1 Million Menschen

30. Juni 2006

feiern in Berlin, so heisst es.
Wir hingegen feiern in kleinem, beschaulichen Rahmen. Und zwar den Geburtstag meiner Freundin. Für die Stimmungsmusik sorgen die Nachbarn gegenüber, die samt diverser Bierkästen und extragroßem Fernsehgerät in der Garage sitzen und wohl den tausendsten Kommentar zum Spiel schauen.
Alle haben feierlich geflaggt und langsam fühle ich mich einsam und verlassen auf meiner fußballfreien Insel. Somit habe ich spontan zur Final-Party inklusive Beamer und Leinwand, grillen und Bier in der kühlen Kelterhalle geladen. Falls es tatsächlich zum Wunsch-Finale kommt.
Und falls es bis dahin noch Bier gibt.
Berthold, seines Zeichens Braumeister, berichtet von ernsthaften Engpässen bei Bitburger. Auch Krombacher und Veltins kommen kaum mit der Nachschub-Lieferung hinterher. Man müsse Überstunden und Wochenenddienste schieben. Die Tore seien Tag und Nacht geöffnet für die Lastwagen, die mit dem Leergut anrücken. Händler bekommen exakt die Anzahl an gefüllten Flaschen zurück, die sie als Leergut geliefert haben, Mehrbestellungen sind nicht möglich.
Erschreckend, sehr erschreckend. Allein die Vorstellung, wo 1 Million Menschen wohl das Bier hinpinkeln, das sie konsumiert haben. Ist der Wannsee mittlerweile golden und lauwarm? Ach, ich will es nicht wissen.
Ich gehe meinen Garten gießen und danach zurück zur Feier. Ein Bier trinken, auf Vorrat sozusagen.

Wir diskutierten bereits die Möglichkeit einer Luftbrücke, Bierbomber könnten eingesetzt werden. Oder wenigstens Carepakete versandt werden.

Ranzige Romanze

29. Juni 2006

“Mama”, sagt die Mittlere, “ich habe mich verliebt!”
“Oh!”, sagt Frau … äh … Mutti, “In wen denn?”
“In den M aus meiner Klasse!”, schwärmt das Kind, das doch erst vorgestern geboren wurde, “Der hat so schöne braune Augen und so braune Haut, da leuchten die Augen ganz doll im Gesicht!”
“Finde ich gut, dass du dich verliebt hast!”, sagt Frau … äh … Mutti, “Verliebt sein ist wunderschön!”

“Ich liebe nur DICH!”, sagt das jüngste Kind und wird zum Dank zu Boden geknutscht.

“Mein Freund ist auch verliebt!”, teilt das große Kind mit.
“Oh? In wen?”, fragt Frau … äh … Mutti.
“In K aus unserer Klasse, er hat ihr auch einen Liebesbrief geschrieben!”, berichtet der Große.
“Das ist aber mutig!”, staunt Frau … äh … Mutti.
“K fand den aber doof!”
“Hat sich dein Freund keine Mühe gegeben?”
“Naja, ich habe ihn diktiert!”, beichtet der Nachwuchs-Cyrano.
“Und WAS hast Du diktiert?”, interessiert sich Frau … äh … Mutti, nun mehr SEHR neugierig.
Der Große steht auf und schmettert:

“Oh, du geliebte Dingsdabums, voll Federn und voll Teer!
Ach tralali und tralala der Text ist furchtbar schwer!
Ich stehe hier, ich fühl mich dumm
und gleich da bin ich gänzlich stumm.
Was soll ich tun, mein liebes Suppenhuhn?”*

“Sie fand es beleidigend”, meint er, “naja, sie ist wohl zu cool für Ritter Rost!”

*”Ranzige Romanze”, aus “Ritter Rost und Prinz Protz”

aaah!

29. Juni 2006

Der Verursacher des üblen Gestanks ist ausgemacht, das Laptop ist aller Verdächtigungen ledig. (fein)
Es war der Fernseher.

Für die weitere Zukunft bedeutet das, dass Frau … äh … Mutti ihren Kindelein heute mittag mitteilen wird, dass “Wissen macht ah” und “Logo!” bis auf Weiteres gestrichen ist.
Ein fernsehfreier Sommer ist eingeläutet und das ist richtig gut so.

Fragen Sie doch bitte nächsten Dienstag mal nach, ob ich Reanimation brauche. (leiser Seufzer)

Wo isse denn?

28. Juni 2006

Sie sitzt im Sommerloch, die Frau … äh … Mutti.
Oder besser: sie würde gerne drinsitzen.

Stattdessen streitet sie sich ein bißchen mit den hinreissenden Bestien, die schlichtweg ferienreif sind und das sehr deutlich spüren lassen. (murr, muffel, maul)
Wenn mir bitte jemand mal ganz sanft und pädagogisch in den Hintern treten würde, damit ich besagten hochieve und meinen Kindern ein wirklich spannendes und tolles Programm biete …

Das jüngste Kind wechselt nach den Sommerferien von der Vorschule in die erste Klasse. Zur Einschulung in die Vorschulklasse bekam es eine wunderschöne Schultüte, die mit allerlei wichtigen und tollen Dingen prall gefüllt war.
Um das jüngste Kind nicht als einziges Kind ohne Schultüte inmitten von frischgebackenen ABC-Schützen stehen zu lassen, wird die alte Schultüte erneut aktiviert und befüllt. Wenn auch nicht ganz so prall.

Frau … äh … Mutti: “Kind! Womit sollen wir denn deine Schultüte befüllen?”
jüngstes Kind: “Nicht so viel, die ist sonst so schwer.”
FäM: “Oh, aha. Was WÜNSCHTS du dir denn? Was soll rein?”
jK: ” … ein Erdnußbutterbrot …”
FäM: ” … uuund?”
jK: ” … eine Brotdose?”
FäM: “NOCH eine Brotdose?!” (der Schrank ist voll)
jK: ” … jaaaa. Und vielleicht ein Dino.” Oder ein Pferd. Aber ein echtes!”
FäM: “Du wolltest doch, dass die Schultüte nicht so schwer wird?! Dann KANN kein Pferd rein!”
jK: “Ich Dummkopf! *haut sich gegen die Stirn* Dann ein Eis.”
FäM: “aber das schmilzt!”
jK: “Dann eine Brotdose mit einem Erdnußbutterbrot. Lass mich jetzt, ich will lesen.”
FäM: “…”

So. Nun gut. Eine Brotdose mit einem Erdnußbutterbrot. Diese Schultüte wird sicher nicht zu schwer.