Früher war alles besser!

10. September 2017

Früher sah es hier nämlich noch so aus:

manchmal auch so:

„Früher“ – das bedeutet ab 2003, denn so lange blogge ich unter diesem Namen, das „äh“ ließ ich dann irgendwann fallen, weil Twitter und Instagram es nicht mögen. Noch früher bloggte ich auch schon, doch davon gibt es nur noch Teile im Netz, ganz früher begann 2001.
War es früher wirklich besser?

Es war halt anders.

Zuerst einmal, und da bin ich wirklich stur und altmodisch, hieß es DAS Blog. DAS WebLog. (noch früher: das Internettagebuch) Mir stellen sich heute sämtliche Nackenhaare, wenn Menschen AUF ihrem Blog etwas veröffentlichen. DER Blog ist einfach falsch, aber vermutlich liegt da die Assoziation zu (Schreib)Block einfach sehr nahe und so ist das passiert. Alles ist im Wandel und ich leide unter Altersstarrsinn.

Der Webauftritt, heißt: das Design der Blogs war ein ganz anderes. Das war natürlich dem damaligen Internet und seinen Kapazitäten geschuldet, Ladezeit war ein ganz wichtiger Punkt! Bilder, Hintergründe, Grafiken fraßen an der Ladezeit und je größer sie waren, desto länger brauchte eine Seite, bis sie aufgebaut war. Dauerte das zu lange, klickte man entnervt weg. Und das war auch ein Grund, weswegen animierte gifs oder bewegte Banner verpönt waren: ewige Ladezeit und Zeit war Geld. (der andere Grund, der für mich heute noch gilt, war die Nervigkeit: wenn es flackert, blinkt, spontan losdudelt, Schneeflöckchen rieseln lässt oder Bilder, Werbung oder gar Filme aufploppen – bin ich weg.)

Wer ein Blog schreiben wollte, brauchte Webspace und ein paar Kenntnisse in HTML, vielleicht auch ein bißchen Ahnung von css. Oder man suchte sich einen Bloganbieter, mit dessen Hilfe sich das Drumherum leicht gestalten ließ. Letztlich ähnelten sich alle Blogs vom Aufbau sehr: eine schmale Linkleiste links oder rechts für die Blogroll, der Platz für den Text daneben, die Aufteilung mindestens ein Drittel/zwei Drittel. Später rückte der Text in die Mitte, die Linklisten rahmten ihn links und rechts ein. Es wurde von oben nach unten gescrollt, nach ein paar Blogartikeln (wenige, wegen der Ladezeit!) kam der Umbruch ins Archiv. Und tatsächlich schlägt mich auch hier der Altersstarsinn: Blogs, die noch heute diesen „klassischen“ Aufbau haben, lese ich am Liebsten.

Eine weitere Grundvoraussetzung für das Schreiben eines Blogs war ein gewisses Talent zum Schreiben. Es gab die großartigen Geschichtenerzähler, lustig, melancholisch, wütend, mitreissend. Es gab die, die aus dem Alltag berichteten. Und die, die über ihren Job schrieben. Und es gab die Blogs der Mütter, die waren eine Mischung aus allem. Die Blogs der Mütter, die ich damals las, sind größtenteils verschwunden. Ich ahne, warum das so ist, denn wenn die Kindelein zu groß werden, fehlen Themen oder werden tabu. Frei von der Leber weg zu schreiben ist schwer, das hemmt.

Wir schrieben früher zu den gleichen Themen wie das die unzähligen Mütter (und Väter) heute auch tun. Doch wir schrieben freier, denn Blogs waren weitestgehend unbekannt. Wir schrieben in der trügerischen Sicherheit, dass sowieso nur unsere fünfzehn Leser diese Texte lesen. Mit den Statistiktools wurde das dann ganz schnell anders :) Unsere Blogrolls ähnelten sich stark, wir waren alle gegenseitig verlinkt und vermutlich schmunzele ich deshalb immer in mich hinein, wenn sich Bloggerinnen für die Idee feiern, dass ihre Blogs zusammen ein Dorf sind. Wir Mütter schrieben (füreinander und die wenigen anderen Leser) was uns erfreute, belastete, quälte, überraschte. In langen, langen Texten, durchdachte Texte, die ein bißchen jenen Schulaufsätzen ähnelten, die jeder kennt: „Mein tollstes Urlaubserlebnis“. Einleitung, Haupteil, Schluss. Und vielleicht ein Fazit. Die Kommentarfunktion war offen und wichtig, denn es wurde viel kommentiert. Kommentare waren wichtig, denn sie waren Rückmeldungen zum Text, sei es als Tipp oder, wenn erwünscht, Rat. Manchmal ein schlichtes „Kopf hoch!“, manchmal ein „Made my day! Wie ich das kenne!!“

Vor vielen Jahren wurde ich für die Emma interviewt und gefragt: „Warum haben Sie angefangen zu bloggen?“ Ich antwortete sehr schnell, spontan und ohne einen Moment nachzudenken: „Damit ich meine Kinder nicht schlage.“ (das wurde übrigens genauso gedruckt und vermutlich sorgte das für sehr viele gerunzelte Stirnen.) Es war aber tatsächlich so: im allergrößten Stress mit den Kindern, wenn alles über mir zusammenzuschlagen schien, wenn ich mit mir und meinem Leben haderte und ich sämtliche Kinder am Liebsten an einer Autobahnraststätte ausgesetzt hätte – schrieb ich einen Blogartikel. Noch während die Tochter schreiend und trotzend vor der Apotheke lag, während der Jüngste sich im Kinderwagen bis ins Genick kackte, verpackte ich meinen Frust, meine Wut, meine Hilflosigkeit in einen Text, meistens sogar witzig. Und während sich die Sätze in meinem Kopf formten, verschwand der Frust und wenn ich abends dann endlich schrieb, war es nur noch eine weitere lustige Begebenheit für den Familiengeschichtenschatz.

So war das bei mir, so war das bei vielen anderen Bloggerinnen auch. Und wir bestätigten uns das gegenseitig als Kommentar. Liebevoll, aufmunternd. Oder auch spöttisch und ironisch, das ging auch.

Heute ist das ein bißchen anders. Jedenfalls so weit ich das beurteilen kann, denn schon alleine weil meine Kindelein nun erwachsen sind, stecke ich nicht mehr allzu tief in der Säuglings- und Kleinkindthematik. Doch davon abgesehen ist das Bloglesen mühsam. Wie oben erwähnt stehe ich auf das altmodische Design, das ohne Einblendungen und bewegte Bilder auskommt, bevorzugt auch mit hoher Lesbarkeit was sowohl Schriftart, Kontrastfarben und jaja, Arroganz voran, Grundkenntnisse von Grammatik und Rechtschreibung anbelangt. Manch hippes Blogdesign hat mich noch vor dem Lesen von vielleicht tollen Texten verjagt.

Dann sind da halt die Inhalte. Wie gesagt, ich bin aus der Thematik raus, aber immer noch interessiert was die jungen Dinger da so treiben. Und hier wird es schwierig, denn ich habe noch nicht genau ergründet, ob ich womöglich am „ich habe Erfahrung, ich weiß es einfach besser“-Syndrom erkrankt bin oder ob da wirklich ein unschöner Umgang miteinander gepflegt wird. Der Begriff „Mommy Wars“ kommt nicht von ungefähr und ich kann auch nicht behaupten, dass das ein neues Phänomen ist, denn zu meinen Forenzeiten (ab 2000) war ich auch in fiese Sachen verwickelt. Damals hieß es aber noch „Gruppendynamik und ihre Entwicklung“, das Ergebnis und die Auswirkungen waren aber identisch. (alle haben sich lieb, dann kracht es, man versöhnt sich, es kracht ganz heftig, drei Leute gehen, gründen eine neue Gruppe in der alles viel besser gemacht wird und man sich wirklich lieb hat. Und so weiter.)

Ich sage es jetzt einfach mal frei heraus und gänzlich undiplomatisch, dafür subjektiv: sehr viele Blogs kann ich nicht lesen, die sind wirklich entsetzlich. Sie sind unecht, weiß getüncht und mit „Symbolbildern“ überladen, dass es schmerzhaft ist. Die Texte fühlen sich an, als habe man verschiedene Textbausteine aus dem „Gefühle für Mütter“-Kasten geklaubt und wahllos zusammengesetzt. Oder ein Erziehungs-, gar Lebensstil wird als der Weisheit letzter Schluß so lange ge- und beschrieben, mit  Crema- oder Rise-Filtern bearbeiteten Bildern ausgeschmückt und den Textbausteinen „Bindung, Nähe, (Kinder)Glück“ verhackstückt, bis sogar ich, die ich die Brutpflege erfolgreich und ohne Verluste beendet habe, mich schlecht fühle, weil ich es anders gemacht habe. Diese Blogs sind für mich die Zeigefinger-Blogs, weil sie den immer erhoben haben. Liebevoll natürlich. Und augenzwinkernd. Haha.

Und dann diese Blogs, die eigenlich nur eine Dauerwerbesendung sind. In denen die Texte um ein zu bewerbendes Produkt herum geschrieben werden und notfalls auch an den Haaren herbeigezogen werden. Da wird verlost und verschenkt und Rabatt-Codes machen uns alle glücklich, sorgen für Traffic und der zieht das nächste Werbeangebot nach sich. Lese ich nicht. GAB es früher nicht! Das war eindeutig besser.

Es wird viel von Professionalisierung geschrieben. Man optimiert sein Blog für Suchmaschinen und besucht Seminare, wo man das alles lernt. Denn Bloggen ist ein Beruf, damit kann man Geld verdienen. Werbung ist wichtig und wenn nicht für ein Buch, dann wenigstens für Putzmittel, Cremes oder Windeln. Das ist die Entwicklung und ich mag sie nicht.  Zum Glück gibt es noch viele, viele Blogs, die ein klitzekleines Bißchen altmodisch sind und die einfach „nur“ Geschichten erzählen und am Leben teilhaben lassen, muss ich mich also gar nicht aufregen.

flügge.

6. September 2017

Schon als sie noch in Afrika war, teilte mir die Tochter mit, dass sie nach ihrer Rückkehr „abgesprungen“ bleiben möchte. Und das ist ja auch gut so, denn schließlich wird sie demnächst zwanzig Jahre alt jung und hat bereits ein Jahr ihre Leben ganz alleine sortiert bekommen. Vor allem Letzteres birgt eine Menge Konfliktmaterial, was wir in Kapstadt prompt erlebten. In Kapstadt wohnten wir eine Woche gemeinsam in einer Ferienwohnung und ich sage es mal kurz: der Stock braucht nur eine Bienenkönigin. Wir rasselten aneinander und schlichen danach sehr behutsam um einander herum. (Mittlerweile können wir beide sehr herzlich darüber lachen, doch wir merken, dass es sich schwierig gestalten würde, wenn wir uns unter einem Dach wieder zusammenraufen müssten.)

Und jetzt zieht sie halt aus. Sie hat ein entzückendes Appartment in einem Wohnheim in Dresden und braucht plötzlich nicht mehr nur Hefte, Stifte und neue Socken, sondern auch Töpfe, Pfannen und WC-Reiniger. Letztes Wochenende begleitete ich sie nach Dresden zur Wohnungsübernahme und danach zum großen Haushaltswaren- und Putzsachen-Shopping. Abends köpften wir eine Flasche Champagner zusammen und feierten die Selbständigkeit, den neuen Lebensabschnitt und ein bißchen auch uns und dass wir uns ganz gerne mögen. Immer noch.

Am Montag klapperten wir noch das schwedische Möbelhaus ab und danach einen großen Supermarkt, der einen kleinen, roten Staubsauger und einen Wasserkocher im Angebot hatte. Ich verbuche es übrigens als äußerst heldenhaft, dass ich die Tränchen wegknieperte, die mir in die Augen stiegen. „Das Mädchen hat jetzt einen eigenen Staubsauger!“ hat für Unbeteiligte sicher auch wirklich sehr wenig Rührungspotential, doch glauben Sie mir – selbst wenn dieser Zeitpunkt für Sie vielleicht noch fern sein mag – auch Sie werden irgendwann über irgendetwas sehr gerührt sein, das Unbeteiligte eher verwundert. Das ist vermutlich genauso wie die Sache mit dem ersten Paar Schuhe, dem Schulranzen und der plötzlichen Erkenntnis, dass der dunkle Schatten am Kinn des Sohnes kein Dreck sondern zaghafter Bartwuchs ist. Da kniepert man halt ein bißchen.

Am Samstag fahren die Kindelein eine Transporter voller Sachen nach Dresden. Letztlich sind es gar nicht so viele Möbel, denn das Appartment ist möbliert. Doch ein Regal, ein Sessel und der Schreibtischstuhl fehlen noch, außerdem sehr, sehr viele Bücher. Und ein kleiner, roter Staubsauger, ein Wasserkocher, ihre Klamotten und lauter Haushaltskrusch.

Die Söhne kommen noch am Abend wieder, die Tochter am Dienstag nächster Woche. Sie hat noch ein paar Termine in Nierstein (unter anderem ihren Geburtstag, den sie lieber hier feiern will, so lange sie noch niemanden in Dresden kennt) und dann zieht sie aus. Zieht sie weg. Nicht zwölf Flugstunden nach Afrika, sondern nur fünf Zugstunden weit weg. Aber weg. Sie hat dann kein Zimmer mehr hier in der Grünen Villa, nur noch ein Bett für Besuche. Sie kommt dann zwar heim, aber eben zu Besuch. Und ihr echtes Daheim ist dann in ihren eigenen vier Wänden.

Gestern sagte sie: Ich schwanke zwischen „OMG, ich ziehe aus!“ und „OMG, ich ziehe aus!“ Und das sieht jetzt hier geschrieben natürlich blöd aus, aber lesen Sie es ruhig laut und betonen sie einfach das „aus“ mal fröhlich-erwartungsvoll, mal ängstlich-unsicher und dann wird es klar. Und mir geht es genauso: OMG, sie zieht aus.

Immerhin hat sie einen kleinen, rote Staubsauger. Und alles, was wir ihr geben konnten.

WmdedgT im September

5. September 2017

Frau Brüllen ruft zum Tagebuchbloggen auf und das ist doch ein prima Anlass, um die Sommerpause zu beenden. Zumal es hier sehr eindeutig herbstelt, die Trauben sind reif und den ersten Vollernter sah ich auch schon. Fehlen nur noch Zwiebelkuchen und Federweißer und dann ist das Herbstglück perfekt.

Zurück zum Tagebuchbloggen: unglücklicherweise war das heute einer dieser Tage, die still vor sich hinplätschern und eine detaillierte Beschreibung würde sich vermutlich so spannend wie eine Partie Briefschach lesen.

Ich fasse also grob zusammen: der Tag begann sehr, sehr früh mit der Verabschiedung des besten Vaters meiner Kinder, der sich kurz nach fünf auf den Weg nach Böblingen machte. Die Söhne verließen kurz vor und kurz nach sechs das Haus, ich döste noch ein Stündchen, bis ich die Tochter rumoren hörte. Sie übernahm die Hunderunde, ich die Küchengrundreinigung. Danach zog es mich ins Nähzimmer und die Tochter die Reinigung des Bades, nachdem sie dem gar nicht mehr so kleinen Hund jede Menge Schlamm aus dem Fell geduscht hatte.

Hund und Kater leisteten mir im Nähzimmer Gesellschaft, die Tochter räumte in ihrem Zimmer Sachen von A nach B. Sie packt für ihren Umzug.

Am Nachmittag trafen wir uns zu einem Kaffee und zwei Folgen „Orange is the new black“ und ich wendete genähte Figürchen bis mir die Finger zu sehr weh taten.

Ich hatte eine Ladung Wäsche über den Tag schwarz gefärbt. Ausgewaschene Hosen und Pullis, zwei helle Handtücher, ein komisch-lila Shirt, ein kackbraunes und ein grauer Badteppich sehen jetzt wieder aus wie neu und die Tochter freut sich über fast neue Handtücher. Färben in der Waschmaschine ist eine großartige Sache, ich mache das sehr gerne, um Ausgewaschenes aufzufrischen oder ungeliebte Farben zu ändern.

Die Tochter übernahm erneut die Hunderunde, ich begann zu kochen. Auf dem „was ich unbedingt nach Afrika daheim essen will“-Liste stehen auch überbackene Käsetortellini und die gab es dann heute.

Der große Sohn kam heim und übernahm die Entsorgung von Papier-, Plastik- und Biomüll, bevor er sich an den Rechner setzte und einen Transporter für den Umzug seiner Schwester am Wochenende mietete.

Der Jüngste kam heim, pünktlich zum Essen. Beim Essen beschlossen die Kindelein, dass sie Samstag morgen zusammen den Transporter zur neuen Bleibe der Tochter in Dresden fahren. Den Transporter geben sie dort zurück, die Söhne fahren in der Nacht ohne die Tochter wieder zurück. Sie sehen: das wird hier ernst, demnächst lebt ein Familienmitglied weniger in der Grünen Villa.

Nach dem Essen saßen wir zusammen am Tisch und vielleicht hört sich das ein bißchen kitschig an, aber es scheint so, als würde nicht nur ich jede gemeinsame Minute mit der Tochter auskoste. Auch die Söhne suchen ihre Nähe und das ist bittersüß.

Die Söhne verzogen sich in ihre Zimmer, die Tochter und ich versacken für eine weitere Folge auf dem Sofa.

Und das war es. Äußerlich ruhig, nahezu langweilig. Aber in mir drin … wühlt es. Darüber erzähle ich dann demnächst.

*****

Und falls Sie fragen:


Käsetortellini in kochendem Wasser erhitzen. Vorher eine Béchamelsoße zubereiten und darin so viel Gorgonzola und Parmesan schmelzen, wie man mag. Die Soße über jede Menge Spinat kippen, ein bißchen ziehen lassen. Spinat mit Tortellini vermengen und das ganze mit Parmesan überbacken. Ein Lieblingsessen ohne genaue Maßangaben.

WMDEDGT im Mai

6. Mai 2017

Frau Brüllen fragte gestern „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ Nicht so arg viel, aber ich schreibe es trotzdem auf.

Wie jeden Freitag übernahm der beste Vater meiner Kinder joggend die Hunderunde. Das passte sehr gut, weil für mich ein Zahnarzttermin anstand. Die Aussicht auf dieses Vergnügen lähmte mich ziemlich, so dass ich eher ziel- und planlos im Haus herumfuhrwerkte, aber immerhin nicht auf den Hund aufpassen musste.

Beim Zahnarzt ging es dann ganz ohne Bohren und physische Schmerzen, dafür reißt der künftige Behandlungsplan ein paar fiese Löcher in die Geldsparmatratze. Implantate sind irrsinnig teuer, aber eben doch die beste Wahl. Unglücklicherweise bedeuten sie wieder einen chirurgischen Eingriff samt Narkose mit langer Heilphase und ich weiß noch gar nicht so recht, wann ich Zeit für diesen Spaß (haben will).

Wieder daheim vergaß ich die Zeit beim Erstellen eines Fotobuches von unserem Urlaub. (und weil ich sowieso schon mit den Bildern jonglierte, konnte ich auch rasch mal bloggen.) Das Tolle an der digitalen Fotografie ist ja, dass man Tausende von Bildern machen kann, es kostet ja nix. Der Nachteil der digitalen Fotografie ist, dass man Tausende von Bildern gemacht hat und sich wirklich nur schwer von einzelnen trennen kann, auch wenn so manches Bild einen erklärenden Untertitel braucht: da hinten, ganz rechts im Schatten! Da kann man beinahe einen Leoparden sehen!

In das Fotobuch kommen jetzt eben nur die allertollsten Bilder, deren Auswahl mich noch sehr lange beschäftigen wird. (Fotobücher finde ich super, denn die schaut man sich wenigstens mal an. Tausende von Bilder auf der Festplatte ja eher selten)

Irgendwann kamen die Söhne heim, schwätzten ein bißchen und verschwanden direkt wieder in Jungschar und zur Hunderunde und mir fiel ein, dass wir am Abend Gäste haben würden. Wir hatten nämlich Wein und Biltong aus dem Urlaub mitgebracht und die Freunde zur Verkostung eingeladen.


Ich rannte schnell mit Staubsauger und Staublappen durch die Wohnung und rührte einen Spundekäs für die Brezelchen, als ordentliche Grundlage für die Weinprobe. (die Freundinnen brachten dann noch weitere Grundlagen und wir wurden sehr, sehr satt)

Die Weine waren alle drei gut trinkbar, einer war sogar sehr lecker. Gekauft hatte ich sie natürlich nur wegen der Ettiketten!

Ein sehr hübsches Ettikett in türkis und rosa, mit goldenen Akzenten. Der Wein war eine Mischung aus Chardonnay und Sauvignon blanc, ein bißchen flach, aber so als leichtes Sommerweinchen (vllt. als Schorle) ganz nett.


Ebenfalls ein hübsches Ettikett und ein sehr aromatischer Wein. Lecker! Die Flasche ist übrigens aus Plastik und liebe Tochter, falls Du das liest: Du darfst uns hiervon eine Flasche mitbringen. Vom nächsten bitte auch, der kommt sogar aus Wellington:


Wer hätte diesem Ettikett widerstehen können? Wir jedenfalls nicht und der Chardonnay war dann auch ganz in Ordnung. Ebenfalls schön leicht und süffig.

Das Tollste an dieser Flasche versteckt sich auf der Rückseite, der Barcode:


Über solche Details kann ich mir ein Loch in den Bauch freuen, die sind wirklich entzückend!

Die Weine fanden also große Zustimmung, sogar bei den Söhnen, die sich spontan zu uns gesellten. Das Biltong schmeckte ebenfalls allen. Biltong ist getrocknetes, leicht gewürztes Fleisch, das statt Chips oder Popcorn genascht wird. Es schmeckt nicht mal annähernd so wie dieses „Beef Jerky“, das es in vielen deutschen Supermärkten gibt! Wir hatten Rind und Strauß zum Kosten, außerdem die letzten Reste Droeworst (=getrocknete Wurst) vom Kudu. Lecker!

Die Freunde verabschiedeten sich, wir räumten noch rasch die Küche auf, tränken einen Apfelsherry als Absacker und wankten angenehm angesäuselt ins Bett. Die Implantatgeschichte fiel mir dann erst heute morgen wieder ein.

Kap Alguhas – Kapstadt

Viel zu schnell mussten wir uns vom strahlenden Türkis des Indischen Ozeans verabschieden, doch Urlaub ist ja schließlich kein Vergnügen und Kapstadt wartete auf uns. Mit der Tochter als Reiseleiterin sollte die Fahrt nach Kapstadt dann auch noch zwei Highlights haben: der erste Zwischenstopp in Hermanus. Die beste Zeit für einen Besuch in Hermanus ist der August, denn dann tummeln sich dort sehr dekorativ die Wale in der Bucht.


Wale gab es nicht zu sehen, obwohl wir sehr angestrengt auf den Atlantischen Ozean starrten. Aber der Weg an der Küste entlang bietet auch ohne Walsichtung spektakuläre Aussicht über schroffe Felsen und dagegen gepeitschtes Wasser. Der Küstenweg ist als Lehrpfad konzipiert. Auf Schildern gibt es viel Interessantes über Flora und Fauna der Gegend zu lesen und lernen.

Der zweite Zwischenstopp war in Betty’s Bay, denn dort leben Pinguine!


Für wenige Rand Eintritt darf man den Weg betreten, der sich zwischen Küste und Brutstätte der Pinguine entlangschlängelt. Für die Pinguine wurden viele Bruthöhlen aus Fiberglas gebaut, weil der natürliche Lebensraum nicht mehr ausreichend Brutmöglichkeiten bietet.


Der Bestand der Pinguine ist nicht nur wegen der fehlenden Brutmöglichkeiten gefährdet, sondern auch wegen des Futtermangels. Der Fisch wird knapp, denn wir Menschen sind effektivere und rücksichtslosere Jäger.


Wenn Pinguine laufen oder bäuchlings in der Sonne liegen, wirken sie völlig unbeholfen und ich war sehr erstaunt, als ich sie sehr lässig Felsen hoch- und wieder runterhüpfen sah. Im Wasser sind sie nahezu elegant.

(und vielleicht können sie heimlich ja doch fliegen)

So niedlich Pinguine auch sind … der heimlich Wunsch, einen mal ganz innig zu knuddeln, verfliegt sehr rasch! Die Viecher stinken nämlich ganz erbärmlich :)

Am späten Nachmittag erreichten wir Kapstadt und unsere Ferienwohnung, die erfreulicherweise sehr nahe an der Waterfront/Waterkant liegt. Es blieb gerade noch Zeit um ein paar Lebensmittel zu kaufen und das Restaurant zu suchen, in dem wir essen würden.


(da sich die Ferienwohnung fast in der Touristenmeile befindet, war es kein Problem, zu Fuß unterwegs zu sein. Sehr angenehm!)