“Weißt du, Mama”, sprach der große Sohn heute morgen, “dass ihr damals mit uns in diese Ruine* gezogen seid, war ein ganz großes pädagogisches Element eurer Erziehung. So sind wir nämlich von klein auf an sämtliche handwerklichen Tätigkeiten und Werkzeuge herangeführt worden.” Zwinkerte und verschwand in die Schule.

Den ganzen Tag denke ich schon darüber nach, denn unsere Ruine* hat uns neben Geld auch viel Zeit und Nerven gekostet. Zeit und Nerven zu Lasten der Kinder, die mit müden, angestrengten Eltern zurechtkommen oder im totalen Renovierungschaos leben mussten. Ich schrieb irgendwann bereits darüber, wiederhole es aber, weil es hier so schön reinpasst, noch einmal: als wir vor ziemlich genau vierzehn Jahren in die Ruine* zogen, war das Kinderzimmer der einzige, fertige Raum. Nach und nach, im Laufe dieser vierzehn Jahre, eroberten wir die Ruine und zogen von Zimmer zu Zimmer, wieder zurück und kreuz und quer, Sie lasen ja bisweilen über unsere Hau-Ruck-Zimmertausch-Aktionen. Jede einzelne, so spontan sie auch war, führte letztlich zu einer Verbesserung unserer Wohnsituation, weil neue  Bedürfnisse damit gestillt wurden. Aber jede Renovierung brachte auch Chaos, Frustration und Erschöpfung mit sich. Offensichtlich haben die Kindelein das aber ganz gut weggesteckt oder der große Sohn hat mein Talent geerbt, Dinge schönzureden.

Eine neue Renovierung steht an. Eigentlich sollte es nun endlich das Dach sein, doch als der beste Vater meiner Kinder neulich das Kartoffelfeld umgrub, tat sich vor ihm im wahrsten Sinne des Wortes der Boden auf. Unser Kartoffelfeld ist über einem Gewöbelkeller, der von der Straße aus einen Zugang hat. Im Zugang der Straßensanierung vor ein paar Jahren haben sich im Eingang zum Kellergewölbe einige Steine gelockert. Mal abgesehen vom Glück im Unglück, hätte der beste Vater meiner Kinder ja auch einfach in das entstandene Loch fallen können, ist die ganze Sache ziemlich blöd. Und mit blöd meine ich Scheiße. Wir wissen zwar noch nicht, in welchem Umfang die Sanierungsarbeiten laufen müssen oder was sie kosten, sie bringen aber meine/unsere gesamte Hausplanung durcheinander. Angefangen damit, dass ich vielleicht keine Kartoffeln setzen kann und endend hoffentlich nicht mit der Hiobsbotschaft, dass das tragende Gewölbe des Kellers in Mitleidenschaft gezogen ist.

Kurze Beschreibung?

Wir haben zwei Gewölbekeller. Über den größten Teil des einen Kellers wurde die Grüne Villa gebaut, er führt bis zur Mitte des oberen Gartenstückes. Wir nutzen ihn nur zur Lagerung von Sommer- bzw. Winterreifen, denn – wie es sich für einen echten Weinkeller gehört – er ist kühl und feucht. Bei langanhaltendem Regen fließt ein Bach hindurch.

Der zweite Gewölbekeller liegt neben unserem Haus. Er ist nur von der Straße aus zugänglich, durch ein Tor mit zwei Flügeln. Neben dem Eingang zum Gewölbekeller gibt es ein sehr schmales Gartentürchen, das über/auf den Keller führt. Über dem Keller, der nicht ganz unterirdisch ist (ein Halbgeschosskeller quasi, falls Ihnen das bei der Vorstellung hilft) liegen knapp zwei, drei Meter hoch Erde. Mein Kartoffelfeld. Zur Straße hin ist dieses Gartenstück mit einem lächerlichen Mäuerchen abgegrenzt, also gut drei Meter über Straßenniveau. Zwischen Mäuerchen und Eingang zum Keller klafft das Loch. Es besteht somit die Gefahr, dass das Mäuerchen zusammen mit ein bißchen viel Erde auf die Straße rutscht. Hoffentlich nicht auf einen Fußgänger, der gerade vorbeigeht und sowieso schon Kopfschmerzen hatte.

Den Keller selbst nutzen wir nicht. Uralte Autoreifen vom Vorbesitzer liegen noch darin und ein bißchen Winzermüll, angefangen von alten Stickeln bis hin zu großen Glasballons, in denen hoffentlich nur sehr alte Hefe schwappt. Ich war noch nie ganz drin, doch der beste Vater meiner Kinder behauptet, dass das Gewölbe stabil sei. Und der Keller eigentlich hübsch ist. Nun ja.

Vor Jahren hatten wir die Idee, den Keller einstürzen zu lassen. Also das Gewölbe irgendwie zu zerstören und mitsamt der darüberliegenden Erde in den Keller rauschen zu lassen. Wahrscheinlich wäre das ungefähr auf Straßenniveau herausgekommen und wir hätten endlich einen gescheiten Zugang zu unserem Garten bekommen. Und vielleicht einen Stellplatz für unser Auto. Da wir aber am Hang leben und das Nachbarhaus unter uns liegt und sich obendrein äußerst vertrauensvoll an den Keller schmiegt (und zudem nur ein halbes Haus ist. Wirklich, ein halbes Haus. Malen Sie ein Haus auf ein Papier und falten sie es längs in der Mitte. So sieht das Nachbarhaus von vorne aus.), besteht die Gefahr, dass das Haus gleich mit in den Keller fällt. Mit Rücksicht auf die Nachbarn und deren drohende Obdachlosigkeit verwarfen wir den Plan. (noch bevor wir überhaupt Erkundigungen über das Finanzielle eingeholt hatten.)

Nun, da der Keller oder zumindest der Eingang, schwächelt, treten diese Überlegungen wieder in den Vordergrund. Und wütend bin ich auch, weil diese beknackte Straßensanierung mir erneut die Pläne durchkreuzt. Damals legten wir die Dachsanierung als Eigenbeteiligung auf die Straße, jetzt beseitigen wir, mit neu Angespartem, damit aus der Sanierung entstandene Schäden, die sich leider nicht als solche nachweisen lassen. Mist, blöder.

Und da ich es nicht ändern kann, werde ich es wohl mit Humor nehmen müssen. Mich auf künftigen Blogcontent freuen und mich damit trösten, dass offenbar sämtliche Renovierungen/Sanierungen an und rund um die Grüne Villa dazu beigetragen haben, dass ich meine Kinder als ziemlich gut gelungen bezeichnen kann. Wenn das mal kein Trost ist.

(falls irgendwelche PR-Menschen einer Dachsanierungsfirma hier mitlesen: wir sind sehr gerne bereit, einen Langzeittest zu wagen. Derzeit liegen fiese Eternitplatten auf einem schmächtigen Dachstuhl. Angeblich soll es Platten geben, die kein Asbest spucken, wenn sie löchrig werden und die man toll ersatzweise auf den vorhandenen Dachstuhl legen kann. Melden Sie sich, nur keine Hemmungen.)

*Ruine ist nur eine andere, womögliche realistischere Bezeichnung der Grünen Villa

Neulich schrieb ich, dass das Thema Erziehung bei uns durch ist, weil die Kindelein einfach zu alt dafür sind. Unser Zusammenleben basiert nun auf dem, was wir den hinreissenden Bestien an Erziehung angedeihen ließen und ganz stolz und angeberisch kann ich sagen: die Mühe von früher trägt Früchte.

Ein Geheimrezept gibt es nicht. Journelle spielt nicht mit ihren Kindern, weil sie das doof und langweilig findet. Wer nun empört aufzuckt und loswettern möchte, bitte erst ihren Artikel lesen, in dem sie das hübsch zusammenfasst und begründet. Und manchen Eltern vielleicht ein “Gottseidank, ich dachte schon, ich wäre eine schlechte Mutter/ein schlechter Vater.” entlockt. Ich persönlich habe nicht gerne mit den Kindern gespielt, spielen im Sinne von: auf dem Boden liegen und playmobil-Männchen quieken lassen. Aber ich habe gerne mit ihnen gebaut, egal ob zum zigsten Mal die Playmobil-Burg wieder auf, diverses aus Duplo und Lego, die Brio-Bahn und das Puppenhaus hab ich auch gerne neu tapeziert. Ich ließ mir Sandkuchen backen und verspeiste diese, genauso wie diverse Luftmahlzeiten und leere Tassen mit “Achtung Mama, heißer Kaffee!” drin. Hat mir keinen Spaß gemacht, war aber auch nicht schlimm. Am Liebsten habe ich mit den Kindern Sachen gemacht, bei denen man großartig erzählen kann. Malen zum Beispiel. Oder kneten. Oder backen und kochen. Oder spazieren gehen. Schaukeln. Im Garten wurschteln, den Haushalt erledigen. Abends hatte ich eine trockene Kehle, einen brummenden Kopf und war nahezu leergeredet. Bei uns funktionierte das prima, weil es unser Ding war und ist. Ein Teil unseres Erziehungsstils, den man nicht nachlesen oder “nachmachen” kann.

Ich habe bewusst jeden Erziehungsratgeber gemieden und bin Mütteransammlungen ferngeblieben, habe Babyschwimmen und Pekip verweigert. Es war mir ja sowieso klar, dass mein Kind das klügste, tollste, größte, blondeste und am schnellsten trockene/durchschlafende/krabbelnde/laufende war. (Achtung: das war ironisch.) Und wir erzogen aus dem Bauch heraus. Mit viel Humor und noch mehr Ironie, dabei streng und beharrlich Grenzen ziehend und einfordernd, Abmachungen treffend, Bestechung durchaus legitim, Freiwilligkeit aber höher bewertend und Einiges mehr. Wir schlugen und klappsten nicht, wir schrieen so selten wie möglich, aber wir straften. Sachbezogen, konsequent und unmittelbar.

Vieles erforderte eine Menge Überlegung, Reflexion. Grenzen mussten ständig überprüft werden, ob sie überhaupt noch Sinn hatten, Entwicklungsschritte der Kinder verlangten, dass wir mitrannten und neue Wege suchten. Und allem voran eigentlich das, was auch Frische Brise in ihrem Artikel fordert: Gelassenheit. Nicht im Sinne von “laissez-faire”, sondern im Sinne von: “orientiere dich nicht an anderen, schau dir dein Kind an, überlege, was es brauchst. Und was DU willst. Mach einfach dein Ding.”

*****

Noch eins, denn eigentlich bin ich fertig: unser geliebtes Internet, samt seiner sozialen Netzwerke ist wirklich Fluch und Segen. Reizende Familienbilder auf Instagram können zu allergrößter Frustration führen, denn verdammt nochmal, warum spielen dort glücklich-lachende Kinder in phantastisch eingerichteten Zimmern friedlich und phantasievoll miteinander, während meine Brut sich schon wieder gegenseitig die Burgen einreißt? Wo hat diese Mutter da nur die Zeit her, jeden Tag so grandios und vollwertig zu kochen und obendrein noch diese Mahlzeiten ansprechen zu knippsen und das Rezept zu bloggen? Ich bin froh, wenn die Kinder nur ein Drittel der Nudeln unter den Tisch werfen. Zum Glück ohne Soße, weil blanke Nudeln gerade am Besten schmecken. Da gäbe es viele Beispiele mehr. Überall nur tolle Familien und man selbst dreht am Rad.

In Blogs, Foren, Instagram und Twitter ist es auch nicht anders als in der Krabbelgruppe und beim Pekip: da wird ebenfalls verglichen, angegeben und so getan, als ob.  Wer hat die stressigste Zeit? Welcher Vater hilft am wenigsten mit? Wer kocht am Fleischlosesten? Wer kleidet die Kinder am Biologischsten? Wer hat den lässigsten Umgang mit den Kindern, wer verabscheut am meisten pinkes Glitzerzeug und wer ist am Allermeisten noch er/sie selbst geblieben und hat sein Leben nicht geändert, obwohl da plötzlich Kinder sind.

Besser ist das aber auch nicht. Aber scheinbar doch so ein Elternding.

vierzehn.

23. Februar 2013

Der Jüngste hat Geburtstag.

Morgen.

Um 1:20 Uhr wurde er geboren, nach rasanten vierzig Minuten von der ersten Wehe bis zum ersten Schrei. Und morgen wird mein letztes Baby schon vierzehn, muss den vollen Preis für die Zugfahrkarte zahlen (weswegen er bereits im Besitz einer BahnCard ist), spricht mit tiefer Stimme, hat einen dunklen Schatten über der Oberlippe und einzelne Borsten am Kinn, die noch mit der Schere gekürzt werden. Er ist nur noch knapp zwei Zentimeter kleiner als seine Schwester, es ist wohl nur eine Frage von Wochen, bis er nicht mehr der Kleinste in der Familie ist. (“Wenn er größer ist als ich, kaufe ich mir Schuhe mit Absatz”, spricht die Tochter.)

Die Schule bewältigt er gut, mittlerweile ganz ohne medikamentöse Unterstützung. Ab und zu macht er auch Hausaufgaben, so stand es jedenfalls im Zeugnis und ja, deswegen bekam er ein bißchen Ärger mit uns. Wegen des “ab und zu” und weil er uns angelogen hat. Und das ist auch das einzige, was man als “pubertären Ausreisser” bezeichnen könnte, ansonsten ist er nach wie vor freundlich, höflich und liebevoll zu uns. (man hört da so viel anderes, doch ich scheine wirklich großes Glück mit diesem Pubertätsding gehabt zu haben bei den Kindelein, ich kann nicht klagen. Was im Übrigen ein Grund für die Stille hier im Blog ist. Ich kann ja nicht täglich schreiben, wie gut und cool alles ist, das wäre ja wie bei den Einrichtungsblogautoren, denen man nicht abnimmt, dass sie keine Schmuddelecken haben.)

 

Er hat einen Freund, mit dem er gerade im Wohnzimmer sitzt und sich die Zeit bis Mitternacht beim Schauen der supermegaextraveryextremelongextended Edition “Herr der Ringe” vertreibt. _Ein_ kostbarer Freund, denn noch immer spricht er ein bißchen langsamer als die Gleichaltrigen, sucht und ringt nach Worten. Erwachsene neigen dazu, Sätze für ihn zu beenden, Gleichaltrige sagen: “Du bist doof.” Dieser eine Freund ist kostbar und ich wünsche ihm und mir, dass die beiden Geduld miteinander haben.

Seinen Platz hat er gefunden. In der Jungschar des CVJM, dort treiben sich die Jungs herum, die keine Fußballer sind. Die wissen, wie man mit Magic-Karten spielt, die die StarWars-Dialoge mitsprechen können und die genauso gern “Rüben ziehen” wie Computer spielen. Ich bin froh, dass er einmal in der Woche dort ist und freue mich für ihn, dass er sich in den Osterferien eine Woche lang zum Mitarbeiter ausbilden lässt. Damit er igrendwann im im Sommerzeltlager als Jugengruppenleiter mitfahren kann.

Vor ein paar Jahren schrieb ich, dass ich gerne ein bißchen in die Zukunft schauen würde. Um beruhigt zu sein. Oder mich wappnen zu können. Daran hat sich nicht viel geändert, denn noch immer ist der Weg des jüngsten Sohnes ein verschlungener. Garantiert spannender als manch schnurgerade Autobahn, aber eben auch mit gänzlich verborgenem Ziel. Derzeit spricht er davon, ein Praktikum im Altenheim absolvieren zu wollen. Oder im Kindergarten. Wo er jemals landen wird – ich kann es mir nicht vorstellen.

Seine heitere Unbefangenheit von früher ist teilweise verschwunden. Einerseits schmerzt mich das sehr, andererseits gehört das aber ganz sicher zum Erwachsen-werden. Der niedliche, grinsende kleine Kerl mit den langen, blonden Haaren ist ein nachdenklicher junger Mann geworden.

Lass Dich feiern, kleiner Großer. Du bist toll.

*****

Bevor Sie jetzt befürchten, dass die Frau Mutti auf ihre alten Tage nun doch noch schwermütig wird … von wegen. Vierzehn bedeutet im Gegenzug nämlich auch, dass in vier Jahren mein letztes Kind volljährig ist. Volljährig heisst nicht zwangsläufig “auf eigenen Füßen stehen” und daheim ausziehen, wahrscheinlich auch nicht, dass ich jegliche Verantwortung abgeben und alle Sorgen über Bord werfen kann, aber für mich bedeutet es so etwas wie: offizieller Erziehungsstop. Im Grunde genommen ist es zwar schon jetzt so, dass das Thema “Erziehung” durch ist, denn mal ehrlich, was ich bisher nicht in die hinreissenden Bestien hineinerzogen habe, das kann ich jetzt auch vergessen. Aber mit achtzehn … ist es eben offiziell.

Und zum Thema Gluckenmutter und Wurzel/Flügel-Geschichte: ich sehe da ein Leben ohne Kinder. Und es sieht gut aus. Langeweile scheint es da auch nicht zu geben, nur möglicherweise zwei leerstehende, bisher unverplante Räume. Durchaus etwas, worauf wir uns freuen können, dieses Leben nur als Paar … bevor wir Großeltern werden.

 

 

 

 

große Kinder, immer noch große Wäscheberge.
Erinnern Sie sich an mein Jammern vor Jahren, dass ich die Wäscheberge nicht bewältigt bekomme? Dass ich mich wie Sisyphus fühlte oder wie der Hase, nur dass statt des Igels der Wäscheberg “bin schon da!” rief, sowie ich in die Nähe der Waschmaschine kam?
“Es ist nur eine Phase!”, leierte ich das abgenutzte Muttermantra. “Alles wird gut und sie werden ja auch größer.”
Und das ist der Knackpunkt. Sie wurden größer, die Kindelein, und zwar sehr. Entsprechend wurde die Kleidung größer, kurz darauf gab es extralange Deckbetten. Einmal Bettabziehen bedeutet eine volle Maschine. Jeans und Sweatshirtjacken des Großen füllen rasch die Trommel, einfach weil sie so groß sind. (lieber Sohn, auch wenn ich diesen Zustand beklage, so ist dies doch keine Rechtfertigung/Entschuldigung die Du benutzen kannst, weil Du Deine Klamotten unter dem Bett sammelst. Ich wiederhole: dies ist KEINE Arbeitserleichterung.)
Der Schmutzquotient hat abgenommen, es kommt sehr viel seltener vor, dass ich lebende Schnecken oder angekaute Kaugummis, die irgendwann weitergekaut werden sollten, aus Hosentaschen kratzen muss. Aber, ich will hier ganz offen sein, die Geruchskomponente spielt nun eine ganz neue Rolle. Kinder stinken nicht. Sie müffeln höchstens nach Brackwasser, weil sie in eine Pfütze gesprungen oder gefallen sind oder nach modrigem Laub oder nach verdächtig-pinkfarbenen Kaubonbons. Das ist irgendwann vorbei und echtes Stinken kommt dazu. Wenn nämlich die Hormone im Körper der niedlichen Kinder zu wüten beginnen.
Das beginnt harmlos. Vielleicht läuft Ihr Kind nach dem Sport an Ihnen vorbei und Sie stutzen. Hö? Hat mein Deo versagt? Sie werden vielleicht den Arm heben, unauffällig schnüffeln und feststellen, das alles in Ordnung ist. Und dann werden Sie den Vorfall vergessen, bis Ihnen die Sporttasche des Kindes in die Hände fällt. Beim Öffnen derselben werden Sie beinahe in Ohnmacht fallen. Terry Pratchett hat eine Figur auf der Scheibenwelt erfunden, den stinkenden alten Ron. Der stinkt so sehr, dass sein Gestank ein Eigenleben führt. Das trifft es beinahe.
Wenn Sie das Zimmer Ihres Kindes betreten, werden Sie den Wunsch verspüren, gründlich zu lüften und doch nochmal über den Gebrauch von Raumerfrischungsspray Duftrichtung Tannengrün nachdenken. Eine Ansammlung von mehreren Kindern über einige Stunden hinweg in einem geschlossenen Raum, insbesondere wenn es sich um Jungen handelt, führt zu Pumakäfig-Dufterlebnissen für die Nase. Man spricht in diesem Zusammenhang bei Jungen von “böckeln” und das trifft es gut. Erwachendes Testosteron riecht nach alten Ziegen, die Schweißfüße haben.
Dieser Geruch setzt sich prima in Klamotten fest und deshalb kann beispielsweise ein Shirt nicht mehr drei, vier Tage, so wie früher (da ist zwar der Soßenfleck von vorgestern und das halbe Schokoladeneis von gestern, aber für den Kindergarten geht’s nochmal) getragen werden. Und so häufen sich Berge mit großen, stinkenden Klamotten und … ich jammere. (so sehr und laut, dass der beste Vater meiner Kinder die Wäsche während der Weihnachtsferien übernahm. Danke!)

Große Kinder haben übrigens auch große Füße. Unser eher schmaler Flur ist nun noch enger, weil viele, große Schuhe darin stehen. Daran trage ich leider zum großen Teil Mitschuld, denn auch wenn ich dies immer abstreite, ich habe da eine gewisse Affinität zu Schuhen. Und wenn es sich dann noch um die reduzierten Vorjahresmodelle von Camper oder Chucks in irgendeiner Farbe, die ich noch dringend brauche handelt, bin ich etwas … äh … willenlos. Und ich neige dazu, das auf die Kinder zu übertragen:”Woah, Tochter, deine Füße sind seit zwei Jahren nicht mehr gewachsen, die sind bestimmt ausgewachsen! Prima! Jetzt kannst Du Dir viel mehr Schuhe kaufen, weil du nicht mehr rauswächst!” In dieser Aussage steckt eine Menge höchst verquere Logik, die wahrscheinlich nur von schuhbegeisterten Menschen nachvollzogen werden kann. Die Tochter wehrt sicht nicht allzu sehr, sondern freut sich. (und findet es schade, dass ihre Füße kleiner sind als meine, was ich wiederum prima finde, es reicht, dass sie mir Strumpfhosen und Shirts klaut.) Der große Sohn hat große Füße und als er mitten im Wachstumsschub steckte, war ich in Versuchung, alle Schuhe jenseits der Größe 50 aufzukaufen, nur damit er nicht barfuß gehen muss. Habe ich nicht, muss ich auch nicht. Er blieb bei 45 stehen und das reicht ja auch, um unseren Flur in eine einzige Stolperfalle zu verwandeln.
Ich könnte ewig so weiterschreiben. Auch über Winterjacken, die sich am Garderobenhaken übereinander beulen. Der jüngste Sohn erbt von allen Seiten Jacken und hat deshalb eine “für gut”, eine für draußen, eine für drinnen, eine für sehr kalt, eine für Regen, eine für kalten Regen mit Schnee und so weiter, und so weiter. Früher gabs eine Jacke und einen Schneeanzug. fertig. Und ein Paar Winterschuhe. Wieso ich damals so viel zu Jammern hatte … das ist mir ein echtes Rätsel.

Beruf(ung)

15. Januar 2013

Während die Tochter sich nun für Mathe und Physik (und Deutsch oder Sozialkunde) für ihre Leistungskurse entschieden hat und sich somit immer weiter von dem entfernt, was ich verstehe, kann und ja, auch mag, nähern sich die beiden Söhne wieder an.
Der Jüngste plant ein Praktikum im Kindergarten und kann sich gut vorstellen, als Erzieher zu arbeiten. Ob und wie weit ihm das möglich sein wird, bringt die Zeit. Aber er beginnt sich zu orientieren und das hat er dem großen Sohn voraus.
Der hat nämlich gerade realisiert, dass er nächstes Jahr um diese Zeit seine Abiarbeiten schreibt und dass kurze Zeit später die Schule einfach vorbei ist. Und er nicht weiß, wohin und was. Ein freiwilliges soziales Jahr schwebt ihm nun vor, irgendwo, irgendwas tun, sich finden und rauskriegen, was man lernen möchte. Chemie ist es nicht mehr. Aber die Politik, die liegt ihm am Herzen und ginge es nach ihm, säße er heute schon im Bundestag. Welcher Weg ihn dahin führen könnte, ist ihm nicht ganz klar. Er kann hervorragend mit Kindern und Jugendlichen umgehen, hat “ein Händchen” für Konfliktlösungen, ein Gespür für das, was gerade in der Kindergruppe geschieht und Autorität. Und er mag Kinder. Ob diese Talente nicht zu nutzen sind? Ich warte ab und nage Fingernägel.
Diese Orientierungslosigkeit und Unentschlossenheit, keine Zukunftspläne oder Ideen … Damit steht er immerhin nicht allein da. Seine Freunde sind ähnlich vage, der Sohn der Freitagsfreundin macht eben die Schule weiter, weil er sonst nicht weiß, was er machen kann.
Ich frage mich, ob wir Eltern an irgendeinem Punkt in der Erziehung versagt haben? Hat dieses Ermöglichen von all dem, was die Kindelein je interessiert hat, womöglich eher dazu geführt, dass sie “satt” sind, statt bestrebt ein Interesse zum Job zu machen? Oder brauchen sie nur einfach länger, weil soviel möglich ist? Wir haben keinen Betrieb, keinen Hof, keine Firma in dem/der unser Nachwuchs in unsere Fußstapfen treten könnte, die Berufsvorbilder sind vage: Mama war vor hundert Jahren Erzieherin, ist jetzt Hausfrau und Mutter und verdient ein bißchen was, in dem sie Zeugs näht. Gähn. Papa macht was mit Computern, programmiert und telefefoniert dauernd deswegen mit Amerika. Mysteriös.
Ich bin gespannt, welche Richtung die Kindelein einschlagen werden. Und vor allem, wann sie sich endlich entscheiden. Wenn sie eher mir ähneln … dauert’s ungefähr bis zur Volljährigkeit, der Vater war da früher klarer.
Am Schwierigsten ist es übrigens, ganz neutral zu bleiben. Eigene Wünsche und Vorstellung hintenan zu stellen und sämtliche ironischen Augenbrauen nicht Richtung Stirn zucken zu lassen. Das Flügel-Ding, mal wieder. Das mit den Wurzeln war irgendwie leichter. Glaube ich.

(in fünf Jahren möchte ich diesen Blogeintrag lesen und milde lächeln über all die Gedanken, die da in meinem Kopf kreiselten, weil in fünf Jahren … ach. Keine Ahnung.)

Das Wahandern!

16. August 2012

Eigentlich … wollten wir in diesem Jahr drei Wochen mit den Kindelein nach Irland und über die Insel wandern.
Uneigentlich sind Sommerferien von Jugendlichen straff organisiert und durchgeplant, so dass für einen Urlaub mit den Eltern mal eben nur knapp fünf Tage in Hamburg bleiben und zwei auf dem Rheinsteig.

Hier ein kleines Bildchen vom Rheinsteig, irgendwo zwischen Kaub und Lorschweiler, bei sengender Hitze und steigender Unlust weiterzugehen. (vielleicht zeige und erzähle ich Ihnen demnächst ein bißchen was vom wunderschönen Rheinsteig!)

Wie langweilig doch diese Wanderung gegen das ist, was die beiden älteren Kindelein in den Ferien erlebt haben.

Töchterlein und der Große sind seit einem Jahr in einer Bergsteigergruppe und nach einer Menge Theorie und einigen Trockenübungen in der Kletterhalle fuhr die Gruppe zum Wilden Kaiser.

Ich bin mächtig stolz und gleichzeitig sehr froh, dass ich nicht dabei war. Ich wäre vor Angst um die Kindelein glatt abgestürzt.

Vor der Woche auf dem Wilden Kaiser war der Große mit vier Freunden im Allgäu unterwegs. Wandern. Wie uncool für 16/17jährige Knaben, mag man da denken, aber ich finde das wirklich sehr, sehr toll, denn gewandert wird und wurde hier schon immer viel. Wer dieses Blog schon lange liest, hat uns vielleicht schon in einige Wanderurlaube begleitet und manchmal bekam ich folgende Frage gestellt: Wie kriegt man denn Kinder zum Wandern?

Ich habe natürlich kein Patentrezept dafür, aber ich kann ein bißchen aus dem Nähkästchen plaudern, wie sich das bei uns entwickelt hat. (und ein paarviele Bilder zeigen)

 

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Heute morgen

14. August 2012

saß ich im Weltladen und fand es ziemlich doof meine Zeit dort zu verschwenden. Keine Kundschaft weit und breit, obwohl eine Menge Menschen auf der Straße unterwegs waren. Bevor ich mich in richtig schlechte Laune steigern konnte, schaute ich genauer hin und verstand, warum keiner mal eben ein halbes Pfund Kaffee oder eine Tafel Schokolade kaufen wollte: heute war die Einschulung der neuen ABC-Schützen. Allerniedlichste kleine Jungen und Mädchen hinter riesigen, quietschebunten Schultüten, den nagelneuen, noch viel zu großen Ranzen auf den schmächtigen Schultern. Von einem Ohr bis zum anderen grinsend und stolz. So stolz! (die Familienangehörigen in Festtagskleidung und nicht minder breit grinsend)

Es ist ziemlich lange her, seit unser großer Sohn eingeschult wurde, tatsächlich wird er bald “ausgeschult”, nächstes Schuljahr schreibt er sein Abitur. Als er damals mit vielen anderen ABC-Schützen auf der Bühne in der Turnhalle der Grundschule stand, war ich wahrscheinlich nicht weniger aufgeregt als er, neuer Lebensabschnitt und so weiter. Von Anfang an hasste ich den Satz “jetzt beginnt der Ernst des Lebens”, den ich an diesem Tag ständig hörte, stets mit unheilschwangerem Unterton geraunt. Als sei Lernen etwas Fürchterliches, als sei die Freude am Leben nun unwiderbringlich vorbei. Lernen macht doch Spaß, Kinder sind neugierig und wissbegierig! Das jedenfalls hörten wir im Kindergarten ständig und ja, so hatte ich das auch während meiner Ausbildung gelernt.

Das mit diesem Satz nicht das Leben des Kindes sondern das seiner Eltern gemeint war, wurde mir wenig später klar.

Die Freude am Lernen verließ den großen Sohn nämlich etwa in der zweiten Schulwoche, als er feststellte, dass diese Hausaufgaben-Sache doch mehr als lästig ist. Und langweilig. Schwungübungen zum Beispiel hielt er für völlig überbewertet. Eine Din A4- Seite mit Dachziegel- oder Wellenlinien zu füllen schien ihm völlig sinnlos und was nutzt der Buchstabe “u” für sich alleine, da kann man doch nix mit anfangen. Im Fach “Rechnen” wurde nicht gerechnet, sehr zu seinem Unmut, sondern das Schreiben der Zahlen geübt. Wiederum eine Din A4-Seite gab es auszufüllen, eine große Zahl in der Mitte sollte vielfarbig nachgefahren werden, etwas kleinere Zahlen um die große Zahl herum mit Bleistift und dann kleine und sehr kleine Kästchen am Blattrand entlang mit der zu lernenden Zahl gefüllt werden. Als er die Eins lernte, reihte er gewissenhaft alle Buntstifte an seinem Arbeitsplatz auf, spitzte konzentriert seinen Bleistift und begann enthusiastisch. Nachdem er die Zahl in der Mitte mit drei Farben nachgefahren, viele der mit Bleistift nachzuschreibenen Einser und einen Teil der Kästchen drumherum ausgefüllt hatte, verkündete er, dass er das Prinzip Einser schreiben verstanden habe und sich nun wichtigeren Dingen widmen würde. Der playmobil-Ritterburg zum Beispiel. Ich hatte allerdings andere Pläne und nötigte ihn, sein Hausaufgaben zu beenden. Was er wütend und unentspannt tat.

Am nächsten Tag durfte er die Zwei üben. Und als am dritten Tag die Drei als Hausaufgabe zu lernen war, flogen Bleistifte und Radiergummi durch die Küche und das Unverständnis meines Sohnes für Scheiß-Hausaufgaben die so was von sinnlos sind, weil schließlich KANN er die Drei schreiben, sogar schon die VIER und überhaupt ist Schule eher saublöd und wenn sich das nicht ändert, will er da auch nicht mehr hin.

Stellen Sie sich bitte meine Grätsche vor. Einerseits stimmte ich aus vollstem Herzen zu. Dämliche Hausaufgabe, langweilige Hausaufgabe. Andererseits weiß ich um den Effekt des Übens und ahnte, dass hier sehr viel mehr als die ollen Zahlen richtig zu schreiben geübt wird.

Am Elternabend, der am Abend der Drei stattfand, wurde uns Eltern mitgeteilt, dass die Kinder maximal eine halbe Stunde an den Aufgaben sitzen sollten, andernfalls sollten sie abbrechen. Mein ungeduldiger Knabe motzte, argumentierte und trotze gerne eine Stunde vor sich hin, bis die Aufgaben erledigt waren. Ich teilte ihm am folgenden Tag, dem Tag der Vier, mit, dass die Lehrerin einen Abbruch legitimiert hatte, sollte ein bestimmtes Zeitllimt überstiegen sein und rechnete mit Erleichterung seitens meines Sohnes. Überraschenderweise stieß meine Aussage auf blankes Entsetzen: “Aber dann krieg ich keinen STEMPEL!” Richtig. Der Motativationsstempel. Nachdem dieser Stempel als lebenswichtig eingeführt war, lief das mit den Hausaufgaben dann recht zügig.

Unglücklicherweise lässt die motivierende Wirkung von Stempeln relativ früh wieder nach und ich sehnte mich sehr danach zurück, als es ein paar Jahre später um das Lernen der Vokabeln ging. Denn Vokabeln müssen eben auswendig gelernt werden und wenn man nun kein Sprachgenie ist, dann ist das harte Arbeit. Und besonders harte Arbeit, wenn man ein paar Wochen lang keine Vokabeln lernt und dann auf einen Schlag vierzig nachholen muss. Dann gilt es sogar den Ernst der Lage zu begreifen, auch für das Kind.

Wir haben die längste Wegstrecke dieser Schulsache hinter uns.  Fast sicher habe ich jede Ausrede bezüglich nicht gemachter Hausaufgaben gehört, die meisten Schimpfworte wegen Hausaufgaben und über Lehrer wahrscheinlich auch. Ein paarmal war ich ziemlich verzweifelt und mutlos, ziemlich oft habe ich am Abend, wenn ich dem besten Vater meiner Kinder vom Tag erzählte, wieder lauthals lachen können. Zwei der drei Kindelein haben die Pflicht schon hinter sich und laufen die Kür. Kaum vorstellbar, dass sie ungefähr vorgestern auch erst Ranzen auf Beinen (freundliches Winken zu Frau Brüllen) waren.

 

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Sollten Sie dieses Jahr ein Kind eingeschult haben, dann greifen Sie auch mal in die Schultüte und versüßen Sie sich den neuen Lebensabschnitt. Haben Sie garantiert verdient.