Als ich die Taschenschnittmuster-CD “Taschenspieler” von Farbenmix in Händen hielt (und erfolgreich in den Computer gesteckt hatte), war mir sofort klar, welche Tasche ich nähen würde. Leicht größenwahnsinnig angehaucht entschied ich mich direkt für den König. Eine Reisetasche. Durchaus aufwändig zu nähen, aber warum sich nicht hohe Ziele setzen?

Ein Blick in meinen Stoffschrank zeigt, dass ich keine Reisetaschenstoffe habe. Die sollten nämlich mindestens “jeansfest” sein, damit das keine Reiselabbertasche würde. (Labertasche, hihi)

Ich begann die einschlägigen Stoffhändlerseiten zu durchsuchen, ob sich da nicht ein passender Stoff fände, liebäugelte kurz mit dem Angebot der Klecksefrau, mir Stoff aus Holland mitzubringen (der Postsackstoff!) und hatte dann tausend andere Sachen zu tun, der König blieb ungenäht.

Als nacheinander die Reissverschlüsse zweier meiner Taschen kaputt gingen und ich somit einen echten Grund hatte, mir selbst wieder eine Tasche zu nähen, warf ich die CD erneut in den Rechner und entschied mich diesmal für den “Bube”, eine Messengerbag. Schön geräumig und dabei sehr schick. Passend dazu entdeckte ich schwarzes Kunstleder in der Tiefe meines Schrankes, schnitt zu, stickte, suchte und fand passende Bändchen und musste kein einziges Mal schimpfen oder fluchen. (die Freitagsfreundin, die mir Gesellschaft leistete, war äußerst verwundert über meine große Gelassenheit, das kennt sie so gar nicht.)

Wenige Stunden später hielt ich eine wunderschöne Messengerbag in Händen:

Ein paar Kleinigkeiten waren nicht perfekt. Zum Beispiel trafen sich die Klettstreifen zuerst nicht, doch das konnte ich verbessern. Oder der Griff sitzt nicht ganz in der Mitte. Der Träger ist nicht gleichmäßig hoch angebracht und noch ein paar Sachen. Kleinigkeiten eben, die meine neue Tasche noch charmanter machen :)

Als zusätzliche Zierde baumelt ein weiteres Monsta aus Herrn Skizzenblogs Feder am Taschenträger.

*****

Ein paar Tage später fiel mir im Stoffoutlet in Mainz-Kastell weiches, orangefarbenes Kunstleder in die Hände. Zu einem echten Schnäppchenpreis, ich konnte nicht widerstehen.

Kaum daheim angekommen schnitt ich wieder zu, erneut den “Bube”. Am Längsten dauerte es diesmal, einen passenden Innenstoff zu finden, ich konnte mich nicht entscheiden. Die Klappe bestickte ich mit der Datei “Magische Kreise” von Anja Rieger

und bei Kunterbuntdesign fand ich die wunderbar altmodischen Steckschnallen.

Auch diese Tasche hat ein paar Mängel, weil meine Nähmaschine an der einen Stelle überrascht keuchte, als es plötzlich acht Lagen Kunstleder zu nähen gab. Danach nähte sie nicht mehr sauber, doch ein paar Tropfen Öl versöhnten sie. Der Handgriff auf der Klappe ist nachträglich angebracht, zuerst wollte ich keinen, fand die Tasche dann aber unvollständig. Und weil ich die eine Seite des Griffs zu weit links angesetzt hatte und man bei Kunstleder gar nichts mehr auf/abtrennen kann, verlängerte ich den Griff, der Symmetrie wegen. Das Ganze ist nun … äh … individuell, doch ich liebe auch diese Tasche.

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Die magischen Kreise landeten schließlich auch auf einem ganz unmagischen, langweiligen schwarzen Langarmshirt und zwar in knalligem Neon. Noch vor etwa vier Wochen hätte ich laut gelacht, hätte man mir gesagt, ich würde neonfarbenes Stickgarn verwenden. Aber so ist das eben: irgendwann packt es einen.

Hier mal näher dran: neon auf schwarz: BING!

Die Kreise auf dem Shirt gefallen mir so gut, dass ich noch weitere daraufsticken will, derzeit ziehen sich nur die gezeigten auf der Hüfte entlang.

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Für die Reisetasche “König” habe ich übrigens noch immer keinen Stoff. Ich kann mich einfach nicht entscheiden.

Nachdem ich heute von meinen großartigen Sporterfolgen geschrieben hatte, kribbelte es in den Füßen. Und so steckte ich die Kribbeldinger in die Laufschuhe und machte mich auf den Weg. Unterwegs knippste ich eine Menge Bilder aus der Hüfte und die zeige ich Ihnen jetzt, damit Sie mit mir Laufen können. Oder verstehen können, warum mir das so Spaß macht.

Von der Grünen Villa gehe ich ein Stückchen bis an den Beginn dieses Weges. Laufen mag ich noch nicht, die Gehwege sind schmal und ich finde es doof, innerhalb der Ortschaft herumzurennen. (und peinlich, wenn ich mit roter Birne und nach Luft jappsend den Nachbarn im Vorbeirennen winke und versuche, total cool und trainiert auszusehen.)

Ganz nach oben will ich.

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Frühjahrsputz

21. März 2013

Bevor irgendein Arzt den Knubbel aus meiner Hand schneidet und mich damit zur Bewegungsunfähigkeit verdonnert, muss ich noch rasch den Frühjahrsputz erledigen.
Traditionell geschieht das in der Grünen Villa während der Osterferien. Ich durchforste die Küchenschränke und alles, was ich ein Jahr lang nicht benutzt habe, wird ausgemustert. (landet im Garten, um bepflanzt zu werden oder in der Sperrmüllkiste) Manchmal entdecke ich auch etwas, dem ich ein weiteres Jahr eine Chance gebe. Die Schränke werden ausgewischt und auch von außen abgeschrubbt. Dieses Jahr gehe ich etwas rabiater ans Werk:

Mit dem Schleifgerät rücke ich den türkisfarbenen Küchenfronten zu Leibe, denn ganz frühlingshaft soll die Küche demnächst in leuchtendem Gelb erstrahlen.

Unter dem Türkis befindet sich noch das Grün, das vor drei Jahren verschwand.

Und vor fünf Jahren waren die Küchenmöbel noch weiß. (und die Wände dunkelrot)

 

Es scheint, als gäbe es derzeit in der Grünen Villa kein anderes Thema, als den Tanzschul-Abschlußball der Tochter. Zwei, drei andere Sachen passieren schon auch, doch tatsächlich beschäftigt mich das Thema aus mehreren Gründen.

1. Ich finde diese ganze Tanzschulensache höchst faszinierend, denn ich habe selbst nie eine Tanzschule besucht, obwohl das alle gleichaltrigen Mädchen taten. Damals trug ich ein Boston-Korsett wegen meiner Skoliose und fühlte mich damit noch gräßlicher und unattraktiver, als ich es pubertätsbedingt sowieso schon tat. Obendrein hatte ich keine Lust, potentiellen Tanzpartnern zu erklären, warum ich so hart um die Taille (Korsett aus Hartplastik) bin. Deshalb …

2.  … kann ich nicht tanzen. Nicht mal einen dämlichen Discofox, den angeblich jeder beherrscht. Außer mir. Nix mit intuitiver Schrittfolge, ich verkrampfe, hyperventiliere, vergesse, wie ich meine Füße heben soll und winke deshalb schon bei der Tanzaufforderung dankend ab. Finde es aber unglaublich schön und bin auch sehr neidisch, wenn ich sehe, wie so manches Paar über die Tanzfläche wirbelt. Um mir doch noch gewisse Grundkenntnisse für JENEN Abend einzutrichtern, hat die fürsorgliche Tochter den bester Vater meiner Kinder uns sein holdes Weib zur …

3.  …. Elterntanzstunde angemeldet. “Sie können Ihr Tanzkönnen auffrischen” oder soo ähnlich heißt es da und ich bin mäßig erfreut. Der beste Vater meiner Kinder kann auffrischen, er hat eine Tanzschule besucht. Ich hingegen werde mich äußerst zusammenreissen, um nicht unangemessen herumzukichern und spöttische Bemerkungen aus Verlegenheit loszulassen. Immerhin dürfen wir uns zum Auffrischkurs kleiden wie wir wollen, denn die …

4. … Kleiderordnung gilt ja erst für den Ball. Nachdem ich nun doch davon abgekommen bin, mir ein bodenlanges Kleid, unter dem ich Chucks verstecken könnte, zu nähen, habe ich vorgestern drei Kleider, die ein bißchen bunt, fröhlich und außergewöhnlich sind, bestellt und sie heute bekommen. Nun muss ich mich entscheiden, denn gefallen tun sie mir alle drei und behalten will ich sie eigentlich auch alle.

Wahrscheinlich wird es das mittlere Kleid und wenn das spruchreif ist, zeige und schreibe ich mehr davon und darüber, derzeit gibt´s nur schlechte Bilder auf Instagram. Immerhin bin ich der gewünschten Kleiderordnung nun einen Schritt näher, fehlen nur noch die …

5. … Schuhe mit Ledersohlen. Ich mag Schuhe, habe einen Schuhschrank voller Schuhe in allen Farben. Chucks, Camper und Meindl. Alle nicht geeignet. Schuhe mit Ledersohlen probierte ich einmal als Siebenjährige an. Ich rutschte auf der Auslegeware des Schuhgeschäftes aus und schlug mir das Knie blutig. Als Zölfjährige “lieh” ich mir die Pumps meiner Mutter, stolperte und schlug mir das Knie blutig. Diesmal will ich es aber besser machen, sofern ich passende Schuhe finde. Suchen werde ich im

6. … Limango-Outlet, denn ich bin ein großer Fan von Outlets. Scheinbar lebt in mir eine Schnäppchenjägerin, die glänzende Augen beim Wort “Outlet” bekommt. Und obendrein hat die Einkaufserfahrung vom Wochenende in der großen Stadt mich erneut gelehrt: nichts ist komfortabler, als sich den virtuellen Einkaufskorb voll zu packen, auf die Post zu warten und daheim in aller Ruhe zu entscheiden, ob und was gefällt und passt. (irgendwann lerne ich auch noch der Versuchung zu widerstehen, zusätzlich zu den beispielsweise benötigten Schuhe auch noch Strumpfhosen und das eine oder andere Schnickeldi mit einzukaufen)

7. Die Ex-Freitagsfreundin ließ neulich ein ganz neues Alptraumszenario vor meinen Augen entstehen als sie sagte: “Und dann kommt da noch die Runde, bei der die Mütter mit den Tanzpartnern der Töchter tanzen.” Ich sah einen pickeligen, fünfzehnjährigen Knaben vor mir, der mir bestenfalls bis zur Nasenspitze reicht und dem die ganze Tanzrunde mit einer alten Frau genauso peinlich wie mir wäre, als die Freundin augenzwinkernd ihre Aussage ergänzte: “Aber meistens muss man dann sowieso mal auf´s Klo.”

Fleissiges Bienchen.

18. März 2013

Oma Eis und ich haben heute morgen das Nähzimmer gerockt!

Sie hat wie ein Weltmeister Wendeöffnungen verschlossen (und ungefähr dreissig Mottenlöcher in der Wolljacke des besten Vaters meiner Kinder gestopft. Mistviecher, blöde.), ich habe endlich das Ebook “Ella” ausprobiert. Die Bändchen dafür liegen nämlich schon seit geraumer Zeit im Nähzimmer und betteln um Aufmerksamkeit. Kunstleder hatte ich natürlich keines, hatte es auch nicht für nötig empfunden, im www danach zu suchen, weil irgendwas wird sich schon finden. Es fand sich tatsächlich irgendwas, nämlich ein paar Alcantara-Reste (Wildleder-Imitat) aus dem Fundus des Vaters der Freundin, die nie Zeit hat. Der war nämlich Damen-Oberbekleidungsschneider und davon profitiere nun ich. Bisher war mir nicht so klar, was ich jemals mit Alcantara-Resten anfangen soll … bis ELLA kam.

Farblich zu den Nägeln abgestimmt, statt die Nägel zum Bändchen lackiert ;) Die Bändchen flutschen relativ schnell unter der Maschine hervor und es gibt beinahe keine Fingerknoten beim Flechten, ich werde noch einige mehr machen, denn auch die Tochter meldete eine gewisse Begehrlichkeit.

Während ich flocht, ratterte die Stickmaschine. Die lange von mir vernachlässigten Monstas aus der Skizzenblog´schen Feder sollen langweilige, unifarbene Shirts aufpimpen. Bei der letzten Stickgarnbestellung hüpften mir zwei Konen Multicolorgarn in den Warenkorb und beide lassen ganz wunderbare Ringelmonster entstehen. Ich bin verliebt.

Die Stickdatei “Monsta” gibt´s immer noch bei Kunterbuntdesign, nur mal so nebenbei bemerkt ;)

Und das waren auch schon die großen Aktivitäten des Tages: sieben Monstas sticken und dabei argwöhnisch die Stickmaschine bewachen, Kleinformate eintüten, ein bißchen Haushalt. Und jetzt muss ich los, die Mitarbeiterversammlung des Weltladens steht an.

Sonntag.

17. März 2013

Frau Brüllen fragt: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?”

Der Tag begann mit einer großen Erleichterung um vier Uhr morgens, als Franz auf meinem Bett sprang. Da er gestern den ganzen Tag nicht daheim war, hatt ich schon allerfiesestes Kopfkino, was mit ihm hätte passiert sein können.

Fünf Stunden später stand ich auf, denn das SchnickSchnackShopping in Darmstadt stand auf dem Programm. Mme Ouvrage kam pünktlich, musste aber auf mich warten, weil ich noch nagellacktrocknend, die Hände wedelte. (immer auf den letzten Drücker fällt mir ein, dass ich noch rasch, eben, mal kurz, die Nägel lackieren könnte.) SchnickSchnack shoppen ist toll, auch wenn der Geldbeutel leider immer zu schnell leer ist.

Bei juime bin ich schon letzten Herbst schwach geworden, heute musste ein Klemmvögelchen mit Partyhut mit. (vier davon, um genau zu sein)

Und diesmal schaffte ich es nicht, vorbeizugehen, zu liebevoll und detailiert sind diese Tierchen gefilzt! Eine Brosche mit Ziege musste es sein

und als ich zum zweiten Mal am Stand vorbei lief, nahm ich das Vögelchen im Käfig gleich auch noch mit.

An einem anderen Stand fand ich ein hübsches Häkelarmband und beinahe hätte ich mir auch noch ein Portemonnaie mit Fahrrädern drauf von Retrofrieda mitgenommen. (nächstes Mal.)

Um drei war ich wieder daheim, der Rest der Familie war noch kletternd unterwegs. Ich hatte also Zeit und Ruhe, um noch  fünf bestellte Osterhasen zu nähen. Und jetzt ist Schluss damit, ich kann sie nicht mehr sehen. Während die Stickmaschine ratterte, befreite ich das Nähzimmer von gigantischen Staubflusen und räumte auf, morgen ist Montag und Sie wissen ja nun: dann kommt Oma Eis zum Nähen. Da muss es ordentlich sein im Nähzimmer :)

Die Familie kam heim, ohne Knochenbrüche und Abstürzmeldungen.

 

Der beste Vater meiner Kinder zauberte eine Spitzkohltarte, während ich mich um die versprochene Kleinformat-Auslosung kümmerte. Ganz unkreativ bemühte ich random.org und klebe beinahe ien bißchen lieblos (es ist ja auch schon so spät!) die Gewinner hier hin:

“Sophia sagt:
13. März 2013 um 20:10

oh, ich würde auch gerne mal was gewinnen :-) und das Cover macht Lust auf mehr”

“Christina sagt:
13. März 2013 um 16:00

Hallo Frau Mutti,

da will ich doch auch mal mitmachen. Gehört, bzw. gelesen hab ich schon öfter vom Kleinformat, aber irgendwo im Zeitungsladen hab ich es noch nie gesehen und daher auch noch nie einen echt Blick hineingeworfen.

Daher würde ich mich natürlich riesig freuen, wenn ich hier eine gewinnen würde.
Liebe Grüße
Christina”

“nordlicht sagt:
13. März 2013 um 16:50 b

Allez-Hopp … bin gelandet und bleibe da jetzt bis zum Ende der Verlosung drin hocken, jawohl!”

“Corinna sagt:
14. März 2013 um 21:59 b

das versteht sich ja von selbst, dass ich bei meinem lieblingsblog (vielen dank frau mutti für die sehr lesenswerten berichte) mein glück versuche und mit in den lostopf hüpfe (der preis ist aber auch super).

viele grüße
corinna”

“aprikaner sagt:
13. März 2013 um 14:37 b

oh ja ich würde gern gewinnen…kennen schon aber nicht abonniert .

Liebe Grüße
anja”

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner und die anderen mögen nicht verzagen, vielleicht kann ich im Mai schon wieder eine Verlosung starten. (die Gewinner mögen mir bitte eine Mail mit ihrer Adresse zukommen lassen, meine Mailadresse findet sich im Impressum.)

*****

Auch dieser Tag endet auf dem Sofa, mit Tee und einem schnurrenden Kater auf den Füßen. Unspektakulär, aber gemütlich. Mein Dank gilt an dieser Stelle Frau Brüllen, die mich mit ihrer Tagebuchbloggen-Aktion motiviert hat, wieder täglich zu bloggen. Dabei fiel mir auf, wie leicht es mir doch fällt, einfach vor mich hin zu schwafeln. Denn mal ehrlich: sehr ereignisreich geht es in meinem Leben dann doch nicht zu. Ich glaube, ich mache das noch ein bißchen weiter, das Tagebuch-Schwafelbloggen ;)