Unser Bed&Breakfast für die Nacht war ein Raum in einer ausgebauten Scheune mit einem Dachfenster. Das erste Geräusch beim Erwachen heute morgen war das Trommeln der Regentropfen auf eben diesem. Nun gut. Wir haben den ganzen Urlaub, jeden Wandertag, frei nach Karl Valentin gelebt: „Ich freue mich, wenn es regnet! Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Heute gab es sehr viel Grund zur Freude!


So lange war unser Weg und am „Schnitt in Bewegung“ lässt sich erahnen, dass wir rasch (und freudig) ausschritten, weil … es war nass. Sehr nass. (zur zweistündigen Pause komme ich noch)

Es war nass, als wir die Straße hochliefen,


es war nass, als wir auf den Feldweg einbogen,


es war nass, als wir auf den Grasweg wechselten.


(obendrein verschwand jedes bißchen Gegend)

Den Schafen war es auch zu nass!


und mir irgendwann auch. 


Aber alles Jammern hilft ja nichts, kurz vor sechs sollte unser Bus Richtung Dublin zurückfahren. Der letzte Bus vor morgen früh und den sollten wir schon erwischen. Also weiter.

Der Regen wurde sanfter und obwohl die Sonne es heute nicht aus den Wolken schaffte, gab es genug Gegend zu bewundern.


Als wir in Clonegal ankamen, war ich bis auf die Haut nass. Der Regenponcho hatte bei Regen mit heftigem Wind doch kapituliert, ich fror jämmerlich, musste sehr dringend zur Toilette und das einzige Pub am Ort hatte noch geschlossen. Gefrustet saßen wir auf der Bank vor dem Pub, als ein älterer Mann mit dem Auto anhielt. Ob er uns mitnehmen solle? Das sei kein Problem! Doch wir suchten ja nicht nach einer Mitfahrgelegenheit, sondern nach einem Klo. (wer einmal bei Regen und Sturm in freier Wildbahn gepinkelt hat weiß, wie unerfreulich das ist!) 

Unser Bus sollte in Kildavin losfahren, einem Ort, der noch kleiner als Clonegal ist, wo wir uns gerade befanden. Auch dort sei weder Pub noch Café zu erwarten, teilte uns der Mann mit und so schickten wir ihn dennoch dankbar für sein großzügiges Angebot weiter.

Gerade als ich ein klitzekleines bißchen schlechte Laune bekommen wollte, entdeckten wir ein Schild „cottage & garden open“. Nach „garden“stand mir nicht der Sinn, aber „cottage“ klang immerhin nach Dach. 

Wir traten ein und standen in einem winzigen Raum voll alter Krüge und Becher, altem Mobiliar, einem alten Kamin … eine Art Museum offenbar. Aber trocken und warm! Ich war fest entschlossen, mir eine Stunde lang altes Geschirr anzuschauen, bevor wir uns auf den Weg zum Bus machen mussten. Noch während ich diesen Beschluss fasste, betrat John den Raum, hieß und willkommen und Platz nehmen, bot uns Kaffee und unbegrenzten Aufenthalt und begann zu erzählen. Wie erfuhren, dass wir uns in restaurierten Weberstuben befanden, die er interessierten Wanderern gerne gegen eine Spende zeigt. Außerdem gab es jede Menge Geschichtliches, eine wirklich wahre Gespenstergeschichte und als der Regen endlich nachließ, zeigte er uns voller Stolz seinen Garten, in dem ich mit ihm über Minzsorten und die optimale Verwendung von Frauenmantel und Löwenzahn diskutieren konnte. Die Zeit raste und wir hätten noch so viel erzählen können! Doch der Bus musste erwischt werden, wir waren schon länger geblieben, als ursprünglich geplant und so spendeten wir großzügig und verabschiedeten uns mit sehr viel dankenden Worten von unserem Retter. Vorher überreichte er uns noch wichtige Dokumente


und schickte uns für ein Abschlussbild an den Ziel/Startpunkt des Wicklow Ways.


Und jetzt hieß es zügig laufen! Vier Kilometer in anderthalb Stunden. Das reicht eigentlich gut, doch wir mussten die Bushaltestelle suchen und ein bißchen bergauf/bergab ging es auch. Aber: wir fanden die Bushaltestelle und fuhren äußerst komfortabel mit dem Bus nach Dublin in das Hotel zurück, in dem eine Dusche und ein Koffer voll sauberer Klamotten auf uns wartete. 

Und während ich duschte, erjagte der beste Vater meiner Kinder beim türkischen Italiener einen köstlichen Burger, Pommes und zwei Dosen Bier für uns. Abendessen im Bett, schnell noch bloggen und schlafen. Schlafen, schlafen!

Morgen erneut: Dublin erkunden!

*****

Nachtrag:

GESCHAFFT! 130 Kilometer plus etlicher Bonuskilometer (Wege zu B&Bs, Umwege, Verirrungen, Wege zu Restaurants) in acht Tagen. (ein Pausentag in Glendalough) Wir sind sehr stolz und glücklich!

Um es kurz zu machen: anderthalb Stunden bergauf, eine halbe Stunde oben geradeaus und anderthalb Stunden wieder bergab. Insgesamt 15 Kilometer, ohne Regen.
Der Upper Lake in Glendalough. Jimmy, unser Kutscher von gestern, hatte uns erklärt, dass der See zwar zum Schwimmen verlockt, die Untiefen darin aber „lousy cold“ seien. Davon zeugen auch die Rettungsringe, die überall griffbereit liegen.


Vom Upper Lake aus ging es dann stetig bergauf zum Paulanass Waterfall.
Vermutlich verdanken wir es dem Regen der letzten Tage, dass hier auch wirklich ein hübscher Wasserfall zu sehen ist.


Immer weiter bergauf, in Serpentinen auf Schotterwegen. Am ersten Tag habe ich darüber herzhaft geflucht, heute wanderten wir zügig und fröhlich miteinander schwätzend immer weiter, die Steigung beinahe vergessend. (ich hab nur ein bißchen gekeucht, aber die Kondition wird täglich besser!)


Oben steckten wir dann wieder in den Wolken. Das bedeutet: keine Aussicht und winzige Wassertropfen, heute ziemlich kalt.
Erneut führte uns der Weg auf Holzplanken (evtl. alte Eisenbahnschwellen?) entlang. Das ist wirklich sehr entspannend, weil man sich den nächsten Schritt nicht suchen muss, sondern stur dem Weg folgen kann.


Es folgte der Abstieg, zunächst über große Steine.
Der beste Vater versucht schon seit Tagen, mich von diesen Wanderstöcken zu überzeugen. Beim Klettern über große Steinstufen erweisen sie sich wirklich als knieunterstützend, doch ansonsten verwirren sie mich beim Laufen sehr. Mal sehen, ob ich noch mit ihnen warm werde oder sie umsonst mitgeschleppt habe.


Ein weiterer Wasserfall winkte aus der Ferne …
… und fast waren wir am Ziel. Vorher aber mussten wir eine der Hütten am Wicklow Way, die „Mullacor Hut“ zum Rasten nutzen. Zwei Wanderer gesellten sich zu uns und wenn man da so in einer Hütte in den Wolken sitzt, schwätzt man halt ein bißchen. Aus Kanada seien sie und natürlich kennen sie den River Rhine und Fränkfört. Diese Begegnungen und Schwätzchen auf dem Wicklow Way finde ich sehr reizend und ich bekomme eine ungefähre Ahnung davon, was Afrikaanne auf dem Jakobsweg erlebt hat.

Quasi um die Ecke erwartete uns unser B&B für die Nacht, samt heißer Dusche, einem Kulturbeutelverlust (wiedergefunden) und einem Bett, das so wackelig ist, dass wir uns heute nacht nicht schwungvoll umdrehen sollten.

Wie oben erwähnt: gerade gibt es das dritte local brewed Wicklow red ale zur Feier des „half way“ und ich bitte Rechtschrwib- und Tipfwhlwr zu entschuldigen. Morgen dann eine lange Tour.

Irland Tag 2 – Dublin

11. Juni 2016

Daheim weckt mich liebliches Vogelgezwitscher, hier sind es liebestoll gurrende Tauben und kreischende Möwen, außerdem der Geruch von Bacon, der aus der Hotelküche nach oben steigt. Leider war es erst sechs Uhr, Frühstück am Samstag erst ab halb neun und der beste Vater meiner Kinder schlief auch noch. Ich las mich also quer durchs Internet und iiiiirgendwann viiiiieeeeel später gab es endlich Frühstück, Irish oder Continental oder beides durcheinander. Bacon, Kartoffelrösties, warme Tomaten, Rührei und Baked Beans gehen prima zum Frühstück, könnte ich mich glatt dran gewöhnen. Der Black Pudding allerdings war für meinen deutschen Gaumen nix, Nelken gehören nicht in Blutwurst. 

Gestärkt zogen wir zur ersten Mission los: einen Regenponcho kaufen. Sehr optimistisch haben wir keinen mitgenommen, doch es sieht nicht so aus, als würde sich das Wetter wesentlich verbessern. In einem der unzähligen Outdoor-Ausrüsterläden Dublins wurden wir fündig und ich wandere ab morgen grün mit weißen Tupfen durch die Gegend. 


Das Wetter schwankte heute zwischen starkem und leichten Regen, dazwischen beinahe Sonnenschein. Egal, es gab Luftballons und Seifenblasen und als der Regen wirklich heftig wurde, gingen wir ins Museum.


Im National Museum of Ireland, Archaeology gibt es irische Geschichte von sehr früh bis beinahe heute, einige sehr beeindruckende Goldschätze der Kelten und Interessantes über Brian Boru, der laut der Legende die Wikinger besiegte, aber in Wirklichkeit war es ganz anders.


Auch das interessanteste Museum erschöpft irgendwann die Aufnahmefähigkeit und so beschlossen wir, dass es allerhöchste Zeit für Kaffee und Kuchen sei. Und es regnete beinahe auch nicht.


Dublin ist derzeit eine einzige große Baustelle, als Fußgänger wird man durch spannende Labyrinthe auf die andere Straßenseite geleitet. Überhaupt ist das Leben als Fußgänger ein ganz anderes als daheim! Ampeln zum Beispiel dienen mehr so als Richtlinie. Wenn die Straße frei ist, und das erfährt man nur, wenn man in die richtige Richtung schaut, weil: Linksverkehr!, dann geht man halt rüber. Die Grünphase für Fußgänger ist sowieso nur etwas für sportliche Sprints, somit ist das irgendwie konsequent. Mittlerweile habe ich fast kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich die rote Ampel ignoriere. Aber wenn Kinder in der Nähe sind, muss ich stehenbleiben. Gut konditioniert.

Der sanfte „gar nicht so schlimm“-Regen verwandelte sich in einen „oh, auf der Straße steht Wasser“-Regen, doch wir fanden ein Café.


Es gab Milchkaffee und köstlichen Kuchen und als wir das Café gestärkt verließen, waren meine Schuhe fast schon wieder trocken.

Frau Miest hatte mir per Twitter Marsh’s Library empfohlen und da wir sowieso gerade in der Nähe waren, schauten wir rein.


Eine Bibliothek aus dem frühen 18. Jahrhundert. Wundervolle, uralte Bücher vom Boden bis zur Decke. Gehen Sie hin, der Eintritt kostet nur 3,-€ und dient dem Erhalt und der Restaurierung dieses Schatzes.

Fotografieren darf man nicht, Sie müssen mir jetzt einfach glauben, dass diese beiden Bibliotheksräume unfassbar beeindruckend sind. (und dass ich sososo gerne in einem dieser in schweres Leder gebundenen Bücher geblättert hätte!)


Beim Verlassen der Bibliothek regnete es. Unoriginell und vermutlich wird es langsam langweilig, aber tja.

Wir zogen noch ein bißchen ziellos von links nach rechts und schließlich zurück ins Hotelzimmer. Mit einem Burger und Chips with Salt and Vinegar für mich. Der beste Vater meiner Kinder behauptete, nach dem Kuchen nicht hungrig zu sein, was ihn nicht hinderte, die Hälfte meiner Pommes zu verspeisen. 

Den Rest des Abends werden wir mit dem Packen unserer Wanderrucksäcke füllen. Unser restliches Gepäck bleibt bis Montag übernächster Woche im Hotel. Ich bin ziemlich wanderfiebrig und will jetzt endlich los. In der Stadt und in Museen rumlaufen ist ganz nett, aber schrecklich erschöpfend. Wandern macht einfach nur müde.

Morgen früh gegen neun steigen wir in den Bus Nummer 16 der uns zum Startpunkt des Wicklow Ways fährt. Hurra!

12 von 12 im April

12. April 2016

Zwölf Bilder am Zwölften jeden Monats.

Es ist schon faszinierend – früher, als die Kindelein sehr klein waren und ich eigentlich für nichts Zeit und/oder Kraft hatte, habe ich täglich gebloggt, manchmal sogar zwei-, dreimal. Heute, wo die Kindelein ausgesprochen groß, selbständig und teilweise ausgeflogen sind, bleibt weiterhin für nichts Zeit und/oder Kraft und obendrein vernachlässige ich das Bloggen. Heute aber.

eins

Nach einem Wochenende voller Sonne und Wärme war der Tagesbeginn heute dann doch eher eine Enttäuschung. „Regen ist super für das ganze frischgepflanzte Gemüse im Garten“ war nur ein klitzekleiner Trost, die Aussicht auf eine regennasse Hunderunde ließ meine Laune sinken.

zwei

Aber wie es dann oft so ist: einmal unterwegs und alles ist gut. Der Regen ließ nach, die Luft roch wunderbar nach den blühenden Schlehen am Wegesrand und obendrein traf ich auf eine Bekannte mit Hund. Während unsere Hunde durch die Zeilen tobten, schwätzten wir. Der gar nicht mehr so kleine Hund war äußerst brav und kam auf Zuruf sofort zu mir. Sehr beruhigend, denn die Wingerte sind voll mit Kaninchen und etlichen, teils hochträchtigen Rehen. Der Jagdhund in ihm will lospreschen und es ist nicht immer leicht, manchmal sogar unmöglich ihn abzurufen. Dann hilft nur eine Schleppleine. Heute aber jede Menge Freilauf und Spiel und für mich die Gewissheit, dass der restliche Tag sehr ruhig verlaufen würde.

drei

Auf dem Rückweg musste ich an Frau Brüllen und ihre Super-Mario-Party denken und schnell ein Bild für sie knippsen.

dreib

Wieder daheim blieb kurz Zeit für ein Frühstück, bevor die Ohrenkontrolle bei Lola anstand. Die Entzündung im Ohr ist wunderbar abgeklungen, Ohrentropfen sollen wir noch eine weitere Woche verabreichen. So weit, so langweilig.

Wieder daheim hatte sich meine leichte Restmigräne vom Vortag noch einmal zu vollen Höhen aufgeschwungen, samt Lichtempfindlichkeit und Übelkeit. Ich verteilte noch rasch ein paar Aufgaben an den großen Sohn und verschwand im Bett. Zwei Stunden später tobte es noch immer hinter meiner rechten Schläfe und ich war sehr verzweifelt. Zwei Tage hintereinander Migräne ist ungerecht.

Ich trank ein große Tasse Tee und bekam Hunger. Ein gutes Zeichen.

vier

Mit Kaffee, Käsebrötchen und Schokolade setzte ich mich raus in die Sonne, ganz sicher, dass ich nach dem Essen fit für anstehende Pflanzarbeiten sein würde. Letztlich dauerte es noch zwei Stunden, bis ich mich ohne Schwindel und Übelkeit bewegen konnte, doch der Schmerz in der Schläfe verklang.

fünf

Der große Sohn baute in Ernels Garten einen Zaun. Bisher war das Grundstück zu den Nachbarn hin offen, was letzten Sommer bedeutete, dass ich Lola immer anbinden musste, wenn ich im Garten arbeitete. Wenn der Zaun steht, kann sie durch den Garten brummen und sich ein Plätzchen suchen. Der Nachbargarten wird gerade neuangelegt. Die Nachbarin bewältigt ihr Stück nicht mehr, deswegen wird pflegeleichter Rollrasen ausgelegt. Was an Beerensträuchern, Kräutern und Blumen vorhanden war, durfte ich mir ausgraben, so landen die Pflanzen wenigstens nicht auf dem Müll. Das tröstet sie ein bißchen, denn sehr glücklich ist sie über diese Neugestaltung letztlich doch nicht.

sechs

Dieses Jahr möchte ich meine Terrassenkästen ein bißchen dauerhafter bepflanzen. Vor etlichen Jahren hatte ich sehr viele Kräuter in den Kästen. Das sah toll aus und roch ganz wunderbar. Nach und nach fielen die Kräuter aus und ich ersetzte sie nicht, sondern pflanzte einjährige Sommerpflanzen. Das ging gewaltig ins Geld, denn ich habe viele Terrassenkästen. Jetzt also wieder Kräuter und dazwischen wenn es Zeit ist die gesäten Minitomaten und Chilis.

Vor dem Pflanzen stand aber das Auffrischen der Pflanzkästen. Letztes Jahr hatte ich sie mit frischem Kompost gefüllt, ich trug also nur die verdorrten Pflanzen und die oberste Schicht Erde ab. Und förderte aus jeden Kasten mindestens zehn dieser Engerlinge heraus. Das sind Engerlinge des Rosenkäfers und wer auch immer behauptet, dass der bedroht sei, soll bitte in meinen Garten kommen. Im Sommer brummt es an allen Ecken und diese schönen, grüngoldenen Käfer fliegen durch die Gegend. Heute freuten sich aber die fleißig brütenden Amseln über eine Menge Engerlinge, die restlichen Engerlinge kamen mit vertrockneten Pflanzen und abgetragener Erde zurück auf den Kompost.

sieben

Ich werkelte vor mich hin (der Kopfschmerz ließ immer mehr nach, hurra!). Hund und Kater flitzten durch den Garten, Sonne und leichter Regen wechselten sich ab, der Jüngste hatte Feierabend und plötzlich war es sechs Uhr und die Hunderunde stand an.

acht

In Jeans, T-Shirt und leichter Strickjacke war ich losmarschiert, denn es herrschten ja laue, frühlingshafte Temperaturen. Deshalb änderte ich nach einem Blick zum Himmel sehr schnell meinen Marschplan. Statt auf halber Höher gemütlich ein paar Schleifen zu laufen, lief ich nur eine klitzekleine Runde mit dem Hunde, genau so lange, bis die nötigen Abführgeschäfte erledigt waren. Bewegung hatte Lola den ganzen Tag im Garten, mein Gewissen war nicht allzu schlecht. Kaum war ich wieder daheim, regnete es in Strömen.

neun

Der beste Vater meiner Kinder kam heim, ich kochte Bolognese zum Abendessen (die morgen aufgewärmt noch leckerer sein wird) und wir tauschten uns über unseren Tag aus. Meine Migräne hatte sich mittlerweile (hurra, hurra!) ganz und gar verabschiedet und als die Sonne noch einmal über den Weinberg linste, hätte es ein perfekter Tagesabschluss sein können. Bis der Schreinerfreund anrief und uns den Tod seines Ziehvaters mitteilte. Paul wurde über neunzig Jahre alt und war auch bis fast ganz zuletzt fit, doch es trifft dennoch hart. Er starb unter einem blühenden Kirschbaum, das rührt mich sehr an. Mein Kirschbaum wird spätestens übermorgen blühen und darauf freue ich mich nun doppelt. Hart ist es für Marie, die Tochter des Schreinerfreundes, die gerade mit Anne in Spanien ist. So weit weg von der Familie ist Traurigsein doppelt schwer.

zehn

Im letzten Abendsonnenschein gingen wir nochmals raus in den Garten. Der beste Vater meiner Kinder experimetiert mit einer Austernpilzzucht. Gestern hat er Birkenstämme mit Pilmyzelen geimpft, heute hat er einen Strohballen vorbereitet, um diesen ebenfalls zu impfen. Ich werde bei Gelegenheit hier oder im Gärtenerinnenblog darüber berichten.

elf

Die Söhne verabschiedeten sich in ihre Zimmer, wir verzogen uns auf das Sofa. Das Ofenfeuer ließen wir sehr rasch wieder runterbrennen, es ist einfach zu warm dafür. Die aufkommenden Süß-Gelüste stillten wir mit einem schnell gekochten Topf Vanilleflammeri, meine Portion gab es mit Quittengelee, der beste Vater meiner Kinder genoss pur.

Der Tag ist vorbei.

Ich bin sehr glücklich, weil die Tochter mir heute erzählt hat, dass sie einfach nur noch läuft, ohne Schmerzen, ohne Muskelkater, Laufen um des Laufens willen. Ich bin sehr traurig, denn Paul wird fehlen.

Weitere „12 von 12“ gibt es bei Frau Kännchen.

12 von 12 im März

12. März 2016

Zwölf Bilder am Zwölften jeden Monats.

1

Vermutlich ist der gar nicht mehr so kleine Hund einfach nur ein fieser Quälgeist. Spätestens um halb sieben möchte Lola nämlich nicht mehr auf ihrer Matratze schlafen. Sie steht dann auf und quengelt so lange herum, bis entweder alle wach und schlecht gelaunt sind oder eben nur einer, der dann mit ihr aufsteht. Sie bekommt Frühstück und schläft dann bis neun Uhr weiter. Oder auch bis zehn. Wir wechseln uns an den Wochenenden mit dem Aufstehen ab, heute war ich dran. Unglücklicherweise kann ich nicht mehr schlafen, wenn ich erstmal wach war und deshalb begann mein Tag sehr früh. Meistens finde ich das dann gar nicht so schlimm, denn wenn alle im Haus schlafen, sitze ich gerne auf dem Sofa, trinke Kaffee und lese. Heute gab es strahlenden Sonnenschein und Vogelgezwitscher als Dreingabe. Vielleicht kann ich nächsten Monat das obligatorische erste Kaffee-Bild schon im Garten machen.

2

Der Kater genießt es ganz katzenuntypisch sehr, wenn er durch die Gegend getragen wird. Wahrscheinlich auch deswegen, weil Lola ihn dann nicht erreichen und spielauffordernd in die Seite stupsen kann. Am Liebsten mag er es, wenn er beim Herumtragen am Bauch gekrault wird und ich ertappe mich dabei, mich sachte hin und her zu wiegen, als hielte ich ein sehr pelziges Baby im Arm. Eines mit fiesen Krallen, die sich genüsslich in meinen Arm bohren.

3

Nachdem die Hunderunden am Donnerstag und Freitag mit Lola ein ziemlich fieser Machtkampf zwischen pubertärer Töle und verständnislosem Mensch waren, starteten wir heute trotz lauem Frühlingswetter ein bißchen angespannt. Erfreulicherweise hatten wir heute wieder einen perfekt erzogenen, auf´s Wort gehorchenden Hund dabei, der dem besten Vater meiner Kinder und seinem holden Weib einen wunderbaren Morgenspaziergang ermöglichte. Im Anschluss an die Hunderunde holten wir Brötchen für´s Frühstück und blieben dann kurz beim Schreinerfreund und der ehemaligen Freitagsfreundin hängen. Deren Tochter feierte nämlich ihren 19. Geburtstag und das überstandene Abitur und zu beidem gratulierten wir gerne. Ein Glas Sekt gab es obendrein und wegen meines noch  nüchternen Magens sorgte das für einen sehr beschwingten Heimweg.

4

Ein Drittel der Kindelein war doch schon aus den Federn gekrochen und wurde umgehend beauftragt, den Rest zu wecken. Wir frühstückten völlig ungestylet aber sehr gemütlich und ausgiebig miteinander. Ich mag diese ruhigen Wochenendfrühstücke.

5

Nach dem Frühstück rüsteten die Tochter und ich uns für einen sehr untypischen Einkauf: für die anstehenden Feiern, die akademische Feier zur Zeugnisübergabe und den Abiball am Tag darauf mussten kosmetische Verschönerungspülverchen, -cremes und -lacke gekauft werden.

6

Nch kürzester Zeit glitzerten und funkelten wir bis hoch zum Ellenbogen, hatten aber passende Grundierungen, Puder, Lidschatten und sogar einen Lippenstift für mich gefunden. Sehr faszinierend, dieser Schminkkram! Und es gibt wirklich hübsche Farben und die Pinsel sind ungemein zart und flauschig. Trotzdem kaufe ich lieber im Baumarkt ein, auch wenn sich die Handhabungen der dekorativen Farben und Lacke gleichen. :)

Dass wir letztlich drei Stunden im Drogeriemarkt verbrachten, war nicht unserer Entschlussunfähigkeit geschuldet, sondern der Tatsache, dass die Tochter noch rasch ein Photo und eine Grußkarte mit Photo ausdrucken wollte. Mal rasch – man kennt es – das wird nix. Das Photo war tatsächlich rasch ausgedruckt, doch die Grußkarte legte zunächst den Drucker, danach das ganze Computersystem lahm. Eine freundliche Mitarbeiterin telefonierte sehr geduldig mit der Photoausdruckproblembehebestelle und endlich, endlich nach anderthalb Stunden war die Karte gedruckt. Und eine horrende Rechnung für verschönernde Kosmetika bezahlt.

7

Während die Tochter und ich uns im Drogeriemarkt amüsierten, hatte der beste Vater meiner Kinder den gesamten Wochenendeinkauf erledigt und mir einen Strauß Frühling gekauft. Die ersten Tulpen sind eingezogen. Ich weigere mich jedes Jahr vor März welche zu kaufen, die Vorfreude hält so länger.

8

Und weil ich jetzt schon den Frühling ins Haus gezerrt hatte, konnte ich ebenso gut an die Osterdekoration denken. Diese fällt längst nicht so üppig aus wie das ganze Weihnachtsschnickeldi, doch neulich rief das rot-weiß getupfte Set (ein Vogel, zwei Eier) im Weltladen sehr laut, dass es mitgenommen werden will. Wie hätte ich nein sagen können?

Kein Bild gibt es von der Aus- und Umräumaktion im Bad, denn neue Kosmetika will gegen eingetrocknete Mascara und Lidschatten von 1986 eingetauscht werden. Bei dieser Gelegenheit lässt sich hervorragend ein bißchen räumen, wischen und putzen und zack: Abendessenszeit.

9

Der beste Vater meiner Kinder bereitete den Hefeteig zu, die Söhne und ich schnippelten Zutaten, der Pizzastahl heizte bei 280°C im Ofen auf und die Tochter verabschiedete sich leise neidisch. Sie feiert den bereits oben erwähnten 19. Geburtstag, ohne Pizza.

10

Auf dem Pizzastahl ist die Pizza in knapp fünf Minuten knusprig und sehr lecker, weswegen sich jeder seine Wunschpizza zusammenstellt und eben ein bißchen wartet, bis er an der Reihe ist.

11

Meine Lieblingspizza ist mit Tomatensoße, frischen Tomaten, Champignons, Knoblauch, Parmesan, Pfeffer und Rucola belegt. Und weil ich ja nie lerne und es doch besser wissen sollte, aß ich mehr als ich wollte und mir letztlich gut tat. Und so beendete der beste Vater meiner Kinder diesen Tag ohne mich in der Sauna.

12

Ich sitze stattdessen neben dem Jüngsten auf dem Sofa, tippe vor mich hin und schaue ab und zu mal hoch, wenn das Computerspiel (Skyrim) spannend wird.

Morgen wird gewählt! Der Große ist wieder als Wahlhelfer eingespannt, das heißt, dass unser Tag früh beginnt. Was wiederum bedeutet, dass jetzt Schlafenszeit für mich ist. Gute Nacht!

(falls Sie fragen: wir haben unseren Pizzastahl von hier und sind sehr, sehr zufrieden damit! <- und dies ist freiwillige Werbung!)

Weitere „12 von 12“ gibt es bei Frau Kännchen.