Der Goethe mal wieder!
10. August 2009
„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“
Recht hat er. Und ich versuche ja auch, danach zu leben. Und mich nicht selbst in eine hysterische „Ob´s dem Kind wohl gut geht“-Panik zu manöverieren.
Genau. DEM Kind. Nur der Jüngste. Der Große, um den mache ich mir keine Gedanken. Der war letztes Jahr schon mit, der ist umgeben von all seinen Freunden, der genießt seine Freiheit und die Sachen, die Jungs im Zeltlager halt so machen.
Aber der Jüngste. Er hat sein Lieblingsknuffeltier nicht mitgenommen, damit es nicht verloren geht. Vielleicht auch, weil er in Sorge war, deswegen ausgelacht zu werden. Seine Sorge galt auch, dass man ihn wegen seiner langen Haare als Mädchen auslachen würde. (er will nicht, dass sie geschnitten werden, ich bot das an) Ich erklärte ihm, dass derjenige, der ihn auslacht, selbst doof ist, denn immerhin handelt es sich um ein Jungenzeltlager. Aber ach, Kinder sind manchmal doof, meine nicht ausgeschlossen.
Ich bin so in Sorge, weil ich nichts für ihn erklären kann. Kann den anderen Kindern nicht sagen, warum er langsamer spricht. Kann ihm nicht helfen, wenn seine Langsamkeit ausgenutzt wird. Kann ihm nicht die Haare bürsten und kann … ihn nicht unter meine Gluckenflügel nehmen.
Muss ihm Flügel geben.
Und das ist so sehr schwer. Dabei habe ich gesehen, wie fröhlich er mir aus dem Bus heraus gewunken hat. Neben einem Klassenkameraden sitzend und mit funkelnden, abenteuerlustigen Augen. Ich weiß, dass sein großer Bruder für ihn da sein wird. Genauso wie die Freunde des großen Bruders. Und der Zeltchef ist der Sohn der Freundin, die nie Zeit hat. Ein vetrautes, gemochtes Gesicht. Es wird ihm gut gehen. Und in ein paar Tagen werde ich ein verdrecktes, braungebranntes und fünf Zentimeter in die Höhe gewachsenes Kind am Parkplatz abholen.
Flügel. Auch für mich.
11. August 2009 um 01:10
Hach… liebste Frau Mutti, sie sind wundervoll! Möcht man sie einfach nur mal drücken, so schön ham se das geschrieben. :-)
11. August 2009 um 07:21
Ach liebe Frau Mutti, es ist bewundernswert, wie Sie immer wieder die richtigen Worte finden.
Genau SO ist es, wenn die Kinder groß werden. SOOO schön und SOOO schwer.
LG Anja
Ein Tränchen muss ich mir schnell noch wegwischen …
11. August 2009 um 07:36
Oh Gott! Mein Magen krampft gerade!!! Ich weiß sehr genau wovon sie sprechen….sie wissen ja, auch mein Jüngster…..ständig begleitet uns diese Sorge……
Wir Mütter sind schon manchmal arme Schw…..
LG Claudi
11. August 2009 um 07:40
ich kann Sie so gut verstehen – unseren besonderen Kindern Flügeln zu geben fällt besonders schwer. Es ist immer ein Balanceakt, der viel Kraft kostet, zwischen Beschützen und das Loslassen in die „normale“ Welt. Ich wünsche Ihnen und dem jüngsten Kind von Herzen eine erfolgreiche Woche.
Viele liebe Grüße
11. August 2009 um 08:14
Oh ja, ich frage mich auch schon, wie es mir wohl gehen wird, wenn ich meine Kinder das erste Mal in einen „Kinderurlaub“ schicken werde. Dabei bin ich als Kind selbst gern ins Ferienlager gefahren.
Aber wir üben ja schon mit Oma und Opa.
Ja auch uns Müttern müssen Flügel wachsen.
Sigrid
11. August 2009 um 08:45
Ja ich auch…ein Tränchen…Oh man ich bin schon Oma aber wie gut kenne ich das..und einfach schön daß es so ist…
Gudrun
11. August 2009 um 08:48
ach frau mutti, ich kenn das nur zu gut. die ersten reisen ohne mama…. tränchen, mama sitzt am telefon, der erste tag ist total daneben, man kommt zu nichts. kind zurück, glücklich, zufrieden… und lässt sch tatsächlich (oh wunder) doch mal wieder bemuttern.
herzliche grüße!
11. August 2009 um 08:51
ich wünsche ihnen wirklich schöne, dichte, große und starke flügel! ihr sohn hat sie nämlich – das habe ich selbst erlebt. und das war nur ein winzig kurzer nachmittag und ich konnte sie dennoch erkennen. vertrauen und zutrauen für sie – in rauen mengen!
11. August 2009 um 09:47
Sie wussten es vermutlich noch nicht, weil ich das ja eigentlich niiieee erwähne… ich liebe Ihr jüngstes Kind…. und jetzt schnüff ich hier ein bisschen rum und hol mir mal nen Kaffee. Fühlnse sich in der Zwischenzeit mal gedrückt.
(Das Captcha sagt: „starters the“ – passt, gell?
11. August 2009 um 09:56
Dieser Spruch ist auch hier grad sehr parat- auch wenn meine 3 der ersten Alleinreisezeit schon entwachsen sind.
Aber jetzt, ganz bald- und da krampft sich mein Herz-,wird das Haus bald um ein (großes) Kind leerer.
Flügel hat sie- hoffe ich auf die Wurzeln…
Was ich gelernt hab- die Kinder erleben solche Situationen, wie ein Zeltlager, als große Horizonterweiterung .Und ganz allein ist er ja nicht.
Ich wünsch Ihnen eine schöne Woche-
Gruß Heike
11. August 2009 um 10:03
Ach menno, wir haben da alle so eine fiese kleine innere Stimme die uns sagt: was macht er? wo isser? friert er? hat er hunger? will er gerade jetzt mal in den Arm?
Ich versteh das wie all die anderen vor mir sehr gut, auf unsere sehr wertvollen Dinge möchten wir natürlich auch aufpassen.
Durchhalten!! Er schafft das!! Und Sie auch, liebe Frau Mutti.
11. August 2009 um 10:11
Aaaach… jetzt sitz ich hier und die Tränen fließen… Meeensch!
Meine drei sind auch grade im Zeltlager – und mir gehts ganz ganz genauso wie Ihnen! Ich WEISS ja, daß alles gut ist und daß alle drei ihren Spaß haben (und habs am Sonntag ja auch selber gesehen).. ABER… ach.. die Mittlere hatte schon einen nassen Schlafsack (und die tagsüber naß gewordene Hose einfach in eine Tüte gesteckt… \tolles Aroma\ im Zelt..) Und der Kleine… passen die auch wirklich auf ihn auf, daß er nicht zuviel tobt und zuviel in der Sonne rumrennt?? Weiß jeder, daß er ein Herzchen ist??…. Ach menno…
Wissen Sie was ich glaube?? Unsere Kinder haben schon die Wurzeln die sie brauchen und die Flügel dazu – nur wir Mamas haben das nicht…. Unseren Kindern gehts so richtig gut im Zeltlager – und sie werden an diesen Tagen auch wachsen und daraus lernen und profitieren… so wie wir damals, vor Urzeiten ;-))
DANKE für Ihren wunderbaren, liebevollen Text!!!!
11. August 2009 um 10:34
Ganz genau. Sie dürfen die Flügel dann mit Stolz tragen.
Mein Mittlerer ist ja fast genauso alt wie Ihr Jüngster. Er war eine komplette Woche weg, er hat sich BESTENS zurechtgefunden, ich bin sooo stolz auf ihn.
Seitdem bin ich ganz zuversichtlich: dieses Kind wird seinen Weg gehen, im Leben genauso wie in diesem Zeltlager. Er ist so anpassungsfähig dass ich mit den Ohren schlackere. (Zu Hause wohnt offenbar ein anderes Kind, aber das kennen Sie bestimmt.)
Und Sie müssen ja nicht erklären, warum und wieso. Kinder interessiert das eigentlich nicht sonderlich.
Wenn die Gemeinschaft stimmt, dann nehmen ihn die anderen einfach so wie er ist.
Ich muss aber zugeben: beim Dritten, beim KLEINSTEN, da ist alles nochmal neu, nochmal schwierig, nochmal anders. Das merke ich jetzt auch erst so richtig, seit das Tsunami ein fast-Schulkind ist.
Aber wir sind ja lernfähig, nicht wahr?
LG anabel
11. August 2009 um 11:04
…Am Sonntag haben ich unseren Sohn vom mehrtägigen Kindermitmachzirkus abgeholt – er hat dann gefragt, warum das denn nicht länger dauert…..überhaupt habe ich immer das Gefühl, er wächst während solcher „Kinderurlaube“….
Aber alle ihre Sorgen kenne ich…ich drücke sie, Frau Mutti….
..und wo ist das Tässchen?
11. August 2009 um 11:10
Auch ich muß mir gerade die Tränen wegdrücken. Kann das so gut nachempfinden. Mein ‚Kleiner‘ fährt am Samstag. Ist sensibel, etwas langsam und manchmal ungeschickt. Immer hilfsbereit, was leider oft ausgenutzt wird. Das erste große Sommerlager mit den Pfadfindern steht ihm (oder mir?) bevor. Wird er sich wohlfühlen und Spaß haben? Hach, es ist wirklich nicht immer leicht, Mutter zu sein ;0)
LG
Astrid
11. August 2009 um 14:40
Ich bin sonst eine stille Mitleserin, aber diesmal muss ich einfach schreiben, dass ich ihre Worte richtig ergreifend finde. Meine Kinder sind noch zu klein, um alleine wegzufahren, aber mir graut schon vor dem Tag, der da kommen wird…
Viele Grüße!
11. August 2009 um 18:31
damit auch was zum schmunzeln hat:
http://www.youtube.com/watch?v=__pll7gNU0Q
gruss von um-die-eck
11. August 2009 um 19:52
Liebe Frau..äh..Mutti ihr jüngster schafft das sicher, allein schon deswegen, weil er dort ja Menschen hat die er kennt und auch weil der große Bruder dabei ist. Wegen den langen Haaren, also mal ehrlich es gibt nichts tolleres als lange Haare, auch bei Jungs/Männern(fragen sie mal die Wackenbesucher, da wird sicher niemand wegen der langen Haare ausgelacht wohl aber beneidet ;-))Ich glaube er hat die Flügel schon und auch das Captcha sagt an mustangs (lassen wir das n und das s mal weg….)
Viel Spass übrigens mit der Tochter, die genießt die Zeit mit ihrer Mama ganz alleine sicher.
liebe Grüße
die EvilEnte (die gott sei dank auch eine wundervolle mama hat die ihr Wurzeln und Flügel geschenkt hat. Mütter sind was ganz tolles!)
11. August 2009 um 21:28
Ein großes Lob an ihre Worte. Es macht wirklich Spaß ihre Beiträge zu lesen.
PS: Vielleicht noch was in eigener Sache, da ich heute auf meinem neuen Blog eine Aktion gestartet habe, die es vielleicht wert ist mal angeschaut zu werden. Einfach mal vorbeischauen auf kidsforever.de
11. August 2009 um 21:54
Ich glaube bei DEN Wurzel können Sie ihm getrost Flügel geben!!!
Und außerdem „Nomen est Omen“, oder?
Gruß Uschi
12. August 2009 um 00:25
hach fraumutti, sie machen das doch fein!
oft haben die kindelein ja schon flügel, aber wir mamas halten sie noch bißchen fest, unsere kleinen *seufz*.
er wird schon nur so hoch fliegen, daß er nicht tief fällt, seien sie gewiß! und daran wird er wachsen
(meine große widerborstige achtjährige ist grad im ferienzirkus und kommt jeden tag erschöpft und stolz und: anlehnungsbedürftig! nachhause. lange nicht gehabt!)
12. August 2009 um 22:58
schluck, ich krieg schon die krätze vorm erstenmal kindergarten mit meiner 3 jährigen tochter. was mach ich den wenn sie mal später für ne woche wech geht.
am 24. august ist es soweit, da geht mein ältestes kind in kindergarten, schnüff.
ich glaub ich weis noch nicht wie ich das hinkriegen soll, wenn ich das erstemal ganz weg gehe. Herrje mie ne.
die flügel die wachsen müssen jucken gewaltig.
13. August 2009 um 11:38
[…] ist nicht einfach, sich Flügel wachsen zu […]
4. Oktober 2009 um 12:18
[…] der Klettergesellschaft und glauben Sie mir, diesmal fällt es mir sehr, sehr schwer, meinem Kind Flügel zu geben. Veröffentlicht von fraumutti Abgelegt unter hinreissende […]