ach, früher.

9. Januar 2007

Früher betrat Frau … äh … Mutti das Fotogeschäft ihres Vertrauens und wurde freundlich und mit Namen begrüßt. Dem Fotohändler hinter der Theke drückte sie ihre drei Filmröllchen in die Hand, ließ sich kurz über aktuelle Angebote beraten und bestellte, wie immer, 10×13, matt.
Drei Tage später betrat sie erneut den Laden, voller Spannung, wieviele der eingereichten 72 Bilder tatsächlich etwas geworden waren. Und was sie eigentlich fotografiert hatte.
Der Fotohändler reichte drei gelbe Tüten über die Theke und bot Frau … äh … Mutti einen Stuhl in einer ruhigen Ecke des Ladens an. „Schauen Sie sich die Bilder in Ruhe an und sortieren sie die schlechten aus.“
Frau … äh … Mutti hat nie etwas Schlechtes aussortiert, denn selbst völlig unscharfe Bilder erinnerten ja an genau diesen Moment, der so toll, spannend, erinnerungswürdig war.
Die Bilder wurden bezahlt, drei neue Filme gekauft und der Gutschein zur kostenlosen Entwicklung von drei bis zehn Bildern eingeheimst. Auf ein Neues.

Heute ist das ganz anders.
Frau … äh … Mutti knippst ein Bild nach dem anderen, lädt die Bilder von der Kamera auf den Rechner und wählt die allerschönsten aus. Mit der Bildbearbeitungssoftware wird Störendes weggeschnitten, aufgehellt, der Kontrast vertieft und die Farbbalance optimiert. Danach werden die Bilder online zu einem der diversen Entwickler geschickt und vier Tage später abgeholt. Keine Überraschung mehr, keine Spannung.

Spannend wäre allenfalls die Tatsache, dass meine Bilder, die ich am 2. Januar zur Entwicklung schickte und die am 4. Januar in die Drogeriefiliale am Bahnpfad geschickt wurden, noch immer nicht dort angekommen sind. „Vielleicht morgen?“, versucht die Verkäuferin Frau … äh … Mutti zu beruhigen. Die lässt sich allerdings nicht beruhigen, sondern schickt nun umgehend eine Anfrage los.

Früher war alles viel besser. Bestimmt.

3 Kommentare zu “ach, früher.”

  1. ladybird sagt:

    An Zeiten, als ich mit meiner dicken Bildertüte in einem ruhigen Eckchen des Fotogeschäfts stand und die guten von den schlechten Aufnahmen trennte, erinnere ich mich auch noch.
    Das Fotogeschäft gibt es immer noch, der Verkäufer ist in die Jahre gekommen (so wie ich), aber immer noch unverändert freundlich. Er war einer der ersten, der mir, zusätzlich zu den Negativen, die Bilder auf CD anbot. Nach dem Bezahlen fragte er immer: „Neuen Film mitnehmen?“ Einen Entwicklungsgutschein gab es immer zum Film dazu.
    Was mag er jetzt wohl fragen, wenn die Kunden Abzüge ihrer digitalen Fotos bei ihm bestellen? Ich war schon lange nicht mehr dort …
    Das WDR-Fernsehen zeigte in der letzten Woche den Bericht von einem Ehepaar, das die Fotos seiner Goldenen Hochzeit und einer Audienz beim Papst beim Drogeriemarkt ihres Vertrauens bestellten. Film in einen Tüte, Name drauf, nach 3 Tagen die fertigen Abzüge abholen.
    Sie warten schon seit Wochen auf die Bilder, niemand kann ihnen sagen, wo sie geblieben sind. Alle Recherchen blieben erfolglos. Sie haben keinen PC, keinen Speicherchip, auf dem Sicherheitskopien zur Verfügung stehen. Was ihnen bleibt, sind die Bilder im Kopf … Traurig.

  2. Jule sagt:

    Gut, die dicken Tüten sind verschwunden und man erinnert sich natürlich an die Bilder, die man zum Onlineentwickler hingeschickt hat, aber Spannung? Spannung gibt es immernoch!! Jedesmal aufs neue, wenn ich die angekommene Bestellung aufreiße und mir ansehe, was das Fotolabor aus meinen Bildern gemacht hat. Da werden schwarz-weiß Bilder schonmal mit rosa-stich abgeliefert und Konzertbilder, die viel,viel zu dunkel sind. Nein, nein, mangelnde Spannung – darüber kann ich mich nun wirklich nicht beklagen!

  3. strandi sagt:

    Soll ich mir doch keine Digitalkamera anschaffen? Die 9-Jahre-alte Minolta meiner Mutter ist jedenfalls noch tiptop und bereitet immer wieder vergnügende Überraschungen.. :D