damals …

3. März 2008

Das Ranz

Seit zwei Wochen wird es immer wieder in unserem Garten beobachtet: ein ca. 80 cm hohes, unsicher auf zwei Beinen wankendes Wesen.
Matschbraun, sandgrau und grasgrün gefleckt ist es nur schwer zu erkennen.
Beim näheren Betrachten stellen sich die Tarnfarben als eine zentimeterdicke Patina aus Rotz, Erde, Sand und Rindenmulch heraus, offensichtlich ist das Ranz bestrebt in der freien Natur nicht entdeckt zu werden. Allerdings verrät es sich von Zeit zu Zeit durch laute Freudenjuchzer, zum Beispiel dann, wenn es eine neue Suhle gefunden hat.

In der Hauptsache ernährt sich das Ranz anscheinend von Sandkuchen und Schlammsuppe, wobei es auch diverses Grünfutter und Rindenstücke nicht schmäht.

Ein gefangenes Exemplar setzt sich zur Wehr, indem es Sand, den es in verschiedenen Taschen und Aufschlägen
gesammelt hat, sorgfältig verstreut.

Der Versuch, das Ranz annähernd zu reinigen ist nicht völlig zum Scheitern verurteilt, obwohl größte Wasser- und Seifenmengen nötig werden. Allerdings ist das Ranz bestrebt seinen ursprünglichen Zustand so schnell wie möglich wieder zu erlangen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht, fehlt es an Sand und Schlamm, dürfen es auch Banane, Kalbsleberwurst oder eingespeichelter Zwieback sein.

Die artgerechte Haltung des Ranz erfordert also eine große Dreck-Toleranz und die Bereitschaft mehrmals täglich die Kleidung zu wechseln, auch die eigene.

Bislang noch unbestätigte Gerüchte versprechen eine gewisse „Sauberkeits-Anpassung“ des Ranz‘ mit zunehmendem Alter… hoffen wir das Beste.

Über sieben Jahre nach Enstehen dieses Textes (und des Bildes):

Es gibt eine gewisse „Sauberkeits-Anpassung“, Messer, Gabel und Löffel sind keine fremden Gegenstände und werden sehr gut benutzt. Lediglich Nudeln mit Tomatensoße und Nußnougatcremebrötchen wecken manchmal leise Erinnerungen an die „Patina-Zeiten“, sind aber kein Vergleich mehr.
Hosentaschen und -aufschläge sind nach wie vor Sandsammelstellen und ich vergesse das immer noch und immer wieder, fluche öfter über Sandhaufen in der Badewanne oder auf dem Boden davor.

Mittlerweile wankt das Wesen natürlich nicht mehr und ist gute 50 Zentimeter größer. (die Haare sind immer noch lang und blond)

5 Kommentare zu “damals …”

  1. Ines sagt:

    Oh! Liebste Pia!!!

    Vielen Dank für diesen Beitrag, ich habe mich köstlichst amüsiert :D !

    (Und harre da der Dinge, die vielleicht doch nochmal aufgelegt werden? *bettel*!) ;)

  2. dasmiest sagt:

    Sehr süß.

    Das Ranz (ist es ja heute noch) und deine Nostalgie-Welle. Bitte weiter. Danke.

  3. blixum sagt:

    das ranz sieht doch noch total sauber und süss aus.
    lg
    christine

  4. Platypus sagt:

    Oja, bitte noch mehr von den süßen Geschichten und Fotos.
    Lieben Gruß vom Platypus

  5. Michaela sagt:

    Hallo,

    ich glaube bei mir wohnt ein Verwqndter deines Ranz. Schau mal hier:
    Hier klicken

    Lachende Grüße

    Michaela