Kuchen und kochen.

7. Februar 2016

Wir haben verschiedene Traditionen in der Grünen Villa, die wir liebevoll hegen und pflegen. Eine der schönsten ist das Kreppelessen mit Freunden an Fastnacht. Der beste Vater meiner Kinder verkleidet sich als Kreppelbäcker und stellt sich ein paar Stunden in die Küche, um uns alle mit heißem Gebäck, frisch aus der Friteuse, zu verwöhnen.

Ich habe das neulich schon mal erwähnt und wurde nach den geheimen Backtipps und natürlich nach dem Rezept gefragt. Der ultimative Tipp des Bäckers ist: Kreppel kann man nur an Fastnacht backen. :)

Kreppel, Berliner, Pfannkuchen, Krapfen

500g Mehl

40g Hefe

1/8 l Milch

100g Zucker

1 Prise Salz

100g Butter oder Margarine

Aus diesen Zutaten einen Hefeteig zubereiten und diesen an einem warmen Ort eine Stunde gehen lassen. In der Zwischenzeit kann man prima die Friteuse saubermachen, vielleicht deshalb, weil das Fett vom letzten Sommer noch drin ist, in dem man einmal Calamari frittiert hat und das eigentlich noch mal machen wollte, aber dann hat es geregnet, der Herbst kam und dann war plötzlich Fastnacht und die Friteuse braucht man eben selten. Wenn sie sauber ist, wird sie mit frischem Fritierfett gefüllt und auf 160°c geheizt.

kreppel

Der beste Vater meiner Kinder walzte den Teig etwa zwei Zentimeter dick aus …

kreppel2

danach stach er mit einem Glas Teigstücke aus, die zum Ausruhen auf ein leichtbemehltes Blech kamen. Wenn man ihnen ein bißchen Zeit gibt, gehen sie nochmal schön auf. Wenn eine hungrige Meute am Tisch sitzt und es etwas schneller gehen soll …

kreppel3

landen die Teigstücke eben früher in der Friteuse. Wenn sie auf der einen Seite gebräunt sind, müssen sie gedreht werden.

kreppel4

Nach dem Fritieren werden die noch heißen Kreppel mit der Lieblingskonfitüre gefüllt, das geht am Besten mit so einem Spritzbeutel und einer langen Düse. Puderzucker drüberstauben, fertig, essen! Am Besten schmecken sie, wenn sie noch heiß sind!

Wir freuen uns jedes Jahr sehr auf unser Kreppelessen und weil man Tolles gerne teilt, habe ich „meine Syrer“ zum Kreppelfest geladen. „Kommt um drei!“, sagte ich, „Es gibt Kuchen!“

Die beiden sagten zu und kamen pünktlich und schwer bepackt. Wann wir denn essen wollten und wieviele kämen, fragten sie und begannen sehr geschäftig in meiner Küche herumzukramen. Sie kennen sich ja mittlerweile aus, denn beim Sprachunterricht reiße ich ständig Schränke auf und zerre zu benennende Gegenstände heraus.

Mittlerweile waren die Freunde eingetroffen, die Kreppel (und eine Fuhre Waffeln) dufteten, doch „meine Syrer“ wollten nicht am Tisch Platz nehmen. Sie schnippelten Tomaten und hackten sehr viel Petersilie und fritierten einen Berg Fladenbrot in meiner größten Pfanne, rührten in meiner größten Schüssel griechischen Joghurt und Tahina zusammen, Kreuzkümmel- und Knoblauchduft stieg auf.  In einem kleinen Glas quoll Couccous vor sich hin, auf dem Herd kochten Kichererbsen.

„Fada“ und „Taboula“ (<- Lautschrift) wurde liebevoll auf Tellern und Platten angerichtet und auf den Tisch gestellt.

kreppel5

Kreppel und Waffeln passen prima zu „Fada“ und „Taboula“ stellten wir fest, sogar ein Bier kann man dazu trinken. Oder zwei.

kreppel6

Und als wir also so zusammensaßen, ziemlich satt und sehr begeistert von den Köstlichkeiten, die uns aufgetischt worden waren, wurde mir klar: ich muss meine Einladungen künftig etwas unmissverständlicher und deutlicher formulieren. Ich hatte zu „Kuchen“ eingeladen, verstanden worden aber war „kochen“! Im ersten Moment war mir das schrecklich unangenehm und peinlich, aber letztlich konnten wir darüber lachen. Und die Freunde baten darum, bald wieder zur „Kuchen“ eingeladen zu werden.

Das lässt sich vermutlich bald einrichten.

Letzte Nacht (und vermutlich noch zwei, drei weitere Nächte) schliefen wir hier:

eve1

Der beste Vater meiner Kinder im Gästebett, ich auf der Matratze davor, der gar nicht mehr so kleine Hund an meinem Kopfende. Gestern abend vor dem Schlafen fand ich das alles sehr aufregend, das hatte was von Übernachtungsparty mit Schlaflager. Heute morgen dachte ich mir, dass so ein Lattenrost unter einer Matratze doch einen beträchtlichen Komfort bietet. Sollte man nicht unterschätzen.

Grund für unser wildromantisches Bettenlager ist die neue Matratze, die gestern angeliefert wurde. Vermutlich haben Sie bereits in anderen Blogs den einen oder anderen Bericht darüber gelesen, hier nun also unsere Geschichte: Eve (die Matratze) kommt an.

Eve hatte wegen eines technischen Defekts ein bißchen Verspätung, doch nachdem dieser behoben war, kam die Ankündigung ihrer Lieferung sehr schnell.
Laut Trackingnummer wusste ich genau, dass UPS das 30kg schwere Paket am 28.1.2016 gegen Abend ausliefert, weswegen ich mir ab Nachmittag freihielt und den gar nicht mehr so kleinen Hund zum Spielen in den Garten schickte, statt mit ihm zur abendlichen Hunderunde aufzubrechen. Gegen 19:00 begann ich mir Gedanken über die fiesen Arbeitszeiten der UPS-Auslieferer zu machen, zehn Minuten später schaute ich vorsichtshalber nochmal nach dem Auslieferdatum und las sehr erstaunt, dass meine Matratze um 8:52 Uhr ausgeliefert worden war. An unsere Nachbarn. (dass zwei Kindelein zu dieser Zeit daheim waren und dass diese Kindelein die Erlaubnis haben die Tür zu öffnen wenn es klingelt … nun ja. Sie haben das Klingeln vermutlich nicht gehört)

Der beste Vater meiner Kinder war in der Zwischenzeit heimgekommen und gemeinsam gingen wir zum Nachbarn um unsere Matratze einzufangen.

eve2

Sie sehen mich hier sehr vorfreudig ob des riesigen Paketes in der Halle. Und weil sich dieser Zeitpunkt gerade so anbietet – eine kleine Warnung: die nachfolgenden Bilder sind NICHT mit einer Spiegelreflexkamera gemacht, die Lichtverhältnisse waren wegen der Tageszeit grauenhaft und ich habe auf lustige Bildbeschriftungen GÄNZLICH verzichtet. Desweiteren erhalten Sie ungeschönte Einblicke in die am wenigstens attraktiven, weil bisher sträflich bei Renovierungen vernachlässigten Ecken der Grünen Villa. Und ja, Sie werden ein fremdes Schlafzimmer sehen. Brr.

eve3

Der beste Vater meiner Kinder übernahm den Transport der mittlerweile von ihrer Transportverpackung befreiten Matratze. 18 Stufen von der Halle nach oben! Er hat aber nur ein bißchen geschnauft, soll ich sagen.

eve4

Ein erster Blick in den Karton war … äh … interessant. Wer hier schon länger liest, weiß das ich mit diesen einfühlsamen Sprüchen in lustigen Schriftarten nichts … äh … anzufangen weiß und mich bisweilen etwas lustig darüber mache. Aber die Sprüche an den Kistenwänden sind ja völlig egal, viel wichtiger und spannender war doch der Inhalt! Eine komplett zusammengeknödelte Wurst in Plastik, einer Matratze eher unähnlich.

Ach komm, weil es so schön ist: hier noch ein Bild mit GANZ starker Botschaft. (ich schiele schon vor lauter Tiefsinn)

eve5

Der beste Vater meiner Kinder wuchtete noch rasch die alte Matratze aus dem Bett, ich warf einen letzten prüfenden Blick ins Schlafzimmer um sicher zu sein, dass sämtliche jugendgefährenden Gegenstände und Kleidungsstücke sauber verräumt waren (schließlich soll dieses Blog auch weiterhin ohne Altersabfrage auskommen) und dann durfte die neue Matratze auf´s alte Bett.

eve6

Das Herausschütteln der komprimierten Matratze aus dem Karton sieht hier sehr viel leichter und eleganter aus, als es in Wirklichkeit war. Ein Cutter und mächtig viel Schnaufen war zusätzlich vonnöten. Der Hund im Bild dient lediglich der Dekoration, hilfreich war das interessiert zwischen den Füßen herumwuseln eher nicht.

eve7

„Fertig!“, rief der beste Vater meiner Kinder, aber da täuschte er sich gewaltig. (kurze Erläuterungen, falls Sie das gerne fragen würden, sich aber nicht trauen: Unser Schlafzimmer ist der kleinste Raum der Grünen Villa. Das 2×2 Meter Bett passt genau hinein, sehr viel mehr Platz gibt es nicht. Reicht ja für ein Zimmer, in dem fast nur geschlafen wird. Ursprünglich war der Raum eine Küche, weswegen sich hinter dem Vorhang rechts eine kleine Vorratskammer befindet, die jetzt mein Kleiderkämmerchen ist. Und ja, die Gardine am Fensetr hängt durch. Sie ist aus einem alten Leinenkissen genäht, dessen Stoff zu schwer für diese auseinanderziehbaren Gardinenstangen ist. Und ebenfalls ja, man könnte die Bücher von der Heizung räumen. Der helle Mond vor dem Fenster ist das Flutlicht des weiter entfernten Sportplatzes, das Mobilé ist aus Namibia und etwas zugestaubt.)

eve9

Wir entschieden uns, welche Seite der Matratze oben sein soll und ließen sie sich auf dem Bett entrollen. (auf youtube finden Sie sogar Videos davon, wie sich so eine Matratze entrollt, weswegen ich hier auf videobasiertes Dokumentationsmaterial verzichtet habe) Die Weichheit der Matratze zu testen war zu diesem Zeitpunkt wirklich völliger Quatsch, da sie noch vakuumiert war und damit in etwa so gemütlich wie eine Wolldecke auf dem Asphalt. Wir entfernten die Plastikfolie und verließen dann gerne den Raum, denn es roch etwas streng.

eve8

Zur Auflockerung dieses Berichtes wäre es an dieser Stelle schön, könnte ich niedliche, rotwangige, fröhlich mit und in der Kiste spielende (Klein)Kinder zeigen. Die ersatzweise herbeigerufenen Haustiere zeigten – trotz einiger sehr verlockender Leckerlibröckchen – wenig Freude an der gelben Kiste, weswegen wir sie eher unfeierlich entsorgten. (die KISTE natürlich. Orrr.)

eve10

Mittlerweile hatte sich die Matratze vielversprechend entfaltet, der Geruch hingegen war (und ist auch heute noch) sehr unangenehm. Im echten Leben muss man gar nicht so nahe mit der Nase ran, um ihn wahrzunehmen, es handelt sich hierbei also um ein gestelltes Bild.

eve11

(Weia! Die Frontkamera macht wirklich sehr schlechte Bilder!) Der erste Liegetest bestätigte das, was bei vielen anderen nachzulesen ist: Oh ja, sehr weich! Aber beim Ausstrecken passt es eigentlich ganz prima. Außerdem mag ich weiche Matratzen ganz gerne, obwohl das vermutlich eine ähnlich unpopuläre Aussage wie „Ich trinke gerne lieblichen Wein“ ist. Man schläft nur auf harten Matratzen, das gibt Haare auf der Brust. Basta.

Weiterhin nicht auf dem Bett erwünscht und darüber sehr verstimmt: Lola.

eve12

Es bleibt alles sehr spannend. Wie haben einen strikten Heiz-Lüften-Plan erstellt, den wir streng einhalten. So können wir hoffentlich bald testen, ob die neue Matratze hält, was sie im beiliegende Heftchen verspricht: wohltuenden Schlaf.

Darüber werde ich dann demnächst berichten.

Achtung! *** Die Eve wurde mir kostenfrei zum Testen zur Verfügung gestellt. ***

Essen und wenig mehr.

17. Januar 2016

Die Kindelein hatten uns zu Weihnachten ein Rätsel geschenkt:

raetsel

Falls Sie nichts entziffern können – nicht schlimm. Die allerwichtigsten Worte im Buchstabensalat sind „Brunch“ und „Hunderunde“. Bedeutet: die Kindelein bereiten ein gigantisches Frühstück zu und übernehmen die Morgenhunderunde, wir schlafen aus. Und weil das Verwöhnprogramm der allerbesten Freundin auch heute noch weitergehen sollte, lösten wir diesen Gutschein ein.

Ausschlafen ist ja seit Lola bei uns lebt nicht mehr ganz so einfach. (und das ist wirklich ganz schön dämlich, denn nachdem ich gefühlt Jahrzehnte lang im Morgengrauen Bilderbücher vorlas oder Briobahnschienen zusammensteckte, hatten sich die Kindelein mit der Pubertät einen neuen Schlafrhythmus zugelegt: so lange, bis sie geweckt werden, am Wochenende gerne auch erst nachmittags. Statt diesen Zustand nun einfach zu genießen und bisweilen etwas rachsüchtig die Kindelein vor zehn Uhr zu wecken, holten wir diesen Frühaufsteherhund in unser Leben. Die Tage beginnen jetzt also wieder kurz nach sechs, weil der gar nicht mehr so kleine Hund dann aufstehen möchte. Um auf dem Sofa bis um neun weiterzuschlafen, am Liebsten in der Kniekehle des Menschen, der mitaufgestanden ist.) Und so erwachte ich heute morgen um 6:19 von einem tiefen, leicht grollenden „Wrrruff!“, das übersetzt etwa „Mensch, beweg dich, füll mir Futter in die Schüssel. Jetzt, sofort, ich kann es nicht mehr aushalten.“ bedeutet. Der beste Vater meiner Kinder geleitete Lola in die Küche und weckte die Tochter. Danach kletterte er wieder ins Bett. Und ich war wach. Noch wacher war ich dann, als die Tochter mit den Vorbereitungen des Frühstückes begann und ein Blech durch die Küche schmiss. Ich holte mir einen Kaffee ins Bett und las ein bißchen, in die Küche durfte ich nicht. (auch ganz schön, ausschlafen wird überbewertet.)

Der Jüngste zog mit Lola los, die anderen beiden brutzelten, kochten und buken. Kurz nach zehn wurden wir an den Frühstückstisch gebeten und Sie müssen mir jetzt einfach glauben, denn ein Bild zeige ich Ihnen nicht, es war großartig! Vielseitig und viel und sehr lecker.

Leider ist man irgendwann satt und leider geht das immer schneller, als man alles kosten kann. Jedenfalls muss ich jetzt zwei Tage lang nicht kochen, weil es so viele Reste gibt.

Die Kindelein räumten die Küche auf, wir schleppten uns aufs Sofa und bewegten uns und unsere Bäuche die nächsten Stunden nur sehr wenig.

Am Nachmittag brachen der beste Vater meiner Kinder und die allerbeste Freundin zur Hunderunde auf, ich ging ins Café Welcome, dort war ich mit „meinen Syrern“ verabredet. (an dieser Stelle, weil ich bei „meine Syrer“ gerade daran denken muss: Herzlichen Dank für die tolle Post mit Malbuch und Schokolade, das passt ganz genau!) Das Café Welcome lädt einmal im Monat Menschen aus allen Ländern ein. Es gibt Kaffee und jede Menge leckeren Kuchen. (wenn man in Nierstein viele Kuchen braucht, dann wird die Kuchenkette angeleiert. Die Kuchenkette funktioniert seit vielen Jahren und ja, wenn man einmal dabei war, dann ist man lebenslänglich verhaftet.) Für die Kinder gibt es eine Mal- und Bastelecke, für alle spielt immer Live-Musik. Man sitzt zusammen und schwätzt. Oder versucht zu schwätzen, denn meistens ist die Sprachbarriere doch noch sehr groß. Allerdings gibt es internationale Zeichen für „Hallo!“, „Der Kuchen ist lecker!“ und „Schön, dass wir hier zusammensitzen“ und die muss man gar nicht lernen, die sind von alleine da. Ein bißchen Organisatorisches wird nebenbei abgeklärt und Kontakte werden geknüpft. Als alle satt waren, stand ein junger Syrer auf und ergriff das Mikrophon. „Ich muss das jetzt sagen, weil wir hier zusammen sind“, sprach er, „wir alle haben gehört, was in Köln passiert ist. Das entspricht nicht unserer Kultur. Kein menschliches Wesen darf so behandelt werden, kein menschliches Wesen darf so handeln. Wir sind hier um zu lachen, zu leben und zu lieben. Und weil wir Frieden wollen.“ Nicht ganz so fließend, wie ich das hier geschrieben habe, aber fast. Danach wiederholte er seine Rede auf Arabisch und Englisch. Ich hatte ein bißchen was im Auge. Und damit war ich nicht allein.

Zeit heim zu gehen, bevor ich bei zu vielen anstehenden Aufgaben „HIER!“ rufe und mich dann komplett verzettele. (dieses Helfersyndrom ist nicht immer nur eine tolle Sache)

Mittlerweile habe ich Frühstücksreste als Abendessen verspeist und klicke mich durch einen Online-Deutschkurs, um herauszufinden, ob der etwas taugt. Am Freitag öffnet das Internetcafé in der Grünen Villa für die angehenden Studenten, die auf das C1-Zertifikat hinarbeiten, zum ersten Mal. (außerdem kochen am Freitag „meine Syrer“ und sie wollen mir weder verraten, was es gibt, noch darf ich einkaufen. Nur das Nötigste im Haus haben.) Viel mehr passiert hier heute nicht mehr, das Verwöhnwochenende läuft lässig aus. (Und hoffentlich ist die allerbeste Freundin gut daheim angekommen und nicht vom drei-Flocken-Schneesturm verweht worden.)

12 von 12 im Januar

12. Januar 2016

Zwölf Bilder am Zwölften jeden Monats.

Beinahe wäre es nichts geworden mit den zwölf Bildern, denn die obligatorische Morgenkaffeetasse hatte ich vergessen. Der Einstieg deshalb direkt mit mürrischer Miene kurz vor der Hunderunde. Mürrisch deshalb, weil die Millionen Plätzchen des letzten Monats allesamt auf meinen Hüften und dem Hintern sitzen und deshalb die Hunderundehose etwas spannt. Und mürrisch auch deshalb, weil der gar nicht mehr so kleine Hund noch immer läufig ist, weswegen die Hunderunden nur mit Schleppleine gedreht werden. Schleppleinen sind aber lästig, Lola kann nicht rennen und ich muss das kalte, dreckige Ding mit mir rumschleppen. Nun ja, es wird vorbeigehen.

Die Hunderunde war dann doch noch schön, denn es ist ja wie immer: wenn man sich erstmal überwunden hat, macht es Spaß. Unten im Bild die Himelstreppscher, der schnellste Weg aber auch anstrengenste Weg nach oben. Kampf dem Speck, ey.

1 2

Wieder daheim brach der gar nicht mehr so kleine Hund erschöpft auf dem Küchensofa zusammen, während ich mir mein Frühstück kochte. Haferschleim mag ich nämlich sehr gerne, sogar wenn ich aus welchen Gründen auch immer eine Prise Chilisalz statt normalem Salz unterrührte. Zusammen mit Honig und frischer Kaki schmeckte es dann aber doch prima. Statt mich zu Lola zu knuffeln, widmete ich mich dem bißchen Haushalt. Wäsche falten, Spülmaschine aus- und einräumen, Staub saugen – was halt so anfällt.

3 4

Der gemütlichere Teil des Tages begann: vor dem Ofen auf dem Sofa. Das Internet leerlesen und kurz die Augen ausruhen. Die Tochter gesellte sich zu uns. Morgen schreibt sie ihre erste Abiarbeit. Deutsch ist dran, das macht ihr nicht so viele Sorgen. Gut vorbereitet ist sie jedenfalls.

5 6

Damit Sie alle wieder beruhigt durchschlafen können, zeige ich Ihnen ein Bild mit Franz. Es geht ihm prima. (Lola hat mittlerweile sehr großen Respekt vor ihm).

Zum Abendessen sollte es Bolognese geben. Die schmeckt am Besten, wenn sie ein paar Stunden köchelt, deshalb trank ich meinen Nachmittagskaffee während ich Lauch kleinschnippelte und Hackfleisch anbriet. Die Söhne kamen nach Haus und wir trafen uns alle in der Küche zum Schwätzchen.

7 8

Nachdem ich die im Dezember gekauften Gummibärcheni n Hirnform im ganzen haus erfolglos gesucht hatte, fanden sie sich schließlich im Nähzimmer wieder. Ich schenkte sie der Tochter als Nervennahrung während der Abiarbeiten. Vorsichtshalber kosteten wir sie vorher: saure Erdbeere und wenn man draufbeißt, glibbert flüssige, künstliche Erdbeere über die Zunge. Toll!

Die Kindelein verzogen sich in ihre Zimmer, ich ging mit der mittlerweile gut ausgeruhten Lola raus in den Garten. Es fühlt sich an wie Frühling, aber am Wochenende soll es sogar bei uns schneien. Das wäre so großartig!

Der beste Vater meiner Kinder kam nach Hause, wir aßen zusammen.

9 10

Nachdem die Küche wieder aufgeräumt war, schoben der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib die Möbel im Wohnzimmer zusammen, breiteten Matten aus und sagten Plätzchenfett und Unbeweglichkeit den Kampf an. Irgendwann habe ich mal eine zeitlang regelmäßig Pilates gemacht, doch irgendwie schlief das ein, obwohl es mir gut tat. Jetzt eben ein Neustart. Durchaus unter erschwerten Bedingungen, da Lola wirklich gerne mitturnen wollte.

Nach einem halben Stündchen Pilates schwitzen wir noch anderthalb Stunden sehr viel weniger anstrengend in der Sauna.

11 12

Der eher geruhsame Tag endet mit alkoholfreiem Weizenbier auf dem Sofa, damit ich dies hier noch schnell tippen kann.

Weitere „12 von 12“ gibt es bei Frau Kännchen.

Frau Muttis Jahresrückblick. Outtakes und Bilder ohne künstlerischen Anspruch, wie jedes Jahr.

(vgl. Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI, Teil VII , Teil VIII ,Teil IX und Teil X)

Januar

januar

Mit alter Brille und ganz neuer Mütze. Endlich erfüllte ich nämlich einen Vorsatz, den ich seit Jahren immer wieder fasse: ich frischte sehr verrostete Häkelkenntnisse auf und hatte ein bißchen Spaß bei der Sache! Am meisten Spaß bereitete mir im Januar allerdings, neben diversen Auf- und Umräumarbeiten im Haus, die Tatsache, dass der Jüngste sich einen Ausbildungsplatz an Land gezogen hatte! Treue Leser mögen sich erinnern, neuen Lesern erzähle ich es rasch: er bewarb sich bei einem Installateur hier vorort, nachdem er ein zweiwöchiges Schulpraktikum dort geleistet hatte. Er wurde direkt genommen, dass er spezielle Bedürfnisse hat und etwas Geduld bei der Ausbilung braucht, war bekannt.

Das Jahr startete großartig!

Februar

februar

Der Winter ließ mich mal wieder im Stich, was Schnee anbelangte. Echter Schnee der unter den Füßen knirscht liegt in Nierstein sehr selten, deswegen fuhren der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib für ein Wochenende in die Rhön. Und dort fanden wir das Zeug, das mich glücklich macht. Nicht jeder Schneespaziergang fand so leicht bekleidet wie der oben gezeigte statt, samstags begann es sogar heftig zu stürmen und zu schneien und ich war froh um meinen dicken Schal, der mir das Gesicht schützte. EIn Wochenende pures Glück, das werden wir auf jeden Fall im nächsten Jahr wiederholen, versprachen wir uns.

Außerdem feierten wir im Februar den 16. Geburtstag (SECHZEHN!) des Jüngsten. Ich erfuhr, dass ich unaufhaltsam auf die Menopause zuschliddere, wir feierten groß und bunt mit Freunden das mittlerweile traditionelle Kreppelessen am Wochenende vor Fastnacht und ich fuhr zu einem Treffen von Instagram-Menschen in die Landeshaupstadt. Ich begann, meine lose gesammelten Rezepte auf Karteikarten zu schreiben, weil ich hatte da ja einen Neujahresvorsatz.

März

maerz

Jede freie Minute verbrachte ich in Ernels Garten, denn das Wetter war ungewöhnlich mild. Ich säte verschiedenste Gemüsesorten, im Hinterkopf schon die Bilder von einem üppigen Gemüsegarten und mir mittendrin, Rotkohl und Mangold streichelnd. Brachliegendes Gartenland wurde umgegraben und ich nahm den Kampf gegen die Spontanvegetation auf. Frau Kunterbunt besuchte mich und konnte angesichts meines brachliegenden Gartens die Füße nicht stillhalten. Sie schnappte sich die Grabgabel und grub sich durch den ehemaligen Kartoffelacker. Danke nochmals dafür, Du Liebe!

Gerade als ich dachte, dass dieser Frühling unfassbar schön ist, kam der Anruf. Der Bruder der Freundin, ein guter Freund, hatte den Kampf gegen die Depressionen verloren. Die Nachricht seines Todes kam am 18. Geburtstag der Tochterfreundin und bis heute kann ich nicht fassen, wieviele Emotionen, Hochs und Tiefs, in einem einzigen Tag Platz haben, wieviel man gleichzeitig Lachen und Weinen kann.

Ich hebe mein Glas auf Dich, lieber Freund. Ich hoffe, Du hast Frieden gefunden.

April

april

Ein wunderbarer Kurzurlaub mit der Klecksefrau und Mme Ouvrage verging viel zu rasch, doch auch daheim  war es nicht allzu schlecht. Ich grub und wühlte mich durch meine Gärten. Das Rosa Gartenhüttchen wurde eingeweiht und bekam obendrein einen kleinen Teich vor die Tür. Ostern feierten wir mit Eiersuche, der allerbesten Freundin und strahlendem Sonnenschein im Garten. Am Ende des Monats warf mich ein tödlicher Männerschnupfen um und ich schloss dieses kleine, feine Blog. Keine Lust, keine Themen, kein nix.

Mai

mai

Noch nicht wieder vollständig genesen fuhr ich ganz alleine für ein paar großartige Tage nach Berlin zur re:publica. Ich traf jede Menge dieser tollen Menschen aus „meinem“ Internet und kam vor lauter Vorträge hören, Schwätzchen halten, Essen gehen überhaupt nicht dazu, unter dem Schnupfen zu leiden. Also nahm ich ihn wieder mit heim und kurierte ihn dort. Ich war wieder vollends genesen und kann deshalb keinen Fieberwahn oder ähnliches vorschieben, als wir eine lebensverändernde Entscheidung trafen und uns einen Hund zulegten. Die vier Monate junge Lola zog bei uns ein. Ein abenteuerlicher Mix aus Dalmatinermutter und einem unbekannten Vater, mit ungewisser Endgröße und einer gigantischen Portion Charme.

Sämtliche Sommerpläne, die sich im Großen und Ganzen hauptsächlich um größere Radtouren drehten, weil ich nämlich ein neues Fahrrad bekommen hatte, wurden umgehend auf Eis gelegt. Stattdessen suchten wir uns eine Hundeschule und lernten das Leben mit Hund kennen.

Der beste Vater meiner Kinder musste eine Woche aus beruflichen Gründen nach Las Vegas, schaffte es aber pünktlich, trotz ausgefallener Flüge und ungeplanten Übernachtungen und Zwischenstopps noch rechtzeitig zur Taufefeier des Babymädchens.

Juni

juni

Wie unschwer zu erkennen ist, entpuppte sich das Leben mit Hund als ein klitzekleines Bißchen anstrengend. Ans Durchschlafen hatten wir uns einfach schon zu gut gewöhnt, das Ausschlafen an den Wochenenden war ein gerne genommer Luxus. Bis Lola kam. Noch nicht ganz stubenrein, dafür aber mit großem Bewegungsdrang gesegnet. Zum Glück aber umwerfend niedlich, wir verziehen ihr eine Menge Welpen-Scheisselkram.

Das Wetter war großartig und ich versuchte weiterhin, freie Minuten für meinen pflegeaufwändigen Gemüsegarten abzuzweigen. Nicht genug, aber was da heranwuchs, gefiel mir sehr gut.

Mitte Juni hatte ich zum Häkel-Hüttchen-Event geladen. Zu siebt (später kam sogar noch Oma Eis dazu) quetschten wir uns mit Wolle, Häkelnadeln, unzähligen Häkelbüchern und vielen Köstlichkeiten ins Rosa Gartenhüttchen, häkelten ein bißchen (ich sah eigentlich nur interessiert zu) und schwätzten bis tief in die Nacht. Sehr, sehr schön war das und ich würde das gerne wiederholen.

Juli

juli

Seit Jahren hatte ich ein Knubbelchen in der Ferse. Irgendwann war ich wohl in etwas reingetreten und hatte es dann vergessen. Mal schmerzte es ein wenig, meistens spürte ich aber nur die Erhebung unter der Haut. Sehr plötzlich wurde das Knubbelchen aber rot und heiß und musste entfernt werden. Eine Woche hüpfte ich mit Krücken herum, die täglichen Hunderunden mussten organisiert werden, aber letztlich klappte das prima. Und was das im Fuß war, weiß ich bis heute nicht, denn ich hatte mir die Fäden selbst gezogen und deshalb den Abschlussbericht verpasst.

Der jüngste Sohn wurde (endlich) aus der Schule entlassen, der große Sohn entschloss sich sehr spontan, ein Chemiestudium zu beginnen. Vorher aber fuhren beide als Köche in die Mädchenfreizeit, in der ihre Schwester Betreuerin war. Alle drei Kinder aus dem Haus bedeutete noch letztes Jahr ein laues Luxusleben, doch mit Lola im Haus war dem natürlich nicht mehr so. Mittlerweile kannte ich jeden Meter der Wege durch die Weinberge, doch langweilig wurde es mir trotzdem nicht.

August

august

Der Sommer wurde immer heißer, die 40°C-Marke wurde mehrmals geknackt. Auch nachts fielen die Temperaturen kaum unter 30°C, die Gärten verdorrten. In Ernels Garten gibt es eine Handpumpe, doch irgendwann war das Grundwasser weg. Salate, Erbsen, Tomaten, Paprika, selbst die Zucchini kümmerten vor sich hin. Die Hunderunden fanden sehr, sehr früh morgens und ganz spät am Abend statt, dazwischen lagen Hund und Kater platt in den kühlsten Ecken des Hauses auf dem Boden.

Der beste Vater meiner Kinder und die hinreißenden Bestien fuhren für eine Woche in die Dolomiten und kraxelten dort auf den Klettersteigen herum, ich saß währendessen in der abgedunkelten Villa und wartete auf ein erlösendes Sommergewitter, das aber nicht kam. Der Rhein wurde immer schmäler, die Risse in der Gartenerde immer tiefer. Mein Gartenfrust war groß.

Die Familie kam wieder heim und die Kindelein reisten direkt weiter ins Zeltlager, diesmal war die Tochter für das Kochen zuständig. Statt nun mit dem besten Vater meiner Kinder eine ruhige Urlaubswoche zu genießen, ließ ich mich mit dem Krankenwagen schnell zu einem schmerzstillenden Tropf in die Klinik fahren. Der Magen, meine Schwachstelle, krampfte, die Schleimhaut war entzündet. Medikamente und Schonkost halfen und eine umfassende Ursachenforschung startete.

Dazwischen schwappte die Flüchtlingswelle auch in unser gemütliches Leben. Mit dem unbestimmten Gefühl, irgendwie helfen zu müssen, fuhren wir mit Wasser und Müsliriegeln bepackt nach Frankfurt, um dort mit vielen anderen Menschen zusammen einen #trainofhope zu empfangen.

September

september

Die Kindelein kamen dreckig und erschöpft aus dem Zeltlager zurück, doch zumindest für den Jüngsten blieb keine Zeit zum Ausruhen. Seine Ausbildung begann am Tag danach. Wenige Tage später startete Töchterlein in ihr letztes Halbjahr vor dem Abitur und der Große musste (eher unbegeistert) in den Mathe-Vorkurs für sein Studium. Der Alltag kehrte ein und der Herbst kam. Scheinbar hatte die Hitze des Sommers auf die Walnußbäume keine schädigende Wirkung, denn wir sammelten sehr viele Nüsse. Die Weinlese begann und Lola lernte, dass die riesigen Vollernter, die nun täglich unseren Weg kreuzten, keine Bedrohung darstellten. Außerdem lernte sie, dass sie weder Trauben, noch Trester fressen darf. Auch keine Kaninchen oder Rehe oder die Hinterlassenschaften von anderen Hunden, Kaninchen, Rehen oder gar Menschen. Falls Sie einer Frau im Wingert begegneten, die einen entzückenden, weiß-schwarzen Hund mit lauten „NEIN!“-Rufen durch die Gegend dirigierte: das war ich.

Für ein ganz wunderbares Wochenende fuhren wir zu Familie Brüllen in die Schweiz, aßen und tranken dort viel zu viel, sahen beinahe bei einer kleiner Wanderung die Gipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau und verwirrten die Menschen aus unserer gemeinsamen Filterbubble mit von Sonnencremeflaschen gephotobombten Bildern. Ich brach mir zum Abschied rasch eine Zehe, doch das tat der Erholung keinen Abbruch. Fein war´s.

Das Wichtigste des Monats war allerdings Töchterleins großer Geburtstag! Das zweite Kind der Familie wurde volljährig und wir mussten das Haus verlassen, damit wir die große Party nicht sprengen. Zum Gratulieren um Mitternacht durften wir allerdings wieder heimkommen und ich wischte mir nur ganz heimlich ein Rührungstränchen aus dem Augenwinkel. Volljährig! Mein Baby!

Oktober

oktober

Dieses wunderbare Bild schenkte mir der Sohn von Mme Ouvrage und Herrn Skizzenblog und als gewiefte Kunstkennerin entdecke ich hier ganz klar das Talent seines Vaters!

Einen großen Teil des Monats verbrachten wir mit Feiern. Das nun schon traditionelle Federkuchenfest in der Grünen Villa zog sich über drei Tage, in dieser Zeit wurden sehr viele Zwiebelkuchen verzehrt und literweise Federweißer dazu getrunken. Der Geburtstag des besten Vaters meiner Kinder wurde gefeiert und danach der Geburtstag der Oppenheimer Freundin. Leider konnte ich diese Feste nicht ganz so ausschweifend genießen, denn der Magen zickte und ich ernährte mich in der Hauptsache von Haferschleim und Gemüsesüppchen. Ein großes Organscreening zeigte immerhin, dass einige fiese Krebsarten ausgeschlossen werden konnten, meine Milz nahezu jugendlich ist, Nieren und Leber gut aussehen und dass meine Gallenblase eine medizinisch zwar unrelevante, für Mediziner aber duchaus interessante Form hat. Weswegen ich ständig müde, beinahe erschöpft und warum mein Magen so sehr empfindlich war – danach wurde weiter geforscht und ich musste gefühlt literweise Blut lassen.

Der Garten gab noch einmal alles. Als wollten die Pflanzen den heißen Sommer aufholen, begannen sie zu blühen und Früchte zu produzieren. Für die Tomaten war es dann aber zu spät. Die unzähligen grüne Früchte fielen rasch der Braunfäule zum Opfer, doch die Paprikaernte war toll. Sehr zur Begeisterung der Kinder litten wir nicht unter einer Zucchinischwemme, dafür gab es jede Menge Kohlrabi und Mangold aus dem immer mehr zuwuchernden Garten zu holen. (Zwischen all den Feiern und Hunderunden hatte ich nämlich die Idee, für den Weihnachtsmarkt zu nähen, alles zu Lasten des Gartens.)

November

november

„Mit diesen Werten werden Sie 150 Jahre alt!“, versprach mir Dottore und entließ mich mit sehr niedrigem Blutdruck, Zucker und Eisenspeicher. Aber immerhin: Eisen im Speicher! Dieser Wert sah schon sehr viel schlechter aus. Außerdem fanden wir den Zusammenhang zwischen diesen niedrigen Werten, die natürlich für Müdigkeit sorgen und meinem verkorksten Magen, der zum Glück heliobakterfrei ist: wenn mich die Müdigkeit überfällt, habe ich das Gefühl ihr nicht nachgeben zu dürfen, sondern immer weitermachen zu müssen. Das stresst den Körper, der Stress landet im Magen, der das nicht mag – so die Kurzfassung, die sich so niedergeschrieben beinahe esotherisch liest. Ich weiß jetzt aber was Sache ist, weiß, dass ich eigentlich ziemlich gesund bin und kann der Magengeschichte vorbeugen, auch mit Haferschleim und Medikamenten.

Weil der Urlaub mit den Freundinnen im April so toll war, wiederholte ich ihn kurzerhand mit dem besten Vater meiner Kinder, dem Schreinerfreund und der ehemaligen Freitagsfreundin. Und schaffte es ein zweites Mal in diesem Jahr, meine Füße ins Meer zu stellen. Viel mehr brauche ich nicht zum Glücklichsein. Wir bummelten durch Amsterdam und Alkmaar und ernährten uns in der Hauptsache von Pommes mit lustigen Soßen.

Pünktlich zum 20. Geburtstag (20!!) des großen Sohnes kamen wir wieder heim, die nächste Party, die in der Grünen Villa gefeiert wurde.

Mittlerweile hatte der große Sohn beschlossen, dass ein reines Chemiestudium nichts für ihn sei, er beschloss Sozialkunde dazuzunehmen und das Ganze auf Lehramt zu studieren. Kein Problem für uns, Hauptsache das Kind ist glücklich.

Das Thema Flüchtlinge holte uns endlich richtig ein, ich übernahm sehr spontan die „Patenschaft“ für einen 16jährigen, dem ich nach der Schule Deutschunterricht geben durfte. Deutschunterricht war (und ist) dabei eher nebensächlich. Es geht um Hausaufgabenbetreuung und ein bißchen Nachhilfe, in erster Linie aber um „schau mal, da ist jemand, der sich um dich kümmert.“ Gegen Ende des Monats kam auch noch der Onkel zum Deutschlernen dazu und ich tauchte tiefer in die Sprachmittlersache ein, befasste mich mit Arbeistmaterialien und meldete mich für einen Kurs an der Volkshochschule an. Und verwarf zeitgleich die Idee, dass irgendwo noch Zeit sei, um für den Weihnachtsmarkt zu nähen. (ich hatte ja als neue Lebensaufgabe: Ressoucen schonen, nicht übernehmen, denk an deinen Magen, Kind.)

Dezember

dezember

Ich wurde 45. (FÜNFUNDVIERZIG!) Das ist jetzt wirklich richtig alt, auch wenn ich mich längst nicht so fühle :) Sie ahnen es schon, wir feierten dann wieder ein bißchen. Das schönste Geschenk bekam ich übrigens ein paar Tage nach meinem Geburtstag von meinen „Syrern“. Die hatten Geld zusammengelegt und mir davon einen wunderschönen Blumenstrauß geschenkt. Die Rührung darüber hallt noch immer nach.

Weihnachtsstimmung wollte sich nicht so recht einstimmen, irgendwie hatte ich auch keine Zeit dafür. Die Sprachmittlerschulung startete und viele neue (Hilfs)Pläne nahmen langsam Gestalt an, denn immer mehr Flüchtlinge ziehen in die Verbandsgemeinde. Die Erstversorgung ist gewährleistet, doch gerade an Sprachkursen hapert es etwas. Für den Januar sind aufregende Sachen geplant, davon berichte ich aber, wenn es soweit ist.

Der Jüngste verlor seinen Ausbildungsplatz, weil man ihm aus Zeitmangel keine adäquate Ausbildung mehr ermöglichen konnte, doch schon zwei Wochen später fand er einen Betrieb, in dem es am 5. Januar mit der Ausbildung weitergeht. Schock und Erleichterung in allerkürzester Zeit, immerhin gut für meinen Blutdruck. Dem Großen wurde von einem bekannten Chemiekonzern eine Ausbildung zum Chemielaboranten angeboten, was er umgehend annahm. Somit sind die Studienpläne für ihn über Bord, aber hej! Das Kind ist zufrieden. Die Tochter stellte sich einen Lernplan zusammen und begann sehr gewissenhaft für die Abiturprüfungen zu lernen. Mitte Januar ist es soweit!

Irgendwann waren alle Geschenke besorgt, die Weihnachtsmärkte in Nierstein und Oppenheim besucht, der Vorweihnachtsbummel mit den Freundinnen erledigt und das Weihnachtsblasen im Niersteiner Stadtpark verklungen. Heilig Abend feierten wir mit reduzierter Besetzung, da der Lebensgefährte von Oma Eis erkrankt war, genauso wie die allerbeste Freundin. Das hatte den erfreulichen Nebeneffekt, dass wir am ersten Feiertag einfach sämtliche Reste essen konnten. Am zweiten Feiertag saßen sehr viele Menschen um meinen Küchentisch herum. Wir hatten „meine“ Syrer geladen, mein Schwager samt Familie und Schwiegervater kamen ebenfalls dazu. Wie toll das war, habe ich ja neulich erst beschrieben.

Zwei Tage später feierte der Schreinerfreund seinen 50. Geburtstag. Wir schenkten ihm die „Location“, sprich: er durfte in der Halle feiern. Über siebzig Gäste fanden in der Halle Platz und auch wenn zur Enttäuschung des einen oder anderen Gastes keine Alleinunterhalter mit lustigen Programmen auftraten, war es eine wunderbare Feier. (auch das Aufräumfest am Tag später war schön und die Reste des üppigen Festmahls reichten bis gestern. Oder noch länger, denn der Gefrierschrank ist voll.)

Und das war dann auch der Dezember. Der gar nicht mehr so kleine Hund beschloss gestern, dass der Zeitpunkt günstig für die erste Läufigkeit sei. Sie klebt wie ein kleiner Schatten an mir, hält sich sonst aber vorbildlich sauber und wir wissen jetzt auch, warum seit Tagen die Hunde vor unserem Haus bellen und jaulen, die sind alle sehr interessiert.

Heute abend werden wir gemütlich mit Mme Ouvrage, Herrn Skizzenblog, deren Kindern und unserem Jüngsten zusammensitzen. Der Große und die Tochter feiern wilde Partys, die sehen wir erst nächstes Jahr wieder.

Zusammengefasst war es ein gutes Jahr mit sehr viel Bewegung an der frischen Luft und sehr vielen Feiern, ein paar Krankheiten zu viel und mit aufregenden Plänen, die mich aus meiner wunderbaren Comfort Zone herausszerren. Das nächste Jahr muss gar nicht schlechter werden :)

 

Rutschen Sie gut ins neue Jahr, wir lesen uns!

Und für meine besorgten Leser habe ich hier noch ein Bild von vor drei Tagen, damit Sie sehen, dass der Kater, der auch in diesem Rückblick nicht auftauchte, kein Weihnachtsbraten war:

dezember2

Danke für´s bis hierhin Lesen, immer die Ihre.