Damit der arme Kater nicht immer auf dem Hundekissen schlafen muss, fuhren wir heute in solch einen „alles für Viehzeug“-Laden, um ihm ein eigenes Kissen zu kaufen. Dort im Laden hingen mysteriöse Dinge:


Bernsteinketten für Hunde. Als meine Kinder noch sehr klein waren, tobten heiße Diskussionen um die Wirksamkeit von Bernsteinketten bei Zahnungsschmerzen in den Elternforen. Entweder waren meine Kinder (und/oder ich) diesem Thema entwachsen oder die Popularität dieser Ketten war wieder verpufft, jedenfalls hörte ich lange Zeit nichts mehr davon. Bis ich sie heute wieder entdeckte. Mittlerweile helfen diese Ketten also nicht mehr nur gegen Zahnungsbeschwerden bei Kindern, sondern auch gegen Zecken bei Hunden. Oder umgekehrt. Oder so:


Drei Regale weiter stand dann dieses Produkt:


Eingehendes Studieren des Ettikettes ergab, dass keine gepressten Katzen zugegeben wurden, dafür aber Taurin und ich ärgere mich, dass ich nicht auf solche Ideen komme, denn gekauft wird das ja.

Weil der Hund sich gerne und ausgiebig in für Menshen unangenehm riechenden Dingen wälzt, suchte ich nach einem Hundeshampoo. To make a long story short: Im Tierzubehörladen gibt es das in genauso vielen Geruchs- und Funktionsrichtungen (Schuppen, Antifett, Locken, Volumen …) wie für Menschen, für sehr viel Geld, weswegen wir in den Drogeriemarkt fuhren und dort ein duft- und ph-neutrales Shampoo für deutlich weniger erstanden. In der Babyzubehörabteilung. Und jetzt endlich landet dieser Artikel da, wo ich ihn haben möchte. 

Hier:


Für werdende und gewordene Mütter gibt es da eine große Palette an Produkten und ich bin wirklich und wahrhaftig froh und dankbar, dass ich diese harte und entbehrungsreiche Zeit, da ich werdende und frisch gewordene Mutter war, ohne täglichen Smoothie mit extra Vitaminen und Mineralstoffen überlebt habe. Wir hatten ja nix! (Stilltee gab es schon. Und Kräuterblut. Wurx.)

Ein Regal weiter:


Auch hier ergab ausführliches Studieren des Ettikettes, dass es sich hierbei NICHT um gepresste Babys oder womöglich das, was abgeht, bevor ein Baby gepresst wird, handelt. Hierbei handelt es sich um Wasser, das besonders für die Zubereitung von Babynahrung geeignet ist. Für größere Kinder auch als zuckerfreie Erfrischung. Ich staune. (und suchte, leider erfolglos, in der Diätabteilung nach speziellen Diätwasser.)

Desweiteren fand ich:


Diese Milch ist nicht für die Flaschen von Säuglingen, sondern für größere Kinder, die gerne double-frosted-sugarbombs-Cerealien und Milchkaffee frühstücken. Extra wenig Eiweiß, dafür sind aber Pflanzenöle, Mineralstoffe, Vitamine und Vanilleextrakt zugesetzt. WTF?!

Milch und Wasser sind übrigens ziemlich teuer, aber für die Kinder ja nur das Beste und erneut ärgere ich mich sehr, nicht auf die Idee dafür gekommen zu sein. Und sowieso nicht skrupellos genug zu sein, mir damit mein goldenes Näschen zu verdienen.

Ich schaue schon lange keine Werbung mehr und weiß daher nicht, wie dieses Zeug im Werbefernsehen vermarktet wird. Doch allein die Tatsache, dass Wasser und Milch an äußerst prominenter Stelle im Warenregal stehen, mag deren Wichtigkeit suggerieren. Und ich ahne, dass viele unsichere Jung/Erstlingsmütter in allerbester Absicht ihrem Kind nur das Allerallerbeste angedeihen zu lassen, zu diesen Produkten greift.

Natürlich kann jeder sich selbst informieren, kann selbst entscheiden, was wichtig oder nichtig ist und ob einem Baby evtl. ein Schnurrbart wächst, wenn es Katzenwasser trinkt. Ich bin trotzdem unsagbar wütend, dass solche Produkte überhaupt hergestellt werden, dass sie in den Läden landen. Und ich wünsche mir, dass die sozialen Medien, die schon bei schwachsinnigen Jungen/Mädchen-Produkten großartige Aufmerksamkeits- und Aufklärungsarbeit leisten, auch hier einsetzen. Dass auch solche Produkte so: #ichkaufdasnicht gekennzeichnet werden. Weil ehrlich: Kinder werden auch ohne groß, stark und klug. 

Ich hab das für Sie getestet.

12 von 12 (nachgereicht)

13. Januar 2017

An jedem Zwölften eines Monats werden zwölf Bilder gemacht und ein bißchen was dazu geschrieben. Caro Kännchen sammelt die vielen Beiträge.


Mein Tag beginnt meistens mit einem Kaffee im Bett, am Zwölften mache ich halt ein Bild davon. Ich finde es übrigens sehr erfreulich, dass es morgens früher hell wird und auch wenn ich weiß, dass es noch ein bißchen dauert (und Winter ja auch toll ist), vorfreue ich mich auf den Frühling. Wenn mich nämlich Vogelgezwitscher weckt und nicht das Schaben des Eiskratzers auf einer Autoscheibe.


Meine allertreuesten Begleiter: das Hundeviech (natürlich) und meine Wanderschuhe. Fast 150 Kilometer haben sie mich durch Irland getragen, in Deutschland noch viele, viele Kilometer mehr. Gestern morgen waren sie leider noch nass vom Abend vorher, weil irgendein energiesparendes Familienmitglied die Heizung, unter der sie zum Trocknen standen, abgedreht hatte.


Die Hunderunde war sehr herausfordernd. Der Schneematsch vom Abend zuvor war über Nacht zu einer zentimeterdicken Eisschicht gefroren. Ich erwäge mittlerweile ernsthaft den Kauf von anschnallbaren Spikes, denn kilometerweit durch die Gegend zu schlittern macht wirklich keine Freude. Lola war vom Eis gänzlich unbeeindruckt. Sie fand es interessant, dass ihre Pfoten in verschiedene Richtungen wegrutschte. Danach sprang sie einfach in den Wingert und rannte in den Zeilen. 


Nach der Hunderunde war ich durchgefroren und sehr hungrig. Wie gut, dass da noch ein Rest Spaghetti mit Tomatensoße vom Abendessen des Tages zuvor stand! Heiß und salzig und gut, besser und sättigender als es jedes Stück Kuchen hätte sein können. 


Ich habe in den letzten Tagen Einiges im Nähzimmer ausprobiert und Vieles gelernt. Dementsprechend sah es dann auch aus: Kisten und Kästen mit Stoffen und Filz auf ziemlich jeder ebenen Fläche, auf dem Boden ein kuscheliger Belag aus Fäden, Stoffschnippseln und Hundhaaren. Allerhöchste Zeit für einen klärenden Rundumschlag.


Das war dann rasch erledigt und direkt mit dem ordentlichen Zimmer kam die Lust, darin zu arbeiten. 

Und so bekamen die kleinen und etwas größeren Kissen auf dem Sofa zur neuen Quiltdecke passende Bezüge. Der Kater war nicht Willens, adrett zu posieren. Aber für alle Zweifler: es gibt ihn noch, er ist der Chef im Haus und er wiegt derzeit etwa 6,5 Kilo. (und ist ausgesprochen plüschig, Winterfell sei Dank.)


Dieses Wetter ist schon sehr herausfordernd. Glatt war es nicht mehr, dafür nieselte es und die beinahe trocken Wanderschuhe schmatzten durch den Schlamm. Der Hund lief ein bißchen kreuz und quer, ohne rechte Lust zu rennen. 

Deshalb bogen wir aus dem Feld ab Richtung Ortsmitte …


… und besuchten Oma Eis in Weltladen. Wir tauschten uns rasch über den neuesten Klatsch und Tratsch aus und ich erfuhr, dass die Frau meines ehemaligen Arztes aus dem Weingut stammt, in dem wir am Abend essen wollten. Alla.

Sie fragten neulich nach, ob es für diese Tierchen Anleitungen gibt. Gibt es. Alle drei sind aus dem Buch „Schmusemonster“ (so ein dämlicher Titel) aus dem Tandem Verlag. Erst auf der siebten Seite erfährt man, wer die Autorin ist: Clémentine Collinet. Man kann wohl einzelne Schnittmuster von ihr im Internet kaufen, das Buch habe ich vom Discounter-Krabbeltisch und bis auf den Titel finde ich es entzückend und sehr inspirierend.

Ein weiteres Bild von einer Mahlzeit, das macht man so bei 12von12. Es ist leider etwas unscharf, denn ich war einfach zu hungrig. Pfefferrahmschnitzel mit Bratkartoffeln, den kleinen Beilagensalat hatte ich schon verspeist. Die ehemalige Freitagsfreundin und der Schreinerfreund hatten uns nämlich zum Essen eingeladen. Hier. Und da das Weingut in meiner Heimatstadt Osthofen liegt, konnte ich mich mit dem selbst kochenden Winzer ganz prima über die guten, alten Zeiten austauschen. Es war sehr lustig und die verschiedenen Weine die er zum Kosten auf den Tisch stellte, waren fast alle lecker. Ein wunderbarer Abend und ich hatte dann so ein bißchen sentimentales Heimweh nach der Vergangenheit und meiner Jugend.


Lag aber sicher nur am Wein, weil ich würde gar nicht mehr tauschen wollen.

WMDEDGT 01/17

5. Januar 2017

Frau Brüllen fragt wie an jedem fünften eines Monats: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Um zwanzig vor sieben trank ich den ersten Kaffee des Tages und meine Lust, das kuschelige Haus zu verlassen, ging gegen Null. Lola sah das nicht anders, sie rollte sich auf dem Sofa zusammen und stellte sich tot.

Viertel vor acht bastelte ich den Hund in Halsband und Geschirr und zerrte ihn vom Sofa. Sehr erfreut stellte ich fest, dass es zwar kalt war, doch es war schon hell, wolkenlos mit Versprechen auf Sonnenschein und einem klitzekleinen Bißchen Schnee von letzter Nacht.

Wir gingen, wie so oft, zuerst die große Steig hoch und dann hinten raus, Richtung Lörzweiler. Ich ließ Lola von der Leine und sie flitzte los, durch die Wingerte und über weiß gefrorene Felder. Als wir auf eine Herde Rehe trafen, änderten wir die Richtung, damit Lola erst gar nicht in Versuchung kam, die Tiere zu jagen. Das bedeutete zwar einen Umweg, doch die Sonne kam über die Weinberge geklettert und alles begann zu glitzern.

Knapp zwei Stunden stapfte ich durch Gegend und genoß diesen Wintermorgen. Obendrein brütete ich zwei zehn-Kilometer-Eier (Pinsir – hatte ich schon – und ein niedliches Magby, die Vorstufe zu Magmar) aus und mein Vulpix sammelte vier Eier, so dass ich es weiterentwickeln konnte. 

Daheim kochte ich mir einen Haferschleim und einen zweiten Kaffee, bevor ich mich einem Neujahrsvorsatz widmete: gesünder ernähren. Ich kann das theoretisch sehr gut und auch oft praktisch, aber nicht oft genug. Da gibt es nämlich dieses kleine Problem: von jetzt auf gleich fällt mich unglaublicher Hunger an (weil ich vorher nicht darauf achtete) und dieser unglaubliche Hunger will sofort gestillt werden. Keine Zeit zu kochen, keine Zeit ein Brot zu richten. Chipstüte auf. Oder Kekse. Oder Brezelchen. Schlimm, ich weiß. Aber seit heute bin ich für ein paar Tage vor diesen Attacken gefeit, denn:


Total hipstermäßig habe ich mir einige Gläser mit Salatzeugs gerichtet. Schon bei den Vorbereitungen fühlte ich mich wahnsinnig gesund und achtsam, beinahe hätte ich noch ein paar Yogaübungen gemacht oder wenigstens ein Mandala ausgemalt. 

Stattdessen habe ich die Küche geputzt, weil es mir gelungen ist, sie beim Schnippeln der Tomaten komplett einzusauen. Und wenn ich schon dabei war, putzte ich auch noch direkt den Kühlschrank und entfernte unter anderem einem Joghurt mit Pelz. Jedes Mal nehme ich mir vor, dass das nicht mehr vorkommt, dass ich besser auf unserer Lebensmittel achte – doch dann wandert ein angebrochener Becher wieder irgendwie nach hinten und wird vergessen. Doof.

Als nach der doofen Putzerei in der Küche wieder Ruhe einkehrte, sprang Franz auf die Küchenbank, um dort sein drittes Vormittagsschläfchen zu halten. Da er sehr niedlich aussah, beschloss ich, noch ein bißchen mit der neuen Knippse zu üben, doch:


Meine „Schau mal süß“- Lockrufe wurden eindeutig beantwortet. Geh weg, lass mich.


Hier lässt sich übrigens erahnen, warum wir den Kater im Winter „Breitarsch“ nennen. Das ist nicht nur Winterpelz, der an den Hüften aufträgt, das sind auch etliche Mäuse und Ratten. Im Sommer hat er gut zwei Kilo weniger und ich werde wieder von besorgten Tierliebhabern angesprochen, ob der arme Kater genug frisst. Tut er. Immer :)

Der Hund war wieder ausgeruht und wollte in den Garten. Ich ließ ihn raus und versorgte einen Korb Wäsche in der Zwischenzeit. Als ich die Wäsche verräumte, nutzte der blöde Köter die Gelegenheit, um auf dem niegelnagelneuen Küchenteppich das zu fressen, was er im Herbst im Kartoffelacker vergraben hatte. Bis ich dies bemerkte, trug der Teppich fiese Spuren und der arme Hund wurde sehr geschimpft. Vermoderte Sachen dürfen nicht im Haus gefressen werden, das weiß sie. Doch wer futtert schon gern allein im Kalten?

Ich saugte durch Flur, Küche und Wohnzimmer und beschloss, dass der Weihnachtsbaum morgen rausfliegt. Und vielleicht werden wir keinen mehr stellen. (warten Sie mal bis Dezember ab, wenn mir wieder ganz festlich und weihnachtlich zumute wird)

Es blieb gerade noch Zeit für einen Kaffee bevor ich erneut mit dem Hund zur Abendrunde loszog. Die Winzer haben begonnen die Reben zurückzuschneiden, deswegen liegen unzählige Gerten und Äste auf dem Boden. Ein Paradies für Lola, die geschäftig Dutzende Stöckchen hin und her trug. Zum Abschluss gingen wir eine Runde durchs Städtchen, Pokestops abgrasen.

Per whatsapp meldeten der Jüngste und der beste Vater meiner Kinder, dass sie später heimkommen, es blieb noch Zeit für ein Schwätzchen. Seit ich mit Lola unterwegs bin, kenne ich sehr viel mehr Menschen und halte sehr viele Schwätzchen.

Daheim wartete der große Sohn um noch rasch Hallo zu sagen, bevor er zum Opa ging. Der Jüngste kam heim, zog sich um und ging ebenfalls zum Opa.

Ich kochte nur für mich Abendessen (der beste Vater meiner Kinder isst donnerstags in der Kantine) und aß (und las). Kurz darauf kam auch der Gatte nach Hause und jetzt ist der wahnsinnig ereignisreiche Tag fast um. Das Ofenfeuer flackert, doch sehr lange wird mich das nicht auf dem Sofa halten. Seit drei Tagen schnupfe ich nämlich fies herum und will eigentlich nur im Bett liegen und jammern. (aber es ist ja keiner da der zuhört, dann kann ich es auch lassen)

Feierabend!

Am Besten lässt sich das Novembergrau vertreiben, wenn man schon mal an den kommenden Sommer denkt.


Wir öffnen Haus und Garten, bitten aber um vorherige Anmeldung, auch um zu klären, wer, wie, wann, was. Das erkläre ich aber demnächst genauer. Fürs Erste genügt es wohl, wenn Sie sich den Termin merken/freihalten.

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Morgen ist der November vorbei und die Tage bis Weihnachten werden vorbeirasen!

Wir haben in der Grünen Villa übrigens immer noch einen Adventskalender, doch unserer ist andersrum …


… statt jeden Tag etwas herauszuholen, legen wir etwas hinein. Geld nämlich. Dieses Geld wird dann gespendet.

(Nachmachen gerne erlaubt!)

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Falls Sie noch ein Weihnachtsgeschenk für jemanden, der eigentlich schon alles hat, suchen: verschenken Sie doch mal eine Ziege. Oder eine sichere Geburt. Oder Trinkwasser für 50 Menschen. Hier gibts das alles!

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Danke, dass Sie mich durch den November begleitet haben! Mal sehen, was der Dezember so bringt … :)

Als ich erfuhr, dass es eine Fortsetzung der Gilmore Girls geben würde, stellte sich die Frage „ansehen oder nicht?“ erst gar nicht. Ich muss Fortsetzungen _immer_ sehen und werde mir vermutlich auch Terminator 8 und Stirb langsam Teil 24 anschauen, denn ich muss ja wissen, wie eine Geschichte weitergeht oder dann doch endlich endet. Vielleicht bin ich da ein bißchen zwanghaft, aber egal. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Fortsetzungen wirklich Müll sind (außer Terminator 2) und deshalb waren meine Erwartungen nicht wirklich hoch.
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Wer die neuen Folgen der Gilmore Girls noch sehen möchte, sollte dann ab hier nicht mehr weiterlesen!

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Enttäuscht bin ich nicht, denn ich hatte ja keine große Erwartungen. Entsetzt auch nicht, denn das wäre wirklich zu hoch geschraubt. Eigentlich bin ich erstaunt, dass diese neuen Folgen für mich kein bißchen funktionieren. Weder die Beerdigungsszene noch Lorelais Erinnerung an ihren 13?14?Geburtstag trieben mir Tränen in die Augen und ich habe wirklich nahe am Wasser gebaut. Stattdessen überlegte ich die ganze Zeit, wieviel Botox an welchen Stellen in Lorelais Gesicht für diese dramatische Unbeweglichkeit der Mimik führt und warum niemand ihr freundlich gesagt hat, dass ein paar Falten sie wirklich nicht entstellen. Und weil ich ja gelernt habe, dass man über Andere (und deren Aussehen) nicht urteilen darf, schämte ich mich ein bißchen, bis die kaum wiederzuerkennende Miss Patty ihren Auftritt hatte. (So darf Miss Patty einfach nicht aussehen!) 

Überhaupt die Sache mit dem Aussehen: Lorelai trägt weiterhin die Kleidung, die ihr eine Nummer zu klein ist, Rory die kurzen Röckchen und Luke ist seinem karierten Flanell treu geblieben. Einzig Emily hat einen kurzen Jeans-Ausreißer, was evtl. das Bild für einen Nervenzusammenbruch sein soll, ich hab das nicht so recht verstanden. Ich habe so einiges nicht verstanden. Zum Beispiel dass die gewissenhafte, alles durchdenkende und analysierende Rory eine Affaire mit ihrem verlobten Exfreund hat und in einem Nebensatz „und ich bin schon eine Woche drüber“ sagt, ohne dem testend nachzugehen. Stattdessen gibt es jede Menge Alkohol, auch schon am Nachmittag, was als untrügliches Merkmal fürs endlich-Erwachsen-sein stehen soll. Die ganze Geschichte um Rory wirkt ein bißchen „stets bemüht“ auf mich, so als wolle man sie auf Biegen und Brechen aus ihrem „braves Mädchen“-Image befreien, in dem man sie in Affairen, Alkohol und One-Night-Stand packt. War für mich nicht stimmig, war eher wie eine schlechte Verkleidung, weil letztlich ist sie noch immer das kleine Mädchen, das sich sagen lässt, was es mit seiner Zukunft anstellen soll (und worüber es schreiben soll).

Lorelais Figur sollte sich wohl auch irgendwie weiterentwickeln, vielleicht ein bißchen tiefgründiger werden. Wer weiß das schon so genau, warum sie sonst zur Therapie gehen sollte oder gar auf eine lange Wanderung. Eigentlich hätte nur noch gefehlt, dass sie ihrem Kaffee abschwört und stattdessen auf Grünen Tee umsteigt. Die Geschichte mit der Überlegung eine Leihmutter anzuheuern, um mit 48 Jahren doch noch einmal Mutter zu werden – das war so grotesk, das ich gar nichts weiter dazu sagen kann. Vermutlich diente sie nur dazu um Paris in die Storyline zu bringen. Paris sieht zwar absolut großartig aus, durfte sich dann aber leider nicht zu einer gestanden, selbstbewussten Frau entwickeln, sondern zu einer Karrikatur der herrschsüchtigen, arroganten Jugendlichen, die immerhin noch glaubwürdig war.

Emily Gilmore hat nach dem Tod ihres Mannes ihr Leben komplett umgekrempelt. Ganz klar wurde mir nicht, warum sie jetzt ausgerechnet das neue „Hausmädchen“ so super findet, dass sogar dessen ganze Familie einziehen darf. Dass sie ihr Haus nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr als daheim empfindet und umzieht, kann ich nachvollziehen. Warum sie dann Kindern mit detaillierter, blutrünstiger Schilderung der Waljagd den Tag versaut … soll vielleicht witzig sein. Ich habe nicht gelacht, ich fand es nur doof.

Nicht nur doof, sondern wirklich schrecklich fand ich die Storyline um Kirk, der nun mit einem kleinen Schwein durch die Gegend läuft. Das Schwein, für das die ganze Stadt zusammengelegt hat, weil er und seine Frau über Kinder nachdachten. Da blieb mir wirklich der Mund offen stehen und mein Humor lag winselnd in der Ecke.

Viele, viele Charaktere aus den alten Staffeln sind zu sehen, manche wirken so, als habe man sehr, sehr lange nachgedacht, wie sie eingebaut werden können und schließlich wurden sie achselzuckend einfach reingeworfen. Luke bleibt farblos, um Sookie herum gibt es irgendeine Geschichte, die ich nicht richtig verstanden habe. Sie baut jetzt hauptberuflich Gemüse an? Warum sie nur kurz in der Küche auftaucht wird nicht näher erklärt. Dass Dean für mich jetzt eher Sam ist, liegt natürlich daran, dass ich zuviel Supernatural geschaut habe und dafür kann ja keiner was. Jess ist brav und langweilig, Logan grinst nur und der Auftritt der life and death brigade war für mich völlig überflüssig, weil ganz und gar an den Haaren herbeigezogen. Wie sehr mochte ich die Folge, in der Rory im Abendkleid mit Schirm von diesem Gerüst springt. So ein schönes Bild! Und die Nacht im Wald in diesen traumhaften Zelten. Dekadent, aber stilvoll. Der Auftritt von Finn, Colin und Robert hatte davon gar nichts.

Um hier doch noch zum Ende zu kommen: ich hoffe sehr, dass Rorys ach so überraschendes Outing am Ende nicht der Auftakt für weitere Folgen ist. Denn die muss ich ja schauen, Sie wissen schon. Und es wäre doch diesmal schon Zeitverschwendung gewesen, hätte ich nicht nebenbei die große Plätzchendose für Weihnachten befüllt. Manchmal ist es halt doch gut, wenn etwas einfach … aufhört. (auch dieser Text.)