Warum tun Sie sich das an?

9. Dezember 2007

fragt Sabine und bezieht sich auf das Plätzchen-back-Gejammere.

Es gibt viele Gründe, weswegen ich jedes Jahr Plätzchen backe, obwohl ich am Abend dann das Gefühl habe, dass ich kein einziges dieser wundervollen Plätzchen verzehren, geschweige denn riechen, möchte.

Zum einen hat das tatsächlich was mit Tradition und „das war schon immer so“ zu tun. Mag man drüber streiten, ob man nicht auch mit alten Traditionen brechen kann und nicht immer alles so tun muss, wie die Urahninnen vor uns. Muss man aber gar nicht streiten, denn ich liebe diese Tradition. Ich erinnere mich sehr gerne an die Vorweihnachtszeit, an das Plätzchen backen, ich durfte Teig naschen, ich durfte Plätzchen ausstechen und manche Plätzchensorten machen mich schlagartig dreissig Jahre jünger, weil ich sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise anknabbern muss und dabei die Stimme meiner Oma im Ohr habe, die mich ermahnt, nicht mit meinem Essen zu spielen und alles vollzukrümeln. Plätzchen backen ist für mich ein Stück heile Kindheitserinnerung und genau die möchte ich meinen Kindern auch schenken. Ich stelle mir vor, dass sie sich in dreissig Jahren treffen und sagen: „Weisst du noch, wie Mama vor Weihnachten immer über das Plätzchen backen gejammert hat und es dann letztlich doch immer gemacht hat? Und diese eine Sorte Plätzchen da, die, die wir immer in den Kakao tunken durften, obwohl das am Tassenboden so einen ekligen Matsch gab … diese Sorte backe ich auch immer. Das Rezept ist von unserer Ururoma.“

Zum anderen liebe ich Plätzchen. Eine Mundvoll lecker und süß, mal zwischendurch. Oder ganz bewusst, am Tisch mit Kerze und Kaffee. Ein ganzes Stück Kuchen ist mir oft zuviel, aber drei, vier Plätzchen rutschen ganz locker auf die Hüften. Mit dieser Vorliebe bin ich nicht allein :-)

Und letztendlich liebe ich auch das Rumwurschteln in der Küche, auch wenn ich das sonst vehement abstreiten würde. Hunderte von Töpfen und Schüsseln, Löffel, Messer, Teigrührer, dazwischen Eierschalen, gemahlene Nüsse und der Fleischwolf, den ich verliebt anschaue, weil auch er ein Stück aus meiner Kindheit ist. Ich fühle mich dann schrecklich hausfraulich, binde mir eine Schürze um und höre Weihnachtslieder.
Klar wird die Küche eingesaut. Klar habe ich bergeweise Zucker und Mehl auf dem Boden. Klar klebt immer ein halbes Ei am Küchenschrank.
Doch das ist schnell wieder in Ordnung gebracht. Gestern abend zum Beispiel saß ich auf dem Sofa und der beste Vater meiner Kinder wuselte rasch durch die Küche :-)

Es ist eine aufwändige Sache, doch sie gehört einfach dazu. Genauso wie ein Adventskranz, der in letzter Minute fertig gestaltet wird, der Adventskalender, dessen einzelne Türchen manchmal erst am Abend vor dem Öffnen befüllt werden, Kerzen, Weihnachtsschnickeldi und die letzten drei Geschenke, die man vergessen hat zu besorgen. Ich möchte es nicht missen, denn dann hätte ich keine Jammereien zu Bloggen.

Danke für den Gedankenanstoß!

4 Kommentare zu “Warum tun Sie sich das an?”

  1. Sylvia sagt:

    Hallo,

    das passt schon :-)

    In meiner kinderlosen Zeit habe ich mich immer gewundert, dass die ebenfalls kinderlosen Kolleginnen gejammert haben, wie viel Stress sie mit dem Backen haben. Da würde ich mal sagen, wenn es sie WIRKLICH stresst, sollen sie es halt lassen, aber Bänker sind nun mal meistens ganz besonders konservativ, was „man“ schon immer macht, wird beibehalten, außerdem sind wir ja Schwaben ;-)

    Ich selbst backe nicht gerne, aber seit ich Kinder habe, tu ich mir die Plätzchenbäckerei auch an. Meine Kinder sollen diese Erinnerung an eine hoffentlich schöne Vorweihnachtszeit mitnehmen.

    Für mich ist es zu spät, bei uns daheim gab es das nicht, für mich riecht leider nichts nach Weihnachten. Manchmal bedauere ich das….

    Viele Grüße,
    Sylvia

  2. Anka sagt:

    Absolut nachvollziehbare Begründung.
    Hier bei uns gibt es auch seit Jahren eine erkleckliche Sortenvielfalt und entsprechernde Streßsymptome bei den Bäckerinnen (hier backen – auch schon seit Jahren- immer zwei Freundinnen zusammen die doppelte Menge für ihre zwei Haushalte – ist dann nicht so langweilig).
    Es gibt natürlich auch immer Gejammer und resultierend die durchaus berechtigte Frage, warum man sich das denn dann antue?
    Auch hier ist es normal, dass wir nach einem Backmarathon meinen, nie mehr Kekse sehen zu können. Ebenso normal ist es, dass sie schon am nächsten Tag wieder munden.
    All das gehört dazu, da haben sie recht und nie und nimmer würde ich meinem Kind diese Geschäftigkeit, diese Düfte und all das andere Traditionelle vorenthalten wollen, weil, ja weil es ein Stück Liebe ist.
    Einen schönen 2. Advent wünsche ich!

  3. Tanja sagt:

    Liebe Frau…äh…Mutti,
    auch ich danke für diesen wunderschönen Text. Und ich gestehe: es geht mir genauso. An diesem einen Wochenende vor dem ersten Advent (es wird nur da gebacken, war schon immer so…) erwacht mein Hausfrauen-Gen ganz heftig. Und dann geht es mir wie ihnen – Schürze um, ab in die Küche. Ich schimpfe jedes Jahr spätestens am Samstag Nachmittag…
    ….aber vermissen möchte ich es nicht!!!
    Herzliche Grüße
    Tanja aus WN

  4. Helga sagt:

    SIE SPRECHEN MIR JA SOOO AUS DER SEELE ! :)