Sentimentalitis, reloaded

30. Januar 2012

Der große Sohn packte erneut sein Köfferchen, heute jedoch nur für eine Nacht. Auf einen Empfang geht es heute abend, weiß der Geier wer warum empfangen wird, Mütter von 16jährigen erfahren auch nicht mehr alles. Vor allem dann nicht, wenn sie zu beharrlich nachfragen. Jedenfalls wird es spät heute und deshalb übernachtet der Sohn direkt auswärts. “Ist ja praktischer”, sagt er und ich frage mich, warum genau es wichtig war, dass er mein tolles großes Nähzimmer bekam, ein Schrank unter der Treppe hätte es doch auch getan.  

“Tschüss Kleiner!”, gab ich ihm zum Abschied mit und er lächelte milde fünfzehn Zentimeter auf mich herab, einen Klecks Rasierschaum am Kinn kleben habend.

Ich bin also Mutter eines fast erwachsenen Sohnes. Nun denn, ist gar nicht so schlecht. Heute morgen hat er zum zweiten Mal gelernt, wie die Waschmaschine funktioniert. Wenn er das verinnerlicht hat, kann er ausziehen. (und ich bringe ihm am Wochenende meine Wäsche)

 

Vor zehn Jahren sah das so aus:

(nach dem click!) 

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gestatten: Gluckenmutter

23. Januar 2012

Der große Sohn ist weit weg. In Berlin. Mein Baby.

Er macht ein Praktikum im Bundestag und  da er gerade angerufen hat, weiß ich, dass das wahnsinnig viel Spaß machen muss. Petitionen hat er heute durchgesehen und bewerten dürfen. Aha, naja, meins wäre das nicht. Aber er strahlte durchs Telefon, hat einen eigenen Passagierschein, so dass er sich frei im Bundestaggebäude bewegen darf. Und einen Presseausweis hat er auch. Richtig wichtig, sozusagen.

 

Alles ist gut und ich muss mir keine Sorgen machen, nicht mal darüber, ob er auch satt wird, denn in der Bundestagskantine ist das Essen wohl billig und lecker, Hähnchen und Pommes. Aha, naja, meins wäre das nicht :)

 

Wussten Sie, dass Kinder in ein paar Stunden älter und reifer werden können? (und Mütter in der gleichen Zeit um Jahre altern, wegen der Sorgenfalten und so)

verkehrte Welt

6. Dezember 2011

“So Mama”, spricht das Töchterlein, “du gehst jetzt mal ins Bett und kurierst dich aus.”

“na gut”, krächzte Frau … äh … Mutti, “ihr wisst ja wo ich bin und wenn was ist …”

“… lassen wir dich in Ruhe. Wir sind ja groß genug.”

 

Jetzt: Geklirre vom Tischdecken in der Küche und Spülmaschine-ausräum-Geräusche. Und fröhliches Pfeifen.

Kann ich entspannt ein Fieberschläfchen machen. (und mich immer nur wiederholen: große Kinder sind toll. Vergessen Sie die süßen Babys! )

16.

14. November 2011

Wenn Kinder geboren werden, macht man gerne diese Bilder von kleinen Fingerchen, die einen erwachsenen Zeigefinger umklammern. Haben wir auch gemacht.

Heute … sieht das anders aus:

Der Knabe ist einen Kopf größer als ich, dafür zehn Kilo leichter. Seine Füße sind hoffentlich mit Schuhgröße 46 ausgewachsen. Nun ja, große Füße hatte er schon immer, direkt nach der Geburt hätte Größe 21 gepasst.

 

*****

 

Die Investition in viele Teelichtgläser lohnt sich. Aber das Anzünden der Kerzen dauert seine Zeit. Insgesamt sechs Streichhölzer habe ich gebraucht.

 

Kerzen gehören dazu. Und ich habe die gleiche Freude darüber in den Augen des großen Sohnes gesehen zu haben, wie all die Jahre davor.

 

*****

 

Auch die Gabentische verändern sich im Laufe der Jahre. Werden “erwachsener”. Rasierzeug. Klamotten. Neue Kissen für´s neue Zimmer und das Versprechen, drei LAN-Partys auszurichten. Und doch noch was von Lego: das Weiße Haus.

 

(Zu Weihnachten wünscht er sich die Tower Bridge)

 

Wie jedes Jahr, wie an jedem Geburtstag der Kindelein, bin ich ein bißchen melancholisch. Am Geburtstag des Großen besonders, immerhin war er der Erste. Und ist ja auch immer noch der Erste, muss alles durchboxen, was seinen Geschwistern das Leben deutlich leichter macht. Er war das Kind, das zwei Jahre lang keine Schokolade kannte und er war das Kind, das mit Holzklötzen spielen sollte. Es ist was aus ihm geworden, trotzdem. Oder weil.

Zur Feier des Tages hat er in Sozialkunde eine Kursarbeit geschrieben, Lasagne gebrutzelt bekommen und nach zweijähriger Pause wieder Törtchen mit in die Schule genommen. Mittlerweile also wieder cool genug für so etwas.

16. Großartig. Bleib wie Du bist, mein Großer.

 

*****

 

Deutlich jünger, aber auch ein Erstgeborener: ein kleiner Junge in Berlin. Herzliche Glückwünsche dorthin!

Ebenfalls in Berlin (quasi :)) und nicht minder beglückwünscht: Frau Miest (Alles Gute!!)

Und viele gute Gedanken an die Frau, die uns noch immer Unterhaltung, Vergnügen und Nachdenken schenkt: Astrid Lindgren

 

Sehr erfreut über Verpackungsmaterial:

 

 

Wenn

13. November 2011

es nicht klappen sollte, mit der großen Karriere, dann kann der Große immerhin noch Alchimist werden.

Angeblich seien aber weder Silber noch Gold echt und ganz leicht als Fälschung zu entlarven, behauptet er. Schade, irgendwie.

(ausserdem scheint das wertvollste Metall momentan sowieso Eisen zu sein oder wie sollte es sonst zu erklären sein, dass im Nachbarort die Gullydeckel geklaut werden?!)

fäkal-fatal.

4. November 2011

In der Grünen Villa, strategisch verteilt, stehen vier Katzenklos. Was den dürren Ringelfranz nicht davon abhielt, heute morgen in den Papiermüll zu pinkeln. Doofe Katze.

Als ich eben die Katzenklos reinigte (was ehrlich gesagt auch wirklich nötig war und vielleicht hat er deshalb …), eilte mir Ringelfranz zu Hilfe und wischte mit der Pfote geschickt jede volle Schaufelladung zurück ins Klo. Und als ihm das langweilig wurde, riss er mit seinen allerliebsten Krallen Löcher in meinen Katzenkackeklumpenplastikbeutel.  Danach pinkelte er fröhlich in die eine Ecke des Katzenklos und kackte, noch fröhlicher, in die andere. Dort, wo die Schaufel lag. Sehr zuvorkommend, musste ich den stinkenden Wurm nur noch aus dem Klo heben. Bah. Katzen sind auch ein bißchen eklig.

 

*****

 

In der Grünen Villa gibt es auch zwei Bäder für die dort lebenden Menschen. Strategisch verteilt, eines oben, eines unten.  Vorhin meckerte der Große lautstark durch´s Haus, dass immer besetzt sei, wenn er mal müsse. Das Klo oben jedenfalls, denn unten geht ja niemand. “Unten ist es so einsam”,  sprach der Jüngste vor Jahren und das scheint immer noch der Fall zu sein. Ausserdem wird man unten nicht gehört, im Zweifelsfall, wenn das Toilettenpapier aufgebraucht ist. Und das ist es ja immer. Und, nicht zu vergessen, unten liegen weder Hägar-Comics noch deutsche Balladen, das ist langweilig. Sollte ihr Kind leseunwillig sein, dann bieten Sie ihm einfach Toilettenlektüre. Aber beschweren Sie sich nicht, dass Sie dann immer so lange warten müssen, bis Sie mal dürfen.

 

*****

 

Früher, als die Kindelein im www noch Ranz, Motz und Schlunz hießen,  gab es sogar nur eine Toilette in der Grünen Villa. Die war ständig besetzt und ich schrieb was drüber. Nach dem Klick dürfen Sie lesen, wie Frau … äh … Mutti 2002 schrieb.

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14

19. September 2011

Jeder Geburtstag wird mit Kerzenschein eingeleuchtet. Früh morgens, vor der Schule.
14 Kerzen für jedes Lebensjahr und die eine, dicke in der Mitte zum Älterwerden.

 

 

Geschenke wurden ausgepackt

 

 

und der Schaummausdekoration hinzugefügt.

 

 

Die Farbe in diesem Jahr ist rot!

(Hi Specialty Cinnabar, falls Sie es genau wissen wollen)

 

 

Der Wunschkuchen schmeckte ganz ausgezeichnet und auf dem Baiser haben sich goldgelbe Siruptröpfchen gebildet. Wunderschön! Frühling im Herbst.

 

Die Geburtstagstochter wird von ihrem Großvater auf Händen getragen, das tut er jedes Jahr. (“Wenn ich dich nicht mehr schaffe, musst du mich tragen!”, sagt er dann, der Opa.)

Ein wunderschöner, fröhlicher Geburtstag war das und eine glückliche Tochter geht freiwillig ins Bett. Immerhin gab´s eine Menge neuen Lesestoff.

Bittersüß.

18. September 2011

Morgen wird in der Grünen Villa gefeiert, denn die Tochter hat Geburtstag. 14 Kerzen werden brennen und eine zum Älterwerden. Wie jedes Jahr wird es den Lieblingskuchen geben: Rharbarberkuchen mit Baisser, jedes Jahr im Frühling friere ich Rharbarber ein, für den Geburtstag des Herbstkindes. Den gewünschten Käsekuchen haben wir heute schon mit Herrn Skizzenblog und Mme Ouvrage verspeist, aber es wird auch noch einen Chocolate Fudge Cake geben und hungrig bleibt sowieso keiner.
Wir werden gemeinsam am Tisch sitzen, nachmittags. Die Patentante humpelt mit operiertem Fuß aus Wiesbaden nach Nierstein, Oma Eis kommt mit Lebenspartner und sehr, sehr coolem Geburtstagsgeschenk. Und der Opa ist natürlich auch da.

*****

Der 19. September letztes Jahr.
Dieser bunte, fröhliche, dramatische, blutige und schreckliche 19. September. Der wird auch da sein.

*****

Wir werden morgen feiern und lachen, die Tochter hochleben lassen und reich beschenken. Der große Sohn wird seine Narbe am Arm zeigen und wir werden uns erinnern, wie die Wunde dort klaffte und welches Glück im Unglück es war, dass wir zufällig dort im Hof saßen, als der Unfall passierte. Und wir werden uns erinnern, dass die ganze Familie am Abend bei Oma und Opa im Wohnzimmer saß und wie sanft und golden die Abendsonne ins Zimmer schien. Und dass alle sich von Oma verabschiedeten, ihre Hände streichelten und ihr ein Lächeln entlockten. Eine Stunde bevor sie starb. Welches Glück, dass wir alle dort waren.

So viel Unglück für einen Tag, der uns vor vierzehn Jahren so viel Glück brachte. Aber vielleicht ist es wie beim süßen Kuchen, der schmeckt auch erst richtig gut, wenn eine Prise Salz dabei ist.

Jugendsprech, komisches

24. August 2011

Die Sprache der Jugend ist schon eine merkwürdige. Und damit meine ich nicht mal die angebliche Sprache, für die man sogar ein Wörterbuch braucht. (noch nie habe ich einen Jugendlichen so komische Formulierungen benutzen hören. Allerdings sind wir hier ja auch auf dem Land und möglicherweise hinterher …)
Die Rede ist auch nicht von “sry” oder “hdgdl” und wie sie alle heißen, die putzigen Abkürzungen aus facebook oder SMS.

Ich habe Probleme mit der deutlichen Aussprache, der Sprachmodulation oder, um hier mal Klartext zu sprechen: es nervt mich ungemein, dass meine Kindelein nuscheln. Die Zähne nicht auseinander kriegen. Dafür sehr schnell sprechen. Und wenn ich “wie bitte?!” frage, nuscheln sie schnell lauter. Oder beißen noch mal rasch ins Brot, um dann mit vollem Mund zu antworten. Aber das ist ein eher individuelles Ding.
Das unverständliche Schnellnuscheln (sagen Sie doch bitte dreimal hintereinander schnellnuscheln OHNE zu nuscheln) scheint mir da doch eher ein verbreitetes Problem zu sein. Vor zwei Jahren oder so bemerkte ich es am großen Sohn der Freundin, die nie Zeit hat. Der ist immerhin zweieinhalb Jahre älter als mein großer Sohn und die Prophezeiung der Freundin, die nie Zeit hat, traf wirklich zu. Sie sagte: “Warte mal ab, deine Kinder machen das auch noch”, als ich sie nach dem Grund des Nuschelns fragte. (einen Grund wusste sie nicht, weil es wahrscheinlich gar keinen gibt. Oder gibt es die pubertäre Zungenschlappheit?) Kurze Zeit später erwischte es ihre Tochter, die so alt wie mein ältester Sohn ist. Und dann schwappte es zu uns.
“schweissnich” statt “ich weiß es nicht”.
“smirgal” ist kein Elbennamen sondern ist mir egal.
Gebräuchliche Phrasen kann ich mir mittlerweile recht gut zusammenreimen. Schwierig wird es dann bei Worten, die nicht ständig fallen und die deshalb manchmal bis zur Unkenntlichkeit vernuschelt sind. Ich frage einmal, zweimal nach und ernte letztlich empört- genervtes Überartikulieren.

Sie da draußen wissen bestimmt, dass auch das nur eine dieser berühmten Phasen ist, die sich mit dem allzeit-bereit Mütter-Mantra “alles wird gut!” überstehen lässt. Oder? ODER?! Immerhin haben wir die lustige “ich häng einfach an alles ein i”- Phase überstanden und ganz früher auch die “Sesamstraßen-Phase” (wieso, weshalb, warum? wer nicht fragt usw.)

Ich jedenfalls erschrecke mittlerweile nicht jedesmal, wenn ich etwas nicht verstehe und hypochondre beginnende Schwerhörigkeit. Wir hatten ja früher so was nicht. Wir haben allerhöchstens mal ganz leise *geil* gesagt. Oder *SAU* in den Schnee auf der Autoscheibe geschrieben. Das schlimmste Schimpfwort war *Arschloch*, aber selbst das wurde so deutlich gesprochen, dass nur die doofsten Kinder das “r” beim Schreiben vergaßen. Jaja, früher war eben alles besser. (außer die Mode)

Kinderkram.

16. August 2011

“Wir haben heute einen Vokabeltest geschrieben”, sprach der Jüngste neulich beim Mittagessen, “und man konnte sich aussuschen, ob man die Note haben will.”

“UUUND? Was haste?”, fragte Frau  … äh … Mutti, nur leicht angespannt, denn wir haben ja schon die gesamte Notenbreite durch.

“Eine zwei …”, erwiderte das Kind und Frau … äh … Mutti brach in ungehemmtes Freudengeheul aus, “… aber ich hab sie nicht gewollt.”

“…?!!”, fassungsloses Schweigen am Mittagstisch, auch bei den größeren Geschwistern.

Er habe sich eben gegen die zwei im Englischvokalbtest entschieden. Basta.

(nach einem kurzen Gespräch war er zu überzeugen, dass man eine zwei IMMER mitnehmen muss, für schlechte Zeiten halt.)

(der Lehrer hatte sie ihm bereits eingetragen, erfuhren wir einen Tag später.)

(dass ich noch nicht schlohweiß auf dem Kopf bin, das wundert mich doch sehr.)

 

*****

 

Der Große hat theoretisch als Oberstufenschuler auch nachmittags Unterricht. Praktisch sieht es derzeit so aus, dass er maximal fünf Stunden Unterricht am Tag, der Rest fällt aus. Er frohlockt, mir schwant Übles, denn der Stoff muss ja irgendwann aufgearbeitet werden.

 

*****

 

“Komm Tochter, wir bastlen dir mal einen facebook-account, damit du endlich mal technisch und zwischenmenschlich-kommunikativ up-to-date bist!”, quälte Frau … äh … Mutti das Töchterlein ein paar Wochen lang. So lange, bis sie endlich nachgab.

Jetzt hat sie einen account, viele, viele Freunde und ich  muss mir überlegen, welche Benutzungsregelung ich einführe, denn Hausaufgaben mit gleichzeitigem chatten will mir nicht so recht gefallen. Selbsteingebrockte Suppe, die ich da auslöffeln muss.

 

*****

 

Der Große fährt mit dem besten Vater meiner Kinder am Wochenende nach Köln zur gamescom. Er freut sich sehr und hat noch nicht realisiert, dass er als noch 15jähriger wohl gar nicht die Spiele ausprobieren kann, die er schon seit einem Jahr spielt. Für das blaue Bändchen sehe ich also schwarz, trotz Elternbegleitung.

 

*****

 

Und nochmal der Große: Wo bekomme ich eine gescheite Jacke für den Knaben her? Wasserdicht muss sie sein, gerne eine 3in1-Jacke, der Preis spielt mittlerweile fast keine Rolle mehr :/ , denn es ist sehr schwer, etwas zu finden. Er ist knapp 1,90m und dünn. Jacken in XL schlackern an ihm herum und die Ärmel sind trotzdem zu kurz. (XXL-Jacken sind nur weiter, die Ärmellänge bleibt gleich) Gegen angehäkelte Ärmelverlängerungen in hübscher Kontrastfarbe wehrt er sich trotzig, aber vielleicht kennen Sie ja das Fachgeschäft für langarmige Menschen?!