Am Freitag morgen, um 11:00 Uhr, wird das letzte Schaufenster für längere Zeit hier geöffnet. Darin werden Sie alles finden, was sich noch in meinem Schnickeldi-Fundus befindet, vom Reissverschlusstäschchen über kleine Toffee Noses bis hin zu Weihnachtskrippen. Der Verkaufserlös geht als Spende … ach, das lasse ich Ihnen doch direkt von meiner Gastbloggerin, meiner Tochter Anne, erzählen:

Im August geht es los! Ich darf für ein Jahr als Freiwillige mit dem Programm „weltwärts“ nach Südafrika!

Mein Einsatzort ist Mbekweni, ausgesprochen Mm-buh-kway-nee (Bitte den Kiefer wieder einrenken! ;-p) in der Nähe von Kapstadt. Die Organisation Mosaic mit der ich dort arbeiten werde, versucht im township (Vorort von Städten) eine sich selbst tragende Gesellschaft aufzubauen, die sich um Waisenkinder (deren Eltern z.B. an HIV gestorben sind) kümmert. Pflegefamilien, die Waisenkinder aufnehmen, werden gefördert, indem ihnen Häuser  gebaut oder sie geschult werden.

Was ich bisher über meine Aufgaben weiß ist, dass ich nachmittags Kinder und Jugendliche betreue, sie bei den Hausaufgaben unterstütze und beim Bau von Häusern, Lesezirkeln, Computerunterricht und administrativen Aufgaben helfe.

Bevor es jedoch richtig losgehen kann, wird jeder Freiwillige, der mit weltwärts ein Auslandsjahr absolvieren möchte, aufgefordert einen Spenderkreis aufzubauen. Ich wurde gebeten 2400€ zu sammeln, um meine Entsendungsorganisation finanziell zu entlasten. Konkret bedeutet das, dass der DSJW 25% der Kosten, die monatlich durch Verpflegung und Unterkunft aufkommen, tragen müsste und diese durch Spenden abgedeckt werden sollen. Die restlichen Kosten, die Flug, Versicherung usw. beinhalten, werden vom BMZ (Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) abgedeckt. Vor allem meine Organisation, die mehr als 30 Freiwillig aussendet und selbst nur ein kleiner Verein ist, ist auf diese Spenden angewiesen, um das Freiwilligenprogramm zu realisieren. Aus eigenen Mitteln ist es ihr unmöglich, den Freiwilligen den Einsatz zu finanzieren.

Damit Freiwillige den Betrag nicht selbst leisten müssen und einige dazu auch nicht in der Lage sind, sollen sogenannte Förderkreise aufgebaut werden, die den Freiwilligen (also in diesem Fall mich) finanziell unterstützen. Der Erlös des Schaufensterverkaufs meiner Mutter fließt also in den Spendentopf, wer mich mit einer Spende unterstützen möchte, kann sich per Mail an meine Mutter wenden (die Adresse steht im Impressum).

Damit das Ganze jedoch keine einseitige Sache wird und Sie nie wieder davon hören, habe ich vor, ein eigenes Blog zu schreiben, in dem ich über meinen Aufenthalt und meine Tätigkeiten berichte und damit zeige, dass Ihre Spende gut investiert wurde!

Im Voraus schon mal ein RIESENDANKSCHÖN an alle, die mich unterstützen wollen!

Anne

Weitere Fragen werden Ihnen sicher gerne beantwortet, wenn auch vielleicht nicht ganz zeitnah, immerhin ist die Tochter eine Vielbeschäftigte. Und natürlich werde ich hier und auf den üblichen Kanälen die URL ihres Blogs bekannt geben. (hach.)

Endspurt

20. Januar 2016

Vor etwa einem halben Jahr frotzelte ich mit der ehemaligen Freitagsfreundin, dass wir wohl den gesamten Januar zusammen verreisen müssen. Um vor den Launen unserer Töchter zu fliehen, die beide im Abilernstress mit sämtlichen emotionalen Ausbrüchen sein würden.

Die Tochter hat sich bereits während der Herbstferien einen Lernplan erstellt. Täglich Deutsch, Physik, Mathe, manchmal sitzt sie drei, vier Stunden am Schreibtisch. Und hält diesen Lernplan gewissenhaft und vermutlich auch ein bißchen stur durch. Mit ihren Physik-Buddies traf sie sich am Montag, scheinbar versicherten sie sich gegenseitig, dass sie nichts können. Die Tochter jedenfalls kam sehr erleichert von diesem Treffen zurück. Heute hatte sie einen winzigen Einbruch. Keine Lust mehr auf´s Lernen, sie will es jetzt hinter sich haben. Deutsch lief gut, am Freitag schreibt sie Physik, ihr Sorgenfach. Der Physiklehrer hat die Themen nicht eingegrenzt, der ganze Stoff der Oberstufe muss parat sein, samt der Versuche. Nächste Woche Freitag folgt dann Mathe. Beim Kurstreffen verriet der Kursleiter, die Mathearbeit sei nicht schwer, das beruhigte sie.

Wegfahren möchte ich nicht, aber ich bin wirklich, wirklich froh, wenn diese latente Anspannung im Haus wieder abklingt.

(Im März dann noch die mündliche Prüfung, doch laut Tochter „zählt die nicht“.)

 

Zwei Schritte vor,

11. Dezember 2015

einer zurück. Das scheint das Motto zu sein, das sich durch das Leben des Jüngsten zieht.

Seit heute steht fest, dass er die Ausbildung zum Anlagenmechaniker nicht beenden wird. Der Ausbildungsbetrieb kann ihm nicht die Zeit zur Ausbildung geben, die er bräuchte. Chefin und Chef sind darüber ernsthaft betrübt und haben einige Vorschläge für andere Wege. Übrig bleibt trotzdem erstmal: das war es, es endet mit der Probezeit.*

Wir haben das dem Jüngsten vorhin erzählt. Wie erklärt man das? Wird erzählt man, dass die Ausbildung, die Spaß macht, nicht weitergeht? Wie vermittelt man das, ohne Selbstbewusstsein zu zerschmettern?

Wir haben es hinbekommen, irgendwie. Haben zusammen geweint und waren auch zusammen ein bißchen wütend. 

Morgen schauen wir gemeinsam nach vorne, nächste Woche beginnen die Telefonate, die neue Wege abklären sollen.
Irgendwas ist immer. Und nie passt der Zeitpunkt. Bleibt nur das Müttermantra: Alles wird gut.
*dies ist die Kurzfassung. Alle uns dargelegten Gründe sind fundiert und für uns absolut nachvollziehbar. 

20. November

20. November 2015

Uff. Die Tochter hat heute einen weiteren Sieben-Meilen-Schritt Richtung Abitur getan: die Kleider für Abschlussball und akademische Feier sind gefunden und gekauft.

Als wir vor zwei Jahren feierliche Bekleidung für den Großen kauften, bestand die größte Herausforderung darin, Hosen, Hemd und Jackett in Überlänge zu finden. Dazu ein Paar Schuhe, die genauso bequem wie seine geliebten Turnschuhe sind, dabei aber superschick aussehen. Diese Herausforderung meisterten wir.

Bei der Abschlussfeier des Jüngsten gab es keine Kleiderordnung, doch mit ordentlicher Hose und einem Hemd (und Chucks) sah das Kind sehr feierlich aus, eingekauft war schnell für ihn.

Dass die Suche nach einem festlichen Kleid keine leichte, kurze sein würde, war mir vorher schon klar. Ein wenig unklar war mir, warum Töchterlein ausgerechnet mich als Einkaufsberaterin wählte, denn ich greife gerne zu etwas unkonventionelleren Stücken und kann mich zum Beispiel auch sehr für Pailetten begeistern. Töchterlein hingegen stellte sich etwas Schlichtes vor, das aber doch irgendwie auffallend ist, eine super Figur zaubert (= betont), ohne allzu viel zu verhüllen, nicht ganz lang, nicht ganz kurz, nicht ganz eng aber halt auch nicht ganz weit, bunt, aber nicht leuchtend. Kennen Sie dieses „Dunkel war’s, der Mond schien helle …“-Gedicht? Dem Wunschkleid hätte ein Vers gewidmet sein können.

Als wir dann im Geschäft vor den vielen, vielen Kleidern standen, wurden wir beide sehr, sehr müde. So viele Abscheulichkeiten! Kleider in schrillen Bonbonfarben, mit sehr viel Rüschen und Satingeglänze. Kleider, für die wirklich viele Polyester sterben musste und Kleider, die so schlecht verarbeitet waren, dass … mir die Worte dafür fehlen. Meine Ansprüche an ein schönes Kleid sind womöglich auch durch die Damen von „go fug yourself“ geprägt, deren Kritiken über die Kleider der Reichen und Schönen ich seit Jahren mit großem Amusement lese, aber das, was da so hing, war schlicht gruselig.

Letztlich hatten wir ein schmales, schwarzes Kleid mit jede Menge Spitzengedöhns und Band zum Schleife am Rücken binden, ein schwarzes, schmales Kleid mit sehr vielen bunten Pailetten und ein blaues, weitschwingendes Kleid mit sehr enger Corsage in der engeren Auswahl. Alle drei nicht bodenlang. Das Spitzengedöhnskleid hing wie ein löchriger Putzlappen an Töchterleins Schultern, da konnte auch das Schleifenband am Rücken nichts mehr retten. Zufällig probierte in der Nachbarkabine ein anderes Mädchen ebenfalls dieses Kleid an. Auch bei ihr saß es hinten und vorne nicht.

Das Pailettenfähnchen schaffte erst gar nicht den Weg aus der Umkleidekabine heraus. Unter wildem Gekicher erklärten wir beide das Ding für völlig untragbar, trotz hübschem Geglitzer.

Das blaue Kleid … saß perfekt! Sitzt perfekt, wir haben es direkt gekauft. Der Rock wippt und schwingt ganz wunderbar, weil er ordentlich mit Tüll unterlegt ist, an der Taille ist eine sehr schöne Raffung eingearbeitet und die Farbe „mitternachtsblau“ passt perfekt zu meinem blonden, hellhäutigen Töchterlein. Äußerst glücklich und zufrieden verließen wir das Geschäft, kauften rasch noch drei Winterpullis für das arme Kind, das nichts zum Anziehen hat und stießen in einem anderen Geschäft auf ein schlichtes, schwarzes Etuikleid. Töchterlein zog es probehalber mal an und hat jetzt ein Kleid, das sie prima zur akademischen Feier tragen kann. Mission completed, hat nur drei Stunden gedauert! 

Zwei Kleider für die Abiturfeier „müssen“ sein, weil es zwei Feiern gibt. Zuerst findet die akademische Feier statt, bei der die Zeugnisse ausgegeben und Schüler für herausragende Leistungen oder besondere Einsätze geehrt werden. Am Tag darauf wird dann gefeiert, bis die Schwarte kracht. Anfangs sind die Eltern dazu geladen. Dazu stellen sich die Leistungskurse vor, zeigen kurze Filme, singen Lieger, tragen Gedichte vor. Das ist alles sehr witzig, manchmal auch sehr rührend und als Eltern sitzt man zwischen Sentimentalitis und „endlich vorbei“-Erleichterung schwankend da und freut sich über feines Essen. Wenn die letzte Schülerrede gehalten und das letzte Taschentuch feucht ist, gehen die Eltern nach Hause und der Abiball beginnt. (Dieser endet in den frühen Morgenstunden.)

Zwei Feiern müssen sein, weil die fünften Klassen in den letzten Jahren achtzügig  sind und bis zum Abitur bleiben mindestens 230 Schüler übrig. Allein die Ausgabe der Zeugnisse dauert zwei Stunden, für die Darbietungen der LKs bliebe keine Zeit mehr.

Im Januar schreibt das Töchterlein seine Abiturarbeiten in Mathe, Physik und Deutsch, im März ist die mündliche Prüfung, in welchen Fächern weiß sie noch nicht. Immerhin kann sie jetzt unbelastet weiterlernen, nachdem die Kleiderfrage aus der Welt ist. :)

14. November

14. November 2015

Eigentlich wollten wir in diesen Tag hineinfeiern. Um Mitternacht mit Sekt anstoßen und ganz viel „Weißt du noch“-Sentimentalitäten von uns geben. Stattdessen haben wir um Mitternacht nur kurz gratuliert, unseren großen Sohn umarmt und danach direkt wieder fassunglos Nachrichten geschaut. Viel zu spät sind wir ins Bett, weil wir uns nicht losreißen konnten und der Schlaf war dann auch eher unruhig.

Am Morgen hätte ich mich beinahe wieder in den Nachrichtenstrudel ziehen lassen, aber nein. Tagesschau aus, Twitter aus, Radio erst gar nicht an. Stattdessen deckte ich unseren traditionellen Geburtstagsfrühstücktisch, zündete zwanzig Kerzen und eine zum Älterwerden an und weckte die Kindelein. Der beste Vater meiner Kinder kam von der Hunderunde zurück und wir feierten Geburtstag. Mit köstlichem Kuchen und den ganzen Geschichten rund um die Geburt und den allerschönnsten Anekdoten aus dem Leben des jungen Mannes, der unser toller Sohn ist.

Nachmittags kamen Oma Eis und mein Schwiegervater zum Kaffee, als diese sich verabschiedeten, buk die Tochter eine Menge Schokobrötchen und der Jüngste übernahm die Hunderunde. Mittlerweile sind viele Freunde und Freundinnen des großen Sohnes eingetroffen. Sie haben jede Menge köstliches Essen mitgebracht, wir werden wohl ein paar Tage nicht kochen müssen. Aus der Halle dringt Gelächter nach oben, ab und zu schaut jemand aus der Küche um die Ecke und wechselt ein paar Worte mit uns (wir kennen die meisten der Freunde seit 15 Jahren, es ist so schön zu sehen, zu welch großartigen, jungen Erwachsenen sie sich entwickelt haben).

Das Leben ist schön, hier, für uns, im Moment.

Morgen habe ich wieder Zeit für Wut auf Terroristen und Trauer für körperlich und seelisch verletzte Menschen, heute schiebe ich diese Gefühle beiseite.