen vor dem kommenden Winter.

Oktober

Was über den Sommer leicht zu ignorieren war, war jetzt nicht mehr zu überlesen, übersehen, überhören. Die Neuinfektionen stiegen und stiegen. Von der Mut-mach-Welle des Frühlings war kaum noch etwas zu spüren. Der Ton im Internet zog an, Querdenker und Schwurbler schrieen so laut, dass die besonnenen, mahnenden Stimmen derer, die Ahnung haben, übertönt wurden. Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern sorgten für Verwirrung und Unzufriedenheit, es gab regelrechte Betroffenheitswettbewerbe, wen welche Regelungen denn nun noch härter treffen und „wie kannst du dich sorgen, dein Mann hat Arbeit und deine Kinder sind groß!“ musste ich mehr als einmal lesen. Das Internet war nicht mehr mein Wohlfühlort, ich merkte, dass ich mich sehr vorsichtig ausdrücke.

Im echten Leben trafen wir uns zu Hunderunden mit Familie und Freunden. Oma Eis und ich frühstückten weiterhin tapfer auf der Terrasse, den Geburtstag des Gatten feierten wir mit Picknick in einer Wingertshütte. Im Nachhinein war uns klar, dass wir dort viel zu eng beisammen saßen. Nochmal Glück gehabt, aber dann auch die letzte Veranstaltung dieser Art.

Ich verbrachte Zeit im Garten und sehr viel mehr Zeit im Nähzimmer und tatsächlich flohen wir noch mal für zwei Nächte aus dem Alltag.

November

Der Herbstwald war wunderschön. Am Morgen voller Nebel und kühl, überall die verschiedensten Pilze und in der letzten Nacht urgemütlich bei prasselndem Regen im Zelt. Schade, dass wir zurück mussten.

Daheim warteten Wingerte in Herbstfärbung, diesmal hielt der Zauber fast zwei Wochen!

Viel zu früh räumte ich zuerst die Weihnachtssüßigkeiten und kurz darauf das Weihnachtsschnickeldi in die Schaufenster des Weltladens. Genau richtig, wie sich zeigte, denn binnen kürzester Zeit war der größte Teil der Waren ausverkauft.

Den Geburtstag des Großen feierten wir auf der Terrasse und kurz darauf startete ich den virtuellen Weihnachtsmarkt. Beides ein großer Erfolg!

Von Weihnachtsstimmung war ich so weit entfernt. Oder schon wieder entfernt. Im Weltladen hatte ich drei Bäume geschmückt, das reichte irgendwie für dieses verrückte Jahr, den Adventskranz bekam ich nur deshalb fertig, weil ich im Frühling schon Kerzen gekauft hatte (und noch wusste, wo ich sie hingeräumt hatte) Ganz komisch, denn ich liebe dieses ganze Weihnachtsschnickeldi und freue mich jedes Jahr arg auf den Advent, wenn ich es wieder aus den Kisten kramen kann.

Wir kauften uns unsere Weihnachtsgeschenke und weihten sie direkt ein: neue Schlafsäcke. Unser Zelt schlugen wir im Wingert auf, während einer der ersten Frostnächte. Wir wollen jeden Monat mindestens eine Nacht draußen schlafen, hatten wir uns vorgenommen und wie sich zeigte, muss diese Spät-Novembernacht für den Dezember gelten, denn im Dezember haben wir es nicht geschafft.

Zum Monatsende kam dann eine Nachricht, die mir die Knie sehr weich werden ließ und ich bin, nicht so wie der Gatte, noch nicht gänzlich entspannt.

Dezember

Tja. Dezember. MEIN Monat. Mein Binzessinnentag! Und in diesem Jahr hätte es das ganz große Fest werden sollen, immerhin war es ja der 50.

Aber dann eben nicht. Doch noch bevor ich darüber traurig werden konnte, gab es viele Geschenke und von morgens bis abends Besucher an der Haustür und auf der Terrasse. Mir wurde gesungen, ich bekam Wunderkerzen angezündet, Kuchen gebacken, Blumen geschenkt und statt einmal mit zehn Menschen, prostete ich zehnmal mit einem Menschen. Ein rundum gelungener Geburtstag! Am Wochenende darauf feierten wir dann in Etappen auf der Terrasse und später am Lagerfeuer und ja, es war eine ganz andere Feier als geplant, aber womöglich war sie sogar viel schöner! Das ist übrigens die Lehre, die ich aus diesem Jahr gezogen habe: anders ist nicht automatisch schlechter. Das sollte mir klar sein, aber es brauchte wohl ein solches Jahr, um mir die Augen zu öffnen.

Pünktlich zu Weihnachten wurde das Gewächshaus fertig und jetzt steht ja unserem Selbstversorgerleben eigentlich nichts mehr im Weg. Fast.

Die Tochter reiste aus Finnland an, mit Geschenken und sehr vielen Bildern, Filmen und Geschichten. Wir wollen jetzt auch alle nach Finnland! Der Große samt Freundin reisten zum zweiten Weihnachtsfeiertag an und blieben über Nacht. Offiziell erlaubt, aber eigentlich gegen unsere persönlichen Regeln. Es tat so gut, die ganze Brut auf einem Haufen zu sehen! Wir aßen fein, wir tranken noch besser und tanzten bis um zwei Uhr morgens. Das muss jetzt wieder eine ganze Zeit reichen.

Die Tochter ist heute wieder nach Bayern abgereist, wir werden uns erst im Frühling wiedersehen, wenn sie wieder zum Studieren nach Mannheim zieht. Der Jüngste trifft seinen Freund und der Gatte und ich feiern eine rauschende Silvesterparty. Vermutlich schauen wir youtube-Videos zum Thema „Isomatten“, essen eine leckere Kleinigkeit und trinken gegen Mitternacht Sekt auf den Impfstoff.

So zusammengefasst liest sich unser Jahr wie eine einzige Feier! :) Tatsächlich haben wir aber auch jedes Treffen mit der Familie oder den Freunden, jede gemeinsame Unternehmung zelebriert. Und weil es so wenige waren, bleiben sie eben als etwas ganz Besonderes in Erinnerung.

Rutschen Sie gut rein, bleiben oder werden Sie gesund und glauben Sie mir, ich würde gerne versprechen, regelmäßig zu bloggen. Doch ich bin überraschend oft sehr dünnhäutig und dann reicht es einfach nur für nette Instagrambildchen.

Dennoch. Immer die Ihre.

dahinplätschern

26. September 2020

Nichts passiert. Es ist fast zwanzig Grad kälter als letzte Woche und ich vermisse einen gemäßigteren Temperaturabfall. (zwei Wochen bei etwa 20 Grad wären super, dann wäre der Garten „winterfest“ gemacht) Immerhin regnet es. Es muss übrigens den ganzen Winter durchregnen, damit sich die Reben in manchen Weinlagen hier wieder erholen können, es gibt dieses Jahr bereits etliche Dürreausfälle. Außerdem wird es für den Riesling langsam auch zu warm und zu trocken, ich bin sehr gespannt, wie das dann am Roten Hang weitergeht, dort wächst fast nur Riesling. (meinetwegen könnte viel mehr Silvaner und Dornfelder angebaut werden, von beiden liebe ich die Trauben sehr, aber nur letzteren trinke ich auch gerne.)

Also: Regen bitte. Auch für meinen Garten, damit sich dort alles erholen kann. Der Kirschbaum hat die Dürre übrigens überstanden, ich bin auf die Wasserrechnung gespannt. Ich hoffe übrigens, dass Sie auch jetzt im beginnenden Herbst an Vogel- und Insektentränken denken, bitte auch auf dem Boden stehend. Die Igel beispielsweise sind darüber erfreut. (unsere kleine Igelfamilie im Garten wird obendrein mit Katzenfutter und Rührei (ungesalzen) versorgt, weil die Trockenheit zu Hunger führt)

Gestern sollte eigentlich ein kleiner Schrankumbau zu neuer Ordnung im Plastikdosenschrank führen, doch unglücklicherweise gab es ein kleinen Innenmaß-Außenmaß-Messproblem, so dass die handwerklich perfekt angefertigten Schubfächer einen Tick zu schmal sind. Jetzt müssen ein paar Schreinertricks her und die ordentliche Übersicht über Töpfchen, Dosen und Dippscher kommt erst am Mittwoch. Ein bißchen Hohn und Spott muss der Schreinermeister bis dahin noch aushalten, immerhin heute abend versüßt mit Zwiebelkuchen und Federweiser.

Folgekosten!

24. September 2020

Womöglich erwähnte ich es nebenbei: das neue (alte) irgendwie auch spinnerte Hobby zieht Folgekosten nach sich. Heute traf das erste Päckchen ein. Darin Gaskartuschen, ein klitzekleiner Kochaufsatz zum Dranschrauben und eine Tasse aus Titan, die quasi nichts wiegt. Vermutlich ist die Bestellung bei der polnischen Firma unterwegs, es kam jedenfalls eine Mail in Landessprache, die sich ungefähr so interpretieren ließ. (wir haben einen Schlafsack nähen lassen. Zu dem erzähle ich dann mehr, wenn er tatsächlich angekommen ist.)

Den Kocher haben wir direkt eingeweiht, stilsicher bei Regen im Garten. Ich versuche gerade ein paar Rezepte für die nächsten Touren zusammenzustellen, der erste Versuch war bereits sehr erfolgreich und lecker.

Meine Instagramwerbung spülte mir heute erfreulicherweise passendes in die timeline! Seit der großen Krampfadern-OP habe ich nach langen Touren dicke Füße und Knöchel und ich erwog bereits den Kauf von Kompressionskniestrümpfen. Heute kam Werbung für eben solche Strümpfe in wilden Mustern und tollen Farben und tja: Folgekosten. Ich werde mir ein Paar bestellen.

Nachdem der Gatte letztlich doch Recht damit hatte, dass Wanderstöcke das Gehen mit Gepäck erleichtern, brauche ich nun dringend eigene Stöcke, der Gatte braucht neue Wanderschuhe und falls der neue Schlafsack toll ist, brauchen wir einen zweiten. Unfassbar, wie teuer es wird, wenn man günstig Urlaub machen will.

(und falls diese Corona-Sache irgendwie auf wundersame Weise in Ordnung kommt, laufen wir nächstes Jahr den Olafsweg in Norwegen)