Reisefieber

18. Februar 2015

Der beste Vater meiner Kinder und sein holdes Weib planen ein romantisches Wochenende im Schnee.
Wie bestellt hat es die letzten Tage und Wochen am Urlaubsort unserer Wahl geregnet und die verlockende Schneedecke hat sich in einen Schneeflickenteppich verwandelt, der bis zu unserer Anreise wahrscheinlich komplett weggetaut ist.
Egal. Ich freue mich auf ungestörte Zweisamkeit wahrscheinlich ohne Zugang zum Netz, die hinreißenden Bestien scheinen auch nicht sehr traurig zu sein, ein Wochenende ohne treusorgende Eltern verbringen zu müssen. Ich gedenke zwei, drei Bücher zu lesen, lange Spaziergänge zu machen, hervorragend zu speisen und mich gründlich auszuschlafen. Diese Pläne decken sich genau mit denen des Gatten. Ruhe und Erholung.

(Außerdem versuche ich meine Angst daheim zu lassen, dass diese Zyste in meinem Bauch sich unser Wochenende zum Platzen aussuchen könnte. Muss sie nicht, wird sie nicht.)

Fastnacht.

Ich betone ja immer wieder gerne, wie sehr mich die fünfte Jahreszeit nervt. Trotzdem finde ich mich regelmäßig sehr amüsiert vor dem Fernseher, wenn “Mainz bleibt Mainz” läuft. Und dieses Jahr war ich ganz kurz davor, zu einem Rosenmontagsball zu gehen. Dass ich dann doch lieber hier sitze und blogge ist nur der Tatsache geschuldet, dass wir gestern hier in der Grünen Villa bereits ein klitzekleines Bißchen Fastnacht gefeiert haben: ohne Kostüme, aber mit buntem Gebäck und Kreppeln. (und Sekt.)

Traditionell backt der beste Vater meiner Kinder jedes Jahr Kreppel für uns und unsere Gäste an Fastnacht, buntes Gebäck kam irgendwie nur zufällig dazu.

Eigentlich wollte ich mir zu meinem Geburtstag eine Regenbogentorte backen. Doch irgendwie blieb keine Zeit übrig und deshalb ließ ich es. Frischkäse, Johannisbeergelee und Schokolade für die Füllung verspeisten wir nach und nach auch ohne den Kuchen drumherum. Aber es ließ mich nicht los, ich wollte unbedingt (nochmals) diese quietschbunte Torte backen, weil sie mich so fröhlich macht. Und auch ein bißchen lecker ist. Die kleine Fastnachtsfeier bot sich als Anlass an und deshalb begann ich am Freitag mit dem Backen.

Ich rührte rasch einen Biscuitteig zusammen, teilte ihn durch sechs und färbte ihn ein. (mit Wilton Gelfarben, die färben am Besten und schmecken nicht raus). Beim Einfüllen der ersten Teigportion in meine Springform stellte ich fest, dass ich besser das doppelte Rezept gerührt hätte, denn die Teigmenge bedeckte nicht den gesamten Boden. “Macht nix, der wird sich schon beim Backen ausbreiten”, bildete ich mir ein, aber da es sich um einen Biscuitteig handelt, in dem kein Fett ist, breitete sich gar nichts aus. Dafür waren die sechs Böden relativ schnell gebacken, jeder brauchte nur knapp acht Minuten.

Während die Böden auskühlten, rührte ich aus Frischkäse und geschmolzener, weißer Schokolade die Füllung. Ich begann mit dem roten Boden. Diesen bestrich ich mit Johannisbeergelee. Die Unterseite des orangefarbenen Bodens bestrich ich mit der Frischkäsecreme und legte sie auf den roten Boden. Die Oberseite des orangefarbenen Boden wurde wiederum mit Johannisbeergelee bestrichen. Und so weiter, bis zum lilafarbenen Boden, der der Kuchendeckel ist. Eine Regenbogentorte würde nun zum Schluss komplett mit der Frischkäsecreme umhüllt.

Meine Regenbogentorte war aber erstens keine Torte, sondern mehr ein Pfannkuchenstapel mit Zeug dazwischen und obendrein ziemlich schief, weil die Teigmenge eben in kleineren Springform sehr viel besser aufgehoben gewesen wäre. Wir überlegten, ob wir den Kuchen viereckig in Form schneiden oder fünf-/sechseckig und ihn danach mit der Creme bestreichen.

Der beste Vater meiner Kinder übernahm das “in Form schneiden”.

Und als die Abschnitte da auf dem Teller lagen und sehr hübsch aussahen, war plötzlich klar, dass der gesamte Kuchen kleingeschnitten werden muss. Lauter kleine, bunte Türmchen, eine Art Petit Fours.

Der Kuchen kam komplett zum gründlichen Durchkühlen über Nacht in den Kühlschrank und am Sonntag morgen schnitt ihn der beste Vater meiner Kinder zurecht.

Ich übte mit Spritzbeutel und Tülle und schon beim vorletzten Regenbogentürmchen gelang mir ein ansprechendes Häubchen.

Zur Krönung gab es bunte Smarties auf die Regenbogentürmchen …

… und ja: der Aufwand lohnt sich. Sie sehen entzückend und fröhlich aus.

Am Nachmittag verkleidete sich der beste Vater meiner Kinder dann als Kreppelbäcker und buk das vierfache Rezept für “Berliner Pfannkuchen” (Rezept aus: “Das elektrische Kochen”, dieses blaue Kochbuch, das beinahe jeder hat).

Allerköstlichste Kreppel, gefüllt mit Erdbeer- oder Himbeerkonfitüre, nicht zu vergleichen mit denen, die man beim Bäcker kaufen kann.

Und obwohl wir wegen erkrankter Freunde ein paar Menschen weniger am Küchentisch waren: den letzten Kreppel verspeiste ich heute nachmittag. Die letzten Regenbogentürmchen gibt es morgen. Und ab Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit.

*****

Weil bereits nachgefragt wurde – hier das Regenbogentortenrezept für die kleine Springform (18/20 cm ), wollen Sie Regenbogentürmchen backen, dann werden die Teigportionen ganz dünn in einer großen Springform (26/28 cm ) ausgestrichen.

6 Eier werden mit 5 TL heißem Wasser schaumig geschlagen.

200g Zucker dazurühren.

150g Mehl, 150g Speisestärke und 5 TL Backpulver mischen, mit der Ei/Zucker-Mischung verrühren.

Den Teig in sechs Portionen aufteilen, jede Portion hat ca. 130g. Den Teig nach Wunsch einfärben.

Bei 190°C Ober/Unterhitze 10-12 Minuten backen, in der großen Springform ca. 8 Minuten. Ich lege die Springform mit Backpapier aus, damit nichts anhängt. Außerdem können die Böden auf dem Backpapier prima auskühlen, während die Springform wieder im Einsatz ist.

Für die wirklich sehr üppige Füllung 500g weiße Schokolade im Wasserbad schmelzen und dann mit 1000g Frischkäse verrühren.

Ich mag gerne Johannisbeergelee zum Bestreichen, weil das schön säuerlich ist. Ich kann mir aber auch sehr gut Orangenmarmelade dazu vorstellen. Oder Quittengelee!

Die Regenbogentorte wird am Schluss komplett mit der Frischkäsecreme umhüllt und dann nach Belieben verziert. Die Regenbogentürmchen bekommen ein Frischkäsehäubchen aufgespritzt.

Zum säuberlichen Schneiden von Regenbogentürmchen braucht man ein sehr scharfes Messer, das vor jedem Schnitt in heißes Wasser getaucht wird. Und der Kuchen muss gut gekühlt sein, damit sich die Schichten beim Schneiden nicht verschieben.

Viel Erfolg und Spaß beim Backen, guten Appetit!

 

Und? Die guten Vorsätze?

12. Februar 2015

Der Januar ist rum, der Februar beinahe halb. Es ist also allerhöchste Zeit, nach eingehaltenen und gebrochenen Vorsätzen Ausschau zu halten.
Die Rezeptesammlung besteht noch immer zum größten Teil aus Zetteln, der Karteikartenkasten schaut mich vorwurfsvoll an und ich habe wirklich viele, gute Ausreden, warum ich keine Zeit habe, Rezepte ins Reine zu schreiben. Die wenigen Rezepte, die ich bereits übertragen habe, habe ich schon glückselig aus dem Kästchen gefischt, nachgekocht und wieder eingeordnet. Es würde mich wohl mehr als zufriedenstellen, wenn ich mich endlich aufraffen könnte, den Rest … Ich weiß, ich weiß. Machen statt jammern.

Auf Alkohol habe ich verzichtet, bis auf die Abende, die wir bei Freunden verbrachten, die den gleichen Vorsatz hatten. So waren wir dann wenigstens gemeinsam zerknirscht.

Tapfer durchgehalten habe ich den Verzicht auf neue Kleidung. (zwei Röcke habe ich mir genäht, aber nicht mal den Stoff dafür habe ich gekauft) Einmal erwischte ich mich mit meinem Weihnachtsgutschein im Weltladen vor den Halstüchern, als ich mich nicht zwischen dem pinkfarbenen und dem orangenem entscheiden konnte. Ich ließ sie beide hängen, sie zählen als Kleidung. Kurz überlegte ich, ob ich mir die Schuhe, die ich bereits in rot habe, in schwarz kaufe, weil ich prima darin laufe und sie mir so gut gefallen, aber nein. Schuhe habe ich auch genug.
Interessanterweise wirkt sich dieses “brauche ich nicht, kaufe ich nicht, habe ich genug” auf viele weitere Bereiche aus und viele Sachen, die ich sonst einfach so – nebenbei – gekauft hätte, bleiben in den Regalen liegen. Das gefällt mir sehr, das möchte ich gerne beibehalten.

Kein richtiger Vorsatz, mehr so eine Abmachung zwischen mir und Frau Knie ist die regelmäßige Nutzung des Laufbandes. Das läuft (haha) bisher auch gut, aber … im Moment traue ich mich nicht. Es könnte ja was platzen oder reißen (unwahrscheinlich, aber Hey! Ich habe Phantasie). Wahrscheinlicher ist, dass ich einfach umkippe, weil mir schon die 18 Stufen zur Wohnung hoch grelle Blitze vor die Augen zaubert. Ich vermisse meine Laufbandlauferei allerdings schon wieder, Frau Knie auch, die ist da schnell zickig.

Ich bleibe dran, an diesen Vorsätzen: mehr, weniger, überhaupt nicht und regelmäßig. Das muss ja zu schaffen sein. (in ein paar Wochen beichte ich wieder.)

Achtung, im folgenden Artikel geht es um Blut und Menstruation, sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Am 22. Januar begann meine letzte Menstruationsblutung. Sie hat bis heute nicht aufgehört und das ist ein bißchen ungewöhnlich. Zuerst war es nur lästig, dann ein bißchen “Nanu?” und jetzt gegen Ende fand ich mich im Internet, Dr. Google befragend. Was man auf gar keinen Fall tun sollte, denn wenn man nur ein klitzekleines Bißchen hypochondrisch veranlagt ist, weiß man nach knapp fünf Minuten, dass ein grausamer Tod bevorsteht. Dies wiederum will man gar nicht so genau wissen, weswegen es sehr schwierig wird, einen Termin bei der Gynäkologin auszumachen.
Ich habe das dann aber doch geschafft, bekam einen Termin für Ende Februar. Schlagartig endeten die Blutungen und das kennt man ja: heilende Terminvergabe, geht auch bei Zahnschmerzen.
Nachdem der schöne Tag mit dem Babymädchen gestern allerdings mit sehr viel Blut und schwarzen Punkten vor den Augen endete, saß ich heute morgen bei der Gynäkologin und ließ sie “mal rasch nachsehen”. Brav entsprach ich dem Vorführeffekt und konnte keine Blutung vorweisen.
Ein Ultraschall zeigt dann aber jede Menge Gebärmutterschleimhaut, die noch “abregnen” wird und dies hoffentlich nicht schwallartig tut. Grund dafür ist eine Zyste. Es ist nämlich so, dass mein Körper nun im Alter der Fehlfunktionen ist. Das ist der Beginn der Menopause! Meine Euphorie bei dem Gedanken “Hurra! Ich hab das jetzt bald hinter mir!” wurde aber umgehend gedämpft, denn der Spaß kann noch gut und gerne zehn Jahre gehen.
Diese Zyste ist entstanden, weil ein Ei nicht gesprungen ist. Die Gebärmutterschleimhaut ist gewachsen und gewachsen, das Ei auch und jetzt soll das alles irgendwie verschwinden. Bis zum 27.Februar habe ich Zeit, dann muss ich sowieso zur Krebsvorsorge wieder hin. Sollte meine Gebärmutter bis dahin nicht wieder hübsch aussehen, kommen Hormone, schlimmstenfalls eine Operation ins Spiel. das möchte ich lieber nicht.
Im Grunde genommen ist das nun kein so schrecklicher Befund, trotzdem lähmt er mich völlig. Vor drei Jahren hatte ich schon einmal solch eine Zyste. die brachte mich zwei Wochen ins Krankenhaus, weil sie platzte und in die Bauchhöhle blutete. Ich bewege mich nun also sehr behutsam, damit das Ding nur irgendwie zusammenschrumpelt und eben nicht dramatisch platzt.
Ein bißchen Sorgen bereitet mit auch mein hb-Wert, der an der alleruntersten Grenze herumdümpelt und mir damit bleierne Müdigkeit, Kreislaufprobleme und Druckkopfschmerz beschert. Es ist ein Elend.

Ich erwähne es oben bereits: wegen mir könnte diese Menopausensache sehr viel schneller kommen. Der Kinderwunsch ist abgehakt, mein Frau-Sein definiere ich nicht über meinen Zyklus und auf Krämpfe und den monatlichen Kampf gegen den Eisenmangel verzichte ich freudig lächelnd.
Also. Her mit den Hitzewallungen, her mit Stimmungsschwankungen, auf in einen neuen Lebensabschnitt.

Babymädchentag

10. Februar 2015

Es wird ja viel über Lebensmittelunverträglichkeiten gelästert und Vieles davon enthält wohl auch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.
Blöd ist es halt, wenn man tatsächlich mit Lactose zu kämpfen hat, weil dann ist ein bißchen wie so, als habe man ein Kind mit AD(H)S, man wird milde belächelt, wenn man es erzählt. Was die Lactosesache aber doch sehr unkompliziert macht ist, dass es diese diskreten, kleinen Tabletten gibt. Die werfe ich zum Eisbecher mit Sahne ein und der quälende Bauchschmerz bleibt aus. Mittlerweile bieten auch sehr viele Cafés ihre Kaffees mit lactosefreier Milch an, das freut mich sehr. Doch mittlerweile sind etliche Cafés auf die Unverträglichkeitswelle gesprungen und verlangen, sehr geschäftstüchtig, einen Aufschlag für Getränke mit lactosefreier Milch. Ich weiß gar nicht so recht, was ich davon halten soll, eine gigantische Geldeinbuße können weder die etwas teurere Milch noch eine zweite Garnitur zum Milchaufschäumen sein.
Heute habe ich statt den höheren Preis zu zahlen Tabletten eingeschmissen. Aber das Café von meiner künftigen Besuchsliste gestrichen.

Ansonsten durfte ich heute über eine Stunde das gar nicht mehr so winzige Babymädchen vor Tigern, Drachen und wilden Räubern im Wartezimmer des Zahnarztes bewachen, bei dem die Babymädchenmutter zur Behandlung war. Es verschlief die lange Trennungszeit auf meinem Arm, ohne dass ich ihm die vorhandenen Bilderbücher (Warum hatten Burgen Zugbrücken?) vorlesen musste. Stattdessen durfte ich mich über die geheimen Einkaufstipps in Brooklyn informieren und kenne jetzt endlich wieder den neuesten Tratsch und Klatsch aus der Welt der Reichen und Schönen.
Nach dem Arzttermin wurde die Babysitterin (=ich) mit Pizza entlohnt und jetzt war ich endlich auch einmal in einem dieser Vapianos und hatte einen Pizzabuffer auf dem Tisch liegen.
Den Ausflug in die große Stadt meisterten wir übrigens mit der Bahn, was gar nicht so einfach ist. Das hatte ich erfolgreich verdrängt.
Der Niersteiner Bahnhof wird gerade umgebaut und leider fehlen noch die Schilder, die den Weg zur Rampe weisen, mit der sogar Rollstuhlfahrer und Kinderwagen schiebende Menschen auf ihren Bahnsteig gelangen könnten. Wir schleppten den Wagen also dreißig Stufen hoch. Unglücklicherweise fanden wir auch den Fahrkartenautomaten nicht mehr dort, wo er einst stand. Zum Suchen blieb keine Zeit, der Zug fuhr ein und … es kam kein Kontrolleur. Das Einsteigen in den Zug war sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt eine sportliche Herausforderung, weil diese Lücke zwischen Zug und Bahnsteig beachtlich ist. Ohne Hilfe ist sie auf gar keinen Fall zu bewältigen.
Lustig war auch der Aufzug im Haus des Zahnarztes, in den eigentlich nur der Kinderwagen passte und es handelt sich dabei nicht mal um ein besonders ausladendes Modell. Die Babymädchenmutter quetschte sich dann noch irgendwie dazu, denn das Babymädchen in seinem Wagen alleine nach oben zu schicken – so abgebrüht waren wir beide nicht.

Es hat sich also in den letzten 15 Jahren nicht richtig viel in Richtung Kinderfreundlichkeit getan, scheint es. Ich bin mal gespannt, was ich davon noch so mitbekomme.