Die Qual der Wahl

30. November 2012

Das Töchterlein steht vor einer wirklich schweren Entscheidung: die Wahl der Leistungs- und Grundkurse für die Oberstufe. Im Januar muss sie es wissen und bis dahin werde ich um viele Jahre gealtert, schlohweiß und ohne Nerven sein.
Es ist nämlich so, dass dieses Mädchen einigermaßen begabt in der Schule ist und obendrein auch noch vielseitig interessiert. Da aber nur drei Leistungskurse gewählt werden dürfen und die Kombination mit den Grundkursen auch noch ein paar Riegel vorschiebt, weiß sie nicht, wofür oder wogegen sie sich entscheiden soll. Das Ausschlussverfahren ergab immerhin: kein Musik, kein Religion, kein Sport und kein Französisch.
In der engeren Auswahl stehen naturwissenschaftliche Fächer und wir Eltern finden das sehr großartig, der beste Vater meiner Kinder deshalb, weil wenigstens eines seiner Kinder nach ihm kommt und ich, weil ich schlicht zutiefst beeindruckt bin. Mathe! Wow.
Unglücklicherweise haben die Lehrer an der Schule offensichtlich den Auftrag, angehende Abiturienten derart zu verunsichern, dass sie lieber doch abgehen und eine Ausbildung anstreben. Die Ansprüche sind äusserst straff und obendrein heisst es “… und das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem, was euch erst in der Oberstufe erwartet!” Die Intention will sich mir nicht recht erschließen.
Die Tochter jedenfalls ist verunsichert bis verzweifelt. Sie fragte den Physiklehrer, ob er ihr einen Physik-Leistungskurs zutraut. Niemals, sie könne nicht mal ein Verlaufsprotokoll schreiben. (was zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht gelehrt worden war.) Der Mathematiklehrer spricht von “blond” und “Mädchen”, entschuldigt sich aber immerhin darauf für seinen verbalen Fehlgriff, kurz bevor ich auf den Tisch hauen wollte. Der Englischlehrer verlangt sehr viel, fast mehr, als zu bewältigen ist. Drei Arbeiten in der Woche, etliche Tests dazu, die besinnliche Weihnachtszeit ist nicht in der Schule angekommen.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin großer Fan von straffem Unterricht, von einem dem Gymnasium und der Klassenstufe angemessenen Niveau. Was ich nicht verstehe und mag, ist diese Demoralisierung der Schüler. Ich weiß, dass das Abitur hier in unserem Bundesland keinen allzu guten Ruf hat und dass es zu viele Abiturienten, zu viele “sehr gute” Abiturienten gibt und vielleicht versucht man auf diesem Wege zu selektieren. Scheint mir eher ein falscher Weg zu sein.

Sei es wie es sei, die Tochter muss da jetzt durch. Mit Tränen, Wut und allergrößten Selbstzweifeln. Und ich kann ihr nicht helfen.

Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder … sie wissen schon.