tolle Tochter
7. September 2008
Ich wollte immer einer Tochter.
Als ich mit dem Großen schwanger war, war ich felsenfest davon überzeugt, dass er ein Mädchen ist. So felsenfest überzeugt, dass sein Stubenwagen einen Bezug aus allerfeinstem Rosenstoff bekam und die ganzen geerbten Mini-Baby-Frottee-Nicky-Pullis in rot und orange gefärbt wurden. Und das für ihn ausgesuchte Knuffeltier hatte einen roten Bauch, obwohl es auch eines mit einem blauen Bauch gegeben hätte.
Nun ja. Ich war nicht sehr enttäuscht, nur ein bißchen. Hauptsache gesund und irgendwie war es auch großartig, die Mutter eines Jungen zu sein. (SEHR großartig, nebenbei bemerkt)
Und dann kam es ja, mein Mädchen. Und wie es ja häufig so ist: die Wunschvorstellung deckt sich nicht immer mit der Realität. Mein rosa-weichgezeichnetes Traummädchen entpuppte sich als jeanslatzhosige Motzgöre, gesegnet mit eigenem Verstand und Geschmack und so ganz und gar un-mädchenhaft. Ich durfte keine rosa Kleidchen kaufen, mit Rüschen oder Knöpfchen oder Krägelchen versehene Kleidungsstücke wurden verschmäht, ausgeleierte Sweatshirt mit Ernie und Bert stark bevorzugt. Am Liebsten waren die mit den ausgefransten Bündchen.
Gestern traf ich mein Traummädchen wieder. Die große Tochter, die mit mir so Frauenzeug redet. Die mit mir kichert, mich ein bißchen in ihr Leben schnuppern lässt und die mal eben nebenbei Muffins backt. Es ist nicht leicht, das zu beschreiben, was ich da in meiner Küche erlebte. Es war so ein nettes Nebeneinander. Sie fragte, ich erklärte. Ich fragte, sie erzählte. Oder umgekehrt. Ungemein harmonisch und deswegen ist es wichtig, dass ich das hier festhalte, denn spätestens morgen, wenn ich Löcher mit meinen Schneidezähnen in den Küchentisch stanzen will, weil ich Französischvokabeln abfrage, ist von Harmonie keine Spur mehr.
Heute hatte ich dann obendrein noch Gelegenheit, auf das Töchterlein stolz zu sein. Die Kinderoper „Der Mann im Mond“ war zwar nicht so der Überflieger, wie die Kinderopern die Jahre zuvor (Hallo Oma Eis, ihr habt wirklich nichts verpasst), doch mein Töchterlein als Prinzessin ließ mein Mutterherz anschwellen. Sie wissen schon.
Großartig diese Szene. Noch vor zwei Jahren wäre sie schlicht in Tränen ausgebrochen oder wäre zumindest äusserst verwirrt gewesen. Der Klavierspieler hatte das falsche Stück angespielt und somit ihren Einsatz glatt vergeigt.
Lachen statt Tränen, das Kind wird groß.
Abschließend, wie so oft: Hach.
7. September 2008 um 17:55
Tolle Fotos :-) Danke, dass sie uns an diesem Frauennachmittag und der Kinderoper teilhaben lassen. :)
7. September 2008 um 21:39
Wie es da steht, das Mädchen!
:)
7. September 2008 um 23:20
Die besten Gespräche mit meinen Söhnen hatte ich immer im Treppenhaus :D So zwischen Tür und Angel. Zog sich dann manchmal Stunden hin, ganz ungeplant. Das sind die Erinnerungen, die bleiben – warum die Löcher im Eßtisch sind, vergißt man dagegen sehr schnell.
8. September 2008 um 09:03
Das sind so schöne Fotos. :-)
(Mit meiner Mutter hatte ich immer die besten Gespräche, wenn wir gemeinsam von der Schule kamen und dann zusammen im Auto saßen und beide zu faul waren, dass Tor aufzumachen. :-) )
8. September 2008 um 21:56
Das was ich fühle, wenn ich das lese, erinnert mich so sehr an meine Liebe zu Zoe. Diese wunderbaren Töchter sind was Schönes!
10. September 2008 um 22:14
Schön geschrieben, wirklich!
Schaue immer gern vorbei! Lg :ok: