Januar

Es hat hier fast schon Tradition, zu Beginn des neuen Jahres ein bißchen umzuräumen oder wenigstens zu renovieren. In diesem Januar bekam zuerst das Arbeitszimmer des Gatten einen neuen Anstrich, später tobte ich mich (mal wieder) an den Küchenmöbeln aus. Das etwas fehlgegriffene irgendwie-türkisgrün wurde abgeschliffen und durch erdbeerjoghurtrosa Lack ersetzt. Das Ergebnis ist ganz wunderbar hell und fröhlich, für mindestens ein Jahr bin ich wieder sehr mit meiner Küche zufrieden.

Aus China kamen merkwürdige Nachrichten, aber hey! China ist weit weg und ein komisches Virus noch weiter, meine einzige Sorge galt den Schmerzen in meinem Bauch. Die „Geistergalle“ habe ich sie getauft, da diese Schmerzen wie eine mittelschwere Gallenkolik sind. Nach Entfernung der Gallenblase sollte ich davon doch erlöst sein, dachte ich. Oder halt doch nicht. Der Leidensdruck war aber nicht groß genug und zum Arzt kann ich ja irgendwann gehen.

Wir feierten mit den Freunden ein Margarita- und Quesadillafest und weil feiern wirklich Spaß macht, begannen wir mit ernsthaften Vorbereitungen für die Vierteljahrhundert-Gartyparty. Wir erstellten eine Gästeliste, bastelten Einladungskarten, brachten diese auf den Weg und begannen uns sehr, sehr vorzufreuen!

Ansonsten passierte einfach nichts. Es wurde ein bißchen kälter, Schnee gab es trotzdem nicht. Lola wurde fünf Jahre alt und sie ist nach wie vor mein bestes Sportgerät und meine größte Bewegungsmotivation, egal bei welcher Witterung.

Februar

Oma Eis wurde siebzig. SIEBZIG! Unfassbar, denn da sie nur zwanzig Jahre älter als ich ist, bedeutet das ja, dass ich demnächst … ach herrjeh. Ich finde aber, sie hat sich unfassbar gut gehalten, das Alter sieht man ihr keineswegs an und vermutlich hat sie überhaupt keine Zeit, sich irgendwie alt zu fühlen, weil sie mit ihren unzähligen Ehrenamtsposten jede Menge zu tun hat. Sie feierte ihr großes Fest mit Familie und Freunden.

Eine Woche später feierten wir den Geburtstag einer Freundin, kamen in den Genuss eines Whisky-Tastings und begannen über „dieses Virus“ zu diskutieren. Ende des Monats luden wir zum Kreppelessen, ließen den Jüngsten an seinem 21. Geburtstag hochleben und dann war uns klar, dass es das jetzt war. Wir amüsierten uns leise über Klopier- und Nudel-Hamsterkauf-Meldungen, doch tatsächlich stockten wir unsere Vorratshaltung nach und nach ebenfalls auf, für alle Fälle halt.

Der Garten erwachte ganz leise wieder zum Leben, die ersten Bienen flogen und wir tranken wieder Kaffee hinten am Gartenhüttchen. An den letzten Tagen des Monats lag tatsächlich nochmal Schnee, aber den nahm niemand mehr ernst.

März

Irgendwas mit Zitronen und Limonade.

Corona ist da und das ganze Leben ist surreal. Während ich mich während der Hunderunde über die ersten wärmenden Frühlingssonnenstrahlen freute, versuchte ich mir vorzustellen, was „Pandemie“ bedeutet. Eine völlig abstrakte Vorstellung, irgendwas, was in Filmen passiert. Nicht mehr ganz so weit weg.

Unsere Vorratsregale und Schubladen waren gut aufgefüllt, der Tiefkühlschrank ebenso. Sogar Toilettenpapier für künftige Händel auf dem Schwarzmarkt war vorhanden. Wir klärten mit den Großeltern, wie sich die Einkäufe künftig gestalten und mit den Hunderundefreundinnen gemeinsam entwicketle ich Hunderundenotfallpläne, wie sich Krankenvetretung gestalten ließe. Der Gatte zog Mitte des Monats komplett ins Home Office, die Tochter durfte nicht mehr ins Studentenwohnheim und zog ins Nähzimmer zum Online-Studium, der Jüngste bekam einen Passierschein, auf dem „systemrelevant“ stand,, der Große übernahm das Auto, damit er nicht den Nahverkehr nutzen musste und ich räumte das Gäste/Sportzimmer um. Ein Behelfsnähzimmer entstand, denn ich begann sehr viele dieser belächelten Masken zu nähen.

Die Menschen im Internet und im echten Leben rutschten alle in den „wir halten zusammen und stehen das durch“-Modus. Wir warfen Schokolade in Briefkästen und freuten uns über zwei Flaschen Bier, die uns vor die Haustür gestellt wurden und die wir dann mit den Freunden über threema gemeinsam tranken. Kinder klebten für andere Kinder Regenbögen an die Fenster und wir unterstützten freudig unsere Lieblingslokale, indem wir regelmäßig deren Lieferservice nutzten. Diese Corona-Sache nahm ich ernst, aber irgendwie schien sie wie ein großes Abenteuer. Wir hatten es ja auch wirklich leicht, weil es weder beruflich noch gesundheitlich Einschränkungen gab und die Kindelein eben keine kleinen Kindelein mehr sind. Gleichzeitig musste ich mich sehr zusammenreißen, nicht in eine Panik zu kippen oder nur noch zu heulen. Äußerst ambivalent, meine Gefühlslage, doch ich weiß, dass ich damit nicht allein war. Das tröstet.

Einmal traffen wir uns noch zum Essen bei den Freunden drinnen, beschlossen dann aber gemeinsam, dass das vorerst das letzte Mal gewesen sein musste. Der Geburtstag vom Opa fand auf unserer Terrasse statt. Apropos Terrasse: „die ewige Baustelle muss schwinden und deshalb heuern wir einen Experten an!“ wurde endlich beschlossen und angeleiert.

April

Corona hatte uns im Griff. Sogar in Nierstein war es angekommen und so langsam kannte jeder einen, „der es hat(te)“. Nach wie vor trafen wir uns nicht mehr „in echt“, von kurzen Gesprächen über den Gartenzaun mal abgesehen. Isoliert fühlte ich mich nicht, denn ich hatte nach wie vor bei jeder Hunderunde Begleitung, austauschen war also möglich. Ansonsten fühlten wir uns sehr, sehr privilegiert, wenn wir mit dem Nachmittagskaffee hinten bei den Bienen saßen oder uns im Garten austobten. Wir mussten uns nach wie vor keine Sorgen um Arbeitsplätze oder Betreuung/Beschulung von jüngeren Kindern machen, im Freundeskreis fanden sich keine Schwurbler und wenn ich ein klitzekleines Bißchen verzweifeln mochte, machte ich mir das bewusst und schon ging es wieder (weiter).

Weil die Maskenproduktion mittlerweile als Ehrenamt nicht mehr zu stemmen war, meldete ich brav ein Gewerbe an und damit änderte sich unsere gesamte Lebensstruktur daheim, weil ich plötzlich auch acht und mehr Stunden am Tag arbeitete und dieser Haushalts- und Essenzubereitungskram verteilt und neu organisiert werden musste. Das klappte nach anfänglichen Schwierigkeiten gut und ich kam mit der Maskennäherei kaum hinterher. Obendrein fühlte ich mich ein bißchen wie eine Kriegsgewinnlerin, als ich beschloss, mit dem Erlös der Maskennäherei ein Gewächshaus zu kaufen.

Der traditionelle große Osterbrunch fiel natürlich aus und das war nicht richtig schlimm. Aber komisch war es schon, dass der Große eben nicht mit am Tisch saß, sondern sich nur kurz über threema meldete.

Ganz großartig fanden (und finden) wir den Cocktail-Lieferservice von Adam´s Bar in Oppenheim, der uns mit den Freunden zusammen einen sehr lustigen Abend schenkte!

Mai

Der Mai begann mit einer Absage. Die Vierteljahrhundert-Gartyparty konnte natürlich nicht stattfinden. Bevor ich deswegen richtig traurig werden konnte, prosteten wir uns zur Silberhochzeit zu und ich bekam ein wunderbares Geschenk! Eines, das für uns beide Arbeit bedeutete. Für den Gatten, weil er aufbauen muss, für mich, weil ich es befüllen, pflegen und beernten muss: ein großes Gewächshaus! Der Erlös des Maskenverkaufs floß natürlich mit hinein, aber für den Rest hätte es doch noch sehr viel mehr Masken gebraucht. Ich war also getröstet und glücklich, alle Kummertränchen waren getrocknet. Jedenfalls bis ein großes Paket eintrudelte, in dem sich ein gigantischer Pfingstrosenstrauß befand. Ein Ersatz-Gartyparty-Gruß aus der Schweiz, der mich sehr laut schniefen ließ. Am Gartypartytag dachten sehr viele der wieder ausgeladenen Gäste an uns, manche reisten sogar kurz über den Rhein an, klingelten und überreichten selbstgebrauten Alkohol. Nächstes Jahr klappt es vermutlich immer noch nicht, aber übernächstes Jahr! Dann feiern wir eine krachende Gartyparty!

Da unser Auto (bzw. Opas Auto, wir haben ja gar keines) noch immer in Mainz beim Großen stand, waren wir sehr viel mit den Rädern unterwegs. Selbst Großeinkäufe sind mit Satteltaschen und Anhänger gut zu stemmen, in nächster Zeit werden wir kein Auto mehr brauchen.

Ich war nach wie vor mit Maskennäherei beschäftigt, parallel ging es im Garten richtig los. Unsere Bienenvölker mussten versorgt werden, Oma Eis versorgte mich mit sehr vielen Erdbeeren, so dass ich sehr viel Konfitüre kochen konnte. Der Hamster in mir war darüber sehr glücklich.

Das Wetter im Mai ließ soziale Kontakte wieder zu. Wir radelten mit Freunden in Nachbargemeinden zum Pizza essen oder Cocktails trinken, besuchten einander in Hof und Garten und der Gatte genoss weiterhin die Vorzüge des Home Office: nach Feierabend ist ohne den langen Heimweg noch viel vom Tag übrig.

Juni

Das Bild täuscht, denn Masken gehörten noch nicht zum Alltag. Es gab sehr viele Diskussionen über Sinn und Nutzen, aber letztlich gehörten sie dann dazu. Diese Maske hier trug ich aber, weil ich bei den Bienen eine Oxalsäurebehandlung gegen die Varroamilbe machte.

Die AHA-Regel bestimmte unseren Alltag. Wie bitter sie ist, zeigte sich, als die Freundin zum Trost nicht in den Arm genommen werden konnte. Und wie furchtbar, als wir auf dem Friedhof standen und einer trauernden Familie nur zunicken konnten.

Großartig in diesem Juni war, dass unsere Terrasse fertig wurde. Wir hatten endlich unser zusätzliches Wohn-, Ess- und Schlafzimmer wieder! Und weil große Feiern nicht möglich waren, mussten wir eben viele kleine Einweihungsfeiern machen.

Ebenfalls toll war unsere erste Honigernte! Das große Bienenvolk war fleißig, wir konnten 12 Kilo Honig ernten und selbstverständlich war (und ist) es der beste Honig, den wir je kosteten.

Im Garten gab es jede Menge Beeren zu ernten, ich war ausreichend mit dem Pflücken, Entsaften und zu Gelee Verkochen von Johannis – und Stachelbeeren beschäftigt.

Juli

Der Gatte reiste mit den beiden jüngeren Kindern in die Berge. Sie hatten einen alpinen Basiskurs belegt und nachdem zugesagt worden war, dass alle AHA-Regeln gut eingehalten werden können, fand dieser auch statt. Ich blieb also mit Hund, Kater, Enten und Bienen eine Woche allein. Alleinsein gehörte zu den am Schmerzlichsten vermissten Dingen in diesem Jahr, denn immerimmerIMMER war irgendjemand im Haus. Jetzt also war ich allein, aber ganz so toll war das auch nicht, denn einerseits war ich eben leise in Sorge, ob der Familie in den Bergen womöglich etwas passierte. Andererseits verlangten Hitze und Trockenheit sehr viel Gießeinsatz im Garten. Dies zusammen mit den Hunderunden war dann doch etwas anstrengend. Zudem galt es weiterhin Ernteerträge zu verarbeiten und obendrein hatte ich mir in den Kopf gesetzt, den gelben Badezimmerboden dunkelgrau zu streichen.

Pünktlich zur Brombeerernte kam die Familie wohlbehalten wieder zurück. Der Gatte war erholt genug, um eine tolle Polsterboxen-unterbring-und-gemütlich-drauf-liegen-Bank für die Terrasse zu bauen und das Fundament für das Gewächshaus zu beginnen. Wir feierten weitere kleine Terrasseneinweihungen und am Monatsende stach ich mir ein winziges Holunderästchen durch den Arm.

August

Die unscheinbare Holunderastwunde war plötzlich nicht mehr klein und lächerlich, sie hatte meinen Unterarm anschwellen und heiß werden lassen. Dottore war angemessen beeindruckt und verabreichte ein Antibiotikum. Dies zeigte keine Wirkung, weswegen er mich ins Krankenhaus weiterleitete. Dort schnitt man mir den Arm auf, entfernte Rinde und Eiter und schickte mich zur Genesung ins heimische Bett.

Das heimische Bett befand sich nachts übrigens auf unserer Terrasse, weil es im Haus einfach viel zu warm war. Außerdem gab es draußen viel mehr Sternschnuppen zu sehen.

Ich schonte also wie verrückt meinen Arm und als er endlich wieder einsatzfähig war, startete ich die Näherei für den virtuellen Weihnachtsmarkt. Der Gatte und der Jüngste „verreisten“ erneut. Sie packten ihre Tourenrucksäcke und verschwanden für drei Nächte im Wald. Den Hund nahmen sie mit, so dass ich GANZ ALLEIN, OHNE VERPFLICHTUNGEN daheim war. Ein echtes Geschenk!

Die Apfelernte begann und weil beide Bäume sehr viele Äpfel trugen, beschloss ich in einen guten Dörrautomaten zu investieren. Das habe ich nicht bereut, denn außer Äpfel dörrte ich Birnen, Tomaten, Zucchini, Paprika, Peperoni, Pilze, Lauch, Sellerie, Karotten und alles, was bei drei nicht aus der Küche war. Ein geiles Gerät!

Wir verabschiedeten mal wieder die Tochter. Diesmal reiste sie für ein Semester nach Finnland. Mit gemischten Gefühlen, denn nach ihrer Ankunft erwartete sie erstmal die Quarantäne und wie sich das Studieren gestalten sollte, war eben auch zunächst unklar.

September

Da der Jüngste und der Gatte so erholt und glücklich aus dem Wald zurückgekommen waren, wurde ich sehr neidisch und wollte auch!

Das war der Beginn unsere neuen, eigentlich wiedererweckten, Leidenschaft: Trekkingtouren. Mein gedörrtes Gemüse verwandelte ich in wasserlösliche Trekkingmahlzeiten, außerdem probierten wir uns durch verschiedene Fertiggerichte. Ausrüstung wie Zelt, Schlafsack, Rucksack und Kocher hatten wir sowieso, passende Wanderklamotten besitze ich wegen der Hunderunden auch in großen Mengen. Wir mussten also alles nur einpacken, Trekkingplätze im Wald buchen und mit dem Zug losfahren. Den Rucksack schultern und loswandern.

Eine Woche waren wir unterwegs, trafen sehr wenig Menschen, gingen uns nicht auf die Nerven und schmiedeten Pläne für die wirklich große Tour. Es war einfach wundervoll! Weil ich mir aber die Schlüsselbeine unter dem Rucksackgurt blau rieb war klar, dass mit meiner Ausrüstung etwas geschehen muss.

Wir waren rechtzeitig wieder daheim, um die vielen Pakete, in denen unser Gewächshaus verpackt war, entgegenzunehmen. Außerdem startete die Zwiebelkuchensaison. Die Lese hatte begonnen, es gab Federweißer zu trinken und weil das Wetter es weiterhin zuließ, feierten wir einige kleine Federkuchenfeste statt eines großen Festes.

Den Rest des Monats dörrte ich sehr viel Gemüse und nähte für den virtuellen Weihnachtsmarkt. Wir sahen unzählige youtube-Videos über diverse Ausrüstungsgegenstände und kauften schließlich einen neuen Kocher. Der Tochter schickten wir ein Geburtstagspäckchen nach Finnland, den Großen trafen wir zum Essen auf der Terrasse. Corona war da, aber nicht mehr im Vordergrund. Wir umarmten unsere Freunde nicht mehr, konnten sie aber treffen und mit ihnen schwätzen, das war irgendwie fast genug oder einfach besser als nichts. Die Infektionsrate begann langsam zu steigen und langsam graute mir ein bißchen vor dem kommenden Winter.

Oktober

Was über den Sommer leicht zu ignorieren war, war jetzt nicht mehr zu überlesen, übersehen, überhören. Die Neuinfektionen stiegen und stiegen. Von der Mut-mach-Welle des Frühlings war kaum noch etwas zu spüren. Der Ton im Internet zog an, Querdenker und Schwurbler schrieen so laut, dass die besonnenen, mahnenden Stimmen derer, die Ahnung haben, übertönt wurden. Unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern sorgten für Verwirrung und Unzufriedenheit, es gab regelrechte Betroffenheitswettbewerbe, wen welche Regelungen denn nun noch härter treffen und „wie kannst du dich sorgen, dein Mann hat Arbeit und deine Kinder sind groß!“ musste ich mehr als einmal lesen. Das Internet war nicht mehr mein Wohlfühlort, ich merkte, dass ich mich sehr vorsichtig ausdrücke.

Im echten Leben trafen wir uns zu Hunderunden mit Familie und Freunden. Oma Eis und ich frühstückten weiterhin tapfer auf der Terrasse, den Geburtstag des Gatten feierten wir mit Picknick in einer Wingertshütte. Im Nachhinein war uns klar, dass wir dort viel zu eng beisammen saßen. Nochmal Glück gehabt, aber dann auch die letzte Veranstaltung dieser Art.

Ich verbrachte Zeit im Garten und sehr viel mehr Zeit im Nähzimmer und tatsächlich flohen wir noch mal für zwei Nächte aus dem Alltag.

November

Der Herbstwald war wunderschön. Am Morgen voller Nebel und kühl, überall die verschiedensten Pilze und in der letzten Nacht urgemütlich bei prasselndem Regen im Zelt. Schade, dass wir zurück mussten.

Daheim warteten Wingerte in Herbstfärbung, diesmal hielt der Zauber fast zwei Wochen!

Viel zu früh räumte ich zuerst die Weihnachtssüßigkeiten und kurz darauf das Weihnachtsschnickeldi in die Schaufenster des Weltladens. Genau richtig, wie sich zeigte, denn binnen kürzester Zeit war der größte Teil der Waren ausverkauft.

Den Geburtstag des Großen feierten wir auf der Terrasse und kurz darauf startete ich den virtuellen Weihnachtsmarkt. Beides ein großer Erfolg!

Von Weihnachtsstimmung war ich so weit entfernt. Oder schon wieder entfernt. Im Weltladen hatte ich drei Bäume geschmückt, das reichte irgendwie für dieses verrückte Jahr, den Adventskranz bekam ich nur deshalb fertig, weil ich im Frühling schon Kerzen gekauft hatte (und noch wusste, wo ich sie hingeräumt hatte) Ganz komisch, denn ich liebe dieses ganze Weihnachtsschnickeldi und freue mich jedes Jahr arg auf den Advent, wenn ich es wieder aus den Kisten kramen kann.

Wir kauften uns unsere Weihnachtsgeschenke und weihten sie direkt ein: neue Schlafsäcke. Unser Zelt schlugen wir im Wingert auf, während einer der ersten Frostnächte. Wir wollen jeden Monat mindestens eine Nacht draußen schlafen, hatten wir uns vorgenommen und wie sich zeigte, muss diese Spät-Novembernacht für den Dezember gelten, denn im Dezember haben wir es nicht geschafft.

Zum Monatsende kam dann eine Nachricht, die mir die Knie sehr weich werden ließ und ich bin, nicht so wie der Gatte, noch nicht gänzlich entspannt.

Dezember

Tja. Dezember. MEIN Monat. Mein Binzessinnentag! Und in diesem Jahr hätte es das ganz große Fest werden sollen, immerhin war es ja der 50.

Aber dann eben nicht. Doch noch bevor ich darüber traurig werden konnte, gab es viele Geschenke und von morgens bis abends Besucher an der Haustür und auf der Terrasse. Mir wurde gesungen, ich bekam Wunderkerzen angezündet, Kuchen gebacken, Blumen geschenkt und statt einmal mit zehn Menschen, prostete ich zehnmal mit einem Menschen. Ein rundum gelungener Geburtstag! Am Wochenende darauf feierten wir dann in Etappen auf der Terrasse und später am Lagerfeuer und ja, es war eine ganz andere Feier als geplant, aber womöglich war sie sogar viel schöner! Das ist übrigens die Lehre, die ich aus diesem Jahr gezogen habe: anders ist nicht automatisch schlechter. Das sollte mir klar sein, aber es brauchte wohl ein solches Jahr, um mir die Augen zu öffnen.

Pünktlich zu Weihnachten wurde das Gewächshaus fertig und jetzt steht ja unserem Selbstversorgerleben eigentlich nichts mehr im Weg. Fast.

Die Tochter reiste aus Finnland an, mit Geschenken und sehr vielen Bildern, Filmen und Geschichten. Wir wollen jetzt auch alle nach Finnland! Der Große samt Freundin reisten zum zweiten Weihnachtsfeiertag an und blieben über Nacht. Offiziell erlaubt, aber eigentlich gegen unsere persönlichen Regeln. Es tat so gut, die ganze Brut auf einem Haufen zu sehen! Wir aßen fein, wir tranken noch besser und tanzten bis um zwei Uhr morgens. Das muss jetzt wieder eine ganze Zeit reichen.

Die Tochter ist heute wieder nach Bayern abgereist, wir werden uns erst im Frühling wiedersehen, wenn sie wieder zum Studieren nach Mannheim zieht. Der Jüngste trifft seinen Freund und der Gatte und ich feiern eine rauschende Silvesterparty. Vermutlich schauen wir youtube-Videos zum Thema „Isomatten“, essen eine leckere Kleinigkeit und trinken gegen Mitternacht Sekt auf den Impfstoff.

So zusammengefasst liest sich unser Jahr wie eine einzige Feier! :) Tatsächlich haben wir aber auch jedes Treffen mit der Familie oder den Freunden, jede gemeinsame Unternehmung zelebriert. Und weil es so wenige waren, bleiben sie eben als etwas ganz Besonderes in Erinnerung.

Rutschen Sie gut rein, bleiben oder werden Sie gesund und glauben Sie mir, ich würde gerne versprechen, regelmäßig zu bloggen. Doch ich bin überraschend oft sehr dünnhäutig und dann reicht es einfach nur für nette Instagrambildchen.

Dennoch. Immer die Ihre.

Die letzte Etappe, unfassbar! Aber auch ganz passend, denn irgendwie verließ mich langsam die Wanderlust. Dies ist wahrscheinlich einer der Gründe, weswegen ich niemals den Camino laufen werde, weil ich nach einer Woche zappelig werde und viele Ideen habe, die ich statt in der Gegend herumzulaufen, angehen könnte. Gartenmöbel streichen zum Beispiel. Oder Trittsteine aus Beton gießen. Oder einfach im Rosa Gartenhüttchen sitzen und Kaffee trinken. Da schwingt ein leises Heimweh mit und deshalb: letzte Etappe, passt.

Sehr heiß war für heute gemeldet, doch Frühstück gab es schon ab halb acht, so dass wir zeitig loskamen. 19 Kilometer bis Füssen, vor der großen Nachmittagshitze wollten wir entweder in Füssen im Biergarten sitzen und alkoholfreies Weizenbier trinken oder im Alpsee vor Füssen schwimmen gehen, falls es einfach zu heiß würde.

Wir überquerten auf einer der unzähligen Brücken den Lech und ließen ihn damit erstmal hinter uns. Die ganze Wanderung lang sollten wir ihn nicht mehr sehen, erst zum Ende der Etappe, dann aber mit Getöse.

Unsere heutige Etappe führte uns durch ein Vogelschutzgebiet. Den Aussichtsturm erklommen wir mit Rücksicht auf Lola nicht, aber die Erklärtafeln am Wegesrand samt Vogelstimme auf Knopfdruck hatten es uns angetan. Tolle Sache, hören Sie sich ruhig mal das unterschiedliche Gezwitscher an!

Nach Gezwitscher und gemütlichem Gang durchs Schutzgebiet, querten wir Reute.

Die Freude über Wald und schmalen Wanderweg hielt nicht lange. Der erste Wegweiser Richtung Füssen tauchte auf …

… unglücklicherweise als Autobahnschild direkt neben unserem Wanderweg.

Aber wie so oft auf dem Lechweg: gerade wenn ich trotzig mit dem Fuß aufstampfen und über den blöden Weg schimpfen wollte, kam eine Abzweigung und es wurde schön. Durch den Wald ging es nach oben zur Sternschanze.

Und dann kreuz und quer. Wie die letzten Tage eben auch. Ein bißchen hoch, ein wenig runter, mal auf sehr schmalen, manchmal etwas abenteuerlichen Wegen, dann wieder in langen Serpentinen auf breiten Forststraßen.

Ein letztes Mal passierten wir einen solchen Pfosten:

Hier wird gezählt, was oder wer vorbeikommt, bekamen wir während der ersten Etappe erklärt, als wir zu unseren Erfahrungen auf dem Lechweg befragt wurden.

Kurz vor Füssen erreichten wir den Alpsee. Ein traumhaft schöner See, mit leuchtend blauem Wasser, durch das sich türkisfarbene Streifen ziehen. Leider schien die Sonne gerade nicht, deshalb sprangen wir nicht hinein.

Unser Weg führte am See vorbei, mit Blick auf Neuschwanstein und Hohenschwangau und stellenweise war er auch etwas hundeunfreundlich mit Gitterrostboden.

Kurz vor Füssen gab es noch einen Aussichtspunkt zu erklimmen, doch dort verweilten wir nur kurz, wir wollten ja endlich zur Hauptattraktion!

Zuerst das obligatorische Selfie am offiziellen Endpunkt des Weges …

und dann endlich: die Lechfälle!

Wir sind jetzt schon ein bißchen stolz! 125 Kilometer und ein paar Bonuskilometerchen sind wir gewandert, durch Regen und Sonne, sogar den von mir ganz besonders gewünschten Schnee gab es! Ein toller Weg, abwechslungsreich, manchmal ein bißchen fordernd. Wir hatten die festen Bergstiefel an, doch mit der leichteren Variante wären wir auch prima zurechtgekommen. Wir haben oft „Wie gut, dass noch kein Hochsommer ist, hier würde die Hitze stehen!“ gesagt und nicht immer war das ein Versuch uns selbst zu trösten, weil der kalte Wind uns quälte. Unsere Unterkünfte waren allesamt großartig, von urig bis modern. Wenn Sie wollen, beschreibe ich diese nochmals ausführlich. Sollten Sie eine Wanderung auf dem Lechweg planen, fordern Sie sich das offizielle Reisepaket mit sämtlichen Unterlagen an, darin finden sich auch die Hotels am Wegesrand.

Wir schlugen die Zeit in Füssen bis zur Abfahrt unseres Zuges mit Essen tot, denn für Sightseeing fehlte uns die Kraft. Außerdem waren da plötzlich so viele Menschen, daran waren wir gar nicht mehr gewöhnt!

Mittlerweile sitzen wir im ICE nach Frankfurt. Der Hund schläft und wir jonglieren mit Anschlüssen, weil der ICE außerplanmäßig nicht da hält, wo er halten sollte. Aber alles halb so schlimm, bald darf ich in mein eigenes Bett und morgen die Blase an meiner Ferse pflegen. Und darüber schreiben, wie eine Mehr-Tages-Wanderung mit Hund funktionieren kann.

Frühstück gab es, wie bisher in jedem Hotel, um acht. Eigentlich viel zu spät, denn echte Gipfelstürmer oder Wanderer, die früh aufstehen, weil sie einen hyperaktiven Hund dabei haben, haben sehr viel früher Hunger. Letztere müssen dann warten und werden ein klitzekleines Bißchen knurrig, Erstere müssen sich wirklich sputen, wenn sie die fünf-Stunden-Touren zu einem Gipfel hin und zurück bewältigen wollen. Lch vergaß nachzufragen, wie das denn ist, wenn man wirklich früh los will, ob man dann womöglich hungrig wandern muss? Kann ich mir kaum vorstellen. Ist ja auch erstmal egal, wir hatten keinen Gipfel zu erklettern, sondern eine relativ ebene Strecke mit ein paar Hubbelchen und einem ordentlich Anstieg am Ende vor uns. Die Sonne schien und wir stellten uns auf einen ähnlich heißen, zähen Tag wie gestern ein.

Und weil ich nicht das hunderttausendste Panorama und „schau, diese AUSSICHT!“- Bild machen wollte, knipste ich halt Kurioses.

Servus!

Und, kaum vorstellbar beim Anblick des doch eher friedlich dahinrauschenden Lech, diese Warnung:

Das war es aber schon an Kuriositäten, letztlich bleibt es eben doch bei „Ah!“ und „Oh!“ angesichts der Gegend, durch die uns der Weg führte.

Eine zeitlang liefen wir wieder direkt neben dem Lech, diesmal ein kombinierter Rad/Wanderweg, was wirklich, wirklich nervig war, weil wir ständig zur Seite hüpfen mussten. Auf großen Schautafeln kann man nachlesen, wie dieser Abschnitt des Lech nach und nach renaturiert wird, damit er wieder „durch die Landschaft mäandert“. Ein großartiges, langwieriges und sehr kostenspieliges Projekt, das aber aus solch einem Anblick

eher wieder so etwas machen wird:

Der Weg führte vom Lech weg, über Weiden (ohne Kuhkontakt) und durch den Wald und weil es sonnig in Kombination mit einem kühlen Wind war, liefen wir leicht und fröhlich plaudernd.

Manchmal mussten wir ein bißchen grinsen, weil es so schien, als habe man beim Anlegen des Weges überlegt, wo doch noch ein wenig Abwechslung herauszuholen sei. :)

Schneller als erwartet kamen wir zum letzten Anstieg des Tages und damit auch zum running gag unserer Wanderung: „Geh den Lechweg!“, haben sie gesagt, „Der geht ja immer bergab!“, haben sie gesagt, „Weil ein Fluß fließt doch bergab!“ Haben sie gesagt.

Nix bergab. Steil durch den Wald nach oben, das Stahlseil für schwierigere Stellen nahm ich gerne zum Hochziehen des unwillig schnaufenden und schwitzenden Körpers. Der Hund – galoppierte vorneweg …

… warf aber ab und zu einen „wo bleibt ihr denn so lange?“-Blick hinunter.

Als wir oben waren, verschwand die Sonne und es kühlte so deutlich ab, dass ich das verschwitzte Trägerhemd mit Wanderbluse gegen ein Merinoshirt tauschte.

Da uns ein Hotel ohne Abendessen erwartete, hatten wir ursprünglich geplant, am Frauensee

Rast zu machen, vielleicht sogar zu schwimmen, und dann gegen abend dort etwas zu essen. Da es aber viel zu kühl war, gab es Kaffee und Kaiserschmarren für uns. Obendrein war erst früher Nachmittag, weswegen wir beschlossen, zum Hotel „abzusteigen“ (knapp 100 Meter runter), dort unser Zimmer zu belegen, duschen zu gehen und dann zum Abendessen wieder zur Hütte am See zu gehen.

Im Hotel erwartete uns ein liebevoller Zettel „wir sind Radfahren, Kaffee und Kuchen stehen im Frühstücksraum und hier ist euer Zimmerschlüssel“. Sehr schön, herrlich unkompliziert. Nach Kaffee und Kuchen beschloss ich, dass ich nur noch eine Dusche, ein bißchen Studentenfutter und vielleicht ein Bier brauche, auf gar keinen Fall aber ein Hochgekraxele zur Seehütte für Pommes und Bratwurst. Der Gatte zog allein davon, ich blieb mit dem Hund im gemütlichen Hotelzimmer.

Der Schrittzähler behauptet, ich sei heute 18,2 Kilometer gelaufen und das erscheint mir wirklich sehr viel, ich bin gar nicht müde! (nur faul) Morgen erwartet uns die letzte Etappe und danach steigen wir direkt in den Zug. Heute schlafen wir also auch die letzte Nacht auswärts, dieser Urlaub ist verflogen!

Die Sonne! Der blaue Himmel! Welch wundervolles Wetter nach Regen und kaltem Wind!

Wie schwer fällt es da, sich von der Bank loszureißen, auf der man gerade gemütlich gefrühstückt hat. Mit Blick auf die Berge ringsherum und ohne weiteres Bedürfnis, auch nur auf einen davon zu klettern. (der Gatte ja schon, der steigt gerne hoch)

Aber irgendwann muss man halt los und schon nach den ersten Höhenmetern erinnert man sich, warum man Bergtouren ziemlich früh startet. Selbst wenn es gar kein echten Touren bis ganz nach oben sind, sondern Panoramawege mit toller Aussicht: wenn in den Bergen die Sonne scheint, dann wird es heiß. Dann werden Felsen heiß (und Felsen geben die Hitze freudig zurück), dann verdunstet das Wasser in den feuchten Wiesen und steigt als warmer Dampf auf. Das macht gar nicht so viel Spaß, aber wer unten trödelt, muss da eben auf dem Weg nach oben durch.

Obwohl der Gatte irgendwas von „nur geradeaus“ gemurmelt hatte, führte der Weg anfangs ein paar mal hoch und wieder runter, manchmal auch durch ein Stückchen Wald, was wir bei steigenden Temperaturen sehr begrüßten.

Irgendwann … ging es tatsächlich nur noch geradeaus. Das war schrecklich öde und weil es heiß und stickig war, marschierten wir einfach stur durch. Vor drei Tagen trafen wir eine Wanderin aus Füssen, die den Lechweg schon kannte. Sie beschrieb die letzten Abschnitte des Weges als „geeignet zum meditativen Wandern“ und ja, das ist eine sehr passende Beschreibung. Gehen und an nichts mehr denken.

Eine Hängebrücke (längst nicht so spektakulär wie die in Holzgau, aber schwankend und ein bißchen hui!) überquerten wir, was uns dann leider auf den für Fußgänger laaaangweiligen Fahrrad-Lechweg führte. Wir folgten diesem über glühenden Asphalt (gefühlt jedenfalls), bis wir endlich wieder auf den Wanderweg stießen. Dieser führte an einem Baggersee vorbei, der so kalt war, das mir die Luft wegblieb, als ich mich endlich zum Schwimmen hineinwagte. Eine grandiose Abkühlung und erneut eine wunderbare Stelle zum Rasten. Die erste Rast hatten wir am Ufer des Lech gemacht, inclusive Füße ins Wasser stellen.

Nach der Baggerseeabkühlung brachten wir die letzten Kilometer bis zu unserem Hotel leicht hinter uns und nach Vier-Gänge-Menü, sehr viel Sonne und ziemlich großer Anstrengung wird es uns nicht schwerfallen, tief und fest zu schlafen.

Auch wenn der Weg nur wegen der Temperaturen herausfordernd war, es gab immer wieder tolle Ausblicke auf Berge und/oder Lech. Was mich besonders fasziniert ist, wie groß so ein Flußbett ist, wenn man den Fluß einfach laufen lässt, wie er will. Der Lech ist ja ein naturbelassener Fluß und stellenweise ist er so zerfasert, dass gar nicht richtig zuzuordnen ist, welcher dieser Arme nun der Hauptfluß ist.

23,1 Kilometer behauptet mein Schrittzähler. (und obwohl ich zwei Kaffees zum Frühstück hatte und unterwegs eigentlich reichlich Wasser trank, musste ich nur einmal in den Wald pinkeln. SO HEISS WAR DAS HEUTE!)

Morgen wird es genauso warm, die Etappe ist ähnlich lang, doch kurz vor Ende müssen wir knapp 200 Höhenmeter steigen. Ich übe bereits ein paar saftige Flüche ein.

Die längste Etappe unserer Wanderung, der Reiseführer spricht von 25 Kilometern. Dazu ein paar Höhenmeter. Erst ganz schön hoch, dann immer wieder auf und ab, eine zeitlang unten an der Lech und gegen Ende wieder richtig hoch. (und wieder runter, unser Hotel liegt direkt am Lech)

Mein Morgen begann nicht allzu gut. Zwei dicke Herpesbläschen an der Oberlippe ließen den Lymphknoten am Hals anschwellen und sorgten für ein allgemeines „ich fühl mich nicht so“. Die Blase an der linken Ferse war mittlerweile offen und die Füße mochten Flipflops viel lieber als die schweren Wanderschuhe. Der vierte Wandertag und gleichzeitig Halbzeit. Irgendwo auf dem Weg würden wir die erste Hälfte hinter uns lassen. Mir egal, ich hatte keine Lust. Immerhin schien es so, als wolle es doch sonnig und warm werden.

Und dann war der Weg halt so, wie Wege in den Bergen starten. Er schlängelte sich über eine Wiese ziemlich steil nach oben, führte auch im Wald immer weiter hoch und ich schnaufte wie eine alte Dampflok. (Gatte und Hund waren deutlich leichtfüßiger)

Irgendwann vergaß ich meine pochende Oberlippe und meine brennende Ferse, meine Atmung beruhigte sich und die Muskeln ergaben sich ihrem Schicksal. Der Wanderschritt war gefunden und mit ihm kehrte meine gute Laune zurück. Berge! Wolken! Und diese bunte Blütenpracht ringsherum! Die nächste Stunde kamen wir kaum voran, weil ich die Macroeinstellung meiner Kamera testete und sämtliche Blüten von vorne, oben, neben und unten photographieren musste. (mit sehr schönen Ergebnissen!)

Der Weg wurde mal breiter, dann wieder schmäler. Forststraßen wechselten mit beinahe abenteuerlichen Trampelpfaden. Durch den Wald, direkt am Lech, auf und ab.

Leider zog es sich immer weiter zu, ein fieser, kalter Wind kam auf und mit dem Wind kam Regen. Nicht genug, um die Regenjacken aus dem Rucksack zu kramen, aber doch so viel, dass ich die Kapuze der Softshelljacke überzog. Auch als Windschutz.

Unten am Lech wartete der Bluatschink auf uns. Lola zeigte sich unbeeindruckt, obwohl es von Bluatschink heißt, er hause im Lech und verschlinge unvorsichtige Kinder. Der sympathische Geselle.

Wir machten eine kurze Mittagspause und ich tauschte kurze gegen lange Hosen. Außerdem zog ich mir das Wollbuff über die Ohren, dieser fiese, kalte Wind!

Der Weg wurde … langweilig. Geradeaus. Schotterwege und leider auch ein Stück hier entlang:

Der Lechweg ist eben nicht nur pure Idylle, doch die weniger schönen Stellen vergisst man tatsächlich sofort wieder. Denn schon um die nächste Ecke wird es entweder so anstrengend, dass man sich nach langweiligem Asphalt sehnt oder der Ausblick lenkt hinreichend ab :)

Dieses leuchtende Eisbonbonblau des Lech hat zwei Gründe:das Wasser ist sehr, sehr kalt (sechs Grad durchschnittlich) und es sind jede Menge Mineralien darin gelöst. Geologen wissen vermutlich, welche Mineralien für das tolle Blau sorgen.

Wir bogen zur letzten Steigung ab, den Panoramaweg nach Elmen. Hoch, hoch, noch höher und dann noch höher und noch ein Stück. Die Füße schmerzten, die Beine waren schwer …

… doch das Wetter lud nicht zum Ausruhen ein.

Eine handvoll Walderdbeeren und Heidelbeeren im Vorbeigehen gepflückt gaben kleine Energieschübe und endlich, endlich standen wir am Hotel. Ein schönes Zimmer und eine heiße Dusche warteten, leider auch das Schild am Hotelrestaurant: „Donnerstag Ruhetag“. Kurz war ich in Versuchung, mit an Müsliriegeln und Äpfeln satt zu essen, doch bis zu einer leckeren Portion Käsespätzle dauerte es nur zehn Minuten zu Fuß. Auf dem Heimweg regnete es, aber das war dann eigentlich auch egal.

Ich schlief gut, hatte ein tolles Frühstück und als der Gatte zum Gipfelstürmen heute morgen aufbrach, drehte ich eine kurze Runde mit Lola. Bevor ich mich lesend von Sonnenfleck zu Sonnenfleck schleppte. Nicht mal 4000 Schritte bekomme ich heute zusammen, gestern waren es ein paar (viele) Schritte mehr. 31,9 Kilometer, behauptet der Schrittzähler.

Morgen geht es wieder weiter!