Das perfekte Dinner
6. März 2010
bekommen der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib heute abend kredenzt.
“Wir kochen!”, sprachen die Kindelein gestern, wälzten Kochbücher und ließen beim Einkaufen einen halben Monatslohn im Supermarkt.
Das Menü liest sich gar köstlich:
Himbeer/Orangen-Mimosa als Aperitif
Crostini mit verschiedenen Köstlichkeiten
Garnelen-Ziegenkäse-Tarte
Vanilleeis mit Schokoladensauce
Ich bin bereits sehr hungrig. Und aus der Küche verbannt.
Also sitze ich im Wohnzimmer und lausche dem Geschehen, grinse ein bißchen, weil drei Kinder über 500g Zwiebeln schluchzen und eine angeregte Diskussion entstanden ist, ob das Olivenöl samt Salz und Zucker zum Karamellisieren der Zwiebeln zusammen MIT den Zwiebeln in die Pfanne soll oder zuerst erhitzt werden müsse. Und ich darf nix sagen.
Nur geräuschvoll mt dem Magen knurren.
*****
Ich habe ein Stückchen Ziegenkäse in den Mund gesteckt bekommen. Dabei wollte ich gar nicht schimpfen, als der Große die Himbeeren samt Kochlöffel pürierte.
Die Stimmung in der Küche ist beinahe gut.
*****
Bilder?
Rabenmutter, ich
26. Februar 2010
Das jüngste Kind knäult Zahl an Zahl, streicht durch und benutzt den Tintenkiller, quetscht drei weitere Zahlen in ein Kästchen und das Ergebnis ist ein unübersichtlicher blauer Klecks auf dem Arbeitsblatt.
“WUAH!”, schnaubt Frau … äh … Mutti, “Nimm dir doch einen Block dazu oder dein Matheheft. Dann hast du viel mehr Platz zum Rechnen.”
“´kay.”, schnieft das Kind.
Zehn Minuten später. Ein vollgeschriebenes A4 Blatt, durchgestrichen, quergeschrieben, aber nachvollziehbar.
“Super!”, lobt Frau … äh … Mutti, “Und endlich kann ich auch erkennen, was du wo gerechnet hast.”
“hm.”, schnüffelt das Kind.
“Ich verrate dir jetzt was”, sagt Frau … äh … Mutti, “Du darfst soviele Blöcke und Hefte vollschreiben wie du magst. Ehrlich. Das Eklappt doch dann viel besser, als auf dem Arbeitsblatt.”
“Dahas hahast du mihir NIEHIE gesahagt!”, schluchzt das Kind.
Stimmt. Ich böse, ich. Hab ich einfach so vorausgesetzt.
*****
zehn Minuten später:
“Mama”, spricht das Kind, “Ich hab´s kapiert, i meinem Kopf hat´s klick gemacht.”
Und ich hab Wasser in den Augen. Weil heute war´s mal wieder schwer, für alle Seiten.
Rückblick
25. Februar 2010
“Ein toller Geburtstag!”, sprach das jüngste Kind gestern abend vor dem Schlafen und das ist ja wohl die Hauptsache.
Von dieser Liste:

bekam er beinahe jeden Posten erfüllt. Bis auf den Schnorchel, weil da müssen wir nochmal nachhören, wie dringend ein Schnorchel in den Weinbergen ist.
Was Punkt 8) Taschengeld anbelangt: unsere Kinder bekommen Taschengeld. Sofern sie dran denken. Und wir auch. Der Jüngste behauptet, unsere Taschengeldschulden bei ihm beliefen sich auf die Summe des Taschengeldes eines Jahres - und damit kann er durchaus recht haben. Diese Sache mit dem Taschengeld ist so eine … eigentlich brauchen die Kinder keines. Materialien für die Schule kaufen wir, es gibt eine gute gefüllte Süßigkeitenschublade, die einmal am Tag geöffnet wird und Klamotten gibt es in ausreichenden Mengen, den Geschmack und Stil der Kinder berücksichtigend. Der Große bekam zum zwölften geburtstag ein Taschengeldkonto, auf den monatlich sein Taschengeld überwiesen wird. Er holt zwar brav seine Kontoauszüge, doch das Geld … das braucht er nicht. Entweder sind wir Eltern zu großzügig oder die Kindelein zu genügsam. Wie auch immer, ich bin sehr froh, dass wir wegen dieses Themas (noch) keinen Stress haben.
Wie an jedem Geburtstag , der auf einem Werktag fällt, ist es morgens noch dunkel. (was aber eigentlich gut für die Stimmung ist, die feierliche.)

Und nie sind die Kinder schneller im Bad fertig, als an diesen Tagen :)
Was am Abend vorher liebevoll und mindestens eine halbe Stunde zeitfressend eingepackt wurde …

ist binnen Sekunden zerknüllt und zerrissen. So soll es aber auch sein. Ich selbst werde völlig hibbelig, wenn ich ein verpacktes Geschenk überreiche und der Empfänger minutenlang die Tesastreifen abpuhlt.
Gefeiert wurde in kleiner Runde zusammen mit den Großeltern, die Kindergeburtstagsfeier steht noch aus. Grillen möchte das Kind mit seinen Gästen und übernachten sollen sie. Mal sehen. Nächstes Wochenende vielleicht.
Schön war´s gestern, fröhlich, garniert mit einem Tupfen Wehmut, damit´s nicht zu zuckersüß ist.
Und weil Sie gefragt hatten: das Brettspiel heißt “Zug um Zug” und es kommt sehr gut an!
*****
Heute bei frühlingshaften Temperaturen und einem zögerlich-blauen Streifen mit einigen Sonnenstrahlen am Himme: Beseitigung der Geburtstagsspuren und vielleicht ist der Leidensdruck groß genug, die Verdunkelung von den Fenstern zu waschen.
*****Nachtrag*****
Tasse mit Luke

Mit elf Jahren
24. Februar 2010
hat man die Grundschule endlich bald hinter sich gebracht. Man liest und rechnet flüssig und ohne größere Probleme. Und dies ist wahrhaft wunderbar, denn vor ein paar Jahren gab es diese schrecklichen Diagnosen. Dyslalie hieß die eine, Dyskalkulie die andere. Geblieben ist eine Legasthenie, die von den Noten im Deutschunterricht befreit und uns bestimmt noch tolle Überraschungen im anstehenden Englischunterricht bescheren wird.
Mit elf Jahren trägt man das Haar immer noch deutliche länger als manch Klassenkamerad, schulterlang und stufig, gerade so lang, dass es in einen Zopf passt. Der Zopf ist Pflicht bei den Mahlzeiten und beim Sport. Man ist ausserdem klein und zart, ganz anders als die großen Geschwister. Und trotzdem lassen sich erste Anzeichen der Pubertät deuten. Mit elf Jahren und zwei älteren Geschwistern wartet man da auch sehnsüchtig drauf.
Mit elf Jahren tauscht man den Scoutranzen gegen einen coolen ForYou-Rucksack und wünscht sich ein Paar Chucks. Man brummelt ein bißchen vor sich hin, weil elf Jahre nun mal eben immer noch nicht zwölf Jahre sind und viele Computerspiele erst ab zwölf sind. Man weiß aber auch, dass Eltern von Elfjährigen (und älteren Geschwistern) da auch mal die Augen zudrücken und Elfe Zwölfe sein lassen.
Mit elf Jahren darf man abends ein bißchen länger aufbleiben. Meistens will man das aber nicht, weil man eher ein Langschläfer ist.
Mit elf Jahren darf man, auch weil man die Fahrradprüfung bestanden hat, mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Nach den Sommerferien muss man das sogar, denn die weiterführende Schule ist im Nachbarort.
Mit elf Jahren ist man zum Glück noch nicht zu cool für innige Umarmungen und BillionenMillionenMillarden Küsse zum Abschied, zur Begrüßung, zur guten Nacht und einfach so.
Mit elf Jahren hat man nichts von seinem liebenswürdigem Wesen verloren, dem auch wildfremde Menschen sehr schnell erliegen. Doch die Unbefangenheit und Fröhlichkeit … die wird kleiner und seltener. Weil man mit elf Jahren langsam durchschaut, dass es viele Bereiche gibt, in denen man anders ist, als Gleichaltrige und der Druck, mit den Gleichaltrigen mitzuhalten oft zu groß ist. Mit elf Jahren wird man dann manchmal wieder ganz klein.
Mit elf Jahren ist man in einer Familie mit älteren Geschwistern ständig auf der Schwelle. Man will zu den Großen gehören, gleichzeitig aber einfach nur Kind sein. Playmobil spielen, Lego bauen oder mit dem Holzschwert den Gartendschungel besiegen.
Mit elf Jahren sind die Geburtstagswünsche bescheiden.” Chips und einen Film mit einem Freund” steht auf dem Wunschzettel. Und ein Brettspiel, denn spielen mit der ganzen Familie ist das Größte. Ein Chocolat Fudge Cake, ein Käsekuchen und eine Erdbeersahnetorte von Oma sollen auf dem Geburtstagskaffeetisch stehen.
Mit elf Jahren vergeht die Zeit schneller, nicht nur für sentimentale Mütter.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, mein großer Jüngster.

Und ich …,
10. Februar 2010
sprach das jüngste Kind am Mittagstisch, “ich bringe Kreppel mit zur Fastnachtsfeier in der Schule.”
“Aha. Selbstgebackene?”, fragte Frau … äh … Mutti.
“Na klar!”, empörter Blick des Jüngsten inklusive.
Kreppel sind toll, unbestritten. Kinder lieben Kreppel. Ich auch, selbst wenn sie einen halben Tag lang noch mit mir kommunizieren. In Form von kleinen Fettrülpserchen. Kreppel backen ist eigentlich auch nicht sooo schwer. Das macht nämlich der beste Vater meiner Kinder.
Eventuell tut er es nicht so gerne morgens um sechs Uhr. Aber da der Jüngste Selbstgebackenes versprochen hat …
Morgen früh also: eine brutzlnde, stinkende Friteuse in der Küche, noch vor dem Morgenkaffee. Was tut man nicht alles für die lieben Kleinen.
(das Rezept für Kreppel/Krapfen/Berliner finden Sie hier.)
*****
Gestern abend Elternabend der Klasse des großen Kindes. Anwesend: der Klassenlehrer und drei Fachlehrer, denn die Sache ist ernst. Motivation und Arbeitsbereitschaft lassen stark zu wünschen übrig, der Klassenlehrer verglich die Schüler mit Patienten im Wachkoma. Dementsprechend der Leistungsstand der Klasse, viele Versetzungen sind gefährdet. Den Eltern ist das Problem bewusst, der Elternabend war ausgesprochen gut besucht. Doch wie die Schüler aus ihrer Lethargie gerüttelt werden könnten, dafür gibt es keine Ideen.
Ausgesprochen lebhaft allerdings zeigt sich die Klasse bei der Planung der anstehenden Klassenfahrt nach Berlin und das zeigt ja immerhin, dass noch Leben in den Schülern ist :)
Es ist faszinierend zu beobachten, wie unreif diese Kinder im Grunde genommen sind. Noch ein halbes Jahr, dann ist die Schulpflicht vorbei. Und nur die wenigsten der Schüler haben eine ungefähre Vorstellung davon, wie es weitergehen könnte.
Es fällt schwer, einigermaßen entspannt zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass leise Hinweise und sanfte Motivationen in die richtige Richtung schubbsen. Zumal niemand weiß, welche Richtung nun die richtige ist. Glauben Sie mir, je älter die Kinder, desto interessanter und umfassender die Gedankengänge, die durch den Kopf ziehen. Und desto bedrückender auch oft die Diskussion mit der Mutter der allerbesten Tochterfreundin und der Freundin, die nie Zeit hat.
“Das war echt ´ne tolle Zeit, als man noch grübeln musste, ob man saab simplex oder Fencheltee gegen die Blähungen ans Baby verfüttert.”, um mal von letztem Freitag zu zitieren.
Sie, die Jung/Neu/Kleinkindmütter mögen diese Aussage bitte nicht als Herabwertung Ihrer Arbeit sehen. Ich erinnere mich gut und nicht allzu gerne an meine Hilflosigkeit ob eines brüllenden Säuglings und an das Gefühl, ich wüsste nicht mehr ein und aus, weil das Kleinkind schrie und brüllte und zeterte und obendrein den Schlaf aufgegeben hatte.
Jedes Kindesalter hat seine Probleme und Schwierigkeiten und jede dieser Phasen erscheint uns im nachhinein wahrscheinlich als so leicht und gut handelbar gewesen zu sein. Vielleicht als Trost, damit wir erkennen, dass auch jede Phase Überlebenspotential birgt.
Das Leben mit großen Kindern ist in vielerlei Hinsicht leichter, das können Sie, die Sie hier vielleicht regelmäßig lesen, erahnen, denn ich habe viel Zeit für Dinge, die mir Spaß machen. Ganz ohne quengelndes Kind am Bein. Und wir haben viel Zeit für unsere Beziehung, was wir beide unsagbar genießen.
Die reine Arbeit im Sinne von pflegerische Tätigkeiten und Wäscheberge und Chaos in der Bude und Dreck in allen Ecken, diese Arbeit hat sich reduziert oder wurde gerecht aufgeteilt. Doch die Erziehungsarbeit hat eine neue Dimension erreicht. Eltern und Kind nähern sich einer Ebene. Was früher eine klare, ziemlich gerade Linie zur Orientierung sein sollte, muss heute Ecken und Löcher haben, damit ausprobiert, erlebt und gescheitert werden kann. Und manchmal balancieren wir auch mit geschlossenen Augen und hoffen das Beste.
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Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, dass ich noch immer keine Nachricht von Töchterlein habe, was aber eigentlich nur bedeuten kann, dass sie eine großartige Zeit auf Skiern hat.
(alles wird gut.)
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Und für die Wetterstatistik: gigantische drei Zentimeter Neuschnee.
Und ein maulender 14jähriger Sohn: “Ich hab keine Lust mehr auf Radfahren im Schnee.”
“Dann fahr halt mit dem Zug”, bietet Frau … äh … Mutti an.
“Das macht ja keinen Spaß.”
Jugendliche sind süß.
Reisefieber
4. Februar 2010
Das Töchterlein reist heute ab, um Mitternacht, in die Skifreizeit.
Sie leidet unter gar fürchterlichem Reisefieber, was dazu führt, dass sich ihre Brüder vor ihr in ihren Zimmern verstecken und ich sie wahlweise sofort loswerden oder lieber überhaupt nie aus meinen Armen lassen will.
Vorerst werde ich mich ebenfalls in meinem Zimmer verstecken.
Mama!
3. Februar 2010
spricht das jüngste Kind, “Ich spür meinen Puls im Auge”
“Oh. Äh?”, erwidert Frau … äh … Mutti.
“Ja, genau so als ob da irgendwas aufgeplatzt wäre.”
(viele bunte Bilder gerade in meinem Kopf. Urx.)
(das Auge ist völlig in Ordnung)
