Freie Tage sind schön,
1. März 2007
manchmal sehr wichtig und oft langweilig.
Mein Tag war ruhig, unproduktiv und erholsam und nachmittags habe ich tatsächlich die Kinder vermisst. Und hatte viel zu viel Zeit zum Nachdenken.
Uns scheint es manchmal so, dass das Leben, welches wir gewählt haben, viel zu anstrengend ist. Dass wir als Mütter ständig fremdbestimmt sind, dass wir keine Minute für uns allein haben und obendrein keine Anerkennung finden, weder finanziell noch in Form von Lob oder lieben Worten. Wenn wir krank oder müde sind, müssen wir trotzdem funktionieren. Wenn wir schlecht gelaunt sind, dürfen wir das nicht sein, weil wir das reine Mutterglück ausstrahlen sollen. Wenn wir genervt sind, bekommen wir blöde Sprüche über selbstgewählte Schicksale zu hören. Die Nachbarin oder Freundin, die kinderlos und am Besten noch ledig ist, hat einen geregelten Job, kann sich bei Bedarf krank schreiben lassen und hat um fünf Feierabend. Ausserdem hat sie ein erfülltes Leben, genießt kulturelle Ereignisse und Kinoprämieren, kennt alle Museen und Ausstellungen, fliegt am Wochenende bis morgens in den Discos rum oder mal eben nach Paris zum Shoppen und hat ausserdem ständig wilden, hemmungslosen Sex auf dem Küchentisch, die Glückliche.
In unregelmäßigen Abständen höre ich diesen Stoßseuzer und frage mich dann immer, wo die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben geblieben ist. Das ständige Wünschen und Streben nach dem, was man nun mal nicht hat, muss so demotivierend sein!
Natürlich ist der Mutterjob kein leichter, natürlich wird er nicht bezahlt, natürlich dankt es einem mal wieder niemand, wenn man die Blagen zu verantwortungsvollen, selbstbewussten, strebsamen und ordentlichen Mitgliedern der Gesellschaft erzieht.
Und genau an dieser Stelle muss ich den verhassten Satz sagen:
Ich habe dieses Leben gewählt.
Mit dem „Ja!“ zum positiven Schwangerschaftstest habe ich den Job „Mutter“ angenommen, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Und bei Licht betrachtet, ist dieser Job garnicht mal so übel. Ohne diesen Job müsste ich den Haushalt trotzdem machen. Sicher genauso mit Hilfe des Mannes an meiner Seite (so es denn einen gäbe) und sicherlich mit sehr viel weniger erheblich dreckiger Wäsche. Aber vielleicht müsste ich dann irgendwelche Büroklamotten bügeln, statt die schlunzige Jogginghose zur perfekten Arbeitskleidung zu erklären. Mein Mittagessen müsste ich nicht selbst kochen, das würde der Kantinenkoch für mich tun. Oder der Imbissbudenbesitzer. Oder das Fast Food Restaurant. Ich müsste trotzdem früh morgens aufstehen. Ich könnte nicht nachmittags um drei mal eben eine Runde spazieren gehen, nur weil die Sonne so hübsch scheint. Mein Klo wäre trotzdem dreckig und sogar die Fenster müssten geputzt werden. Und die vermaledeite Putzerei würde ich genauso hassen,, wie jetzt, wenn Kinder helfen wollen oder sollen. Vielleicht hätte ich einen hirnrissigen Azubi, der mir dan ganzen Tag doofe Fragen stellt, statt sein Hirn einzuschalten. Vielleicht hätte ich einen Chef, der mich mit Arbeit, anzüglichen Bemerkungen und/oder willkürlichen Entscheidungen meinen Urlaubsantrag betreffend überhäuft.
Wenn ich ganz ehrlich bin, hat das Singleleben, das selbstbestimmte, für mich genauso viele Nachteile wie Vorteile. So wie das Mutterleben genauso viele Vorteile wie Nachteile hat.
Hier könnte nun ein langer, auf die Tränendrüse drückender Text (ja, das fiele mir leicht, den zu schreiben) stehen, über das unsägliche Glück, wenn man zarte Liebesworte vom großen, pubertierenden Sohn ins Ohr gehaucht bekommt oder wenn die Tochter „ich bin sooo glücklich!“ singt oder wenn der kleine Sohn „Schalf gut, träum süß, bis morgen früh!“ unter der Bettdecke hervornuschelt. Über Kinderlachen und Toben und Jauchzen und einen Blick für Dinge kriegen, die man sonst übersehen würde. Ein langer, kitschiger Text über Dankbarkeit und Demut und über die Liebe zum Leben.
Aber ich glaube, dass jede Mutter diesen Text schreiben kann. Und deshalb spare ich ihn mir. Obwohl vielleicht die eine oder andere sich mal wieder daran erinnern müsste: das harte, entbehrungsreiche Leben der Mutter hat zwei, drei schöne Seiten, Mädels. Nicht vergessen.
1. März 2007 um 20:09
Liebe Pia!
Danke. Danke für den letzten Absatz!
1. März 2007 um 20:14
Eben!
1. März 2007 um 20:27
Oh wie wahr!!!!
LG heike :ok:
1. März 2007 um 20:54
gaaaanz genau !!!
DANKE !
gruss, twinmom
1. März 2007 um 21:08
Diesen schönen Text hätte ich gerne alle paar Wochen mal wieder ganz oben im Blog, damit ich wieder wachgerüttelt werde! Danke. Wie wahr. *schäm*
1. März 2007 um 21:45
Liebe Pia,
ein ganz ganz dickes DANKESCHÖN für diese wunderbaren Zeilen! Du triffst – wie immer – den Nagel auf den Kopf!
Ich schließ mich Britta an: Bitte immer mal wieder nach oben holen und uns lesen lassen, damit wir nicht vergessen: MUTTER sein ist die schönste Berufung und das größte Glück das es gibt… Danke fürs Wachrütteln!
1. März 2007 um 23:10
Thanks a bunch Mrs P. aus N., irgendwie war mir heute auch so…so…nachdenklich bzgl. der Kinder und dem nur noch Mutter- und Hausfrauendasein…aber ich wuerde meine Bande (und da ist der Mann im Haus gleich mal mit eingeschlossen) nie nicht mehr gegen's Single-SoUndSo eintauschen wollen. Have been there, have done that…and now I'm happy as it is!
2. März 2007 um 06:42
Perfekt auf den Punkt gebracht!
danke, liebe Grüße
Gabi K
2. März 2007 um 07:02
Hundert Punkte für diesen Text!!!
Ich danke Ihnen, dass Sie meine Meinung mal wieder so treffend und PERFEKT formuliert haben :) :D
viele liebe Grüße aus dem Boot nebenan
anabel
2. März 2007 um 07:47
Ein wunderschöner und wahrer Text! *tränchenwegwisch*
2. März 2007 um 08:55
das unterschreib ich auch; wie habe ich mich auf den Tag gefreut, als die Kids groß genug waren und ich endlich wieder arbeiten gehen durfte; endlich wieder unter Erwachsene, normale Gespräche führen, kein verhasstes Memoryspiel mehr, nicht mehr ständig nur Nudeln mit roter Soße…..Seit einigen Jahren genieße ich das Arbeitsleben wieder und habe festgestellt; Kinder sind die besseren Erwachsenen; und was um alles in der Welt ist so schlecht an Nudeln? Und überhaupt; Memory ist ein gnadenlos tolles Spiel…..Ich will wieder zu Hause bleiben; spielen, wenn ich Lust dazu habe, einfach nur spazierengehen, wenn die Sonne scheint, auf dem Spielplatz sitzen und Kochrezepte austauschen, über die Vorzüge von diversen Windelsorten diskutieren; selbstkochen oder Gläschen; für 8 Leute den Urlaubswagen packen sehr zur Freude der Nachbarschaft; Wäsche falten; Strümpfe sortieren; ich muss los, mir eine Zeitmaschine besorgen; irgendwo gabs die im Angebot…..
2. März 2007 um 09:52
BRAVO !!!
2. März 2007 um 11:06
lag das am wetter gestern? hab mir auch viele gedanken gemacht und finde den text einfach super!
2. März 2007 um 11:41
Schöner Eintrag, danke :)
2. März 2007 um 13:06
danke.
2. März 2007 um 13:39
Danke auch :-) kam grad richtig und ich such mir keinen Job, sondern versuche nochmal bei der Großen Nissen auszukämmen … Jubel, die beiden anderen sind fertig nissen und läusefrei. (Hatte nämlich wirklich eben meinem Mann gemailt: Ich such mir nen Job und Mary Poppins. Nach dreifacher Entlausungsaktion kann man ein wenig auf dem Zahnfleisch gehen.
2. März 2007 um 22:29
Ein bemerkenswerter Text, der mir deutlichmacht, dass es notwendig ist,das, was man täglich macht wertschätzen zu können.
3. März 2007 um 07:26
danke-der text kam genau zum richtigen zeitpunkt. echt. 1000 dank. *jammermodusjetztoff*
3. März 2007 um 09:04
:ok: Danke, fürs realistische betrachten des Single-Lebens;-)
Lilli, Singele kinderlos und (ich gebs ja ungern zu aber) manchmal neidisch auf das anstrenende aber (scheinbar) oft erfülltere Leben als Mutter. Dein Text hat auch mich angeregt mal wieder darüber nachzudenken was ich habe und dafür dankbar zu sein statt immer nur nach den Defiziten zu schauen. :ok:
3. März 2007 um 22:54
Danke! Manchmal muss man einfach von außerhalb und von jemandem, der sich ebenfalls freiwillig in dieses Schicksal ergeben hat, erinnert werden.
Sohn ist gerade mal ein paar Stunden aus dem Haus – nach Umzug vor einem halben Jahr zum ersten Mal über Nacht bei einem Klassenkameraden – und schon denke ich, wie es ihm wohl geht, ob er wohl schon schläft etc. Und ich freu mich schon auf Morgen! :)
5. März 2007 um 10:28
Auch als Nichtmutter sage ich: ein wunderbarer und sehr sehr gut geschriebener Text, es macht Freude, ihn zu lesen. (Wie überhaupt dieses Blog.)
Liebe Grüße!