lachend – weinend
4. Juli 2006
Gestern abend Einführungsabend in der Schule des jüngsten Kindes.
Die zukünftige Lehrerin stellt sich vor, sehr sympathisch, sehr geduldig, sehr kompetent wirkt sie. Ich kann ihr mein Kind ruhigen Gewissens überlassen. 12 Kinder werden die Klasse 1a besuchen, anfangs nur zehn, zwei Kinder leben derzeit noch in der Kommunikationsklinik. Vier Pädagoginnen teilen sich den nervenaufreibenden Job sprach- und entwicklungsverzögerten, wahrnehmungsgestörten Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen bis zwanzig bei zu bringen. Hut ab, die Erinnerung an zwei „normale“ lesen-lernende Kinder hat sich tief eingeprägt. („Llll – aaa“, „Nein, zieh zusammen: LA“, „Lll-aaa“, usw.)
Der Grundschulstoff ist auf das Mindeste reduziert, wegen der Auffälligkeiten der Kinder bleibt, trotz Ganztagsschule, wenig bis keine Zeit für Vertiefung von Themen im Sachkunde-Bereich oder lustige Arbeitsblätter, mit denen andere ABC-Schützen beglückt werden. Es geht um reine Wissensvermittlung.
Der Sachkundebereich bereitet mir wenig Sorgen, das jüngste Kind hat ein gutes Allgemeinwissen, angeschnittene Themen aus der Schule können wir leicht daheim nebenher vertiefen. Auch das Lesen- und Schreibenlernen bereitet mir erstaunlich wenig Sorgen, denn das jüngste Kind zeigt großes Interesse an Buchstaben und freut sich darauf, die Asterix-Comics endlich auch „richtig“ lesen zu können. Nur das Rechnen … das wird ein K(r)ampf, Mengenvorstellung ist kaum vorhanden, doch seit Neuestem beherrscht er immerhin das Erfasssen einer Menge bis fünf ohne zu zählen. „Ein Zeichen für Schulreife“, beruhigt die Stimme im Kopf, „das mussten die beiden Großen können, um zu beweisen, dass sie trotz ihres zarten Alters reif für eine frühere Einschulung sind.“
Aus der Pflicht genommen sind wir Eltern trotz Ganztagsschule nicht. Hatte ich mich doch leise gefreut, dass die leidigen Schwungübungen (Wellen und Dachzigel und Fischschuppen) diesmal während der Schulzeit erledigt werden … nix iss. Hausaufgaben wird es geben und, wie bisher, Hausaufgaben über´s Wochenende. Das bedeutet im Klartext: soziale Kontakte sind nur am Wochenende möglich. Die Schule endet um 15:10 Uhr, bis das jüngste Kind vor unserer Haustür steht, ist es fast 16:00 Uhr. Hausaufgaben, ausruhen, spielen, erzählen – die Reihenfolge wird sich finden. Abendessen, Bad, Bett. Der Tag wird kurz. Oder sehr lang.
Und so hat alles, wie immer, zwei Seiten. Ich lache, weil ich weiß, dass mein jüngstes „anderes“ Kind die bestmögliche Förderung erhält.
Aber ich weine auch, weil es seinen besten Freund immer seltener zu Gesicht bekommt.
Immerhin rückt fast die gesamte Vorschulklasse in die erste Klasse auf, so dass er Schulfreundschaften nicht aufgeben muss.
Er hat ein anstrengendes Leben, der kleine Mann und trotzdem hat er seine Fröhlichkeit nicht verloren. Vielleicht sollte ich mir (mal wieder) ein Beispiel an ihm nehmen und mir verdeutlichen, dass er lernen WILL und dass ihm die Schule Freude bringt.
Auch wenn´s aus der Sicht der gluckenden Mutter verdammt schwer ist.
4. Juli 2006 um 12:25
Das ist bestimmt verdammt schwer für Dich und Euch – aber Du/Ihr macht das Beste daraus – herzliche Grüße, auf das das Lachen die Oberhand gewinnt. LG
4. Juli 2006 um 12:45
Das hört sich nach einer tollen Schule für ein tolles Kind an :)
Mein kleiner „Anderling“ wird auch immer und überall dafür gelobt, wie arbeits- und lernfreudig er ist. Ich habe gerade einen Stapel Rätselblöcke für den Urlaub gekauft – und das ist nicht als Qual gedacht und kommt auch nicht so an.
Liebe Grüße, dasMiest
4. Juli 2006 um 15:07
Klar kannst Du loslassen. Ihr habt es doch schon so weit geschafft. Hier bei uns geht die Schule immer bis 3h. Und ich frage mich jeden Tag, wann die kids eigentlich spielen. Die traurige Wahrheit ist, dass amerikanische Kinder kaum spielen und schon gar nicht draussen. Schoen zu wissen, dass das bei Euch anders ist!