Mobbing, Teil II

11. August 2008

Eine Lanze für die Schule.

Das Oppenheimer Gymnasium ist sehr fortschrittlich bei solchen Geschichten. Es gibt die Mobbing-Konvention, es gibt Mediationen mit Opfern und Tätern und es gibt prophylaktische Unterrichtsstunden, genannt „MUT“ = „miteinander umgehen trainieren“.
Ich glaube fest daran, dass wir von Schulseite alle Unterstützung bekommen, die wir brauchen.

Wir haben mit der Klassenlehrerin telefoniert. Sie war vom Großen selbst am Mittwoch letzter Woche informiert worden, heute hatten zwei Mädchen aus der Klasse gesagt: „das wird nicht besser“. Einfach so, haben die beiden das gesagt, haben sich als Schülerinnen mit offenen Augen gezeigt und ich möchte sie küssen und drücken. Die Klassenlehrerin hat umgehend die Mutter des „Täters“ angerufen, die aus allen Wolken fiel. (logisch. Würde ich auch. Und täte ich es nicht, täte ich wenigstens so als ob.)
Sie (die Klassenlehrerin) wird den Mittelstufenleiter einschalten, denn der ist derjenige, der die Mobbing-Konvention ins Leben gerufen hat. Da passiert jetzt was.
In der Klasse will sie eine allgemeine Diskussion über „feiges Verhalten“ anregen. Man darf gespannt sein.

Wir haben heute abend mit unserem Sohn geübt, wie man „HÖR AUF!“ brüllt. Laut und böse. Und wirklich so meinend. Er kann es nicht. Er sagt, dass er ein friedliebender Mensch ist. Wir sagen ihm, dass er ein Opfer ist und dass er das nicht sein muss. Dass er das nicht sein muss. Dass er zeigen darf, wenn er sich schlecht behandelt fühlt. Er hat uns angebrüllt und sich gut dabei gefühlt. Ich hoffe, dass er die Kraft dafür morgen wieder findet, falls er sie braucht.

Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich damals auf dem Spielplatz „Dann hau halt zurück!“ gesagt hätte, wie so manch andere Mutter es tat, statt „Geh weg, wenn er/sie dich nervt“ zu empfehlen.

Ein Schulwechsel kommt übrigens nicht in Frage. Eher sorge ich dafür, dass die entsprechenden Täter der Schule verwiesen werden. („Brüll!“, brüllte die Löwenmutter.)

14 Kommentare zu “Mobbing, Teil II”

  1. Vreni sagt:

    Entschuldigen Sie, dass ich mich jetzt als Unbekannte einmische.

    Ich habe meinem Sohn immer gesagt, rede, frag, rede frag, nicht „hört auf“ kommuniziere mit denen.

    Und er redete, bis heute stimmt das.

    Das war schlussendlich ein „Schlüsselerlebnis“, das ihm viel genützt hat.

    alles Gute

    vreni

  2. die allerliebste Freundin sagt:

    Bin wieder da und melde mich morgen… Küsschen und viel Gedrücks

  3. zauberhexe sagt:

    Ihr seid auf dem richtigen Weg!!
    Jedenfalls drücke ich für morgen die Daumen.
    Liebgrüß Karin (deren Tochter jahrelang nur mit Angst und Bauchweh zur Schule ging!)

  4. Ingrid sagt:

    Ach … das geht mir jetzt alles sehr nahe, weil ich beruflich ständig damit zu tun hatte und an meiner letzten Klasse auch fast verzweifelt bin. Viele Schulen tun alles, was sie können, Mediation, Konflikttraining etc., aber es gibt ein paar hartgesottene Fälle von Mobbern.

    Ich sehe euren Fall aber sehr positiv, weil ihr als Eltern genau das Richtige tut, in jeglicher Beziehung: mit den entsprechenden Lehrern Kontakt aufnehmen und das Kind stärken. Einen friedlichen Menschen wird man zwar nicht dazu bringen zuzuschlagen, aber ein bisschen mehr aggressive Selbstbehauptung (mit Worten, Blicken oder Drohgebärden) kann nicht schaden und das zu üben ist gut.

    Es geht mir auch nahe, weil ich meine eigenen Söhen gewaltfrei erzogen habe und mich viele Male fragen musste, ob das richtig war. Eventuell würde ich es in einem nächsten Leben anders machen ;-) und einen Mittelweg wählen.

    Den letzten Satz kann ich nur unterstreichen, dick, fett und rot!!! Nicht der Gemobbte muss gehen, sondern der, der andere ständig unter Druck setzt. Sich dafür der Unterstützung anderer zu versichern ist gut (Schule, Öffentlichkeit).

    Alles Gute!!

  5. kelef sagt:

    das mit dem gewaltfreien benehmen ist ja so eine sache, wie das mit den fremdsprachen. es ist einfach nicht möglich einer person die nur chinesisch spricht etwas auf suaheli zu erklären. einem tauben braucht man nicht vorzusingen, zeigen oder aufschreiben ist da viel besser. und eine richtige grundhaltung nützt leider gar nichts, wenn diese vom gegenüber nicht verstanden wird. deshalb auch karate in solchen fällen nicht unbedingt nur von der aggressor-interpretaion her sehen, sondern auch von der seite des sich wirklich und in echt wehren können. karate hat leider einen schlechten ruf bekommen, per se ist es eine „kampf“sportart, die eben nicht nur auf selbstverteidigung basiert sondern auch auf „angriff ist manchmal die beste verteidigung“. das beinhaltet nicht nur körperlichen, sondern auch geistigen „angriff“, und das müssen viele kinder, die gewaltfrei erzogen werden, sehr mühsam lernen.

    menschlich gesehen spricht es ja sehr für ihren jungen mann, dass er so reagiert, und auch für sie und ihre erziehung. aber wenn das gegenüber das nicht versteht, dann ziehen sie trotz allem den kürzeren. da nützt dann nur mein vielgeliebtes „ein kübel schmierseife und eine steile stiege, und einmal laut HUHHH sagen“.

    menschen, die ein umdrehen und stehen lassen als nachgeben interpretieren sind meist selber so erzogen. das fängt schon bei beispielen im elternhaus an: vater streitet mit mutter, einer der beiden dreht sich um und geht, der andere bleibt sitzen. das kind nimmt den sitzenbleibenden automatisch als sieger wahr, wie einen platzhirsch, was sich dann hinter der verschlossenen schlafzimmertür abspielt bekommt das kind ja nicht mehr zu sehen oder hören. und wie die geschichte weitergeht erst recht nicht, weil, man bewahrt die kinder ja unter allen umständen vor familiären zerwürfnissen (oft ausschliesslich deshalb, weil man nicht will dass in der nachbarschaft getratscht wird). so nimmt viel unheil seinen anfang, die kinder können nichts dafür und tragen dieses verhalten dann weiter.

    solange nicht klar ist warum einzelne personen sich so benehmen ist es auch sehr schwer, etwas dagegen zu unternehmen. wenn der grund nämlich darin zu suchen ist, dass die mobbende person irgendwo anders dauernd eine auf den deckel bekommt und nur einmal irgendwo der stärkere, bessere, grössere sein will, ist das eigentliche therapieziel ja der auslöser für das fehlverhalten des mobbenden, da nützt es nix wenn der gemobbte sich wehren (wie auch immer) kann. daraus resultieren die oft erstaunlichen wechsel von erzfeind zu busenfreund. vielleicht ist der mobber ja nur neidisch?

    ich hab in den paar jahrzehnten meiner berufstätigkeit so viele verschiedene formen von mobbing erlebt, dass mir ganz schlecht wird wenn ich daran denke. und es zog sich durch alle bildungsschichten, und eine menge nationalitäten., religionen und politische überzeugungen, oben gegen unten und unten gegen oben. die mobber sind immer die eigentlich schwächeren, egal wo sie stehen, aber abgesehen davon dass es immer leichter ist sich mit einem fehlverhalten auseinanderzusetzen wenn man den grund dafür kennt, ist es andererseits gerade beim mobbing durchaus angebracht dem anderen einmal in irgendeiner form eine überzubraten – muss ja nicht mir der kohlenschaufel sein.

    versuchen sie festzustellen wo es beim mobber interfamiliär oder in der gruppe hakt, vielleicht ist das problem ja so zu lösen.

  6. DorisL sagt:

    Ich drücke dir und deinem Sohn die Daumen und weine unbekannterweise eine Runde mit dir. Meine 7jährige Tochter wird auch gemobbt und mir zerbricht es das Herz.

  7. Daniela sagt:

    Achja, ich hab hier auch einen, der sich nicht wehrt und deswegen ausdrücklich angewiesen ist, wenn andere Methoden nichts gebracht haben (also laut „NEIN!“ zu sagen), mit dem Sand zurückzuwerfen oder so. Das kann mein Kind auch nicht, das will sich immer einigen. Aber es wird.

    Und: Gute Schule!

  8. Frau Brüllen sagt:

    Es tut mir sehr leid, sowas hier zu lesen. Aus tiefster Seele. (Wo Sie doch mein Vorbild für das Erziehen grossartiger Kinder sind). Ich habe ja auch ein extrem friedliebendes Kind zu Hause, dem von den Krippenebtreuuerinnen schon gesagt wurde: „Wehr dich.“ (Ich sag auch immer eher: lass dich nicht ärgern, Idioten ignorieren wir nicht mal).
    Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft.

  9. Ann sagt:

    Wow, Frau…äh…Mutti! Ich sitz' hier mit Tränen in den Augen und kann nur sagen: Sie machen das unglaublich toll! Ihre ganze Familie macht das unglaublich toll! Ich wünschte, es gäbe mehr Familien wie Sie es sind. Unser Welt wäre so viel besser.

  10. Christine sagt:

    Liebes großes Kind,

    ich kenne Dich nicht, aber würde Dich gern einmal kurz in den Arm nehmen *drück*.

    Mir ging es auch mal so, erst in der Berufsschule, ich wollte die Ausbildung abbrechen, ehrlich, so schlimm war das.

    Dann mein Chef, ich habe angefangen mich zu wehren. Ich habe nicht zugelassen, das dieser Mensch über mein Leben bestimmt und Macht ausübt. Und weißt Du was ich gemacht habe wenn er mich fertig machte mit Worten ?

    Ich habe ihn mir nackt vorgestellt.Wie er da so steht mit seinem dicken Bauch. Da wurde er plötzlich zu einem armen Würstchen der nicht mehr so bedrohlich war und ich musste fortan immer innerlich grinsen und habe ihm gesagt wenn mir was nicht passte.

    Tritt ihm selbstbewusst entgegen, ich weiß das ist sehr schwer, aber Du wirst es schaffen und zu Hause bei Mama darfst Du dann weinen….

    Ganz liebe Grüße
    Christine

  11. Angela sagt:

    Die fehlende päd.Auswirkung des nicht gesagten Satzes “ Dann hau halt zurück…“ ist mir vor Jahren von meinem damals 17jähr. Siohn bestätigt worden.
    Statt „immer alles zu bequatschen“ hätte er lieber gelernt, sich zu wehren, ggf. auch mit Taten.
    Er hat sich auf einer Klassenfahrt mal für einen Mitschüler eingesetzt, der fast verprügelt worden wäre und sich dabei ein mittelschwere Ohrverletzung (Trommelfell) eingehandelt.
    Vergangen, vergeben, vergessen…
    heute ist eer fast 28 jahre alt, friedfertig, ausgleichend etc.
    aber er läßt sich nicht mehr alles gefallen.
    Mußte er mühsam lernen – (fast) gegen die Erziehungsprinzipien seiner Mutter/Eltern.
    Soviel zum eigenen Erfahrungsbericht.
    Ihnen, Ihrem blutenden Löwenmutterherz und dem Kinde wünsche ich ganz viel Kraft, Toleranz und gelingende Durchsetzungstendenzen ;)
    Lg
    Angela H.

  12. Kerstin sagt:

    Liebe Frau Mutti,

    ohne Zweifel ist Mobbing in jeder Form inakzeptabel und ich hoffe, dass Sie und Ihr Sohn auch seitens der Schule alle Unterstützung bekommen, die Sie brauchen. Sie schaffen das, da bin ich mir ganz sicher!

    Für mich hat die Sache jedoch noch einen anderen, wichtigen Aspekt: Ihr Sohn lernt durch diese Sache, dass es anstrengend, aber lohnend ist, „anders“ zu sein, in vielem nicht der Norm zu entsprechen. Sicher ist es schlimm, dass Ihr toller Sohn der „Andere“ ist und „normal“ ein Zustand, in dem man sich nicht gern wiederfindet. Aber das ist nun mal die Gesellschaft, in der wir leben. Mit seiner Art wird Ihr Sohn immer wieder anecken, den Kinder, die „anders“ sind, werden (hoffentlich!) auch zu „anderen“ Jugendlichen und Erwachsenen. Dieses „Los“ wird Ihren Jungen also sein Leben lang begleiten und es ist wichtig, dass es früh lernt, damit umzugehen. Nur dann schafft er es „anders“ zu bleiben, sich durchzusetzen, Gleichgesinnte zu finden usw. Sie machen ihn stark für ein besonderes Leben – ich wünsche Ihnen und ihm alle Kraft der Welt.

    Beste Grüße
    Kerstin

  13. Sven sagt:

    sehr geehrte Frau…äh…Mutti

    sie haben ja selbst geschrieben das ihr sohn sich schwer tut das „hör auf“ zu brüllen… auch solche kinder gibt es… das macht es nur noch schwerer ihnen beizubringen sich zu „wehren“…. ich hatte das problem als jugendlicher selbst und sehe es auch auf jugendevents die ich betreue immer wieder

    Was ich den kindern/jugendlichen rate ist sich dann wirklich luft zu machen… all die wut, den schmerz und was dort alles auf der kleinen seele liegt ballen und nutzen… die person direkt konfrontieren… „na, bist jetzt ein ganz toller? was bringts dir denn?“ Viele dieser Raufbolde sehen sich plötzlich in der defensive und sind i.d.R. so irritiert das ihre aktion die ja zeigen soll wie „cool“ sie sind hinterfragt wird das sie verwirrt ablassen.

    Generell find ich es klasse das sie es geschafft haben die löwenmutter unter kontrolle zu halten und mit der schule zusammenzuarbeiten ;) zurückschlagen würde nie funktionieren da das kind gewalt ablehnt und somit zögernd und halbherzig wäre was neue ziele für raufbolde bildet!

    nun hab ich mehr geschrieben als geplant O.o schönen gruss und viel glück aus der hamburger ecke

  14. Anonym sagt:

    Schau mal:
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    Wahrscheinlich zu spät, vielleicht für Euch auch überflüssig…aber eine Chance, sich mit anderen auszutauschen.
    Ich drücke die Daumen, dass alles schnell besser wird!